Naturgefahren Aus Schaden klug werden: Vorsorge statt Nachsorge?

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1 Naturgefahren Aus Schaden klug werden: Vorsorge statt Nachsorge?

2 Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen... _ Erkenntnis: Bei allen Fallbeispielen wären vorsorgliche bzw. präventive Massnahmen günstiger gewesen _ Erste Reaktion: Hätte man doch nur diese oder jene Massnahme ergriffen..., dann wäre... _ Bei genauerer Betrachtung: Möglicherweise machte es doch Sinn, im Vorfeld auf einzelne Massnahmen zu verzichten... _ War es ein Fehler?... War es ein Irrtum?... Oder würde man heute wieder gleich entscheiden? _ Wann sind Massnahmen im Voraus überhaupt gerechtfertigt?

3 Rückschaufehler (Hindsight bias)

4 Nach welchen Regeln werden Massnahmen geplant? Im besten Fall risikobasiert _ Kosten der Massnahme [Fr./Jahr] _ Investition, Betrieb und Unterhalt, Erneuerungszyklen,... _ Nutzen der Massnahme [Fr./Jahr] _ monetäre Risikoreduktion durch Massnahme _ Die Verhältnismässigkeit fordert Kosten Nutzen

5 Risiko?... Ein Versuch in die Zukunft zu blicken _ Risiko = Häufigkeit x Ausmass [Fr./Jahr] _ «repräsentative» Szenarien _ Häufigkeit des Ausmasses [1/Jahr] _ Ausmass [Fr.] = f (Intensität, Verletzlichkeit, Exposition) _ Intensität (Gefahr) = physikalische Grösse _ Ausmass physikalischen Grösse! _ Exposition und Verletzlichkeit sind variabel (Tendenz steigend)

6 Risiko ist allerdings keine Ereignisprognose! _ Auch ein sehr seltenes Ereignis ist beinahe jederzeit möglich _ grosse statistische Unsicherheit v.a. bei seltenen Ereignissen _ zu geringe Stichproben _ Mangelndes Prozessverständnis _ Veränderungen in der Umwelt _ zunehmende Nutzung des Raumes _ zunehmende Verletzlichkeit _...

7 Häufigkeit seltener Gefahren-Ereignisse (Hitzewelle 2003: 10. Rang todesreichster Katastrophen seit 1970) _ statistisch schlecht erfassbar, sog. «statistische Ausreisser» _ je seltener, desto katastrophaler _ je verheerender, desto bedeutender _ vermeintliche Linearität bei begrenzter Messreihe jedoch ist Statistik Basis jedes Risikomanagements! 1/10 J. 1/100 J. 1/1 000 J. (Schär et al. 2004)

8 Ausmass Was ist überhaupt ein Schaden? _ Ein Schaden ist jeder materielle oder immaterielle Nachteil, den eine Person oder Sache durch ein Ereignis erleidet. _ bspw. Sachschaden, Umweltschaden, Personenschaden (Verletzung, Krankheit, Todesfall), Finanzschaden, Imageverlust, Kundenverlust... _ Schadenindikatoren werden i.d.r. durch Monetarisierung aggregiert _ Ein Schaden kann sich unmittelbar oder mit zeitlicher Verzögerung manifestieren _ Ein Schaden kann Einzelne in den Ruin treiben... für Andere ist er Schlüssel zum Erfolg!

9 Zunehmendes Schadenpotential Die Schweiz wächst bei konstanter Fläche (42 000m 2 ) _ 8.3 Mio. Einwohner _ m 2 /EW _ 370 m 2 Siedlungsfläche/EW _ Letzte 100 Jahre _ Bevölkerung x 2 _ Wasserverbrauch x 6 _ Stromverbrauch x 60 _ derzeit _ Siedlungsfläche +1 m 2 /sec _ Konjunktur: durchschnittliche Zunahme BIP +2.2% / Jahr _ Zunehmende Technisierung _ Moor s Law: Computerleistung verdoppelt sich alle 2 Jahre: 2049 Computer für Fr. wird Rechenfähigkeit der Menschheit übertreffen... _ Single Point of Failure (SPOF) _ Konvergenz von Systemen (black box) Zunahme der Konzentration und der Verletzlichkeit von Schadenpotentialen!

10 Schaden ist nicht statistisch verteilt (z.b. Hochwasser 2005) Ein Betrieb (RUAG) 5% Zwei Industriegebiete 17% Versicherte Schäden 66% Private Schäden 77% Infrastrukturschäden 19% Schäden an Bahnen 4% Gesamtschäden 100% [Mia CHF]

11 Risikobasierte Planung Es gibt nicht nur eine Lösung _ Risiken vermeiden _ Redundanzen schaffen (Ausmass begrenzen) _ Risiken vermindern _ Prävention (Dimensionierung, Häufigkeit begrenzen) _ Risiken überwälzen _ Versichern, jedoch nicht alles ist versicherbar _ Restrisiko selber tragen _ Vorsorge: sich auf Bewältigung vorbereiten, Notfallplan, BCM,... _ Nachsorge: Bewältigung des Ereignisses

12 Überhöhte Zahlungsbereitschaft nach Ereignis _ Nach grossen Schäden wird oft «unverhältnismässig» viel für die Prävention ausgegeben! _ Nutzen der politischen Gunst der Stunde _ Verfügbarkeitsheuristik (Erlebnisse und aktuelle Medienberichte beeinflussen Entscheidungen stark) _ gesellschaftlichen Bewältigung «Ablasszahlung» _...

13 Vorsorge statt Nachsorge? Lessons Learned: _ Ungefährdete Werte gehen im Ereignis nicht kaputt _ Kritische Komponenten müssen redundant oder rasch ersetzbar sein _ Eskalieren durch Dominoeffekte im Voraus ausschliessen _ Das Restrisiko muss bewältigbar bleiben _ Tendenz zur Risikokompensation begegnen _ Vorsorgliche Massnahmen sind nicht substituierbar _ Bewältigung heisst Umgang mit Überraschungen _ Vorsorge statt Nachsorge? Nachsorge dank Vorsorge!

14 Dr. Matthias Wegmann, Basler & Hofmann Vielen Dank! Basler & Hofmann, Forchstrasse 395, 0832 Zürich

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