Abstract. Kooperative Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Auszubildenden (KoALA) KoALA-Niedersachsen

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1 Abstract Kooperative Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Auszubildenden (KoALA) KoALA-Niedersachsen 1. Ausgangslage, Ziele, Vorgehensweise Die treibende Dynamik des technologischen Wandels setzt neue Maßstäbe an die Zielsetzungen beruflicher Aus- und Weiterbildung, die sich den Herausforderungen durch zunehmende Komplexität gekennzeichneter beruflicher Arbeitsprozesse stellen muss. Ziel des Modellversuchs ist es, durch netzunterstützte Formen des Lehrens und Lernens den Erfordernissen einer zeitnahen Qualifikation von Lehrkräften und Auszubildenden zu entsprechen und sie nachhaltig zu unterstützen. Hierzu sind neuartige virtuelle Lernräume zu erschließen, die diesen Anforderungen Rechnung tragen: Sie müssen Lehrkräften und Auszubildenden gleichermaßen für den Wissenserwerb nutzbar sein und sich in den Kanon klassischer Vermittlungsformen im Unterricht an berufsbildenden Schulen integrieren. Hierzu bietet KoALA innerhalb eines nach beruflichen Lernfeldern gegliederten Wissensnetzwerkes didaktisch aufbereitete multimediale Lerneinheiten, mit denen durch ergänzende Angebote optionaler Unterrichtselemente wie z.b. berufsspezifische Projektideen, Unterrichtseinstiege, Lernkontrollen, Vorschläge zu Lernsituationen und multimedialer Gestaltung, individuelle Unterrichtsarrangements flexibel gestaltet und durchgeführt werden können. Die technologische Realisierung des Wissensnetzwerks bewerkstelligt eine Lehr-/Lernplattform, die die Lehrkräfte bei der Organisation und Koordination ihrer täglichen didaktisch-methodischen Unterrichtsarbeit und die Lernenden in ihrem Prozess der Wissensaneignung wirksam unterstützt. So forciert der Einsatz der Lehr-/Lernplattform in besonderem Maße den im handlungsorientierten Unterricht geforderten Rollenwechsel der Lehrkräfte zum Moderator, Berater und Lernorganisator. Im Zentrum des Modellversuchs steht das kooperative Lernen - das Lernen von und miteinander auf allen sozialen und organisatorischen Ebenen. Der Forschungsfokus

2 liegt daher auf der Untersuchung der Wirksamkeit kooperativer Qualifizierungsformen von Lehrkräften und Auszubildenden. Im Idealfall wird der Lerngegenstand direkt im Unterricht gemeinsam erarbeitet. KoALA strebt eine dauerhafte, curriculare Integration kooperativen, netzunterstützten Lehrens und Lernens auf allen Ebenen der Qualifizierung von Lehrkräften an berufsbildenden Schulen an (z.b. durch Selbstqualifikationen, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen an Universitäten und Studienseminaren). Die Entwicklung und Erprobung eines Konzeptes für eine kooperative, netzbasierte Selbstqualifikation mit didaktisch aufbereiteten Lerneinheiten war eine der zentralen Aufgaben des Modellversuchs. Dazu wurden in Abstimmung und Zusammenarbeit mit den am Modellversuch beteiligten berufsbildenden Schulen spezifische Qualifizierungsmaterialen entwickelt, auf der Lernplattform bereitgestellt und im Unterricht getestet. Mit den innerhalb dieser Qualifizierungsprozesse gewonnenen Erkenntnissen erfuhr das KoALA-Konzept eine stetige Adaption. 2. Produkte Folgende Produkte wurden innerhalb des Modellversuchs KoALA-Niedersachsen entwickelt: a) Wissensnetzwerk Das Wissensnetzwerk stellt eine netzbasierte Verbindung aller an einem KoALA- Unterricht Beteiligten dar. Das Zentrum dieser Vernetzung wird durch eine Lernplattform realisiert, auf die Auszubildende und Lehrkräfte über das Internet zugreifen können. Das Wissensnetzwerk dient dem Austausch von Unterrichtselementen zwischen Lehrkräften, zwischen Lehrkräften und Auszubildenden und zwischen Auszubildenden einer Klasse. als Kommunikationszentrum für o Lehrkräfte, die gemeinsam Unterricht planen und Unterrichtselemente entwickeln.

3 o zeit- und ortsunabhängig z.b. für das Lösen von Problemen in Projekten mit den Auszubildenden in Kontakt treten. Auszubildende, die in Gruppen während und außerhalb der Unterrichtszeit zusammenarbeiten. b) Netzbasierte Unterrichtseinheit Fernwartung und Ferndiagnose in der Automatisierungstechnik An der projektassoziierten berufsbildenden Schule Neustadt am Rübenberge wurde eine netzbasierte Unterrichtseinheit zur Qualifizierung von Lehrkräften und Auszubildenden im Bereich Automatisierungstechnik entwickelt und erprobt. Die Elemente der auf insgesamt 10 Unterrichtsstunden ausgelegten Unterrichtseinheit wurden den Lehrkräften über die Lernplattform bereitgestellt. Mit diesen Materialien war es ihnen möglich, Unterricht zum Thema Fernwartung und Ferndiagnose zeitnah zu planen und durchzuführen, ohne selbst im Vorfeld des Unterrichts sich vertiefte Kenntnisse aneignen zu müssen und Materialien zu entwickeln. Die Qualifizierung der Lehrkräfte erfolgte zu wesentlichen Anteilen kooperativ mit den Auszubildenden während der Unterrichtsdurchführung. Es konnte gezeigt werden, dass eine kooperative Qualifizierung nach dem KoALA-Prinzip möglich ist. c) Netzbasierte Unterrichtseinheit Wartung und Betreuung von IT-Systemen In Zusammenarbeit mit dem projektassoziierten Partner Multimedia Berufsbildende Schulen aus Hannover wurde eine netzbasierte Unterrichtseinheit zum Thema Wartung und Betreuung von IT-Systemen entwickelt und erprobt. Die für die IT-Berufe konzipierte Unterrichtseinheit ist auf 8 Unterrichtsstunden ausgelegt und dient ebenfalls der kooperativen Selbstqualifizierung von Lehrkräften und Auszubildenden. d) Leitfäden zum netzbasierten Lernen Der Umgang mit dem neuen Medium Lernplattform ist für viele Lehrkräfte und Auszubildenden eine neue methodische Variante des Lehrens und Lernens. Zur Unterstützung wurden deshalb Leitfäden sowohl in Printform als auch in elektronischer

4 Form entwickelt, die den Umgang mit diesem Medium erläutern und den Einstieg in das netzbasierte Lernen erleichtern sollen. e) Lernmodule zur Theoretischen Informatik Während der Modellversuchsdurchführung wurde ein großer Qualifizierungsbedarf im Bereich der Theoretischen Informatik bei den Lehrkräften identifiziert. Dieser Themenbereich ist nicht unmittelbarer Unterrichtsgegenstand der IT-Berufe, bildet jedoch die Grundlagen für ein umfassendes Basisverständnis der Informatik. Aus diesem Grund werden zur Zeit ergänzend netzbasierte Basislernmodule für Lehrkräfte im Bereich der Theoretischen Informatik entwickelt. Wesentlicher Bestandteil dieser Module ist eine Roboter-Simulationssoftware. Sie ermöglicht die praktische Anwendung der Theoretischen Informatik zur Steuerung eines Roboters. Die Entwicklung der Lernmodule wird aufgrund des großen Umfangs und der Beendigung des Modellversuches innerhalb einer Dissertation fortgeführt. f) Das KoALA-Konzept Das KoALA-Konzept wird ebenfalls als Produkt geführt. Innerhalb des Modellversuches fand eine Erprobung im Rahmen der Einführung neuer Technologien statt. Eine Übertragung und Ausweitung der Formen kooperativer Selbstqualifikationen auf andere Bereiche wie z.b. auf naturwissenschaftliche oder linguistische Bereiche ist sicherlich wünschenswert. Die vorliegende Konzeption soll hierbei modellhafte Hilfestellung leisten. 3. Ergebnisse und Transfer Im Modellversuch konnte gezeigt werden, dass kooperative Aus- und Weiterbildungsformen von Lehrkräften möglich sind. Bis zur Hälfte der Modellversuchslaufzeit zeigten sich grundsätzliche Akzeptanzprobleme mit den Ideen netzbasierter Unterrichtsarbeit. Die Vorstellung, sich während der Unterrichtsdurchführung auch gemeinsam mit den Auszubildenden zu qualifizieren, war für viele Lehrkräfte noch unvorstellbar. Erfreulicherweise zeigten die Modellversuchstransferleistungen im letzten Versuchsjahr zunehmend Wirkung, die anfänglichen Akzeptanzprobleme sind weniger evident.

5 Ein sich verstärkendes Interesse und die Absicht auch nicht projektassoziierter Schulen Wissensnetzwerke aufzubauen kann konstatiert werden. Schulen planen entweder, das vorhandene Wissensnetzwerk zu nutzen und auszubauen oder eigene schulinterne Wissensnetzwerke nach dem KoALA-Vorbild lokal aufzubauen. Ein bestehendes Problem ist der Aufwand für die Entwicklung netzbasierter Qualifizierungsmaterialien. Die anfängliche Annahme, dass über die Lernplattform miteinander kooperierende Lehrkräfte ähnlich des Schneeballeffektes zunehmend animiert werden, weitere Materialien zu erstellen und sie dort bereitzustellen, hat sich nicht bestätigt. Während vorhandene Materialien zwar intensiv genutzt werden, ist nur ein schleppender Zugang neu erstellter Materialien zu verzeichnen. Erste schulinterne Entwicklungen zeigen jedoch, dass sich abgestimmte kooperative Formen der Bereitstellung und Nutzung von Unterrichtsmaterialien zunehmend etablieren: mehrere berufsbildende Schulen erstellen derzeit netzbasierte Unterrichtselemente für die Unterstützung und Qualifizierung der eigenen Lehrkräfte und Auszubildenden. Zur Etablierung des Wissensnetzwerks in den Schulalltag ist es notwendig, die Vermittlung der Kenntnisse im Umgang mit Lernplattformen bereits in die Lehrkräfteausbildung zu integrieren. Im Rahmen des Modellversuchs KoALA wurde die konsequente Nutzung des Wissensnetzwerks für die Lehrkräfteausbildung an der Universität Hannover im Bereich Fachdidaktik Elektrotechnik und Metalltechnik umgesetzt. Um das Wissensnetzwerk zusätzlich einem größeren Benutzerkreis zu präsentieren und zugänglich zu machen, soll eine Einbindung des Wissensnetzwerks in das bundesweit zugängliche Elearning-Portal TEAMLEARN (Sitz in Dillingen, Bayern) erfolgen. Die im Rahmen von KoALA entwickelten und erprobten netzbasierten Unterrichtseinheiten stehen ebenso wie die Leitfäden für das netzbasierte Lernen und Lehren innerhalb des Wissensnetzwerks zur Verfügung. Während der Modellversuchslaufzeit konnten lediglich die projektassoziierten Schulen in die Untersuchung bzgl. der Effizienz kooperativer, netzbasierter Qualifizierungen von Lehrkräften und Auszubildenden einbezogen werden. Um jedoch wissen-

6 schaftlich abgesicherte Erkenntnisse zu erhalten, die im Detail die Lernwirksamkeit einer netzbasierten Methodik untersuchen, ist eine wesentliche Steigerung der Probandenbasis notwendig. Eine weiterführende Untersuchung der Breitenwirkung von KoALA ist anzustreben. Die Weichen für eine zukunftsorientierte, netzbasierte Qualifizierung von Lehrkräften und Auszubildenden konnten mit dem Modellversuch KoA- LA jedoch bereits gestellt werden.

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