Beitrag Vernehmlassungsbericht Krankenversicherung

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1 Maria Büchel Züghüsle Balzers Tel: An das Ministerium für Gesellschaft 9490 Vaduz Balzers, Beitrag Vernehmlassungsbericht Krankenversicherung Seit 30 Jahren bin ich im Gesundheitswesen an der Front tätig. Ich arbeitete als diplomierte Pflegefachfrau in diversen Akutspitälern, sowie in der Langzeitpflege im Pflegeheim Balzers. Meine Eltern begleitete ich in ihrer Krankheit bis zu Ihrem Tod. Leider musste auch ich selber in den letzten Jahren als Patient bzw. Kostenverursacher das Gesundheitswesen in Anspruch nehmen. Jetzt arbeite ich als Medizinische Kodiererin und ermittle die Fallpauschalen bzw. die Kosten der stationären Fälle. Ich kenne also das Gesundheitswesen aus verschiedenen Perspektiven. In meinem jetzigen Berufsalltag bin ich täglich mit den stationären Kosten konfrontiert. Mit Interesse habe ich den Vernehmlassungsbericht der Regierung gelesen. Es ist eindrücklich, wieviel höher die ambulanten Kosten in Liechtenstein gegenüber den Nachbarkantonen sind. Sicherlich liegt ein grosser Handlungsbedarf vor. Ich erlaube mir jedoch einige Anmerkungen meinerseits. Bei Unklarheiten in meinen Ausführungen stehe ich für Rückfragen gerne zur Verfügung.

2 1. Erhöhung der Eigenverantwortung Tiers garant: Ich denke es ist ein guter Ansatz die Eigenverantwortung zu fordern. Dabei ist das Umsteigen auf das Tiers garant sicher eine wirkungsvolle Massnahme. Wahlmöglichkeit der Franchise: Auch mit der Wahlmöglichkeit der Franchise bin ich einverstanden. So kann jeder Versicherte für sich selber entscheiden, wieviel Risiko er selber tragen will. Obligatorische Erhöhung des Selbstbehaltes für Rentner und chronisch Kranke: Mit der obligatorischen Erhöhung des Selbstbehaltes für Rentner und chronisch Kranken bin ich nicht einverstanden. a) Bei der Mutterschaft wird auf eine Kostenbeteiligung verzichtet mit der Begründung, dass das präventive Angebot bei einer Kostenbeteiligung nicht in Anspruch genommen werden könnte und somit mögliche Krankheiten zu spät entdeckt werden könnten. Dem stimme ich durchaus zu. Für mich gilt diese Argumentation jedoch auch für chronisch kranke Menschen und für Rentner. Es erscheint mir nicht ratsam bzw. es ist sogar kontraproduktiv, diese Patienten möglichst vom Hausarzt fernzuhalten. Gerade diese Gruppe ist auf eine kontinuierliche ärztliche Begleitung angewiesen, damit auch hier mögliche Verschlechterungen der Leiden frühzeitig erkannt und entsprechende Massnahmen eingeleitet werden können. Somit können eskalierende Situationen mit notfallmässigen Spitaleinweisungen und teuren Interventionen im besten Fall vermieden, aber sicherlich reduziert werden. In meiner täglichen Arbeit als medizinische Kodiererin in einem Kantonsspital, habe ich bereits Kostenverursacher kodiert, welche aus Kostengründen die Medikamente eigenhändig abgesetzt haben und einfach nicht mehr zum Hausarzt gegangen sind. Die Folgen davon sind notfallmässige Einweisungen, sehr kostspielige Interventionen, Aufenthalte auf der Intensivstation, lange Spitalaufenthalte etc. Die Kosten sind gewaltig. b) Nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben entfällt dem Rentner der Arbeitgeberbeitrag. Er muss also ohnehin schon einen höheren Anteil der Prämie übernehmen. c) Die Aussage, dass Rentner nicht gleich Bedürftigkeit ist, stimmt sicherlich. Das Selbe gilt für chronisch kranke Menschen. Aber weiter gedacht, gilt dieses Argument für alle Personen. Mutter werden/sein ist nicht gleich Bedürftigkeit. Junger Familienvater sein ist nicht gleich Bedürftigkeit etc. Arbeitnehmer sein ist nicht gleich Bedürftigkeit..Lezterem wird jedoch unabhängig vom Gehalt eine Prämienreduktion durch den Arbeitnehmerbeitrag zugestanden. Wie wäre es, wenn z. B. nur die untersten Lohnstufen eine Prämienreduktion durch den Arbeitgeberbeitrag erfahren würden, und mit den gesparten Arbeitgeberbeiträgen ein Fond gemacht würde aus dem Arbeitsplätze für die IV-Eingliederung geschaffen würden? Ergänzend dazu könnten grössere Betriebe gesetzlich verpflichtet werden, solche Eingliederungsplätze zur Verfügung zu stellen. Mit diesen Massnahmen würden langfristig 2

3 viele Gesundheitskosten gespart werden, weil grundsätzlich auch kranke und oder ältere Menschen arbeiten möchten, sie jedoch oft keine Chance erhalten Übertragung der Kompetenz zur Erstellung einer Bedarfsplanung an den Kassenverband Dass die Bedarfsplanung nur noch vom Kassenverband getätigt werden soll, ist für mich nicht nachvollziehbar. Dass beim vorhandenen Status Schwierigkeiten aufgetreten sind und noch werden, ist nachvollziehbar. Liegt aber angesichts der unterschiedlichen Interessen in der Natur der Sache. Für Aussenstehende ist es nicht nachvollziehbar, warum es zu keiner bzw. nur teilweisen Einigung gekommen ist. Daraus jedoch als Lösung einen Alleinherrscher (LKV) zu bestimmen, ist für mich keine akzeptable Lösung. Ich frage mich, warum der LKV so eine Lobby besitzt. Ist die Regierung sich bewusst, was für eine uneingeschränkte Macht mit dieser Gesetzesänderung dem LKV übergeben wird? - Er bestimmt welcher Leistungserbringer einen Vertrag erhält. (Nach welchen Kriterien?) - Der Vertrag wird auf 4 Jahre befristet. Das heisst, dass jeder Leistungserbringer nicht länger als 4 Jahre planen kann. Sollte er den Kriterien des LKV nicht entsprechen, wird der Vertrag nicht verlängert. Eine einzige Instanz die entscheidet! Ich frage mich, wer überprüft die Entscheide der Krankenkassen? Nach welchen Kriterien? Ist der ökonomische Aspekt der einzig wahre? Ich denke, dass diese Variante nur noch für ausländische Leistungserbringer interessant sein kann, welche für 4 Jahre die Stelle besetzen und danach wieder ins Heimatland zurück kehren. Wo bleibt die so dringend benötigte Nachhaltigkeit? Wirtschaftlichkeit der Behandlung Die Argumentation des LKV, dass wegen des unverhältnismässigen Aufwands (Vollüberprüfung sämtlicher Rechnungen und Patientendossiers, tausende von Einzeldokumenten) von Seiten des Krankenkassenverbandes jede Wirtschaftlichkeitsprüfung verunmöglicht wird finde ich schon eine starke Aussage. Nach welchen Kriterien soll denn die Wirtschaftlichkeit überprüft werden? Wie sonst hat der Leistungserbringer überhaupt die Möglichkeit, seine Leistung nachvollziehbar zu machen ausser in der Dokumentation? Die vom LKV zitierten tausende von Einzeldokumentationen entspringen nicht zuletzt der Tatsache, dass die Krankenkassen generell den Leistungserbringern gegenüber sehr kritisch eingestellt sind und entsprechend alles genau von Seiten des Leistungserbringers dokumentiert werden muss! (Wer spricht von diesem Aufwand?) Dass der LKV sich jetzt aber noch darüber beklagt, dass er diese tausende Einzeldokumentationen auch noch lesen muss macht mich sprachlos 3

4 3. Persönliche Anmerkungen zum Gesundheitswesen a) Es gibt Menschen, gesunde und (leider auch) kranke. Damit im Krankheitsfall die Existenz gesichert ist, wird in einen Fond eingezahlt. (Solidaritätsprinzip). Die Krankenkasse verwaltet diesen Fond. Sie bezahlt die Kosten welche bei einem Krankheitsfall entstehen. b) Zur Genesung, oder sofern dies nicht mehr möglich ist, zur Erhaltung einer möglichst guten Lebensqualität, braucht es eine Diagnostik um festzustellen, was das Problem ist und um die entsprechende Behandlung einleiten zu können. Die Behandlung erfolgt durch Abgabe von Medikamenten, manuelle Therapien, ev. Operationen etc., entsprechend dem Kerngeschäft der Leistungserbringer. c) Kernkompetenz der Politik ist Rahmenbedingungen zu schaffen damit die Kerngeschäfte ausgeführt werden können, sowie das System zu überwachen. d) Und dann gibt es noch den Patienten bzw. den Kostenverursacher. Er ist mit einer Krankheit konfrontiert, ev. mit einer existentiellen. Er ist geschwächt, hat Beschwerden, Schmerzen und ist im Ausnahmezustand. Plötzlich befindet er sich mitten in den Rädern des Gesunheitswesens. Gestern war er noch gesund und heute ist alles anders. Er benötigt Hilfe und Unterstützung, und gerade bei länger dauernder Krankheit Begleitung und Führung. Was es also dringend braucht ist die Einsicht, dass: Gesundheit ein Privileg und keine Selbstverständlichkeit ist dass eine Krankheit nicht selbstverschuldet ist dass die Fortschritte in der Medizin nicht rückgängig gemacht werden können dass eine gute Medizin an der Basis viel Leid und unnötige Kosten verhindern kann, z. B. durch - verhindern von unnötigen Spitaleinweisungen, -verkürzen von Spitalaufenthalten, da eine medizinische, pflegerische und therapeutische Versorgung zu Hause gewährleistet ist, - die Möglichkeit zu Hause zu sterben. Angesichts der Tatsache, dass die letzten Lebensjahre die medizinisch teuersten sind, wäre es sinnvoll, in das ambulante Betreuungsnetz (Hausarzt, Spitex, ambulante Therapien) zu investieren. Langfristig könnte so viel Geld gespart werden. Doch leider lässt sich diese Summe nicht eins zu eins ausweisen. In der Tabelle 1 über die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitsleistungen ist ersichtlich, dass in Liechtenstein für die Spitex weit weniger Kosten pro Versicherten entstehen als in den Nachbarkantonen. Interessant wäre es zu wissen, warum das so ist. 4

5 Ich denke, dass nur durch Zusammenarbeit aller Beteiligten (Politik, LKV, Leistungserbringer und Kostenverursacher) basierend auf einem respektvollen Umgang und einem ehrlichen, sachlichen Dialog miteinanader ein Weg in die Zukunft gefunden werden kann. 5

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