Ratgeber für Eltern. Erste Hilfe beim Säugling und Kleinkind. Ratgeber für Eltern

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1 8 Ratgeber für Eltern Erste Hilfe beim Säugling und Kleinkind Ratgeber für Eltern

2 8 Ratgeber für Eltern Erste Hilfe beim Säugling und Kleinkind Liebe Eltern, Notfälle bei Kindern sind der Albtraum aller Eltern. Jedes Jahr verunglücken in Deutschland rund 1,7 Millionen Kinder, mehr als von ihnen im Heimund Freizeitbereich. Die meisten Unfälle passieren im Kinderzimmer, gefolgt von Küche und Treppen-(haus). Über die Hälfte sind Stürze, z.b. vom Etagenbett oder beim Laufen. Weitere häufige Notfälle: Verschlucken von Fremdkörpern Verbrennungen, Verbrühungen Vergiftungen Gehirnerschütterung Fieberkrampf Pseudokrupp Ertrinkungsunfall Dieser kleine Ratgeber möchte Ihnen die wichtigsten bei diesen Notfällen aufzeigen. Er kann aber Eines nicht leisten: Das jeweilige Ausmaß des Notfalles bei Ihrem Kind erfassen. Daher suchen Sie in jedem Fall die nächste Kinderklinik bzw. Ihren Kinderarzt auf. Ihre Hebammen, Krankenschwestern, Kinderärzte und Geburtshelfer

3 Verschlucken und Einatmen von Fremdkörpern Verschlucken ist häufig, das Einatmen (Aspiration) von Fremdkörpern in die Atemwege deutlich seltener häufige Fremdkörper Erdnüsse (nicht vor dem 4. LJ zu essen geben) Erbsen, Apfel-, Möhrenstücke (roh), kleine Gegenstände Symptome das Kind kann vollkommen beschwerdefrei sein Schluckbeschwerden, v.a. nach dem Verzehr von festen Speisen, können ein Hinweis sein plötzlicher Husten und Atemnot weisen auf eine Aspiration hin bei noch ausreichender Atmung nichts selbst unternehmen, Vorstellung bei einem Kinderarzt oder im Krankenhaus entfernen Sie nur sichtbare Fremdkörper aus dem Mundraum Verbrühungen und Verbrennungen Der Inhalt einer Tasse reicht aus, um 30% der Körperoberfläche eines Säuglings zu schädigen Schweregradeinteilung Bei Kindern wird die Ausdehnung der geschädigten Körperoberfläche anhand der sog. Handflächenregel beurteilt. Als Faustregel gilt: Die Größe der Handfläche des Kindes entspricht etwa 1% seiner Körperoberfläche. Bei Kindern ist schon ab 8% verbrannter Körperoberfläche ein Schock möglich. Selbstschutz! kühlen Sie mit kühlem, nicht kaltem (ca. 20 C), am besten Leitungswasser, aber nur maximal 15 Minuten! das Kind nicht in die Badewanne oder den Pool setzen (Unterkühlungsgefahr) geben Sie Ihrem Kind ein Schmerzmittel (Paracetamol, Ibuprofensaft) lassen Sie Ihr Kind trinken (sofern es bei Bewusstsein ist) verwenden Sie keine Brandsalben, und vergessen Sie v.a. alle kursierenden Geheimtipps, die Zahnpasta, Öl, Mehl oder sonstige vermeintliche Wundermittel empfehlen eingebrannte Kleidung wird in der Klinik entfernt und sollte bis dahin am Kind verbleiben rufen Sie den Notarzt bzw. fahren Sie in die Klinik

4 Vergiftungen Symptome Bewusstseinsveränderungen Bauchschmerzen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall Kopfschmerzen, Schwindel Blässe, gerötete Haut Atemnot bis Atemstillstand oder Herz-Kreislaufstillstand Schock suchen Sie nach der giftigen Substanz, Verpackung oder Pflanze rufen Sie zuerst den Notarzt (112) und holen Sie dann Rat bei der Giftnotrufzentrale ein Giftnotrufzentrale Berlin: Tel.: 030 / Erste-Hilfe- Die folgenden Erstmaßnahmen sind abhängig vom Gift und sollen nur nach Anweisung der Giftnotrufzentrale durchgeführt werden! Selbstschutz! Giftaufnahme über den Mund Verdünnen der Gifte durch Trinken von Wasser, Saft oder Tee niemals Milch, da diese in vielen Fällen die Giftaufnahme durch den Darm beschleunigt Hilfe beim Erbrechen heißt helfen, dass das Kind Erbrochenes nicht einatmet; keinesfalls Erbrechen herbeiführen (insbesondere kein Salzwasser geben)! Giftaufnahme über die Haut vergiftetes Kind völlig entkleiden alle befallenen Hautstellen mit reichlich Wasser waschen möglichst Handschuhe tragen Giftaufnahme über die Atemwege Frischluftzufuhr Achtung: Gefahr der Selbstvergiftung ist besonders groß! Die eigene Sicherheit geht immer vor! Ein vor Mund und Nase gehaltenes Taschentuch hilft nicht! Explosionsgefahr bedenken! Giftaufnahme bzw. Kontakt über die Augen Augen sofort mind. 10 Min. unter fließendem Wasser spülen, von innen nach außen bei Bewusstlosigkeit Kind in die sog. stabile Seitenlage bringen (Mund tief) keine Flüssigkeiten verabreichen das Kind nicht zum Erbrechen bringen den Notarzt rufen bei Atem und Herzkreislaufstillstand Wiederbeleben

5 Schädelprellung / Gehirnerschütterung Symptome Bewusstlosigkeit, direkt ab dem Zeitpunkt des Unfallgeschehens; Dauer meist nur wenige Sekunden; sehr selten bis zu einer Stunde Erbrechen; kann während der Bewusstlosigkeit oder später eintreten Amnesie (Erinnerungslücke); es fehlen die letzten Sekunden vor dem Unfallereignis bis auf einen kurzen Zeitraum nach der Bewusstlosigkeit weitere Begleiterscheinungen Übelkeit, Brechreiz, Schwindel, Kopfschmerzen, Blutungen aus Ohr, Nase suchen Sie die Kinderklinik auf stellen Sie sich auf einen stationären Aufenthalt ein eine Schädelprellung könnte eine Hirnblutung ausgelöst haben; da sich diese sehr langsam entwickeln kann, werden die Kinder im Krankenhaus etwa 48 h überwacht; dabei werden das Bewusstsein, der Kreislauf und die Pupillenreaktion engmaschig kontrolliert Ertrinkungsunfall gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern; 20% aller tödlich verunglückten Kinder zwischen 1 und 4 Jahren werden Opfer eines Ertrinkungsunfalls häufig wird die Gefahr unterschätzt: schon bei einem eine Hand breit hohem Wasserspiegel können Kleinkinder z.b. im Gartenteich ertrinken bei Leblosigkeit Reanimationsmaßnahmen beginnen Notarzt rufen! Begonnene durchführen, bis Rettung eintrifft ist das Kind nicht ansprechbar (atmet jedoch weiter): in eine stabile Bauchlage bringen ist das Kind ansprechbar: durchnässte Kleidung entfernen, Kind abtrocknen, warm halten und beruhigen versuchen Sie nicht, das Wasser aus der Lunge zu entfernen! jeder Säugling sollte nach einem Ertrinkungsunfall von einem Arzt untersucht werden, da ein kurzzeitiger Sauerstoffmangel zu einer Beeinträchtigung der Organfunktionen führen kann; dies ist u.u. erst nach 24 bis 48 Stunden erkennbar

6 Fieberkrampf ein Fieberkrampf ist ein epileptischer Anfall, der in Verbindung mit Fieber v.a. im Säuglings- oder Kleinkindesalter (zw. 6 Mon. und 4 LJ) auftritt, selten noch im Schulalter, bis zum Alter von 8-10 LJ; betroffen sind etwa 2-5% aller Kinder ist von der Epilepsie abzugrenzen, welche durch das wiederholte Auftreten von Krampfanfällen ohne Anlass gekennzeichnet ist bei der Mehrzahl handelt es sich um kurzdauernde, generalisierte (den ganzen Körper betreffende) oder nur einmal während einer Fieberperiode auftretende Anfälle, die als einfache Fieberkrämpfe bezeichnet werden komplexe bzw. komplizierte Fieberkrämpfe halten länger als 15 Min. an, betreffen nur einen Körperteil (fokale Fieberkrämpfe) oder treten wiederholt während einer Fieberperiode auf; sind mit einem höheren Epilepsierisiko verbunden Pseudokrupp darunter versteht man eine virale Entzündung der Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder mit teilweisem Verschluss der Atemwege, wodurch starke Atemnot entstehen kann tritt anfallsweise mit bellendem Husten und Heiserkeit auf meist nachts, ohne Vorwarnung oder, nachdem am Tag zuvor Anzeichen einer Erkältung (z.b. Schnupfen, Halsschmerzen) vorlagen; jeder Atemzug des Kindes ist von einem pfeifenden oder fauchenden Geräusch begleitet; dazu kommen Atemnot, Erstickungsangst, Herzklopfen Bewahren Sie Ruhe verabreichen Sie Ihrem Kind ein Kortison-Zäpfchen (Rectodelt 100 mg, vom Kinderarzt / der Kinderklinik) keine feuchte Luft (überholte Maßnahme) fahren Sie in eine Kinderklinik einem Fieberkrampf liegen zumeist Virusinfektionen zugrunde Diazepam flüssig in den Enddarm des Kindes einführen (von der Kinderklinik / dem Kinderarzt) (beim 1. Ereignis) umgehende Vorstellung in einer Kinderklinik in den darauffolgenden 1-2 Jahren frühzeitige Anwendung fiebersenkender (ab 38,5 C) bzw. im Anfall erneut Diazepam flüssig rektal

7 Bergmannsheil und Kinderklinik Buer ggmbh Abt. für Neonatologie und Intensivmedizin Abteilungsleiter Dr. med. F. Niemann Adenauerallee Gelsenkirchen Tel.: (02 09) Katholische Kliniken Emscher-Lippe GmbH - KKEL - St. Barbara Hospital Barbarastraße Gladbeck Tel.: ( ) Fax: ( ) Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie Chefarzt Dr. med. Rudolf Gossen Sekretariat Tel.: ( ) Fax: ( ) Kreißsaal Tel.: ( )

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