30. März Die soziale Pflegeversicherung steht in den kommenden Dekaden vor enormen Herausforderungen:

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1 Demografie Spezial Akuelle Themen März 2009 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Die soziale Pflegeversicherung seh in den kommenden Dekaden vor enormen Herausforderungen: Die Zahl der über 85-Jährigen, d.h. die Gruppe mi den höchsen Pflegewahrscheinlichkeien, wird bis zum Jahr 2050 um über 4 Mio. auf gu 5 ½ Mio. anseigen. Allein die Gruppe der über 90-Jährigen mi einer Pflegequoe von derzei über 60% wird in dieser Zei um 1 ¾ Mio. auf 2 ¼ Mio. zunehmen. Ensprechend wird die Zahl der Pflegebedürfigen uner realisischen Annahmen bis 2050 von derzei 2,25 Mio. auf über 4 Mio. seigen und selbs uner sehr günsigen Bedingungen noch um über 1 Mio. zunehmen. Auoren Prof. Dr. Baldo Blinker Insiu für Soziologie der Universiä Freiburg Dr. Bernhard Gräf Deusche Bank Research Frankfur am Main Edior Sefan Schneider Publikaionsassisenz Pia Johnson Deusche Bank Research Frankfur am Main Deuschland Inerne: Fax: DB Research Managemen Norber Waler Dabei wird sich der Heimsog-Effek versärken, da das informelle Pflegepoenzial, das die Zahl der häuslich versorgen Pflegefälle besimm, nach 2025 demografisch beding merklich abnimm. Dami läss sich der bisherige Grundsaz häusliche vor saionärer Pflege nich mehr halen, was die Pflege insgesam vereuer. Unsere Modellsimulaionen zeigen, dass die Enwicklung des Beiragssazes zur sozialen Pflegeversicherung nur eine Richung kenn: nach oben. Je nach Szenario seig der Pflegesaz von derzei 1,95% bis zum Jahr 2050 auf 3% in der für die Pflegeversicherung günsigsen Variane und auf fas 7% im ungünsigsen Szenario. Als eine realisische Größenordnung erschein uns die Mie des Bandes. Der Beiragsansieg fäll zudem in eine Zei, in der ohnehin mi einer seigenden Abgabenlas bei den anderen sozialen Sicherungssysemen, wie gesezliche Renenversicherung und insbesondere Krankenversicherung, zu rechnen is. Eine Reform der Pflegeversicherung is daher dringend geboen. Allerdings sind Leisungskürzungen der sozialen Pflegeversicherung mi Blick auf die Qualiä der Pflege keine realisische Opion. Vielmehr muss klar werden, dass Pflege in Zukunf wohl eurer werden wird, was Fragen hinsichlich der inra- und inergeneraiven Vereilung aufwirf. Insiuionelle und gesellschafliche Veränderungen können allerdings dazu beiragen, dass die Kosenseigerungen gedämpfer ausfallen und die Qualiä der Pflege aufrecherhalen werden kann. Hier wären ein Wandel in der Srukur von Pflegeheimen, ein flexiblerer Pflege-Mix, eine bessere Vereinbarkei von Pflege und Beruf, die Einführung eines Pflegebudges und ein versärkes bürgerschafliches Engagemen in der Pflege, quasi als drie Säule der Pflege neben Saa und Mark, zu nennen.

2 Akuelle Themen März 2009

3 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Gliederung Seie 1. Einleiung Gang der Unersuchung Die Ausgangslage Zahl der Pflegebedürfigen demografisch gerieben Pflegearrangemens im demografischen und sozialen Wandel Szenarien der Pflegearrangemens: Heimsog wohl unvermeidbar Verschiebungen bei sozialen Milieus erhöhen Heimsog Beiragssaz der Pflegeversicherung: Es gib nur eine Richung nach oben Fazi: Maßnahmenbündel nowendig Anhang 1: Überprüfung der Modellqualiä Anhang 2: Simulaionsergebnisse Lieraurverzeichnis März

4 Akuelle Themen Einleiung Am 1. Juli 2008 ra die Reform 1 der gesezlichen Pflegeversicherung in Kraf. Ihr Ziel war es, die Srukuren der sozialen Pflegeversicherung besser an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen. So wurde ein Rechsanspruch auf individuelle Beraung (Fallmanagemen) eingeführ, Pflegesüzpunke erriche sowie die Pflegeansprüche von Menschen mi erheblich eingeschränker Allagskompeenz (ewa psychisch erkranke oder Menschen mi Demenz) ausgeweie. Zudem werden ambulane und saionäre Pflegeeinrichungen jährlich unangemelde konrollier, um die Einrichungen ransparen und die erbrachen Leisungen vergleichbar zu machen. Außerdem wurden viele der sei Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 unveränderen Leisungen angehoben sowie weiere Anpassungen bis 2012 fesgeschrieben. Obwohl diese bei weiem nich ausreichen, den in vergangenen 13 Jahren erfolgen inflaionsbedingen Werverluse der Leisungen auszugleichen, is die Reform dennoch ein wichiger Schri, um Pflegeniveau und Pflegequaliä auf individueller Ebene aufrech zu halen. Gleichzeiig wurde der Beiragssaz zur Pflegeversicherung um 0,25%-Punke auf 1,95% erhöh. Dami soll die Finanzierung der Pflegeversicherung auf längere Sich sichergesell werden. Beiragssaz zur sozialen Pflegeversicherung % Anpassung der Leisungen der sozialen Pflegeversicherung um jährlich 3% ,5% 1,5% (Inflaionsausgleich) Annahmen: (1) demografischer & sozialer Wandel (2) konsane alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Quellen: Blinker, Gräf 8,0 7,0 6,0 5,0 4,0 3,0 2,0 1,0 0,0 Beiragssaz könne bis 2050 auf fas 7% seigen Unsere Berechnungen zeigen allerdings, dass der demografische und soziale Wandel die Pflegeversicherung in den kommenden Dekaden uner erheblichen Druck sez und gravierende Folgen für die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen haben wird. So dürfe die Zahl der Pflegebedürfigen aufgrund der Alerung der Gesellschaf von derzei gu 2 Mio. bis 2020 auf 2 ½ bis 3 Mio. seigen und 2050 zwischen 3 ¼ und 4 ¼ Mio. liegen. Daher is selbs uner günsigen Annahmen wohl schon vor 2020 mi einer erneuen Anhebung der Beiragssäze zu rechnen, und uner weniger günsigen Bedingungen könne er bis 2050 sogar in Richung 7% seigen. Drei Fragen Bei der Analyse der Leisungen und Kosen der Pflegeversicherung und dami bei der Enwicklung des Beiragssazes zur Pflegeversicherung müssen insbesondere drei Fragen beanwore werden: 1. Wie enwickel sich die Zahl der Pflegebedürfigen und welchen Pflegesufen sind sie zuzuordnen? Die Zahl der Pflegebedürfigen wird von zwei Fakoren besimm. Zum einen von der demografischen Enwicklung, zum anderen von der Pflegewahrscheinlichkei (bzw. der Prävalenzrae) einer Person in einem besimmen Aler. Bei lezerer seh die Frage im Mielpunk, ob die Verbesserung der Lebensqualiä sowie der echnisch-medizinische Forschri zu einer gesünderen Gesellschaf führ und dami die durch die Erhöhung der Lebenserwarung gewonnenen Jahre in Gesundhei verbrach werden. Ensprechend würden die alersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeien in Zukunf sinken. 2. Wie fallen die Pflegearrangemens aus, d.h. wie sind häusliche und saionäre Pflege künfig vereil? Wichig für die gesamen Kosen der Pflege is die Aufeilung in (relaiv günsige) häusli- 1 Gesez zur srukurellen Weierenwicklung der Pflegeversicherung (Pflege- Weierenwicklungsgesez) vom 28. Mai 2008, Bundesgesezbla Jahrgang 2008, Teil 1, Nr. 20, ausgegeben zu Bonn am 30. Mai März 2009

5 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen che Pflege und (eure) saionäre Pflege. Gerade hier wird sich der demografische und insbesondere soziale Wandel besonders bemerkbar machen, wenn der seigenden Anzahl der zu Pflegenden ein merklich sinkendes informelles Pflegepoenzial gegenüberseh. 3. Wie sind künfig die Leisungen der Pflegeversicherung anzupassen, d.h. welcher Kosendruck lase auf der Pflegeversicherung? Nach ihrer Einführung wurden die Leisungen rund 13 Jahre unveränder beibehalen, was grob gesprochen einen realen Rückgang um über 20% bedeue. Besimmungsfakoren des Beiragssazes zur sozialen Pflegeversicherung Anzahl der Pflegefälle Häusliche Pflege Demografischer Wandel - Anzahl - Bevölkerungssrukur Saionäre Pflege ohne prof. Hilfe mi amb. Pflegediensen Leisungen - Anzahl häusliche Pflege - Anzahl saionäre Pflege - Kosen je Pflegefall Einnahmen Pflegeversicherung - Beiragssaz - Anzahl Beiragszahler - Einkommen Quellen: Blinker, Gräf Alersspezifische Pflegewahrscheinlich- keien Informelles Pflegepoenzial Pflegepoenzial Kinder - Anzahl Personen im Aler von 30 bis 70 Jahren - Erwerbsquoen dieser Alersgruppe Pflegepoenzial Parner/ Ehegae - Anzahl der Personen im Aler Wahrscheinlichkei, dass Personen dieser Alersgruppe mi anderen zusammenleben - Wahrscheinlichkei, dass Personen dieser Alersgruppe anderen helfen 2. Gang der Unersuchung Nach einer Beschreibung der Ausgangslage wird im Kapial 3 eine Schäzung der Anzahl der Pflegebedürfigen bis 2050 auf Basis der mileren Bevölkerungsprojekion des Saisischen Bundesames sowie der alerspezifischen Pflegewahrscheinlichkeien vorgenommen. Neben der Saus-quo-Variane mi konsanen alersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeien werden zwei alernaive Szenarien, die als Gesünder Leben bezeichne werden, analysier. Dabei wurde unersell, dass die Pflegewahrscheinlichkeien ensprechend der Zunahme der ferneren Lebenserwarung abnehmen. Im Mielpunk von Kapial 4 seh die Beschreibung eines Modells zu Abschäzung der künfigen Enwicklung der Pflegearrangemens. Ausgangspunk hierfür sind die in Kapiel 3 beschriebenen Enwicklungen der Zahl der Pflegebedürfigen. Dem wird die Enwicklung des informellen Pflegepoenzials, also der möglichen häuslichen Pflegepersonen gegenübergesell und mi Hilfe der Ausschöpfungsquoe des häuslichen Pflegepersonals die Aufeilung der Pflegefälle in häusliche Pflege ohne professionelle Hilfe, häusliche Pflege mi Inanspruchnahme ambulaner Pflegediense und saionäre Pflege vorgenommen. Die Aufeilung der Pflegefälle in häusliche und saionäre Pflege is aufgrund der unerschiedlich anfallenden Kosen für die Enwicklung der Finanzen wichig. Der demografische und soziale Wandel wird die Schere zwischen der Zahl der zu Versorgenden und dem informellen Pflegepoenzial zunehmend öffnen. Dies zeigen die vier in Kapiel 5 analysieren Szenarien der Pflegearrangemens. Dabei zeichnen sich sowohl eine Überforderung der sozialen Sicherungssyseme als auch eine rapide Verschlecherung der Qualiä der Pflege ab. In Kapial 6 werden dann die verschiedenen Szenarien bezüglich der Enwicklung der Pflegefälle sowie der Pflegearrangemens zusammengefass und um künfig mögliche bzw. nowendige Leisungsanpassungen erweier. Neben einer Grundvariane, die die Anpassung der Leisungen ensprechend der von uns unersellen Inflaion von 1 ½% p.a. vorsieh, wird eine weiere Variane mi Kosendruck, d.h. Leisungsanpassungen nach 2012 jährlich 3%, unersuch. So könne der medizinisch-echnische Forschri kräfigere Anpassungen der Geldleisungen nowendig machen. Über die Modellierung der Einnahmenseie der sozialen Pflegeversicherung wird dann der jeweils nowendige Beiragssaz ermiel. Wir schließen unsere Unersuchung mi dem Hinweis ab, dass sich in den kommenden Dekaden nich nur in finanzieller Hinsich bei der sozialen Pflegeversicherung einiges ändern wird, sondern dass sich auch im insiuionellen und gesellschaflichen Umfeld enorme Veränderungen ergeben werden bzw. müssen. 30. März

6 Akuelle Themen 442 Pflegebedürfige Pflegebdürfige nach SGB XI, in ' Privae Pflegeversicherung Soziale Pflegeversicherung Quellen: Desais, Bundesminsierium für Gesundhei Alersspezifische Pflegequoen Pflegebedürfige insgesam in % der Bevölkerung im jeweiligen Aler % (links), %-Punke (rechs) < Quelle: Desais >90 Aler (Jahre) Veränderung (rechs) Pflegequoen 2007 (links) ,0 1,5 1,0 0,5 0,0-0,5-1,0-1,5-2,0 Alersspezifische Pflegequoen Pflegebedürfige in % der Bevölkerung im jeweiligen Aler (2007) - soziale und privae Pflegeversicherung < Quelle: Desais Frauen Aler (Jahre) Männer > Die Ausgangslage Die Pflegeversicherung is eine umlagefinanziere Pflichversicherung im Rahmen des deuschen Sozialversicherungssysems. Sie wurde zum 1. Januar 1995 eingeführ und bilde die fünfe Säule der Sozialversicherung neben Kranken-, Berufsunfall-, Renenund Arbeislosenversicherung. Die Pflegeversicherung räg bei nachgewiesenem, längerfrisig erheblich erhöhem Bedarf an pflegerischer Versorgung einen Kosenaneil der häuslichen oder saionären Pflege, der nach Pflegesufen gesaffel is. Alle gesezlich krankenversicheren Personen wurden mi Inkrafreen des SGB XI in die soziale Pflegeversicherung aufgenommen. Alle Versicheren einer privaen Krankenversicherung wurden Miglieder der privaen Pflegeversicherung. Dami wurde ersmals ein Versicherungsschuz für prakisch die gesame Bevölkerung eingeführ. 2 ¼ Mio. Menschen in Deuschland pflegebedürfig Ende 2007 waren 2,25 Mio. oder 2,7% der in Deuschland lebenden Menschen pflegebedürfig im Sinne des Pflegeversicherungsgesezes und erhielen dami Leisungen aus der gesezlichen Pflegeversicherung. 2 Davon enfielen 2,03 Mio. oder 90% auf die soziale Pflegeversicherung, auf die sich die nachfolgende Berechnung der Beiragssäze konzenrier. Rund Menschen waren Ende 2007 der privaen Pflegeversicherung zuzuordnen. Sei 1999 is die Zahl der Pflegebedürfigen im Zuge der Alerung der Bevölkerung um oder 11,4% gesiegen, so dass sich die Pflegequoe, d.h. der Aneil der Pflegebedürfigen an der Bevölkerung, von 2,45% auf 2,73% erhöh ha. Dies war vor allem auf einen überproporionalen Ansieg der Pflegefälle von Personen über 90 Jahre zurückzuführen. Dagegen haben sich die alersspezifischen Pflegequoen bei Personen bis zu 90 Jahren in den vergangenen Jahren eilweise spürbar verringer. Pflegebedürfigkei seig mi dem Aler Generell seig die Pflegebedürfigkei mi zunehmendem Aler. Während bei den 70- bis 75-Jährigen 2007 nur jeder zwanzigse (5%) Leisungen aus der Pflegeversicherung bezogen ha, waren es bei den über 90-Jährigen nahezu zwei Driel (61,6%). Dabei zeig sich, dass Frauen ewa ab 80 Jahren eine deulich höhere Pflegewahrscheinlichkei als Männer haben. So berug der Aneil der pflegebedürfigen Frauen im Aler von 85 bis 90 Jahren an der gleichalrigen Bevölkerungsgruppe 2007 knapp 41%, während die Pflegequoe bei Männern dieser Alergruppe lediglich 27,5% erreiche. Mi zunehmendem Aler nimm dieser Absand noch zu. So lieg der Aneil der pflegebedürfigen über 90-jährigen Frauen mi fas 70% rund 30%- Punke über dem der Männer. Heimquoe 2007 nich weier gesiegen Von den 2,03 Mio. Pflegebedürfigen, die der sozialen Pflegeversicherung angehören, wurden Ende ,36 Mio. oder knapp 67% zu Hause durch Angehörige und/oder ambulane Pflegediense be- 2 Pflegebedürfig im Sinne des SGB XI sind Personen, die wegen einer körperlichen, geisigen oder seelischen Krankhei oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichungen des äglichen Lebens auf Dauer in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. In der Pflegesaisik werden Personen erfass, die Leisungen nach dem SGB XI erhalen. Generelle Voraussezung dazu is die Enscheidung der Pflegekasse bzw. des privaen Pflegeunernehmens über das Vorliegen von Pflegebedürfigkei und die Zuordnung der Pflegebedürfigen zu den Pflegesufen I bis III März 2009

7 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Heimquoe Aneil der saionär versorgen Pflegefälle der sozialen Pflegeversicherung, % Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei Wichige Leisungen der sozialen Pflegeversicherung pauschal, EUR pro Mona Pflegesufe I II III Ambulane Pflege Pflegegeld* bis 1. Juli ab 1. Juli ab 1. Januar ab 1. Januar Sachleisungen** bis 1. Juli ab 1. Juli ab 1. Januar ab 1. Januar Vollsaionäre Pflege bis 1. Juli ab 1. Juli ab 1. Januar ab 1. Januar * Bei häuslicher Pflege durch selbs beschaffe Pflegepersonen, z.b. Familienangehörige ** Bei häuslicher Pflege durch ambulane Pflegediense Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei Ambulan versorge Pflegebedürfige Aneil Pflegebedürfiger der sozialen Pflegeversicherung in % I II III Pflegesufe Quelle: Bundesminserium für Gesundhei 34,0 32,0 30,0 28,0 26,0 24, reu, gu Pflegebedürfige wurden saionär versorg. Der Aneil der häuslich Versorgen is gegenüber 2006 leich gesiegen, so dass sich der sei Einführung der Pflegeversicherung zu beobachende Trend zu saionärer Versorgung (der so genanne Heimsog-Effek ) zumindes in 2007 nich weier forgesez ha. Dami is die Heimquoe 2007 gegenüber ihrem im Vorjahr erreichen Höhepunk von 33,5% leich auf 33% gesunken. Diese für die Finanzen der sozialen Pflegeversicherung erfreuliche Enwicklung, denn saionäre Versorgung is endenziell eurer als häusliche, könne allerdings auch darauf zurückzuführen sein, dass die Bewilligung durch die Pflegekassen resrikiver geworden is. Prinzipiell gil hier der Grundsaz: ambulan vor saionär, d.h. häusliche und ambulane Pflege haben Vorrang vor saionärer Pflege. Saionäre Pflege endenziell eurer Wichig für die Finanzen der sozialen Pflegeversicherung is neben der Aufeilung in ambulane und saionäre Pflege auch die Einsufung der Pflegebedürfigen in die drei Pflegesufen, denn je nach Schwere der Einschränkung werden unerschiedliche Leisungen gezahl. 3 So beragen sei Juli 2008 die Leisungen aus der sozialen Pflegeversicherung für Personen der Pflegesufe I bei einer häuslichen Pflege monalich EUR 215, wenn die Pflege durch selbs beschaffes Personal, z.b. durch Angehörige, erfolg. Hier sprich man vom so genannen Pflegegeld. Bei Inanspruchnahme ambulaner Pflegediense werden monalich EUR 420 gezahl und bei voll saionärer Versorgung erhöhen sich die monalichen Pauschalleisungen der Pflegeversicherung auf EUR Bei Pflegesufe III beräg das Pflegegeld EUR 675, und die Leisungen bei Inanspruchnahme ambulaner Pflegediense sowie bei saionärer Versorgung erhöhen sich auf jeweils EUR Daneben sind Leisungen bei Pflegeverreung, für Kurzzeipflege, eilsaionäre Tages- und Nachpflege sowie ergänzende Leisungen für Pflegebedürfige mi erheblichem Bereuungsbedarf im Leisungskaalog der Pflegekassen enhalen. Dabei muss allerdings beache werden, dass ein Heimplaz wesenlich mehr kose, als die Pflegeversicherung leise. So lag die durchschniliche Vergüung für einen Heimplaz für die Pflegesufe III 2005 bei monalich EUR Dazu rugen die Pflegekassen EUR 2128 an pauschalen und sonsigen Leisungen bei ambulane Pflegediense und Pflegeheime Ende 2007 gab es in Deuschland rund ambulane Pflegediense, die rund Personen beschäfigen. 5 Die Bedeuung der ambulanen Versorgung ha in den vergangenen Jahren merklich zugenommen. Dabei war der ambulane Pflegemark sehr beschäfigungswirksam. So ha die Zahl der Pflegediense gegenüber 2005 um 5% zugenommen, während die Zahl der Beschäfigen sogar um bzw. um über 10% sieg. Die Mehrhei der Beschäfigen (71%) arbeiee in Teilzei und 88% waren weiblich. Neben den ambulanen Pflegediensen gab es Ende 2007 in Deuschland noch gu Pflegeheime, die über insgesam knapp Pläze verfügen und rund Beschäfige haen, Pflegesufe I wird gewähr, wenn die Person erheblich pflegebedürfig is. Hierzu gehören Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobiliä für wenigses zwei Verrichungen aus diesen Bereichen mindesens einmal äglich der Hilfe bedürfen. In Pflegesufe II werden Personen eingruppier, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobiliä mindesens dreimal äglich Hilfe brauchen. Personen der Pflegesufe III bedürfen rund um die Uhr der Hilfe. Vgl. Saisisches Bundesam ( ) und AOK (1998). Vgl. Saisisches Bundesam ( ). 30. März

8 Akuelle Themen 442 Saionär versorge Pflegebedürfige Aneil Pflegebedürfiger der sozialen Pflegeversicherung in % I II III Pflegesufe Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei Finanzenwicklung der sozialen Pflegeversicherung in Mrd. EUR Ein Ausnahmen gaben Saldo ,4 5,0 3, ,0 10,9 1, ,9 15,1 0, ,0 15,9 0, ,3 16,4 0, ,5 16,7-0, ,8 16,9-0, ,0 17,4-0, ,9 17,6-0, ,9 17,7-0, ,5 17,9-0, ,5 18,0 0, ,0 18,3-0,3 Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung Aneil an Gesamausgaben in % Ambulane Saio- Sons- Pflege näre ige Geld- Sach- Pflege leisungen Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei wobei auch hier die Mehrzahl (85%) weiblich war. Auch die Bedeuung der Pflegeheime an der Versorgung der Pflegebedürfigen ha weier zugenommen. Gegenüber 2005 ha sich die Zahl der Pflegeheime um 5 ½% erhöh und die Zahl der Beschäfigen ha um oder 5% zugenommen. Der Pflegeheimmark is derzei in Deuschland noch zersplier. So besizen die 20 größen Bereiber insgesam weder 10% der Häuser noch 10% der Beenkapaziäen. Pflegesufe I dominier Knapp 60% der ambulan versorgen Pflegebedürfigen waren Ende 2007 in Pflegesufe I eingruppier. Gegenüber 1999 sieg der Aneil um 7%-Punke. Dagegen ging der Aneil der Pflegebedürfigen in Pflegesufe III in diesem Zeiraum um rund 1 ½%-Punke auf gu 9% zurück. Bei den saionär versorgen Pflegebedürfigen der sozialen Pflegeversicherung beräg der Aneil der Personen mi Pflegesufe III fas 20% und is dami gu doppel so hoch wie in der ambulanen Versorgung, was jedoch angesichs der Tasache, dass schwere und Schwersfälle eine Heimversorgung erfordern, wenig überrasch. Allerdings is auch hier der Aneil wie bei den ambulan versorgen Pflegebedürfigen sei 1999 um 1 ½%-Punke gesunken. Uner der Annahme, dass die Einsufung jeweils uner den gleichen Krierien vorgenommen wurde, würde dies bedeuen, dass die Schwere der Pflegefälle abgenommen ha. Allerdings könne dies auch Ausdruck der zunehmenden Las seigender Defizie sein. Soziale Pflegeversicherung schon lange defiziär Die soziale Pflegeversicherung erwirschafe nach anfänglichen Überschüssen sei 2000 zumeis Defizie schloss der Haushal mi einem Defizi von EUR 320 Mio. Während die Einnahmen 2007 um 2,5% auf EUR 18 Mrd. schrumpfen, nahmen die Ausgaben um 1,7% auf EUR 18,3 Mrd. zu. Fas die Hälfe der Ausgaben enfallen auf Leisungen für die saionäre Pflege, knapp ein Vierel sind Pflegegeldleisungen, und rund ein Siebel sind Ausgaben für die Inanspruchnahme ambulaner Pflegediense. Pflegereform verbesser Finanzlage In 2008 dürfe sich die Siuaion aufgrund der Reform der Pflegeversicherung enspann haben. So verzeichnee die soziale Pflegeversicherung in den ersen drei Quaralen 2008 Einnahmen in Höhe von EUR 14,2 Mrd. Zum Einnahmenzuwachs um 7,4% gegenüber dem ensprechenden Vergleichszeiraum 2007 ha die Erhöhung des Beiragssazes von 1,7% auf 1,95% (für Kinderlose von 1,95% auf 2,2%) zum 1. Juli 2008 beigeragen. Die Ausgaben der gesezlichen Pflegeversicherung siegen deulich langsamer, um 3,8% auf EUR 14,3 Mrd. Euro. Das Finanzierungsdefizi reduziere sich dadurch auf rund EUR 100 Mio. Pflegemark überschreie 2007 EUR 27 ½ Mrd. In Deuschland wurden 2007 schäzungsweise mehr als EUR 27 ½ Mrd. für Pflegeleisungen ausgegeben. 6 Davon enfielen EUR 17,7 Mrd. auf die soziale Pflegeversicherung, knapp EUR 1 Mrd. auf die privaen Pflegekassen und der Res auf Zuzahlungen und Selbsbeeiligungen der Pflegebedürfigen. So mussen wohl von den saionär Versorgen allein insgesam ewa EUR 5 Mrd. für Unerkunf und Verpflegung aufgewende werden. 6 Vgl. Schnabel (2007). Schnabel schäze die gesamen Pflegeausgaben 2005 auf EUR 26,7 Mrd. Ense, Pimperz (2008) kommen auf ein Volumen von EUR 29 Mrd März 2009

9 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen 4. Zahl der Pflegebedürfigen demografisch gerieben Bevölkerungsenwicklung Variane W1, Aneile in % Alersklassen in Jahren Quelle: Desais Der wohl wichigse Besimmungsfakor für die Ausgaben der Pflegeversicherung is die Zahl der Pflegebedürfigen. Wie viele Pflegebedürfige es in Zukunf geben wird, is zum einen von der demografischen Enwicklung, insbesondere der Alerssrukur, und zum anderen von der Enwicklung der Pflegewahrscheinlichkei oder Prävalenz abhängig. Nach der mileren Bevölkerungsvariane 7 (Unergrenze) der 11. koordinieren Bevölkerungsvorausberechnung des Saisischen Bundesames wird die Zahl der in Deuschland lebenden Menschen bis 2050 zwar von derzei gu 82 Mio. auf knapp 69 Mio. zurückgehen. Im Gegensaz dazu wird die Zahl der Pflegebedürfigen jedoch kräfig seigen. Dafür sorg die Alerung der Bevölkerung. So werden die sark besezen Geburenjahrgänge der Baby-Boomer in den kommenden Dekaden in jene Alersgruppen vorrücken, die eine besonders hohe Prävalenzrae, d.h. ein hohes Risiko haben, pflegebedürfig zu werden. Modellgleichungen Zahl der Pflegebedürfigen Enwicklung der über 85-jährigen Variane W1, Alersklasse in Mio Jahre PB i = PBQ ALTi (1) i k (2) PBINS = i= 1 PB : i PBQ i : ALT i : PBINS : PB i Zahl der Pflegebedürfigen zur Zei in der Alersgruppe i Pflegebedürfigkeisquoe in der Alersgruppe i Zahl der Personen zur Zei in der Alersgruppe i Zahl der Pflegebedürfigen zur Zei insgesam k: 9 Alersgruppen: bis 14, 15-59, 60-64, 65-69, 70-74, 75-79, 80-84, 85-89, 90 und äler Quelle: Desais Pflegebedürfige in Mio.* Privae PV Soziale PV * bei konsanen alersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeien Quellen: Desais und Blinker, Gräf 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 0 Merkliche Verschiebung in der Alerssrukur in den kommenden Dekaden So wird die Zahl der über 85-Jährigen, d.h. die Alersgruppe mi den höchsen Pflegewahrscheinlichkeien, bis 2050 um über 4 Mio. auf gu 5 ½ Mio. seigen und der Aneil dieser Gruppe an der Gesambevölkerung von derzei knapp 2% auf rund 8 ¼% anwachsen. Allein die Gruppe der über 90-Jährigen mi einer Prävalenzrae von fas 62% wird bis 2050 um 1,7 Mio. auf dann 2 ¼ Mio. zunehmen. Ihr Aneil an der Gesambevölkerung wird von 0,6% auf 3 ¼% seigen. Bei konsanen Prävalenzraen Ansieg der Pflegefälle bis 2050 auf knapp 4 ½ Mio. Bei unveränderen Prävalenzraen (Szenario Saus Quo ) wird der demografische Wandel dazu führen, dass sich die Zahl der Pflegebedürfigen von 2 ¼ Mio. Ende 2007 bis 2020 auf rund 3 Mio. seig 7 Variane 1 W1 der 11. koordinieren Bevölkerungsvorausberechnung des Saisischen Bundesames. Diese basier auf den Annahmen, dass die Geburenhäufigkei bis 2050 bei annähernd 1,4 Kinder je Frau lieg, die Lebenserwarung bei der Gebur bis 2050 bei Männern um 7,6 und bei Frauen um 6,5 Jahre seig und die Neozuwanderung bis 2050 jährlich beräg. Vgl. Saisisches Bundesam (2006). 30. März

10 Akuelle Themen 442 Pflegebedürfige nach Alersklassen Mio. Konsane alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Alersklasse in Jahren < Quellen: Desais und Blinker, Gräf Alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Pflegebedürfige in % der jeweiligen Alersgruppe - Frauen - nur soziale Pflegeversicherung 0 < Aler in Jahren * Konsane Pflegewahrscheinlichkeien ** Sinkende Pflegewahrscheinlichkeien in 2050, Variane "Gesünder Leben II" Quellen: Desais und Blinker, Gräf Alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Pflegebedürfige in % der jeweiligen Alersgruppe - Männer - nur soziale Pflegeversicherung * ** 10 0 < Aler in Jahren * Konsane Pflegewahrscheinlichkeien ** Sinkende Pflegewahrscheinlichkeien in 2050, Variane "Gesünder Leben II" Quellen: Desais und Blinker, Gräf * ** 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 und sich bis 2050 auf dann knapp 4 ½ Mio. nahezu verdoppel. 8 Die soziale Pflegeversicherung häe daran gu 3 ¾ Mio. Pflegefälle zu schulern, aber auch die Zahl der Pflegebedürfigen, die einer privaen Pflegeversicherung angehören, würde uner diesen Bedingungen bis 2050 von derzei knapp auf ewa seigen. 9 Die nebensehende Grafik veranschaulich eindrucksvoll die Auswirkungen der Alerung der Bevölkerung auf die Anzahl der zu erwarenden Pflegefälle. So wird der Ansieg der Pflegebedürfigen bis 2050 nahezu vollsändig von der Gruppe der Personen im Aler von über 85 Jahren geragen. Zwar is sicher, dass durch die Alerung der Bevölkerung der Aneil der pflegebedürfigen Personen an der Gesambevölkerung seigen wird. Allerdings muss die Zahl der Pflegebedürfigen nich in gleichem Ausmaß wie die Zunahme des Aneils älerer Menschen zunehmen. Dies häng vor allem davon ab, ob die durch die seigende Lebenserwarung gewonnenen Lebensjahre in Gesundhei oder in Pflege verbrach werden, d.h. wie sich die Prävalenzraen enwickeln. Szenarien Gesünder Leben Sudien lassen vermuen, dass äler nich gleich kränker bedeue, sondern die seigende Lebenserwarung mi einer besseren Gesundhei verbunden is. Ein Zugewinn an Lebenserwarung ginge in diesem Fall mi einer niedrigeren alersspezifischen Pflegewahrscheinlichkei einher. 10 Ensprechend haben wir bei der Berechnung der Anzahl der Pflegebedürfigen zusäzlich zu der Variane mi konsanen Prävalenzraen zwei alernaive Szenarien für die Pflegewahrscheinlichkeien enwickel, die wir Gesünder Leben I und Gesünder Leben II genann haben. Bei diesen haben wir unersell, dass die alersspezifische Pflegewahrscheinlichkei ensprechend der seigenden Lebenserwarung abnimm. Gesünder Leben I beinhale die Basisannahme des Saisischen Bundesames hinsichlich der ferneren Lebenserwarung im Rahmen der 11. Bevölkerungsvorausberechnung. Danach seig die Reslebenszei für 60-jährige Männer und 60-jährige Frauen bis 2050 um jeweils rund 5 Jahre auf 25,3 bzw. 29,1 Jahre. Nach der hohen Variane des Saisischen Bundesames seig die Reslebenserwarung särker und zwar auf 27,2 Jahre (Männer) bzw. 30,9 Jahre (Frauen). Diese Annahme lieg unserem Szenarium Gesünder Leben II zugrunde. In unserem Gesünder Leben I Szenarium sink die Pflegewahrscheinlichkei bis 2050 beispielsweise für über 90-jährige Frauen von derzei gu 60% auf rund 50% und in Gesünder Leben II auf knapp 46%. Für über 90-jährige Männer würden sich die Pflegeprävalenzraen von derzei 31% auf 25% ( Gesünder Leben I ) bzw. 23% ( Gesünder Leben II ) verringern. 8 Zu ähnlichen Ergebnissen komm auch eine Projekion des Saisischen Bundesames (2008) und das DIW; vgl. Schulz, Leidl, König (2001) und Schulz (2008). 9 Vgl. hierzu Niehaus (2006). 10 Vgl. Hackmann/Moog (2008) und Ziegler/Doblhammer (2005) März 2009

11 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Pflegebedürfige Mio. Saus Quo: Konsane Pflegewahrscheinlichkeien Sinkende Pflegewahrscheinlichkeien * Gesünder Leben I ** Gesünder Leben II * ** 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 Gesünder Leben : Ansieg der Pflegefälle gedämpfer Der Rückgang der Pflegeprävalenzraen kann zwar den Ansieg der Pflegefälle bis 2050 spürbar dämpfen. Dies reich jedoch bei weiem nich aus, ihn vollsändig zu vermeiden. Zu hoffen, dass die Effeke einer wohl zu erwarenden gesünderen Bevölkerung die Auswirkungen der Alerung vollsändig kompensieren schein folglich illusorisch. Unsere Berechnungen zeigen, dass die Zahl der Pflegebedürfigen in unserem Szenarium Gesünder Leben I bis 2050 auf 3 ½ Mio. seig und im Fall einer noch särker seigenden Lebenserwarung sogar nur gu 3 ¼ Mio. erreich. Somi sind selbs uner diesen Bedingungen bis 1 ¼ Mio. mehr Pflegebedürfige als heue zu erwaren, was eine Zunahme um gu 50% bedeuen würde. Quellen: Desais und Blinker, Gräf 30. März

12 Akuelle Themen Pflegearrangemens im demografischen und sozialen Wandel Bevölkerungsenwicklung Alersklassen in ' Alersklassen in Jahren Quelle: Saisisches Bundesam Es gib wohl niemanden, der ernshaf Zweifel an den Projekionen der Bevölkerungswissenschafler äußer: Deuschland aler wie alle Indusrienaionen der Wel - und dies in dreierlei Hinsich: absolu, relaiv und durch die Zunahme der Hochbeagen. Deuschland wird aber auch immer pflegebedürfiger und es sind derzei keine überzeugenden Lösungen für diese zenrale gesellschafliche Herausforderung erkennbar. Demografischer Wandel beeinfluss sowohl die Zahl der künfigen Pflegebedürfigen als auch die Zahl der Versorgenden Der Bevölkerungsumfang wird sich deulich verringern und der Alersaufbau wird sich verändern. Der Aneil älerer Menschen wird seigen, die Aneile der jüngeren Menschen Kinder und Jugendliche und der Aneil der Menschen im Erwerbsaler werden sinken. Diese Veränderungen werden mi Sicherhei auch die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen angieren. Sie werden die ihnen verfügbaren, gewählen oder auferlegen Pflegearrangemens beeinflussen. Von demografischen Fakoren häng es ab, wie viele pflegebedürfige Menschen zu versorgen sind, aber von den gleichen Fakoren häng es auch ab, wie viele Versorgende zur Verfügung sehen und wer diese sein werden. Versorgungssiuaion aber noch von weieren Fakoren abhängig Aber es is nich allein der demografische Wandel, der die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen beeinfluss. Von großer Bedeuung sind insiuionelle Regelungen, die ihren Niederschlag u.a. im Begriff der Pflegebedürfigkei und in der Sozialgesezgebung finden, aber auch in ariflichen Vereinbarungen und arbeismarkpoliischen Besimmungen veranker sein können z.b. in Regelungen, die eine bessere Vereinbarkei von Erwerbsäigkei und Pflegen ermöglichen. Dazu gehören auch Berufs- und Ausbildungsordnungen, die von großer Bedeuung für die Qualiä der professionell geleiseen Pflege und für das gesellschafliche Ansehen pflegender Berufe sind. Wichig sind aber auch Infrasrukuren, die sich zur Versorgung nuzen lassen u.a. Pflegeheime, eilsaionäre Angeboe, Pflegediense und Beraungssellen. Von überaus großer, aber schwer einzuschäzender Bedeuung is schließlich der kulurelle und soziale Konex von Pflegebedürfigkei: der Sellenwer, den Pflegebedürfigkei in ihren unerschiedlichen Ausprägungen in der Kulur besiz 11, die Ar und Weise, ob und wie Solidariä prakizier wird, sowie Wereorienierungen und Lebensenwürfe, die mehr oder weniger günsig für die Übernahme von Versorgungsverpflichungen sein können. 12 Zu diesen Fakoren gehören aber auch srukurelle Bedingungen, wie die Bedeuung von Erwerbsarbei für den Lebensenwurf, mi der Arbeiswel verbundene Flexibiliäserfordernisse, soziale und geographische Mobiliä 13 und dami verbundene Wahrscheinlichkeien für Versorgungsleisungen aus dem primären sozialen Umfeld. 11 Zur kulurellen Bedeuung von Pflegebedürfigkei im Zusammenhang mi Zivilisierungs- und Modernisierungsprozessen vgl. Norber Elias (2002). 12 Vgl. Blinker/Klie (2000; 2004). 13 Vgl. Senne (1998) März 2009

13 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen wird also von einem ganzen Bündel von Fakoren beeinfluss, die in komplexen Beziehungen zueinander sehen. Einfache Modelle können zwar dieser Komplexiä kaum gerech werden. Dennoch sind sie nowendig, um die grundlegenden Verhälnisse und Prozesse abzubilden. Ein Modell zur Abschäzung der Pflegearrangemens Das im Folgenden dargeselle Modell zur Besimmung der künfigen Aufeilung der Pflegearrangemens is die Weierenwicklung eines Vorschlags, der kurz nach Einführung der Pflegeversicherung enwickel wurde. 14 In der Zwischenzei ha sich die Pflegeversicherung eablier und es is deulicher erkennbar, wie sich durch diese gesezliche Innovaion die Versorgung pflegebedürfiger Menschen srukurier ha. Das im Folgenden vorgeselle Modell kann deshalb särker an die empirischen Verhälnisse angebunden werden. Unerscheidung der Pflegearrangemens Die Pflegearrangemens lassen sich grundsäzlich wie folg beschreiben: nach dem Or der Versorgung ob saionäre Versorgung oder Versorgung in einem häuslich-privaen Lebenszusammenhang, aber naürlich auch fließende Übergänge zwischen diesen Exremen und nach dem Grad der Professionaliä bzw. Beruflichkei der häuslichen Versorgung. An Arrangemens der häuslichen Versorgung können verschiedene Akeure und Sekoren beeilig sein: neben Angehörigen und informellen Helfern aus dem weieren sozialen Umfeld (Nachbarn, Freunde, Ehrenamliche) professionelle Fachkräfe und Diense, aber auch andere beruflich äige und kommerziell orieniere Anbieer. 15 Das hier dargeselle Modell soll erklären, warum besimme Pflegearrangemens mi einer besimmen Häufigkei vorkommen. Mi diesem Modell können aber auch unerschiedliche Enwicklungspfade beschrieben werden nich im Sinne von Prognosen, sondern es soll gezeig werden, wie die Enwicklung verlaufen könne, wenn besimme Voraussezungen vorliegen. Die zu erklärenden Sachverhale sind die Zahl und der Aneil der saionär und häuslich versorgen Pflegebedürfigen, sowie die Zahl und der Aneil der häuslich Versorgen, die professionell erbrache Leisungen in Anspruch nehmen bzw. das nich un. Informelles Pflegepoenzial umfass vor allem Ehegaen, Lebensparner und Kinder Die Versorgungschancen in makrosrukureller Perspekive hängen von kulurellen, sozialen und insiuionellen Vorgaben und Verhälnissen ab. Für unser Modell finden vor allem solche Merkmale und Veränderungen Beachung, die das informelle Pflegepoenzial besimmen. Als informelles Pflegepoenzial sollen die im sozialen Unersüzungsnezwerk vorhandenen nichberuflichen Helfer in 14 Vgl. Blinker/Klie (2001). Auf der Grundlage dieses 2001 vorgeschlagenen Modells wurde von Häcker und Raffelhüschen eine Modellberechnung zur Finanzierbarkei der Pflegeversicherung durchgeführ. Vgl. Häcker/Raffelhüschen (2006). 15 Die Brauchbarkei dieser Eineilung konne in verschiedenen Sudien nachgewiesen werden u.a. war es möglich, für die häusliche Versorgung Pflegearrangemens durch die Zeibeiräge von vier Sekoren bzw. der sie definierenden Akeure zu besimmen und durch die Geldzuwendungen, die an diese Sekoren bzw. Akeure fließen vgl. Blinker/Klie (2006) und Blinker (2007). 30. März

14 Akuelle Themen 442 erser Linie Ehegaen bzw. Lebensparner und Kinder versanden werden. Im weieren Sinne können auch Freunde, Bekanne oder Nachbarn dazugehören. Ihr Beirag zur Sicherung der Versorgung mag im Einzelfall wichig sein, spiel insgesam aber uner quaniaiven Gesichspunken mi weniger als 10 % derzei nur eine geringe Rolle. 16 Für dieses Pflegepoenzial läss sich eine gesamgesellschafliche Größe definieren, die darüber Auskunf gib, in welchem Umfang Ressourcen verfügbar sind, die eine häusliche Versorgung ohne professionelle Hilfe ermöglichen. Dieses gesellschafliche informelle Pflegepoenzial is vor allem von den folgenden Fakoren abhängig: von der Zahl der äleren Menschen, die nich allein, sondern mi einem Parner zusammenleben; das is gewissermaßen das Pflegepoenzial der Gaen bzw. Parner. von der Zahl der Menschen, die sich in einem Aler befinden, das es ihnen ermöglich, älere und pflegebedürfige Angehörige zu unersüzen; hier handel es sich im Wesenlichen um das Pflegepoenzial der Kindergeneraion, für das jedoch zu berücksichigen is, in welchem Umfang Zei und Ressourcen durch Erwerbsäigkei gebunden sind. von der Bereischaf, Versorgungsverpflichungen im Sinne einer Nahraumsolidariä zu übernehmen; eine Bereischaf, die sozial vereil, kulurell gepräg und dami auch Veränderungen unerworfen is. 17 Informelles Pflegepoenzial keine Konsane Alle diese auf das informelle Pflegepoenzial einwirkenden Fakoren sind veränderlich. Sie verändern sich durch den demografischen Wandel, aber auch im Verlauf des sozio-kulurellen Wandels. Die Modellkomponenen Das hier vorgeselle Modell soll zeigen, wie sich diese Veränderungen auf die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen auswirken können. Es beseh aus vier Komponenen, für die sich Anfangswere und Parameer je nach Szenario vorgeben lassen: Bevölkerungsenwicklung Enwicklung der Pflegebedürfigkei Enwicklung des informellen Pflegepoenzials Enwicklung der Pflegearrangemens Die ersen beiden Komponenen, die Bevölkerungsenwicklung und die Enwicklung der Pflegebedürfigkei sowie die daraus abgeleiee Enwicklung der Zahl der Pflegebedürfigen bilden den Pflegebedarf ab und wurden schon in Kapiel 3 ausführlich dargesell. Zenraler Parameer für die Pflegearrangemens: informelles Pflegepoenzial Der im Modell berücksichige zenrale Parameer für die Einschäzung der Enwicklung von Pflegearrangemens is das informelle Pflegepoenzial. Dieses informelle Pflegepoenzial beseh aus den von Angehörigen und nahesehenden Personen bereigesellen 16 In einer von Blinker/Klie (2006a) durchgeführen Sudie ergib sich, dass Freunde, Bekanne und Nachbarn nur mi einem Aneil von 8% an der gesamen Versorgungszei beeilig sind. 17 Zum Begriff der Nahraumsolidariä und ihrer sozialen Vereilung vgl. Blinker/Klie (2004) März 2009

15 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Hilfsnezwerken pflegebedürfiger Menschen. Im Wesenlichen beruh es auf den Pflegebereischafen von Ehegaen/Parnern und Kindern. Dieses Pflegepoenzial is variabel und abhängig von verschiedenen demografischen und sozio-kulurellen Veränderungen: Das durch Gaen/Parner bereigeselle Pflegepoenzial für älere Pflegebedürfige häng vor allem davon ab, in welchem Umfang diese Pflegebedürfigen allein oder mi anderen zusammenleben. Außerdem sind alersspezifische Hilfewahrscheinlichkeien zu berücksichigen. Der Aneil und die Zahl von zusammenlebenden äleren Menschen werden sich im Verlauf des demografischen und sozialen Wandels verändern. Je nach Szenario wird ein konsaner oder seigender Aneil allein lebender älerer Menschen vorausgesez. 18 Ein durch die Kindergeneraion bereigeselles Pflegepoenzial für älere pflegebedürfige Personen is am ehesen in den Alersgruppen der 30- bis 69-Jährigen zu erwaren. Dieses durch Kinder gesichere informelle Pflegepoenzial häng dann davon ab, wie sich die Bevölkerungszahlen in diesen Alersgruppen verändern. In welchem Umfang dieses Poenzial mobilisierbar is, häng von der Erwerbsbeeiligung in diesen Alersgruppen ab. Je nach Szenario werden konsane oder seigende Erwerbsquoen vorausgesez. Modellgleichungen Pflegepoenzial der Parner/Gaen (3) POTPART = ALT PZUS PHILFE 0, 5 i i k = i (4) POTPARTGES POTPARTi POTPART : i ALT : i PZUS : i PHILFE : i i Pflegepoenzial der Parner/Gaen zur Zei für die Alersgruppe i Zahl der Personen zur Zei in der Alersgruppe i Wahrscheinlichkei dafür, dass zur Zei Personen in der Alersgruppe i mi anderen zusammenleben Wahrscheinlichkei zur Zei, dass Personen der Alersgruppe i anderen helfen 0,5 : nur ein Parner aus einer Beziehung wird berücksichig POTPARTGES : gesames Pflegepoenzial der Parner/Gaen zur Zei k: 4 Alersgruppen: 60-69, 70-79, 80-89, 90 u.ä. i 18 Diese Annahme wird allerdings konrovers diskuier. So wird u.a. argumenier, dass aufgrund des geringer werdenden Absands zwischen der ferneren Lebenserwarung von Männern und Frauen der Aneil von zusammen lebenden Äleren seig. 30. März

16 Akuelle Themen 442 Modellgleichungen Pflegepoenzial der Kindergeneraion (5) POTKIND = MALT (1 MEQ ) + WALT (1 WEQ ) i i k = i (6) POTKINDGES POTKINDi POTKIND : i MALT : i WALT : i MEQ : i WEQ : i Pflegepoenzial der Kindergeneraion zur Zei in der Alersgruppe i Zahl der Männer zur Zei in der Alersgruppe i Zahl der Frauen zur Zei in der Alersgruppe i männliche Erwerbsquoe zur Zei für die Alersgruppe i weibliche Erwerbsquoe zur Zei für die Alersgruppe i i POTKINDGES : gesames Pflegepoenzial der Kindergeneraion k: 8 Alersgruppen: 30-34, 35-39, 40-44, 45-49, 50-54, 55-59, 60-64, i i Das insgesam gesellschaflich verfügbare informelle Pflegepoenzial ergib sich aus der Addiion des Pflegepoenzials der Gaen/Parner und des Pflegepoenzials der Kindergeneraion. Die Größe informelles Pflegepoenzial gib also Auskunf darüber, wie viele Personen in der Lage sind, in einer nich beruflich oder kommerziell besimmen Weise Versorgungsleisungen gegenüber Pflegebedürfigen zu erbringen. Das sind in erser Linie Nicherwerbsäige in den Alersgruppen 30 bis 69 die poeniell pflegenden Kinder und die Parner/Gaen von äleren Menschen. Informelles Pflegepoenzial: 2006 rund 20 Mio. Menschen 2006 berug das so berechnee informelle Pflegepoenzial rund 20 Mio. Menschen. Es seze sich aus 6 ½ Mio. möglichen Personen zusammen, die Parner eines poenziell Pflegebedürfigen sind. Dazu kamen 13 ½ Mio. mögliche, nicherwerbsfähige Kinder, die eine häusliche Pflege übernehmen können. Modellgleichung gesames informelles Pflegepoenzial (7) POTGES = POTPARTGES + POTKINDGES POTGES : gesames informelles Pflegepoenzial zur Zei Häusliche versus saionäre Versorgung Die viere Komponene unseres Modells besimm die Aufeilung der Pflegefälle in häusliche und saionäre Versorgung uner Beachung des informellen Pflegepoenzials. Eine genauere Berachung der Enwicklungen von 1997 bis 2005 zeig, dass ein deulicher Zusammenhang zwischen Versorgungsarrangemens und Pflegepoenzial beseh: Die Zahl der häuslich Versorgen seh in einem ziemlich konsanen Verhälnis zur Größe des informellen Pflegepoenzials. Diese Ausschöpfungsquoe des Pflegepoenzials für die häusliche Versorgung (AQH) bring zum Ausdruck, dass ein besimmer und zwar ziemlich konsaner Teil der gesellschaflichen Ressource Pflegepoenzial für die häusliche Versorgung ausgeschöpf wird. Für diese Ausschöpfungsquoe des Pflegepoenzials März 2009

17 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen durch die häusliche Versorgung läss sich ein Schäzwer in der folgenden Weise berechnen: (a) AQH = PBHÄUSLICH / POTGES AQH : Ausschöpfungsquoe des Pflegepoenzials für die häusliche Versorgung zur Zei PBHÄUSLICH : Zahl der häuslich versorgen Pflegebedürfigen zur Zei POTGES : informelles Pflegepoenzial zur Zei Ausschöpfungsquoe häusliche Versorgung (AQH) Anzahl häuslich versorger Personen je Person des informellen Pflegepoenzials 0, Quelle: Blinker, Gräf 0,09 0,08 0,07 0,06 0,05 Ausschöpfungsquoe relaiv konsan Dieser für die häusliche Versorgung eingeseze Teil des informellen Pflegepoenzials AQH is relaiv konsan und schwank im Zeiraum zwischen 1997 und 2005 nur wenig um den Wer von 0,074. Der AQH-Wer von 0,074 bedeue, dass auf 1000 Personen des informellen Pflegepoenzials 74 häuslich versorge Pflegebedürfige enfallen. Die Ausschöpfungsquoe AQH läss sich als ein durch soziale, kulurelle und ökonomische Verhälnisse erklärbarer Parameer versehen, der die in der Gesellschaf vorhandene Bereischaf zur Übernahme von Verpflichungen im Rahmen einer häuslichen Versorgung pflegebedürfiger Menschen zum Ausdruck bring. Dieser Parameer is vermulich über einen längeren Zeiraum konsan, kann sich im Verlaufe des sozialen, kulurellen und ökonomischen Wandels aber durchaus ändern. Es is anzunehmen, dass die Größe AQH u.a. durch die folgenden Fakoren beeinfluss wird: So können z.b. dominierende Wereorienierungen von Bedeuung sein. In einer eher individualisischen Kulur wird der Parameer einen niedrigeren Wer haben als in einer Kulur, in der Solidariäsverpflichungen eine große Rolle spielen. Ebenso is zu erwaren, dass uner sozio-kulurellen Bedingungen, die ein hohes Maß an Flexibiliä und Mobiliäsbereischaf vorschreiben, der AQH-Wer eher niedrig sein wird. 19 Der Parameer bring auch Möglichkeien und Grenzen für eine häusliche Versorgung zum Ausdruck. Uner gesellschaflichen Bedingungen, in denen Erwerbsäigkei von großer Bedeuung für alle Lebenspläne is, wird AQH sehr sark davon abhängen, wie gu Pflegen und Erwerbsäigkei mieinander vereinbar sind. Die folgenden Gleichungen beschreiben den Zusammenhang zwischen Pflegepoenzial, Zahl der Pflegebedürfigen und der Nachfrage nach den Arrangemens saionäre und häusliche Versorgung: 19 In verschiedenen Unersuchungen konne fesgesell werden, dass sich soziale Milieus im Hinblick auf die Bereischaf zur häuslichen Versorgung im Sinne einer prakizieren Nahraumsolidariä sehr deulich voneinander unerscheiden. Diese Bereischaf war in den Milieus am größen, die in den lezen Jahren in quaniaiver Hinsich an Bedeuung verloren haben. Vgl. Blinker/Klie (2000, 2004). 30. März

18 Akuelle Themen 442 Modellgleichungen für die Pflegearrangemens häusliche und saionäre Versorgung (8) PBHÄUSLICH = AQH POTGES (9) PBHEIM = PBINS PBHÄUSLICH (10) HQ = PBHEIM / PBINS PBHÄUSLICH : häuslich versorge Pflegebedürfige zur Zei AQH : Ausschöpfungsquoe des informellen Pflegepoenzials für die häusliche Versorgung (=0,074) POTGES : PBHEIM : PBINS : HQ : informelles Pflegepoenzial zur Zei saionär versorge Pflegebedürfige zur Zei Anzahl der Pflegebedürfigen zur Zei Heimquoe, Aneil der saionär Versorgen zur Zei Versorgungsquoen % Aneil der häuslich Versorgen, die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen Aneil der saionär versorgen Pflegebedürfigen Quellen: Desais und Blinker, Gräf Häusliche Versorgung: ohne professionelle Hilfe versus Inanspruchnahme ambulaner Pflegediense Bei den Pflegearrangemens muss weier unerschieden werden zwischen der häuslichen Pflege ohne professionelle Hilfe und der häuslichen Pflege uner Inanspruchnahme ambulaner Pflegediense. In den Jahren 1999 bis 2005 ha der Aneil der häuslich versorgen Pflegebedürfigen, die ambulane Diense in Anspruch nehmen, nahezu die gleiche Größe wie der Aneil der saionär Versorgen und variier auch in der gleichen Weise mi dem informellen Pflegepoenzial. Es is deshalb sinnvoll, die Ausschöpfungsquoe AQH als Parameer zu berachen, der sowohl hiner der Bereischaf zur häuslichen Versorgung seh wie auch hiner der Bereischaf, eine häusliche Versorgung ohne professionelle Unersüzung durchzuführen. Im Modell wird vorausgesez, dass die Inanspruchnahmequoe, d.h. der Aneil der häuslich Versorgen, die Hilfe durch ambulane Pflegediense in Anspruch nehmen, gleich der Heimquoe is und mi dieser variier. Modellgleichungen für die Pflegarrangemens häusliche Versorgung mi und ohne professionelle Unersüzung (11) IAQ = HQ (12) PBFORMELL = IAQ PBHÄUSLICH (13) PBINFORMELL = PBHÄUSLICH PBFORMELL IAQ : HQ : PBINFORMEL L PBFORMELL : PBHÄUSLICH : Inanspruchnahme-Quoe; Aneil der häuslich Versorgen, die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zur Zei Heimquoe zur Zei : häuslich Versorge zur Zei, die keine beruflichen Hilfen in Anspruch nehmen häuslich Versorge zur Zei, die berufliche Hilfen in Anspruch nehmen häuslich Versorge zur Zei insgesam Modell bilde Enwicklung in der Vergangenhei gu ab Ein Vergleich der Modell-Lösung (uner der Verwendung der im Anhang 1 aufgeführen Parameer und Variablen) mi der asächlichen Enwicklung zeig, dass unser Modell die Realiä im Zeiraum März 2009

19 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen bis 2005 gu abbilde. So sieg in diesem Zeiraum die asächliche Heimquoe von 28% auf 32%. Die Modellwere lassen eine ähnliche Enwicklung erkennen: einen Ansieg von 28% auf 34%. Vergleich Modell-Lösung mi asächlicher Enwicklung Saionär und häuslich Versorge Heimquoe, Modell 0,28 0,29 0,29 0,30 0,34 Tasächliche Heimquoe 0,28 0,28 0,30 0,31 0,32 Quoe der häuslich Versorgen, Modell 0,72 0,71 0,71 0,70 0,66 Quoe der häuslich Versorgen, as. Were 0,72 0,72 0,70 0,69 0,68 Inanspruchn.-Quoe, Modell 0,29 0,30 0,31 0,34 Inanspruchn.-Quoe, as. Were 0,29 0,30 0,31 0,33 Quellen: Desais und Blinker, Gräf Inanspruchnahme berufl. Hilfen Der Aneil der häuslich Versorgen, die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen (Inanspruchnahme-Quoe) erhöhe sich in der Zei von 1999 bis 2005 von 29% auf 33%. Die Modellwere unerscheiden sich von diesen empirischen Weren nur geringfügig. Das Modell zeig einen Ansieg von 29% auf 34% an. 30. März

20 Akuelle Themen Szenarien der Pflegearrangemens: Heimsog wohl unvermeidbar Informelles Pflegepoenzial - Ehegaen/Lebensparner Mio., Szenario 1: "Nur demografischer Wandel" 9, Quellen: Desais und Blinker, Gräf 8,5 8,0 7,5 7,0 6,5 6,0 Informelles Pflegepoenzial - Kinder Mio., Szenario 1: "Nur demografischer Wandel" 16, Quellen: Desais und Blinker, Gräf 14,0 12,0 10,0 8,0 Mi unserem Modell sind wir in der Lage, durch Vorgabe von Parameerweren und Weren für die Variablen, die Aufeilung der Pflegearrangemens in häusliche Pflege ohne professionelle Hilfe, häusliche Pflege mi Inanspruchnahme von ambulanen Pflegediensen und saionäre Versorgung für verschiedene Szenarien bis 2050 zu berechnen. Für unsere Analyse haben wir insgesam vier Szenarien enworfen. In Szenario 1 Nur demografischer Wandel wird für die Besimmung der Anzahl der für die häusliche Pflege in Frage kommenden Pflegerinnen und Pfleger nur der zu erwarende demografische Wandel bis 2050 berücksichig. Alle anderen Parameer bleiben unveränder. Szenario 2 Alles bleib wie es is zeig die Enwicklung der Pflegeversorgung, wenn die zu erwarende Veränderung des informellen Pflegepoenzials nich berücksichig wird. Dazu wird angenommen, dass über den ganzen Berachungszeiraum die Heimquoe und auch die Inanspruchnahme-Quoe unveränder bleib. Dies is ein zugegebnermaßen sehr unwahrscheinliches Szenario. Es zeig aber eindrucksvoll den demografischen Druck, der auf der sozialen Pflegeversicherung lase. In Szenario 3 Demografischer und sozialer Wandel wird unersell, dass der gesellschafliche Wandel zu einer höheren Erwerbsbeeiliung führ und dass der Aneil der äleren Menschen, die zusammen leben, abnimm. In Szenario 4 Pro Pflege haben wir eine mögliche künfige Enwicklung beschrieben, in der Pflege einen höheren Sellenwer in unserer Gesellschaf besiz. Darin spiegeln sich vor allem insiuionelle Änderungen, so dass Pflege und Beruf besser vereinbar werden. Szenario 1: Nur demografischer Wandel In diesem Szenario wird nur die Veränderung der Bevölkerungszahlen in den Alersgruppen berücksichig. Für die Versorgungssiuaion Pflegebedürfiger wichige sozialsrukurelle Verhälnisse werden dagegen als konsan angenommen. Das beriff vor allem die Erwerbsquoen von Männern und Frauen und die Wahrscheinlichkei, dass Menschen in den Alersgruppen 60 Jahre und äler mi anderen zusammenleben. Die Parameer für dieses Szenario werden so gewähl wie für die Rekonsrukion der Enwicklung von 1997 bis Uner diesen Bedingungen würde sich die Zahl der Pflegebedürfigen wie folg verändern: Bis zum Jahr 2050 is mi einem Ansieg der Zahl der Pflegebedürfigen von 2,25 Mio. im Jahr 2007 auf knapp 4 ½ Mio. zu rechnen. Bemerkenswer an der zu erwarenden Enwicklung is nich nur der Ansieg der Zahl der Pflegebedürfigen, sondern auch die verändere Alerssrukur. Während derzei der Aneil der Pflegebedürfigen in der Alersgruppe der 90-Jährigen und äleren nur 14% beräg (rund ) wird dieser Aneil 2050 bei fas 30% (rund 1,3 Mio.) liegen. Der Versorgungsbedarf wird sich also nich nur in quaniaiver Hinsich ändern, sondern es is auch mi erheblichen qualiaiven Veränderungen zu rechnen. Das is zu erwaren, wenn man davon ausgeh, dass in den höheren Alersgruppen ganz spezifische Versorgungsbedarfe auf März 2009

21 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Informelles Pflegepoenzial Mio., Szenario 1: "Nur demografischer Wandel" 25,0 Pflegebedürfige Mio. Szenario 1: Nur demografischer Wandel Versorgungsform Quellen: Blinker, Gräf informell häuslich ambulane Diense saionär 20,0 15,0 10,0 5,0 0, Informelles Pflegepoenzial durch: Kinder Ehegaen/Lebensparner Quellen: Desais und Blinker, Gräf 5,0 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 Pflegebedürfige & informelles Pflegepoenzial 2006 = 100, Szenario 1:"Nur demografischer Wandel" 250 Pflegebedürfige 200 Informelles Pflegepoenzial Quellen: Desais und Blinker, Gräf reen, die sich u.a. wegen des höheren Aneils von Demenzerkranken ergeben. 20 Das gesellschaflich verfügbare Pflegepoenzial würde sich uner den Bedingungen von Szenario 1 wie folg enwickeln: Von 2006 bis ungefähr 2012 komm es zu keinen größeren Veränderungen. Bis ungefähr 2030 is sogar mi einem särkeren Ansieg zu rechnen. Ab 2030 verringer sich das Pflegepoenzial. Der Ansieg bis 2030 ergib sich vor allem deshalb, weil die Zahl der äleren Menschen zunimm, die gegenüber einem evenuell pflegebedürfigen Parner Versorgungsverpflichungen übernehmen können. Ab 2030 machen sich dann die sinkende Bevölkerungszahl und das seigende Aler der pflegenden Parner bemerkbar, was dann mi einer spürbaren Verringerung des informellen Pflegepoenzials verbunden is. Welche Konsequenzen diese Veränderungen für die Versorgungssiuaion von Pflegebedürfigen haben können, wird deulich, wenn wir die Index-Enwicklungen berachen: Wie verändern sich Pflegebedürfigkei und Pflegepoenzial relaiv zu einem Bezugsjahr? Schere zwischen Pflegebedürfigen und -poenzial öffne sich Selbs uner der Annahme, dass sich nur die demografischen Verhälnisse ändern, wird deulich, dass sich die Schere immer weier öffne: Bedarf und Chancen klaffen immer mehr auseinander. Die Zahl der Pflegebedürfigen nimm rapide zu. Das Pflegepoenzial seig zunächs noch bis ewa 2030, aber in einem sehr viel geringeren Maße als die Zahl der Pflegebedürfigen und ab 2030 verringer sich das Pflegepoenzial sogar. Uner den Bedingungen von Szenario 1 is mi der folgenden Enwicklung für die hier berücksichigen Pflegearrangemens zu rechnen: Die Nachfrage nach einer saionären Versorgung könne von rund bis 2050 auf ungefähr 3 Mio. seigen, d.h. um den Fakor 4 zunehmen. Der Aneil der in Heimen versorgen Pflegebedürfigen würde von ewas über 30% auf fas 70% seigen. Die Zahl der häuslich Versorgen, die professionelle Hilfen in Anspruch nehmen, könne von ungefähr auf knapp 1 Mio. anseigen. Die Zahl der häuslich nur von Angehörigen oder anderen Bekannen, Freunden oder Nachbarn Versorgen würde sich von rund 1 Mio. auf weniger als verringern. Bei diesen Enwicklungen sind soziale Veränderungen, die vermulich einen erheblichen Einfluss auf die Wahl von Pflegearrangemens haben, noch nich berücksichig insbesondere der durchaus erwarbare Ansieg vor allem der Erwerbsquoen von Frauen, aber auch der seigende Aneil von äleren Menschen, die allein leben. Szenario 2: Es bleib alles wie es is In unserem Modell ha das informelle Pflegepoenzial erhebliche Bedeuung für die Enwicklung von Versorgungschancen pflegebedürfiger Menschen. Vom gesellschaflich verfügbaren Pflegepoenzial häng es ab, in welchem Umfang eine saionäre Versorgung nachgefrag wird und wie sich die Inanspruchnahme professioneller Hilfen enwickel. 20 Leg man die in der Berliner Alensudie bericheen alersspezifischen Prävalenzraen zugrunde, wäre mi einem Ansieg der Zahl der Demenzerkranken von rund 1 Million (2006) auf rund 2,6 Millionen (2050) zu rechnen (vgl. Mayer, Bales; 1996). 30. März

22 Akuelle Themen 442 Pflegebedürfige Mio. Szenario 2: Alles bleib wie es is - konsane Heimquoe Versorgungsform Quellen: Blinker, Gräf informell häuslich ambulane Diense saionär 5,0 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 Ausschöpfungsquoe* Häuslich versorge Pflegebedürfige in % des informellen Pflegepoenzials Szenario 2: Alles bleib, wie es is * Nowendige Enwicklung, dami Heimquoe konsan bleib Quellen: Blinker, Gräf 0,17 0,15 0,13 0,11 0,09 0,07 0,05 Das Szenario 2 zeig nun, zu welcher Einschäzung man komm, wenn die zu erwarende Veränderung des informellen Pflegepoenzials nich berücksichig wird. Dazu wird angenommen, dass über den ganzen Berachungszeiraum die Heimquoe und auch die Inanspruchnahme-Quoe unveränder bleib. Vorausgesez werden die derzeiigen Were von 30% für die Heimquoe und ebenfalls 30% für den Aneil der häuslich Versorgen, die professionelle Hilfen in Anspruch nehmen. Uner diesen Bedingungen würde die Zahl der saionär Versorgen bis 2050 nur auf rund 1,4 Mio. seigen. Es wäre also mi einer Nachfrage nach Heimpläzen zu rechnen, die gegenüber Szenario 1 nur halb so groß is. Die Frage is nur, wie realisisch die Bedingungen des Szenarios 2 sind. Vieles sprich gegen eine solche Enwicklung, denn engegen der Formulierung nichs änder sich, änder sich doch einiges. Nichs änder sich bezieh sich auf die Konsanz der Quoen für die saionäre und häusliche Versorgung, die für den gesamen Berachungszeiraum auf 30% bzw. 70% fesgesez wurden. Pflegebereischaf müsse drasisch seigen Dami diese Quoen erreich werden können, müsse sich die gesellschafliche Pflegebereischaf gewalig verändern. Die Zahl der Pflegebedürfigen seig ja auch uner den Bedingungen von Szenario 2, und eine konsane Quoe von 70% häuslich Versorger würde erfordern, dass das Pflegepoenzial in erheblich höherem Maße ausgeschöpf werden müsse, als das bisher der Fall is und in den lezen Jahren der Fall war. Beobachbar war im Zeiraum von 1997 bis 2005 eine Ausschöpfungsquoe (AQH) von rund 0,074, d.h. 74 Pflegebedürfige wurden von 1000 Personen aus dem informellen Pflegepoenzial häuslich versorg. Um eine Quoe von 70% häuslich Versorger bei seigender Pflegebedürfigkei und sagnierendem und sogar sinkendem Pflegepoenzial aufrechzuerhalen, müsse sich die Ausschöpfungsquoe mehr als verdoppeln. Eine solche Enwicklung dürfe aber sehr unwahrscheinlich sein. Wenn wir berücksichigen, von welchen Fakoren es abhängig sein könne, in welchem Umfang das Pflegepoenzial für die häusliche Versorgung von Pflegebedürfigen ausgeschöpf wird, is kaum mi einer Seigerung zu rechnen. Wahrscheinlicher dürfe sogar eine Verringerung der Ausschöpfungsquoe sein. Allerdings könne die Ausschöpfung des Pflegepoenzials für die häusliche Versorgung seigen, wenn die relaiven Kosen einer saionären Versorgung d.h. die Kosen einer Heimunerbringung im Vergleich zu den Kosen einer häuslichen Versorgung seigen. wenn die Leisungen der Pflegeversicherung für die saionäre Versorgung gesenk und/oder für die häusliche Versorgung erhöh werden. wenn die Heimkosen deulich seigen und nich die gesame Kosenseigerung von der Pflegeversicherung übernommen wird. wenn der durchschniliche Lebenssandard der Bevölkerung insbesondere in den mileren Sozialschichen sink. Wirschafliche Krisen und seigende Arbeislosigkei können den Effek haben, dass die Präferenz für eine häusliche Versorgung an Bedeuung gewinn März 2009

23 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen wenn Srukuren geschaffen werden, die eine bessere Vereinbarkei von Berufsäigkei und Pflegen ermöglichen. wenn in der Pflegeversicherung Leisungen wie z.b. das persönliche Pflegebudge veranker werden, die eine individuellere Nachfrage nach Hilfen und Diensen ermöglichen. 21 Die Ausschöpfungsquoe bleib eher unveränder bzw. sink sogar wenn der derzei beobachbare Werewandel anhäl und persönliche Lebensenwürfe weierhin oder sogar noch särker durch Individualisierung und hedonisische Orienierungen gepräg sind. 22 wenn die Pflegenden mi hohen, vielleich sogar seigenden Opporuniäskosen rechnen: wenn bei der Enscheidung zur Übernahme von Pflegeverpflichungen in sarkem Maße die dami verbundenen engangenen Chancen in sozialer, kulureller und ökonomischer Hinsich berücksichig werden. Mi seigenden Opporuniäskosen is z.b. zu rechnen, wenn das Bildungs- und Qualifikaionsniveau der Bevölkerung seig und/oder wenn die Zahl der im Prinzip erreichbaren arakiven sozialen Posiionen zunimm und wenn Pflegeverpflichungen mi einem Verzich auf solche Chancen verbunden sind. wenn beruflich bedinge Flexibiliäs- und Mobiliäserfordernisse an Bedeuung gewinnen. Wenn es nich zu insiuionellen bzw. gesezlichen Innovaionen komm und der soziale, kulurelle und ökonomische Wandel sich in der bislang bekannen Weise forsez, is nich dami zu rechnen, dass die Ausschöpfung des Pflegepoenzials für eine häusliche Versorgung seigen wird. Im Gegeneil, wir müssen dann sogar davon ausgehen, dass die Pflegebereischaf und dami die Ausschöpfungsquoe sinken. Szenario 3: Demografischer und sozialer Wandel Während in Szenario 1 nur demografische Veränderungen berücksichig wurden, gehen in das Szenario 3 auch Annahmen über relaiv wahrscheinliche soziale Veränderungen ein: Es wird eine seigende Erwerbsbeeiligung angenommen und es wird vorausgesez, dass der Aneil der äleren Menschen, die mi einem Parner zusammenleben, abnehmen wird. Beide Enwicklungen wirken sich auf den Umfang des informellen Pflegepoenzials aus und ragen dazu bei, dass dieses geringer is als uner den Bedingungen von Szenario 1. Mi einer seigenden Erwerbsbeeiligung in allen Alersgruppen is vor allem für Frauen zu rechnen, deren Erwerbsquoen wahrschein- 21 Zur Diskussion der Möglichkeien und Grenzen eines persönlichen Pflegebudges vgl. Klie/Spermann (2004). 22 Diese Veränderungen in Richung Individualisierung (Beck, 1986), Finessorienierung (Bauman, 1997) oder Narzissmus (Lasch, 1986) führen sicher nich zu einem Ende der Solidariä wohl aber zu einem Wandel von Solidariä: zu einer Verringerung von Nahraumsolidariä, wie sie sich auch in der Versorgung pflegebedürfiger Angehöriger äußer und zu einer seigenden Bedeuung von Fernraumsolidariä, d.h. im zivilgesellschaflichen Engagemen für Belange des Gemeinwesens. Wir konnen zeigen, dass die Präferenz für Nahraumsolidariä in der Sozialsrukur ziemlich genau gegenläufig vereil is zur Präferenz für Fernraumsolidariä. Nahraumsolidariä is besonders in der radiionsbewussen Unerschich sark ausgepräg, Fernraumsolidariä dagegen nur sehr schwach. Fernraumsolidariä wird sehr viel särker im liberal-bürgerlichen Milieu prakizier, dafür aber nur in geringem Maße Nahraumsolidariä. Wir haben diese Vereilung dami erklär, dass die Handlungssrukuren von Fernraumsolidariä besser mi den Präferenzen moderner Subjeke vereinbar sind. vgl. Blinker/Klie (2004). 30. März

24 Akuelle Themen 442 lich denen der Männer immer ähnlicher werden. Bei Männern dürfen vor allem die Erwerbsquoen in den höheren Alersgruppen seigen. Gründe dafür sind die Erhöhung des Ruhesandsalers auf 67 Jahre und die Abschaffung von Vorruhesandsregelungen. Für Szenario 3 wird angenommen, dass die Erwerbsquoen bis 2020 allmählich seigen und auf dem dann erreichen hohen Niveau bleiben. 23 Annahmen über die Enwicklung der Erwerbsquoen Erwerbsquoen der Männer ,95 0,95 0,95 0,95 0, ,97 0,97 0,97 0,97 0, ,96 0,96 0,96 0,96 0, ,95 0,95 0,95 0,95 0, ,92 0,93 0,95 0,95 0, ,82 0,84 0,89 0,90 0, ,39 0,45 0,59 0,60 0, ,04 0,11 0,28 0,30 0,30 Erwerbsquoen der Frauen ,78 0,81 0,89 0,90 0, ,80 0,83 0,89 0,90 0, ,83 0,86 0,94 0,95 0, ,83 0,86 0,94 0,95 0, ,77 0,80 0,89 0,90 0, ,63 0,68 0,79 0,80 0, ,20 0,28 0,48 0,50 0, ,02 0,07 0,19 0,20 0,20 Quellen: Blinker, Gräf Im Hinblick auf den Aneil der äleren Menschen, die mi anderen zusammen leben, gehen in das Szenario 3 die folgenden Annahmen ein: 24 Zu erwaren is, dass der Aneil der äleren Menschen, die mi einem Parner/einer Parnerin zusammenleben, u.a. aufgrund einer seigenden Zahl von Geschiedenen und gerenn Lebenden abnehmen wird. Annahmen über den Aneil der mi anderen Zusammenlebenden in den Alersgruppen 60+ Bis ,80 0,79 0,75 0,72 0, ,65 0,64 0,60 0,57 0, ,45 0,44 0,40 0,37 0, ,30 0,29 0,25 0,22 0,15 Quellen: Blinker, Gräf Im Unerschied zu Szenario 1 würde das informelle Pflegepoenzial sehr rasch sinken, zwischen 2025 und 2030 leich seigen und dann bis 2050 wieder deulich sinken. Die bereis in Szenario 1 erkennbare Scherenenwicklung wäre in Szenario 3 noch sehr viel särker ausgepräg: Während die Zahl der Pflegebedürfigen erheblich 23 Die Annahmen über die Enwicklung der Erwerbsquoen für Frauen decken sich weigehend mi den Annahmen des IAB (2005). 24 Vgl. Roloff (2001) März 2009

25 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Pflegebedürfige Mio. Szenario 3: Demografischer und sozialer Wandel Versorgungsform Quellen: Blinker, Gräf Saionär versorge Pflegebedürfige Mio. Szenario 3: Demografischer und sozialer Wandel informell häuslich ambulane Diense saionär Quellen: Blinker, Gräf Szenario 1: Nur demografischer Wandel 5,0 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 wächs, würde sich das Pflegepoenzial bis 2050 auf ein Niveau von nur noch rund 60 % des Weres von 2006 reduzieren. Für die Enwicklung der Vereilung von Pflegearrangemens wäre das mi erheblichen Konsequenzen verbunden: Die Zahl der saionär versorgen Pflegebedürfigen würde bis 2050 auf rund 3 ½ Mio. seigen (Szenario 1: ewa 3 Mio.). Die Zahl der zuhause ohne berufliche Hilfe gepflegen Pflegebedürfigen würde deulich abnehmen während die Zahl der häuslich Versorgen, die professionelle Hilfe in Anspruch nehmen annähernd konsan bleiben würde. Szenario 4: Pro Pflege Wie können sich insiuionelle Veränderungen auf die Versorgungssiuaion Pflegebedürfiger auswirken? Der demografische Wandel wird sich kaum beeinflussen lassen. In welche Richung der soziale Wandel geh, is schwer vorhersagbar. Daher haben wir ein vieres Szenario durchgespiel, bei dem die Pflege einen höheren Sellenwer in unserer Gesellschaf genieß. In diesem Szenarium komm es zu Reformen der Pflegeversicherung und auch in anderen Bereichen z.b. in der Berufswel erfolgen Änderungen, die sich auf die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen günsig auswirken. Insiuionelle Änderungen erleichern häusliche Pflege Vor allem die folgenden Veränderungen sind denkbar: Die Pflegeversicherung wird dahingehend reformier, dass bedarfsgerechere Formen der Versorgung möglich werden. Das wäre u.a. durch die gesezliche Verankerung eines persönlichen Pflegebudges mi inegrierem Case Managemen möglich. 25 Die Leisungen der Pflegeversicherung werden so veränder, dass die häusliche Versorgung durch pflegende Angehörige auch in finanzieller Hinsich arakiver wird. Es werden in versärkem Umfang Infrasrukuren geschaffen, die in särkerem Maße als bisher eine Vereinbarkei von Erwerbsäigkei und Pflegen ermöglichen. Parallel dazu werden von den Tarifparnern und gesüz durch die Gesezgebung Regelungen geschaffen, die für die Übernahme von Pflegeverpflichungen einen befriseen Aussieg aus der Erwerbsäigkei ermöglichen und auch finanziell ragbar machen. Diese Veränderungen lassen sich in dem Modell als eine Seigerung der Ausschöpfungsquoe des Pflegepoenzials für die häusliche Versorgung abbilden. Eine särkere Vereinbarkei von Beruf und Pflegen könne außerdem dadurch berücksichig werden, dass auch von den Erwerbsäigen ein besimmer Aneil dem informellen Pflegepoenzial zugerechne wird. Das Problem is jedoch, dass es keine wirklich begründbaren Vermuungen über die quaniaive Größenordnung dieser Veränderungen gib. Alle Versuche, auf dieser Basis ein Szenario zu spezifizieren, sind also in höchsem Maße 25 Zur Einführung eines persönlichen Pflegebudges vgl. Klie/Spermann (2004); Klie (2007). Das Modellprojek zur experimenellen Einführung eines persönlichen Pflegebudges mi inegrierem Case Managemen in sieben Regionen von Deuschland und die dazu durchgeführe Begleiforschung werden von den Spizenverbänden der Pflegekassen geförder. Die bislang vorliegenden Ergebnisse der Begleiforschung zeigen, dass diese Innovaion eine Sabilisierung der häuslichen Pflege durch Angehörige erreichen kann und zwar dadurch, dass die flexible Verwendung von finanziellen Ressourcen in erheblichem Umfang zu einer Enlasung pflegender Angehöriger beiräg. 30. März

26 Akuelle Themen 442 Pflegebedürfige Mio. Szenario 4: Pro Pflege Versorgungsform Quellen: Blinker, Gräf Saionär versorge Pflegebedürfige Mio. Szenario 3: Demografischer und sozialer Wandel Quellen: Blinker, Gräf informell häuslich ambulane Diense saionär Szenario 4: Pro Pflege 5,0 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 spekulaiv und können allenfalls als Hinweis auf die Richung möglicher Effeke versanden werden. Dazu werden die folgenden Annahmen formulier: Die angenommenen Veränderungen sezen allmählich ein und sind bis 2020 abgeschlossen. Alle diese Veränderungen führen zu einer Seigerung der Bereischaf zur häuslichen Versorgung. Vorausgesez wird, dass die Ausschöpfung des informellen Pflegepoenzials bis 2020 allmählich um 20% zunimm. Außerdem wird vorausgesez, dass der Aneil der Erwerbsäigen, für die prinzipiell die Übernahme von Verpflichungen im Rahmen einer häuslichen Versorgung in Frage komm, ebenfalls allmählich bis 2020 um 20% zunimm. Naürlich lassen sich auch andere Were annehmen, die aber ebenso wenig begründbar sind wie die Seigerungsrae von 20% bis zum Jahr Eine Erhöhung der Ausschöpfungsquoe um 20% und eine Seigerung der Bereischaf von Erwerbsäigen, sich an der häuslichen Versorgung zu beeiligen, um ebenfalls 20% sellen zwar einerseis erhebliche Veränderungen dar, erscheinen andererseis aber nich als völlig unrealisisch. Uner den Bedingungen von Szenario 4 wäre das informelle Pflegepoenzial deulich höher als in dem Durchlauf für Szenario 3, auch die Zahl der saionär Versorgen wäre geringer. Allerdings würde sich auch dann, wenn Erwerbsäigkei und Pflegen besser mieinander vereinbar wären und wenn insiuionelle Veränderungen die Pflegebereischaf versärken würden, die Schere zwischen seigender Pflegebedürfigkei und der Enwicklung des Pflegepoenzials zunehmend öffnen. Die hier vorausgesezen Veränderungen würden zwar die Bereischaf und auch die Möglichkeien zur häuslichen Pflege deulich seigern, aber die angenommene Seigerung um 20 % würde gerade ausreichen, um mielfrisig bis ungefähr 2020 den zu erwarenden Heimsog zu bremsen. Ab diesem Zeiraum wäre auch roz der vorausgesezen Innovaionen mi einem weieren sarken Ansieg der Nachfrage nach saionären Versorgungsmöglichkeien zu rechnen, bis zu einer Zahl von fas 3 Mio. Pflegebedürfigen, die 2050 in Heimen gepfleg werden. Dies wären allerdings rund ½ Mio. weniger als im Szenario 3 Demografischer und sozialer Wandel. Saionäre Versorgung wohl künfig der Normalfall Die Simulaion von Szenario 4 mach deulich, dass kleinere und sysemimmanene Veränderungen zwar zu einer Aempause verhelfen können, andererseis aber vermulich nich allzu viel bewirken werden. Auch die hier vorausgesezen Veränderungen erfordern schon einen erheblichen Einsaz von Mieln außer Geld auch geisige Ressourcen wie die Einsich in die prekäre Lage bei allen relevanen Akeuren, vor allem aber auch poliischen Gesalungswillen. Ob mi grundlegenden Reformen gerechne werden kann, is höchs zweifelhaf. Wir alle werden uns wohl mi dem Gedanken verrau machen müssen, dass künfig irgendeine Form von saionärer Versorgung der Normalfall sein wird. Das erforder neue Formen der Finanzierung, neue Infrasrukuren, neue Ausbildungsgänge und eine Seigerung der Arakiviä pflegender Berufe März 2009

27 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen 7. Verschiebungen bei sozialen Milieus erhöhen Heimsog Für eine Zunahme des Aneils der saionären Pflege möglicherweise sogar über die in den Szenarien gefundenen Ergebnisse hinaus sprechen auch die Veränderungen in der Pflegebereischaf, die mi den Verschiebungen in den sozialen Milieus einhergehen. Schwer abschäzbar in ihren Folgen für die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen sind soziale Veränderungen, für die sich nich so eindeuige Annahmen formulieren lassen wie für die Veränderung von Erwerbsquoen und für die Veränderung des Aneils allein lebender älerer Menschen. Pflegebereischaf von Milieusrukur abhängig Dazu gehör insbesondere der Wandel der Milieusrukur. In der Soziologie verseh man uner sozialen Milieus gesellschafliche Großgruppen, die sich einerseis in einem verikalen Sinne nach dem sozialen Saus unerscheiden lassen und andererseis nach ihrem Lebensenwurf oder Lebenssil. In verschiedenen empirischen Sudien konnen wir fessellen, dass Pflegebereischafen in hohem Maße milieuspezifisch vereil sind. Dazu wurde die folgende Milieuklassifikaion berücksichig: Pflegeerfahrung Beeiligung an der Pflege in sozialen Milieus in % Soziale Milieus: Konfiguraion aus Saus und Lebensenwurf sozialer Saus hoch miel liberal- bürgerliches Milieu konservaivbürgerliches Milieu konservaives Gesell- liberales Mielschich schafliche Mielschich- Milieu Mie Milieu radiions- neues niedrig bewusses Unerschich- Unerschich-Milieu Milieu vormodern eils/eils modern Lebensenwurf Liberal-bürgerlich Konservaiv-bürgerlich Liberale Mielschich Gesellschafliche Mie nich beeilig nur organisier selber gepfleg Konservaive Mielschich Soziale Milieus Quelle: Blinker, Klie (2006) Tradiionsbewusse Unerschich Neue Unerschich 0 Die srukurellen Ressourcen des sozialen Saus wurden über den Schulabschluss, die Berufsposiion und das Einkommen berücksichig. Der Lebensenwurf wurde auf einem Koninuum von vormodern bis modern klassifizier. Grundlage dafür waren die in Befragungen ermielen Wereorienierungen und Vorsellungen über die Frauenrolle. Die Ergebnisse unserer Sudien zu den Pflegeerfahrungen sowie den Pflegeabsichen waren immer eindeuig gleichgülig, ob die Erhebungen in den alen oder neuen Bundesländern oder in kleinen Gemeinden oder Großsäden durchgeführ wurden. Die größen Erfahrungen mi der häuslichen Pflege sowie die höchse Bereischaf, einen nahen Angehörigen häuslich zu pflegen, waren in den Unerschich-Milieus zu finden, während die geringse Erfahrung und Bereischaf das liberal-bürgerliche Milieu dominiere. Höchse Neigung zur häuslichen Pflege im Unerschichmilieu Eine sehr hohe Bereischaf zur häuslichen Versorgung eines nahen Angehörigen ohne Einschalung von professionellen Hilfen konne immer im radiionsbewussen Unerschichmilieu (geringe sruku- 30. März

28 Akuelle Themen 442 Pflegekulurelle Orienierung Frage: Wie würde man einen pflegebedürfigen Angehörigen versorgen? Anworen in % Liberal-bürgerlich Konservaiv-bürgerlich Liberale Mielschich Gesellschafliche Mie 39 Konservaive Mielschich Soziale Milieus Saionäre Versorgung Eher saionäre Versorgung Häuslich Versorge nur mi prof. Hilfe Häuslich Versorge ohne prof. Hilfe Quelle: Blinker, Klie (2006) Tradiionsbewusse Unerschich Neue Unerschich relle Ressourcen plus vormoderner Lebensenwurf) beobache werden, und in diesem Milieu war man auch nur sehr selen an einer saionären Versorgung ineressier. Der srukurelle Gegenpol zu diesem Milieu is das liberal-bürgerliche Milieu mi sehr viel Ressourcen (Einkommen, Bildung, Presige) und einem deulich modernen Lebensenwurf. In diesem Milieu war in allen Unersuchungen die Bereischaf zur häuslichen Versorgung eines Angehörigen immer am geringsen und das Ineresse an einer saionären Versorgung immer am größen. 26 Für diese Unerschiede gib es Gründe: Von einiger Bedeuung is, dass moralische Erwägungen eine deulich geringere Rolle bei der Enscheidung spielen als Kosenerwägungen. Diese haben in den Milieus jedoch einen sehr unerschiedlichen Sellenwer. Im radiionsbewussen Unerschich-Milieu haben die mi einer Heimversorgung verbundenen ökonomischen Kosen ein relaiv großes Gewich. Hinzu komm, dass durch die Möglichkei des Bezugs von Pflegegeld die Haushalskasse aufgebesser werden kann. Auch die Aufsockung von Renenleisungen durch die Übernahme von Pflegeverpflichungen könne eine gewisse Rolle bei der Enscheidung gespiel haben. geringse Neigung zur häuslichen Pflege im liberalbürgerlichen Milieu Im liberal-bürgerlichen Milieu haben diese ökonomischen Gründe eine sehr viel geringere Bedeuung. Sehr viel wichiger sind dagegen die mi der Übernahme von Pflegeverpflichungen in Verbindung gebrachen Opporuniäskosen. Dami sind die engangenen beruflichen und sozialen Chancen gemein, mi denen zu rechnen is, wenn die häusliche Versorgung eines Angehörigen übernommen wird. Diese Opporuniäskosen seigen in dem Maße, in dem durch den hohen Schulabschluss und wegen der aussichsreichen beruflichen Posiion aus der Sich der befragen Personen auch auf relaiv viel verziche werden muss. Aneil des radiionsbewussen Unerschichmilieus gesunken Für den Zeiraum von Anfang der 80er Jahre bis ewa 2004 läss sich zeigen, dass der Aneil des sozialen Milieus mi der größen Pflegebereischaf das radiionsbewusse Unerschichmilieu am särksen abgenommen ha. Zugenommen haben dagegen die Aneile der Milieus mi modernem Lebensenwurf und eher geringer Pflegebereischaf, vor allem die Aneile des liberalen Mielschich- Milieus und des liberal-bürgerlichen Milieus. Es is schwer abzuschäzen, ob diese Enwicklung weier so verlaufen wird. Das häng u.a. davon ab, ob der soziokulurelle Wandel in Richung Individualisierung und posmaerialisischer Were sowie der srukurelle Wandel in Richung einer allgemeinen Seigerung des kulurellen Kapials weier anhalen wird. Für eine solche Enwicklung sprich zwar einiges, aber sie is nich mi Sicherhei prognosizierbar. Wenn diese Veränderung in der Zusammensezung der Milieu-Srukur in dieser Weise erfolgen wird, muss mi einer Zunahme des Trends zur saionären Versorgung gerechne werden, die noch deulicher is, als dies in den beschriebenen Szenarien angenommen wurde. 26 Vgl. Blinker, Klie (2004) und Blinker, Klie (2008) März 2009

29 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen 8. Beiragssaz der Pflegeversicherung: Es gib nur eine Richung nach oben Beragssaz zur sozialen Pflegeversicherung % Bruoarbeisengel Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei Erwerbsäige Miglieder der sozialen Pflegeversicherung Mio. Szenario: Nur demografischer Wandel Szenario: Demografischer und sozialer Wandel Quellen: Bundesminiserium für Gesundhei, Blinker, Gräf 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 36,0 34,0 32,0 30,0 28,0 26,0 24,0 22,0 20,0 Beiragszahler der sozialen Pflegeversicherung Erwerbsäige und beiragsleisende Renner, Mio. Szenario: Demografischer und sozialer Wandel Szenario: Nur demografischer Wandel Quellen: Bundesminiserium für Gesundhei, Blinker, Gräf 57,0 55,0 53,0 51,0 49,0 47,0 45,0 Für die gesezlich Versicheren beräg der Beiragssaz zur sozialen Pflegeversicherung 27 sei Juli ,95% vom Bruoarbeisengel oder der Rene. Zuvor lag er mehr als 10 Jahre lang unveränder bei 1,7%. Die Anhebung des Beiragssazes im vergangenen Jahr erfolge zum einen, um die sei 2000 erwirschafeen Defizie auszugleichen, zum anderen zur Finanzierung der Leisungsausweiungen durch die Dynamisierung der Pflegeleisungen 28 und zusäzlicher Angeboe, ewa für Demenzkranke. Kinderlose Versichere zahlen Aufschlag Der Beirag wird hälfig bis zu einer Beiragsbemessungsgrenze von derzei monalich EUR von Arbeigeber und Arbeinehmer geragen. Rennerinnen und Renner zahlen sei April 2004 den gesamen Berag zur Pflegeversicherung alleine, nachdem sie zuvor die Hälfe vom Träger der Renenversicherung erhalen haen. Zudem werden sei 2005 kinderlose Beiragszahler belase. So müssen kinderlose Miglieder 29 der sozialen Pflegeversicherung einen um 0,25 %-Punke höheren Beiragssaz leisen, wobei der Arbeigeberaneil unveränder bleib. Demografie bring Pflegeversicherung uner erheblichen Druck Wie die umlagefinanziere gesezliche Renenversicherung komm auch die soziale Pflegeversicherung uner demografischen Druck. Wahrscheinlich wird sie uner den sozialen Sicherungssysemen in den kommenden Dekaden durch den demografischen Wandel sogar am särksen belase, da hier vor allem die Alerung der Gesellschaf der Haupreiber is. So seig wie in Kapiel 3 dargesell die Zahl der Pflegefälle in den kommenden Jahren aufgrund der Alerung dramaisch. Gleichzeiig geh die Zahl der erwerbsäigen Beiragszahler aufgrund der nachrückenden geburenschwachen Jahrgänge in den kommenden Dekaden spürbar zurück. Selbs bei dem rech opimisischen Szenario Demografischer und sozialer Wandel, das einen merklichen Ansieg der Erwerbsquoen, insbesondere von Frauen, beinhale, sink die Zahl der erwerbsäigen Miglieder der sozialen Pflegeversicherung von derzei rund 34 Mio. bis 2050 auf ewas mehr als 25 Mio.. Zwar nehmen die beiragsleisenden Renner bis 2050 kräfig zu. Doch auch dies kann den Rückgang der Beiragszahler insgesam nur hinauszögern, aber nich vermeiden. Rund ein Vierel der gesamen Beiragseinnahmen der sozialen Pflegeversicherung sind Beiräge von Rennern. Gleichzeiig seig die Zahl der Pflegebedürfigen der sozialen Pflegeversicherung bei sark rückläufigen Pflegewahrscheinlichkeien von knapp 2 27 Die weieren Ausführungen beziehen sich nur auf die soziale Pflegeversicherung, der mehr als 70 Mio. Menschen angehören (rund 50 Mio. zahlende Miglieder), während auf die privae Pflegeversicherung ewas mehr als 9 Mio. enfallen. Vgl. Bundesminiserium für Gesundhei (2007). 28 Die Leisungsanpassungen wurden diskreionär für den 1. Juli 2008, 1. Januar 2010 und 1. Januar 2012 vorgegeben (siehe Tabelle S. 7). Ab dem Jahr 2014 soll im dreijährigen Turnus geprüf werden, ob eine Anpassung der Pflegesäze erforderlich is. 29 Diese Regelung gil für kinderlose Miglieder der sozialen Pflegeversicherung, die mindesens 23 Jahre al aber nich vor dem 1. Januar 1940 geboren sind. Eine Änderung der Beiragsberechung in der Pflegeversicherung wurde erforderlich, da das Bundesverfassungsgerich dem Gesezgeber den Aufrag ereile späesens ab eine Regelung zu reffen, die die Kindererziehungsleisung bei der Beiragsbemessung der sozialen Pflegeversicherung berücksichig. Sa einer Enlasung der Miglieder der sozialen Pflegeversicherung, die Kinder haben, wurden Miglieder ohne Kinder belase. 30. März

30 Akuelle Themen 442 Szenarien im Überblick Zahl der Pflegebedürfigen Basis: milere Bevölkerungsvariane Szenarien konsan: (1) "Saus Quo" rückläufig: (2) "Gesünder Leben I" (3) sark rückläufig: "Gesünder Leben II" Alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Pflegearrangemens Szenarien (1) "Nur demografischer Wandel" (2) "Demografischer und sozialer Wandel" (3) "Pro Pflege" Leisungsanpassungen Szenarien (1) (2) 1,5% p.a. "Neural" 3% p.a. "Kosendruck" Mio. auf ewa 3 Mio. in Somi kämen 2050 auf einen Pflegebedürfigen nur noch ewa 16 Beiragszahler, während derzei einem Pflegebedürfigen noch fas 26 Beiragszahler zur sozialen Pflegeversicherung gegenübersehen. Bei konsanen Pflegequoen würde sich dieses Verhälnis bis 2050 sogar auf uner 10:1 verschlechern. Beiragsansieg kaum zu vermeiden Schon allein dieses Beispiel zeig, dass Erhöhungen des Beiragssazes ohne größere Leisungskürzungen in den kommenden Dekaden nich zu vermeiden sind. Leisungskürzungen sind aber angesichs des Ziels, die Qualiä der Pflege aufrechzuerhalen, wohl kaum möglich und poliisch ensprechend wohl auch kaum durchsezbar. 18 Szenarien für die Beiragssazenwicklung Mi den bisher dargesellen 3 Szenarien für die Enwicklung der Anzahl der Pflegefälle, den 3 Szenarien für die Vereilung der Pflegearrangemens und den 2 Szenarien für die künfigen Leisungsanpassungen der sozialen Pflegeversicherung ergeben sich insgesam 18 Varianen oder Szenarien für die künfige Beiragssazenwicklung (siehe nebensehende Grafik). Die Finanzen der gesezlichen Pflegeversicherung: das Modell Die soziale Pflegeversicherung is umlagenfinanzier, d.h. für sie gil die Budgegleichung: die Einnahmen für den Zeiraum müssen im Prinzip den Ausgaben für den gleichen Zeiraum ensprechen. Budgegleichung der sozialen Pflegeversicherung Soziale Pflegeversicherung: Ausgangslage 2007 Finanzlage Mrd. EUR Einnahmen 18,02 Leisungsausgaben 17,45 Pflegegeld 4,03 Ambulane Versorgung 4,35 Saionäre Versorgung 9,07 Sonsige Ausgaben 0,89 Ausgaben insgesam 18,34 Budgesaldo -0,32 Beiragszahler Mio. Erwerbsäige 34,0 Renner 16,9 Insgesam 50,9 E = A (1) E : A : Einnahmen im Zeiraum Ausgaben im Zeiraum Die Einnahmenseie Die Einnahmen der sozialen Pflegeversicherung sezen sich zusammen aus den Beirägen der Erwerbsäigen und den Beirägen der Renner. 30 Die Unerscheidung dieser beiden Beiragszahlergruppen is sinnvoll, da sich sowohl die Einkommensniveaus, die Einkommensenwicklung wie auch die Enwicklung der Zahl der jeweiligen Beiragszahler künfig erheblich unerscheiden. Durchschniliches beiragspflichiges Einkommen EUR/Jahr Erwerbsäige Renner Insgesam Quellen: Bundesminiserium für Gesundhei, Blinker, Gräf 30 Die sonsigen Einnahmen der sozialen Renenversicherung sind vernachlässigbar. Sie berugen 2007 EUR 160 Mio. oder weniger als 1% der gesamen Einnahmen März 2009

31 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Modellgleichungen für die Einnahmen der sozialen Pflegeversicherung E = EERW + ERE (2) EERW : ERE : Einnahmen aus Beirägen der Erwerbsäigen Einnahmen aus Beiragen der Renner (3) EERW = ERW * BEIT * DEIN ERW : BEIT : DEIN : Zahl der Erwerbsäigen Beiragssaz Beiragspflichiges Einkommen ERE = RE * BEIT * DREN (4) RE : DREN : Zahl der Renner Durchschniliche Rene Saionär versorge Pflegebedürfige Aneil mi Pflegesufe III, % Quelle: Bundesminiserium für Gesundhei 35,0 30,0 25,0 20,0 15,0 10,0 5,0 0,0 Bei den Modellrechnungen wurden die Beiragszahler sowie die beiragspflichigen Einkommen der Erwerbsäigen aus Daen zur gesezlichen Krankenversicherung des Bundesminiseriums für Gesundhei ermiel und für die Zukunf ensprechend forgeschrieben. Dabei wurde die Enwicklung der Anzahl der Erwerbsäigen und Renner auf Basis der demografischen Enwicklung ensprechend der mileren Bevölkerungsvariane sowie uner Zugrundelegung der bei den Szenarien zu den Pflegearrangemens verwendeen Enwicklung der Erwerbsquoen geschäz. Für die künfige Enwicklung der beiragspflichigen Einkommen wurde ein Ansieg um nominal 2% p.a. unersell. 31 Die Ausgabenseie Bei den Ausgaben muss sowohl hinsichlich der Pflegearrangemens (saionäre Pflege, häusliche Pflege ohne professionelle Hilfe, häusliche Pflege mi Inanspruchnahme von ambulanen Pflegediensen) als auch hinsichlich der Schwere der Beeinrächigung (Pflegesufe I, II und III) unerschieden werden, da hierfür von der Pflegeversicherung unerschiedliche Pflegesäze bezahl werden. Zwar haben wir in unserer Berechnung künfig unerschiedliche Pflegearrangemens berücksichig, bei der Eineilung in die Pflegesufen I, II und III sind wir jedoch von konsanen Quoen ausgegangen, nich zulez, da der Aneil von Pflegefällen der Sufe III nach anfänglichen kräfigen Rückgängen zulez kaum mehr gesunken is. 31 Bei einem nominalen BIP-Ansieg um 3% p.a. erschein dies auf den ersen Blick relaiv wenig. Allerdings muss hierbei bedach werden, dass es sich dabei aufgrund der Beiragsbemessungsgrenze lediglich um den beiragspflichigen Teil der gesamen Einkommen handel. Zudem dürfe wohl künfig die Lohnspreizung weier zunehmen. 30. März

32 Akuelle Themen 442 Modellgleichung für die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung (5) A = APBHEIM + APBFORMELL + APBINFRORMELL + AS APBHEIM : APBFORMELL : APBINFRORMELL AS : : Ausgaben für saionäre Pflege Ausgaben für häuslich Versorge, die ambulane Diense in Anspruch nehmen Ausgaben für häuslich Versorge, die keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen Sonsige Ausgaben, z.b. Verwalung Modellgleichung für die Ausgaben für saionäre Pflege der sozialen Pflegeversicherung (6) APBHEIM = PBHEIM ( I) + PBHEIM ( II) + PBHEIM ( III) + APBHEIMZU * PFSHEIM ( I) * PFSHEIM ( II) * PFSHEIM ( III) PBHEIM ( I) : PSHEIM ( I) : PBHEIM ( II) : PSHEIM ( II) : PBHEIM ( III) : PSHEIM ( III) : APBHEIMZU : Zahl saionär Versorger der Pflegesufe I Pflegesaz für saionäre Pflege der Pflegesufe I Zahl saionär Versorger der Pflegesufe II Pflegesaz für saionäre Pflege der Pflegesufe II Zahl saionär Versorger der Pflegesufe III Pflegesaz für saionäre Pflege der Pflegesufe III Zuschlag für sonsige saionäre Pflegeleisungen Ensprechend gelen die folgenden Gleichungen für die häusliche Pflege ohne professionelle Hilfe (Inanspruchnahme von Pflegegeld) und die häusliche Pflege mi Hilfe von ambulanen Pflegediensen: März 2009

33 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Modellgleichung für die Ausgaben für informelle häusliche Pflege der sozialen Pflegeversicherung (Pflegegeld) (7) APBINFORMELL = PBINFORMELL( I) + PBINFORMELL( II) + PBINFORMELL( III) + APBINFORMELLZU * PFGELD( II) * PFGELD( I) * PFGELD( III) PBINFORMELL( I) : PFGELD( I) : PBINFORMELL( II) : PFGELD( II) : PBINFORMELL III) : ( PFGELD( III) : PBINFORMELLZU : Zahl häuslich Versorger ohne prof. Hilfe der Pflegesufe I Pflegegeld bei Pflegesufe I Zahl häuslich Versorger ohne prof. Hilfe der Pflegesufe II Pflegegeld bei Pflegesufe II Zahl häuslich Versorger ohne prof. Hilfe der Pflegesufe III Pflegegeld bei Pflegesufe III Zuschlag für sonsige Pflegeleisungen für häuslich Versorge ohne prof. Hilfe Modellgleichung für die Ausgaben für häusliche Pflege mi ambulanem Pflegediens der sozialen Pflegeversicherung (8) APBFORMELL = PBFORMELL( I) + PBFORMELL( II) + PBFORMELL( III) + APBFORMELLZU * PFSFORMELL ( I) * PFSFORMELL( II) * PFSFORMELL( III) Beiragssaz zur sozialen Pflegeversicherung % * Konsane Pflegewahrscheinlichkeien, demografischer u. sozialer Wandel, Leisungsanpassung 3% p.a. ** Sinkende Pflegewahrscheinlichkeien, Pro häusliche Pflege, Leisungsanapssung 1,5% p.a. Quellen: Blinker, Gräf Szenario* Szenario** PBFORMELL( I) : PFSFORMELL( I) : PBFORMELL( II) : PFSFORMELL( II) : PBFORMELL( III) : PFSFORMELL( III) : PBFORMELLZ U : Zahl häuslich mi Hilfe ambulaner Pflegediense Versorger der Pflegesufe I Pflegesaz für häuslich mi Hilfe ambulaner Pflegediense Versorge der Pflegesufe I Zahl häuslich mi Hilfe ambulaner Pflegediense Versorger der Pflegesufe II Pflegesaz für häuslich mi Hilfe ambulaner Pflegediense Versorge der Pflegesufe II Zahl häuslich mi Hilfe ambulaner Pflediense Versorger der Pflegesufe III Pflegesaz für häuslich mi Hilfe ambulaner Pflegediense Versorge der Pflegesufe III Zuschlag für sonsige Pflegeleisungen für mi ambulanen Diensen häuslich Versorge Beiragssaz: alle Szenarien zeigen gleichen Trend nach oben Alle Szenarien zeigen für den Beiragssaz zur sozialen Pflegeversicherung nur eine Richung: es geh nach oben. Dabei reichen die von uns für 2050 ermielen Beiragssäze von 3% in der günsigsen Variane (sark sinkende Pflegewahrscheinlichkeien, Pflegearrangemens ensprechend Pro Pflege und Leisungsanpassung um 1,5% p.a.) bis zu knapp 7% in einem für die Pflegeversicherung ungünsigsen Szenario mi konsanen Pflegewahrscheinlichkeien 30. März

34 Akuelle Themen 442 Informell häuslich durch Angehörige versorge Pflegebedürfige Mio ,4 1,2 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0,0 Szenarien: Pro Pflege Nur demografischer Wandel Demografischer und sozialer Wandel Quellen: Blinker, Gräf und Kosendruck (Leisungsanpassungen um jährlich 3%). 32 Als eine realisische Größenordnung erschein uns die Mie des gefundenen Bandes. Die von uns gefundenen Größenordnungen der Beiragssäze sind mi denen anderer Unersuchungen vergleichbar. 33 Demografie der särkse Treiber Die Simulaionsergebnisse zeigen, dass die demografische Enwicklung, insbesondere die Alerung der Gesellschaf, der wichigse Fakor für den Ansieg des Beiragssazes zur sozialen Pflegeversicherung is, gefolg von der Höhe der künfigen Leisungsanpassungen, die sich naürlich sofor und vollsändig in der Ausgabenenwicklung niederschlagen. Diese Enwicklung kann durch keinen anderen, die finanzielle Enwicklung der Pflegeversicherung besimmenden Fakor (wie beispielsweise Pflegewahrscheinlichkeien, sozialer Wandel) kompensier, sondern lediglich gedämpf werden. Zudem zeig sich, dass Enwicklungen, die zu einer Bevorzugung der (billigeren) häuslichen Pflege führen, wie beispielsweise in unserem Szenarium Pro Pflege unersell, zwar einerseis die Pflegeversicherung auf der Ausgabenseie enlasen, andererseis aber gleichzeiig auch zu niedrigeren Einnahmen führen, da mehr häusliche Pflege weniger Erwerbsäigkei bedeue. Dies zeig sich auch beim Vergleich der Ergebnisse der Szenarien Pro Pflege und Demografischer und sozialer Wandel 34. Hier weichen die berechneen Beiragssäze lediglich im Zeiraum des demografischen Übergangs zwischen 2020 und 2035 mi ewa ½%-Punk särker voneinander ab, während diese im Jahr 2050 mi 3,0% (Pro Pflege) bzw. 3,2% (Demografischer und sozialer Wandel) nur wenig auseinander liegen. So werden zwar im Szenarium Pro Pflege wesenlich mehr Pflegebedürfige zwischen 2020 und 2035 häuslich durch Angehörige versorg und erhalen dami das niedrigere Pflegegeld als im Szenarium Demografischer und sozialer Wandel. Diese Enlasung für die Pflegeversicherung is allerdings nur möglich, weil das informelle Pflegepoenzial in dieser Zei noch leich zunimm. Nach 2035 aber sink es merklich, so dass die Unerschiede zwischen den Szenarien abnehmen. Pflegemark wächs dynamisch Der Pflegemark wird unseren Berechnungen zufolge in Zukunf kräfig wachsen. So werden alleine die Leisungsausgaben der sozialen Pflegeversicherung ensprechend unseren beiden Exremszenarien (sark sinkende Pflegewahrscheinlichkeien, Pflegearrangemens ensprechend Pro Pflege und Leisungsanpassung um 1,5% p.a. im Vergleich zu konsanen Pflegewahrscheinlichkeien und Kosendruck, d.h. Leisungsanpassungen um jährlich 3%) 2050 zwischen EUR 60 Mrd. und EUR 135 Mrd. liegen, gegenüber EUR 17,5 Mrd. in Dies wären Zunahmen um 236 bzw. 680%, während das nominale Sozialproduk bis 2050 nur um gu 200% seigen dürfe. 32 Eine Übersich über die Ergebnisse der 18 Simulaionsrechnungen finde sich im Anhang. 33 Vgl. Schnabel (2007), Häcker, Raffelhüschen (2006), Oberender, Fleckensein (2004), Onad (2003). 34 Jeweils uner der Annahme, dass die künfigen Leisungsanpassungen der sozialen Pflegeversicherung inflaionskonform um jährlich 1,5% vorgenommen werden März 2009

35 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Pflegeausgaben der sozialen Pflegeversicherung Mrd. EUR 160 Günsiges Szenario * Ungünsiges Szenario ** * Sark sinkende Pflegewahrscheinlichkeien, Pro Pflege, Erhöhung der Leisungen um 1,5% p.a. ** Konsane Pflegewahrscheinlichkeien, demografischer & sozialer Wandel, Kosendruck 3% p.a. 0 Hinzu kämen noch der Eigenaneil der Pflegebedürfigen, insbesondere bei der saionären Versorgung, sowie die Ausgaben der privaen Pflegekassen. Einer Schäzung des Wissenschaflichen Insius der Privaen Krankenversicherung zufolge können die Pflegeausgaben der privaen Pflegekassen bis 2044 von knapp EUR 1 Mrd. auf nahezu EUR 4 Mrd. anseigen. 35 Quellen: Blinker, Gräf 35 Vgl. Niehaus (2006). 30. März

36 Akuelle Themen Fazi: Maßnahmenbündel nowendig Beiragssazerhöhungen Flexible Übergangsformen von häuslicher und saionärer Pflege Insiuionelle und gesellschafliche Veränderungen Beiragssazverdoppelung wahrscheinlich Die soziale Pflegeversicherung komm in den kommenden Dekaden uner erheblichen demografischen Druck. Und zwar aufgrund der Tasache, dass hier vor allem die Alerung der Gesellschaf, d.h. die Zunahme der Zahl der Hochbeagen, die eine hohe Wahrscheinlichkei haben, pflegebedürfig zu werden, den Druck besimm, wohl särker als alle anderen sozialen Sicherungssyseme. Die Beiragssäze werden sich uner realisischen Annahmen bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln, und dies in einer Zei, in der die Abgabenbelasung durch seigende Renen- und Krankenkassenbeiräge ohnehin zunimm. Grundsaz häusliche vor saionärer Pflege immer noch wünschenswer, aber nich mehr so verwirklichbar In der Gegenwar besiz ein Prinzip poliisch gesalende Bedeuung, das sich in der Zukunf vermulich nich mehr wird realisieren lassen der Grundsaz, dass häusliche Pflege den Vorrang ha vor der Heimpflege. Vieles deue darauf hin, dass diese beiden Formen der Versorgung die häuslich-ambulane Pflege und die saionäre Pflege als gleichrangig berache werden müssen und dass sich beide in einer grundlegenden Weise verändern müssen, vielleich in dem Sinne, dass es zunehmend flexible Übergangsformen geben wird. Weiere Ansazpunke Leisungskürzungen zur Abmilderung des Beiragssazansiegs sind kaum die richige Anwor. Schon heue is die Qualiä der Pflege mi Blick auf die 13 Jahre lang unveränder gehalenen Pflegesäze nur schwer aufrech zu erhalen. Eine Reform der Pflegeversicherung is daher schon kurze Zei nach der jüngsen Reform geboen. Doch was kann oder muss gean werden? Vorschläge zu einer srukurellen Reform der Pflegeversicherung gib es viele. Sie reichen von der Einführung einer privaen Pflege- Pflich-Versicherung bis hin zur Umsellung der Umlagefinanzierung auf ein Kapialdeckungsverfahren. Keiner der gemachen Vorschläge is der Königsweg. Wie auch bei der Renenversicherung kann wohl nur ein Bündel von Maßnahmen die demografischen Auswirkungen abmildern. Alle Vorschläge werfen Fragen zu der inra- und inergeneraiven Vereilung der Lasen auf. Diese sollen hier jedoch nich näher beleuche werden. 36 Wichiger erschein uns, darauf hinzuweisen, dass insiuionelle und gesellschafliche Veränderungen in den kommenden Dekaden helfen können, die Kosenseigerungen zu dämpfen und die Qualiä der Pflege aufrech zu erhalen. Wandel der Pflegeheime Für die saionäre Pflege könne eine Umgesalung in der Weise sinnvoll und nowendig sein, dass nich nur die Kapaziäen erhöh werden, sondern die Pflegeheime auch einen ganz anderen Charaker bekommen. Zu denken wäre an sehr kleine und dezenrale Heime, mi vielleich nich mehr als 20 Pläzen, die sogar bis zu einem gewissen Grad eine wohnornahe Versorgung von Pflegebedürfigen 36 Einen Überblick über die Reformvorschläge sowie eine kriische Würdigung finde man beispielsweise bei Widmaier (2005), Onad (2003), Oberender, Fleckensein (2004) März 2009

37 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Kleine dezenrale Pflegeheime Mix häuslicher und ambulaner Pflege Flexible Arbeiszeimodelle Beraung ermöglichen, bzw. eine Versorgung in der Nähe von Angehörigen. Pflegeheime dieses Typs häen dann auch mehr den Charaker von bereuen Wohngruppen, mi einer sarken Anbindung an lokale Lebenswelen und bürgerschaflich Engagiere. Dies könne durchaus zu niedrigeren Kosen führen. Zur Umgesalung gehör auch, dass angemessene Versorgungsformen gerade für Menschen mi Demenz enwickel werden, für die die bisherigen saionären Versorgungsformen sich nur als begrenz adäqua erwiesen haben. Allerdings is anzumerken, dass eine solche Versorgung mi kleinen Pflegeheimen angesichs der enormen Zunahme der Zahl der Pflegebedürfigen und der dami einhergehenden benöigen Heimpläze schwierig zu verwirklichen is, so dass der Kosensenkungseffek insgesam beschränk is. 37 Ein Trend zur realisischen Einschäzung der Versorgungsmöglichkeien und zur zunehmenden Bereischaf, auch die saionäre Versorgung in Erwägung zu ziehen, zeig sich auch darin, dass in Befragungen von 40- bis 60-Jährigen mehr als die Hälfe für den Fall einer eigenen Pflegebedürfigkei auch die Versorgung in einem gu geführen Pflegeheim akzepieren würden. 38 Pflege-Mix nowendig Im Hinblick auf die häusliche Versorgung Pflegebedürfiger wäre es wichig, wenn sie in sehr viel särkerem Maße durch beruflich geleisee Hilfen unersüz würde und viel mehr Möglichkeien angeboen und genuz würden, die auf einen kreaiven Pflege-Mix hinauslaufen. Dazu zähl nich nur eine Ausweiung der ambulanen Diense, sondern auch der Ausbau von Einrichungen der Kurzzei- und Tagespflege, die zwar gegenwärig nur relaiv selen in Anspruch genommen werden, für die aber ein seigender Bedarf zu erwaren is. Bessere Vereinbarkei von Pflege und Beruf nowendig Wenn häusliche Pflege auch in veränderer Form überhaup eine Chance haben soll, sind auch arbeismarkpoliische Regelungen und lokale Infrasrukuren erforderlich, die eine bessere Vereinbarkei von Erwerbsarbei und Pflege ermöglichen. Zu einem Maßnahmenbündel gehören sowohl Maßnahmen der Flexibilisierung der Arbeiszei und Arbeisorganisaion, aber auch analog zum Erziehungsjahr ein gesezlich gesicheres Pflegejahr, das eine problemlose Wiederaufnahme des Arbeisverhälnisses garanier. Eine verbessere Vereinbarkei von Erwerbsarbei und Pflegen sez aber auch Infrasrukurangeboe für die Pflegebedürfigen voraus, insbesondere im eilsaionären Bereich, die den Pflegenden eine spürbare Enlasung ermöglichen. Umfangreiche Beraungsangeboe erforderlich Angesichs der zunehmenden Unübersichlichkei im Pflegebereich sind auch Beraungsangeboe erforderlich, die über das hinausgehen, was derzei von den Pflegekassen und anderen Organisaionen angeboen wird und in Richung des Ausbaus einer Case- Managemen-Infrasrukur gehen sollen Vgl. Jus (2005). 38 Vgl. Blinker/Klie (2004). 39 Erfolgreich erprob wurde eine solche Srukur im Rahmen der experimenellen Einführung eines persönlichen Pflegebudges. Die mi der Pflegereform 2008 geschaffenen Pflegesüzpunke gehen in diese Richung. Informaionen hierzu sind zu finden uner -pflegeberaung.de 30. März

38 Akuelle Themen 442 Mehr Zuwanderung Pflegegeld zur freien Verfügung Bedarf an Pflegefachkräfen seig Wie auch immer die Versorgung von Pflegebedürfigen künfig gehandhab wird, eines is sicher: Der Bedarf an Pflegefachkräfen wird ganz erheblich seigen. Derzei sind rund Personen in Pflegeheimen und bei ambulanen Pflegediensen beschäfig. Bis 2050 dürfe sich die Zahl der Beschäfigen im Pflegebereich wohl auf fas 2 Millionen mehr als verdoppeln. 40 Ohne eine massive Bildungsoffensive im Feld der Pflege wird der zukünfige Bedarf an beruflich Pflegenden nich gedeck werden können. Eine solche Bildungsoffensive muss von einem europäisch abgesimmen, differenzieren Berufsbildungskonzep ausgehen und darf sich nich auf Pflegefachberufe im engeren Sinn beschränken, sondern muss einen breien Berufsgruppenansaz verfolgen und flexible Möglichkeien der Teilzeiarbei und der zeiweisen Miarbei im Pflegesekor eröffnen. Insgesam gil es, die Arakiviä des Arbeisfeldes zu erhöhen, und darzulegen, dass es sich hier um ein produkives Wachsumsfeld handel, in dem es um die Gesalung einer bedeusamen gesellschaflichen Aufgabe mi hoher Herausforderung geh. Dami dürfe die Diskussion um die Zuwanderung wieder an Bedeuung gewinnen. Mehr Zuwanderung als in unserem Szenario unersell ( Personen p.a.) wäre wünschenswer. Woher die (legale und illegale) Zuwanderung allerdings kommen soll, is angesichs der eilweise noch ungünsigeren demografischen Enwicklung in den oseuropäischen Ländern fraglich. Persönliches Pflegebudges zur Förderung der häuslichen Pflege Eine wichige insiuionelle Veränderung könne die Einführung eines persönlichen Pflegebudges mi inegrierem Case Managemen sein. Dabei handel es sich um eine Geldleisung in Höhe der Sachleisungen zum bedarfsgerechen Einkauf von Pflegediensleisungen, die zweckgebunden an frei wählbare Pflegediensleisungen legaler Anbieer ausgegeben werden können. Es erfolg eine Beraung durch Case Manager, die auch die Qualiä der Pflegediensleisungen überprüfen. Mi dem persönlichen Pflegebudge soll die Qualiä der häuslichen Versorgung geseiger, die Lebensqualiä der Pflegebedürfigen gesicher und die Pflegenden spürbar enlase werden. Auf diese Weise soll dem zu erwarenden Heimsog engegengewirk werden. Persönliches Pflegebudge noch im experimenellen Sadium Ein solches persönliches Pflegebudge, wurde für fünf Jahre experimenell in sieben Regionen von Deuschland eingeführ. 41 Durch eine aufwändige Begleiforschung wurde gezeig, dass auf diese Weise die Versorgungssiuaion von Pflegebedürfigen und die Lebenssiuaion der pflegenden Angehörigen erheblich verbesser werden konne 42 : 40 Dies wären dann 2050 gu doppel so viele Beschäfige im Pflegebereich wie in der heuigen Auomobilindusrie. 41 Träger des Projekes waren die Spizenverbände der Pflegekassen. 42 Die Begleiforschung wurde als inerdisziplinäres Projek von den folgenden Forschungsinsiuionen durchgeführ: Arbeisgemeinschaf Geronologie und Pflege an der evangelischen Fachhochschule für Sozialarbei in Freiburg (AGP), Freiburger Insiu für angewande Sozialwissenschaf (FIFAS), Insiu für Soziologie an der Universiä Freiburg (IfS), Zenrum für Europäische Wirschafsforschung Mannheim (ZEW). Die Beriche zur Begleiforschung können über das Inerne eingesehen werden: hps://www.gkv-spizenverband.de/upload/1anlage_pb- Gesamzusammenfassung_3271.pdf März 2009

39 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Durch das Pflegebudge is die Zahl der an der Versorgung beeiligen Helfer deulich gesiegen. Die Zusammensezung der am Pflegearrangemen beeiligen Helfer is differenzierer, vielfäliger und gemischer geworden. Das ha Auswirkungen auf die Tragfähigkei von Versorgungsarrangemens, die nun einem Pflege-Mix sehr viel näher kommen als das uner den Bedingungen der konvenionellen Leisungsaren im Durchschni möglich is. Privae Anbieer Bürgerschafliches Engagemen und drier Sekor Neue Anbieer auf dem Pflegemark Die Angehörigen werden mi dem persönlichen Pflegebudge erheblich enlase, da sie dami bezahle Leisungen von neuen Anbieern nachfragen können. Das sind Personen, aber auch Unernehmen, die sich einem spezifischen Sekor von Leisungserbringern ( formeller Sekor 2 ) zurechnen lassen. In diesem Sekor werden berufliche bzw. uner kommerziellen Gesichspunken erbrache Leisungen auch ohne pflegefachspezifische Ausbildung angeboen. Hierbei handel es sich um Leisungen, die von den Pflegebedürfigen und den pflegenden Angehörigen sehr geschäz werden, im Kaalog der Sachleisungen allerdings nich vorgesehen sind. Auf Sich der nächsen 2 bis 5 Jahre könne der Aneil der Pflegebedürfigen, die sich für das persönliche Pflegebudge enscheiden, bei 25% der häuslich Versorgen liegen. Mielfrisig 5 bis 10 Jahre wäre mi einer deulich höheren Quoe zu rechnen, die vielleich bei 40% bis 50% liegen könne. Diese höheren Quoen müssen jedoch nich bedeuen, dass auch die Zahl der Budgenehmer ensprechend zunimm, da die Zahl der insgesam häuslich Versorgen zugunsen der Zahl der saionär Versorgen abnehmen wird. Koseneffeke noch unklar Schwer abzuschäzen is deshalb, mi welchen Koseneffeken die Einführung eines persönlichen Pflegebudges verbunden sein könne. In Unersuchungen zeige sich, dass Pflegebedürfige mi einem für die häusliche Versorgung ungünsigen Umfeld särker am persönlichen Budge ineressier sind, als Pflegebedürfige mi einem günsigen Umfeld. 43 Nun is aber aufgrund des demografischen und sozialen Wandels dami zu rechnen, dass ungünsige Konsellaionen deulich zunehmen werden mi der Konsequenz, dass die Nachfrage nach professionellen Leisungen und dami nach Sachleisungen, vor allem aber auch die Nachfrage nach einer saionären Versorgung deulich seigen wird. Bereis bei mielfrisiger, ganz sicher aber bei langfrisiger Berachung wäre also dami zu rechnen, dass die Einführung eines persönlichen Pflegebudges zumindes kosenneural is und sich vielleich sogar kosensenkend auswirk, wenn der zu erwarende Heimsog auf diese Weise abgeschwäch werden kann. Versärkes bürgerschafliches Engagemen in der Pflege kann helfen Das gemeinwesenorieniere bürgerschafliche Engagemen kann als eine Ar drier Sekor neben Saa und Mark von Bedeuung für die Versorgung von Pflegebedürfigen werden. Sicher wird man nich dami rechnen können, dass alle Versorgungsleisungen, die bisher enweder von nahen Angehörigen oder von Pflegediensen erbrach wurden, künfig in einer verlässlichen Weise von engagieren Bürgern übernommen werden. Aber es wäre denkbar, dass gegenüber Pflegenden sozial unersüzende Akiviäen durch bürger- 43 Günsiges Umfeld : ländliche Region, sabiles Unersüzungsnezwerk, Hauppflegepersonen mi niedrigem Sozialsaus und vormodernem Lebensenwurf. 30. März

40 Akuelle Themen 442 schaflich Engagiere geleise werden, dass sich Kreise und Iniiaiven bilden, die sich für Qualiässicherung in der Pflege einsezen und für den Ausbau einer effizienen und menschenwürdigen lokalen Pflegeinfrasrukur. Um das zu erreichen, wäre es wichig, dass bereis jez in den Kommunen ein Diskussions- und Parizipaionsprozess über die Versorgungssiuaion von Pflegebedürfigen in Gang gebrach wird. Die Chancen hierfür sind wohl günsig, angesichs der Tasache, dass in Befragungen es nahezu jeder für wahrscheinlich häl, selber einmal pflegebedürfig zu werden und nur eine Minderhei davon ausgeh, dass die eigene Versorgung auch wirklich gesicher is. 44 Die Poliik dürfe erheblich uner Druck geraen, wenn immer deulicher wird, dass es höchs fragwürdig is, ob das Versprechen von Sicherhei sich für die Versorgung im Falle von Pflegebedürfigkei einhalen läss. Daher muss die Poliik dieses bürgerliche Engagemen durch fachliche (Pflege und Organisaion) sowie jurisische Beraung unersüzen. Sie solle ebenfalls viruelle Pflegeforen aufbauen, auf denen Anbieer und Nachfrage zusammenkommen. Nich zulez könne eine derarige Begleiung es auch ermöglichen, dass sich aus nachbarschaflicher Pflegeleisung wieder Einrischancen in den ersen Arbeismark ergeben können. 45 Prof. Dr. Baldo Blinker, Universiä Freiburg Dr. Bernhard Gräf, Deusche Bank Research 44 Vgl. Blinker/Klie (2004). 45 Vgl. Hofmann, Rollwagen, Schneider (2007) März 2009

41 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Anhang 1: Überprüfung der Modellqualiä Die Überprüfung der Modellqualiä quasi ein In-Sample-Tes für den Zeiraum von 1997 bis 2005 wurde mi den folgenden Parameern durchgeführ: PBQ i : Pflegebedürfigkeisquoen für Alersgruppen Die alersspezifischen Prävalenzraen für Pflegebedürfigkei sind über längere Zeiräume konsan. Für diesen Modelldurchlauf und auch für die Simulaion der Szenarien werden die Were für das Jahr 2003 berücksichig. 46 Parameer für die Modellrechnung Bis Alersspezifische Prävalenzraen für Pflegebedürfigkei (PBQi) Aneil der Pflege- 0,5 0,5 1,6 2,8 5,0 10,0 19,9 39,5 61,1 55,0 bedürfigen 2001 Aneil der Pflege- 0,5 0,5 1,6 2,7 5,2 9,8 20,6 39,9 60,4 56,2 bedürfigen 2003 Aneil Zusammen- 0,80 0,65 0,45 0,30 lebende Aneilziffern 0,98 0,94 0,70 0,40 Quellen: Desais und Blinker, Gräf Aneil der Zusammenlebenden in den Alersgruppen 60+ (PZUSi) Wahrscheinlichkei, dass ein Parner Versorgungsleisungen übernehmen kann in den Alersgruppen 60+ (PHILFEi) PZUS i : Wahrscheinlichkei für das Zusammenleben mi anderen (Parner, Gae) in höheren Alersgruppen Vorausgesez werden Were, die den gegenwärigen Verhälnissen ensprechen. PHILFE i : Wahrscheinlichkei dafür, dass ein Parner/Gae in höheren Alersgruppen bei Pflegebedürfigkei die Versorgung übernehmen kann Die Wahrscheinlichkei dafür, dass ein mi einem äleren Menschen zusammenlebender Parner im Falle von Pflegebedürfigkei die Versorgung übernimm, wurde für die berücksichigen Alersgruppen als konsan vorausgesez. Dabei wurden Were aus einer eigenen Unersuchung übernommen 47. Berücksichig wurde auch der Aneil der für die jeweilige Alersgruppe erwarbaren Pflegebedürfigen, die als Hilfeleisende ja nich in Frage kommen. 46 Beriche über eine Veränderung dieser Raen sind ineressan, aber bis jez noch wenig überzeugend. Eine auf der Basis des Sozioökonomischen Panels (SOEP) durchgeführe Auswerung komm zu der Einschäzung, dass die Raen leich gesunken sind. Da das SOEP jedoch nur für die Grundgesamhei der in Privahaushalen lebenden Menschen generalisierbar is, sind die in Heimen versorgen Pflegebedürfigen nur unzureichend berücksichig. Veränderungen werden überdies auch nur für Männer beriche und das in einer relaiv geringen Größenordnung. Vgl. Ziegler, Doblhammer (2005). Auch wenn derzei noch ungewiss is, ob sich das Risiko der Pflegebedürfigkei wirklich änder, verdien dieser Aspek in hohem Maße Aufmerksamkei und muss naürlich berücksichig werden, sobald gesichere Erkennnisse vorliegen. 47 Blinker/Klie (1999) 30. März

42 Akuelle Themen 442 Vorausgesez wurden die für das Jahr 2004 bekannen alersspezifischen Erwerbsquoen für Männer und Frauen: Alersspezifische Erwerbsquoen für Männer und Frauen 2004 (MEQi, WEQi) Männer 0,95 0,97 0,96 0,95 0,92 0,82 0,39 0,04 Frauen 0,78 0,80 0,83 0,83 0,77 0,63 0,20 0,02 Quelle: Desais MEQi, WEQi: männliche und weibliche Erwerbsquoen in verschiedenen Alersgruppen März 2009

43 Deusche Pflegeversicherung vor massiven Herausforderungen Anhang 2: Simulaionsergebnisse Beiragssaz zur sozialen Pflegeversicherung in % Leisungsanpassung 1,5% p.a. "Saus Quo" Konsane alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Leisungsanpassung 3% p.a Szenario A 1,95 2,1 2,5 3,3 4,1 Szenario A 1,95 2,2 3,1 4,7 6,7 Szenario B 1,95 2,2 2,6 3,3 4,1 Szenario B 1,95 2,4 3,2 4,8 6,7 Szenario C 1,95 1,7 2,2 3,0 3,8 Szenario C 1,95 1,9 2,7 4,3 6,3 "Gesünder Leben" Sinkende alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Gesünder Leben I * Szenario A 1,95 2,0 2,2 2,9 3,4 Szenario A 1,95 2,1 2,8 4,1 5,5 Szenario B 1,95 2,1 2,4 2,9 3,4 Szenario B 1,95 2,2 2,9 4,1 5,6 Szenario C 1,95 1,6 2,0 2,6 3,1 Szenario C 1,95 1,8 2,4 3,7 5,2 Gesünder Leben II ** Szenario A 1,95 1,9 2,2 2,7 3,2 Szenario A 1,95 2,1 2,7 3,9 5,2 Szenario B 1,95 2,0 2,3 2,8 3,2 Szenario B 1,95 2,2 2,8 4,0 5,2 Szenario C 1,95 1,6 1,9 2,5 3,0 Szenario C 1,95 1,7 2,4 3,6 4,9 Leisungsausgaben der sozialen Pflegeversicherung in Mrd. EUR Leisungsanpassung 1,5% p.a. "Saus Quo" Konsane alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Leisungsanpassung 3% p.a Szenario A 17,5 27,7 37,8 55,9 77,5 Szenario A 17,5 29,8 47,1 80,6 129,4 Szenario B 17,5 31,0 42,0 59,6 81,5 Szenario B 17,5 33,4 52,3 86,0 136,2 Szenario C 17,5 24,1 34,9 53,6 75,8 Szenario C 17,5 25,9 43,5 77,4 126,6 "Gesünder Leben" Sinkende alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien Gesünder Leben I * Szenario A 17,5 26,1 34,1 48,1 63,8 Szenario A 17,5 28,1 42,5 69,5 106,6 Szenario B 17,5 29,2 37,9 51,3 67,1 Szenario B 17,5 31,5 47,2 74,1 112,2 Szenario C 17,5 22,7 31,4 46,2 62,4 Szenario C 17,5 24,4 39,2 66,7 104,3 Gesünder Leben II ** Szenario A 17,5 25,6 33,0 46,0 60,1 Szenario A 17,5 27,5 41,1 66,3 100,4 Szenario B 17,5 28,7 36,7 49,0 63,2 Szenario B 17,5 30,9 45,7 70,8 105,7 Szenario C 17,5 22,3 30,5 44,1 58,8 Szenario C 17,5 24,0 37,9 63,7 98,2 Annahmen * Alersspezifische Pflegewahrscheinlichkeien sinken in dem Ausmaß wie die Reslebenszei in der Basisvariane der 11. koordinieren Bevölkerungsvorausberechnung zunimm ** Variane basier auf der alernaiven Annahme bezüglich der Lebenserwarung, die einen särkeren Ansieg unersell Szenario A : Szenario B : Szenario C: Nur demografischer Wandel Demografischer & sozialer Wandel Pro Pflege Bevölkerungsenwicklung nach Variane 1-W1 "milere Bevölkerung, Unergrenze" der 11. koordinieren Bevölkerungsvorausberechnung Quellen: Blinker, Gräf 30. März

44 Akuelle Themen 442 Lieraurverzeichnis AOK (1998). Der Pflegemark in Deuschland. Ein saisischer Überblick. Wissenschafliches Insiu der AOK (WIdO). Bonn. Bauman, Zygmun (1997). Flaneure, Spieler und Tourisen. Essays zu posmodernen Lebensformen. Hamburg. Beck, Ulrich (1986). Risikogesellschaf. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfur am Main. Becker, Howard S. (1963). Ousiders. Sudies in he Sociology of Deviance. New York/London. Beriche zur Begleiforschung zum persönlichen Pflegebudge abrufbar uner hps://www.gkv-spizenverband.de/ upload/1anlage_pb-gesamzusammenfassung_3271.pdf Blinker, Baldo (2005). Pflege und soziale Ungleichhei Pflege und soziale Milieus. In Schroeer, Klaus R. und Thomas Rosenhal, (Hg.). Soziologie der Pflege. Weinheim/München. S Blinker, Baldo (2007a). Pflegearrangemens Vorschläge zur Erklärung und Beschreibung sowie ausgewähle Ergebnisse empirischer Unersuchungen. In Igl, Gerhard, Gerhard Naegele und Silke Hamdorf (Hg.). Reform der Pflegeversicherung Auswirkungen auf die Pflegebedürfigen und die Pflegepersonen. Münser/Hamburg/London. S Blinker, Baldo (2007b). Bedarf und Chancen. Die Versorgungssiuaion pflegebedürfiger Menschen im Prozess des demografischen und sozialen Wandels. In Pflege und Gesellschaf, 12. Jg., H.3. S Blinker, Baldo und Thomas Klie (2004). Solidariä in Gefahr? Hannover. Blinker, Baldo und Thomas Klie (2006). Die Annaberg Sudie. Annaberg. Blinker, Baldo, Klie, Thomas (1999). Pflege im sozialen Wandel. Sudie zur Siuaion häuslich versorger Pflegebedürfiger. Hannover. Blinker, Baldo und Thomas Klie (2000). Pflegekulurelle Orienierungen und soziale Milieus. In Sozialer Forschri Jg. 49. S Blinker, Baldo und Thomas Klie (2001). Zukünfige Enwicklung des Verhälnisses von professioneller und häuslicher Pflege bei differierenden Arrangemens und privaen Ressourcen bis zum Jahr Experise im Aufrag der Enquêe -Kommission Demografischer Wandel des Deuschen Bundesages. hek.man. Berlin/Freiburg. Blinker, Baldo und Thomas Klie (2006a). Der Einfluss von Bedarf und Chancen auf Pflegzeien in häuslichen Pflegearrangemens. In Zeischrif für Geronologie und Geriarie, 39 (2006). S Blinker, Baldo, Klie, Thomas (2006b). Die Zeien der Pflege, in: Zeischrif für Geronologie und Geriarie, 39. S Blinker, Baldo und Thomas Klie (2008). Soziale Ungleichhei und Pflege. In APuZ 12-13/2008. S Bundesminiserium für Gesundhei (2007). Gesezliche Krankenversicherung. Miglieder, miversichere Angehörige und Krankensand. Jahresdurchschnie 1998 bis März 2009

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46 Akuelle Themen 442 sicherung Auswirkungen auf die Pflegebedürfigen und die Pflegepersonen. S Münser/Hamburg/London. Lasch, Chrisopher (1986). Das Zeialer des Narzissmus, München. Mayer, Karl Ulrich und Paul. B. Bales (Hg.) (1996). Die Berliner Alensudie. Berlin. Niehaus, Frank (2006). Die Pflegeausgabenenwicklung bis ins Jahr Eine Prognose aus Daen der privaen Pflege-Pflichversicherung. WIP-Diskussionspapier 7/06. Oberender, Peer und Julia Fleckensein (2004). Reform der Sozialen Pflegeversicherung in Deuschland Enschärfung der Zeibombe. Diskussionspapier der Universiä Bayreuh. Onad, Adrian (2003). Pflegeversicherung Las Exi. In Wirschafsdiens Nr. 12, S Popiz, Heinrich (1992). Phänomene der Mach. Tübingen. Roloff, Juliane (2001). Anhang zur demografischen Enwicklung. In Blinker, Baldo und Thomas Klie. Zukünfige Enwicklung des Verhälnisses von professioneller und häuslicher Pflege bei differierenden Arrangemens und privaen Ressourcen bis zum Jahr Experise im Aufrag der Enquêe-Kommission Demografischer Wandel des Deuschen Bundesages, hek.man. Berlin/Freiburg. Schnabel, Reinhold (2007). Zukunf der Pflege. Iniiaive Neue Soziale Markwirschaf. Universiä Duisburg/Essen. Schulz, Erika (2008). Zahl der Pflegefälle wird deulich seigen. In Wochenberich Nr. 47/2008. DIW. Berlin. Schulz, Erika, Reiner Leidl und Hans-Helmu König (2001). Auswirkungen der demografischen Enwicklung auf die Zahl der Pflegefälle. Vorausschäzungen bis 2020 mi Ausblick auf Diskussionspapier 240. Berlin. Senne, Richard (1998). Der flexible Mensch, Die Kulur des neuen Kapialismus. Berlin. Simmel, Georg (1958, 1923). Der Arme. In ders., Soziologie. Unersuchungen über die Formen der Vergesellschafung. S Berlin. Saisisches Bundesam ( ). Pflegesaisik. Wiesbaden. Saisisches Bundesam (2006). Bevölkerung Deuschlands bis koordiniere Bevölkerungsvorausrechnung. Wiesbaden. Saisisches Bundesam (2008). Demografischer Wandel in Deuschland. Hef 2. Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürfige in Bund und Ländern. Wiesbaden. Widmaier, Sarah (2005). Die soziale Pflegeversicherung in der Krise Reformvorschläge im Überblick. ZEW Dossier Nr. 9. Mannheim. Ziegler, Ua und Gabriele Doblhammer (2005). Seigende Lebenserwarung geh mi besserer Gesundhei einher. Risiko der Pflegebedürfigkei in Deuschland sink. In Max-Planck-Insiu für demografische Forschung Rosock (Hg). Demografische Forschung aus erser Hand, Jg. 2, Nr März 2009

47 Akuelle Themen ISSN Dynamische Vielfal als Chance Mielsand inernaional Nr März 2009 Schulverwalungsausgaben auf dem Prüfsand Invesiionen in Lerninnovaionen sa Geld für Bürokraie Nr Februar 2009 Immobilien in Köln und Düsseldorf Büromärke deulich särker belase als Wohnungsmärke Nr Januar 2009 Konjunkurausblick 2009 Deusche Wirschaf in sürmischer See Nr Januar 2009 Apoheke der Zukunf Mehr Keen mehr Webewerb günsigere Produke Nr Okober 2008 Deusche Indusrie im Abschwung Nr Okober 2008 Unsere Publikaionen finden Sie kosenfrei auf unserer Inerneseie Dor können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikaionen per einragen. Für die Prin-Version wenden Sie sich bie an: Deusche Bank Research Markeing Frankfur am Main Fax: Copyrigh Deusche Bank AG, DB Research, D Frankfur am Main, Deuschland. Alle Reche vorbehalen. Bei Ziaen wird um Quellenangabe Deusche Bank Research gebeen. Die vorsehenden Angaben sellen keine Anlage-, Rechs- oder Seuerberaung dar. Alle Meinungsaussagen geben die akuelle Einschäzung des Verfassers wieder, die nich nowendigerweise der Meinung der Deusche Bank AG oder ihrer assoziieren Unernehmen ensprich. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geänder werden. Die Meinungen können von Einschäzungen abweichen, die in anderen von der Deusche Bank veröffenlichen Dokumenen, einschließlich Research-Veröffenlichungen, verreen werden. Die vorsehenden Angaben werden nur zu Informaionszwecken und ohne verragliche oder sonsige Verpflichung zur Verfügung gesell. Für die Richigkei, Vollsändigkei oder Angemessenhei der vorsehenden Angaben oder Einschäzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deuschland wird dieser Berich von Deusche Bank AG Frankfur genehmig und/oder verbreie, die über eine Erlaubnis der Bundesansal für Finanzdiensleisungsaufsich verfüg. Im Vereinigen Königreich wird dieser Berich durch Deusche Bank AG London, Miglied der London Sock Exchange, genehmig und/oder verbreie, die in Bezug auf Anlagegeschäfe im Vereinigen Königreich der Aufsich der Financial Services Auhoriy unerlieg. In Hongkong wird dieser Berich durch Deusche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deusche Securiies Korea Co. und in Singapur durch Deusche Bank AG, Singapore Branch, verbreie. In Japan wird dieser Berich durch Deusche Securiies Limied, Tokyo Branch, genehmig und/oder verbreie. In Ausralien sollen Privakunden eine Kopie der bereffenden Produkinformaion (Produc Disclosure Saemen oder PDS) zu jeglichem in diesem Berich erwähnen Finanzinsrumen beziehen und dieses PDS berücksichigen, bevor sie eine Anlageenscheidung reffen. Druck: HST Offsedruck Schad & Tezlaff GbR, Dieburg Prin: ISSN / Inerne: ISSN / ISSN

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