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1 Medizin, Gesellschaft und Geschichte (MedGG) Band

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3 Medizin, Gesellschaft und Geschichte Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Band 28 Berichtsjahr 2009 herausgegeben von Robert Jütte Franz Steiner Verlag Stuttgart 2010

4 Medizin, Gesellschaft und Geschichte (MedGG) Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Herausgeber: Prof. Dr. Robert Jütte Redaktion: Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach Lektorat: Oliver Hebestreit, M. A. Satz und Layout: Arnold Michalowski, M. A. Anschrift: Erscheinungsweise: jährlich. Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Straußweg Stuttgart Telefon (0711) und 172 Telefax (0711) Bezugsbedingungen: Ladenpreis EUR 40,00, Abonnement EUR 34,20, für Studenten EUR 27,60, jeweils zuzüglich Versandkosten. Ein Abonnement gilt, falls nicht befristet bestellt, zur Fortsetzung bis auf Widerruf. Kündigungen eines Abonnements können nur zum Jahresende erfolgen und müssen bis zum 15. November des laufenden Jahres beim Verlag eingegangen sein. Verlag: Franz Steiner Verlag, Birkenwaldstr. 44, Stuttgart Anzeigenleitung (verantwortlich): Susanne Szoradi Druck: Rheinhessische Druckwerkstätte, Wormser Str. 25, Alzey Medizin, Gesellschaft und Geschichte enthält ausschließlich Originalbeiträge mit den Themenschwerpunkten Sozialgeschichte der Medizin sowie Geschichte der Homöopathie und alternativer Heilweisen. Entsprechende deutsch- oder englischsprachige Manuskripte sind erwünscht. Sie sollten nach den Hinweisen für Verfasser abgefasst und auf PC gesetzt werden. Diese Hinweise, die auch nähere Angaben zu Betriebssystem und möglichen Textverarbeitungsprogrammen enthalten, können auf der Homepage des Instituts unter eingesehen oder bei der Redaktion angefordert werden. Der Umfang der Beiträge soll Wörter bzw. 30 Manuskriptseiten nicht überschreiten. Die Autoren erhalten 20 Sonderdrucke ihrer Aufsätze gratis, auf Wunsch weitere gegen Bezahlung. Weder der Herausgeber noch das Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung tragen Verantwortung für die in den Beiträgen vertretenen Ansichten. MedGG enthält keine Buchrezensionen. Unaufgefordert eingesandte Besprechungsexemplare werden nicht zurückgeschickt, sondern von der Institutsbibliothek übernommen. Articles appearing in this journal are abstracted and indexed in HISTORICAL ABSTRACTS and AMERICA: HISTORY AND LIFE Franz Steiner Verlag Stuttgart Printed in Germany. ISSN X

5 Inhalt Anschriften der Verfasser 6 Editorial 7 I. Zur Sozialgeschichte der Medizin Themenschwerpunkt: Versehrt durch Arbeit, Krieg und Strafe. Ursachen und Folgen körperlicher Beeinträchtigung im Mittelalter Cordula Nolte»Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«im Mittelalter: Bemerkungen zu einem aktuellen Forschungsfeld 9 Oliver Auge»So solt er im namen gottes mit mir hinfahren, ich were doch verderbt zu einem kriegsmann«durch Kampf und Turnier körperlich versehrte Adelige im Spannungsfeld von Ehrpostulat und eigener Leistungsfähigkeit 21 Jan Ulrich Büttner Die Strafe der Blendung und das Leben blinder Menschen 47 Klaus van Eickels Männliche Zeugungsunfähigkeit im mittelalterlichen Adel 73 Claudia Resch»Englischer Schweiß«1529 in Augsburg:»Suchet man leybsärtzney, warumb sucht man nit ärtzney der seelen?«97 Matthias Blanarsch Die Arzt-Patienten-Beziehung zu Beginn des 18. Jahrhunderts, untersucht anhand Johann Storchs Kasuistik zu Molenschwangerschaften 121 Michael Stolberg Europas ältestes Sterbehospiz? Das Nürnberger Krankenhaus»Hundertsuppe«,

6 Florian Mildenberger Robert Ziegenspeck ( ) der»don Quichotte«der ambulanten Gynäkologie. Nachtrag zum Aufsatz über Thure Brandt in Band 26 von»medizin, Gesellschaft und Geschichte«179 Jeannette Madarász Gesellschaftliche Debatten um Krankheit: Das Risikofaktorenkonzept zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft II. Zur Geschichte der Homöopathie und alternativer Heilweisen Inge Christine Heinz Samuel Hahnemann: Arzt und Berater der Prinzessin Luise von Preußen in den Jahren 1829 bis Marion Baschin Carl von Bönninghausen ein vergessener Homöopath und seine Lernzeit 239 Phillip A. Nicholls The Dialectic of the Hospital in the History of Homoeopathy 285

7 Anschriften der Verfasser Oliver Auge, Prof. Dr. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Historisches Seminar Leibnizstr Kiel Marion Baschin, M. A. Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Straußweg Stuttgart Matthias Blanarsch, B. A. Simon-Bolivar-Straße Berlin Jan Ulrich Büttner, Dr. Universität Bremen, FB 8 Institut für Geschichtswissenschaft Postfach Bremen Klaus van Eickels, Prof. Dr. Otto-Friedrich-Universität Institut für Geschichte Bamberg Inge Christine Heinz, Dr. med. Sophienstr Hof Jeannette Z. Madarász, Dr. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung Reichpietschufer Berlin Florian Mildenberger, Dr. Stiftungs-Universität Viadrina Lehrstuhl Sprachwissenschaft II Große Scharrnstr Frankfurt/Oder Phillip A. Nicholls, Prof. Staffordshire University Faculty of Arts, Media & Design College Road Stoke-on-Trent ST4 2DE United Kingdom Cordula Nolte, Prof. Dr. Universität Bremen, FB 8 Institut für Geschichtswissenschaft Postfach Bremen Claudia Resch, Dr. Österreichische Akademie der Wissenschaften Zentrum Kulturforschungen (ZK) Sonnenfelsgasse 19/8 A-1010 Wien Michael Stolberg, Prof. Dr. med. Dr. phil. Universität Würzburg Institut für Geschichte der Medizin Oberer Neubergweg 10a Würzburg

8 Editorial»Der [Im]-perfekte Mensch«(2001/02) war eine der erfolgreichsten Sonderausstellungen, die je im Deutschen Hygiene-Museum gezeigt wurden. In der Tat lässt sich in den letzten Jahren auch in den Geschichtswissenschaften ein gesteigertes Forschungsinteresse am Thema»Behinderung«beobachten. Davon zeugen nicht zuletzt zwei Sektionen mit dieser Thematik auf dem Historikertag in Dresden im Jahre Die Referate, die in einer dieser Sektionen gehalten wurden, bilden den Themenschwerpunkt dieses Bandes, für den Claudia Nolte verantwortlich zeichnet. Nach einigen Bemerkungen zum aktuellen Forschungsfeld aus der Sicht einer Mediävistin folgen drei Beiträge, die unterschiedliche Aspekte des Umgangs mit körperlicher Behinderung im Mittelalter untersuchen. Oliver Auge fragt, was aus den im Kampf und in Turnieren versehrten Adeligen geworden ist. Jan Ulrich Büttner richtet den Blick auf die Folgen einer Körperstrafe, die uns heute als besonders grausam erscheint: die Blendung. Klaus van Eickels zeigt, dass Zeugungsunfähigkeit im mittelalterlichen Adel mehr als nur ein Problem der Männlichkeit war. Die Reihe der freien Beiträge eröffnet Claudia Resch mit einer Studie über eine wenig erforschte frühneuzeitliche Seuche, den sogenannten»englischen Schweiß«, der 1529 vielerorts auftrat, auch in Augsburg. Matthias Blanarsch nutzt Kasuistiken des frühen 18. Jahrhunderts, um die Arzt-Patient- Beziehung in jener Zeit zu rekonstruieren. Michael Stolberg weist nach, dass es durchaus Vorläufer der heutigen Sterbehospize gab, und belegt seine These am Beispiel eines Nürnberger Hospitals. Florian Mildenberger publiziert neuere Funde zur Biographie eines Münchener Gynäkologen, der zu seiner Zeit als medizinischer Außenseiter galt. Jeannette Madarász analysiert die bundesrepublikanische Diskussion um gesundheitliche Risikofaktoren im Zeitraum 1968 bis Die Beiträge in der Rubrik zur Geschichte der alternativen Heilweisen befassen sich allesamt mit homöopathiegeschichtlichen Themen. Inge Christine Heinz untersucht eine langjährige Arzt-Patient-Beziehung, nämlich die Hahnemanns zur Prinzessin Luise von Preußen. Marion Baschin liefert eine biographische Skizze eines wenig bekannten Sohnes des bedeutenden Homöopathen Clemens von Bönninghausen. Phillip A. Nicholls zeigt die Rolle auf, die das Hospital in der Geschichte der Homöopathie gespielt hat. Stuttgart, im Frühjahr 2010 Robert Jütte

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10 I. Zur Sozialgeschichte der Medizin Themenschwerpunkt: Versehrt durch Arbeit, Krieg und Strafe. Ursachen und Folgen körperlicher Beeinträchtigung im Mittelalter»Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«im Mittelalter: Bemerkungen zu einem aktuellen Forschungsfeld Cordula Nolte Summary Injured by work, war, and punishment. Causes and consequences of physical impairment in the Middle Ages Disabled, impaired ( bresthafftigen leibs ) in the Middle Ages: Annotations on a current field of research The paper provides an introduction into a current field of research on medieval culture and social life. Inspired by disability studies and a history of disability, various historical disciplines have recently begun to cooperate in order to analyse how impaired/disabled people managed to survive and participate in social networks. However, the categories disability and impairment seem to be problematic with regard to medieval attitudes and behaviour. The paper highlights different strategies for coping with prolonged disease, physical defects and deformities. It argues that the topics war and fighting as well as punishment were chosen for the present focus on disability/impairment because they refer to widespread experiences and practices of different strata of medieval society. Einführung Die gesellschaftliche Einbindung körperlich beeinträchtigter Menschen und deren Lebensbewältigung stehen in jüngerer Zeit im Blickfeld verschiedener historischer Disziplinen und Forschungsansätze. Dazu gehören die Kulturund Sozialgeschichte mit ihrem Blick auf alltägliche Lebenswelten wie auch eine an den»patienten«orientierte Sozialgeschichte der Medizin, Forschungen zur Geschichte des Körpers, die historische Altersforschung ebenso wie die Archäologie und die Anthropologie bzw. Paläopathologie. Den Hintergrund dieses Interesses bilden aktuelle gesundheitspolitische Diskussionen über die wirtschaftlichen und ethischen Aspekte medizinischer Innovationen und ärztlich-pflegerischer Versorgung, über Verschiebungen innerhalb der Alterspyramide und des gesamten sozialen Gefüges. Dabei erfolgte der maßgebliche Anstoß, Phänomene wie»behinderung«oder»handicap«in historischer Perspektive aufzugreifen, seitens der disability studies im angelsächsischen Raum, eines soziologisch und kulturwissenschaftlich orientierten Programms, das emanzipatorische Bewegungen aufgreift und letztlich darauf zielt,»behinderung«als eine Analysekategorie wie»geschlecht«oder MedGG , S Franz Steiner Verlag Stuttgart

11 10 Cordula Nolte»Ethnizität«zu etablieren. 1 Diese Richtung wiederum prägte seit den 1990er Jahren den Zweig der disability history aus. Die disability history traf auf verwandte Fragestellungen der oben genannten Ansätze, die mit den Stichworten Differenz, Inklusion und Exklusion, Armut, Fürsorge, Pflege- und Versorgungsinstitutionen, soziale Netzwerke, Verkörperung usw. markiert werden können. Indem diese Perspektiven nunmehr enger verknüpft wurden, begann sich ein neues Arbeitsgebiet abzuzeichnen, mit dem sich viele Dimensionen der sozialen und kulturellen Praxis erschließen lassen. Dass die neue Forschungsrichtung unter dem Label disability history inzwischen auch in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft»angekommen«ist wenngleich noch ohne eine eigene deutschsprachige Bezeichnung, zeigte das Programm des Deutschen Historikertags Gleich zwei Sektionen bezogen das Tagungsleitthema»Ungleichheiten«auf den Umgang mit beeinträchtigten bzw. behinderten Menschen in der Vergangenheit. Drei Beiträge der mediävistischen Sektion»Versehrt durch Arbeit, Krieg und Strafe. Ursachen und Folgen körperlicher Beeinträchtigung im Mittelalter«finden sich in diesem Heft vereinigt. 2 Sie stehen exemplarisch für den Trend der internationalen, interdisziplinären Mediävistik, im Anschluss an Forschungen zur Moderne nun auch ihrerseits das neue Terrain zu bearbeiten. Gegenwärtig werden mediävistische Forschungen zu den Lebensperspektiven von Menschen mit körperlichen Gebrechen und Auffälligkeiten ob invalide, siech, pflege- und hilfsbedürftig oder»nur«mit einem»schönheitsfehler«behaftet im bremisch-hamburgischen DFG-Projekt»Homo debilis. Soziale Einbindung und Lebensbewältigung beeinträchtigter Menschen im Mittelalter«gebündelt. Das Vorhaben will mit geschichtswissenschaftlichen, archäologischen, anthropologischen und kunsthistorischen Methoden untersuchen, inwiefern es beeinträchtigten Menschen gelang, dank der Einbettung in soziale Netzwerke zu überleben und gesellschaftlich teilzuhaben. Ein in diesem Kontext erarbeiteter Sammelband mit Beiträgen verschiedener Disziplinen gibt erste Einblicke in die Spannbreite der Thematik und informiert über zentrale Fragestellungen, Quellengrundlagen und methodische Probleme. 3 Allerdings deuten erste Publikationen darauf hin, dass das von den disability studies konzipierte Modell von»behinderung«für die vormoderne Gesellschaft nicht ohne weiteres funktioniert. Die disability studies unterscheiden zwischen individueller Beeinträchtigung (impairment) im Sinne körperlicher, geistiger oder seelischer Funktionsstörungen einerseits und Behinderung 1 Waldschmidt (2003); Waldschmidt/Schneider (2007). 2 Die Beiträge der anderen Sektion werden derzeit für den Druck vorbereitet. Bösl, Elsbeth; Klein, Anne; Waldschmidt, Anne (Hg.): Behinderung in der Geschichte. Deutschsprachige Beiträge zur Dis/ability History (Arbeitstitel). 3 Nolte (2009).

12 »Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«11 (disability) als einem soziokulturellen Konstrukt andererseits. Letzteres bewirke, dass ausgehend von der Wahrnehmung bestimmter Merkmale»beeinträchtigte«Menschen benachteiligt, eingeschränkt und ausgegrenzt werden. Vor dem Hintergrund dieses Entwurfs kam Irina Metzler in der bislang einzigen mediävistischen Monographie, die explizit dem Thema»Behinderung«gewidmet ist, zu dem Schluss, dass zwar mutmaßlich viele Menschen mit körperlichem impairment lebten; gleichwohl habe es anscheinend»very few medieval disabled people«gegeben. 4 Inwieweit diese Einschätzung von Metzlers vorrangig hagiographischer Quellenbasis abhängt oder von einem für das Mittelalter problematischen Konzept von»behinderung«und»beeinträchtigung«, bleibt zu prüfen. Möglicherweise führt eine offenere Kategorie wie die der»körperlichen Signifikanz«bei der Auswertung mittelalterlicher Zeugnisse weiter. 5 Haltungen und Praktiken im Mittelalter Zweifellos stellte in allen Schichten der vormodernen Gesellschaft die körperliche und geistig-seelische Funktionsfähigkeit ein wesentliches Kriterium dafür dar, in welchem Umfang Menschen am sozialen Leben teilhaben und individuelle Lebenschancen innerhalb ihrer Gruppe realisieren konnten. Im Adel galt die physische Unversehrtheit als Leitbild und Merkmal der Herrschaftstauglichkeit (Idoneität), für städtische Ämter wie für geistliche Würden wurde die Integrität von Geist, Sinnesorganen und Gliedern vorausgesetzt, und im Handwerk sowie in der bäuerlichen Basisgesellschaft zählte für Frauen wie für Männer die Fähigkeit, körperliche Arbeit verrichten zu können. Bei der Bewertung von Körperqualitäten kam hinzu, dass sich in der physischen Wohlbeschaffenheit nach zeitgenössischer Anschauung»innere Werte«im Sinne standesgemäßer Charaktereigenschaften spiegelten. Überdies wurde ein untrennbarer Zusammenhang zwischen der körperlichen Verfassung und dem geistig-seelischen Wohlergehen insofern angenommen, als nach der gemeinhin geltenden humoralpathologischen Lehre Gemütsleiden nicht anders als physische Krankheiten aus einem Ungleichgewicht der Säfte resultierten. In der mittelalterlichen Überlieferung finden sich etliche Hinweise darauf, dass Defekte und Einbußen an körperlicher Tüchtigkeit Benachteiligung, Abstieg und Ausgrenzung nach sich zogen. Die bildlichen Darstellungen christlicher Caritas gegenüber Blinden, Lahmen, Verstümmelten mit ihren Krücken und Rutschbrettern zum Beispiel scheinen den Absturz ins Elend geradezu zu illustrieren. 6 Herrscher wurden mit dem Argument der Regie- 4 Metzler (2006), S Vgl. dazu demnächst die Dissertation von Bianca Frohne: Signifikante Körper:»Behinderung«und langwierige Krankheit in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen (Arbeitstitel). 6 Vgl. die Literatur bei Vavra (2009) und Helas (2009) sowie demnächst die Dissertati-

13 12 Cordula Nolte rungsunfähigkeit abgesetzt oder kaltgestellt 7, adlige Töchter ihres»bloden und bresthafftigen leibs«wegen ins Kloster gegeben statt verheiratet 8, invalide Ehepartner drohten verlassen zu werden 9, neugeborene Kinder mit Deformationen wurden gelegentlich ausgesetzt bzw. getötet 10. Solche Reaktionen wirken vor dem Hintergrund der erwähnten Ideale plausibel, doch sie repräsentieren nur eine Variante sozialen Verhaltens neben anderen. Ihnen stehen in schriftlichen Zeugnissen wie im archäologisch-anthropologischen Befund vielfältige Maßnahmen gegenüber, mit denen Menschen ihre»handicaps«kompensierten und ihren Status wahrten, in soziale Netze eingegliedert blieben bzw. darin aufgefangen wurden. So dominierte auf dem Feld politischer Herrschaft der pragmatische Umgang mit schweren Erkrankungen und Gebrechen des Regenten bis hin zur positiven Bewertung seiner selbstbeherrscht durchstandenen»schwäche«. 11 Die Verwendung von Prothesen 12 und Hilfsmitteln, die Übernahme geeigneter Tätigkeiten je nach Fähigkeit sowie gegebenenfalls eine berufliche Umorientierung sorgten dafür, dass beeinträchtigte Menschen mobil blieben, am Arbeitsleben teilhatten und zu ihrem Unterhalt zumindest beitragen konnten 13. Ein junger Mann zum Beispiel, der seine Stimme weitgehend verloren hatte, klapperte in den Weinbergen mit eigens angefertigten Tafeln, um die Vögel zu verscheuchen:»diese Arbeit nützt den Winzern«, bemerkt der Geschichtsschreiber und Hagiograph Gregor von Tours im 6. Jahrhundert dazu. 14 Ein Mann aus Lübeck, dem ein Goldschmied versehentlich ins Knie geschossen hatte, schloss mit diesem dahingehend einen Sühnevertrag, dass er von ihm on von Sarah Harms: Gebrechlich, versehrt, behindert: Repräsentationen beeinträchtigter Menschen in mittelalterlichen Bildzeugnissen (Arbeitstitel). 7 Nolte (2000). 8 Nolte (2005), Kapitel»Geistlicher Stand und kirchliche Karrieren«, S , hier S. 121, Fußnote Heiligenviten und Wunderberichte thematisieren das Problem, dass ein Ehepartner»accedente infirmitate«verlassen wird. Das kirchliche Recht verbot seit dem 6. Jahrhundert wiederholt, sich wegen Krankheit oder Körperschäden scheiden zu lassen. Vgl. Schelberg (2000), S. 224ff., 246; Farmer (1998), S. 356; Nolte (1995), S Zum Jahr 1012 berichten die Jahrbücher von Quedlinburg, die Dorfgemeinschaft von Kochstedt habe ein neugeborenes missgestaltetes Zwillingspaar sterben lassen,»weil ihr längeres Leben für alle ein Schrecken war«. Hier zitiert nach Ketsch (1984), S Die Nürnberger Hebammenordnung (Ende 15. Jahrhundert) verpflichtet zur Anzeige von»missgeburten«, damit diese»nicht verduscht werden«. Löhmer (1989), S. 51. Allerdings war im Mittelalter die Tötung deformierter Kinder ebenso wenig alltägliche Praxis wie die Kindestötung überhaupt. Vgl. Ulrich-Bochsler (1997), S. 93ff. 11 Jordan (2009); Kehnel (2009). 12 Kahlow (2009). 13 Vgl. zur fortgesetzten Arbeitstätigkeit bei»chronischer«krankheit Gray (2007). 14»Hoc opus vinitoribus utile est, cum vinita ab infestantium avium catervis defensare nituntur.«gregor von Tours (1969), lib. II, cap. 26, S. 618f.

14 »Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«13 im Goldschmiedehandwerk ausgebildet werden sollte, um sich künftig ernähren zu können eine regelrechte Umschulungsmaßnahme also. 15 In Memmingen war im 15. Jahrhundert der Fleischerberuf ausdrücklich jenen vorbehalten, die aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigung»kein ander handwerk treiben«konnten. 16 Familie, Verwandtschaft und»freundschaft«, Nachbarschaft, Haus- und Dorfgemeinschaft fungierten für ihre Angehörigen als Solidargemeinschaften. Wunderberichte bezeugen anschaulich, dass hilfsbedürftige Menschen in ihrem Umfeld tatkräftigen Beistand erhielten in Form von Pflege, Transport, Obdach usw. In Paris etwa organisierten arme Frauen im 13. Jahrhundert Selbsthilfenetzwerke, um sich bei langwieriger Krankheit und Arbeitsunfähigkeit gegenseitig zu unterstützen. 17 Zünfte und Bruderschaften sicherten ihre männlichen Mitglieder, wenn diese wegen Unfallverletzungen, Krankheiten oder Gebrechlichkeit im Alter ihren Unterhalt nicht mehr erarbeiten konnten, durch Krankengeldzahlungen oder die Aufnahme in Versorgungsinstitutionen. 18»Zwölfbrüderhausstiftungen«wie die der Familien Mendel und Landauer boten ebenfalls erwerbsunfähigen, bedürftigen Handwerkern Nahrung und Unterkunft. 19 In Klostergemeinschaften lebten Menschen mit Körperschäden integriert und zugleich im Kontakt mit ihren Angehörigen außerhalb des Konvents:»Inklusion im Kloster bedeutete nicht Exklusion aus der Familie«20 wen man ins Kloster schickte, der wurde also nicht zwangsläufig»abgeschoben«. Am immer wieder angeführten Beispiel des seit seiner Kindheit weitgehend gelähmten, kaum sprechfähigen Gelehrten und Geschichtsschreibers Hermann von Reichenau (Hermannus contractus, ), der mit sieben Jahren ins Kloster gegeben wurde, wird deutlich, welche Überlebens- und Entfaltungsmöglichkeiten das geschützte Klosterleben bot. 21 Auch Untersuchungen von Skeletten mit Deformitäten und Spuren schwerer, langer Krankheitsprozesse ergaben, dass versehrte Kinder und Erwachsene in verschiedenen Sozialschichten und Milieus Stadt, Land, Konvent dank intensiver Pflege, Fürsorge und Rücksichtnahme verhältnismäßig lange lebten Pauli (1875), S. 327, Nr. XCIV. Ich bedanke mich für den Hinweis bei Yvette Nuckel. Sie erarbeitet derzeit eine Dissertation zum Thema»Arbeitsunfähigkeit im Spätmittelalter. Ursachen und Folgen der Berufsunfähigkeit oder Behinderung am Beispiel von Handwerkern im norddeutschen Raum«. 16 Wolfisburg (1995), S Bei Farmer (1998) und (2002) sind die»miracles de Saint Louis«des Guillaume de St.-Pathus vorbildlich ausgewertet. Vgl. dazu auch Dinges (2002). 18 Fröhlich (1976). Vgl. die Kritik bei Nuckel (wie Anm. 15). 19 (letzter Zugriff: ). Auf dieser Webseite kann man u. a. gezielt nach Krankheiten und Gebrechen der»brüder«suchen. 20 Knackmuß (2009), S Borst (1997), S. 107ff.; Berschin/Hellmann (2005). 22 Ulrich-Bochsler (2009).

15 14 Cordula Nolte Aus diesen Befunden sollte man kein harmonisierendes Bild konstruieren. Anteilnahme und Solidarität hatten ihre Grenzen 23 und wurden Bedürftigen, abhängig von diversen Faktoren wie sozialem Rang, Vermögen und Geschlecht, in ungleichem Maß zuteil. Gleichwohl geraten dank jüngster Studien so manche Vorannahmen über mittelalterliche Haltungen ins Wanken. An der vermeintlich so verbreiteten Vorstellung von Krankheit als Folge von Sünde etwa orientierten sich normative und pastorale Texte anscheinend wenig 24 und die alltäglichen Handlungsweisen mutmaßlich noch weniger. Ferner spricht vieles dafür, dass die Verantwortung für beeinträchtigte Mitmenschen nicht vorrangig als Belastung wahrgenommen wurde. 25 Arbeitsperspektiven Körperliche Beeinträchtigung im Mittelalter konnte angeboren oder durch Krankheit ausgelöst sein, durch Unfall, Kampf und Krieg verursacht oder die Folge einer Leibesstrafe sein, aus langjähriger Arbeitsbelastung resultieren sowie eine Altersbegleiterscheinung darstellen. Aus diesem weiten Panorama greift der hier in drei Aufsätzen bearbeitete Themenschwerpunkt»Versehrt durch Arbeit, Krieg und Strafe«exemplarische Untersuchungsfelder heraus, die anhand folgender Überlegungen ausgewählt wurden. Arbeit und Krieg gehörten zu den Grunderfahrungen mittelalterlicher Menschen. Im Blick auf die Arbeit erschließen sich alltägliche Lebenszusammenhänge von Kindern, Frauen und Männern im ländlichen und städtischen Bereich. Die Fähigkeit, sich selbst und gegebenenfalls Angehörige zu ernähren, war eine wesentliche Voraussetzung für die Behauptung der eigenen Rolle im sozialen Geflecht. Schriftliche und bildliche Zeugnisse sowie materielle Überreste lassen Schlüsse zu, wie es um Arbeitsbedingungen, Unfallrisiken und Schutzmaßnahmen stand 26, wie stark Frauen und Männer durch körperliche Anstrengungen belastet wurden 27 und wer im Notfall durch Familie, Genossenschaften und Fürsorgeeinrichtungen versorgt wurde. Die Archäologin Uta Halle führte auf dem Historikertag am Beispiel der bleiverarbeitenden Gewerbe und der Rolle des Bleis im Verbraucheralltag anschaulich vor Augen, wie eng eine auf den ersten Blick berufsspezifische Problematik mit den allgemeinen Lebens- und Umweltbedingungen der gesamten Bevölkerung einer Region verknüpft sein konnte Irsigler (2009). 24 Büttner (2009). 25 Goetz (2009). 26 Vgl. Zimmermann (1985). 27 Grupe (1997). 28 Der Beitrag wird demnächst gesondert gedruckt. Uta Halle leitet zwei Teilprojekte innerhalb des»homo debilis«-projekts. Das Thema»Anthropologisch-osteologische

16 »Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«15»krieg und Kriegsführung im Mittelalter«war in den jüngsten Jahren geradezu ein Schwerpunkt kulturwissenschaftlicher Forschungen, wobei allerdings die Frage nach den Verletzten und Invaliden weitestgehend ausgeklammert wurde. 29 Dabei melden die Geschichtsschreiber regelmäßig, dass auf dem Schlachtfeld außer Toten auch viele Verwundete zurückblieben. Wie wurden Verunstaltung und Invalidität»überlebenstechnisch«und seelisch bewältigt? Welche Tätigkeiten konnten Kriegsversehrte übernehmen, wenn sie zum militärischen Handwerk nicht mehr taugten, wie wurden sie samt ihren Familien versorgt, wie ließen sich ritterliche Selbstbilder mit Verkrüppelungen vereinbaren? 30 Tief blicken lässt die literarische Verarbeitung der verheerenden Auswirkungen, die die Verstümmelung des Kriegers auf seine sozialen Bindungen haben mochte, in Herrands von Wildonie Erzählung»Die treue Gattin«: Die Heldin, deren Mann»vil ritterlich«ein Auge verloren hat, sticht sich selbst ein Auge aus, zeigt sich also im Verlust der körperlichen Makellosigkeit mit ihm solidarisch ein Vorbild an Treue für Ehefrauen, deren Männer entstellt aus dem Kampf heimkehren. 31 Das ausdrückliche kirchliche Verbot, sich von Ehemännern scheiden zu lassen,»die von ihren Gegnern geblendet oder an ihren Gliedmaßen verstümmelt werden«(»qui ab adversariis caecantur, aut membris detruncantur«), lässt das Ausmaß des Elends erahnen. 32 Oliver Auge erörtert in seinem Beitrag anhand erzählender Quellen unterschiedlicher Genres, inwieweit adlige Kämpfer, deren gesamtes Ethos um die Kampfkraft kreiste, unter ihren Standesgenossen Versehrtheit als Beeinträchtigung der Ehre und Leistungsfähigkeit erfuhren oder als Auszeichnung deuteten. Mit gezielten Verstümmelungen, die man als Strafe zugefügt bekam, wird ein Phänomen angesprochen, das in der Politik und Herrschaftspraxis ebenso eine Rolle spielte wie in der Sphäre des Rechts und der Gerichtsbarkeit sowie bei gewalttätigen Auseinandersetzungen im Alltag. 33»Strafe«ist Untersuchung zu Krankheit und Versehrtheit der Bevölkerung Bremens im Mittelalter«wird bearbeitet von Swantje Krause; um»krankheit, Versehrtheit, Behandlung und Pflege im Mittelalter im Spiegel archäologischer Quellen«geht es bei Simone Kahlow. 29 Rogge (2004); Selzer (2003). Vgl. ferner die in Oliver Auges Beitrag aufgeführten Publikationen. 30 Solchen Fragen geht unter der Leitung von Stephan Selzer ein Teilprojekt des»homo debilis«-projekts nach (»Versehrte Helden. Kriegsinvalidität im spätmittelalterlichen Italien«). Es wird bearbeitet von Karolina Meyer-Schilf. 31 Herrand von Wildonie (1969). Auf die Episode machte mich Ingrid Bennewitz aufmerksam, bei der ich mich herzlich bedanke. 32 Regino von Prüm: Libri duo de synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis. Hg. von Friedrich Wilhelm August Wasserschleben. Leipzig 1840, Bd. II, S. 128f., hier zitiert nach Schelberg (2000), S Vgl. neben der bei Büttner (2009) genannten Literatur Weitzel (1994); Schuster (2008); Groebner (1995).

17 16 Cordula Nolte hier im weiten Verständnis aufzufassen. Als politisches Instrument hatte die Verstümmelung von Gegnern und Rivalen selbstverständlich oft nur bedingt Strafcharakter, vielmehr spielten hier Motive der Rache, Entehrung und Ausschaltung der Herrschaftsfähigkeit zusammen. Vor allem das Ausreißen bzw. Ausstechen der Augen erschien als ein Äquivalent zur Hinrichtung, da es den solcherart Gestraften hilflos machte und sichtbar zeichnete. Eingebettet in Überlegungen zum gesellschaftlichen Umgang mit Blinden allgemein zeigt Jan Ulrich Büttner auf, wie sich im Lauf des Mittelalters die Handhabung und Bewertung der Blendung wandelte. Zugleich beleuchtet er die Veränderung des»sozialen Klimas«im Spätmittelalter am Beispiel der Haltung gegenüber blinden Bedürftigen. Auch Klaus van Eickels schlägt in seinem Beitrag über männliche Zeugungsunfähigkeit den Bogen zur Strafpraxis, indem er die gewaltsame Entmannung untersucht, die in Verbindung mit der Blendung als eine der Hinrichtung gleichzusetzende Kapitalstrafe galt. In seinen Ausführungen über die Bewertung des männlichen Unvermögens, Nachwuchs zu zeugen, und über die Folgen von Kinderlosigkeit legt er dar, wie wichtig es ist, die Kategorien»Behinderung«bzw.»Beeinträchtigung«gemäß mittelalterlichen Maßstäben zu definieren. Zweifellos bedrohten Impotenz und Unfruchtbarkeit nachhaltig die Wertschätzung von Männern und Frauen in einer Gesellschaft, die die Hervorbringung von Nachkommen für ein besonders hohes Gut hielt. 34 Der Beitrag van Eickels verweist zugleich auf die Notwendigkeit, nach»behinderung«bzw.»beeinträchtigung«oder»signifikanz«aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive zu fragen. Die Wahrnehmung von normabweichenden Körpermerkmalen hatte für Frauen und Männer unterschiedliche Folgen; die Heiratschancen von Mädchen etwa bemaßen sich stärker nach der Perfektion ihrer äußeren Erscheinung. 35 Und mit geschlechtsspezifischen Rollen waren unterschiedliche Gesundheitsrisiken verbunden, wie aus den zahlreicher dokumentierten Arbeitsunfällen und verletzungsträchtigen Gewalthändeln von Männern zu schließen ist. 36 Frauen wiederum dürften insofern durch die Gebrechen, Arbeitsunfähigkeit und Hilfsbedürftigkeit von Angehörigen in besonderem Maß betroffen gewesen sein, als sie diese pflegten und als Arbeitskräfte für sie einsprangen. Im Kontext von Zunftauseinandersetzungen etwa finden sich aufschlussreiche Hinweise darauf, dass Mädchen und Frauen als Handwerkerinnen ihre Eltern während deren 34 Vgl. das Kapitel»Sterility: The pursuit of progeny and the failure of reproductive function«bei Cadden (2003), S Bezeichnenderweise wurden bei einigen Eheanbahnungen adlige Bräute, nicht aber Bräutigame einer Körperschau und medizinischen Untersuchung unterzogen. Vgl. Nolte (2004), S Vgl. zu Unfällen Signori (1992), S Zu Gewalttätigkeit Malamud (2003).

18 »Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«17 Krankheit und im Alter unterhielten und ihre Familien durchbrachten, wenn die Ehemänner monate- oder jahrelang krank lagen. 37 Die hier versammelten Aufsätze greifen Aspekte einer weitgefächerten Thematik auf, die die verschiedensten Lebensbereiche berührt. Im Blick auf verschiedene Zeitstellungen vom frühen bis zum späten Mittelalter deuten sich, besonders akzentuiert in Jan Ulrich Büttners Beitrag, Veränderungen von Einstellungen und Verhaltensformen an, die in künftigen Studien zur Vormoderne systematisch herauszuarbeiten sein werden. Alle Aufsätze zeigen, wie disparat die Quellenlage ist und welche Probleme sie aufwirft. Chancen, dennoch weitere Erkenntnisse im Rahmen des hier skizzierten Forschungsprogramms zu gewinnen, liegen in der Neuerschließung altbekannter, gedruckter Quellen, wie von den am Themenschwerpunkt beteiligten Autoren demonstriert, und in der Auswertung von Archivalien, die gerade im Hinblick auf»behinderung«bzw.»beeinträchtigung«erstaunliche Lücken bei gedruckten Beständen aufscheinen lassen. Vor allem aber verspricht die fächerübergreifende Kooperation, dass sich beim mühseligen Zusammensetzen verstreuter Puzzlesteine das Bild vergangener Erfahrungen mit menschlicher»mangelhaftigkeit«und Versehrtheit rundet. Bibliographie Internetquelle (letzter Zugriff: ) Literatur Berschin, Walter; Hellmann, Martin: Hermann der Lahme. Gelehrter und Dichter ( ). (=Reichenauer Texte und Bilder 11) 2., erweiterte Aufl. Heidelberg Borst, Arno: Mönche am Bodensee. 4. Aufl. Sigmaringen Büttner, Jan Ulrich: Sünde als Krankheit Buße als Heilung in den Bußbüchern des frühen Mittelalters. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Cadden, Joan: Meanings of sex difference in the Middle Ages. Medicine, science, and culture. (=Cambridge History of Medicine) Cambridge Dinges, Martin: Neues in der Forschung zur spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Armut? In: Gilomen, Hans-Jörg; Guex, Sébastien; Studer, Brigitte (Hg.): Von der Barmherzigkeit zur Sozialversicherung. Umbrüche und Kontinuitäten vom Spätmittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Zürich 2002, Farmer, Sharon: Down and Out and Female in Thirteenth-Century Paris. In: American Historical Review 102 (1998), Vgl. die bei Ketsch (1983), S. 177ff., zitierten Auszüge aus dem Urkundenbuch der Stadt Heilbronn. Vgl. zur Rolle von Frauen im häuslichen Gesundheitswesen Jütte (1988).

19 18 Cordula Nolte Farmer, Sharon: Surviving Poverty in Medieval Paris. Gender, Ideology, and the Daily Lives of the Poor. Ithaca; London Fröhlich, Sigrid: Die soziale Sicherung bei Zünften und Gesellenverbänden: Darstellung, Analyse, Vergleich. (=Sozialpolitische Schriften 38) Berlin Goetz, Hans-Werner:»Debilis«. Vorstellungen von menschlicher Gebrechlichkeit im frühen Mittelalter. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Gray, Louise: Hospitals and the Lives of the Chronically Poor: Coping with Illness in the Narratives of the Rural Poor in Early Modern Germany. In: Henderson, John; Horden, Peregrine; Pastore, Alessandro (Hg.): The Impact of Hospitals Bern 2007, Gregor von Tours: Libri I-IV de virtutibus sancti Martini episcopi. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores rerum Merowingicarum. Bd. 1,2. Hg. von Bruno Krusch. Hannover 1885, Groebner, Valentin: Der verletzte Körper und die Stadt. Gewalttätigkeit und Gewalt in Nürnberg am Ende des 15. Jahrhunderts. In: Lindenberger, Thomas; Lüdtke, Alf (Hg.): Physische Gewalt. Studien zur Geschichte der Neuzeit. Frankfurt/Main 1995, Grupe, Gisela: Die anthropologische Bearbeitung der Skelettserie von Schleswig, Ausgrabung Rathausmarkt. Rekonstruktion einer mittelalterlichen Bevölkerung und ihrer Umweltbeziehungen. In: Vogel, Volker (Hg.): Kirche und Gräberfeld des Jahrhunderts unter dem Rathausmarkt von Schleswig. (=Ausgrabungen in Schleswig. Berichte und Studien 12) Neumünster 1997, Helas, Philine: Der Körper des Bettlers. Zur Darstellung und Ausblendung von körperlicher Versehrtheit in der italienischen Kunst zwischen dem 14. und frühen 16. Jahrhundert. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Herrand von Wildonie: Die treue Gattin (Diu getriu kone). In: Herrand von Wildonie: Vier Erzählungen. Hg. von Hanns Fischer. (=Altdeutsche Textbibliothek 51) 2., revidierte Aufl. besorgt von Paul Sappler. Tübingen 1969, 1-9. Irsigler, Franz: Mitleid und seine Grenzen. Zum Umgang der mittelalterlichen Gesellschaft mit armen und kranken Menschen. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistesund Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Jordan, Gesine: Hoffnungslos siech, missgestaltet und untüchtig? Kranke Herrscher und Herrschaftsanwärter in der Karolingerzeit. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Jütte, Robert:»Wo kein Weib ist, da seufzet der Kranke«Familie und Krankheit im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung 7 (1988), Kahlow, Simone: Prothesen im Mittelalter ein Überblick aus archäologischer Sicht. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009,

20 »Behindert«, beeinträchtigt,»bresthafftigen leibs«19 Kehnel, Annette: Defizienz und Zivilisationsprozess. Überlegungen zur»macht der Schwäche«am Beispiel des kranken Königs Hiskia auf der Wiener Reichskrone. In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Ketsch, Peter: Frauen im Mittelalter. Bd. 1: Frauenarbeit im Mittelalter. Quellen und Materialien. Hg. von Annette Kuhn. (=Geschichtsdidaktik. Studien, Materialien 14) Düsseldorf Ketsch, Peter: Frauen im Mittelalter. Bd. 2: Frauenbild und Frauenrechte in Kirche und Gesellschaft. Quellen und Materialien. Hg. von Annette Kuhn. (=Geschichtsdidaktik. Studien, Materialien 19) Düsseldorf Knackmuß, Susanne:»Moniales debiles«oder behinderte Bräute Christi. (Chronische) Krankheit, Behinderung und Familienbande im Frauenkloster um In: Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb 2009, Löhmer, Cornelia: Die Welt der Kinder im 15. Jahrhundert. Weinheim Malamud, Sibylle: Die Ächtung des»bösen«. Frauen vor dem Zürcher Ratsgericht im späten Mittelalter, Zürich Metzler, Irina: Disability in medieval Europe: thinking about physical impairment during the High Middle Ages, c (=Routledge studies in medieval religion and culture 5) London u. a Nolte, Cordula: Conversio und christianitas. Frauen in der Christianisierung vom 5. bis 8. Jahrhundert. (=Monographien zur Geschichte des Mittelalters 41) Stuttgart Nolte, Cordula: Der kranke Fürst. Vergleichende Beobachtungen zu Dynastie- und Herrschaftskrisen um 1500, ausgehend von den Landgrafen von Hessen. In: Zeitschrift für Historische Forschung 27 (2000), H. 1, Nolte, Cordula: der leib der hochst schatz Zu fürstlicher Körperlichkeit, Gesunderhaltung und Lebenssicherung ( ). Familien- und alltagsgeschichtliche Perspektiven. In: Rogge, Jörg (Hg.): Fürstin und Fürst. Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter. (=Mittelalter-Forschungen 15) Ostfildern 2004, Nolte, Cordula: Familie, Hof und Herrschaft. Das verwandtschaftliche Beziehungs- und Kommunikationsnetz der Reichsfürsten am Beispiel der Markgrafen von Brandenburg- Ansbach ( ). (=Mittelalter-Forschungen 11) Ostfildern Nolte, Cordula (Hg.): Homo debilis. Behinderte Kranke Versehrte in der Gesellschaft des Mittelalters. (=Studien und Texte zur Geistes- und Sozialgeschichte des Mittelalters 3) Korb Pauli, Carl Wilhelm: Lübecks Mangeld und Caperwesen. Aus ungedruckten Urkunden der Niederstadtbücher. Lübeck Rogge, Jörg: Das Kriegswesen im späten Mittelalter und seine Erforschung. Neuere englische und deutsche Arbeiten zu Krieg, Staat und Gesellschaft. In: Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 8 (2004), H. 1, Schelberg, Antje: Leprosen in der mittelalterlichen Gesellschaft. Diss. phil. Göttingen 2000, URL: (letzter Zugriff: ).

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