Inklusion, Schule, Chancen(un)- gleichheitund Gesundheit. Ulf Preuss-Lausitz. Kongress Armut und Gesundheit 5. März 2015, TU Berlin

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1 Inklusion, Schule, Chancen(un)- gleichheitund Gesundheit Ulf Preuss-Lausitz Kongress Armut und Gesundheit 5. März 2015, TU Berlin

2 Gliederung 1. Schüler/innen mit Behinderungen in Deutschland und Europa Entwicklung von Exklusion und Inklusion: Realität I. 2. Ziele inklusiver Bildung der UN-BRK als deutsches Recht. 3. Realität II: Chancenungleichheit durch Förderschulen. 4. Ergebnisse inklusiver Bildung für Leistung, Wohlfühlen und mentale Gesundheit. 5. Schlussfolgerungen für inner-und außerschulische Inklusionsprozesse zum Abbau von Chancenungleichheit und Gesundheit. 2

3 1 Inklusion in Europa (2012) immer noch: Sonderweg Deutschlands Inklusion in Europa 2010 (Quelle European Agency 2012) (eig. Berechnungen nach European Agency: Country Data 2012) Italien 2 Schweden 3 Norwegen 4 Island 5 Portugal 6 Litauen 7 Malta 8 Finnland 9 Slowenien 10 Estland 11 Schottland 12 Wales 13 Dänemark 14 Frankreich 15 Spanien 16 Griechenland 17 Schweiz 18 Österreich 19 Irland 20 Tschechien 21 England 22 Ungarn 23 Luxemburg 24 Polen 25 Bulgarien 26 Niederlande 27 Lettland 28 Deutschland 29 Belgien

4 1 Schüler/innen mit (sonderpädagogischem) Förderbedarf: Doppelsystem führt zu steigenden Quoten (KMK 1985ff.) ,2 4 4,3 5,3 5,9 6,2 6,6 6, /14 Förderschule Inklusion gesamte Förderquote

5 1 Förderquoten in den Bundesländern Krise der Diagnostik/ der Schaffung von Behinderten/von Förderbedarf (KMK 2012/13) , , MV ST TH BB SN HB BE Saar BW NRW HH By SH HE NI RhPf

6 2 Ziele inklusiver Bildung Nichtdiskriminierung Partizipation (auch in Schulangelegenheiten!) Bessere schulische Entwicklung und damit Abbau von Chancenungleichheit Wohlfühlen in Kita/Schule als Teil mentaler Gesundheit Stärkung von Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit Inklusion ist Teil einer allg. Pädagogik der Vielfalt: Learn to know Learntobe Learntodo Learn to live together (Unesco) 6

7 Realität II: Chancenungleichheit durch Förderschulen Kinder in Förderschulen sind überdurchschnittlich häufig Kinder in Armut (Wocken 2000: Sonderschule Schule der Armen ) (auch Bildungsbericht der Bundesregierung 2010). Kinder in Förderschulen /mit SPF erhalten doppelt so häufig Transferleistungen. Beispiel Berlin: 78% aller Förderschüler Lernen und 64% aller Förderschüler geistige Entwicklung (in Grundschulen: 38%) (Müller 2010). Kinder in Förderschulen sind überdurchschnittlich häufig Kinder mit Migrationshintergrund bestimmter Herkünfte(bes. Balkan, Libanon, Marokko, Türkei, Italien(!) (Kemper/Weishaupt 2011). Kinder in Förderschulen erwerben kaum Schulabschlüsse (73% ohne, -25% mit Hauptschulabschluss, 3% MSA, 0,2% (F)HSR! (2012/13, KMK 2014). Die Überweisung in Förderschulen verstärkt die sozialebenachteiligung von Schüler/innen mit Behinderungen / SPF durch geringere Schulleistungen (Kocaj u.a. 2014)! 7

8 4 Durch inklusivebildung für Leistung, Wohlfühlen und mentale Gesundheit (exempl. Forschungsergebnisse): Bessere Schulleistungen für Schüler/innen mit Behinderungen / SPF (u.a. Kocaj 2014, Myklebust2006) Abbau von Chancenungleichheit. Hohe Schüler-Zufriedenheit und soziale Integration in den Klassen trotz gelegentlicher Diskriminierungserfahrungen von Schüler/innen mit Behinderungen /SPF (ex. KB: Walter-Klose 2012; Preuss-Lausitz 2009) Verbesserung mentaler Gesundheit. Persönlichkeitsentwicklung der Schüler/innen: Mehr Selbstbewusstsein, Selbsteinschätzung, soziale Netzwerke, Berufseinstiege, auch über Schule hinaus (Eckart u.a. 2011) Erhöhung der sozialen Lebensqualität. Eltern: Erfahrung führt zu Akzeptanz: Hohe Zufriedenheit von Eltern mit und ohne Behinderungen in integrativen Settings (u.a. ERINA 2013). Lehrkräfte: Höhere Arbeitsbelastung bei gleichzeitig wachsender Berufszufriedenheit in integrativen Settings (u.a. ERINA 2013, Preuss-Lausitz 1997). Dennoch: offene Forschungsfragen im Kontext von Gesundheit und Schule in Förderschulen und im gemeinsamen Unteerricht. 8

9 5 Schlussfolgerungen für inner-und außerschulische Inklusionsprozesse zur Starkung von Chancengleichheit und Gesundheit In den Schulen werden feste Stellen für Sozial-und Sonderpädagogen eingerichtet und unterstützende Einrichtungen ( Ressource Center ) aufgebaut (Oase, Schulstation usw.). Die verbindliche Zusammenarbeit von Schulen mit dem regionalen Gesundheitsamt, dem Jugend-und Sozialamt wird durch persönliche Zuordnungen und Vereinbarungen etabliert. Die Förderschulen Lernen, Verhalten und Sprachelaufen zugunsten inklusiver Einschulung aus das spezifische Personal wird in allg. Schulen verlagert. In allen Regionen werden allg. Schulen für die Förderbereiche körperlichmotorische, geistige und Sinnesbeeinträchtigungenqualifiziert (mit zusätzlichem Personal, baulicher und sächlicher Spezifik) (sog. allg. Schwerpunktschulen nach Berliner Modell). In allen Regionen werden multiprofessionelle Beratungs-und Unterstützungseinrichungen(ohne Unterricht!) für Eltern, Kinder, Schulen und Schulträger eingerichtet (Beispiele Hamburg, Bremen, Berlin, Frankfurt/M.). Bürgerbüro Inklusion: Eltern beantragen an einerstelle Leistungen (SGB VIII, XII, Schulträger, ggf. Krankenkasse, Schulamt) die Ämter einigen sich intern.

10 10

11 Quellen Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland Berlin. Cloerces, G.: Soziologie der Behinderten. Heidelberg 1997 (bes. Kap. 4.1). Deutsche UNESCO-Kommission e.v.: Inklusion: Leitlinien für die Bildungspolitik. 3. erweiterte Auflage, Bonn 2014 (einschließlich der Ergebnisse des Inklusions-Gipfels März 2014 in Bonn). Eckart, M. u.a.: Langzeitwirkungen der schulischen Integration. Bern, Stuttgart, Wien ERINA: Erprobung inklusiver Ansätze zur Beschulung von Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Sachsen (Leitung Prof. Dr. Karin Seifert). vgl. Kemper, Th. / Weishaupt, H. Zur Bildungsbeteiligung ausländischer Schüler an Förderschulen. In: Z. für Heilpädagogik 10/2011, Kocay, A. U.a.: Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser? Ein Vergleich schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Förderschulen in der Primarstufe. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, KZfSS (66) H 2, 2014, Müller, Frank: Verteilung von Armut im Primarbereich in Berlin. In: Z. für Inklusion 4/ Myklebust, J. D.: Class placement and competence attainment among students with special educational needs. In: Br. J. of Special Education (33), 2006, H. 2, Preuss-Lausitz, U.: Erfahrung und Kooperation befördern Integration Lehrermeinungen zum gemeinsamen Unterricht. In: Heyer, P. / Preuss- Lausitz, U. / Schöler, J. (Hg.): Behinderte sind doch Kinder wie wir!. Berlin 1997, Preuss-Lausitz, U.: Integrationsforschung. In: Eberwein, H. / Knauer, S. (Hg.): Integrationspädagogik. Weinheim und Basel, 7. Aufl. 2009, Preuss-Lausitz, U.: Separation oder Inklusion. Zur Entwicklung der sonderpädagogischen Förderung im Kontext der allgemeinen Schulentwicklung. In: Berkemeyer, N. u.a.: Jahrbuch der Schulentwicklung, Bd. 16, Weinheim und München 2010, Walter-Klose, Chr.: Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung im gemeinsamen Unterricht. Oberhausen Wocken, H.: Leistung, Intelligenz und Soziallage von Schülern mit Lernbehinderungen. In: Z. für Heilpädagogik 12/2000, Copyright: 11

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