XML-Standards für ein Straight Through Processing im Wertpapiergeschäft 1

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1 XML-Standards für ein Straight Through Processing im Wertpapiergeschäft 1 Tim Weitzel, Sébastien V. Martin Tim Weitzel Institut für Wirtschaftsinformatik J. W. Goethe-Universität Mertonstr. 17, Frankfurt am Main, Germany Telefon: Sébastien V. Martin KPMG Consulting AG Consultant 1 Diese Arbeit entstand als Teil des Projektes IT-Standards und Netzeffekte (www.it-standards.de). Wir danken der DFG für ihre Unterstützung. I

2 I. Abkürzungsverzeichnis I I. Abkürzungsverzeichnis B/O Back-Office BdB Bundesverband deutscher Banken BIS Bank for International Settlement CBF Clearstream Banking Frankfurt CEO Chief Executive Officer CHF Schweizer Franken CLS Continuous Linked Settlement CORBA Common Object Request Broker Architecture CSD Central and Securities Depository CTM Central Trade Manager DEM Deutsche Mark DFÜ Datenfernübertragung DTCC Depository Trust & Clearing Corporation DTD Document Type Definition DV Datenverarbeitung DvP Delivery versus Payment EAI Enterprise Application Integration ebxml Electronic Business Extensible Markup Language ECCP Equity Central Counterparty ECN Electronic Communication Network EDI Electronic Data Interchange EDIFACT EDI for Administration, Commerce and Transport ESF European Securities Forum EU Europäische Union EUR Euro F/O Front-Office FIX Financial Information Exchange FIXML Financial Information Exchange Markup Language FpML Financial Products Markup Language FRA Forward Rate Agreement GSTPA Global Straight Through Processing Association I

3 I. Abkürzungsverzeichnis II IP Internet Protocol ISDA Intl. Swaps and Derivatives Association ISIN International Securities Identification Number ISITC Intl. Securities Assoc. f. Institutional Trade Communication ISMA International Securities Market Association ISO International Organization for Standardization ISSA International Securities Services Association KAG Kapitalanlagegesellschaft LZB Landeszentralbank M/O Middle-Office OTC Over-the-Counter PCDATA Parsed Character Data SEC Securities and Exchange Commission SIA Securities Industry Association SIS SEGA Intersettle STP Straight Through Processing STPML Straight Through Processing Markup Language SWIFT Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication swiftml swift Markup Language SWIFT MT SWIFT Message Type TCP Transmission Control Protocol TFM Transaction Flow Manager T + x Handelstag + x USA United States of America USD US-Dollar UML Unified Modelling Language W3C World Wide Web Consortium WG Working Group WKN Wertpapierkennnummer WM Wertpapiermitteilungen XML Extensible Markup Language XSL Extensible Stylesheet Language XSLT XSL Transformation II

4 II. Inhaltsverzeichnis III II. Inhaltsverzeichnis I. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS I II. INHALTSVERZEICHNIS III 1. EINLEITUNG MOTIVATION UND PROBLEMSTELLUNG ZIELE UND AUFBAU DER ARBEIT 2 2. DAS WERTPAPIERGESCHÄFT DER BANKEN DIE PROZESSORIENTIERTE DARSTELLUNG DES WERTPAPIERGESCHÄFTS VERGLEICH VON INLANDS- UND AUSLANDSGESCHÄFTEN STRAIGHT THROUGH PROCESSING ALS ZIELVORSTELLUNG MÖGLICHE ROLLE VON XML BEIM STP ANALYSE DER INITIATIVEN FÜR DIE DEFINITION VON BRANCHENSTANDARDS FPML FINXML FIXML SWIFTML GSTPA VERGLEICH UND BEWERTUNG DER INITIATIVEN INTERVIEWS MIT BANKEN INHALTE UND ZIELE DER GESPRÄCHE INTERVIEW-ERGEBNISSE FAZIT UND AUSBLICK 77 LITERATURVERZEICHNIS 79 III

5 1. Einleitung 1 1. Einleitung 1.1 Motivation und Problemstellung Die rasche Entwicklung der Informationstechnologie seit Anfang der 1990er Jahre führte in dem informationsgetriebenen Wertpapiergeschäft zu starken Veränderungen. Durch eine zunehmende Vernetzung sind globale Kapitalmärkte leicht erreichbar. Zu den bedeutendsten Treibern dieses Wandels gehört die zunehmende Globalisierung des Wertpapierhandels mit stark ansteigenden Transaktionszahlen im grenzüberschreitenden Wertpapiergeschäft. 2 Für 2002 werden etwa Transaktionen pro Tag prognostiziert. 3 Weitere Prognosen gehen von etwa 2 Mio. täglichen Transaktionen bis 2009 aus. 4 Diesen Veränderungen stehen allerdings große Hürden und Herausforderungen gegenüber. Vor allem der grenzüberschreitende Handel mit Wertpapieren ist von häufigen Medienbrüchen durch manuelle Eingaben und fehlende Kommunikationsstandards sowie heterogenen und inkompatiblen Handels- und Abwicklungssystemen betroffen. Zudem sind zwischen 15-20% aller cross-border-trades, also grenzüberschreitenden Transaktionen in Wertpapieren, mit Fehlern behaftet. Die Fehlerrate von Geschäften mit Schwellenländern (Emerging Markets) liegt mitunter bei bis zu 33%. 5 Laut SWIFT macht der Kostenanteil für die Korrektur der Fehler etwa ein Drittel der Abwicklungskosten aus. 6 Schätzungen beziffern die Höhe der Aufwendungen bei etwa 1 Mrd. Euro pro Jahr und könnten sich in den kommenden Jahren leicht verdreifachen. 7 Dies verdeutlicht die Notwendigkeit einer Optimierung der Prozesse. Gerade durch die hohen Fehlerraten und die notwendigen manuellen Eingriffe verzögert sich die cross-border-abwicklung. Eine zügige Abwicklung der Wertpapiertransaktionen ist jedoch aufgrund des schnelllebigen Geschäfts ein kritischer Erfolgsfaktor. So resultieren aus den hohen Kostenblöcken durch fehlende Automatisierung der Auslandsgeschäfte eine steigende Nachfrage der Marktteilnehmer nach praktikablen Lösungen für ein globales Straight Through Processing (STP). Dabei bezeichnet STP 2 Vgl. CSFB Rebouillon, J. (2001) Global Straight Through Processing, Seite 13 3 Vgl. Steele, T. (2001) Processing: Partners reinforce chain links 4 Vgl. DTCC Considine, J. (1999) Developing Cross-Border Linkages: The Americas 5 Vgl. Gilks, D. (2001) The GSTPA Is Primed For Pilot 6 Vgl. Brown, J. (2001) Twists and turns on the STP 7 Vgl. o.v. (2001) Wertpapierabwicklung Die Banken wollen sparen 1

6 1. Einleitung 2 die elektronische Verarbeitung einer Wertpapiertransaktion über den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Handelsinitiierung bis zum Settlement ohne manuelle Eingriffe. 8 Ein zusätzlich treibender Faktor für die Realisierung eines globalen STP sind die Bestrebungen in den USA, bis Juni 2005 die vollständige Abwicklung einer Wertpapiertransaktion auf T+1, also bis zum Folgetag des Handelstages, zu verkürzen. 9 Regelung eine international einheitliche Abwicklungspraxis einzuführen. 10 Insbesondere fehlende Kommunikationsstandards sowie mangelnde Kompatibilität zwischen der Vielzahl verwendeter Abwicklungssysteme sind jedoch bremsende Faktoren für die schnelle, automatisierte und grenzüberschreitende Abwicklung von Wertpapiertransaktionen. 11 Vor diesem Hintergrund haben sich verschiedene Brancheninitiativen gegründet, um gemeinsam mit den Marktteilnehmern die vorgenannten Herausforderungen durch die Bildung eines Branchenstandards zu überwinden. Als technische Grundlage wurde dabei XML für die Realisierung eines effizienten und grenzenlosen Informationsflusses zwischen den Marktteilnehmern gewählt. 1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit Das Ziel des vorliegenden Beitrages ist die Analyse von Lösungen einzelner Brancheninitiativen im Hinblick auf die mögliche Entstehung eines einheitlichen Kommunikationsstandards auf XML-Basis im internationalen Wertpapiergeschäft, mit welchem der STP-Gedanke realisiert werden kann. Außerdem wird die Haltung und Akzeptanz der Banken in Deutschland bezüglich dieser Lösungen untersucht. In Kapitel 2 wird ein Überblick über das Wertpapiergeschäft und die damit verbundenen Prozesse vermittelt. Anschließend wird die Bedeutung des Straight Through Processing (STP) diskutiert. Das Kapitel 2 schließt mit einer Untersuchung der möglichen Rolle von XML für die Realisierung eines STP ab. Das Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Arbeit derjenigen Brancheninitiativen, die einen Kommunikationsstandard für das Wertpapiergeschäft anstreben sowie XML 8 Vgl. CSFB Rebouillon, J. (2001) Global Straight Through Processing, Seite 3 9 Vgl. SIA (2001) SIA moves target date for T+1 to June Vgl. CSFB Rebouillon, J. (2001) Global Straight Through Processing, Seite 21 und Vgl. SWIFT (2000) SWIFTSolutions July 2000, Seite 28 Nach Expertenmeinung wird dies einen Trend in Gang setzen, mit der T+1 -

7 1. Einleitung 3 als technische Grundlage hierfür verwenden. Neben den Zielen und der Organisation der Initiativen wird der jeweilige Entwicklungsstand analysiert. Das Kapitel 3 schließt mit einem bewertenden Vergleich der Initiativen und deren Lösungen ab. Das Kapitel 4 ist das Ergebnis mehrerer strukturierter Interviews mit Banken zum Thema Einsatzfelder von XML im Wertpapiergeschäft in der jeweiligen Bank. Es wurden in Deutschland tätige Banken ausgewählt, die einen Schwerpunkt im Wertpapiergeschäft haben. Diese wurden neben dem aktuellen Stand der Einsatzfelder von XML innerhalb der Bank auch zu der Bedeutung der im Kapitel 3 beschriebenen Initiativen befragt. Hier war es von besonderem Interesse, inwiefern die einzelnen Konzepte und Lösungen der Initiativen als praktikabel eingeschätzt werden. Da einige Banken die Arbeit einzelner Initiativen unterstützen, wurde zusätzlich die Frage der Motivation diskutiert. Insbesondere der Trade-Off zwischen der Adoption eines Branchenstandards versus eine Eigenentwicklung wurde hierbei erörtert. Das Kapitel 4 stellt eine Aggregation der Gesprächsergebnisse dar. Es schließt mit einem Ausblick aus Bankensicht. Das Kapitel 5 ist eine zusammenfassende Darstellung und Bewertung der herausgearbeiteten Untersuchungsergebnisse.

8 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 4 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 2.1 Die prozessorientierte Darstellung des Wertpapiergeschäfts Zur Erhöhung des Grundverständnisses für diese Arbeit wird im Folgenden der Kernprozess des Wertpapiergeschäfts dargestellt. Der Handelsprozess von Wertpapieren lässt sich vereinfacht in vier Phasen mit verschiedenen Marktteilnehmern unterteilen (vgl. Abbildung 2). Orderroutingphase Informationsphase Abschlussphase Abwicklungsphase Investoren Banken Broker/Händler Banken Börse Banken Clearinghäuser Handelsparteien Custodians Banken Abbildung 2: Phasen und Teilnehmer des Wertpapiergeschäftsprozesses Quelle: Eigene Erstellung in Anlehnung an: Picot, A. et al. Börsen im Wandel, Seite 51 Während der Informationsphase (Pre-trade-Phase) sammelt der Investor ausreichend Informationen, um Anlageentscheidungen zu treffen. Diese Entscheidung kann individuell oder gemeinsam mit einem Vermögensberater getroffen werden. Für die weitere Arbeit ist diese Phase nur von informativer Bedeutung und wurde der Vollständigkeit halber aufgeführt. 12 Die Orderroutingphase schließt sich an die Informationsphase an. Nachdem eine Entscheidung für den Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers getroffen wurde, wird die Wertpapierorder an einer Börse platziert. 13 Das Orderdokument muss wesentliche Daten für den Handelsabschluss enthalten, wie Wertpapierbezeichnung, Wertpapier-Kennnummer, gewünschte Menge (Volumen oder Stückzahl), ggf. ein Limit, Namen des Auftraggebers sowie Informationen für die Abwicklung des Geschäfts (z. B. Kontoverbindung). Die Order wird dann an einen Börsenplatz geroutet Vgl. Picot, A. et al. Börsen im Wandel, Seite Vgl. Picot, A. et al. Börsen im Wandel, Seite Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 77

9 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 5 In der Abschlussphase (Trade-Phase) wird der Trade an einer Börse gehandelt, indem eine entsprechende Gegenpartei gefunden wird. Hierbei kommt es zu einer Preisfestsetzung für eine bestimmte Menge. Im Idealfall kann die gewünschte Menge erfüllt werden. Reicht das Angebot auf dem Markt nicht aus, ist eine Erfüllung mit einer geringeren Menge möglich. 15 In der Abwicklungsphase (Post-Trade-Phase) erfolgt das Erfüllungsgeschäft. Hierzu gehört die Benachrichtigung der Handelsparteien über die Transaktion in Form einer Ausführungsbestätigung (Notice of Execution) sowie die Begleichung der Forderungen und Verbindlichkeiten. Das Clearing ermittelt die bilaterale Netto- Schuld von Käufer und Verkäufer aus einer Börsentransaktion. Diese Aufgabe übernimmt in der Regel eine zentrale Institution, das so genannte Clearing-Haus. Nach Abschluss eines Handelstages teilt das Clearing-Haus seinen Mitgliedern ihre Transaktionen sowie die daraus verbleibenden Forderungen und Verbindlichkeiten mit. 16 Unter Settlement versteht man Abschluss und Erfüllung eines Börsengeschäfts, d. h. Austausch von Handelsobjekt und Geldgegenwert. 17 Die rechtliche Verwahrung der Wertpapiere erfolgt in Deutschland bei dem Zentralverwahrer der Deutschen Börse, der Clearstream Banking Frankfurt. 18 Die Abbildungen im nächsten Abschnitt zeigen die Kommunikationsprozesse mit den dazugehörigen zu übertragenden Dokumenten und deren Transportmöglichkeiten. Das Augenmerk liegt hierbei besonders auf dem kommunikationsintensiven Ablauf sowie auf der Betrachtung der involvierten Handelsparteien Vergleich von Inlands- und Auslandsgeschäften Der deutsche Inlandshandel von Aktien im Wholesale-Bereich, also dem Wertpapierhandel mit institutionellen Kunden, gestaltet sich vereinfacht dargestellt wie folgt Vgl. Picot, A. et al. Börsen im Wandel, Seite Deutsche Börse (2001) Börsenglossar (Begriff Clearing ) 17 Deutsche Börse (2001) Börsenglossar (Begriff Settlement ) 18 Deutsche Börse (2001) Börsenglossar (Begriff Deutsche Börse Clearing ) 19 Die Zeitpunkte der Verbuchung sind für die Erläuterung von untergeordneter Bedeutung, da gerade im cross-border-geschäft hierfür sehr unterschiedliche Praktiken vorherrschen. (Vgl. hierzu: Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 101) 20 Der Wholesale-Bereich wurde aufgrund seines hohen Volumens und der hohen Anzahl von Transaktionen gewählt. (Vgl. Deutsche Bundesbank (2001) Monatsbericht August 2001, Seite 6f.)

10 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 6 Institutional Investor START Erteilung der Order Ausführungsbestätigung T, F, E E Bank Deutsche Börse Order Platzierung der E Order im Börsensystem Schlussnote Bestätigung ausgeführter Geschäfte E Handel d. Order Abgleich Verbuchung des Geschäfts Lieferliste E Clearstream Banking Frankfurt Lieferfreigabe Instruktionen für das E Settlement Schlussnote Auflistung zu liefernder Papiere/Beträge E Clearing/Settlement Order-Phase (pre-order) Legende Ausführungsphase (trade) Abwicklungsphase (post-trade) Dokument Übertragung Übertragung T telefonisch E Elektronisch F Fax Abbildung 3: Prozesskette des deutschen Wertpapiergeschäfts Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Ruland (2001) Effekten Geschäft und Technik, Seite 74, 77ff., 134f., 138, 170, 172ff. Aus der Abbildung wird deutlich, dass in Deutschland der Datenaustausch weitestgehend in elektronischer Form geschieht. Der institutionelle Kunde (z. B. Pensionskassen, Versicherungen, Investmentfonds) erteilt seiner Bank die Order, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Die Bank platziert die Kundenorder an der Börse. Die ausgeführten Transaktionen sind Grundlage für die so genannte Schlussnote, welche die Deutsche Börse erstellt und an die Banken versendet. 21 Diese Liste dient den Banken als Bestätigung ihrer getätigten Geschäfte. Eine entsprechende Meldung über diese Geschäfte geht ebenso Clearstream Banking Frankfurt (CBF) zu, die für das Clearing und Settlement dieser Geschäfte zuständig ist. CBF versendet daraufhin an die Banken eine nach Käufern und Verkäufern getrennte Lieferliste ( Liste der offenen Börsengeschäfte ). 22 Diese Liste enthält Informationen über die zu liefernden Papiere oder freizugebenden Gelder. Mit der Schlussnote der Börse und der Lieferliste der CBF erfolgt bei den Banken ein interner Abgleich der Daten. Stimmen die offenen Positionen überein, werden die Papiere bzw. die Gelder durch 21 Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 172

11 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 7 die Bank freigegeben. Dies geschieht mit der Übersendung der so genannten Lieferfreigabe an CBF. 23 Die Geldregulierung erfolgt in Deutschland über die CBF und die Landeszentralbanken (LZB), bei denen jede Bank ein Konto unterhält. Börsenzugelassene Geldinstitute sind verpflichtet, immer für ausreichende Deckung auf den LZB- Konten zu sorgen, da die CBF ermächtigt ist, notwendige Belastungen auf jenen Konten vorzunehmen. 24 Die Kopplung der Geldregulierung der CBF mit der LZB soll das Erfüllungsrisiko der Wertpapiergeschäfte reduzieren. Das Erfüllungsrisiko, d. h. wenn eine Handelspartei zahlungsunfähig ist oder die Wertpapiere nicht liefern kann, wird durch die Regelung Delivery-versus-Payment (DvP) vermindert. Die Lieferung der Wertpapiere und die Bezahlung erfolgt in Deutschland somit Zugum-Zug. 25 Die Wertpapiere werden bei der CBF verwahrt, die zu ihrer Clearingund Settlement-Funktion auch die Rolle des Zentralverwahrers erfüllt. 26 Anders kann es sich im Ausland verhalten, wo es eine solche Regelung möglicherweise nicht gibt. Dieser Umstand wird an späterer Stelle konkretisiert. Der eben beschriebene Inlandsprozess unterscheidet sich mitunter signifikant vom grenzüberschreitenden Geschäft. In Abbildung 4 ist der Handelsprozess für ein Geschäft eines in Deutschland ansässigen institutionellen Kunden (z. B. DWS Investmentfonds) mit einer in Deutschland tätigen Bank (z. B. Deutsche Bank Frankfurt) dargestellt, welche beauftragt wird, an einer ausländischen Börse (z. B. Toronto/Kanada) eine kanadische und nicht in Deutschland handelbare Aktie (z. B. Canadian Express Ltd.) zu kaufen oder zu verkaufen. Ein grenzüberschreitendes Geschäft kann auch dann entstehen, wenn für eine ausländische Aktie, die zwar in Deutschland handelbar ist, etwaige Marktengpässe entstehen. Dies kann durch mangelndes Angebot (Nachfrage) entstehen, also wenn es keine Verkäufer (Käufer) zum Zeitpunkt der Transaktion gibt und deshalb auf andere Handelsplätze ausgewichen werden muss, um die gewünschten Wertpapiere zu handeln. 23 Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 177f. 25 Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite Vgl. Deutsche Börse (2001) Börsenglossar (Begriff Deutsche Börse Clearing )

12 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 8 Institutional Investor START Erteilung der Order Deutschland Bank F, E T, E Order Verbuchung des Geschäfts Ausführungsbestätigung Deutschland T, E Weiterleiten der Order F, E Broker/ Custodian Ausland Exchange Order Platzierung der E Order im Börsensystem Schluss- Abgleich note Verbuchung des Geschäfts F, Bestätigung E ausgeführter Geschäfte Handel d. Order Lieferliste F,E Ausland Clearing house/ Central Depository Ausland Lieferfreigabe Clearing/Settlement F, Instruktionen für das E Settlement Auflistung zu liefernder Schluss- Papiere/Beträge note F,E Order-Phase (pre-order) Legende Ausführungsphase (trade) Abwicklungsphase (post-trade) Dokument Übertragung Übertragung T telefonisch E Elektronisch F Fax Abbildung 4: Prozesskette des grenzüberschreitenden Wertpapiergeschäfts Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 74, 77ff., 134f., 138, 170, 172ff. und Deutsche Bank (2000) A Trustee s Guide to Custody, Seite 7 Die Bezeichnungen der ausgetauschten Dokumente in der obigen Abbildung sind je nach Land verschieden. Auch die Prozessfolge kann von der dargestellten Form abweichen. Die Form und Terminologie wurde an dieser Stelle beibehalten, da die entsprechenden Begriffe bereits für die Darstellung des Inlandshandels verwendet wurden und somit eine bessere Vergleichbarkeit erreicht werden soll. Das Augenmerk liegt auf den grundsätzlichen Kommunikationsprozessen und deren Teilnehmern. Grundsätzlich sind bei der Ausführung der Geschäfte national vorherrschende Vorschriften zu beachten. 27 Aufgrund der meisten börsenrechtlichen Bestimmungen sind nur nationale Marktteilnehmer (z. B. Banken, Broker) am Börsenhandel zugelassen. Während dies im kontinental-europäischen Raum auch Universalbanken sein können, dürfen es im anglo-amerikanischen Rechtsraum nur Wertpapierhandelsfirmen (Broker) sein. Durch das Trennbanksystem in diesem Raum wird die Verwahrung und Verwaltung von Kreditinstituten übernommen, was mitunter 27 Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 86

13 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 9 aufwändige Lieferverpflichtungen zwischen den Parteien nach sich zieht. 28 Im gewählten Beispiel bedeutet dies für die Bank in Deutschland, dass ein Broker (oder wie im obigen Fall aber die Deutsche Bank Toronto) im Ausland für die Platzierung der Order eingeschaltet werden muss. Da zudem die Papiere im Land der Ausgabe (issue) verwahrt werden, benötigt der in Deutschland ansässige institutionelle Investor einen so genannten Custodian. 29 Der Custodian führt zum einen bei sich entsprechende Depot-Konten für die bankinterne Verbuchung der Wertpapiere. Da die Wertpapiere rechtmäßig bei einem Zentralverwahrer im Ausgabeland verwahrt werden, unterhält der Custodian zum anderen eine Kontobeziehung mit dem Zentralverwahrer. 30 (Aus Vereinfachungsgründen ist der Custodian hier ebenso die Deutsche Bank (Toronto.) Bei der Orderplatzierung durch den Broker erfolgt eine generelle Anweisung, die Geschäftsbestätigungen direkt an die Abrechnungsstelle (Custodian) zu leiten und nicht wie im Inlandshandel an die ausführende Brokerstelle. 31 Der institutionelle Kunde sendet seinem Custodian ebenso eine Liste der in Auftrag gegebenen Positionen für das so genannte Cash and Securities Position Management. 32 Gemeint ist hiermit eine Autorisierung, entsprechende Zahlungen (für Wertpapierkäufe) bzw. Wertpapierfreigaben (für Verkäufe) vorzunehmen. 33 Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Wertpapiere im grenzüberschreitenden Geschäft abzuwickeln. Unabhängig von den entsprechend vielen Varianten soll aus der Darstellung für das gewählte Beispiel jedoch ersichtlich werden, dass einerseits eine höhere Anzahl von Marktteilnehmern notwendig wird und andererseits die Kommunikationsprozesse zwischen den Teilnehmern durch häufige Medienbrüche gekennzeichnet sind. Mangelnde Kommunikationsstandards und mangelnde Interoperabilität der Systeme sind eine Ursache hierfür. Allerdings begründen sich Medienbrüche oftmals auch in der mangelnden Technologisierung der Teilnehmer im Ausland, insbesondere in Emerging Markets. In Indien gibt es 28 Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 86ff. 29 Für eine nähere Charakterisierung der Custodian-Arten wird auf das Gloassar verwiesen. 30 Vgl. Bank for International Settlement (1995) Cross-border Securities Settlements 31 Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 86ff. 32 Vgl. Deutsche Bank (2001) A Trustee s guide to Cusotdy, Seite 7 33 Aus Vereinfachungsgründen sind Broker und Custodian (z. B. Deutsche Bank Toronto) in der Abbildung die gleichen Personen. Weitaus komplexer wird es, wenn Broker und Custodian nicht dieselbe Person sind und zudem weitere Sub-Custodian für die Verwahrung eingeschaltet werden müssen. Dies soll allerdings nicht Gegenstand der Arbeit sein.

14 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 10 keine Wertpapiersammelverwahrung. (...) Da werden die Aktien durch Boten von Bank zu Bank gebracht. 34 Gerade in Emerging Markets ohne Zentralverwahrung gibt es ein weiteres Risiko: 1993 brachten gefälschte Wertpapiere die Börse von Jakarta zu Fall. Da wie in Indien die Papiere per Boten übergeben werden, kam es zu mehreren Betrugsfällen. So wurden die Schecks für die Bezahlung der Wertpapiere von den Verkäufern bei den Käuferbanken eingelöst, bevor die Käufer feststellen konnten, dass diese gefälschte Wertpapiere erhalten hatten. 35 Zusätzlich ist das cross-border Geschäft mit Erfüllungsrisiken behaftet. Zwar gibt es einen Appell, alle Geschäfte nach der Regelung Delivery-versus-Payment (DvP) abzuwickeln 36, allerdings sind nur die wenigsten Länder in der Lage, diesem Appell zu folgen. Fehlendes DvP ist meistens dann der Fall, wenn der Settlement-Prozess vom lokalen Banksystem losgelöst ist. 37 In Deutschland hingegen wird DvP über die von der Clearstream Banking übernommenen Funktionen gesichert: Diese ist zum einen die zentrale Wertpapiersammelverwahrung und zum anderen an das Gironetz der Landeszentralbanken angeschlossen (vgl. Inlandsgeschäft). Somit überwacht ein zentrales Organ das Zugum-Zug -Geschäft. Da jedoch eine Verbuchung beim Custodian i. d. R. nicht zu einer automatischen Buchung bei der Inlandsbank führt, kann es vorkommen, dass Geschäfte zwischen der Inlandsbank und dem institutionellen Kunden verbucht werden, bevor das Settlement im Ausland erfolgreich war. Hier trägt die Inlandsbank das Ausfallrisiko. Ein Geschäft kann durch verschiedene Faktoren nicht zustande kommen: Fehlerhafte Ordereingaben, Zahlungsunfähigkeit eines Handelspartners oder Wertpapiere beim Handelspartner nicht vorhanden (z. B. bei Leerverkäufen) sind nur einige Möglichkeiten. 38 Einige Zahlen sollen die wirtschaftliche Bedeutung des cross-border-geschäfts im Vergleich zu den vorgenannten Risiken verdeutlichen: 34 Michael, C. (1999) Lehren aus der Herstatt-Pleite 35 Vgl. Berita, Aneka (1993) Gefälschte Aktien bringen Jakartas Börse zu Fall 36 Vgl. Clearstream Banking (2001) STP A clear round for global capital 37 Vgl. Deutsche Bank (2000) A Trustee s Guide to Custody, Seite Vgl. Ruland (2001) Effekten: Geschäft und Technik, Seite 86ff.

15 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 11 Das globale Custody-Geschäft wird von nur wenigen Banken dominiert: 39 Die vier größten Custodian verwahren zusammen ein Volumen von über 20 Billionen USD. Die Deutsche Bank, als einziges europäisches Institut unter den Top Vier, verwahrt davon etwa 4 Billionen USD und macht mit dem Custody-Geschäft nach eigenen Angaben einen jährlichen Gewinn von etwa 1 Mrd. Euro. Berechnungen von Credit Suisse First Boston ergeben ein zu steuerndes Risikovolumen von 1,4 Mrd. Euro pro Tag: 40 Der Betrag resultiert aus einer Fehlerrate von etwa 20% und einer durchschnittlichen Settlement-Dauer von 3,5 Tagen im cross-border-geschäft bei etwa Transaktionen pro Tag Diese Transaktionszahlen werden allerdings nach allgemeiner Einschätzung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Betrachtet man nun diese Zahlen als Index für die wirtschaftliche Bedeutung des Auslandsgeschäfts und vergleicht diese mit den damit zusammenhängenden Fehlerraten, wird die Tragweite der Ineffizienz des cross-border-geschäfts deutlich. Die Meinung der Finanzindustrie zur Abwicklung von cross-border-geschäften fasste Dr. Anthony W. Kirby, ehemals SWIFT, jetzt GSTPA, zusammen: Nothing good can happen after a cross-border trade is executed. 41 Es zeigt sich also, dass aufgrund mangelnder Standards ein erhöhter Aufwand für manuelle (Nach-)Erfassungen notwendig wird. Hierauf begründet sich zudem auch der Bedarf innerhalb der Finanzindustrie, die Geschäftsabwicklung aus einer internationalen Sicht zu optimieren gemeint ist hiermit ein globales STP. Die Idee des STP zeigt sich nachstehend. Im Anschluss daran wird diskutiert, welche Rolle XML hierbei spielen kann. 2.3 Straight Through Processing als Zielvorstellung Straight Through Processing bezeichnet die end-to-end -Automation des Handelsprozesses. 42 Nachdem die Order in ein System eingegeben wurde, wird diese elektronisch und vollautomatisch verarbeitet sowohl innerhalb einer Bank als auch zwischen den beteiligten Handelspartnern (siehe Abbildung 3). 39 Vgl. o.v. (2001) Wie die Banken in der Wertpapierabwicklung aus Stroh Gold machen 40 Vgl. CSFB Rebouillon, J (2001) Global Straight Through Processing, Seite 29, CSFB Rebouillon, J (2001) Global Straight Through Processing, Seite Vgl. Reuters (2001) Straigh Through Processing: What is Straight Through Processing?

16 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 12 Medienbrüche innerhalb und zwischen den Phasen Heutige Situation Pre-Trade Trade Post-Trade STP Medienbruchloser Informationsfluss innerhalb und zwischen den Phasen Pre-Trade Trade Post-Trade Legende = Medienbruch Abbildung 5: Heutige Situation versus STP-Lösung Quelle: Eigene Darstellung Der elektronische Datenaustausch zwischen allen involvierten Teilnehmern muss gerade im zeitkritischen Wertpapiergeschäft sicher und effizient verlaufen. Ein Datenaustausch auf elektronischer Basis bedingt, dass alle Parteien die entsprechenden Nachrichten senden und empfangen können. Für die Gewährleistung eines STP gilt es also, die unterschiedlichen Systeme innerhalb einer Bank zu integrieren und mit den externen Systemen der beteiligten Parteien kompatibel zu halten. Wird diesen beiden Voraussetzungen Rechnung getragen, können durch den nun vorhandenen automatisierten Informationsfluss verschiedene Vorteile gewonnen werden. Durch die automatisierte Verarbeitung eingehender Nachrichten reduziert sich der Aufwand für eine manuelle Nachbearbeitung. Das Risiko von Fehleingaben wird somit reduziert. Hierdurch erfolgt eine beschleunigte Bearbeitung der Transaktionen, da nun keine ineffizienten Zwischenschritte notwendig werden. Insgesamt werden die Prozesskosten durch die effizientere Handelsabwicklung mit STP deutlich reduziert. Das Einsparvolumen für die Industrie durch effiziente Handels- und Abwicklungsprozesse liegt nach Schätzungen von Reuters bei jährlich rund 12 Mrd. USD. 43 Um die Hürden für ein globales STP zu identifizieren und mögliche Lösungen zur Behebung der Probleme zu diskutieren, führt die von Banken 1973 gegründete 43 Vgl. Reuters (2001), gelesen bei: Venture Financial Systems Group (2001) Straight Through Processing Just in Time

17 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 13 Organisation SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) seit Mitte 1996 in regelmäßigen Abständen STP Audits mit ihren Mitgliedern durch. Zu den Hauptfaktoren, die ein globales STP behindern, zählen dem Audit zufolge: 44 Mangelnde Systemintegration innerhalb der Banken Häufige Verwendung nicht-elektronischer Kommunikationssysteme wie Fax oder Telex Inkonsistenz zwischen bankinternen und -externen Datenbanken und Datenfeeds Verwendung vieler inkompatibler Standards und Protokolle Aus den letzten Abschnitten lassen sich für die weitere Arbeit zwei wichtige Aussagen ableiten: Eine Bank kann intern hohe STP-Raten durch die konsistente Integration aller an den Handelsprozessen beteiligten Systemen erzielen, allerdings ist für die Realisierung eines bankübergreifenden STP eine Integration aller Beteiligten unerlässlich. Will man also die Prozess-Effizienz innerhalb des Wertpapiergeschäftes analysieren, ist es notwendig, sowohl die bankinterne als auch die bankübergreifende Effizienz zu betrachten. 2.4 Mögliche Rolle von XML beim STP Dieses Kapitel soll erörtern, welche Bedeutung Kommunikationsstandards für den STP-Gedanken haben und weshalb gerade mit XML ein höherer Automatisierungsgrad der Geschäftsprozesse realisiert werden könnte. 45 In den vorherigen Kapiteln wurde gezeigt, dass es sich bei dem Wertpapiergeschäft um ein vorrangig informationsgetriebenes Geschäft handelt. Die Kommunikation zwischen den Akteuren ist die Grundlage für die erfolgreiche Abwicklung der Transaktionen. Dies impliziert, dass Sender und Empfänger einer Nachricht eine gemeinsame Sprache sprechen müssen. Es wurde jedoch auch gezeigt, dass gerade im grenzüberschreitenden Geschäft dies nicht immer gegeben ist. Aus mangelnden 44 Vgl. SWIFT (2000) SWIFTSolutions July 2000, Seite Die in dieser Arbeit verwendeten XML-spezifischen Begriffe sind im anhängenden Glossar kurz erläutert.

18 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 14 Kommunikationsstandards resultieren die im vorigen Kapitel diskutierten Ineffizienzen. Die Verwendung eines Kommunikationsstandards ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn dies bilateral geschieht. Sender und Empfänger von Nachrichten müssen also einen identischen bzw. kompatiblen Standard verwenden, um effizient miteinander Nachrichten austauschen zu können. Dies gilt sowohl für natürliche Sprachen als auch Netzprotokolle wie TCP/IP. Ein Beispiel hierfür ist Electronic Data Interchange (EDI). 46 In Bezug auf das Wertpapiergeschäft mit seinen unterschiedlichen und landesspezifischen Abwicklungsmethoden muss auch die Verwendung einer gemeinsamen Business-Logik genannt werden. Gemeint ist hiermit die einheitliche Definition einer bestimmten Terminologie für den Informationsaustausch unter den Akteuren. Jeder Marktteilnehmer muss also die gleiche Vorstellung der Bedeutung bspw. einer Orderbestätigung hinsichtlich der damit verbundenen Datenqualität haben, da es anderenfalls zu Missverständnissen bezüglich der Geschäftsabwicklung kommen kann, die wiederum Ineffizienzen durch Medienbrüche (für manuelle Aufbereitung der erhaltenen Nachrichten, z. B. durch Rückfragen beim Sender) zur Folge haben. Die Einführung eines Kommunikationsstandards ist mit vielen Vorteilen verbunden, die aus der Realisierung des STP-Gedankens resultieren. Insbesondere sind mit der Elektronifizierung des Informationsflusses hohe Kostenreduktionen möglich. Allerdings stehen diesen Einsparpotenzialen ebenso Standardisierungskosten gegenüber. Diese Kosten entstehen im Zusammenhang mit der Einführung von der für die Nutzung des Standards notwendigen Software und Hardware (Umstellungs-, Einführungs-, Beraterkosten, etc.) sowie Kosten für die Schulung der Mitarbeiter. 47 In der Standardisierungstheorie wird erwartet, dass ein Akteur einen Standard adoptiert, wenn der monetäre Nutzen der Standardisierung (also die Einsparpotenziale) die Standardisierungskosten mindestens übersteigt. 48, 49 Die 46 Vgl. Buxmann, P. et al. (1999) Auswirkung alternativer Koordinationsmechanismen auf die Auswahl von Kommunikationsstandards 47 Vgl. Buxmann, P. et al. (1999) Auswirkung alternativer Koordinationsmechanismen auf die Auswahl von Kommunikationsstandards 48 Vgl. Buxmann, P. et al. (1999) Auswirkung alternativer Koordinationsmechanismen auf die Auswahl von Kommunikationsstandards 49 Detaillierte Ausführungen zu diesem Gebiet finden sich z. B. bei Buxmann, P. Standardisierung betrieblicher Informationssysteme

19 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 15 grundlegende Bedeutung von Kommunikationsstandards liegt also darin, dass sie eine notwendige Voraussetzung für den Austausch von Informationen sind. 50 Dies umfasst nun auch die Herstellung einer Interoperabilität verschiedener Systeme, wenn ein automatisierter elektronischer Datenaustausch angestrebt wird. Ein internationaler Standard ist die textbasierte Meta-Auszeichnungssprache XML für die technische Darstellung von Daten und Dokumenten. 51 Mit XML existiert nunmehr ein standardisiertes, universelles und technisches Datenformat, mit welchem der Datenaustausch einerseits und die systemseitige Verarbeitung andererseits elektronisch erfolgen kann. Durch die Trennung von Struktur, Inhalt und Layout können Datenstrukturen abgebildet werden. Hierdurch wird es grundsätzlich möglich, XML-Nachrichten auf unterschiedlichen Systemen und Anwendungen zu verarbeiten. 52 Diese Verarbeitung kann unter der Verwendung der Extensible Stylesheet Language Transformations (XSLT) geschehen. XSLT ist vergleichbar mit einer Konvertierungsschnittstelle, mit der Datenstrukturen aus einem XML-Dokument gelesen und in ein Zielformat transformiert werden können. 53 Dieser so genannte Mapping-Vorgang erfolgt auf Grundlage einer vorher definierten Abbildungsbeschreibung, in der die Struktur der erhaltenen Nachricht einer bestimmten Zielstruktur, einer Datenbank, zugeordnet wird. 54 Da XML über ein Netzwerk-Protokoll wie TCP/IP versendet werden kann, werden grundsätzlich keine kostenintensiven Netze wie Value Added Networks benötigt, die oftmals als Begründung für die zögerliche Akzeptanz von Electronic Data Interchange (EDI) herangezogen werden. 55 Im Finanzbereich ist allerdings eine Übertragung der sensiblen Geschäftsdaten über ein offenes Netz wie das Internet aus Sicherheitsgründen eher nicht praktikabel, so dass hier geschlossene Netzwerke in Frage kommen, die jedoch durchaus IP-basiert sein können. 56 Eine Anwendung für 50 Buxmann, P. et al. (1999) Auswirkung alternativer Koordinationsmechanismen auf die Auswahl von Kommunikationsstandards 51 Vgl. W3C (1998/2000) Extensible Markup Language, Recommendation 52 Vgl. Weitzel, T. et al. (1999) XML Konzept und Anwendungen der Extensible Markup Language 53 Vgl. W3C (1999) XSL Transformations (XSLT) Specification, Recommendation 54 Vgl. Weitzel, T. et al. (2001) Electronic Business und EDI mit XML, Seite Vgl. von Westarp, F. et al. (1999) The Status Quo and the Future of EDI Results of an empirical study 56 Vgl. SWIFT (2001) SWIFTNet services Ready for Business, Seite 1

20 2. Das Wertpapiergeschäft der Banken 16 solch eine geschlossene Netzwerklösung ist das SWIFTNet der von Banken kontrollierten Organisation SWIFT. 57 Ein weiterer wesentlicher Vorteil von XML liegt in der frei definierbaren Gestaltung der Tags begründet. Mit Tags sind Elemente eines Dokumentes gemeint, die den Inhalt der XML-Nachricht auszeichnen. Aus dieser Definitionsfreiheit resultierend können Tags für Menschen lesbar gestaltet werden. 58 Sollte ein Dokument nicht automatisch verarbeitet werden können, ist der Inhalt dennoch bei einer notwendigen manuellen Verarbeitung für den Sachbearbeiter nachvollziehbar. Zudem ist eine menschenverständliche Codierung der Nachricht für die Entwicklung von Schnittstellen in den IT-Abteilungen hilfreich. XML bietet also die Möglichkeit, sowohl eine Mensch-zu-Maschine- als auch eine Maschine-zu-Maschine- Kommunikation zu integrieren. XML kann somit für die Durchsetzung von Kommunikationsstandards in der Finanzindustrie die technische Grundlage bilden. Allerdings bleibt in einer heterogenen und global weit fragmentierten Umwelt wie dem Wertpapiergeschäft die Frage nach einer gemeinsamen Business-Logik (im Folgenden: Semantik) bestehen. Nur wenn alle involvierten Teilnehmer die gleiche Terminologie und das gleiche Verständnis über die Verwendung dieser Begriffe haben, kann man eigentlich von einem Kommunikationsstandard sprechen. Eine semantische Definition ist nicht zuletzt wegen der frei definierbaren Nachrichtenelemente (Tags) auch für XML notwendig, um dem Dokument einen allgemein verständlichen Sinn zu geben. Ein vielzitiertes Beispiel für das Fehlen einer gemeinsamen Semantik ist eine fehlende einheitliche Wertpapierkennnummer. The lack of an ISIN (International Securities Identification Numbers) number continues to be an STP problem. 59 Für die Realisierung eines globalen STP im Wertpapiergeschäft findet die Arbeit zur Entwicklung einer gemeinsamen Semantik in Brancheninitiativen statt. Allen Initiativen ist ein Ziel gemeinsam: Ihre Lösungen sollen dazu beitragen, den STP- Gedanken auf der technischen Grundlage von XML zu realisieren. Die Wahl von gerade XML als technischem Standard begründet sich in den bereits ausgeführten Vorteilen, die dieser Standard bietet. Die Initiativen wollen dazu beitragen, die 57 Vgl. SWIFT (2001) SWIFTNet services Ready for Business, Seite 1 58 Der Handelstag kann in XML wie folgt aussehen: <TradeDate> </TradeDate> 59 Vgl. SWIFT (1999) Swift Solutions - July 1999, Seite 9

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