Mediendienst Februar 2012

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1 Mediendienst Februar 2012 Immer mehr ältere Menschen auf Sozialhilfe angewiesen Ab 50 droht die Sozialhilferente Benjamin Diggelmann Informations- und Beratungsangebote müssen altersspezifisch ausgestaltet sein Für Schuldenprobleme gibt es kritische Phasen im Leben Jürg Gschwend Der Mediendienst der Caritas Schweiz ist ein Angebot mit Hintergrundtexten zur freien Verwendung. Für Rückfragen stehen die Autorinnen und Autoren gerne zur Verfügung. Download als PDF unter (nicht öffentlich zugänglich)

2 - 2 - Immer mehr ältere Menschen auf Sozialhilfe angewiesen Ab 50 droht die Sozialhilferente Erhebungen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass immer mehr ältere Menschen Sozialhilfe beziehen müssen. Diese Personen haben aufgrund gesundheitlicher Probleme und der Lage auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen, sich kurzfristig wieder von der Sozialhilfe abzulösen. Caritas fordert deshalb neue Eingliederungsmassnahmen für ältere Personen, die Sozialhilfe beziehen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik hat die Zahl der älteren Sozialhilfebezüger zwischen 2005 und 2010 um rund ein Fünftel zugenommen, während die Sozialhilfequote bei den restlichen Altersgruppen konstant blieb. Den älteren Sozialhilfebeziehenden muss somit vermehrt Aufmerksamkeit gewidmet werden. Berufliche Integration nur für Jüngere? Ältere Sozialhilfebeziehende sind sich gemäss einer laufenden Studie der Berner Fachhochschule oft geschiedene und alleinstehende Männer. Das Risiko sozialer Isolation ist für sie hoch. Sie kämpfen zusätzlich sehr häufig mit gesundheitlichen Problemen. Gemäss Bundesamt für Statistik stieg im Jahr 2007 der Anteil der Langzeitfälle mit wachsendem Alter kontinuierlich an. Bei den 18- bis 25- Jährigen sind 73,1% ein Jahr oder länger auf Sozialhilfe angewiesen. Bei den 56- bis 64-Jährigen beträgt dieser Anteil gar 86,7%. Die als Hilfe in einer individuellen und aktuellen Notlage konzipierte Sozialhilfe ist für ältere Beziehende somit oft eine Sozialrente. Häufig bedeutet dies, dass diese Personen bis zu ihrer Pensionierung in der Sozialhilfe verbleiben. Die beruflichen Integrationsmassnahmen der Sozialhilfe wie beispielsweise Integrationshilfen in den ersten Arbeitsmarkt oder berufliche Orientierungsangebote sind für diese Menschen aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme und ihres höheren Alters oft nicht geeignet. Spezifische Angebote für Personen zwischen 45 und 64, die Sozialhilfe beziehen, gibt es in der Schweiz bisher zu wenige. Ein Grund dafür ist das Argument, dass die knappen finanziellen Mittel, die der Sozialhilfe für die berufliche Integration zur Verfügung stehen, besser für junge Menschen eingesetzt werden. Neue Massnahmen wider die Sozialverrentung Die Sozialhilfe ist als letztes Auffangnetz zur Existenzsicherung von Hilfebedürftigen konzipiert. Sie richtet deshalb kurzfristige Unterstützungsleistungen aus. Dies hat zur Folge, dass wenige bis keine spezifisch für langzeitbeziehende Personen konzipierte Massnahmen vorhanden sind. Zur Minderung der neuen spezifischen Probleme der älteren Sozialhilfebeziehenden müssen deshalb Massnahmen inund ausserhalb der Sozialhilfe geschaffen werden, beispielsweise Arbeitsplätze in Sozialfirmen oder eine Übergangsrente. Die Eingliederungsmassnahmen der Sozialhilfe sollen sich nicht nur an Sozialhilfebezüger richten, deren Chancen auf eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt gut stehen. Die Massnahmen sind

3 - 3 - vielmehr für alle älteren Sozialhilfebeziehenden bereitzustellen, die den Wunsch haben, ihre Situation aktiv zu verändern. Ziel der Massnahmen soll nicht nur die berufliche Integration sein. Ein Verbleib in der Massnahme soll möglich sein. Denn damit kann die Randständigkeit der Personen, die mittelfristig nicht in den ersten Arbeitsmarkt zurückkehren können, verhindert werden. Sozialfirmen sind ein Ort, wo solche Massnahmen realisiert werden können. Caritas Schweiz hat sich deshalb das Ziel gesetzt, bis 2020 eintausend Arbeitsplätze in Sozialfirmen zu schaffen. Weitere neue Massnahmen können sich beispielsweise an der rente-pont im Kanton Waadt orientieren, wo ältere arbeitslose Personen, die am Existenzminimum leben und keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung haben, während einer begrenzten Zeit bis zur Pensionierung mit einer Übergangsrente finanziell unterstützt werden, ohne dass sie auf das Sozialamt gehen müssen. Ziel aller neuen Massnahmen muss es sein, die Sozialhilferente über 50 zu bekämpfen. Welche Massnahme gegen die Sozialverrentung der Personen über 50 auch immer umgesetzt wird: die Teilnahme daran muss freiwillig sein. Benjamin Diggelmann, Projektverantwortlicher Armut und soziale Integration, Caritas Schweiz, , Tel

4 - 4 - Informations- und Beratungsangebote müssen altersspezifisch ausgestaltet sein Für Schuldenprobleme gibt es kritische Phasen im Leben Das Schuldenmachen ist heute bei Privatpersonen sehr verbreitet. Je nach Alter stehen dabei unterschiedliche Schuldenarten im Mittelpunkt. Häufig erfolgt die Verschuldung bei den Übergängen im Lebenslauf. Neue Informations- und Beratungsangebote der Caritas zielen darauf ab, die von Verschuldung bedrohten Menschen in kritischen Übergangsphasen zu erreichen und zu unterstützen. Wer heute Einkaufen geht, benötigt kein Bargeld mehr und kann mit einer Kredit- und Kundenkarte auch bezahlen, wenn das Bankkonto im Minus ist. Das Einkaufverhalten wird damit immer weniger von der finanziellen Situation bestimmt, sondern mehr und mehr von Wünschen und Träumen. Doch nicht nur das Einkaufverhalten, sondern auch das Zahlungsverhalten hat sich gewandelt. Während es früher üblich war, eine Rechnung auf einmal zu begleichen, ist heute das Abstottern in Raten weit verbreitet. Möglich gemacht wird dies durch ein wachsendes Angebot an Kunden- und Kreditkarten mit Teilzahlungsoptionen. Viele Konsumentinnen und Konsumenten besitzen heute eine ansehnliche Zahl dieser Karten, kommen sie doch bei deren Besitz in Genuss von Vorteilen wie Rabatt-Prozenten auf Einkäufen, Spezialangeboten oder Geburtstagsgeschenken. Wer bei all diesen Karten von der Teilzahlungsoption Gebrauch macht, verschuldet sich schnell in beachtlicher Höhe, sieht sich mit hohen Zinskosten konfrontiert und läuft Gefahr, die Übersicht über die Finanzen zu verlieren. Am Übergang von der Berufsausbildung ins Arbeitsleben Junge Erwachsene am Übergang zwischen Berufsausbildung und Arbeit sind besonders gefährdet, sich über Kunden- und Kreditkarten zu verschulden. Sie übernehmen sich in dieser Phase nicht selten finanziell durch die Ausgaben für eine eigene Wohnung, ein geleastes Auto und häufigen Ausgang. Caritas plant im Jahre 2012 ein Projekt zur Unterstützung der jungen Erwachsenen beim Übergang zwischen Berufsausbildung und Arbeit. Familiengründung Vor der Familiengründung überlegen sich nicht wenige Ehepaare einen Wechsel in eine grössere Wohnung. Fehlt das Geld für die Finanzierung des Umzugs und die Einrichtung des Kinderzimmers, ist die Aufnahme eines Konsumkredites rasch ein Thema. Über die anonyme und kostenlose Beratungshotline SOS Schulden bietet Caritas solchen Ehepaaren an, die finanzielle Tragbarkeit eines allfälligen Konsumkredits zu prüfen und bei Bedarf eine weitergehende Beratung zu vermitteln. Nach der Familiengründung können durch das reduzierte Einkommen und die erhöhten Ausgaben Steuerschulden und Krankenkassenausstände entstehen. Die Fachpersonen der Beratungshotline SOS Schulden zeigen den betroffenen Familien in solchen Situationen mögliche Wege der Problemlösung auf.

5 - 5 - Pensionierung Mit der Pensionierung ist eine grosse Einkommenseinbusse verbunden, die zu einem finanziellen Engpass und insbesondere Steuerschulden führen kann. Über die Beratungshotline SOS Schulden wird diesen Menschen eine geeignete Beratungsstelle für die Prüfung eines Steuererlasses oder finanzieller Hilfe vermittelt. Diese neuen Hilfsangebote an den Übergängen im Lebenslauf sollen dazu beitragen, Verschuldete oder von Verschuldung Bedrohte zu unterstützen, bevor sie in ernsthafte Schuldenprobleme geraten. Sie sind deshalb als Prävention zu verstehen. Jürg Gschwend, Leiter Fachstelle Schuldenberatung der Caritas Schweiz, , Tel

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