Quartalsupdate Oktober Dezember 2013 für Anleihemarkt (Zinsen)

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1 Quartalsupdate Oktober Dezember 2013 für Anleihemarkt (Zinsen) Kurzfassung: Zwei wichtige Fragen beschäftigen die Anleger a) Wie weit werden die Renditen für Staatsanleihen noch steigen? b) Liegt der Wendepunkt des globalen Zinszyklus bereits hinter uns? Die amerikanischen Zinsen für Staatsanleihen sind zuletzt so schnell und stark gestiegen wie noch nie in diesem Jahrhundert. Besonders deutlich war die Zunahme in den letzten drei Monaten, als die US-Notenbank bekanntgab, ihr Programm zum Aufkauf von Anleihen zu reduzieren. Nachdem sie diese Absicht wegen den konjunkturellen Aussichten revidierte, beruhigte sich der Zinsanstieg. zu a) Kann sich der Zinsanstieg noch weiter fortsetzen? Fünf Jahre nach der Lehmann-Pleite ist die Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA vorbei. Die Wirtschaft läuft wieder. Dazu wären Renditen für 10j-US-Staatsanleihen in Höhe von 4% - 4,5 % gerechtfertigt. Das muss aber nicht sofort erreicht werden, sondern vielleicht in zwei bis drei Jahren. Das was sich am Markt derzeit vollzieht, ist überzogen. Die US-Wirtschaft ist noch nicht gefestigt, dass sie eine zu schnelle Zinserhöhung verkraftet. Höhere Hypothekenzinsen gefährden belasten den Immobilienmarkt und gefährden die Erholung. Es besteht nach wie vor ein erheblicher Bedarf zur Reduzierung der Verschuldung. Zusätzlich sind die gegenwärtigen Inflationserwartungen weiterhin niedrig, und es ist nicht zu systemrelevanten oder schuldenfinanzierten Vermögenspreisblasen gekommen. Außerdem ist die Zinsdifferenz für US-Staatsanleihen mit einem Gefälle von nahezu 300 Basispunkten zwischen den zehnjährigen Renditen und den Sätzen am kurzen Ende so steil wie nie zuvor. Zudem zeigt sich bei näherer Betrachtung des Verschuldungsgrads im privaten wie im öffentlichen Sektor, dass der Prozess zur Senkung des Schuldenstands gerade erst in Gang gekommen ist.

2 zu b) Wendepunkt im Zinszyklus erreicht? Der Tiefpunkt der Zinsen liegt hinter uns. In gut einem Jahr haben sich die Renditen verdoppelt. Die Überlegungen der US-Notenbank zur Reduzierung ihrer Anleihekäufe haben wahrscheinlich den Wendepunkt im globalen Zinszyklus markiert und das Ende des 30- jährigen Bullenmarktes für Anleihen eingeläutet. Auf kurze Sicht ist ein weiterer Anstieg der Renditen für Staatsanleihen unwahrscheinlich. dafür sprechen folgende Gründe: - es besteht ein erheblicher Bedarf zur Reduzierung der Verschuldung - die gegenwärtigen Inflationserwartungen sind niedrig - Anleger in Warteposition. Das größere Bild für Staatsanleihen sieht nach einer Korrektur eine volatile, länger dauernde Seitwärtsbewegung voraus. Ausblick Zeitraum Oktober Dezember 2013: Kurzfassung: Auf die langfristigen Zinsen wirken derzeit mehrere Kräfte: - Verminderter Inflationsdruck - Verlangsamtes BIP-Wachstum - Schwächer werdende Fundamentaldaten, welche die Verbraucher betreffen Daraus ergibt sich die Frage: Sollen Anleihen nach dem fulminanten Kursanstieg gekauft werden? Zu den einzelnen Punkten: a) verminderter Inflationsdruck Nachhaltig steigende Inflation war schon immer eine Voraussetzung für steigende Zinsen. Langfristige Zinsen sind die Summe aus Inflationserwartungen und Realzins. Das nachfolgende Diagramm zeigt eine gute Korrelation zwischen langfristigen Zinsen und Inflation.

3 Nachfolgend die Inflationserwartungen Die Inflationserwartungen stabilisieren sich. Erfolgt ein Ausbruch aus dem Dreieck, wenn ja in welche Richtung? Sinkende Rohstoffpreise und ein steigender US-Dollar würden die Inflationserwartungen weiter dämpfen. Ein Anstieg der langfristigen Zinsen wäre dann unwahrscheinlich.

4 b) Verlangsamtes BIP Wachstum Das BIP-Wachstum real oder nominal ist das schwächste aller Expansionsphasen seit Noch ein weiteres interessantes Detail: Im zurückliegenden Jahr sind die langfristigen Zinsen gestiegen, während sich das Wachstum abschwächte. Deutlich sind die Anstiege der Differenz Staatsanleihen minus Wachstumsrate BIP im Vorfeld, bzw. zu Beginn von Rezessionen. Ist der Optimismus bezüglich Wirtschaftwachstum und Pessimismus bezüglich Anleihen gerechtfertigt.

5 c) Fundamentaldaten, welche die Verbraucher betreffen Haben sich die Verbraucher von der großen Rezession erholt? Trotz der Zuwächse bei den Arbeitsplätzen in 2013 hat sich nichts an der Lage der Verbraucher geändert. Zurückzuführen ist dies wahrscheinlich auf die übermäßige Schaffung von Teilzeitarbeitsplätzen zu Lasten von Vollzeitarbeitsplätzen Die Lohneinkommen sind gesunken und damit hat sich die Situation vieler Haushalte trotz der Maßnahmen der US-Notenbank nicht verbessert. Zusammenfassung: Eine chronisch langfristige Underperformance der US-Wirtschaft. Die Erholung am Arbeitsmarkt steht keineswegs auf soliden Füßen, dadurch stellt die kaufkräftige Nachfrage des US-Verbrauchers keine Basis für eine schwungvolle wirtschaftliche Erholung dar. Momentan haben wir es mit es aktuell mit der historisch einmaligen Kombination von dauerhafter Wachstumsschwäche und überbordender Verschuldung zu tun. Möglicherweise wird es übergeordnet noch einige Zeit beides gleichzeitig geben: Weiter tiefe langfristige Zinsen, also eine Bond-Blase, und gleichzeitig eine Aktien-Blase, auch ohne Große Rotation. Voraussetzung dafür wäre eine weiterhin expansive Geldflut seitens der Notenbanken. Die niedrigen Renditen von Staatsanleihen sind gerechtfertigt infolge schwachen Wachstums und kaum vorhandenen Inflationsdruck. Anleihen sind teuer, aber ihre Bewertungen haben sich nicht von den Fundamentaldaten entkoppelt

6 Für Anleger sehe ich derzeit vermehrt Chancen auf der Anleiheseite. Denn einen sprunghaften und nachhaltigen Zinsanstieg halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Die Zentralbanken werden alles versuchen das noch immer zarte Wachstum zu hegen und zu pflegen. Ein starker Anstieg des Zinsniveaus würde das noch immer stark verschuldete globale Wirtschaftssystem über die Maßen belasten. Der Kauf von Staatsanleihen könnte sich die nächste Zeit lohnen, weil mit sinkenden Zinsen zu rechnen ist. Aber längerfristig sind Anleihen eine katastrophale Anlage. Was ist sonst noch aufgefallen: Deflation QE4 im Anmarsch? Die US-Notenbank hat ein Inflationsziel von 2%. Ein wichtiger Teilindex der unter Beobachtung der US-Notenbank steht, ist der Price-Index für persönliche Konsumausgaben. Eine Nahaufnahme dieses Indikators zeigt, dass die US-Notenbank besorgt sein muss: Der Index ist im 2. Quartal 2013 gesunken! Wenn sich diese Entwicklung im 3.Quartal 2013 bestätigt, kann sich alles schnell ändern. Ob die Notenbank dann nachholt, was sie im September bezüglich Reduzierung Anleihekäufe unterlassen hat. Es droht wieder eine Überraschung für die voreiligen Märkte. Hoffentlich mündet diese Entwicklung nicht in ein QE 4!

7 Charttechnische Analyse 1. Langfristiges Bild (US-Staatsanleihen 10j) Ein 30-jähriger Bullenmarkt für Anleihen ist wahrscheinlich zu Ende gegangen. Seit 1980 war die Strategie auf fallende Zinsen zu setzen erfolgreich. Es gab bis 2012 nur ein Verlustjahr. Aber 2013 droht ein weiteres Verlustjahr. Börsenpsychologisch gesehen sollte jetzt, nach mindestens 22 Jahren Zinsrückgang und historisch niedrigem Zinsniveau der Zeitpunkt gekommen sein, sich von langfristigen Renteninvestments zu trennen.

8 2. Kurz-, mittelfristiges Bild 2.1. Zinsdifferenzkurve USA Die steilere Zinsdifferenzkurve spiegelt die gestiegenen Konjunkturerwartungen in den USA wider. Die Zinsdifferenz könnte noch ein wenig ausgeweitet werden bis zu den Höchstständen in 2009/2011. Möglich ist aber auch ein Rückgang der Zinsdifferenz von dem erreichten Niveau, wenn sich die Konjunkturperspektiven nicht weiter aufhellen Charttechnische Analyse mittelfristig US-Staatsanleihen 10j

9 Wie gefährlich ist der Zinsanstieg? Wie man aus dem P&F-Chart sieht, hat sich die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen verdoppelt. Im P & F Chart erkennt man eine deutliche Bodenbildung, einen neuen Aufwärtstrend und eine seit Mai (Ziffer 5) steil aufragende positive X-Säule. Wegen der starken Dynamik der Bewegung und des dreifachen Kaufsignals bei 20 liegt das Projektionsziel mittlerweile bei schier unglaublichen 5,45 Prozent. Sollte die Entwicklung wirklich in dieser Dynamik weitergehen, was ich mir kaum vorstellen kann, stünde die Hausse der Aktien auf sehr wackeligen Beinen. Dieser Chart bzw. der Sprung der Zinsen und die potentiell anstehende Zinswende in den USA ist es, was viele Anleger jüngst in Panik versetzt hat. Alleine in den USA wurden jüngst etwa 60 Milliarden Dollar aus Rentenfonds abgezogen, die dort bisher sehr beliebt waren und als sicher galten. Der Anstieg der Renditen muss uns Investoren also nun ganz deutlich vor Augen führen, dass Anleihen (Staats- und Unternehmensanleihen) keine Einbahnstraße sind. Dies aber wiederum wirft die Frage auf, ob von der schwindenden Attraktivität von Anleihen nicht andere Vermögenswerte wie Aktien oder Gold profitieren könnten? Wohin fließt das das Geld? Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch, denn in der Regel sind steigende Zinsen Gift für die Aktien. Aber ich glaube, dass zwar nicht unbedingt sofort aber nach einer Anpassungsphase Aktien profitieren könnten. Und zwar aus dem simplen Grund, dass sich die wichtigsten Länder kaum Zinsen von mehr als zwei Prozent leisten können um ihre Staatsschulden bedienen zu können. Daher könnten die Zinsen nicht so weit steigen wie in anderen Zyklen und die Notenbanken werden weiterhin die Renditen durch Anleihekäufe drücken.

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