Predigt zu Römer 5 Frei gesprochen und dreifach beschenkt Pfarrer Thilo Bathke

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1 1 Liebe Gemeinde, am Ende der Zeiten warten die Menschen darauf, vor Gott zu treten. Sie warten vor einer großen, verschlossenen Tür. Hinter der Tür sei, so sagt man sich, ein großer heller Gerichtssaal. Es werde dort Tacheles geredet. Jeder werde hier herein kommen. Jeder werde sich verantworten müssen: Wie hast du dein Leben gelebt? Die Menschen vor der großen Tür warten gespannt. Sie kommen miteinander ins Gespräch und diskutieren. Was wird Gott nun tun? Ein cooler, lässiger junger Mann sitzt in einer Ecke. Er dreht sich gerade einen Joint und meint: Wisst ihr was! Ich glaube an Gott. Und der liebt alle Menschen. Egal, wie wir leben und was wir denken. Hauptsache, wir waren ehrlich zu uns selbst. Hinter dieser Tür werdet ihr keinen Gerichtssaal finden. Dort wartet auf uns alle der Himmel. Also bleibt mal alle ganz cool! Ein Mann im mittleren Alter mit Anzug steht auf und erhebt seine Stimme. Er klopft sich auf die Brust und lässt alle wissen: Kann schon sein. Aber, selbst wenn es nicht so wäre. Wenn dort drinnen doch ein Gerichtssaal wäre - Also ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich würde mein Leben wieder genauso leben wie ich es getan habe. Ich glaube an Gott, an ein höheres Wesen. Ich hatte nie etwas gegen Gott. Ich habe ordentlich gelebt. Mein Lebensmotto lautete: Tue recht und scheue niemand. Ich habe regelmäßig meine Kirchensteuer gezahlt. Bei großen Katastrophen habe ich meisten große Spenden für die Diakonie-Katastrophenhilfe oder UNICEF gegeben. Ich bin sogar einige Male im Jahr in die Kirche gegangen. Außerdem habe ich mich oft um die Kinder unserer Nachbarin gekümmert. Sie war allein erziehend. Armes Ding. Außerdem war ich viele Jahre ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagiert. Zuletzt wurde ich dort sogar zum Ehrenmitglied ernannt. Mir wird nichts passieren. Ich habe eine durchweg positive Lebensbilanz. Eine junge Frau mit Brille und einigen Büchern unterm Arm unterbricht ihn. Sie ruft in die Menge: Ich habe mal gelesen, dass man einfach an Gott glauben müsse, dann stünde der Himmel jedem offen. Ich glaube an einen lieben Herrgott, der über uns allen thront. Der wird mir schon vergeben. Eine ältere Frau mit Kopftuch ruft mahnend in den Raum. Sie erhebt ihren Zeigefinger: Macht es euch nicht zu leicht! Gott wird uns alle bestrafen. Keiner wird gut genug sein. Ich selbst habe sehr fromm gelebt. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es reichen würde. Ich hatte nie die Gewissheit: Ich kann vor diesem heiligen Gott bestehen. Denn das, was ich für Gott tu, reicht nie ganz. Es ist immer zu wenig. Ich passe nie wirklich zu ihm. Ich habe oft so gelebt,

2 2 dass ich wusste: Jetzt wird Gott drauf schlagen. Ich werde die Rechnung noch geliefert bekommen. Irgendwann wird es mich treffen. Einige andere Menschen werden neugierig angeschaut. Sie haben unter ihrem Arm drei Pakete mitgebracht. Sie sind schon aufgerissen. Als ob sie sich aus diesen Paketen schon bedient hätten. Wie die Menschen sich so austauschen, öffnet sich langsam die große Tür. Alle sind gespannt: Was wird sie hinter der Tür erwarten? Der junge Mann mit dem Joint lächelt etwas bekifft - immer noch in seiner Ecke. Der Mann mit Anzug steht selbstbewusst vor der sich öffnenden Türe. Die junge Frau schaut gespannt durch den Türschlitz. Sie legt ihre Bücher auf einem Stuhl ab. Und die alte Dame mit Kopftuch kann vor lauter Schreck gar nicht hinschauen. Sie zittert am ganzen Körper. Als die Tür sich schließlich ganz öffnet, erscheint vor ihrer aller Augen ein Gerichtssaal. Auf dem Richterstuhl sitzt ein Mann. Er wird so um die 30 Jahre alt sein. Freundlich bittet er die Menschen in den Saal. Sie betreten ihn. Sie setzen sich auf die für sie vorgesehenen Stühle. Auf ihnen steht: Angeklagte. Nun wird die Anklage verlesen: Im Namen Gottes ergeht folgende Anklage Der Mann auf dem Richterstuhl schaut allen Menschen ins Gesicht. Jeder spürt: Ich bin gemeint! Der Mann auf dem Richterstuhl liest weiter: Du, lieber Mensch hast dich in deinem Leben nicht von mir lieben lassen. Du hast gegen mich rebelliert. Ich war dir gleichgültig. Du hast dich von mir entfernt. Du sitzt auf dieser Anklagebank, weil du dir selbst das Urteil gesprochen hast. Du hast dich selbst zum Tod verurteilt. Ein Leben ohne mich bedeutet ewiger Tod. Der lässige Kiffer hat seinen Joint längst beiseite gelegt. Er ist jetzt hell wach. Aber ich dachte immer, es gäbe kein Gericht. - Gott ist doch ernst zu nehmen. Er schluckt! Der selbstbewusste Herr im Anzug grinst immer noch vor sich hin. Er ist sich seiner Sache sehr sicher. Die ältere Dame mit Kopftuch ist starr vor Entsetzen. Die junge Frau schüttelt mit dem Kopf. Der Mann auf dem Richterstuhl fährt fort: Manche von euch sagen: Ich habe doch gut genug gelebt. Ich hatte nie etwas gegen Gott. Der gut gekleidete Herr steht auf und grinst weiterhin. Der Richter aber sagt nun etwas, das dem Mann die Laune verdirbt: Hast du denn nicht in meinem Wort gelesen? Da steht in Römer 3: Alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte.! Der Mann setzt sich wieder. Er war sich doch so sicher.

3 3 Andere von euch meinen: ich sei kein Richter! Hm, ihr seht selbst. Auch das findet ihr auf vielen Seiten der Bibel. Wäre es nicht schlimm, wenn ich alle Menschen in den Himmel zwingen würde? Menschen, die schon zu Lebzeiten nie nach mir gefragt haben, wollen doch jetzt nicht plötzlich auf ewig mit mir leben. Ich respektiere ihre Entscheidung, die sie zu Lebzeiten gefällt haben. So ernst nehme ich sie. Der coole Mann mit dem Joint schaut nun sehr nachdenklich. Andere wiederum, so der Manna auf dem Richterstuhl, meinen: Ich sei der liebe Herrgott, der einfach sagen könne: Schwamm drüber. Alles halb so wild. Aber was wäre das für eine Gerechtigkeit? Der Mund der jungen Frau mit den Büchern bleibt offen stehen. Wieder andere von euch meinen: Sie wären nie gut genug! Diese Menschen haben zumindest erkannt, dass fromme oder soziale Leistungen nie ausreichen, um in den Himmel zu kommen. In meinem Wort heißt es doch auch in Röm 3, 24: Gott fragt in seinem Urteil nicht nach Leistungen, wie das Gesetz (Gottes) sie fordert. Es stimmt tatsächlich. Ihr könnt euch den Himmel nicht verdienen. Wie heißt es in einem eurer neueren Lieder: Kein Mensch wird einen Platz im Himmel erben, auch wenn er fromm und fleißig danach strebt. Mit seiner Leistung kann er nichts erwerben, selbst, wenn er stur an den Geboten klebt. Wenn ihr auf euer eigenes Leben schaut, werdet ihr immer wieder feststellen: Es genügt nicht. Gott kann mich nie annehmen. Der Mann auf dem Richterstuhl atmet tief durch. In seinen Gesichtszügen kann man sie lesen: Seine tiefe Liebe und sein heiliger Ernst. Alle Augen schauen auf ihn! Alle wollen es nun hören! Alle wollen nun die Antwort auf die entscheidende Lebensfrage: Wie bekomme ich Leben mit Ewigkeitswert? Wie kann ich vor Gott bestehen? Der Mann steht von seinem Richterstuhl auf. Er wendet sich den Angeklagten zu. Dann tut er etwas, was die meisten überrascht: Er setzt sich auf einen der Plätze, die für die Verurteilten vorgesehen sind. Nun zieht er seine Hemdsärmel nach oben, so dass man seine Handgelenke sehen kann. An beiden Handgelenken sind Wundmale. Wundmale, die von zwei Nägeln stammen. Als nächstes zeigt der Mann den Menschen seine nackten Füße. Auch dort ist ein Wundmal zu sehen. Nun greift er hinter sich. Zum Vorschein kommt eine Dornenkrone. Er setzt sie sich auf seinen Kopf und schaut die Menschen mit seiner ganzen Liebe: Das war für dich! Du musstest es nur ergreifen! Du musstest dich nur lieben lassen mit meiner Liebe am Kreuz! Ich habe für dich deinen Tod und deine Verfehlungen auf mich genommen. Höre es noch einmal! Für dich! Ich sitze hier als Verurteilter an deiner Stelle!

4 4 Wer meint, sich selbst Vergebung bei mir verdienen zu können, der tritt meine Liebe am Kreuz mit Füßen. Wer meint neben meinem Kreuz müsste er noch einige fromme Pflicht- Übungen draufsatteln, damit es reicht, tut es ebenso. Ihr hättet mir und meiner Liebe am Kreuz nur vertrauen müssen. Dann wärd ihr schon zu euren Lebzeiten frei gesprochen gewesen. Und ihr wärd dazu noch reich beschenkt worden. Ich habe es euch doch meinem Freund Paulus von mir ausrichte lassen: Hört doch, was er in Römer 5 sagt: 1 Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. 2 Wir können ihm vertrauen, er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz. [ ] 5 Uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt. 6 Schon damals, als wir noch hilflos der Sünde ausgeliefert waren, ist Christus zur rechten Zeit für uns gottlose Menschen gestorben. 7 Kaum jemand von uns würde für einen anderen Menschen sterben, selbst wenn er schuldlos wäre. Es mag ja vorkommen, dass einer sein Leben für einen ganz besonders gütigen Menschen opfert. 8 Gott aber hat uns seine große Liebe gerade dadurch bewiesen, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren. Habt ihr das denn nicht gehört? Schon zu euren Lebzeiten galt jedem von euch, der mir, Jesus vertraut: Du bist freigesprochen! Und warum? Weil meine Liebe so groß war, dass ich für euch starb, an eurer Stelle! So dürfen nun alle den Raum in die Herrlichkeit Gottes verlassen, die das für sich in Anspruch genommen haben. Und ihr geht als reich beschenkte Menschen, mit mindestens drei Paketen unterm Arm. Pakete, die manche von euch mitgenommen haben, Pakete, aus denen ihr euch schon zu Lebzeiten bedienen durftet, Pakete, die schon zu Lebzeiten bereit lagen. Sie lagen vor meinem Kreuz bereit, für jeden von euch. Der Mann mit den Wundmalen greift sich eines der drei Pakete eines kleinen Mädchens mit blonden Zöpfen, die in seiner Nähe sitzt. Schaut, sagt er. Auf dem ersten Paket steht Friede mit Gott! (siehe Röm 5, 1) Egal ob ihr ihn gespürt habt oder nicht: Wenn ihr mir vertraut habt, hattet ihr ihn schon zu Lebzeiten. Der Mann nimmt das zweite Paket, auf dem steht: Gewissheit auf

5 ewiges Leben. Er fährt fort mit den Worten: Wer mit mir lebt, der darf sich auf die Ewigkeit freuen, sie ist gewiss. Oder wie hat es mein Kind Paulus gesagt? Wir können Jesus vertrauen, er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz. (Röm 5,2) Zuletzt nimmt er das dritte Paket, auf dem geschrieben steht: Die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist (siehe Römer 5,5) Auch das hat jeder, der mir geglaubt hat: Den Heiligen Geist in seinem Herzen. Meinen Geist, der meine Liebe immer wieder in eure Herzen ausschüttet. Nun habt ihr diese Liebe bis zum Überfließen. Frei gesprochen und 3mal reich beschenkt: Frieden mit Gott Gewissheit des ewigen Lebens 5 Die Liebe Gottes in unseren Herzen Der Mann mit den Wundmalen gibt dem blonden Mädchen die drei aufgerissenen Pakete zurück. Die Augen des Mädchens strahlen. Voller Freude packt sie die drei Päckchen unter ihren Arm und geht - frei von Schuld. Sie geht im vollendeten Frieden mit Gott. Sie geht mit der fröhlichen Gewissheit, dass jetzt die Ewigkeit auf sie wartet. Sie geht vollkommen erfüllt vom Heiligen Geist, der ihr Herz überfließen lässt von Gottes Liebe. Das alles dank IHM, dem Mann auf dem Richterstuhl. Er hat sich für sie verurteilen lassen! Amen Das folgende Lied von Christoph Zehendner fasst noch einmal zusammen: Alles ist geschenkt von Gott, wie? Durch Jesus Christus! Am Kreuz. Durch mein Vertrauen auf ihn! Lied. Das schenkt uns Gott:

6 Das schenkt uns Gott 1. Kein Mensch, kann sich ein gutes Leben kaufen. Zufriedenheit und Glück gibt s nicht für Geld. Wer Sinn und Ziel sucht, wird vergeblich laufen im Hamsterrad der ruhelosen Welt. Wir kommen an die Grenzen und stell n fest, dass sich das Leben nicht erzwingen lässt! Refr.: /: Was uns unmöglich erscheint, was uns unmöglich erscheint, das, was uns unmöglich erscheint, das schenkt uns Gott, das schenkt uns Gott. :/ 6 2. Kein Mensch wird einen Platz im Himmel erben, auch wenn er fromm und fleißig danach strebt. Mit seiner Leistung kann er nichts erwerben, selbst, wenn er stur an den Geboten klebt. Wir kommen an die Grenzen und stell n fest, dass sich das Himmel nicht erzwingen lässt! Refr.: /: Was uns unmöglich erscheint, was uns unmöglich erscheint, das, was uns unmöglich erscheint, das schenkt uns Gott, das schenkt uns Gott. :/

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