Die Zukunft der Hochschullehre

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1 Wedig von Heyden Die Zukunft der Hochschullehre Podiumsbeitrag Hochschule als Etappe lebenslangen Lernens Donnerstag, 14. Oktober 2004 Friedrichstrasse 169/170, Berlin-Mitte Vorweg mache ich eine kleine Bemerkung und knüpfe an die Thesen von Herrn Müller-Böling an. Ich denke, dass das E-Teaching und das E-Learning an den Universitäten noch kein normaler Prozess ist. Das liegt unter anderem auch an dem Faktor Geld. Ich werde mich aber hier auf die Voraussetzungen konzentrieren, unter denen E-Learning und E-Teaching an den Universitäten besser oder richtig implementiert werden kann. Hier müsste man sich zunächst darüber Gedanken machen, wie wir die oder eine aus verschiedenen Gründen bereits überfällige Studienreform auf den Weg gebracht werden kann auch in Verbindung mit E- Learning. Nach meinen Erfahrungen zweite Vorbemerkung haben die Programme die mit knapp 300 Mio. DM dotierten Programme des BMBF zu E-Learning und Notebook University nicht den bahnbrechenden Erfolg gehabt, den man sich erwartet oder erhofft hätte - um es einmal vorsichtig auszudrücken. Das hat 1

2 verschiedene Gründe über die wir nachher hoffentlich diskutieren werden. Ich möchte nun kurz meine Thesen zur Studienreform, die wir dann auch in Verbindung zu E-Teaching und E- Learning diskutieren können. Die erste Frage ist: Woran mangelt es? Es mangelt an der Verbindung von dem, was an den Hochschulen gelehrt und geprüft wird und dem, was unser Beschäftigungssystem verlangt. Es mangelt auch an einem guten Übergang zwischen Schule und Hochschule. Diese Defizite werden seit wenigstens dreißig Jahren, je nach Perspektive sogar schon seit 80 Jahren, thematisiert. Sie wissen vielleicht das wir der Wissenschaftsrat vor nicht allzu langer Zeit eine Empfehlung zur Reform des Hochschulzugangs in den Hochschulen verabschiedet haben. Es zeigte sich unter anderem, dass 45% der Studienanfänger ihre Hochschule nicht nach Fachgesichtspunkten aussuchen, sondern nach Kriterien wie dem Hotel Mama oder dem Freizeitwert einer Universität bzw. Universitätsstadt. Wir wissen aus HIS Untersuchungen, dass sich ein Drittel der Studienanfänger nur ein Drittel der Studienanfänger - über das was an Hochschulen und dem Arbeitsmarkt passiert gut informiert fühlt. Die Konsequenzen sind bekannt, da muss ich nicht lange erläutern. Ein Viertel unserer Studierenden 2

3 bricht das Studium ab. Die Studienzeiten sind zu lang, die Studenten bei Abschluss des Studiums im internationalen Vergleich zu alt insbesondere wenn sie promovieren. Mein zweiter Punkt ist: Woran liegt es, dass die Studienorganisation und die Curricula zumeist nicht auf eine Kultur des lebenslangen Lernens ausgerichtet sind? Ich vermute mal die meisten in diesem Raum haben studiert. Und ich vermute die meisten in diesem Raum besitzen zumindest ein Staatsexamen, ein Diplom oder einen Magister. Heute wie damals wird mit der Erwartung studiert, dass im Rahmen dieses Studiums sozusagen alles vermittelt wird, was man auf einem Fachgebiet lernen kann. Wir wissen zwar, dass der Kanon des Wissens in fünf bis sieben Jahren verfällt oder zumindest erneuert werden muss. Im Studium kommt dies nicht zum tragen. Dies steht fast als ein Widerspruch zur Wissenschaft, die ja auf neuen Erkenntnisgewinn abzielt. Dieser Zuwachs müsste an für sich in die Studiengänge integriert werden. Dies passiert aber viel zu wenig. Ich komme gleich noch einmal darauf zurück. Der dritte Punkt spricht das Defizit einer berufsbezogenen Wissenschaft an, die wissenschaftliche Weiterbildung. Die meisten - nein nicht die meisten aber sehr 3

4 viele Hochschullehrer - haben offenkundig genügend und hinreichend Zeit Weiterbildung anzubieten in der Regel im Nebenamt oder als Ausgründung aus den Hochschulen. Statt unseren Hochschulen bieten die Global Academy in Aachen oder Corporate Universities an. Dieser Mangel an institutionellen Angeboten ist eigentlich nicht zu rechtfertigen - auch weil es in diesem Bereich durchaus möglich ist, Gebühren zu erheben. Es passiert also zu wenig, obwohl alle Möglichkeiten vorhanden sind. Ich möchte nun kurz ansprechen, was von Hochschulen in diesem Kontext getan werden könnte. In den Schulen müssen die Angebote, sich über das was an Hochschulen passiert zu informieren, besser werden. Seit dreißig Jahren wird auf diesen Mangel hingewiesen. Herr Bode erinnert sich vielleicht noch, dass 1970 und 1976 als das erste Hochschulgesetz vom Bundesministerium für Bildung konzipiert wurde dieses Problem schon in einem Paragraphen dieses Gesetzes aufgegriffen wurde. Passiert ist seitdem wenig. Der Mangel an Informationen besteht nicht nur für das Erststudium sondern auch für Weiterbildungsangebote. Mit dem Bologna Prozess ist das Thema Studienreform wieder aktuell. Ich denke, die Einführung von international kompatiblen Studienabschlüssen ist mit einer 4

5 Studienreform zwingend verbunden. Eine Studienreform, die seit 80 Jahren eingefordert wird und die nie in vollem oder ausreichendem Umfang umgesetzt wurde. Ich weiß, dass sich in Harvard der Lehrkörper einer Faculty oder eines Departments jedes Jahr zusammensetzt und sich immer wieder fragt: Was können wir an unserer Lehre verbessern, damit wir am Puls der Zeit sind und unsere Studenten besser erreichen? Wenn ich das mit einem zugegebenermaßen punktuellen Beispiel aus den HRK Berichten aus Deutschland vergleiche, dann zeigt sich der Unterschied. Vor sechs Jahren führte in Niedersachsen erst die Evaluation eines Fachbereiches dazu, dass sich Hochschullehrer, die seit über 10 Jahren an einem Fachbereich gemeinsam tätig waren, zum ersten Mal gemeinsam darüber unterhielten, ob man sich bei der Lehre vielleicht ein bisschen abstimmen sollten. Sie sehen hier zwei extreme Pole. Dennoch wird deutlich, dass es noch weitgehend an einer Kultur bzw. Mentalität der Verantwortung für die Lehre fehlt. Die neuen Studienstrukturen der Bachelor und Masterstudiengänge müssen wir auch dafür nutzen, eine Kultur der wissenschaftlichen Weiterbildung an den Hochschulen zu implementieren. Der Bachelor Master wird ja immer missverstanden als rein konsekutives Instrumentarium. Wenn man sich mit 5

6 den USA vergleicht das passiert ja in Deutschland häufig dann muss man sich auch vor Augen führen, dass sich oft eine fünf bis siebenjährige Berufsphase an einen Bachelor anschließt. Erst dann kommen die Studierenden zurück und absolvieren ein Master Degree. Davon sind wir noch weit entfernt. Ein Perspektive wäre aber doch zu sagen: Viele Studenten machen ihren Bachelor. Darüber hinaus gibt es entweder einen weiterbildenden Master den kann man dual anbieten, das heißt mit der Wirtschaft zusammen. Man kann ihn im Fernstudium anbieten, als Teilzeitangebot usw. All dies sind Entwicklungen, die schon auf dem Weg sind, aber noch viel zu wenig implementiert werden. Erst wenn wir es geschafft haben, diese vielfach schon angelaufenen Prozesse der Studienreform in Deutschland richtig zu implementieren, dann macht es Sinn über E-Learning und E-Teaching zu sprechen. Wir sollten E-Teaching und die neuen Lehrmethoden nutzen in diesem Kontext nutzen, um Studienreform vernünftig zu implementieren. Nach meiner Erfahrung ist es schon schwierig genug die einzelnen Module eines Studienganges überhaupt zu entwickeln und an einer Hochschule, einer Fakultät als normales Lehrangebot zu institutionalisieren. Viel schwieriger dürfte es sein, die entwickelten Module zu pflegen und zu aktualisie- 6

7 ren. Das kostet Zeit. Das kostet Geld. Das kostet Einsatz. Und wie eben gesagt: Erst die Studienreform und dann das E-Teaching. Danke schön! 7

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