Faktenblatt Psychische Gesundheit

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1 Faktenblatt Psychische Gesundheit Hintergrund Der Themenkreis psychische Gesundheit und psychische Störungen stellt eine der gravierendsten Herausforderungen für die Gesundheitspolitik in der Europäischen Region der WHO dar. Verringerte Chancen bei der Arbeitssuche, unzureichende Bestimmung über das eigene Leben und eingeschränkte soziale Beziehungen wirken sich negativ auf das Wohlbefinden von Menschen aus. Je nachdem, welche psychischen Störungen berücksichtigt werden, ist jedes Jahr etwa ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung davon betroffen (am häufigsten von Depressionen und Angstzuständen). Nur etwa 50% der Personen, die von psychischen Störungen betroffen sind, erhalten professionelle Hilfe, und noch deutlich weniger erhalten angemessene Hilfe. Die Prävalenz psychischer Störungen ist bei den am stärksten von Deprivation Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und etwas zu ihrer Gemeinschaft beitragen kann. Psychische Störungen umfassen ein breites Spektrum von Problemen mit unterschiedlichen Symptomen. Sie sind jedoch im Allgemeinen durch eine Kombination von gestörten Gedanken, Emotionen, Verhaltensweisen und Beziehungen zu anderen gekennzeichnet. Zu den Beispielen zählen Depressionen, Angstzustände, Sozialverhaltensstörungen bei Kindern, bipolare Störungen und Schizophrenie. Viele dieser Störungen können erfolgreich behandelt werden. betroffenen Bevölkerungsgruppen höher als bei anderen. Ihre Auswirkungen werden dadurch verstärkt, dass die Armen die Bevölkerungsgruppe sind, in der die meisten Risikofaktoren (Tabakgebrauch, Alkoholkonsum, schlechte Ernährung, Adipositas, Bewegungsmangel usw.) aufeinandertreffen, und die den schlechtesten Zugang zu guten Diensten haben. Außerdem sind Männer und Frauen unterschiedlich stark von psychischen Störungen betroffen: Depressionen sind doppelt so häufig bei Frauen, während mehr Männer Suizid verüben. Die wichtigsten Fakten Psychische Störungen verursachen in Dänemark 44% der Sozialfürsorgeleistungen und der Invaliditätsrenten, in Finnland und dem Vereinigten Königreich (Schottland) 43%, in Rumänien 37% und in der Republik Moldau, einem der ärmsten Länder Europas, 25%. Fast 9 von 10 Personen mit psychischen Gesundheitsproblemen geben an, von Stigmatisierung und Diskriminierung betroffen worden zu sein, und mehr als 7 von 10 berichten, dass Stigmatisierung und Diskriminierung sie davon abgehalten hätten, bestimmte Dinge zu tun. In der Europäischen Region beträgt die jährliche Suizidrate 13,9 pro ; sie variiert jedoch sehr stark zwischen den Ländern. Die Länder mit den weltweit höchsten Selbstmordraten liegen in der Europäischen Region. In mehreren Ländern ist Suizid die führende Todesursache bei Heranwachsenden. In der Europäischen Region ist bei Männern die Wahrscheinlichkeit, dass sie Suizid begehen, fast fünfmal höher als bei Frauen. Schätzungsweise 20% der Personen, die Suizid begehen, hatten in der Woche vor ihrem Tod Kontakt zu ihrem Hausarzt oder psychiatrischen Dienst und 40% in dem Monat davor. Die Bevölkerungsalterung resultiert in einem Anstieg der Prävalenz von Demenz, gemeinhin um 5% bei über 65-Jährigen und um 20% bei über 80-Jährigen. Arbeitslosigkeit, Schulden und soziale Ungleichheit sind Risikofaktoren für Depressionen und werden mit Suizid in Verbindung gebracht. Personen mit psychischen Störungen sterben tendenziell früher als die allgemeine Bevölkerung: Die Differenz beträgt mehr als 20 Jahre. Wichtigster Faktor ist die hohe Prävalenz chronischer Krankheiten (wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes) in Verbindung mit schlechtem Zugang zu ihrer Behandlung sowie der unzureichenden Qualität der verfügbaren Behandlungsoptionen. Psychische Gesundheit steht in einem engen Zusammenhang mit den sozioökonomischen Umständen des Lebens von Menschen. Faktoren wie Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte 1 RC63 Faktenblatt zu psychischer Gesundheit WHO Regional Office for Europe

2 Arbeitsbedingungen, unterdurchschnittliche Wohnverhältnisse und schlechte Bildung vermindern das Wohlbefinden und erhöhen das Risiko psychischer Störungen beträchtlich. Etwa die Hälfte aller psychischen Störungen tritt vor dem 14. Lebensjahr auf. Kostenwirksame Maßnahmen existieren, aber weniger als 1% der Budgets für psychische Gesundheit werden für Prävention aufgewendet. Tabelle 1 zeigt den hohen Anteil schlechter psychischer Gesundheit an der Krankheitslast. Tabelle 1: Verlust an um Behinderungen bereinigten Lebensjahren (DALY) nach Ursache Ursache Prozent Herz-Kreislauf-Erkrankungen 22.9 Neuropsychiatrische Erkrankungen 19.5 Maligne Neoplasmen 11.4 Verletzungsunfälle 9.6 Erkrankungen des Verdauungssystems 4.9 Atemwegserkrankungen 4.5 Absichtliche Verletzungen 4.3 Erkrankungen der Sinnesorgane 4.1 Infektions- und Parasitenerkrankungen 3.8 Erkrankungen des Muskel-Skelett- Systems 3.7 Atemwegsinfektionen 2.1 Perinatale Erkrankungen 1.8 Quelle: The global burden of disease: 2004 update. Geneva, World Health Organization, 2004 (http://www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/2004_report_update/en, accessed 30 August 2013). Das Dienstleistungsangebot ist in der Region sehr uneinheitlich, wie die Zahl der Betten in psychiatrischen Krankenhäusern und die Zahl der Psychiater (Abb. 1) in einer Reihe von Ländern der Europäischen Region zeigen. Abb. 1: Zahl der Psychiater pro Einwohner in Ländern der Europäischen Region, RC63 Faktenblatt zu psychischer Gesundheit WHO Regional Office for Europe

3 Switzerland Norway France Austria Netherlands England Germany Estonia Czech Rep Slovakia Croatia Fmr Yugoslav Rep Belarus Israel Slovenia Andorra Cyprus Hungary Kazakhstan Portugal Poland Bosnia & Herzegovina Sweden Uzbekistan Turkey Tajikistan Quelle: Mental health atlas Geneva, World Health Organization, 2004 (http://www.who.int/mental_health/publications/mental_health_atlas_2011/en, accessed 30 August 2013). 3 RC63 Faktenblatt zu psychischer Gesundheit WHO Regional Office for Europe

4 Handlungsoptionen Es besteht eine aussagekräftige Evidenzgrundlage zugunsten wirksamer Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Prävention schlechter Gesundheit bei gefährdeten Personen. Als kosteneffektive Maßnahmen haben sich die Ausbildung häuslicher Pflegekräfte zur Erfassung von Depressionen, die Schulung von Eltern zur Vertiefung von Bindungen und zur Missbrauchsprävention, die Bereitstellung von Vorschulplätzen und die Durchführung von Aufklärungsprogrammen in Schulen erwiesen. Die Ausbildung von Hausärzten zur Diagnose und Behandlung von Depressionen, die Schließung großer psychiatrischer Krankenhäuser, die Einrichtung von gemeindenahen Zentren und die Eröffnung beruflicher Perspektiven werden die Behandlung und Versorgung von Personen mit psychischen Störungen verbessern. Solche Initiativen können das Wohlbefinden verbessern, die Produktivität steigern und einen Teil der Suizide verhindern. Wegen der schlechten Zugänglichkeit erhält jedoch ein großer Teil der Personen mit psychischen Störungen entweder gar keine Behandlung oder muss lange Verzögerungen hinnehmen. Außerdem halten die Stigmatisierung im Zusammenhang mit psychischen Störungen und Furcht vor psychosozialen Diensten viele Personen davon ab, sich um Behandlung zu bemühen. Innerhalb der Europäischen Region bestehen derzeit erhebliche Unterschiede, was die Verfügbarkeit von psychosozialen Diensten und Investitionen in diese betrifft. Doch in einer Zeit erhöhter Sorge um den Arbeitsplatz und trotz Berichten über höhere Suizidraten drohen den psychosozialen Diensten mancher Länder leider Mittelkürzungen und Die Antwort der WHO: Europäischer Aktionsplan für psychische Gesundheit Das WHO-Regionalbüro für Europa hat diesen Aktionsplan entwickelt, der Interventionen mit dem Ziel beschreibt, Dienstleistungen zugänglich und bezahlbar zu machen, und für respektvolle, sichere und wirksame Behandlung plädiert. Der Aktionsplan erinnert daran, wie wichtig es ist, das Wohlbefinden der Bevölkerung und die Rechte von Personen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu schützen sowie zugängliche und bezahlbare Dienste einzurichten. Er schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor, die dazu dienen sollen, sieben Ziele zu erreichen. Dazu zählen: mehr Unterstützung für Bedürfnisse in Bezug auf psychische Gesundheit in der vor- und nachgeburtlichen Versorgung; systematische Untersuchungen in Bezug auf häusliche Gewalt und Alkoholmissbrauch; Perspektiven in Bezug auf Beschäftigung, Wohnen und Bildung für Personen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu gleichen Bedingungen wie für andere unter Berücksichtigung notwendiger Anpassungen zur Kompensation möglicher Behinderungen; therapeutische Krankenhausversorgung mit individualisierter und korrekter Behandlung statt bloßen Wegsperrens; gemeindenahe psychosoziale Dienste, die für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich sind; auf der Grundlage von Kriterien für sowohl Effizienz als auch Fairness verfügbar gemachte wirksame Behandlung; und Maßnahmen zur Sicherung einer vergleichbaren Lebenserwartung für Personen mit psychischen Gesundheitsproblemen und die Allgemeinbevölkerung. Der Aktionsplan ist auf den Zeitraum bis 2020 angelegt und entsprechende Zielvorgaben und Indikatoren werden derzeit entwickelt. Weitere Informationen sind auf der Website des Regionalbüros verfügbar (http://www.euro.who.int/de/who-weare/governance/regional-committee-foreurope/archive/advance-copies-ofdocuments/eurrc6311-the-european-mental-healthaction-plan). 4 RC63 Faktenblatt zu psychischer Gesundheit WHO Regional Office for Europe

5 Sparmaßnahmen. 5 RC63 Faktenblatt zu psychischer Gesundheit WHO Regional Office for Europe

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