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1 Region Stuttgart aktuell Infomagazin des verbands region Stuttgart Singapur oder Renningen internationales Interesse am Verband Region Stuttgart ungebrochen Ich möchte Stuttgart und die Baustelle einander näherbringen Interview mit Peter Maile Dem Volk verpflichtet ein Beitrag zum 20. Geburtstag des Verbands Region Stuttgart Foto: H. Rudel Foto: EnBW AG

2 hätten sie s gewusst, dass... es in der Region Stuttgart rund Wohngebäude (inkl. Wohnheime) gibt? insgesamt 1,3 Millionen Wohnungen zur Verfügung stehen? es alles in allem 5,6 Millionen Wohnräume gibt, die größer als 6 Quadratmeter sind? die meisten Wohnungen in der Region über 4 Räume verfügen, nämlich 28,1 Prozent? lediglich 3,4 Prozent der Wohnungen nur einen Raum haben? die Belegungsdichte, also die Anzahl der Einwohner je Wohnung, bei 2,1 Personen liegt? Wohnungen mit... 20,3 % 17,6 % 28,1 % 21,5 % 9,1 % 3,4 %

3 Die gute alte Zeit? Liebe Leserinnen und Leser, Das Merkwürdigste an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute alte Zeit nennen wird. Reichen 20 Jahre aus, um, wie es der amerikanische Schriftsteller John Steinbeck andeutet, mit verklärtem Blick zurückzuschauen? Wohl kaum. Aber in Protokollen von Regionalkonferenzen, vergilbten Zeitungsartikeln und Reden finden sich Sätze, die noch heute gelten: Bewährtes erhalten Defizite beseitigen neue Strukturen schaffen die Zukunft gestalten, das ist unsere Aufgabe, sagte der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel im Januar Der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart knüpft daran an: Nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit sollte das Verbandsgesetz an neue Herausforderungen angepasst werden, die nur überörtlich und regional solidarisch bewältigt werden können. (Seite 17) Ihm und der großen Mehrheit der Regionalversammlung geht es darum, Defizite zu beseitigen. So lässt sich für die Region der Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schlagen. Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht Ihnen Dorothee Lang, Redaktion Region Stuttgart aktuell EDITORIAL + INHALT 3 03 editorial 08 Aktuelles 08 Schaffe, net schwätze Professor Hans-Jörg Bullinger erhält den Hans-Peter-Stihl-Preis 10 Ich möchte Stuttgart und die Baustelle einander näherbringen Betriebsseelsorger Peter Maile im Interview 12 Kompetenz, Energie und Mobilität ein Meinungsbild der Fraktionen und Gruppen zum Haushalt Dem Volk verpflichtet der Vorsitzende zum 20. Geburtstag des Verbands Region Stuttgart 18 Singapur oder Renningen internationales Interesse am Verband Region Stuttgart ungebrochen 19 REGIONALPLANUNG 19 Schlaf beim Schaf das Konzept steht, jetzt zeigt der Masterplan Murr- / Bottwartal erste Blüten 20 kommune IM profil 20 Eine Landschaft zum Verlieben Kommune im Profil (49): Neuffen 22 Wir wollen den Tourismus ankurbeln der Neuffener Bürgermeister Matthias Bäcker im Gespräch Rubriken 04 Kurz notiert 23 Termine & Veranstaltungen 23 Veröffentlichung IMPRESSUM Herausgeber Verband Region Stuttgart Körperschaft des öffentlichen Rechts Kronenstraße 25, Stuttgart V. i. S. d. P. Leitender Technischer Direktor Thomas Kiwitt Redaktion Dorothee Lang (LA) Telefon: 0711 / Telefax: 0711 / Autorinnen / Autoren dieser Ausgabe Extern: Sigrid Krügel, Katrin Lebherz Intern: Simone Albrich, Heide Esswein, Uta Hörmann (UH), Petra Kutzschmar (PK), Anna Spechtenhauser Erscheinungsweise Vierteljährlich im Januar, April, Juli und Oktober Verteilung Funktionsträger und Abgeordnete in Bund, Land, Region, Kreisen, Städten und Gemeinden; interessierte Behörden, Verbände und Einrichtungen; Medien; Stadtbüchereien. Weiterer Versand und Aufnahme in den Verteiler auf Anfrage. Konzeption und Gestaltung Druck W. Kohlhammer Druckerei GmbH & Co. KG, Stuttgart Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier Titel Bild-Collage aus 20 Jahren Verband Region Stuttgart Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht der Meinung der Redaktion oder des Verbands Region Stutt gart entsprechen. Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Eine Verwertung, z. B. Verviel fältigung, Ver brei tung, die Speicherung in elektronischen Systemen, der Nachdruck und sonstige Anwendungen, unterliegt den Grenzen des Urheberrechtsgesetzes und ist nur mit vorheriger Geneh migung des Herausgebers gestattet region stuttgart aktuell

4 KURZ NOTIERT 4 Dr. Schelling neue Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling ist neue Regionaldirektorin des Verbands Region Stuttgart. Die Regionalversammlung wählte die 46-jährige Juristin im Dezember Sie wird ihr Amt am 15. März 2014 antreten. Der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart Thomas S. Bopp gratulierte Frau Dr. Schelling zum Wahlsieg und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit. Wörtlich sagte er mit Blick auf die jüngsten Diskussionen: Wir haben eine super Regionaldirektorin. Nach Abitur und einer Ausbildung studierte Dr. Nicola Schelling Rechtswissenschaften in Marburg mit Auslands semester in Paris. Anschließend arbeitete die gebürtige Stuttgarterin als Richterin und Staatsanwältin in Schwäbisch Hall sowie Heilbronn. Sie wechselte im November 2002 in die Europaabteilung des Staatsminis teriums Foto: VRS / Frank Eppler Baden-Württemberg, promovierte berufsbegleitend und übernahm im Juni 2007 die Leitung des Referats für grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit. Von Mai 2010 bis April 2012 leitete Dr. Nicola Schelling die Landesvertretung in Brüssel, wo sie nach einer Umstrukturierung derzeit Leiterin des Referats Europapolitik und Ressortbeobachter ist. Als Richterin habe ich nicht nur entschieden, sondern auch Vergleiche geschlossen, sagte Dr. Nicola Schelling in ihrer Bewerbungsrede mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Landkreisen und Kommunen. Im Geflecht der Partner von Landkreisen und Kommunen müsse die Region Stuttgart als starker Partner und als starke Einheit auftreten, ist sie überzeugt. Ich bin in Brüssel für das Land gestanden und möchte dies nun für die Region Stuttgart tun, skizzierte Dr. Nicola Schelling ihre Motivation für die Position. Sie verfüge über reichhaltige Erfahrungen in der politischen Kommunikation mit europäischen Institutionen, dem Land und Kommunen. Um die Stelle der / des Regionaldirektorin / -direktors hatten sich insgesamt 50 Personen beworben. Der Auswahlprozess war intensiv und transparent, sagte Thomas S. Bopp. Dr. Nicola Schelling erhielt im zweiten Wahlgang 44 Stimmen. Ihr Mitbewerber Matthias Wittlinger bekam 39 Stimmen. LA Wo schlägt das Herz der S-Bahn? Im Betriebswerk in Plochingen. Diese Antwort und ihr weiteres Wissen rund um die S-Bahn und die Region Stuttgart konnten die Fahrgäste Ende 2013 gewinnbringend einsetzen. Mehrere Tausend Klicks auf die Zeitreise und Fragen, über Postkarten und über s mit den richtigen Lösungen, am Ende rund 100 Gewinner, die sich teilweise sogar überschwänglich bedankten das sind die erfreulichen Kennzahlen zweier kleiner Gewinnspiele, die der Verband Region Stuttgart und die S-Bahn Stuttgart anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der S-Bahn Stuttgart und als Adventskalender gemeinsam aufs Gleis gesetzt hatten. Beide Aktionen stießen auf breite und positive Resonanz wie diese: Besonders schön finde ich, dass ich als treue Kundin gewonnen habe. Seit 1979 Jahren pendle ich täglich auf der Strecke Grunbach Stadtmitte zur Arbeit und zurück und könnte ein Buch darüber schreiben. Diesem Gewinn wäre dann ein extra Kapitel gewidmet. pk Ja zu Plänen auf den Fildern Der Verband Region Stuttgart trägt die Planungen für das Bahnprojekt Stuttgart Ulm im Bereich Filder mit. Die Bauherrin Deutsche Bahn AG geht mit der sogenannten Antragstrasse ins Genehmigungsverfahren. Diese verbindet den neuen Fildertunnel mit dem Abschnitt nach Wendlingen, der parallel zur Autobahn verläuft und bereits planfestgestellt ist. Weitere Teile sind der neue Fernbahnhof unter der Messe-Piazza und die Anbindung der Station Flughafen / Messe an den Fildertunnel (Flughafenkurve). Ebenfalls zum PFA 1.3. gehört die Verbindung von der Gäubahn (aus Richtung Singen) über die Rohrer Kurve mit der heutigen S-Bahn-Station Flughafen / Messe. Regionalplanerisch gehe der Filderabschnitt absolut in Ordnung, so Planungsdirektor Thomas Kiwitt. Die Antragstrasse stehe im Einklang mit dem Regionalplan und entspreche dem Raumordnungsverfahren. In seiner Rolle als Aufgabenträger für die S-Bahn lobte Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler, dass entgegen früherer Planungen auch künftig zwei S-Bahn-Linien die Station Flughafen / Messe ansteuern können. Der Verband Region Stuttgart weist in seiner Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren allerdings darauf hin, dass die Flughafenanbindung zeitgleich mit den übrigen Teilen des Bahnprojekts Stuttgart Ulm zu realisieren ist. die Beeinträchtigungen des S-Bahn-Verkehrs durch die Arbeiten im Abschnitt Rohrer Kurve bis Flughafen / Messe sowie in der S-Bahn-Station Flughafen / Messe zu minimieren sind. Nachweise, dass die Bauarbeiten zu keinen einschneidenden Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr führen, sollen Teil der Planfeststellung werden. nachgewiesen wird, dass die Leistungsfähigkeit der S-60-Strecke ausreicht, falls dort übergangsweise Züge von und nach Singen / Zürich umgeleitet werden. die S-Bahn in der neuen Station Terminal (heute Flughafen / Messe), in der auch Fern- sowie Regionalzüge von und nach Singen / Zürich halten werden, weiterhin beide Gleise befahren kann. der Nachweis zu erbringen ist, dass nach der Fertigstellung mindestens in der bisherigen Betriebsqualität zwei S-Bahn-Linien jeweils im 30-Minuten-Takt die Station Flughafen / Messe ansteuern können. LA region stuttgart aktuell

5 Fünf Ersatzstandorte Fünf Standorte kommen aus Sicht des Verbands Region Stuttgart in die engere Wahl als Ersatz für den Gewerbeschwerpunkt Pleidelsheim / Murr: Großbottwar (Holzweiler Hof, ca. 15 ha), Ingersheim (angrenzend an das Gewerbegebiet Gröninger Weg, ca. 17 ha), Schwieberdingen (zwischen Schnellbahntrasse und dem Gewerbegebiet Schwieberdingen, ca. 26 ha), Korntal- Münchingen (zwischen A 81 und B 10, 25 ha) und Bietigheim-Bissingen (westl. des Gewerbegebiets Tamm Nord, südl. der Ludwigsburger Straße, ca. 25 ha). Zu diesen fünf Standorten können sich bis April Behörden, Verbände, Städte und Gemeinden verbindlich äußern. Für die Bürgerinnen und Bürger läuft das Beteiligungsverfahren noch bis Ende Februar. Parallel dazu bietet der Verband Region Stuttgart Informationsveranstaltungen an (vgl. Termine auf Seite 23). Planungsdirektor Thomas Kiwitt erhofft sich handfeste Aussagen, ob die Kommunen die Umsetzung dieser Standorte mittragen werden. Denn die vorgeschlagenen Standorte seien nicht konfliktfrei. Gleichwohl stammten Wohlstand und Prosperität der Region zu einem erheblichen Teil von produzierendem Gewerbe, sprich von Fabriken, die auch Platz brauchen. Nach der ergebnisoffenen Prüfung der Stellungnahmen wird die Entscheidung vermutlich Ende 2014 fallen, welcher Standort in den Regionalplan aufgenommen wird. Mit rund 108 ha übersteigt derzeit die Gesamtfläche der fünf Standorte die Größe des regionalen Gewerbeschwerpunkts Pleidelsheim / Murr. Unterm Strich sollen Flächen in einer Größenordnung von 75 ha ausgewiesen werden. Nach einem Suchlauf hatte der Verband Region Stuttgart zunächst 15 mögliche Standorte im Blick. Davon konnten sechs nicht weiterverfolgt werden, weil die Städte und Gemeinden nicht mitzogen. Gegen vier Standorte sprachen topografische Gründe oder eine Zerschneidung der Natur. Der entfallende Standort Pleidelsheim / Murr soll im Regionalplan künftig als regionaler Grünzug ausgewiesen werden, in dem grundsätzlich nicht gebaut werden darf. la KURZ NOTIERT 5 Foto: Neues aus brüssel Die Europäische Union steht vor sozialen und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen. Während in einigen Ländern die Arbeitslosenquoten stark steigen, suchen andere Regionen dringend nach Arbeitskräften. Fachkräfte und deren Mobilität waren zentrale Themen des Workshops, der Ende letzten Jahres in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Brüssel stattfand. Minister Dr. Nils Schmid und die Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt eröffneten den Workshop, der von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), dem Ministerium für Wirtschaft und Finanzen (MWF) sowie der Landesvertretung organisiert wurde. Der Minister betonte die Bedeutung von Fachkräften für das Land Baden-Württemberg. Eine Willkommenskultur sei ausschlaggebend für die Anziehungskraft einer Region für neue Arbeitskräfte. Im Mittelpunkt des ersten Teils des Workshops standen Strategien zur Sicherung von Fachkräften. Guido Rebstock und Joachim Schmider vom MWF stellten Maßnahmen des Landes Baden-Württemberg vor und belegten statistisch den Fachkräftemangel. WRS-Geschäftsführer Dr. Walter Rogg präsentierte als erfolgreiche Initiative die Aktion Nikolaus, durch die im Jahr 2011 über zwanzig spanische Ingenieure in Unternehmen der Region einen Arbeitsplatz fanden. Als einer dieser Arbeitgeber schilderte der Geschäftsführer der mm-lab GmbH Dr. Andreas Streit seine Erfahrungen mit den spanischen Fachkräften. Auch er betonte, dass nicht nur fachliche Qualifikation, sondern die Integration der neuen Arbeitskräfte von großer Wichtigkeit sei. Eine europäische Dimension verliehen dem Workshop Vorträge der Vertreter aus der Generaldirektion für Beschäftigung der EU- Kommission, in denen Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten der EU zur beruflichen Mobilität aufgezeigt wurden. In einer Diskussionsrunde stellten Vertreter europäischer Regionen, des DGB, der IHK und des Goethe-Institutes ihre Erfahrungen vor. Es bestand weitgehende Einigkeit, dass mehr Mobilität, verbunden mit einer gelebten Willkommenskultur und konkreten Strategien, eine mögliche Antwort auf die aktuelle Arbeitsmarktsituation sein kann. Das Welcome-Center der Region Stuttgart, das 2014 zu einer einjährigen Pilotphase startet, ist dazu ein wichtiger Beitrag. AS Lebendig. Vielfältig. Wie es eine Familie von Bad Waldsee ins Fils tal verschlagen hat. Wie es Ende der 50er-Jahre als Lehrling bei der Firma Märklin war. Oder was der Vertriebsleiter der Firma Boehringer in Indien erlebte. All diese Geschichten von Zeitzeugen aus dem Filstal sind im Internet nachzulesen. 16 Städte und Gemeinden aus dem Filstal, unterstützt von Experten öffentlicher und privater Archive sowie Vereinen, möchten unter Federführung des Verbands Region Stuttgart die Industriegeschichte des Filstals wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken. Der Filstalradweg wird das Rückgrat der eigentlichen Route der Industriekultur bilden. Aus einer Liste mit über 100 Orten sind 20 sogenannte Ankerpunkte definiert worden, die mit touristischen Angeboten verknüpft werden sollen. Arbeitspaket für dieses Jahr: Ausschilderungen, Info-Tafeln oder digital abrufbare Infos zu diesen Orten der Industriekultur umsetzen. Die Route der Industriekultur Filstal wird von der EU aus dem Interreg-Projekt Value+ bis zum Jahr 2015 mit Euro (je 50 Prozent EU und Verband Region Stuttgart) gefördert. LA LEBENDIG. VIELFÄLTIG. ROUTE DER Industriekultur Filstal Ein ProjEkt im LAnDSCHAFtSPArk FiLS Gefördert durch die Europäische Union im region stuttgart aktuell

6 KURZ NOTIERT 6 Wir verändern die Welt Bessere Vernetzung nach innen und eine stärkere Wahrnehmung des Hochschulund Wissenschaftsstandorts Region Stuttgart nach außen. Diese beiden Hauptziele verfolgt der Verein Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart. Denn die Region Stuttgart verfüge über ganz exzellente Forschungseinrichtungen und Hochschulen, die es wert sind, in der Welt noch bekannter zu werden, ist der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart Thomas S. Bopp überzeugt. Deshalb haben sich vor etwa zwei Jahren 15 Universitäten und Hochschulen, die Städte Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen, der Verband Region Stuttgart sowie die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) zusammengeschlossen. Jeder hat sofort erkannt, wir müssen da mitmachen, hat der Vorsitzende des Vereins und Rektor der Uni Stuttgart Professor Dr.-Ing. Wolfram Ressel kürzlich im Wirtschaftsausschuss gesagt. Wir verändern die Welt, das Motto des Ver eins ist Programm. Ein Magazin stellt Wissenschaftler und Absolventen hiesiger Hochschulen vor, die heute in Schlüsselpositionen die Welt verändern. Eine Veranstaltung zu Megatrends und geplante gemeinsame Messeauftritte, unter anderem in China, sind weitere Instrumente, um die Wahrnehmung des Hochschulstandorts zu fördern. Wir haben in Stuttgart nicht den Campus, deswegen wollen wir ihn virtuell aufstellen, skizzierte Professor Ressel eine weitere Idee des Vereins. la Garten Eden Paradiesische Zustände bei der KulturRegion Stuttgart: Garten Eden heißt das Projekt 2014, mit dem Kommunen besondere Gärten vor Ort in den Mittelpunkt stellen und vielfältige Visionen über das Thema Wirklichkeit werden lassen. Ob in öffentlichen Anlagen, Firmen- oder Privatgärten, ob es um historisch-künstlerische Gartengestaltung, Weinberge oder Galerien- und Skulpturengärten geht oder auch um Kirche und Religionen vom 16. Mai bis 30. September wird ein vielfältiges Programm erwartet. Himmlisch und irdisch geerdet gleichermaßen werden Besucher zu Gästen und erleben Kunst und Kultur mitten im Grünen. UH Der Verkehr von Morgen Am Ende sollen Vorschläge stehen, welche Neu- und Ausbauprojekte oder betrieblichen Verbesserungen den Verkehr auf Straßen und Schienen in der Region Stuttgart voranbringen. Und das passiert auf einer soliden Grundlage, schließlich beurteilt der Regionalverkehrsplan auch den Bedarf und die Dringlichkeit der Projekte. Die Fortschreibung des Regionalverkehrsplans hat eine weitere Stufe genommen: 270 Maßnahmen des Straßenverkehrs und des ÖPNV sollen nun auf ihre Wirkung hin untersucht werden. Zusammengefasst sind diese Einzelvorhaben in vier Szenarien. Wichtig ist: Die Untersuchung alleine entscheidet noch nicht über die Aufnahme in den Regionalverkehrsplan oder gar über die Realisierung des Vorhabens. Denn zunächst sollen Erkenntnisse über die Wirkungen von Infrastrukturausbau oder Steuerungsmöglichkeiten, zum Beispiel Ausbau Park & Ride, Tempolimits, ÖV-Tarife oder Maut, erhoben werden. Die Ergebnisse könnten Ende dieses Jahres vorliegen. Im Vorfeld hatte der Verband Region Stuttgart Kommunen sowie Institutionen und Verbände um ihre Einschätzung zu den Szenarien gebeten. Aufgrund der 100 Stellungnahmen wurden einige Maßnahmen leicht verändert, neu hineingenommen oder sind entfallen. LA Tarifhürde ist gefallen Für den Verband Region Stuttgart ist ein lange verfolgtes verkehrspolitisches Ziel erreicht. Der Landkreis Göppingen rückt näher an die Region heran. Das Land freut sich über ein besseres ÖPNV-Angebot in der Region Stuttgart. Strahlende Gesichter, denn seit Anfang des Jahres gilt der VVS- Tarif auch auf den Schienenstrecken des Land kreises Göppingen. Wer also von Eislingen mit der Bahn nach Stuttgart fährt, kann dort auch die Stadtbahn oder die Busse nutzen ohne ein neues Ticket zu kaufen. Ergänzend dazu gelten die VVS-TagesTickets Netz und das VVS-StudiTicket auch in allen Bussen des Landkreises ebenso wie das VVS- Kombiticket. Gefeiert wurde dies Anfang Januar mit großem Bahnhof in Göppingen. Das Land trägt Euro, der Landkreis 1,1 Million euro zur Finanzierung des neuen Tarifangebots. Verkehrsminister Winfried Hermann verspricht sich davon einen Foto: VVS GmbH neuen Schub für Busse und Bahnen im Landkreis Göppingen. Landrat Edgar Wolff verwies auf die Gründung des Mobilitätsverbunds Filstal im Jahr 2011 als ersten Schritt zu einheitlichen Tarifangeboten im Landkreis selbst. Darauf, dass nicht nur die Fahrt aus dem Landkreis Göppingen ins VVS-Gebiet attraktiver wird, sondern auch zu Ausflugszielen in Göppingen, Geislingen oder Süßen, verwiesen die VVS-Geschäftsführer Horst Stammler und Thomas Hachenberger. Planungsdirektor Thomas Kiwitt erinnerte an die engagierte Rolle der Region, die Tarifhürden zu kippen. Ziel war es einerseits, Mobilität und auch Identität zu fördern. Andererseits sollten Entwicklungsimpulse gesetzt werden, auch durch eine mögliche Verlängerung der S-Bahn in den Landkreis Göppingen. Deswegen leistete die Region mit der IHK Göppingen jahrelange Überzeugungsarbeit. Der vom Verband Region Stuttgart und dem Landkreis Göppingen veranstaltete Workshop leitete im Oktober 2007 einen Sinneswandel ein: weg von überzogenen Vorstellungen eines möglichen Eintrittsgeldes in den VVS, hin zu einer pragmatischen Lösung im Sinne der Fahrgäste. Wann das Ticket für die S-Bahn in den Landkreis Göppingen gelöst wird, steht noch nicht fest. Wie wirtschaftlich eine Kombi-Lösung wäre, soll bis Sommer feststehen. pm / la region stuttgart aktuell

7 S-Bahn bis Vaihingen / Enz? Die Verlängerung der S5 von Bietigheim- Bissingen nach Vaihingen / Enz (Fernbahnhof) ist technisch möglich und rechnet sich. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die der Verband Region Stuttgart, Bietigheim-Bissingen, Vaihingen an der Enz, Sachsenheim sowie Sersheim in Auftrag gegeben haben. Weitere Abstimmungen, Planungen und Untersuchungen für eine S-Bahn- Verlängerung von Bietigheim-Bissingen nach Vaihingen / Enz (Fernbahnhof) sollen nun auf den Weg gebracht werden. Außerdem sollen die Gespräche mit der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) über ein mögliches Betriebsprogramm vertieft werden. Die Vorteile einer Verlängerung liegen auf der Hand: Vaihingen / Enz (Fernbahnhof) wäre von Stuttgart aus künftig alle 30 Minuten ohne Umstieg zu erreichen. Zusätzlich bliebe die stündliche Verbindung mit dem Regionalzug. Sollte die S-Bahn Wirklichkeit werden, würde die heute aus Karlsruhe kommende Stadtbahn in Vaihingen / Enz enden. Alleine im Abschnitt zwischen Ellental und Bietigheim-Bissingen könnten damit pro Tag etwa zusätzlich Fahrgäste gewonnen boom in Nacht-S-Bahnen Die neuen Nacht-S-Bahnen sind auf Anhieb zu Fahrgastmagneten geworden, hat Wirtschaftsdirektor Dr. Wurmthaler im Verkehrsausschuss bilanziert. Durchschnittlich Fahrgäste sind in den Wochenendnächten mit den Nacht-S-Bahnen unterwegs, die im Dezember 2012 die regionalen Nachtbusse ablösten. Die Erfolgsgeschichte der regionalen Nachtbusse, die durchschnittlich etwa Fahrgäste nach Hause brachten, setze sich damit nahtlos fort. In mehr als 11 Prozent der Züge stiegen über 300 Leute ein. Besonders beliebt sind die längste Linie S1 zwischen Herrenberg und Kirchheim / Teck (und umgekehrt), die S2 von Filderstadt nach Schorndorf und die S5 von Stuttgart- Schwabstraße nach Bietigheim-Bissingen. Von den drei Abfahrten pro Linie werde die erste Fahrt zwischen 1.00 Uhr und 2.20 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag am werden, von denen ein Großteil vom Auto auf die Bahn umsteigen würde. Starke Mittelzentren haben in unserer Region eine große Anziehungskraft für die Menschen, ist Dr. Wurmthaler überzeugt. Noch befindet sich das Projekt in einer sehr frühen Phase, doch eine vereinfachte Nutzen-Kosten- Untersuchung hat bereits jetzt gezeigt: Die bevorzugte Variante bis Vaihingen / Enz ist wirtschaftlich gut unterwegs. Für höhere Bahnsteige an den Stationen in Vaihingen/ Enz (Fernbahnhof) sowie entlang der Strecke (Ellental, Sachsenheim und Sersheim), für Weichenverbindungen und Abstellmöglichkeiten werden nach derzeitigem Planungsstand und zu heutigen Preisen Kosten in Höhe von 10 Millionen Euro (ohne Mwst.) fällig. Weitere 2,5 bis 2,8 Millionen Euro pro Jahr kämen als zusätzliche Betriebskosten auf die Region und anteilig auf die Kommunen zu. Grob überschlagen werden wohl mindestens drei neue Fahrzeuge gebraucht. Eine mögliche Verlängerung bis Vaihingen/ Enz (Stadt) oder Enzweihingen würde hohe Investitionskosten nach sich ziehen und wird deshalb nicht weiterverfolgt. Die vom Gutachter empfohlene Weiterführung der S-Bahn nach Mühlacker schnitt gut ab, soll aber zunächst zurückgestellt werden. LA stärksten genutzt. Daran lässt sich ein neuer Trend ablesen: Nachtschwärmer nutzen die S-Bahn nun verstärkt, um aus der Region in die Landeshauptstadt zu kommen. Auch die frühe Erreichbarkeit des Flughafens, mit der S2 bereits um 4.12 Uhr oder mit der S3 um 4.32 Uhr, hat viele Anhänger. Dank eines engmaschigen Nachtbusnetzes ist mit Fahrgästen pro Wochenende die Nachfrage im Landkreis Ludwigsburg am größten. Es folgen der Rems-Murr-Kreis mit Fahrgästen, der Kreis Esslingen mit und der Kreis Böblingen mit Fahrgästen. Der Verband Region Stuttgart unterstützt aus seinem Förderprogramm Modellregion für nachhaltige Mobilität den Rems-Murr- Kreis mit gut rund Euro bei dessen Pilotprojekt. Über eine Onlineplattform und eine Buchungszentrale sollen künftig bei Bedarf Rufbusse und Ruftaxis zu VVS-Konditionen bestellt werden können. la IN AMT UND WÜRDEN Seit Erscheinen der letzten Ausgabe fanden wieder Ober- und Bürgermeisterwahlen in der Region Stuttgart statt: Neu gewählt: Kaisersbach: Katja Müller Neidlingen: Klaus Däschler Schwieberdingen: Nico Lauxmann Wiedergewählt: Lauterstein: Michael Lenz Waiblingen: Andreas Hesky Herzlichen Glückwunsch! Stand: 20. Januar 2014 weitsichtiger Regionaut Mit großer Betroffenheit nahm der Verband Region Stuttgart Abschied von Oberbürgermeister a. D. Prof. Dr. Manfred Rommel. Mit ihm habe die Region Stuttgart einen bewundernswerten Menschen verloren, der sich Anfang der 90er-Jahre für die Neuordnung der Region Stuttgart engagierte, formulierte der Vorsitzende Thomas S. Bopp in einem Kondolenzschreiben an die Frau des Verstorbenen, Liselotte Rommel. Er setzte regionalpolitische Akzente, von denen die Region Stuttgart bis heute profitiert, so Bopp. Selbstironie, ein scharfer Verstand und eine eindrucksvolle Bildung machten ihn zu einem wertvollen Gesprächspartner. Jede persönliche Begegnung mit Manfred Rommel war eine Bereicherung, auch weil er stets zutiefst menschlich war. Professor Manfred Rommel war ein toleranter Mensch, ein allseits geschätzter Humanist und großer Regionaut. Er gehörte der Regionalversammlung von 1994 bis 1999 an. Der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister war am 7. November 2013 im Alter von 84 Jahren gestorben. LA Foto: Leif Piechowski / Stadt Stuttgart KURZ NOTIERT region stuttgart aktuell

8 Fotos: Forum Region Stuttgart AKTUELLES Professor Hans-Jörg Bullinger freute sich über seine Auszeichnung mit dem Vorsitzenden des Verbands Region Stuttgart, Thomas S. Bopp, dem Namensgeber des Preises, Hans-Peter Stihl, und dem Forums- Vorsitzenden, Wolfgang Elkart (v. l. n. r.) 8 Schaffe, net schwätze Professor Hans-Jörg Bullinger mit dem Hans-Peter-Stihl-Preis ausgezeichnet TEXT: KATRIN LEBHERZ Es ist die Verbindung von Forschung und Wirtschaft sowie die vielen praxisorientierten Ideen und Visionen, die ihn auszeichnen und mit denen er wie kaum ein anderer über viele Jahre hinweg die Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland geprägt hat: Professor Hans-Jörg Bullinger wurde als erster Wissenschaftler überhaupt 2009 zum Manager des Jahres gewählt und gilt spätestens seitdem als Mister Innovation. Nun hat der Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes erneut eine wichtige Ehrung erhalten: Ende 2013 wurde der bekennende Stuttgarter mit dem Hans-Peter-Stihl- Preis ausgezeichnet. Es war der Abend der lauten und starken Töne: Gleich dreimal kamen die Gäste bei der Verleihung des Hans-Peter-Stihl- Preises in der Stuttgarter Staatsgalerie in den Genuss von Marimba-Klängen. Ob Mozart, Jazz oder experimentelle Musik: Die Marimba gehört wie das Xylofon zur Familie der Stabspiele und beeindruckt mit seiner musikalischen Bandbreite. Beeindruckt zeigte sich die Jury des Forums Region Stuttgart auch vom diesjährigen Preisträger und bekennenden Marimba-Fan Professor Hans-Jörg Bullinger, der in den vergangenen Jahrzehnten wie kaum ein anderer für die Verbindung von Forschung und Wirtschaft in Deutschland stand. Einstimmig sprach sich die Jury deshalb für ihn als Preisträger des Hans-Peter-Stihl-Preises 2013 aus. Das Forum Region Stuttgart ehrt mit diesem Preis jährlich eine herausragende Persönlichkeit, die sich für den Standort einsetzt. Bullinger reiht sich also ein in die Liste bekannter Persönlichkeiten wie Harald Schmidt, Eric Gauthier oder Manfred Rommel, die allesamt ausgezeichnet worden sind. Ein Preisträger des Hans-Peter-Stihl- Preises kann Dinge zusammenbringen, die vordergründig nicht zusammenpassen, und auf diese Weise etwas Neues schaffen. Hans-Jörg Bullinger macht uns vor, wie dies geht, sagte der Vorsitzende des Vorstands des Forums Region Stuttgart e. V., Wolfgang Elkart, und würdigte den 69-Jährigen: Er hat ein Zeichen für uns alle gesetzt und ist ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter Repräsentant des Forschungsstandortes Stuttgart. Elkart appellierte, in neuen Allianzen und Kooperationen zu denken und forderte wie Hans-Jörg Bullinger dies beispielhaft in seiner langjährigen Arbeit vorgemacht habe eine deutlich größere Vernetzung zwischen Forschung, Wirtschaft und den Bürgern. Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Der gebürtige Stuttgarter Hans-Jörg Bullinger leitete über 20 Jahre lang das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sowie das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart. Von 2002 bis 2012 wirkte er als Präsident region stuttgart aktuell

9 AKTUELLES Applaus und Anerkennung für Professor Hans-Jörg Bullinger, den Mister Innovation 9 der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft in München und stärkte in dieser Zeit das Bild der Gesellschaft als international anerkannte Marke für angewandte Forschung. Für sein Engagement in diesem Amt erhielt Hans-Jörg Bullinger viele Auszeichnungen kehrte er als Senator der Fraunhofer-Gesellschaft an seine alte Wirkungsstätte, das Fraunhofer IAO in Stuttgart, zurück. Ein Kind der Region Der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, Thomas S. Bopp, würdigte den Preisträger als Kind der Region, der trotz seiner Weltläufigkeit immer mit der Region verwurzelt geblieben sei. Die Auszeichnung eines Wissenschaftlers mache deutlich, wie wichtig Forschung und Entwicklung für den Standort Stuttgart seien. Bopp: Produktion und Forschung hängen zusammen. Um weiterhin als Region vorn zu bleiben, müssen wir auch in Zukunft intensiv in diese Bereiche investieren. In seiner zehnjährigen Amtszeit bei der Fraunhofer-Gesellschaft legte Bullinger ein besonderes Augenmerk auf die Vernetzung von Forschung, Wirtschaft und Politik. Sein Motto war stets, dass nur jene erfolgreich kooperieren können, die sich wertschätzen und wertschätzen können sich nur jene, die sich kennen, sagte Professor Dr. Dieter Spath, Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) an der Universität Stuttgart sowie des Fraunhofer- Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), in seiner Laudatio. Spath würdigte in seiner Rede auch Bullingers Verdienste in der Politik. Als Experte beriet er vielfach die Landes- und Bundesregierung und brachte sich bei der Planung und Umsetzung der Hightech-Strategie ein. Bullinger gehe es stets darum, die Innovationskraft Deutschlands zu stärken. Mit Leidenschaft und Engagement entwickelt er Ideen, treibt unzählige Projekte voran und begeistert andere Menschen für Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland und besonders auch die Region Stuttgart, sagte Professor Spath. So trägt Bullinger auch heute noch als gefragter Redner bei Kongressen und Veranstaltungen dazu bei, das Image des Standortes Stuttgarts zu steigern und ist zudem auch als Buchautor erfolgreich tätig erschien sein Buch Morgenstadt wie wir morgen leben, in dem der Schwabe skizziert, wie aus seiner Sicht die Städte der Zukunft aussehen werden. Wir zeichnen mit Hans-Jörg Bullinger eine Person aus, die sich über Jahrzehnte hinweg als Hochschullehrer und Leiter außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in unserer Region überaus große Verdienste für diesen Standort erworben hat, sagte der Namensträger des Preises, Hans- Peter Stihl, in seiner Ansprache. Ein Aushängeschild für uns blieb der Stuttgarter auch als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in München, wo er zu einem der bundesweit einflussreichsten Forschungsmanager wurde, so Stihl. Die SNS-Strategie Der Preisträger selbst zeigte sich von den Reden sichtlich gerührt. Als Stuttgarter ist diese Auszeichnung etwas ganz Besonderes für mich, sagte Hans-Jörg Bullinger, der auch in seiner Rede für die Vernetzung und den Austausch untereinander plädierte. Ohne Verbindung mit der Wirtschaft ist Arbeiten und Forschen nicht möglich, so Bullinger. Mit einem Augenzwinkern reagierte er auf die These seines langjährigen Weggefährten Dieter Spath. Dieser hatte in seiner Laudatio auf die berühmte Strategie des Wissenschaftlers hingewiesen, die mittlerweile fast schon global verstanden werde. Spath: Wer Hans-Jörg Bullinger kennt, weiß, dass er nach der SNS, der schwäbischen Nationalstrategie, arbeitet: Schaffe, net schwätze region stuttgart aktuell

10 AKTUELLES Fotos: VRS / Thomas Wagner 10 Peter Maile ist seit September 2012 Betriebsseelsorger der katholischen Kirche für die Bauleute von Stuttgart 21. Das rechte Bild zeigt ihn im Gespräch mit Mineuren aus Österreich. Ich möchte Stuttgart und die Baustelle einander näherbringen Peter Maile ist nicht für oder gegen S21, ihm geht es um das Wohl der Bauleute INTERVIEW: DOROTHEE LANG Mehrere Hundert Leute arbeiten derzeit auf den Baustellen für das Bahnprojekt Stuttgart Ulm. Der katholische Betriebsseelsorger Peter Maile ist für sie da. Er hört zu, unterstützt und begleitet. Herr Maile, Baustellen sind für Sie kein Neuland. Maile: Ja, Baustellen sind mir vertraut. Ich weiß, wie ich mich dort zu verhalten und zu bewegen habe. Ich verstehe die Sprache der Bauleute, kann sie einschätzen und weiß um die Problematik auf dem Bau. Natürlich gibt es im Hoch- oder Tiefbau, im Straßenund Tunnelbau unterschiedliche Gefahren. Aber egal, was gebaut wird, die Leute sind immer der Witterung ausgesetzt. seelsorger eine unheimliche Arbeitsverdichtung erlebt: mehr Leistung, weniger Personal und alles bei schnellerem Tempo. Viele Arbeitnehmer sind nur noch Personenkennziffern. Betriebsseelsorger gehen dorthin, wo die Menschen leben und arbeiten. Wir teilen deren Sorgen und Nöte. Wir solidarisieren uns mit abhängig Beschäftigten, weil wir gesehen haben, dass die Menschen Unterstützung für ihre Interessen am Arbeitsplatz brauchen. Diese Geh -hin-struktur wollte die Kirche nun auch den Bauleuten anbieten. Sie hat sich gesagt, wenn ein Bahnprojekt kommt, egal ob unten oder oben, dann ist es gut, wenn die Kirche vor Ort präsent ist. Was bringen Ihnen Ihre eigenen Erfahrungen als Handwerker für Ihre heutige Arbeit? Maile: Als gelernter Heizungsbauer habe ich ein technisches Verständnis, Vorstellungsvermögen und kann Pläne lesen. Das hat die Akzeptanz bei den Bauleuten natürlich gefördert und mir den Zugang zu ihnen erleichtert. Ihre Aufgabe als Seelsorger für die Bauleute auf der S-21- Baustelle ist einmalig in Deutschland. Maile: Die Betriebsseelsorge gibt es in der Diözese Rottenburg- Stuttgart seit gut 30 Jahren. In dieser Zeit haben die Betriebs Egal ob unten oder oben? Wie stehen Sie zum Bauprojekt? Maile: Wir sind neutral. Ich ergreife Partei für die abhängig Beschäftigten. Die politische Diskussion lasse ich außen vor. Ich will mich nicht vereinnahmen lassen, bin aber mit den Verantwortlichen im Gespräch. Sie sind seit September 2012 für die Anliegen der Bauleute da. Wie sieht Ihre erste Bilanz aus? Maile: Meine Ziele fürs letzte Jahr habe ich erreicht. Zunächst einmal habe ich den Zugang zu den Baustellen. Dann habe ich das Vertrauen der Bauleute in meine Arbeit als Betriebsseelsorger region stuttgart aktuell

11 gewonnen, das ist ganz wichtig. Ich konnte vermitteln, dass ich Menschen begleite, ermutige und sie befähige. Von meinen Aufgaben profitieren alle Seiten. Die Bauherrin Deutsche Bahn AG hat dieses Angebot begrüßt und mich ideell unterstützt. Sie ist auch offen gegenüber kritischen Rückmeldungen. Bei den Baufirmen hat es etwas länger gedauert. Nach der Kennenlernphase haben sie erkannt, dass es gut ist, wenn jemand mit Know-how für Seelsorge und Beratung vor Ort ist, der vermittelt und begleitet. Wenn man mit Ihnen über die Baustelle geht, fällt auf, dass Sie sehr viele Gesichter kennen. Kommen die Leute mit Ihren Problemen auf Sie zu? Maile: Ja, die Leute kommen meistens aktiv auf mich zu. Sie wenden sich mit der ganzen Bandbreite von Problemen des täglichen Lebens an mich. Es geht um die Arbeitsumstände, um zwischenmenschliche Themen oder um persönliche Dinge, zum Beispiel wie man eine Beziehung über längere Abwesenheit von zu Hause aufrechterhält. Weitere Themen sind Trennung, Beziehungsverlust, die Rolle des Vaters, Schulden, Trauer oder Mobbing am Arbeitsplatz. Manchmal helfe ich ganz praktisch. Kürzlich habe ich einen Arbeiter mit befristetem Vertrag beim Schreiben einer Bewerbung unterstützt. Ob die Leute von der Bahn oder von Firmen sind, die allermeisten haben das gleiche Problem. Sie leben getrennt von zu Hause und von ihren Familien. Wenn kein intaktes Familienleben vorhanden ist, macht das mehr Probleme. In gefestigteren Familien schlagen die Probleme weniger stark durch. Für Leute aus Bulgarien oder Portugal kommt neben der Distanz auch noch die sprachliche Barriere hinzu. Sind Sie mit Ihrem Latein auch manchmal am Ende? Maile: Beim Tarif, bei Arbeitsverträgen oder steuerlichen Fragen stoße ich an meine Grenzen. Ich sehe mich auch als Erkunder der Wünsche und Bedürfnisse der Bauleute. Traten Probleme auf, so konnte ich diese bisher konstruktiv im Gespräch lösen und ich vertraue darauf, es geht. Wie leben die Menschen in Stuttgart? Maile: Das ist ganz unterschiedlich. Manche Bauleute wohnen im Containerdorf, manche in Wohnungen, die von der Firma gemietet wurden. Es gibt auch ein Firmenwohnheim für Männer mit gutem Service in puncto Wäsche oder Essen. Das ist nicht die Regel. Die Wohnsituation allein sagt noch lange nichts darüber aus, wie die Leute tatsächlich leben. Die Bauleute sind nach ihrer Arbeit schlicht 'platt'. Da läuft in der Freizeit nicht mehr allzu viel. Waschen, kochen, essen und schlafen. Ein Highlight ist vielleicht mal der Besuch des Volksfests oder des Kinos. Auf den Baustellen steht am Tunneleingang immer eine Art Heiligenschrein. Die Heilige Barbara? Maile: Ja, sie steht immer am Tunnelportal. Den Bauleuten ist es ganz wichtig, dass es die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, gibt. Auch sogenannte harte Jungs haben großen Respekt, wenn sie in den Berg reingehen und an der Ortsbrust den Vortrieb machen. Sie haben große Verantwortung. Das ist eine Erfahrung, die den üblichen Horizont übersteigt. Diese Arbeit lehrt Ehrfurcht und macht einem bewusst, dass der Mensch nicht alles in der Hand hat, dass er auf Schutz angewiesen ist. Da ist es ein gutes Gefühl, wenn die Bergleute wissen, es gibt jemanden, der ein Auge auf sie hat, der sie begleitet. All das symbolisiert die Heilige Barbara. Von daher ist der Tag der Heiligen Barbara ein ganz besonderer. Im Steinbühltunnel gab es am 4. Dezember eine grandiose und einmalige Feier, mit einem eigens hergestellten Kreuz und indirekter Beleuchtung. Was wünschen Sie sich für das Jahr 2014? Maile: Ich wünsche mir eine Begegnung auf Augenhöhe. Jeder bringt seine Erfahrung, sein Know-how, seine Ressourcen mit, die Firmen, der Bauherr, aber auch die Projektpartner. All das muss ineinandergreifen. Es braucht Rahmenbedingungen, die Innovation zulassen, sich ergänzen und Rückfragen ermöglichen. Es bräuchte das symbolhafte Zeichen der Projektpartner, dass sie gemeinsam unterwegs sind. Der Weg ist das Ziel, mit allen Schwierigkeiten. Ich habe den Eindruck, dass alle schon etwas dazugelernt haben. Zu demonstrieren ist ein legitimes Recht in einer Demokratie, aber es gibt eben auch Grenzen. Irgendwann stellt sich die Frage, wie man das Projekt befördern kann ohne die eigene Meinung aufgeben zu müssen. Es sollte ein konstruktiver Weg eingeschlagen werden. Ich möchte die Stadt und die Baustelle einander näherbringen. Die Leute, die hierherkommen, möchten sich auch heimisch fühlen. Sie möchten über die Baustelle hinausschauen. Viele begreifen gar nicht, was in Stuttgart los ist, kennen das von früheren Einsätzen nicht. Sie möchten hier willkommen sein. Die Grenzen zwischen den Bauleuten und der Bevölkerung müssen fallen, Berührungsängste abgebaut werden. Hier gibt es schon Ansätze, aber auch noch viel zu tun. Ich wünsche mir, dass die Mineure gut durch das Jahr kommen, dass Stadt und Baustelle sich begegnen. Glück Auf! AKTUELLES 11 Gibt es Kontakte zu Einheimischen? Maile: Ja, dieses Zusammentreffen kann unterschiedlich aussehen. Wir möchten im Herbst mit Bauleuten und Kirchengemeinderäten einen schwäbischen Abend veranstalten, bei neuem Wein und Zwiebelkuchen region stuttgart aktuell

12 Christoph Ozasek Linke Ulrich Deuschle Republikaner Dr. Joachim Pfeiffer MdB CDU Harald Raß SPD Bernhard Maier Freie Wähler Ingrid Grischtschenko Grüne Kai Buschmann FDP AKTUELLES 12 Kompetenz, Energie und Mobilität Ein Meinungsbild der Fraktionen und Gruppen zum Haushalt 2014 Dr. Joachim Pfeiffer MdB CDU Energiewende muss gelingen Eine vorausschauende Finanzpolitik kennzeichnet den Haushalt Trotz großer Investitionen in den ÖPNV gibt die kontinuierliche und überschaubare Umlageentwicklung den Kommunen und Landkreisen Planungssicherheit. Durch die Beibehaltung des Niveaus der Verkehrsumlage für die Jahre 2015 bis 2017 schließen wir Unwägbarkeiten aus, die entstehen könnten, wenn die Umlage drastisch abgesenkt würde. Auch in einem Wahljahr sollte finanzpolitische Vernunft über populäre Forderungen obsiegen. Wir sind sehr froh, dass eine große Mehrheit der Regionalversammlung unsere Sichtweise geteilt hat. Eine deutliche Leistungssteigerung des ÖPNV ist notwendig, wenn der Autoverkehr in der Region und in Stuttgart reduziert werden soll. Einfach nur die Zuflüsse zu begrenzen und Radfahrer sowie Fußgänger zu fördern, wie OB Kuhn angekündigt hat, ist weit entfernt von einem schlüssigen Konzept. Dies grenzt mehr an Realitätsverweigerung denn an politischer Finesse. Es müssen weitere attraktive Verbindungen geschaffen werden, die auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt sind. Deswegen stehen wir weiterhin zur Forderung, künftig die Zuständigkeit für Busse und Bahnen beim Verband Region Stuttgart zu verankern. Nicht als Selbstzweck, sondern weil sonst eine Weiterentwicklung eines regionalen Grundangebotes im ÖPNV unter modernen Gesichtspunkten nicht gewährleistet werden kann. Die WRS hat federführend den von der CDU beantragten Leitbild- und Strategieprozess im Rahmen des RegioWIN Wettbewerbes gesteuert. Eines hat die Erarbeitung des Leitbildes deutlich gemacht: In der Region gibt es unglaubliche Ressourcen, die es ermöglichen, die regionale Wettbewerbsfähigkeit durch innovative und nachhaltige Projekte fortzuentwickeln. Wir sind zuversichtlich, dass wir nun beste Chancen haben, Fördermittel aus dem EFRE-Programm zu erhalten. Unser Wirtschaftsstandort ist in hohem Maße von lieferbarer und bezahlbarer Energie abhängig. Eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende kann nur gelingen, wenn eine regionale Abstimmung zwischen Kommunen, Landkreisen und Energieversorgern erfolgt. Wollen wir Arbeitsplätze und unseren Wohlstand nicht gefährden, so muss die Energiewende gelingen. Diese Herkulesaufgabe sollten wir als Chance begreifen. Dazu gehört der Ausbau von Windkraftanlagen. Wir setzen uns für eine sorgfältige Ab wägung zwischen den Belangen des Naturraumes, des Artenschutzes und des Landschaftsbildes ein. Die Landesregierung erschwert diesen Prozess aber aufgrund mangelnder Unterstützung im Planungsbereich geradezu und verunsichert damit Kommunen region stuttgart aktuell

13 Ausgaben in Millionen 4 Gesamtausgaben 324,5 Mio. 4 Verkehr (S-Bahn-Betrieb, Verkehrsverbund, Investitionen Stuttgart 21 etc.): 291,4 Mio. 4 ( 25,5) Personal: 4,2 Mio. 4 ( 0,1) Verwaltung / IT: 3,4 Mio. 4 (+ 0,4) Schuldendienst (einschl. Vorfinanzierung): 11,0 Mio. 4 ( 1,1) Kultur- und Sportförderung: 0,4 Mio. 4 (+ 0,1) Planung: 2,7 Mio. 4 (+ 0,0) Wirtschaftsförderung: 11,4 Mio. 4 (+ 0,6) AKTUELLES 13 und potenzielle Investoren. Hier muss Grün- Rot schnellstens Farbe bekennen! Regionalpolitik ist oft komplex, außerdem langfristig angelegt und Erfolge zeigen sich meist erst zeitversetzt. Wir sind sicher, dass der Verband Region Stuttgart mit der neuen Regionaldirektorin Frau Dr. Nicola Schelling und den Direktoren Herr Dr. Wurmthaler und Herr Kiwitt bestens für die kommenden Herausforderungen aufgestellt ist. Harald Raß SPD Kooperation statt Konfrontation In der gleichen Sitzung, in der wir den Haushalt 2014 verabschiedet haben, wurde Dr. Nicola Schelling zur neuen Regionaldirektorin gewählt. Wir gratulieren ihr zu ihrer Wahl und bieten ihr die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit an. Die Frage nach der Abrundung der Aufgaben der Region wird uns auch 2014 weiter intensiv beschäftigen, vor allem im Bereich des Nahverkehrs. Die Zuordnungen im ÖPNV können aus unserer Sicht und bei vernünftiger Betrachtung und ohne verzerrte Wahrnehmungsmuster durchaus auch im Sinne der Koalitionsvereinbarung der Landesregierung gelöst werden. In diesem Prozess und auch auf der Grundlage des Leitbild- und Strategieprozesses ist auch zu klären, wie gemeinsame Interessen in der Region kooperativ angegangen werden können. Die in der Vergangenheit oft intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit von Städten, Gemeinden und der Region lässt sich an einer Reihe von erfolgreichen Projekten ablesen. Kompetenzzentren, Masterpläne, Landschaftsparks und nicht zuletzt die nachhaltige Mobilität zeigen diese positive kontinuierliche Entwicklung eindrucksvoll. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die langen Entwicklungen sich nicht nur auf städtischer oder Kreisebene be- und verhandeln lassen, sondern in dem Regionen als die viel beschworenen Standorte im Wettbewerb stehen. Diese Stellung zu halten oder gar auszubauen, bedarf der Kooperation und nicht der Konfrontation der handelnden Akteure. Aus unserer Sicht verliefen die Haushaltsberatungen durchaus konstruktiv und in weiten Teilen in großer Einmütigkeit, einige Punkte sind uns wichtig: Wir werden die Entwicklung bei der S-Bahn mit großer Aufmerksamkeit weiterverfolgen und die Umsetzung der von der DB und vom VVS zugesagten Maßnahmen einfordern. Es geht uns dabei nicht um Gipfelstürmerei, sondern um Wirksamkeit in der Ebene: zügig und vollständig. Ebenso wenig werden wir bei der Tarifdiskussion Ruhe geben. Reduzierung der Tarifzonen, einheitliches Jobticket und das Sozialticket bleiben auf der Tagesordnung, spätestens bei der Tarifsitzung im nächsten Halbjahr. Im Wirtschaftsbereich hat der Strukturbericht den Handlungsbedarf bei der Gewinnung von Fachkräften bestätigt, und zwar als Aufgabe über einen regionalen Haushalt hinaus. Deshalb setzen wir auf die Fachkräfteallianz und die Umsetzung von beispielhaften Maßnahmen. Bernhard Maier Freie Wähler Kritisches Auge auf Sparkassenmentalität Die Freien Wähler haben dem Verbandshaushalt 2014 zugestimmt. Wir stehen zu den Kernaufgaben des Verbands und deren Aufgabenerfüllung, deren wirtschaftliche region stuttgart aktuell

14 AKTUELLES Breite Mehrheit fürs regionale Budget Große Geschlossenheit beim Haushalt 2014: Die deutliche Mehrheit der Mitglieder von CDU, SPD, Freien Wählern, Grünen und FDP stimmten dem 325-Millionen-Euro-Etat zu. Sechs Regionalpolitiker von Linken, Republikanern und ödp lehnten das regionale Budget ab. Die Umlagen bleiben nahezu stabil. Die Verkehrsumlage ist sogar um rund Euro auf 69,43 Millionen Euro (69,71 Millionen Euro im Jahr 2013) gesunken. Die Verwaltungsumlage, die bei den 179 Städten und Gemeinden erhoben wird, steigt leicht auf 16,51 Millionen Euro (15,96 Mil lionen Euro im Jahr 2013). Der Zuschuss an die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) beträgt 5,93 Millionen Euro. Die Regio Stuttgart Marketing erhält wie bisher Euro. Neuer Posten im Budget: Euro für Projekte aus den Bereichen Wirtschaftsförderung oder Tourismus, speziell in kleineren Gemeinden. LA Ingrid Grischtschenko Grüne S-Bahn muss wieder verlässlich werden Im laufenden Jahr wird es darum gehen, bei der Deutschen Bahn nicht lockerzulassen. Wir wollen vor der Sommerpause die ersten Berichte zur Umsetzung der Ergebnisse des S-Bahn-Gipfels hören und weiter nachjustieren für eine verlässliche S-Bahn. Die Grünen in der Region wollen über die seit 2010 gedeckelten Strafzahlungen hinaus finanzielle Ansprüche geltend machen. 14 Grundlagen sich hier wiederfinden. Wir stehen zu dem, was an Neuem angedacht ist; die S-Bahn nach Neuhausen, die Teil-Tarifintegration von Göppingen und die betrieblichen Verbesserungen bei der S-Bahn. Wir verschweigen aber auch nicht, dass manches, so beispielsweise die Art und Weise der Haushalts- und Umlagenfinanzierung, nicht unseren Beifall und schon gar nicht unsere Zustimmung findet. Der Verband ist Umlagenfinanzierer, er hat sich dabei so zu verhalten wie seine Beitragszahler, das heißt, er holt sich so viel Umlage wie nötig und nicht so viel wie möglich. Genau das aber ist der Fall, wie die hohe Bugwelle in Millionenhöhe an Rücklagen, Rückstellungen und Haushaltsresten zeigt, die wir vor uns herschieben; Geld, das wir im Augenblick nicht brauchen, das zu minimalen Zinsen angelegt ist und das wir zuvor via Umlage eingesammelt haben. Das Ganze hat im Wesentlichen zwei Gründe: Wir planen die Haushaltsansätze (Fahrgeldeinnahmen) Jahr für Jahr zu pessimistisch. Wir finanzieren im Vermögenshaushalt zu früh. Wir haben mit unserem Antrag, von der Bugwelle 10 Millionen Euro herunterzunehmen und die Umlage entsprechend zu senken, keine Mehrheit gefunden, obwohl dabei nichts passieren würde, keine Aufgabenerfüllung wäre in Gefahr und keine Investition verzögert. Es wäre ein Zeichen der Solidarität mit den Umlagezahlern, ein Beitrag zur Klimaverbesserung, der so dringend nottäte. Wir werden weiter daran arbeiten und auf die Sparkassenmentalität ein kritisches Auge werfen. Mit Förderprogrammen wie interkommunale Kooperation und gemeinsame Trägerschaft für Logistikflächen zeichnen sich neue goldene Zügel ab, mithilfe derer man beim Verband hofft, regionales Flächenmanagement zu inspirieren. Wir sehen das kritisch. Flächenausweisung für Gewerbe bleibt Sache der Kommunen, die gilt es, zu überzeugen und zu motivieren. Dass dies mit guten Argumenten und nicht mit Geld aus Umlagemitteln gelingen kann, zeigt das gute Beispiel zur Ausweisung neuer Gewerbeflächen entlang der A 81, wo wir zusammen mit den Städten und Gemeinden auf einem Erfolg versprechenden Weg sind. In diesem Sinne begleiten die Freien Wähler auch den Amtsantritt der neuen Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling mit viel Zuversicht. Vor neuen Aufgaben und Zuständigkeiten widmen wir unsere Arbeit zuallererst unseren Kernaufgaben. Dazu gehört in erster Linie die Verbesserung der Situation bei der S-Bahn. Hier so bald wie möglich wieder Pünktlichkeit und Stabilität zu erreichen, wird unsere Hauptaufgabe 2014 sein. Die Stabilisierung der S-Bahn und ihres Fahrplans schaffen wir nicht allein durch kurzfristige Maßnahmen. Allen ist klar, dass am System selbst Änderungen und Erweiterungen notwendig sind, um die zweigleisige Stammstrecke vom Hauptbahnhof bis zur Schwabstraße zu entlasten und neue Wegebeziehungen zu ermöglichen. Darauf zielten und zielen unsere grünen Anträge zur Einbindung der Gäubahnstrecke und der Schusterbahn ins S-Bahn-Netz, ebenso wie die Überprüfung eines Regionalbahnhalts in Stuttgart- Vaihingen. Wir haben die Erarbeitung eines regionalen Schnellbussystems beantragt, bei dem sich eine erste regionale Schnellbuslinie vom Filderraum über Wendlingen, Kirchheim nach Bad Boll anbietet. So könnte man die Tür zum Kreis Göppingen auch von dieser Seite her aufstoßen zusätzlich zur neuen S-Bahn. Im nächsten Jahr und in den Folgejahren wird es darum gehen, den ÖPNV für die Fahrgäste und die öffentliche Hand bezahlbar zu halten mit Angebotsverbesserungen und trotz Stuttgart 21. Durch Umschichtungen im Landeshaushalt zugunsten des Nahverkehrs konnten Zugstreichungen abgewendet werden. Die Region zeigt mit diesem Haushalt, dass es möglich ist, bei steigendem Angebot die Verkehrsumlage zu halten. Der Antrag der Freien Wähler, die Umlage um region stuttgart aktuell

15 10 Millionen Euro zu senken, ist halbherzig und geht ins Leere: Das gute kommunale Geld wird auch für Stuttgart 21 über die Umlage eingetrieben. Obwohl seit fünf Jahren Zahlungen geleistet werden, entsteht kein regionaler Gegenwert und trotzdem wird die Aussetzung dieses Teils der Umlage nicht in Erwägung gezogen. Hier wäre Elastizität angebracht. Die Grünen attestieren der Verwaltung Verlässlichkeit bei der Haushaltsführung und damit Planungssicherheit für die Kommunen. Die Zustimmung zum Haushalt gründet sich darauf. Kai Buschmann FDP Kompetenz ohne Kompetenzen und Gerangel Super-Direktor ade. Die Vernunft hat sich durchgesetzt und sie sollte die Arbeit 2014 bestimmen, wenn Dr. Nicola Schelling ihr Amt als Regionaldirektorin antritt. Wir wünschen uns, dass die Versammlung sich vom Geburtsfluch der Region verabschiedet. Es sollte in der Regionalversammlung künftig nicht um immer mehr gehen, sondern sie sollte die Arbeit gut machen, für die sie da ist. Der Haushalt 2014 setzt dabei richtige Schwerpunkte. Das heißt nicht, dass die Regionalpolitik in Zukunft nicht noch ausbaufähig wäre. Aber ohne Gerangel um Kompetenzen. Sondern dadurch, dass die Regionalversammlung und der Verband Kompetenz durch ein überzeugendes Management der Regionalplanung, bei den erneuerbaren Energien, der S-Bahn und der Wirtschaftsförderung zeigen. Unsere Anträge zum Haushalt orientieren sich daran: Wir brauchen einen Regionalplan erneuerbare Energien. Uns ist bewusst, dass wir damit der Entwicklung voraus sind. Die Verwaltung sagt, sie sehe derzeit kein Erfordernis und die laufenden Verfahren (seien) zunächst abzuschließen. Das heißt, dass sie in eine ähnliche Richtung denkt. Das ist gut so. Das Thema Windkraftanlagen hat durch die Große Koalition eine neue Dimension bekommen. Auf unsere Initiative hin hat die Verwaltung bestätigt, dass es nur noch deutlich weniger bis keine Anlagen mehr geben könnte. Nichts Genaues weiß aber keiner, bevor die neuen Regeln nicht Gesetz geworden sind. Planungskosten werden in den Sand gesetzt, über den Umgang mit Steuergeldern bei dieser Form der Hü-Hott-Hoppla- Politik sollten alle nachdenken. Von der berühmten Nachhaltigkeit ist wenig zu spüren. Ein ähnliches Problemfeld ist der ÖPNV. Hier werden Millionen bewegt. Aber die Undurchschaubarkeit der Finanzierung kümmert die Kompetenzenjäger erst in zweiter Linie. Jetzt zeichnet sich ein Ergebnis ab, das die FDP-Fraktion für vernünftig hält: Es soll kein regionales Grundangebot das Zauberwort der Regio-Expansionisten geben, sondern es sollen ÖPNV-Mindeststandards gelten. Das heißt, wer eine Nacht-S-Bahn benutzt, soll heimkommen, aber wie, kann vor Ort geregelt werden. Doch wir brauchen mehr: Kreise und Region müssen ein klares, durchschaubares System schaffen, wer für was wie viel Geld erhält. Klare Regelungen tun not. Der ÖPNV wird rund zur Hälfte aus Steuergeldern finanziert da haben die Steuerzahler einen Anspruch darauf, zu sehen, wer ihr Geld bekommt. Christoph Ozasek Linke Ökologische und soziale Defizite Zeitgleich mit der Haushaltsverabschiedung kündigen CDU, CSU und SPD in Berlin die Energiewende auf. Das Energiekartell erhält eine Renditegarantie auf fossile Kraftwerke. Zukunftssichere Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und ökologische Nachhaltigkeit hingegen stellt die Regierung aufs Abstellgleis. Damit platzt der Traum vom regionalen Großprojekt Energiewende. In Warschau kommt das internationale Klimaschutzabkommen unter die Räder der Kohle- und Automobillobby. Eine regionale Klimaschutzagenda ist politisch unerwünscht, der Wachstumswahnsinn bei Flächenfraß, Straßenbau, Energie- und Ressourcenkonsum bleibt Programm. Der neue Regionalverkehrsplan wird so zum reinen Industrieförderprojekt. Nicht nur in ökologischer Hinsicht steht der Haushalt 2014 unter schlechten Vorzeichen, auch die soziale Frage bleibt unbeantwortet. Die Nutzerfinanzierung der VVS-Fahrpreise steigt unaufhörlich, ein Sozialticket für echte Teilhabe am kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben wird blockiert. Die Linke sieht nicht nur ökologische und soziale Defizite, mit dem neuen Haushalt werden erneut 12,5 Mio. Euro in der Planungsruine S 21 versenkt. Ulrich Deuschle Republikaner Solide Basis für Energieversorgung Die Republikaner sind die einzige Gruppierung in der Regionalversammlung, die dem Windkraftausbau skeptisch gegenübersteht. Wir wollten von der Verwaltung wissen, welchen Beitrag 300 beziehungsweise 500 Windräder mit moderner Technologie bei der Stromgewinnung in der Region Stuttgart leisten können, um zu beurteilen, ob die Windenergie bei uns einen ernsthaften Beitrag zur Energiegewinnung leisten kann oder nur symbolhafte Politik ist. Leider haben die Fraktionen eine Beantwortung dieser Frage abgelehnt. Wir Republikaner meinen im Übrigen, dass nach der Koalitionsvereinbarung der neuen Bundesregierung die aktuelle Windkraftplanung der Region so nicht mehr zu halten ist und einer grundlegenden Revision unterzogen werden muss. Die Energieversorgung einer Technologieregion ist auf eine solide Basis zu stellen. AKTUELLES region stuttgart aktuell

16 AKTUELLES Fotos: Bild-Collage aus 20 Jahren Verband Region Stuttgart 16 Der Verband Region Stuttgart bewegte vieles in den letzten 20 Jahren Dem Volk verpflichtet Ein Beitrag zum 20. Geburtstag des Verbands Region Stuttgart TEXT: THOMAS S. BOPP Telefonhäuschen gab es fast an jeder Straßenecke. Die Kelly-Family trällerte nicht mehr in Fußgängerzonen, sondern füllte Konzerthallen. Fußballdeutschland blickte fassungslos in die USA, WM-Aus gegen Bulgarien. Wir schreiben das Jahr In der Region Stuttgart wächst institutionell zusammen, was zusammengehört. Am 19. Oktober 1994 konstituiert sich die erste direkt gewählte Regionalversammlung. Gut 20 Jahre später, am 25. Mai 2014, werden die Bürgerinnen und Bürger zum fünften Mal über die Zusammensetzung ihres regionalen Parlaments entscheiden. Wir werden den Geburtstag des Verbands Region Stuttgart bei der ersten Sitzung der neuen Regionalversammlung im September entsprechend würdigen. Die Direktwahl der Regionalversammlung war nicht selbstverständlich. Der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel unterstützte die Direktwahl im Januar 1993 bei einer der Regionalkonferenzen, die die regionale Neuordnung vorbereiteten: Gerade wenn wir die Schaffung eines Regionalbewusstseins für wichtig halten, müssen wir auf größtmögliche Bürgernähe achten. [ ] Bei einer Direktwahl sind die Parteien gezwungen, Konzepte für die Entwicklung der gesamten Region zu entwickeln. Wir müssen in der Region Stuttgart vor allem davon wegkommen, dass die Probleme nur durch die lokale Brille gesehen werden. Das ist uns nach meiner Einschätzung sehr gut gelungen. Die Menschen in der Region Stuttgart leben regional manchmal unbewusst, weil an den Stadt- oder Landkreisgrenzen glücklicherweise keine Schlagbäume stehen. Sie pendeln zwischen Wohnung und Arbeitsort, sie fahren zum Shoppen nach Stuttgart, Ludwigsburg oder Esslingen. Sie begeben sich auf römische Spurensuche im Schwäbischen Wald und wandern am Albtrauf. Die Mitglieder der Regionalversammlung aus den 179 Städten und Gemeinden denken regional. Ihr Anliegen ist es, den facettenreichen Standort Region Stuttgart als Einheit zu gestalten und weiterzubringen. Das ist gelungen, wenn wir uns einige Meilensteine der letzten 20 Jahre ins Gedächtnis rufen. In puncto Infrastruktur mit der Neuen Messe am Flughafen und Stuttgart 21 samt Hochgeschwindigkeitsstrecke. In Sachen Mobilität mit dem Ausbau des S-Bahn- Netzes und vielen betrieblichen Verbesserungen. Auf der Habenseite stehen auch finanzielle Entlastungen des Steuerzahlers um mehrere zig Millionen Euro durch zähe Verhandlungen zur Verkehrsfinanzierung. Nachtbus, Nacht-S-Bahnen, nachhaltige Mobilität: Die Region erkennt den Trend der Zeit und macht flexible Mobilitätsangebote. In der Regionalplanung ist der Spagat zwischen maßvollem Flächeneinsatz und notwendigem Flächenschonen geglückt. Die regionale Wirtschaftsförderung ist Anlaufstelle für Unternehmen, bringt kreative Köpfe unterschiedlicher Branchen zusammen und ist Trendscout für neue Themen. region stuttgart aktuell

17 Diese Liste ließe sich mit den Erfolgen beim Standortmarketing, der Tourismusförderung, der Europaarbeit, den Kultur- und Sport themen fast endlos weiterführen. Eines sucht man darauf jedoch vergeblich: schnelle Erfolge. Planungen für die Messe oder für S-Bahn-Verlängerungen wurden zum Teil vor der Gründung des Verbands Region Stuttgart angestellt. Doch seit 1994 gibt es eine treibende Kraft, die Partner zusammenbringt, die bündelt, koordiniert, moderiert und dranbleibt. Der Verband Region Stuttgart investiert in die Zukunftsfähigkeit des Standorts. Und er lebt das Solidaritätsprinzip, auch oder gerade bei der Finanzierung von Infrastruktur egal ob grün oder grau. worden, die beide Interessen im Blick hat und ausgleichend zum Vorteil der ganzen Region wirkt. Dazu bedurfte es der Direktwahl. Dazu bedurfte es eines gesetzlichen Aufgabenkatalogs. Nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit sollte das Verbandsgesetz an neue Herausforderungen angepasst werden, die nur überörtlich und regional solidarisch bewältigt werden können. Gerade beim öffentlichen Nahverkehr ist dies überfällig. Es geht nicht darum, anderen Institutionen etwas wegzunehmen, sie zu beschneiden. Es geht darum, Reibungsverluste und Doppelstrukturen zu beseitigen. Und letztlich muss es unser Ziel sein, die Region so aufzustellen, dass sie zukunftsfähig ist. anerkennen, dass es nicht in erster Linie um möglichst große kommunale Rechte geht, sondern um die Interessen des Volkes. Und dieses Interesse verlangt eine möglichst günstige Entwicklung der Region, welche nur zu erwarten ist, wenn Politik aus regionaler Verantwortung verbindlich definiert werden kann. Wer wollte dem etwas hinzufügen? Foto: Niels Schubert AKTUELLES Anfang der 90er-Jahre war auch dies ein heiß diskutiertes Thema: das Problem zwischen der Stadt Stuttgart und dem Umland. Mit dem Verband Region Stuttgart ist eine regionale Institution geschaffen Manfred Rommel, der geistreiche, große Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, hat dies in einem Gastbeitrag in der Stuttgarter Zeitung 1998 wie folgt formuliert: Aber wir Kommunalpolitiker sollten Der Autor ist Mitglied der Regionalversammlung von Beginn an und seit Januar 2007 Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart 17 ERST ZUR ARBEIT, DANN ZUM VERGNÜGEN. DAS VVS-ABO: 2 MONATE FAHREN, 0 MONATE ZAHLEN. vvs.de RZ_VVS _ABO_Business-Frau_AZ_RS_Aktuell_168x120.indd : region stuttgart aktuell

18 AKTUELLES Foto: VRS / Frank Eppler 18 Eine hochrangige Delegation aus Indonesien informierte sich über den Verband Region Stuttgart. Planungsdirektor Thomas Kiwitt nahm den Slogan Wir können alles wörtlich und begrüßte die Gäste auf Indonesisch. Singapur oder Renningen Internationales Interesse am Verband Region Stuttgart ungebrochen TEXT: DOROTHEE LANG Wales hadert mit der Sichtbarkeit als Standort. Italien interessiert sich für höhere Effizienz der Verwaltung. In Südostasien beschäftigt man sich mit ressourcenverträglichem Wachstum. Paris sucht Beispiele verbindlicher Strukturen für Mehrheitsfindung und Entscheidung. Deshalb schauen sie zum Verband Region Stuttgart. In Städten und Regionen rund um den Globus gilt Ähnliches: Der Aktionsradius der Menschen steigt. Daraus folgen höhere Ansprüche an Mobilität, eine stärkere Vernetzung über Verwaltungsgrenzen hinweg und die größere Notwendigkeit, Freiräume zu schützen. Das sprengt den lokalen Rahmen, sagt Thomas Kiwitt, hier sind großräumige Handlungsebenen gefragt. Dafür gilt der Verband Region Stuttgart nach wie vor als Paradebeispiel. Wir werden sehr oft um unsere verbindlichen Strukturen beneidet, stellt Thomas Kiwitt fest. Außerdem: Je höher der Leidensdruck, je größer der Rationalisierungszwang, umso größer ist die Bereitschaft zu Reformen. Das gelte vor allem für Regionen mit echten Problemen. Gerade schnell wachsende Regionen der Welt mit großer Dynamik suchen nach Lösungen à la Verband Region Stuttgart. Der indonesische Minister für Bürokratiereform interessierte sich Ende letzten Jahres für die Arbeit der Region, für ihre Verfasstheit und die personelle Ausstattung. Er war mit einer Delegation, darunter dem Direktor der nationalen Agentur für Raumentwicklung, auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit zu Gast in Deutschland. In Sachen Synergien, regionale Koopera tion und Verwaltungsvereinfachung verfügt die Region Stuttgart über umfangreiche Erfahrung und einschlägige Erfolge. Doch wir müssen die Augen offenhalten und uns permanent hinterfragen und schauen, was die anderen machen, so Kiwitt. Mit Gästen und in internationalen Netzwerken tauscht er sich über relevante Entwicklungen aus. Andernorts, etwa in Hamburg, Helsinki oder unserer Partnerregion Nordvirginia, wird enorm viel Geld in die Hand genommen, um Projekte der Stadtentwicklung oder den Ausbau von Schlüsselinfrastruktur anzustoßen. Ein zweites Beispiel: die zügige Umsetzung verbindlicher Planungen durch ein koordiniertes Vorgehen. Andere Regionen schaffen es schneller, geeignete Standorte anzubieten. Thomas Kiwitt ist überzeugt: Wir brauchen manchmal zusätzliche Impulse, um Trägheitsmomente zu überwinden. Schließlich schläft die Konkurrenz nicht, wie das Beispiel des Bosch- Entwicklungszentrums veranschaulicht. Zum Glück arbeiteten Land und Region ein überzeugendes Nutzungskonzept aus, das die Investition hier sicherte. Das gelingt nur, wenn der Standort Region Stuttgart insgesamt attraktiv ist, weiß Kiwitt. Wir müssen global denken, um uns nicht im Klein-Klein zu verheddern. Sonst kann es schnell heißen: Singapur statt Renningen. region stuttgart aktuell

19 REGIONALPLANUNG Foto: VRS / Gottfried Stoppel Hellwache Schafe der Masterplan Murr- / Bottwartal beinhaltet ungewöhnliche Ideen für Übernachtungserlebnisse 19 Schlaf beim Schaf Das Konzept steht, jetzt zeigt der Masterplan Murr- / Bottwartal erste Blüten TEXT: HEIDE ESSWEIN Nach der einjährigen Planungsphase nimmt der LandschaftsErlebnisPark Murr- /Bottwartal erste Formen an. Der Masterplan umfasst über 70 Projektideen, die den Landschaftsraum für Einheimische und Erholungssuchende noch attraktiver werden lassen. Wein, Wasser, Wald und Obst sind die thematischen Klammern der unterschiedlichen Landschaftsräume im Murr- und Bottwartal. Entlang der verschiedenen Haupt- und Nebenrouten sollen besondere Orte entwickelt oder neue Orte geschaffen werden. Landschaft erreichen, lesbar machen, entwickeln und genießen, daran orientierte sich die Erarbeitung des Masterplans durch das Büro Bresch, Henne, Mühlinghaus aus Bruchsal. Unter Federführung des Verbands Region Stuttgart beteiligten sich daran 16 Städte und Kommunen. Ein zentraler Baustein, um interessante Orte zu verbinden, ist der Murrtal-Radweg. Indem dieser näher an die Murr verlegt wird, soll Gefälle gemindert werden. Auch der Lückenschluss soll dazu beitragen, das Freizeitvergnügen zu steigern. Neu entwickelt wurde der LandschaftsErlebnisweg Weissacher Tal. Diese attraktive Aussichtsroute mit Blick auf die Backnanger Bucht beginnt und endet an einem Bahnhof. Denn bei der Entwicklung der Routen wurde der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr stets mitgedacht. Darüber hinaus ist eine neue Freizeitbusverbindung mit Radanhänger geplant. Start ist in Backnang, weiter geht s über Aspach und Lichtenberg nach Oberstenfeld bis Prevorst. Damit rückt das Murrtal noch näher ans Bottwartal heran und es werden viele neue Routen geschaffen. Die Ausschilderung und die Wegeführung sollen verbessert werden. Stellplätze für Wohnmobile Ein weiteres Standbein des Masterplans ist ein Wohnmobilkonzept. Drei Kategorien von Stellplätzen sollen Menschen nicht nur tagsüber, sondern auch nachts ins Murr- und Bottwartal bringen. Das Vermarktungskonzept wird in diesem Jahr entwickelt, gleichzeitig wird eine Grundausstattung an Wohnmobilstellplätzen nach einheitlichen Kriterien eingerichtet, sodass 2015 der Startschuss für die Vermarktung des Modells fallen kann. Ein Übernachtungserlebnis ganz besonderer Art bietet Schlaf beim Schaf, wie die Idee, Schlafplätze in der Nähe von Bauernhöfen einzurichten, überschrieben ist. Neu ist das ökologische Landschaftsentwicklungskonzept des Planungsbüros. Dieses sieht vor, für jeden Ort, an dem eine neue Erholungsinfrastruktur entsteht, die 10-fache Fläche ökologisch aufzuwerten, z. B. durch die die Entwicklung einer Magerwiese oder die Renaturierung von gewässerbegleitenden Flächen. Für das durch Streuobstwiesen geprägte Weissacher Tal soll außerdem ein Pflege- und Beweidungskonzept entwickelt werden region stuttgart aktuell

20 KOMMUNE IM PROFIL Fotos: Stadt Neuffen 20 Neuffens Wahrzeichen und romantischer Ort fürs Jawort: die Burg Hohenneuffen. Das Melchior-Jäger-Haus gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Eine Landschaft zum Verlieben Kommune im Profil (49): Neuffen TEXT: Sigrid Krügel Wer gut zu Fuß ist, schafft den steilen Aufstieg zum Hohenneuffen in 30 Mi - nuten. Wer unten bleibt und durch die Gassen des Einwohner-Städtchens Neuffen schlendert, trifft auf einen intakten Altstadtkern mit Fachwerk, Cafés, Geschäften und Gottfried von Neuffen, einen der berühmtesten Minnesänger seiner Zeit. August 1948: Nicht nur in Bayern geschieht Geschichtsträchtiges, als auf der Insel Herrenchiemsee Richtlinien für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet werden. Rund 250 Kilometer nordwestlich, am Albtrauf, treffen sich Reinhold Maier, Ministerpräsident von Württemberg-Baden, Leo Wohleb, Staatspräsident des Landes Baden, und Viktor Renner, Innenminister von Württemberg- Hohenzollern, auf dem Hohenneuffen, 743 Meter über dem Meeresspiegel. Sie beraten über den Zusammenschluss ihrer Länder und setzen eine Entwicklung in Gang, die 1952 zur Gründung Baden- Württembergs führen wird. Rund 60 Jahre später im Rathaus von Neuffen: Von seinem Schreibtisch aus hat Bürgermeister Matthias Bäcker einen herrlichen Blick hinüber zum Hohenneuffen. Die Burgruine ist ein Besuchermagnet und Ausflugsziel mit Restaurant und Biergarten. Von hier oben sieht man entlang der Albkette über das weite Neckarland, über die Stuttgarter Höhen bis hin zum Schwarzwald und ins Schwäbische Bergland. Eine der ersten Neuerungen, die Matthias Bäcker nach seinem Amtsantritt im Januar 2011 eingeführt hat: standesamtliche Trauungen auf dem Hohenneuffen. Aus der ganzen Region kommen seitdem heiratswillige Pärchen, um sich in dem mittelalterlichen Gemäuer das Jawort zu geben. Die Zahl der Eheschließungen hat sich verdoppelt. Als uneinnehmbaren Wohnsitz ließ Mangold von Sulmetingen die Burg Hohenneuffen Anfang des 12. Jahrhunderts bauen. Sie ging in den Besitz der Grafen von Württemberg über (anno 1301) und wurde zur Festung ausgebaut (im 16. Jahrhundert). Ende des 18. Jahrhunderts beschlossen Herzog und Regierung, die Burg abzureißen. Der Erhalt war zu teuer. 30 Jahre später setzte ein Umdenken ein, die Reste wurden gesichert, 1862 die erste Gaststätte eingerichtet. Die Burg gehört heute dem Land Baden- Württemberg. Dass sie auch Staatsgefängnis war, davon zeugt eine Gedenktafel für den bekannten, unschuldig inhaftierten Joseph Süß Oppenheimer. Der Geheime Finanzrat und Berater von Herzog Karl Alexander von Württemberg wurde nach dem Tod des Herzogs als Jud Süß verunglimpft und als Opfer eines Justizmordes 1738 auf dem Stuttgarter Galgenbuckel hingerichtet. Zuvor war er auf dem Hohenneuffen und der Festung Hohenasperg eingesperrt. region stuttgart aktuell

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