System Sozialer Sicherung

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1 Prof. Dr. Ronald Lutz FH E / FB S SS 2008 Kapitel 3: Einkommensverteilung, Einkommensrisiken und Soziale Absicherung

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3 Einkommen Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben ist ohne ausreichendes Einkommen nicht möglich Entscheidend: das Wie des Einkommens Kontinuierliches Arbeitseinkommen Einkommen aus Vermögen Gesicherte und ausreichende Rente Familiärer Unterhalt Grundsicherung Private Wohltätigkeit

4 Einkommen q BRD = Reiches Land q q Pro-Kopf-Einkommen 2007 (brutto): im Westen: ; im Osten Frauen bekommen im Durchschnitt Euro weniger als Männer. q Gesamtdurchschnitt: q 2009: Rückgang durchschnittlicher Jahresverdienst um circa 0,4 Prozent auf rund Euro. q Ab 2010: neuerlicher Anstieg

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7 Einkommensverteilung Arbeitnehmer (2005; SOEP) Spreizung der Arbeitnehmereinkommen Selbständigenhaushalte haben durchschnittlich 270 % des Durchschnittseinkommens - Angestelltenhaushalte: 107,2 % - Arbeiterhaushalte: 75,5 % - Arbeitslosenhaushalte: 53,9 % - Sozialhilfeempfänger: 40,9 % - Rentnerhaushalte: 75,1 % - Pensionärshaushalte: 101,1 %

8 Einkommensverteilung Arbeitnehmer (SOEP) Spreizung der Arbeitnehmereinkommen Insgesamt nimmt die Einkommensungleichheit zu (Gini- Koeffizient als Maß) Ursache: insbesondere durch die Spreizung im unteren Einkommensbereich (Niedriglöhne etc.)

9 Einkommensverteilung Arbeitnehmer (2005, SOEP) Geschlechterungleichheit (Bruttomonatsverdienste) Frauen verdienen zwischen 84 und 825 Euro im Monat weniger als Männer Produzierendes Gewerbe, Kredit- und Versicherungsgewerbe q Männer: 3,182.-; Frauen Frauentypische Erwerbszweig: Textil und Bekleidung q Männer: 2.577; Frauen: Männertypisch: Rundfunk-, Fernseh- und Nachrichtentechnik q Männer: ; Frauen SozialarbeiterInnen / SozialpädagogInnen q Männer: ; Frauen:

10 Einkommensverteilung Arbeitnehmer (SOEP) Geschlechterungleichheit Gründe (u.a.): Konzentration auf weibliche Berufe; fehlendes kontinuierliches Erwerbsverhalten; Zugangsbarrieren in höheren Positionen Niedriglohnbranchen sind Frauenbranchen Weibliche Erwerbstätigkeit: Regelfall ist Teilzeitarbeit

11 Einkommensverteilung Arbeitnehmer Niedriglöhne: der Bruttoverdienst unterschreitet einen bestimmten Schwellenwert (unterhalb des Tariflohnniveaus) Ca. 6,9 Millionen der rund 31 Millionen abhängig Beschäftigten in prekären Beschäftigungsverhältnissenn (Niedriglohn) (ca. 22%) Niedriglohn: 2/3 des Medianlohnes Niedriglohnschwelle 2006: 9,81 West; 6,81 Ost Besonders betroffen: gering Qualifizierte, Frauen, Jüngere, Migranten (Wuppertal Institut Arbeit und Technik; IAQ-Report 1/2008)

12 Niedriglöhne Niedriglohnschwelle der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der zufolge Niedriglöhne weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns in einem Land betragen. Sie berechnen 2008 für Westdeutschland eine Niedriglohnschwelle von 9,50 Euro, für Ostdeutschland von 6,87 Euro. Im Untersuchungszeitraum von 1995 bis 2008 hat sich der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland von 14,7 Prozent auf 20,7 Prozent erhöht

13 Niedriglöhne Studie aus 2010 zeigt: Immer mehr arbeiten für wenig: Jeder fünfte Deutsche bekommt für seine Arbeit nur einen Niedriglohn. Rund 20,7 Prozent der Beschäftigten in Deutschland hatten 2008 einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle der Industrienationen erhalten. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Niedriglohnempfänger um 2,3 Millionen Menschen gewachsen. Gut eine Million Menschen verdienten 2008 weniger als fünf Euro brutto die Stunde Für einen Stundenlohn von unter sechs Euro brutto haben insgesamt sogar gut zwei Millionen Menschen gearbeitet.

14 Niedriglöhne Solche "extrem niedrigen Stundenlöhne" sind erwartungsgemäß in Ostdeutschland besonders verbreitet. Etwa jeder achte ostdeutsche Beschäftigte (12,8 Prozent) hat 2008 weniger als sechs Euro pro Stunde verdient. In Westdeutschland sind es 5,4 Prozent der Beschäftigten.

15 Einkommensverteilung Arbeitnehmer Tarifliche Niedriglöhne 2006 (WSI) ABL NBL Landwirtschaft 4,71 4,52 Friseurhandwerk 4,93 3,06 Bewachung 5,25 4,15 Transport 6,61 3,91 Einzelhandel 6,67 6,78 Öffentlicher Dienst 7,71 7,09

16 Einkommensverteilung Arbeitnehmer Niedriglöhne Es sind vor allem: Beschäftigte im Mini-Jobbereich, gering Qualifizierte und Frauen Niedriglohnbereiche: keine irregulären Randbelegschaften neben regulären Kernen Befinden sich in der Mitte der Unternehmen, in den Kernen Niedriglöhne seit 2000 gesunken, 2006 hatten Niedriglohnbezieher 4,8% weniger als sechs Jahre zuvor Niedriglöhne reichen nicht für private Alterssicherung Mit Expansion Niedriglohnsektor wächst Gefahr trotz Arbeit arm zu sein Niedriglöhne: Ausdünnung der Mittelschichten

17 Einkommensverteilung Armut: 60 % des Medians der Einkommen Problemgruppen - MigrantInnen - Arbeitslose - Personen in Ausbildung - Personen ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung - Kinder und Jugendliche - Einelternhaushalte - Haushalte mit drei und mehr Kindern

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21 Einkommensrisiken Ausfall Unstetigkeit und Unsicherheit (Niedriglohn, Saisonarbeit, etc.) Fehlende Bedarfsangemessenheit (Kinder, Krankheiten etc.) Fehlende Leistungsangemessenheit (Maßstäbe für anspruchsvolle und einfache Tätigkeiten?)

22 Reaktion auf Einkommensrisiken Traditionell: Unterstützung durch Familie Mit Erwerbsarbeit verbundene Einkommensrisiken Ausgangspunkt sozialstaatlicher Interventionen (Einkommensverteilungspolitik) Ziel: Sicherung bei Risiken wie Arbeitslosigkeit Sozialpolitik zielt nicht auf Ursachen der Risiken Kompensatorische Politik

23 Einkommenssicherung bei sozialen Risiken und Notlagen - Familiäre Unterstützung, Unterhalt - Private Wohltätigkeit, Spenden - Private Vorsorge: Sparen/Vermögen - Private Vorsorge: Versicherungen - Betriebliche Sozialleistungen - Fürsorgeleistungen, Grundsicherung - Sozialversicherung - Versorgungsleistungen

24 Das System der Sozialen Sicherung q (in Klammer Geldleistungen) Gesetzliche Rentenversicherung (Altersrente, Erwerbsminderung, Todesfall) Gesetzliche Krankenversicherung (Krankengeld, Mutterschaftsgeld) Gesetzliche Pflegeversicherung (Pflegegeld) Gesetzliche Unfallversicherung (Verletztengeld, Übergangsgeld, Unfallrente, Hinterbliebenenrente) Arbeitslosenversicherung (ALG, Kurzarbeitergeld, Konkursausfallgeld, Unterhaltsgeld, Berufsbildungsbeihilfe)

25 Das System der Sozialen Sicherung Sozialhilfe: Ausfallbürge für Notlagen, die weder durch eigene noch durch vorgelagerte Sozialleistungen abgedeckt sind Letztes Soziales Netz; Funktion einer Grundsicherung für Menschen, die sich nicht mehr selber helfen können Garantiert Anspruch auf menschenwürdige Lebensführung

26 Das System der Sozialen Sicherung Sozialhilfe: Aufsplittung in verschiedene Bereiche - Sozialhilfe für Erwerbsunfähige / voll Erwerbsgeminderte - Asylbewerberleistungsgesetz - Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung - Grundsicherung für Arbeitssuchende (incl. Sozialgeld für unter 15-jährige Angehörige einer Bedarfsgemeinschaft)

27 Das System der Sozialen Sicherung Regelsätze Grundsicherung (2011) Haushaltsvorstand 364 (1) Partner/in 328 (0,9) Kinder 7 bis (0,7) Unter (0,6) Kinder 15 bis (0,8) q Auch erwerbsfähige Angehörige der Bedarfsgemeinschaft

28 Die Sozialversicherung; Zahlen Mehr als 60 % der Sozialleistungen werden über das System der Sozialen Sicherung abgewickelt Nahezu 90 % sind in der GKV Nahezu 80% der Beschäftigten sind in der Gesetzlichen RV versichert Alle Arbeitnehmer sind in der Gesetzlichen Unfallversicherung Der überwiegende Teil befindet sich in der AV

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