Geldpolitik: Die geteilte Welt

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1 Geldpolitik: Die geteilte Welt 1. Kompetenzen Die Schülerinnen und Schüler sollen die wesentlichen Aufgaben von Zentralbanken ermitteln. 2. herausarbeiten, inwieweit und aus welchen Gründen sich derzeit die geldpolitischen Maßnahmen der US-amerikanischen Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) unterscheiden. 3. sich vertieft mit der Zielsetzung und Vorgehensweise des EZB- Anleiheprogramms auseinandersetzen. 2. Aufgaben 1. Beschreiben Sie die wesentlichen Aufgaben und Zielsetzungen von Zentralbzw. Notenbanken. 2. Erläutern Sie am Beispiel der Europäischen Zentralbank (EZB), inwieweit diese politisch unabhängig agieren und warum entsprechende Regeln aufgestellt wurden. 3. Arbeiten Sie heraus, inwieweit die geldpolitischen Maßnahmen der USamerikanischen Notenbank (Fed) und der EZB derzeit voneinander abweichen. Überprüfen Sie, ob dies in der Vergangenheit häufig der Fall war. 4. Analysieren Sie die Ursachen für die zu erkennenden Unterschiede in der strategischen Ausrichtung. Erschließen Sie sich hierzu, inwiefern die Notenbankleitungen derzeit unterschiedliche Rahmenbedingungen vorfinden und Herausforderungen zu bewältigen haben. 5. Erörtern Sie die Auswirkungen der verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen für europäische Unternehmen. Überprüfen Sie, ob diese eher Vor- oder Nachteile erfahren. 6. Setzen Sie sich vertieft mit dem aktuellen Anleiheprogramm der EZB auseinander. Erläutern Sie hierzu dessen Ansatzpunkte, Zielsetzungen, Erfolgsaussichten und Risiken. 1

2 Geldpolitik: Die geteilte Welt Krise hier, Boom dort: Während die EZB die Geldschleusen weiter öffnet, könnte die US-Notenbank die Zinsen früher erhöhen als gedacht. Europa kann nur hoffen, dass der schwache Euro der Wirtschaft hilft Früher bewegten sich die Notenbankchefs auf beiden Seiten des Atlantiks meistens wie Soldaten - im Gleichschritt. Erhöhten oder senkten die Amerikaner die Leitzinsen, taten es auch die Europäer. Die Zeiten geldpolitischer Harmonie sind vorbei. Während Europas Zentralbankchef Mario Draghi an diesem Montag das billionenschwere Anleihekaufprogramm startet, um mit dem letzten Joker der Geldpolitik die Wirtschaft anzuschieben, bereitet Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende in den Vereinigten Staaten vor. Nach neun Jahren sollen die Zinsen in den nächsten Monaten wieder steigen. Yellen reagiert damit auf die guten ökonomischen Daten: Die Zahl der Jobs ist auf ein Allzeithoch geklettert, das Wachstum soll in diesem Jahr mit gut drei Prozent doppelt so hoch ausfallen wie in Europa. Der amerikanische Boom könnte Zentralbankchefin Yellen schon bald zur Zinswende zwingen. Bisher erwarten die Märkte diesen Schritt im Herbst. Investoren dürften von dem frühen Zeitpunkt überrascht werden, sagt Pimco-Vermögensverwalter Scott Mather dem Handelsblatt. So sieht es auch Russ Koesterich vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock: Die Fed ist näher dran, ihre Politik Richtung Normalität zu ändern, als viele Anleger offenbar meinen. Die Folgen einer schnellen Zinswende in den USA wären gravierend für die Weltwirtschaft. Besonders die Schwellenländer dürften leiden: Wenn es für Investoren in den USA wieder etwas zu verdienen gibt, wird viel Kapital nach Amerika fließen, das vorher in den Schwellenländern geparkt war. Die Folge wären massive Währungsturbulenzen. Einige Emerging Markets stehen vor schweren Zeiten, sagt Mather. Pimco habe deshalb bereits einige Länder verlassen. Und die EZB? Intern blicken die Notenbanker gelassen auf die geteilte Welt. Die US- Konjunktur sei der europäischen zwei Jahre voraus, heißt es beschwichtigend in der EZB. Dort richten sich die Hoffnungen ganz auf den schwachen Euro, der mit 1,08 Dollar so billig ist wie seit 2003 nicht mehr. [ ] Wann es der europäischen Konjunktur wieder so gut geht, dass an eine Zinserhöhung gedacht werden kann, ist völlig unklar. Das aktuelle Kaufprogramm soll erst einmal bis September 2016 laufen, doch die EZB hat sich die Hintertür offen gelassen, auch danach noch einzukaufen. Und selbst danach müssten weitere Monate ins Land gehen, bevor die Zinsen erhöht werden könnten. An eine Zinswende in Europa ist auf absehbare Zeit nicht zu denken, sagt Thomas Mayer, Direktor des Kölner Forschungsinstituts Flossbach von Storch. Die Marktakteure jedenfalls trauen der US-Konjunktur dauerhaft mehr zu als der europäischen, wie der Euro-Kurs zeigt, der fällt und fällt. Nur noch 1,08 Dollar ist die europäische Währung inzwischen wert, so wenig wie seit 2003 nicht mehr. Für Europas Wirtschaft ist das erst einmal gut, denn heimische Exportwaren werden im Ausland billiger. Das Anleihekaufprogramm der EZB ist eigentlich ein Abwertungsprogramm, sagt daher Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. 2

3 Dennoch dürften die Amerikaner vorerst nichts gegen den schwachen Euro und die lockere EZB-Politik haben, sagt Ökonom Mayer. Ihnen ist wichtig, dass die Handelspartner wieder auf die Beine kommen. [ ] Was die Fed unbedingt vermeiden möchte, sind Turbulenzen wie im Sommer 2013: Damals hatten die Märkte den Willen der Fed unterschätzt, die Anleihekäufe zurückzufahren. Ein vorsichtiges Signal des damaligen Fed-Chefs Ben Bernanke reichte aus, um in den Schwellenländern Panik zu schüren. Viele Investoren zogen ihr Geld von dort ab - und die Wechselkurse in Ländern wie Indien oder Brasilien brachen ein. Doch nicht nur die Frage, wann es erstmals wieder aufwärtsgeht mit den Zinsen, treibt die Investoren um - auch die Geschwindigkeit ist entscheidend. Asoka Wöhrmann, Chefstratege bei der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche AWM, rechnet bis Jahresende mit mehreren Sprüngen - auf ein Niveau von dann 0,5 bis 0,75 Prozent. Tendenz: aufwärts. Quelle: Mallien, J./Münchrath, J./Rezmer, A./Schier, S./Wiebe, F., Handelsblatt, Nr. 047, , 1/4 3

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6 EZB startet quantitative Lockerung Einkaufen für 60 Milliarden Euro pro Monat Das Handelsblatt beantwortet die sieben wichtigsten Fragen zum Anleiheprogramm Die EZB öffnet die Geldschleusen. Gemeinsam mit den nationalen Notenbanken beginnt sie an diesem Montag mit dem Kauf von Staatsanleihen. Doch die technische Umsetzung des Programms ist kompliziert. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten sieben Fragen. 1. Wie viele Anleihen werden gekauft? Die Währungshüter wollen bis September 2016 für monatlich 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und Wertpapiere kaufen. Rund zehn Milliarden Euro entfallen auf Pfandbriefe und Kreditverbriefungen. 2. Wer genau kauft die Papiere? Den Großteil der Anleihen kaufen die nationalen Notenbanken des Euro-Systems entsprechend ihrem Kapitalanteil an der EZB. Einen kleinen Anteil in Höhe von acht Prozent übernimmt die EZB selbst. Die Bundesbank kauft monatlich für etwa zehn Milliarden Euro ein. 3. Welche Länder dürfen teilnehmen? Grundsätzlich sind die Staatsanleihekäufe auf Bonds mit gutem Rating beschränkt - dazu zählen derzeit alle bis auf die Griechenlands und Zyperns. Während Griechenland wohl nicht in den Genuss einer Sonderregelung kommt, wird das bei Zypern derzeit noch geprüft. 4. Welche Titel werden gekauft? Vornehmlich Staatsanleihen, allerdings entfallen zwölf Prozent der Käufe auf Anleihen europäischer Institutionen und Förderbanken. Auf europäischer Ebene sind das zum Beispiel Anleihen der Rettungsfonds ESM und EFSF und der Europäischen Investitionsbank (EIB). In Deutschland darf die Bundesbank außerdem Schuldtitel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), NRW-Bank, Landeskreditbank Baden- Württemberg sowie der Landwirtschaftlichen Rentenbank kaufen. Die Laufzeiten der Anleihen liegen zwischen zwei und 30 Jahren. Die EZB will durch die Anleihekäufe die Zinsen möglichst gleichmäßig über alle Laufzeiten senken, um Verzerrungen zu vermeiden. 5. Gibt es genügend Bonds zu kaufen? Viele Staatsanleihen aus dem Euro-Raum liegen in der Hand von Pensionsfonds und Versicherern, die wegen ihrer Sicherheitsauflagen nicht einfach auf andere Vermögenswerte ausweichen dürfen. Deshalb zweifeln manche Experten, ob die EZB überhaupt genug Anleihen angeboten bekommt. EZB-Präsident Draghi hält diese Bedenken für unbegründet. Etwa die Hälfte der ausstehenden Staatsanleihen aus dem Euro-Raum werde von Investoren außerhalb des Währungsraums gehalten, sagte er jüngst. Hinzu kommt, dass der Markt für Staatsanleihen in der Euro-Zone etwa zehn Billionen Euro schwer ist. 6

7 Wie weit dürfen die Zinsen sinken? Die untere Grenze für die Anleihezinsen bildet der Einlagenzins von minus 0,2 Prozent, den Banken zahlen müssen, wenn sie ihr Geld über Nacht bei der EZB parken wollen. Für kürzere Laufzeiten wird dieses Zinsniveau schneller erreicht. Das könnte für Deutschland bedeuten, dass die Bundesbank eher länger laufende Staatspapiere kauft. 7. Welche Haltefristen gelten? Das Mandat der EZB schließt monetäre Staatsfinanzierung aus. Deshalb dürfen die EZB und die Notenbanken des Euro-Systems nicht direkt Staatsanleihen kaufen. Zwischen der Auktion und dem Ankauf durch die Notenbank liegt deshalb eine Haltfrist. Die Bundesbank nennt diesen Zeitraum aber absichtlich nicht. Deshalb bleibt es nun den Banken überlassen, dies auszutesten. Quelle: Münchrath, J./Rezmer, A./Wiebe, F./Mallien, J./Schier, S., Handelsblatt, Nr. 047, , 4/5 7

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