Gibt es einen Mickey Mantle Effekt?

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1 Gibt es einen Mickey Mantle Effekt? Hanming Fang, Yale Universität Mike Keane, Techinsiche Universität Sidney Ahmed Khwaja, Duke Universität Martin Salm, MEA, Universität Mannheim Daniel Silverman, Universität Michigan Ann Arbor Englischer Titel: Testing the mechanisms of structural models: The case of the Mickey Mantle effect, American Economic Review (Papers and Proceedings), Band 97(2), S , 2007 Mannheim Research Institute for the Economics of Aging

2 Einleitung Forschungsfrage Wie wirkt sich die subjektive Lebenserwartung auf das Gesundheitsverhalten in Bezug auf Rauchen, starken Alkoholkonsum und Übergewichtigkeit aus? Motivation Besseres Verständnis von Gesundheitsverhalten Auswirkungen einer höheren Lebenserwartung auf das Gesundheitsverhalten 2

3 Wer war Mickey Mantle? Mickey Mantle ( ) war ein Baseballspieler für die New York Yankees Wenn ich gewusst hätte, dass ich so lange leben würde, hätte ich besser auf meine Gesundheit achtgegeben Die Hodgkinsche Krankheit führte zum frühen Tode seines Vater (mit 39 Jahren), dessen beiden Brüder (mit 32 und 41 Jahren) und seines Sohnes (mit 36 Jahren) 3

4 Intuition für den Mickey Mantle Effekt Der Mickey Mantle Effekt Menschen mit einer kürzeren Lebenserwartung investieren weniger in ihre Gesundheit Entscheidungskalkül Menschen wägen die Vorteile und Nachteile von Handlungsalternativen ab, z.b. Rauchen Vorteile: Genuss, Entspannung, gemeinsame Rauchpausen Nachteile: Kosten, zukünftige Gesundheitsrisiken, verkürzte Lebenserwartung Wer ohnehin nicht damit rechnet, lange zu leben, hat weniger Anlass, auf seine Gesundheit achtzugeben 4

5 Sucht oder Entscheidung? Ist Gesundheitsverhalten eine freiwillige Entscheidung? 85% der gegenwärtigen Raucher haben schon einmal vergeblich versucht aufzuhören. Allerdings geben auch viele das Rauchen auf. Die häufigsten Gründe: Gesundheitsprobleme (44%) Sorge um zukünftige Gesundheitsprobleme (14%) Rücksicht auf Familienmitglieder (11%) 5

6 Ökonomie des Gesundheitsverhaltens Studien zur Ökonomie des Gesundheitsverhaltens Sind Raucher über die Gesundheitsrisiken informiert? (Khwaja, Sloan und Silverman 2007) Sind Raucher risikofreudiger oder planen kurzfristiger? (Khwaja, Sloan und Salm 2006) Wie reagieren Raucher auf höhere Steuern? (Gruber und Koszegi 2001) 6

7 Modell Modell von Khwaja (2001) (A) Gesundheitsverhalten = f(gesundheit, Lebenssituation, Lebenserwartung) (B) Lebenserwartung = g(gesundheit, Lebenssituation, Gesundheitsverhalten, genetische Faktoren) Uns interessiert der Effekt der Lebenserwartung auf das Gesundheitsverhalten (ceteris paribus) 7

8 Schätzprobleme 1) Gesundheitsverhalten hängt auch von anderen Faktoren ab, wie z.b. Gesundheit, Lebenssituation (andere Einflussfaktoren) 2) Gesundheitsverhalten hängt nicht nur von Lebenserwartung ab, sondern Lebenserwartung auch von Gesundheitsverhalten (umgekehrte Kausalität) 3) Wie misst man die individuelle Lebenserwartung? 8

9 Lösungen für Schätzprobleme Andere Einflussfaktoren Detaillierte Informationen zur Gesundheit und zur Lebenssituation, um den Effekt dieser Einflussgrößen konstant zu halten Umgekehrte Kausalität Instrumentenvariablenschätzung Genetische Einflüsse beeinflussen Lebenserwartung, aber nicht Gesundheitsverhalten Alter der Eltern stellvertretend für genetische Einflüsse 9

10 Lösungen für Schätzprobleme Individuelle Lebenserwartung Antwort auf Frage: Was ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bis zum Alter von 75 Jahren oder länger leben? Die Antworten auf diese Frage sind im Durchschnitt erstaunlich zutreffend, z.b. für 55 Jährige 66% im Fragebogen verglichen mit 67% in Sterbetafeln (Hurd und McGarry 1995) Alter der Eltern ist wichtiger Bestimmungsfaktor der individuellen Lebenserwartung 10

11 Der Datensatz Daten aus der Health and Retirement Study (HRS) Das HRS ist das amerikanische Gegenstück zum europäischen SHARE Daten für , Befragungen all zwei Jahre Befragte ursprünglich Jahre alt Beobachtungen 11

12 Daten Variablen zum Gesundheitsverhalten Rauchen [22,6% der Befragten] Starker Alkoholkonsum (im Durchschnitt 3 oder mehr alkoholische Getränke pro Tag) [3,4% der Befragten] Übergewichtigkeit (Body Mass Index > 30) [26,9% der Befragten] 12

13 Daten Kontrollvariablen für Lebenssituation Alter, Geschlecht, Ethnische Gruppe, Ausbildung, Einkommen, Vermögen, Ausbildung der Eltern, Risikobereitschaft Kontrollvariablen für Gesundheit Gesamteinschätzung, Beeinträchtigung bei Alltagsaktivitäten, Krankenhausübernachtungen, Arztdiagnosen von Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Lungenkrankheiten, Herzproblemen, Schlaganfall, psychischen Krankheiten und Arthritis 13

14 Ergebnisse für Gesundheitsverhalten Rauchen Starker Übergewicht Alkoholkonsum OLS (ohne Korrekur fuer den gegensätzlichen Einfluss) Subjektive -0,1* -0,01* -0,01 Langlebigkeitswahrscheinlichkeit bis zum Alter 75+ (in Prozent) IV (mit Korrektur fuer den gegensätzlichen Einfluss) Subjektive -0,2* 0,04-0,2* Langlebigkeitswahrscheinlichkeit bis zum Alter 75+ (in Prozent) * Ergebnis ist statistisch signifikant (5 Prozent Niveau) Die Ergebnisse für alle anderen Variablen werden hier nicht angezeigt 14

15 Zusammenfassung der Ergebnisse Die Ergebnisse sind gemischt Für Rauchen und Übergewicht gibt es Evidenz für einen Mickey Mantle Effekt Eine Erhöhung der Langlebigkeitswahrscheinlichkeit um 10% senkt Wahrscheinlichkeit zu Rauchen um 2%. Zum Vergleich, der Anteil der Raucher beträgt 22,6 % Für starken Alkoholkonsum gibt es keine Evidenz für einen Mickey Mantle Effekt 15

16 Fazit und Ausblick Positive Rückkopplung zwischen gestiegener Lebenserwartung und weniger Rauchen und Übergewicht Lebenserwartung steigt schnell Steigende Lebenserwartung kann sich positiv auf Verhalten auswirken VIELEN DANK! 16

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