Wohnen im Zeitalter der Inklusion. Lebensräume und Lebensträume?

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1 Wohnen im Zeitalter der Inklusion Lebensräume und Lebensträume?

2 Vorbemerkung I. DIE BEHINDERTENRECHTSKONVENTION 2

3 UN Behindertenrechtskonvention Österreich: Ratifizierung Deutschland: Ratifizierung

4 Zentraler Gedanke: Art. 3 Allgemeine Grundsätze Die Grundsätze dieses Übereinkommens sind: a) die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit; 4

5 Zentraler Gedanke: Art. 3 Die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit. 5

6 Was ist das eigentlich? II. WOHNEN 6

7 Was ist Wohnen? 7

8 Was ist Wohnen? Zuhause sein Verwurzelt sein Zugehörigkeit Individualität einer Wohnung 8

9 Was ist Wohnen? 1. Wohnung als Raum für Geborgenheit, Schutz und Sicherheit 2. Wohnung als Raum für Beständigkeit und Vertrautheit 3. Wohnung als Raum für Selbstverwirklichung und Selbstverfügung 4. Wohnung als Raum für Kommunikation und Zusammenleben 5. Wohnung als Raum für Selbstdarstellung und Demonstration von sozialem Status 9

10 Inhaltliche Ausgestaltung durch Mitarbeiter: III. RAHMENBEDINGUNGEN 10

11 Psychosoziale Hilfeleistung Förderung, Therapie und Motivation durch individuelle und soziale Angebote, Gemeinwesenarbeit, Integration in ein bereitgestelltes soziales, autismuskompetentes Netzwerk einschließlich Selbsthilfe, 11

12 Psychosoziale Hilfeleistung Unterstützung bei Partnerschaftssuche und Beziehungsgestaltung, Entwicklung altersgerechter Beziehungen zur Herkunftsfamilie 12

13 Soziokulturelle Bildungshilfe Lernhilfen für die optimale Nutzung von Freizeit und Kulturangeboten 13

14 Beratung und Unterstützung Gestaltung einer sinnvollen Tagesstrukturierung und Beschäftigung bzw. Arbeitsintegration 14

15 Menschsein heißt wohnen! und wohnen heißt Zuhause sein Zuhause sein heißt Wohlfühlen Wohlfühlen bedeutet Geborgenheit Geborgenheit heißt Verstanden werden Verstanden werden heißt Wertschätzung Zuhause bedeutet: leben in einem angenehmen Umfeld: es ist mein LEBENSORT! 15

16 Zauberformel oder billiges Schlagwort? IV. INKLUSION 16

17 ZAUBERFORMEL!!!! In der Mitte der Gesell schaft 17 Bildquellen: olpe.de

18 Integration Inklusion Inklusion: Alles ist gemischt Integration: Die Gruppe in der Gruppe 18

19 UN Behindertenrechtskonvention Deutschsprachige Übersetzung: Teilhabe, Integration, Einbeziehung Englischer Originaltext: Inclusion Französische Übersetzung: Inclusion ABER: INKLUSION ist als Begriff geläufig!!! 19

20 Inklusion Gilt für ALLE Menschen: Migranten, Gleichgeschlechtliche Lebenspaare, Drogenabhängige, Reiche und Arme, Behinderte und Nichtbehinderte, Arbeitslose und Arbeitende, Liebespaare und Singles, DU und ICH Inklusion: Vielfalt (Diversity) bereichert das Leben!! 20

21 An Inklusion kommt niemand vorbei: Wer Inklusion will, sucht Wege wer sie verhindern will, sucht Begründungen. (Hubert Hüppe, Beauftragter der deutschen Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen) 21

22 Neue Wohnformen? andere Lebensformen im Zeitalter von Inklusion! Vielfältige Angebotsstruktur notwendig Entscheidung am Einzelfall, nicht nach Pauschale oder Katalog Funktionierende Netzwerke 22

23 Neue Begleitung und Beratung? Individualität Akzeptanz Respekt Wertschätzung Begegnung auf Augenhöhe Selbstbestimmung Autonomie 23

24 Unbekanntes Wesen in einem schwierigen Kontext? V. MITARBEITER/IN 24

25 Zentrale These für die Tätigkeit in sozialpädagogischen Berufen muss eine persönliche personenbezogene Kompetenz vorhanden sein, die nicht in Ausbildung und Studium gelehrt oder vermittelt werden kann die unsichtbare Qualifikation. 25

26 Professionalität In dieser Arbeit haben wir nicht wie ein Musiker ein Instrument zur Verfügung das Instrument sind wir selber. Und wie ein Geiger seiner Geige, müssen wir diesem Instrument uns selber Sorge tragen, es in Ordnung halten, stimmen und pflegen. ( ) Professionalität erfordert die Bereitschaft, sich mit sich selber auseinanderzusetzen und an sich zu arbeiten, um sich die für diese Arbeit notwendige Fachkompetenz anzueignen und zu erhalten (Pörtner 2007; S. 96). 26

27 Unsichtbar? Sie ist insofern unsichtbar, als sie nur schwer zu beschreiben oder zu definieren ist, nicht messbar im Sinne eines methodischen/ standardisierten Prozesses ist, auch deshalb unsichtbar, weil sie an die jeweilige Person des beruflich Handelnden gebunden ist und weder übertragbar noch mit anderen Personen vergleichbar ist. 27

28 Rolle/ Funktion des Mitarbeiters MA arbeiten (bezahlt) im Lebensraum der Autisten: in ihrem Zuhause. MA teilen einen Abschnitt ihrer eigenen Biographie mit der der Autisten. MA haben das Glück (?), mit diesen Persönlichkeiten eine Zeitlang legitimiert zusammen sein zu dürfen. 28

29 MA dürfen Erfahrungen machen, die ihnen sehr wahrscheinlich in anderen Zusammenhängen so nicht begegnen werden: a) besondere Momente von Glück b) Grenzerfahrungen c) Erleben von sehr komplizierten Persönlichkeiten d) Denken über den eigenen Horizont hinaus e)... 29

30 Mitarbeiter Gast im Leben der Autisten

31 als Gast gebietet es, eine höfliche und respektvolle Haltung zueinander zu haben und sich respektvoll zu begegnen: vor dem Besitz des anderen vor der Persönlichkeit des anderen vor seinen Befindlichkeiten vor seinen Eigenarten/ Vorlieben vor seiner Individualität vor 31

32 Das erfordert vom Mitarbeiter: sich auf den Autisten einzulassen Verstrickungen zuzulassen Irritationen auszuhalten Widersprüche zu akzeptieren Unerklärbares als unauflösbares Rätsel zu akzeptieren Nicht alles muss analytisch diskutiert werden 32

33 Pädagogische Haltung Ein Mitarbeiter muss Lust auf und Neugierde für f r diesen Autisten haben, auf seine Eigenarten gespannt sein und sein persönliches individuelles Rätsel verstehen lernen. 33

34 Dienst zu haben heißt, einen Besuch im Leben des Autisten zu machen, mit ihm seine Befindlichkeiten zu teilen und sich um ihn zu kümmern. k 34

35 Lebensräume Lebensträume und so werden in Lebensräumen Lebensträume realisiert, wenn es uns gelingt, an und von und mit unserem Gegenüber, dem Anderen, zu lernen, eine Bereicherung zu erfahren. Das ist die wesentliche ethische Aufgabe der unsichtbaren Qualifikation und das ist und bleibt stetige Aufgabe für alle in diesem Bereich beruflich Tätigen. Ende

36 Literatur breitenbrunn.de s.mueller breitenbrunn.de Bielefeld, M.: Zum Innovationspotential der UN Behindertenrechtskonvention; Berlin 2009, 3. akt. und erw. Auflage Bölte, S. (Hg.): Autismus; Bern 2009 Hähner, U.: Vom Betreuer zum Begleiter; Marburg 2009, 6. Aufl. Müller Teusler, S.; Prim, W.: Wohnen und Alter(n) mit Zukunft; in: autismus Deutschland (Hg.): Autismus im Wandel; Hamburg 2006 Müller Teusler, S.: Das Heim ist das Zuhause!; in: Müller Teusler, S. (Hg.) Müller Teusler, S. (Hg.): Autistische Menschen. Leben in stationärer Betreuung; Freiburg/B Pörtner, M.: Ernstnehmen, Zutrauen, Verstehen; Stuttgart 2008, 6. überarb. und erweit. Auflage Sebastian, E.: Schöner Wohnen ; in: Müller Teusler, S. (Hg.) Theunissen, G.; Plaute, W.: Handbuch Empowerment und Heilpädagogik; Freiburg/ B Wolf, M.: Schnee im Juli; Innsbruck 2007 Wohnformen f. Autisten 36

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