Wirklich mittendrin statt nur dabei? Soziales Lernen im inklusiven Unterricht

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1 Wirklich mittendrin statt nur dabei? Soziales Lernen im inklusiven Unterricht Prof. Dr. Nadine Spörer 1. Inklusionsfachtagung der Universität Flensburg,

2 Gliederung 1 Stand der Forschung 2 3 Befunde aus PInG Ansätze zur Förderung der sozialen Inklusion

3 Ausgangspunkt Schulische Inklusion bedeutet, dass alle Kinder eine gemeinsame Schule besuchen und in ihrer individuellen akademischen und persönlichen Entwicklung bestmöglich durch ein multiprofessionelles Team unterstützt werden (Prengel, 2013). Diese positive Entwicklung aller Schülerinnen und Schüler soll durch einen gemeinsamen Unterricht erreicht werden, der mittels differenzierender Methoden auf jedwede Verschiedenheit der Kinder eingeht.

4 Wirkmodell Inklusiver Unterricht Merkmale der Lehrerinnen und Lehrer Merkmale des Unterrichts Merkmale der Schülerinnen und Schüler Lehrer Schüler Interaktion Schüler Schüler Interaktion Fachliche, personale und soziale Kompetenzen der Schüler

5 Fachliche Kompetenzen 1. Negativer Zusammenhang zwischen Schulleistung und Verweildauer an Förderschulen (Wocken, 2007) 2. Hohe Bandbreite hinsichtlich der Effektivität; im Mittel kleine Vorteilseffekte für inklusive Lernsettings (Baker, Wang & Walberg, 1994; Myklebust, 2006)

6 Soziales Lernen 1. Ausgrenzungsrisiko für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SFB) und leistungsschwächere Kinder (Kavale & Forness, 1996) 2. Große Unterschiede zwischen Klassen in den Zusammenhängen zwischen Förderstatus und sozialer Ausgrenzung (Huber & Wilbert, 2012) 3. Inkonsistente Befunde für das soziale Selbstkonzept (Zeleke, 2004)

7 Bisherige Studien zeigen, dass leistungsschwächere Kinder und/ oder Kinder mit SFB von Ausgrenzung bedroht sind.

8 Pilotprojekt Inklusive Grundschule (PInG) im Land Brandenburg

9 Meilensteine 4/2012 1/2013 2/2013 1/2014 2/2014 Erfassung der Schülerkompetenzen Erfassung der Schülerkompetenzen Erfassung der Schülerkompetenzen Unterrichtsbeobachtung Unterrichtsbeobachtung 1. Online Befragung der Lehrkräfte 2. Online Befragung der Lehrkräfte 3. Online Befragung der Lehrkräfte 4. Online Befragung der Lehrkräfte Zeitleiste: Angabe von Quartalen

10 Stichprobe Grundlage: 84 Schulen im Pilotprojekt Inklusive Grundschule 35 Schulen 41 Klassen Jahrgangsstufe 2 31 Klassen Jahrgangsstufe 3 (davon 11 Flex Klassen) 725 Kinder 652 Kinder 50,2 % Mädchen 49,6 % Mädchen 97,7 % Geburtsland D 98,6 % Geburtsland D 5,1 % SFB 6,3 % SFB

11 Instrumente Standardisierte Schulleistungstests Lesen (WLLP, ELFE 1 6) Rechtschreiben (HSP 1 9) Rechnen (HRT 1 4) Fragebogen Interesse am Lesen und Rechnen Selbstkonzepte im Lesen und Rechnen, soziales Selbstkonzept Sozialklima (Soziale Integration, Klassenklima, Gefühl des Angenommenseins Unterrichtsbeobachtungen

12 Kennwerte zur Beobachtung 72 Klassen 4 Schüler pro Klasse und Fach 32 Einzelbeobachtungen pro Schüler 288 Unterrichtsstunden in Mathematik und Deutsch ~19000 Einzelmessungen

13 Ablauf der Beobachtung Unterrichtseinschätzung Unterrichtseinschätzung Schülerbeobachtungen Schülerbeobachtungen

14 Ablauf der Beobachtung 15 Minuten Schüler (1) Schüler (2) Schüler (3) Schüler(4) Sek Beobachten 10 Sek Beobachten 10 Sek Beobachten 10 Sek Pause 10 Sek Pause 10 Sek Pause

15 Ein Blick in das Beobachtungs Tool

16 Ein Blick in das Beobachtungs Tool

17 Soziale Integration & Angenommensein Jahrgangsstufe 2 Jahrgangsstufe 3 leistungsstark 2,07 leistungsstark 2,29 2,12 2,24 leistungsmittel 2,11 leistungsmittel 2,29 2,06 2,11 leistungsschwach 1,91 leistungsschwach 2,12 1,95 2,03 insgesamt 2,07 2,27 insgesamt 2,05 2, Soziale Integration Angenommensein Soziale Integration Angenommensein

18 Ergebnisse zum Selbstkonzept Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler haben höhere soziale Selbstkonzepte als leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler. Unterscheiden sich Schülerinnen und Schüler mit und ohne SFB in ihren Selbstkonzepten?

19 Matching Schülerinnen und? Schüler mit und ohne SFB einer Klasse unterscheiden sich nicht in ihren Selbstkonzepten, wenn man leistungsbezogene und soziodemographische Merkmale kontrolliert.

20 Lehrer Schüler Kontakte 16,00% 14,00% 12,00% 10,00% 8,00% 6,00% 4,00% 2,00% 0,00% Leistungsstark Leistungsmittel Leistungsschwach SFB

21 Lehrer Schüler Kontakte 16,00% 14,00% 12,00% 10,00% 8,00% 6,00% Lehrkraft 1 Lehrkraft 2 4,00% 2,00% 0,00% Leistungsstark Leistungsmittel Leistungsschwach SFB

22 Anteil von Schülern mit weniger als 3 Freunden 30,00% 25,00% 20,00% 15,00% Mathematik Deutsch 10,00% 5,00% 0,00% Leistungsstark Leistungsmittel Leistungsschwach SFB

23 Leistungsschwächere und stärkere Kinder fühlen sich vergleichbar gut integriert. Kinder mit SFB haben weniger Freunde als Kinder ohne SFB.

24 Ansätze zur Förderung der sozialen Inklusion: Differenzierung Kooperatives Lernen

25 Umgang mit Heterogenität: Alter Wein? Lernen in institutionalisierten Kontexten ist eigentlich immer schon mit der Aufgabe konfrontiert gewesen, Unterricht für eine heterogene Gruppe zu organisieren. (Schründer Lenzen, 2008)

26 Umgang mit Heterogenität: Differenzierung Differenzierender Unterricht findet statt, wenn eine Lerngruppe zeitlich befristet aufgeteilt wird. Differenzierung hinsichtlich personaler Merkmale der Schülerinnen und Schüler und/ oder didaktischer Aspekte (z. B. Ziele, Inhalte, Methoden) Resultat: unterschiedliche Aufgaben, Lernorte, Sozialformen und/ oder Lerntempi

27 Umgang mit Heterogenität: Differenzierung Formen des offenen Unterrichts, in denen Lernende aus einer Vielzahl von Lernangeboten auswählen eine durch die Lehrkraft gesteuerte Binnendifferenzierung des Unterrichts kompensatorische Angebote, die zusätzlich zum Unterricht und im Kleingruppensetting stattfinden und auf die Förderung spezifischer schulischer Kompetenzen ausgerichtet sind

28 Formen des Team Teaching DUET: gemeinsames Unterrichten der ganzen Klasse, Lehrpersonen wechseln sich in der Instruktion ab LEAD & SUPPORT: eine Lehrperson leitet den Unterricht, die andere unterstützt SKILL GROUPS: Bereitstellen von Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus STATION: Teilung der Klasse in eine größere und eine kleinere Gruppe

29 Formen des Team Teaching PARALLEL: Teilung des Klassenraums und der Klasse in Hälften, jede Lehrperson unterrichtet in ihrer Hälfte ADAPTING: Lehrperson A leitet den Unterricht, Lehrkraft B unterstützt Schüler COMPLEMENTARY SKILLS: Lehrperson A unterrichtet das Curriculum, Lehrperson B fokussiert auf personale und soziale Kompetenzen der Schüler

30 Vorbereitung des Team Teaching Welche Form des Team Teaching wird eingesetzt? Warum? Wie kommunizieren wir miteinander? Wann und wo treffen wir uns für die Vorbereitung? Wer ist verantwortlich für die Raumgestaltung, Materialien, Kopien etc.?

31 Bislang wird das Potential des Team Teaching für die Förderung des sozialen Lernens nicht erschöpfend genutzt.

32 Grundelemente kooperativen Lernens Positive Interdependenz Gruppenbewertung Eigenverantwortung Unterstützende Interaktion

33 Positive Interdependenz Schaffung eines gemeinsamen Ziels, das alle erreichen können Gruppenmitglieder sind voneinander abhängig, d.h. keiner hat ohne den anderen Erfolg jedes Gruppenmitglied ist für das Lernen des anderen mitverantwortlich

34 Eigenverantwortung individuelle Leistung jedes Gruppenmitglieds kann identifiziert und bewertet werden Chancengleichheit Rückmeldung an die Gruppe Vermeidung des Ausnutzens

35 Chancengleichheit Schüler Schüler 2 + Schüler 3 ++ Schüler Vortest Nachtest

36 Unterstützende Interaktion Gruppenmitglieder helfen einander beim Lösen der Aufgaben: Diskutieren und Erklären der Lerninhalte Voraussetzungen: kooperative Kompetenzen

37 Gruppenbewertung Analyse der Gruppenarbeit (Prozesse und Ergebnis) Wie gut hat die Gruppe zusammengearbeitet? Wie kann die Effizienz der Gruppe gesteigert werden? Achtung: keine Diskussion über die Methode

38 Kooperative Lernformen, die positive Interdependenz, Eigenverantwortlichkeit und zugleich Chancengleichheit beinhalten, können das soziale Lernen einer Klasse fördern.

39 Kontakt Prof. Dr. Nadine Spörer Universität Potsdam Profilbereich Bildungswissenschaften Professur für Psychologische Grundschulpädagogik Karl Liebknecht Str Potsdam

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