Kalkulation von Fertigteilen als Einstieg in BIM

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1 Building Information Modeling BIM Kalkulation von Fertigteilen als Einstieg in BIM BIM ist der integrierte Prozess des Planens, Bauens und Bewirtschaftens, unterstützt durch ein konsistentes und allen zugängliches digitales Bauwerksmodell, welches bauteilorientiert alle geo-metrischen und beschreibenden Informationen integriert. Die Basis des Prozesses ist ein 5D Modell, das neben der 3D-Geometrie die Bauteilkosten als vierte und die zeitlichen Abläufe als fünfte Dimension enthält. BIM ist ein internationaler Trend in der Bauindustrie. Vor allem im Hochbau werden entsprechende Modelle für verschiedene Aufgabenstellungen wie zum Beispiel Kalkulation, Visualisierung, Statusmeldung verwendet. Eine Reihe von Softwareherstellern bieten Werkzeuge für die Erstellung und Auswertung von BIM-Modellen an. In manchen Ländern ist die Verwendung von BIM verpflichtend. Wolfgang Ehlert, Ingenieurbüro für Bauinformatik, Deutschland Jochen Hanff, ceapoint aec technologies GmbH, Deutschland BIM ist kein Produkt oder eine bestimmte Software sondern eine Methode. Im BIM- Leitfaden für Deutschland [1] heißt es: Als die zentralen Vorteile der BIM-Methode werden die Qualität, Aktualität und Trans - parenz von Projektinformationen gesehen, die jederzeit auswertbar sind und zu einer höheren Sicherheit hinsichtlich Kosten, Termine und Nachhaltigkeit in der Projekt - abwicklung führen. Wesentlich bei dieser Methode ist die Wiederverwendung von Information zwischen den einzelnen Teilprozessen und Aufgabengebieten. Die Modelle können zum Beispiel für die Ermittlung der Mengen für die Kalkulation und für die Mengenermittlung für die Terminplanung verwendet werden. Dabei ist der große Vorteil, dass die für unterschiedliche Aufgaben unterschiedlichen Strukturen effizient aus dem Modell ermittelt werden können. Modellorientiert Zeichnungsorientiert Der grundsätzliche Unterschied der modellorientierten Arbeitsweise gegenüber der traditionellen zeichnungsorientierten Ar - beits weise sind die Datenmodelle, die Die Datenmodelle für die BIM-Methode bieten mehr als eine reine 3D-Darstellung Objekte mit ihren wesentlichen Eigen - schaften abbilden und die nicht nur als Linien und Text in einer Zeichnung speichern. Damit gehen die Datenmodelle für die BIM-Methode über eine reine 3D- Darstellung eines Gebäudes hinaus. Die Information, für die das I in BIM steht, ist also nicht die 3D-Geometrie sondern die an den Objekten enthalten Eigenschaften. Veränderte Prozesse und neue Tätigkeitsfelder BIM ermöglicht auf neue Art die Zusam - menarbeit zwischen unterschiedlichen Projektbeteiligten. Die Zusammen arbeit be - steht im Austausch von Modellen. Dadurch entstehen Abhängigkeiten durch die Weitergabe von Information zwischen den Beteiligten. Informationen, die an einer Stelle erstellt werden, werden an einer anderen Stelle wiederverwendet. Durch diese Abhängigkeiten ändern sich die Prozesse bei der Planung und Durchfüh - rung einer Bauaufgabe. Die traditionell weitgehend parallel stattfindenden Tätig - keiten werden durch die Wieder verwen - dung von Informationen vernetzt. Dies hat u.a. auch Auswirkungen auf den Zeitpunkt an dem eine Tätigkeit durchgeführt werden kann. Diese Änderung im Prozess der Planung und Ausführung ist von besonderer Bedeutung und entscheidet in vielen Fällen über die erfolgreiche oder die erfolglose Verwendung von BIM. Entscheidet man sich für den Einsatz von BIM in einem Projekt oder im Unternehmen ist somit die Veränderung von Prozessen besonders zu beachten und zu berücksichtigen. BIM Modelle können zum Beispiel für die Ermittlung der Mengen für die Kalkulation und für die Mengenermittlung für die Terminplanung verwendet werden. Durch die Veränderung der Prozesse und auch durch den Einsatz neuer Werkzeuge ergeben sich neue Anforderungen an die Beteiligten in einem Bauprojekt. Man geht allgemein davon aus, dass sich dadurch auch neue Tätigkeitsfelder bzw. Berufsbil - der ergeben. Insbesondere ist hier die Tätigkeit der BIM-Koordination zu nennen, die den Informationsfluss zwischen den einzelnen Disziplinen sicherstellen soll. Diese 10

2 Dr.-Ing. Wolfgang Ehlert (1951), Studium Bauingenieurwesen in Bochum, seit 1988 für die Fertigteilindustrie tätig (10 Jahre im CAD-Bereich, seit 2001 im ERP Bereich). Dr.-Ing. Jochen Hanff, Geschäftsführer ceapoint aec technologies GmbH. Die ceapoint aec technologies GmbH aus Essen entwickelt Produkte und bietet Consulting für das modellorientierte Arbeiten im Bauwesen. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2010 von Dr. Jochen Hanff, der viele Jahre in namhaften Unternehmen der Bauindustrie tätig war. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit Virtual Design and Construction und war im Rahmen dieser Tätigkeit an einer Vielzahl von BIM-Projekten im In- und Ausland beteiligt. So konnte er den Einsatz von BIM und die Anforderungen aus der Praxis in unterschiedlichen Projekten kennenlernen. Tätigkeit erfordert umfangreiches organisatorisches und technisches Wissen. Der BIM-Koordinator sorgt dafür, dass die notwendigen Informationen in einem Modell vorhanden sind und den Beteiligten zur Verfügung stehen. Der BIM-Koordinator benötigt hierfür Wissen über die Tätigkeiten der einzelnen Beteiligten sowie das technische Verständnis über die Möglichkeiten und Grenzen der verwendeten Software-Werkzeuge und der verwendeten Dateiformate. BIM Anwendung in Deutschland und Modellverfügbarkeit In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Anwendung von BIM bisher im Bereich des Hochbaus. Aber auch in anderen Bereichen, wie dem Tiefbau oder der Planung, Produktion und Montage von Fertigteilen gibt es bereits erste Anwendungen von innovativen, ausführenden Bauunternehmen. Insgesamt ist der Einsatz von BIM aber noch wenig verbreitet und es gibt erheblichen Handlungsbedarf die BIM-Methode praxistauglich und effizient umzusetzen. Insbesondere in frühen Phasen einer Bauaufgabe besteht die Herausforderung in der rechtzeitigen Erstellung von Modellen, die den nötigen Informationsgrad besitzen und trotzdem einen gerechtfertigten Aufwand für die Erstellung haben. Die Erstellung von 3D- Modellen im Rahmen der Planerstellung durch Fachplaner und die rechtzeitige Bereitstellung dieser Modelle für die ausführende Baufirma ist leider eher die Ausnahme als die Regel. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für BIM nicht gegeben. Die weitere Konsequenz daraus ist, dass die Massenermittlung, als Grundlage der Kalkulation, immer noch auf konventionelle Weise auf der Basis von mehr oder weniger genauen Plänen erfolgt. Die Vorteile einer Kalkulation auf Grundlage eines 3D-Modell liegen jedoch auf der Hand. Im Wesentlichen sind dies: Effiziente Kalkulation der Kosten durch eine automatische Bestimmung der Kalkulationsparameter aus einem geeigneten 3D-Modell Visuelle Darstellung am interaktive 3D-Modell und dadurch eine erhöhte Sicherheit bei der Kalkulation: Man muss sehen was man kalkuliert Visuelle Darstellung des Planungs-, Produktions- und Montagestatus am 3D-Modell Massenermittlung im Fertigteilwerk In den Fertigteilwerken ist es, u.a. aus vorgenannten Gründen, überwiegend noch Stand der Technik, dass zur Massenermittlung aus den verfügbaren Übersichtsplänen verschiedenfarbige Marker verwendet werden, um die Stückzahlen der verschiedenen Fertigteile zu ermitteln. Danach wird als weitere Basis für die Angebotskalkula - 11

3 Abb. links: konventioneller Marker mit Handeintragungen und überlagertes Ergebnis Softwaremarker Abb. rechts: Elemente in Statusfarben (gelb = Plan vorh., grün = produziert) mit Anzeige von Position, Montagefolgenummer und Liefersolldatum tion eine Stückliste erstellt, für die aus den Plänen die Abmessungen (Parameter) der verschiedenen Fertigteile entnommen wird. Auf der Basis dieser Stückliste erfolgt dann die eigentliche Kalkulation. Kalkulation im Fertigteilwerk Die Kalkulation von konstruktiven und architektonischen Betonbauteilen erfolgt auf der Basis der Einzelgeometrie. Damit die Preisermittlung der verschiedenen Fertigteile trotz unterschiedlicher Geo - metrie mit minimalem Aufwand ausreichend genau erfolgen kann, werden in dem Beton-Fertigteil-ERP-System Betsy parametrisierte Musterteile verwendet, die um ebenfalls parametrisierte Module wie Ausspa - run gen und Konsolen ergänzt werden können. Dieses System bietet die Möglichkeit, die kalkulierten Teile als 3D-Grafik zu visualisieren und damit grafisch zu überprüfen. Für übliche Fertigteile wurden parametrisierte 3D-Mustergrafiken unter Verwen - dung von Open Source Software generiert, die von den Kunden an werksspezifische Belange angepasst werden können. Mit den gleichen Mitteln können von den Kunden weitere 3D-Muster erstellt werden. Massenermittlung mit Softwaremarker und 3D-Modellerstellung In den meisten Fertigteilwerken steht heute ein A0-Plotter, obwohl leider nur noch die wenigsten Werke ein eigenes technisches Büro haben. Die Pläne erhält das Werk als pdf-dateien und druckt sie selber aus. Auch wenn die somit digital vorliegenden Pläne nicht immer widerspruchsfrei und vollständig sind, bilden sie mit dem nachfolgend beschriebenen Verfahren die Basis für eine neue Art der Massenermittlung und die einfache Art einer 3D-Modellerstellung. Anstelle der farbigen Marker auf dem Papier kann mit Betsy ein Softwaremarker in den pdf-plänen verwendet werden. Dabei werden Schnitte oder Ansichten der 3D-Grafik des Fertigteils im jeweiligen pdf- Übersichtsplans platziert und gleichzeitig gezählt. Die Platzierung einer Stütze in einer Draufsicht erfolgt durch einen einzelnen Mausklick, während bei der Platzie - rung mit zwei Mausklicks der Anfangs- und Endpunkt eines Trägers bzw. die linke und rechte obere Ecke eines Flächenteils und damit gleichzeitig entsprechende Dimen - sionen festgelegt werden. Durch das Klicken (Referenzieren) auf ausgezeichnete Punkte bereits erfasster Elemente lassen sich die Dimensionen dabei mit genügend hoher Genauigkeit erfassen, die aber auch in den automatisch entstehenden Stücklis - ten einfach zu ändern und bei Bedarf zu ergänzen sind. Durch die zuvor erläuterte Platzierung der Elemente in den Übersichtsplänen erhält man nicht alle Lagekoordinaten der Teile im Gebäudemodell. Dies kann aber mit minimalem Aufwand in dafür vorgesehenen Feldern der Stückliste ergänzt werden. Mit dieser Art der Massenermittlung entsteht a) die Stückliste mit wesentlichen Dimensionen für die Kalkulation. b) eine grafische Verknüpfung der kalkulierten Elemente mit der Position auf den pdf-plänen. c) ein 3D-Modell. d) der mögliche Einstieg in BIM. Vorteile a) Die Stückzahlen stimmen. b) Die grafische Verknüpfung der Elemente mit ihren Positionen in den Plänen erlaubt im Auftragsfall u.a. die schnelle Zuweisung von Montage - folgen als Einstieg in die Planung von Montage, Produktion und Plan - liefe rung. c) Das 3D-Modell kann verwendet werden um dem Kunden zu zeigen, was er bekommen soll, da das Modell von kostenlos erhältlicher Software auf PC s, Tabletts und Smartphones dargestellt werden kann. d) Man muss nicht mehr darauf hoffen, irgendwann von anderen ein 3D- Modell zu bekommen, damit man BIM- Erfahrung sammeln kann. Das Modell und die Objektdaten (Mengen, Preise) können an das BIM-Informations- und Visualisierungssystem ceapoint desite MD ( übergeben werden und dort z.b. mit BIM-Daten aus Autodesk Revit und Tekla structures und anderen CAD-Systemen gemeinsam genutzt werden. 3D-Modelle können mittels kostenlos erhältlicher Software auf PC's, Tabletts und Smartphohnes gezeigt werden 12

4 Abruf von Eigenschaften eines Objekts im 3D-Modell ist auf Tastendruck möglich Farbliche Darstellung im Modell. Hier die Unterscheidung nach produzierten und nicht produzierten Bauteilen Perfektion des 3D-Modells Für die Massenermittlung und die Kalkula - tion ist das durch den Softwaremarker entstehende 3D-Modell hilfreich und ausreichend genau. Für Präsentationszwecke ist aber eine Nachbearbeitung des Modells erforderlich. Dazu stellt Betsy eine Reihe von Werkzeugen bereit, die keine umfangreiche Benutzerschnittstelle benötigen und deshalb schnell zu erlernen sind. Die Ergebnisse einzelner Schritte können dabei mit desite MD grafisch kontrolliert werden. Damit diese Nachbearbeitung sehr komfortabel erfolgen kann, wird von Betsy die bidirektionale Schnittstelle ceapoint desite MD intensiv genutzt. Objekte können über die Schnittstelle hinzugefügt, verschoben und entfernt werden. Sie ermöglicht so eine direkte, interaktive Steuerung und Änderung der 3D-Einzelelemente und des ge - samten 3D-Modells aus Betsy wie in einem CAD-System. Das 3D-Modell soll und kann jedoch kein CAD-Programm ersetzen. Visualisierung und Auswertung von Modellen Neben der interaktiven Visualisierung der Bauteile für die Kalkulation kann der aktuelle Produktions- und Montagestatus im Modell dargestellt werden. Hierfür werden die IST-Daten für die Produktion und Mon - tage aus Betsy übernommen und in desite MD ausgewertet. desite MD bietet hierfür vielfältige Funktionen um Objekte zu grup 13

5 Software ceapoint desite SHARE kostenlos zur Verfügung. Diese Software ist auf die wesentlichen Funktionen beschränkt und besitzt eine leicht zu bedienenden Ober - fläche. Somit können auch Personen die interaktiven Modelle bedienen, die nur wenig oder keine Erfahrung mit CAD- Programmen haben und den Umgang mit Modellen am Rechner nicht geübt sind. Zusammenfassung 4D-Simulation und Auswertung von Ressourcen über die Zeit. Hier der Kostenverlauf über die Zeit. Während bislang ein komplettes 3D-Mo - dell aus CAD üblicherweise erst mit der Fertigstellung aller Werkpläne zur Verfü - gung steht, erlaubt die beschriebene Metho de die vorteilhafte 3D-Nutzung am Anfang von Ausführungsplanung sowie von Produktions- und Mon tage planung. Der neue Softwaremarker von Betsy und die umfangreiche bidirektionale Verbin - dung zwischen Betsy und ceapoint desite MD ermöglichen die sofortige Nutzung von BIM bei Fertigteilkonstruktionen. Mithilfe der vielfältigen Analyse und Visu - alisie rungsmöglichkeiten in desite MD lassen sich die Modelle schnell und einfach auswerten und die stets visuelle Kontrolle erhöht die Sicherheit in der Kalku lation und im Ausführungsfall in allen Planungspro - zessen. Durch die Erstellung eines 5D- Modells und der interaktiven Visualisie rung wird die Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten verbessert und eine Grundlage für weitere Anwendungen der BIM-Methode bei der Durchführung eines Bauprojekts geschaffen. Literatur Weitergabe von Modellen mit der kostenlosen Software ceapoint desite SHARE pieren, farblich zu codieren und die Eigen - schaften der Objekte auszuwerten. Die Eigenschaften eines Objekts können mit einem Tastendruck abgerufen werden und es ist einfach, ein Teilmodell nach bestimmten Kriterien zu isolieren. 4D-Simulation (3D-Modell +zeitlicher Ablauf) Sind die Objekte mit Aktivitäten verknüpft, kann der zeitliche Verlauf des Baufort - schritts mit dem Modell animiert werden. Darüber hinaus können beliebige Eigen - schaften der Objekte über die Zeit ausgewertet werden. Das sind im Üblichen Eigenschaften wie Kosten oder Material, können aber auch Eigenschaften sein wie Kran- bzw. Maschinenbedarf. Somit lassen sich auch logistische Fragestellungen mit dem Modell untersuchen. Weitergabe und Wiederverwendung von Modellen Die auf diese Weise entstandenen Modelle können aus desite MD exportiert werden. Sie enthalten neben der Geometrie der Objekte auch ihre Eigenschaften und können grundsätzlich für weitere BIM-An wen - dungsfälle verwendet werden. Die Kommunikation zwischen den Projekt - beteiligten spielt bei der BIM-Methode eine wesentliche Rolle. Hierfür ist es erforderlich, Modelle an Partner weiterzugeben und es möglichst vielen Personen zu erlauben, auf die im Modell enthaltenen Informationen zu zugreifen. Für diesen Zweck steht die [1] BIM-Leitfaden für Deutschland, Endbericht des Forschungsprogramms ZukunftBAU, ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ng/3rahmenbedingungen/2013/bimleitfaden/endbe richt.pdf? blob=publicationfile&v=2 WEITERE INFORMATIONEN IBB Consultants & Engineers Ingenieurbüro für Bauinformatik Vor den Feldern 17, Köln T , F ceapoint aec technologies GmbH Max-Fiedler-Str. 6, Essen T , F

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