Prof. Dr. Christian Merkl / Prof. Dr. Claus Schnabel WS 2012/13. Bachelorprüfung Makroökonomie

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1 Prof. Dr. Christian Merkl / Prof. Dr. Claus Schnabel WS 2012/13 Hinweise: Bachelorprüfung Makroökonomie Beantworten Sie nach freier Wahl drei der vier angebotenen Aufgaben. Geben Sie auf Ihrem Lösungsblatt (karierter Bogen) bitte Ihren Namen, Vornamen, Ihre Matrikelnummer und die Nummern der zu bewertenden Aufgaben an. Schreiben Sie bitte deutlich lesbar und lassen Sie einen ausreichenden Korrekturrand. Achten Sie auf vollständige Beschriftung und Erklärung der verlangten Grafiken. Denken Sie daran, bei Berechnungen den Ansatz (verbal und algebraisch) zu erwähnen. Bearbeitungszeit: 90 Minuten Hilfsmittel: Taschenrechner Verwenden Sie für Ihre Antworten zu den Aufgaben 3 und 4 ausschließlich den Multiple Choice Lösungsbogen. Einträge in der Aufgabenstellung werden nicht gewertet! Nutzen Sie einen dunklen Kugelschreiber! Bitte beschriften Sie den Multiple Choice Lösungsbogen mit Ihrem Namen (in DRUCKBUCHSTABEN) und Ihrer Matrikelnummer! Beispiel: Viel Erfolg!

2 Aufgabe 1 In einer geschlossenen Volkswirtschaft betrage der Geldangebotsmultiplikator m = 4 und die monetäre Basis B = 325. Die Nachfrage nach Realkasse sei gegeben durch die Funktion L(Y,i) = 0,2Y i. Das Preisniveau sei langfristig P = 1,3 und der langfristige Output weise eine Höhe von Y = auf. a) Berechnen Sie den langfristigen nominalen Gleichgewichtszins i* der Volkswirtschaft. b) Stellen Sie das langfristige Gleichgewicht auf dem Geldmarkt anhand einer Grafik dar und erläutern Sie die Kurvenverläufe. c) Die Zunahme von Einkäufen über das Internet hat in den letzten Jahren zu einer Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs geführt. Beschreiben Sie in knapper Form, wie und durch welche Einflussgröße sich diese Entwicklung auf die Höhe des Geldangebotsmultiplikators m auswirkt. Zeigen Sie dies auch algebraisch anhand der Formel m=(cr+1)/(cr+rr). d) Erläutern Sie kurz unter Verwendung der Fisher-Gleichung, weshalb es in der kurzen Frist nicht notwendig ist zwischen dem realen Zinssatz r und dem nominalen Zinssatz i zu unterscheiden. e) In der kurzen Frist sei die Nachfrage nach Realkasse gegeben durch die Funktion L(Y,r) = 0,2Y r und das Preisniveau betrage P = 2,6. Berechnen Sie die LM-Kurve der Volkswirtschaft. (Sollten Sie keine Lösung erhalten, rechnen Sie mit Y = r als LM-Kurve weiter.) f) Die IS-Kurve dieser Volkswirtschaft sei gegeben durch die Gleichung IS: Y = r. Berechnen Sie das kurzfristige Gleichgewicht dieser Volkswirtschaft. Aufgabe 2 In einer geschlossenen Volkswirtschaft betrage die Abschreibungsrate δ = 0,01 und die Wachstumsrate des technischen Fortschritts g = 0,015. Die Bevölkerung wachse zunächst nicht, d.h. n 0 = 0. Der Kapitalstock pro Effizienzeinheit betrage k = 100, die Sparquote s = 0,2. Die Produktionsfunktion pro Effizienzeinheit laute y = f(k) = k 0,5. a) Berechnen Sie das aktuelle Konsumniveau pro Effizienzeinheit. b) Was versteht man unter dem steady state, wenn es technischen Fortschritt gibt? Berechnen Sie den Kapitalstock pro Effizienzeinheit im steady state. (Wenn Sie in b) kein Ergebnis erhalten haben, rechnen Sie bitte mit k = 25 weiter.) c) Berechnen Sie das Grenzprodukt des Kapitals der Volkswirtschaft im steady state mit technischem Fortschritt. d) Was versteht man unter dem Kapitalstock der goldenen Regel? Leiten Sie algebraisch die Bedingung für den Kapitalstock der goldenen Regel her. Berechnen Sie dann den Kapitalstock und die Sparquote der goldenen Regel. e) Nehmen Sie nun an, dass die Erwerbsbevölkerung aufgrund des demographischen Wandels abnimmt, d.h. die Wachstumsrate der Bevölkerung sinkt von n 0 auf n 1, mit n 1 <n 0. Stellen Sie den alten und neuen steady state in einer Grafik dar und erläutern Sie den Anpassungsprozess.

3 Aufgabe 3 Hinweis: Diese Aufgabe besteht aus 8 Teilaufgaben. Jede Frage bietet mehrere Antwortmöglichkeiten, von denen jeweils nur eine korrekt ist. Kreuzen Sie jeweils die korrekte Antwort auf dem beigefügten Lösungsbogen an. Da es keinen Punktabzug für falsche Antworten gibt und die Wahrscheinlichkeit, zufällig richtig zu liegen, ohnehin in der Punkteskala berücksichtigt wird, empfiehlt es sich, alle Fragen zu beantworten (d.h. notfalls auch zu raten). Aufgabe 3.1 Eine Volkswirtschaft sei durch folgende Daten gekennzeichnet (Angaben in Mrd. Euro): Private Konsumausgaben 1500 Nettoexporte -100 Produktionswert 3100 Gütersteuern 500 Bruttoinlandsprodukt 2600 Saldo der Primäreinkommen mit der übrigen Welt -200 Konsumausgaben des Staates 600 Gütersubventionen 100 Arbeitnehmerentgelt 1400 Lohnquote 70% Abschreibungen 300 Bruttoinvestitionen 600 Produktions- und Importabgaben an den Staat 150 (i) Wie hoch ist das Nettonationaleinkommen der Volkswirtschaft? a) 1100 b) 1700 c) 2100 d) 2500 e) 3100 (ii) Wie hoch ist die Bruttowertschöpfung der Volkswirtschaft? a) 2000 b) 2200 c) 2600 d) 3000 e) 3200 (iii) Wie hoch ist das Unternehmens- und Vermögenseinkommen der Volkswirtschaft? a) 400 b) 585 c) 600 d) 615 e) 650 Aufgabe 3.2 Welche der folgenden Aussagen ist richtig? Im IS/LM-Modell führt (bei Nichtvorliegen von Investitions- oder Liquiditätsfalle) eine Erhöhung der Steuern a) zu einer Rechtsverschiebung der IS-Kurve. b) zu einer Linksverschiebung der LM-Kurve. c) zu steigendem Einkommen. d) zu sinkenden Zinsen. e) zu sinkenden Investitionen (crowding out). Aufgabe 3.3 Entsprechend ökonomischer Theorien aus der Vorlesung ist zu erwarten, dass ein Ankauf von Anleihen durch die Zentralbank a) zu einem steigenden nominalen Wechselkurs führt, da die inländische Ersparnis abnimmt. b) zu einem steigenden nominalen Wechselkurs führt, da die Nettoauslandsinvestitionen steigen. c) zu einem fallenden nominalen Wechselkurs führt, da langfristig das inländische Preisniveau steigt. d) zu einem fallenden nominalen Wechselkurs führt, da die inländischen Investitionen zurückgehen. e) Keine der Aussagen a) bis d) ist richtig.

4 Aufgabe 3.4 In einer kleinen offenen Volkswirtschaft sei die Ersparnis doppelt so hoch wie die Investitionen. Die Nettoexporte seien beschrieben durch die Funktion NX(ε) = ε. Es herrsche Kaufkraftparität. Wie hoch ist die Ersparnis? a) 0 b) 100 c) 200 d) 300 e) 400 Aufgabe 3.5 Welche der folgenden Aussagen ist richtig? Im Solow-Wachstumsmodell mit Bevölkerungswachstum und technischem Fortschritt wächst der Output pro Kopf im steady state a) nicht. b) mit der Wachstumsrate der Bevölkerung. c) mit der Rate des technischen Fortschritts. d) mit der Wachstumsrate der Bevölkerung plus der Rate des technischen Fortschritts. e) mit der Wachstumsrate des Kapitalstocks pro Effizienzeinheit. Aufgabe 3.6 Welche Aussage zur Phillips-Kurve ist richtig? a) Liegen rationale Erwartungen vor, so kann aufgrund der Phillips-Kurve zwischen niedriger Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation gewählt werden. b) Bei adaptiven Erwartungen muss die Inflationsrate immer weiter erhöht werden, um die Arbeitslosigkeit dauerhaft unter ihr natürliches Niveau zu senken. c) Da die Steigung der Phillips-Kurve nicht von der erwarteten Inflation abhängt, wird der Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosigkeit von Inflationserwartungen nicht beeinflusst. d) Der negative Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation besteht nur in der langen Frist. Aufgabe 3.7 Welche der folgenden Aussagen zum Verbraucherpreisindex ist falsch? a) Er verdichtet die Preise einer Vielzahl von Gütern zu einem Index, der das gesamtwirtschaftliche Preisniveau beschreibt. b) Er erfasst ausschließlich die Preise von Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten gekauft werden. c) Er wird unter Verwendung eines festen Warenkorbes berechnet (Laspeyres-Index). d) Er berücksichtigt die Möglichkeit von Gütersubstitution infolge sich ändernder Preise nicht vollständig. e) Er unterschätzt tendenziell den wahren Anstieg der Lebenshaltungskosten. Aufgabe 3.8 Eine Volkswirtschaft sei durch folgende Cobb-Douglas-Produktionsfunktion beschrieben: Y = F(K,L) = K 0,5 L 0,5. Die Volkswirtschaft verfüge jeweils über Einheiten Kapital und Arbeit. Der Bestand an Produktionsfaktoren sei fix. Welche der folgenden Aussagen ist für diese Volkswirtschaft falsch? a) Ein gesetzlicher realer Mindestlohn von 0,25 führt nicht zu Arbeitslosigkeit. b) Bei einem realen Mindestlohn von 1,5 werden 7500 Menschen arbeitslos. c) Im Gleichgewicht ist die Lohnquote genauso hoch wie der Reallohn. d) Eine Reduktion des Kapitalstocks K führt zu einem Sinken des Reallohns. e) Ein Mindestlohn ruft umso weniger Arbeitslosigkeit hervor, je steiler die Arbeitsnachfragekurve ist.

5 Aufgabe 4 Hinweis: Diese Aufgabe besteht aus 10 Teilaufgaben. Jede Frage bietet mehrere Antwortmöglichkeiten, von denen jeweils nur eine korrekt ist. Kreuzen Sie jeweils die korrekte Antwort auf dem beigefügten Lösungsbogen an. Da es keinen Punktabzug für falsche Antworten gibt und die Wahrscheinlichkeit, zufällig richtig zu liegen, ohnehin in der Punkteskala berücksichtigt wird, empfiehlt es sich, alle Fragen zu beantworten (d.h. notfalls auch zu raten). Aufgabe 4.1 Angenommen, es herrsche Kaufkraftparität. Weiterhin betrage das europäische Preisniveau 1,5 und das US-amerikanische 0,75. Dann ergibt sich ein nominaler Wechselkurs ($/ ) von a) 0,4 b) 0,5 c) 1,0 d) 1,25 e) 2,00 Aufgabe 4.2 Die Abwrackprämie hat dazu geführt, dass mehr Autos gekauft wurden und daher weniger gespart wurde. Außerdem stieg die Nachfrage nach ausländischen Autos an. Welche Auswirkungen ergeben sich im Modell der kleinen offenen Volkswirtschaft (im Gleichgewicht)? a) Kein eindeutiger Effekt auf Nettoexporte und sinkender realer Wechselkurs. b) Kein eindeutiger Effekt auf Nettoexporte und steigender realer Wechselkurs. c) Sinkende Nettoexporte und kein eindeutiger Effekt auf den realen Wechselkurs. d) Sinkende Nettoexporte und sinkender realer Wechselkurs. Aufgabe 4.3 Eine geschlossene Volkswirtschaft sei durch die Produktionsfunktion (pro Effizienzeinheit) y = f(k) = 6k 0,5 beschrieben. Die Abschreibungsrate betrage 0,10, die Bevölkerungswachstumsrate 0,03 und die Rate des technischen Fortschritts 0,02. Der stationäre Kapitalstock pro Effizienzeinheit mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsumniveau beträgt dann a) 100 b) 200 c) 300 d) 400 e) 500 Aufgabe 4.4 Die Volkswirtschaft befindet sich im steady state der Goldenen Regel. Es gibt keinen technologischen Fortschritt und kein Bevölkerungswachstum. Dann führt eine Steigerung der Sparquote im Solow-Modell im neuen steady state a) zu einer Steigerung des Pro-Kopf-Konsums. b) zu einem Sinken des Pro-Kopf-Kapitalstocks. c) zu höheren Abschreibungen auf den Pro-Kopf-Kapitalstock. d) zu einem Sinken der Wachstumsrate der Pro-Kopf-Produktion. e) zum Sinken der Investitionen. Aufgabe 4.5 Welche der folgenden Aussagen zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist richtig? a) Politische Entscheidungen sollten sich an nominalen Größen orientieren, da reale Größen durch Preise beeinflusst werden. b) Das Bruttoinlandsprodukt erfasst alle Güter und Dienstleistungen, die in einem Land in einem Jahr konsumiert wurden. c) Bei der Berechnung des BIP werden Gütersteuern und -subventionen berücksichtigt, um den Wert des BIP zu Faktorkosten zu erhalten. d) Das Bruttonationaleinkommen wird nach dem Inländerprinzip ermittelt, wobei alle Personen mit inländischer Nationalität Inländer sind.

6 Aufgabe 4.6 Da ein Bank Run und eine anschließende Zahlungsunfähigkeit von Banken befürchtet werden, erhöhen Privatpersonen und Unternehmen ihre Bargeldhaltung. Welche Aussage ist ceteris paribus richtig? a) Die monetäre Basis sinkt, da weniger Bargeld von den Banken als Reserve gehalten wird. b) Die Geldmenge steigt, da mehr Bargeld im Umlauf ist. c) Die Geldmenge steigt, da das Bargeld-Einlage-Verhältnis steigt. d) Das Geldschöpfungspotential sinkt, da die Banken weniger Kredite vergeben können. e) Der Geldmengenmultiplikator bleibt konstant, da sich weder das Reserve-Einlage- Verhältnis noch das Bargeld-Einlage-Verhältnis ändern. Aufgabe 4.7 Aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise blicken die Menschen in vielen europäischen Ländern pessimistischer in die Zukunft und senken daher ihren autonomen Konsum. Welche Auswirkungen hat dieses Verhalten ceteris paribus im Modell der geschlossenen Volkswirtschaft mit exogenen Investitionen? a) Die Ersparnisse steigen, wobei die Höhe des Anstiegs von der marginalen Konsumquote abhängt. b) Die Ersparnisse steigen um den Betrag, um den der autonome Konsum sinkt. c) Die Ersparnisse bleiben konstant. d) Die Ersparnisse sinken. Aufgabe 4.8 Eine Volkswirtschaft befinde sich in der Liquiditätsfalle. Die geplanten Ausgaben seien gegeben durch E(Y) = ,8Y. Dann führt eine Erhöhung der Steuern um 100 im IS/LM- Modell zu einer Senkung des Gleichgewichtseinkommens um a) 0 b) 80 c) 250 d) 400 e) 500 Aufgabe 4.9 Die Bankenaufsicht beschließt zur Erhöhung der Bankenstabilität die Banken zu einer Erhöhung des Reserve-Einlagen-Verhältnisses zu zwingen. Welche Aussage ist in einer geschlossenen Volkswirtschaft falsch? a) Der Geldschöpfungsmultiplikator sinkt. b) Der gleichgewichtige Nominalzins, der Geldangebot und Geldnachfrage ins Gleichgewicht bringt, steigt. c) Im IS-LM Modell führt dies zu sinkendem Einkommen. d) Im AS-AD Modell führt dies kurzfristig zu Einkommensverlusten und langfristig zu einem Anstieg des Preisniveaus. e) Laut Phillipskurvenzusammenhang führt dies zu kurzfristiger Arbeitslosigkeit über dem natürlichen Niveau. Aufgabe 4.10 Welche der folgenden Aussagen zu Stabilisierungspolitik ist falsch? a) Stabilisierungspolitik wird nur durch inside lags erschwert, während in anderen Politikbereichen, etwa der Forschungsförderung, auch outside lags bedeutsam sind. b) Die Arbeitslosenversicherung wirkt als automatischer Stabilisator. c) Bei diskretionärer Stabilisierungspolitik entsteht regelmäßig das Problem der Zeitinkonsistenz, wenn Anreize bestehen von Ankündigungen abzuweichen. d) Automatische Stabilisatoren dämpfen Konjunkturschwankungen mit vergleichsweise geringer Verzögerung, da keine inside lags entstehen. e) Gegner einer aktiven Stabilisierungspolitik argumentieren, dass staatliche Maßnahmen wegen Fehlentscheidungen destabilisierend wirken können.

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