PREDIGT ZUM 1. ADVENT Was wünschst du dir?

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1 PREDIGT ZUM 1. ADVENT 2012 Was wünschst du dir?

2 1. Advent (V) 2012 (Einführung des neuen Kirchenvorstands) Seite 1 PREDIGT ZUM SONNTAG Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen. stehen beide an den Ambos und vertreiben sich die Zeit. Plötzlich Pfr1: Du sag mal: was wünschst n Du Dir eigentlich? Pfr2: (winkt ab) Och, nichts Großes, Kleinigkeit, wirklich, ich hab doch alles Pfr1: Na nun sag schon: was wünschst Du Dir? Pfr2: Also eigentlich bin ich ja wunschlos glücklich. Aber wenn Du mich schon so fragst, also darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber wenn ich jetzt so ganz spontan drüber nachdenke (holt einen Zettel aus der Hosentasche) dann wäre ein paar neue Skier natürlich toll. Und eine Jacke für die mittelkalten Tage verstehst du so, eine Übergangsjacke. Und ein paar Schuhe, so elegante Schwarze, weißt schon... Das neue Spiel des Jahres und das neue Buch von Pfr1: Hmmm, jajaja, aber das meinte ich jetzt eigentlich nicht. Pfr2: Nicht (zerknüllt den Zettel in ihrer Hand), ach so, ja: Schade. Was meintest Du denn dann? Pfr1: Na ja, vom neuen Kirchenvorstand, meine ich. Was wünschst du dir von den neuen Kirchenvorstehern in den nächsten sechs Jahren? Pfr2: (winkt ab) Ach so. Och, na ja, nichts Großes, Kleinigkeiten, ich mein wir haben doch alles Pfr1: Pfr2! Sag schon! Pfr2: (holt wieder einen großen Zettel aus der Hosentasche) Naja, also jetzt so ganz spontan, ich meine ich habe da ja noch nicht so drüber nachgedacht die Kirche müsste mal ein bisschen renoviert werden und auch das Melanchtonheim

3 1. Advent (V) 2012 (Einführung des neuen Kirchenvorstands) Seite 2 braucht einen neuen Anstrich. Wir brauchen ein paar gute Leute, die uns in der Dekanatssynode vertreten und natürlich müssen wir uns überlegen, wie wir in diesen Zeiten unser Geld anlegen. Wir bräuchten auch dringend jemanden, der sich zum Lektor oder Prädikanten ausbilden lässt und auch eine Verstärkung für unsere Organisten wäre dringend notwendig Pfr1: Ahja und das kommt dir gerade so ganz spontan in den Sinn? Pfr2: Naja, wenn ich noch länger drüber nachdenke fällt mir vielleicht noch was ein. Pfr1: Ohje das wird schwer. Wissen unsere neuen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher eigentlich schon, was da alles auf sie zukommt? Pfr2: (druckst etwas herum) Naja, so ganz genau ich meine, man kann sich ja denken und ehrlich gesagt: glaubst du, sie hätten kandidiert, wenn wir es ihnen gleich gesagt hätten? Pfr1: Jetzt ist es eh zu spät. Gewählt ist gewählt. Aus der Nummer kommen sie nicht mehr raus. Pfr2: Vielleicht hätten wir fragen sollen, was sie sich wünschen für die nächsten sechs Jahre. Pfr1: Gute Idee! Aber wir haben nur noch ein paar Minuten, nicht genug Zeit, um alle zu befragen. Was machen wir jetzt? Pfr2: Wir müssen s selber rausfinden. Lass mich überlegen. Warum würdest du denn Kirchenvorsteher sein wollen? Pfr1: Tja, Geld ist kein Anreiz Kirchenvorsteher ist man ja schließlich ehrenamtlich. Vielleicht wegen der Gemeinschaft. Das man zusammen etwas Großartiges auf die Beine stellen kann. Das würde mich schon reizen. Pfr2: Da mache ich mir schon mal keine Sorgen. Wir haben doch eine gute Truppe beisammen. Sehr unterschiedliche Typen, viele unterschiedliche Talente, aber alle total nett und sympathisch. Das kann gar nicht schief gehen.

4 1. Advent (V) 2012 (Einführung des neuen Kirchenvorstands) Seite 3 Pfr1: Jetzt du warum würdest Du denn Kirchenvorsteherin werden wollen? Pfr2: Vielleicht (überlegt) weil ich Christin bin. Und weil ich meinem Glauben in meinem Leben einen Platz geben will. Das würde mir gefallen. Heißt es nicht auch so ähnlich im Versprechen der Kirchenvorsteher: seid ihr bereit, euren Dienst im Kirchenvorstand dem Evangelium gemäß auszuüben Pfr1: Ach du liebe Güte. Dem Evangelium gemäß das ist aber ganz schön viel. Ich mein, das Evangelium ist lang und wir haben doch keine Zeit mehr was machen wir denn jetzt? Pfr2: Nimm einfach das Evangelium von heute. Pfr1: Den Lobgesang des Zacharias? Pfr2: Ja, nehmen wir Zacharias. Das ist doch ein gutes Vorbild für einen Kirchenvorsteher. Kennst du die Geschichte von Zacharias? Pfr1: Also bitte! Ich bin Pfarrer. Pfr2: Ist schon recht. Dann erzähl ich s eben Ihnen (wendet sich zur Gemeinde). Zacharias ist der Vater von Johannes dem Täufer. Er war ein Priester im Tempel und wir wissen von ihm, dass er ein frommer und gottesfürchtiger Mann war. Pfr1: Stimmt. In der Bibel steht, dass Gott ihnen ein Kind geschenkt hat, weil sie so sehr dafür gebetet haben, obwohl Elisabet, seine Frau eigentlich keine Kinder kriegen konnte. Hihi, das ist gut. Da kriegen wir vielleicht noch Nachwuchs im Kirchenvorstand. Pfr2: Ja, aber das behältst du lieber erst mal für dich. Aber weißt du, was er noch gemacht hat? Pfr1: Ja, äh nix. Pfr2: Genau, nix. Pfr1: Ja wie? Nix?

5 1. Advent (V) 2012 (Einführung des neuen Kirchenvorstands) Seite 4 Pfr2: Ja, nix. Oder genauer gesagt: er hat geschwiegen. Er blieb stumm. Eine ganze Weile sogar, bis das Kind zur Welt kam. Pfr1: Und du meinst, das ist das richtige Vorbild für unsere Kirchenvorsteher? Da werden die Kirchenvorstandssitzungen aber schön fad. Pfr2: Naja, Zacharias hat schon irgendwann wieder gesprochen. Nämlich dann, als er wußte, was Gott genau von ihm wollte. Zacharias war auch ein Mann mit Zweifeln, ein ganz normaler Mensch eben. Und das sollten wir unseren Kirchenvorstehern doch auch mitgeben, oder? Dass sie keine Superchristen zu sein brauchen. Dass sie nicht für alles immer gleich die richtige Lösung parat haben müssen. Dass manche Dinge eben auch Zeit brauchen. Pfr1: Und dass es nie schaden kann, auf Gott zu hören. Ein Kirchenvorsteher wie Zacharias braucht kein Supermann zu sein, aber er bleibt offen für das, was Gott von uns will. Pfr2: Und manchmal braucht es eben Zeit, um das herauszufinden. Pfr1: Tja, und manche Dinge bekommt man auch geschenkt. So wie Zacharias seinen Sohn. Als Zacharias nämlich endlich wieder spricht, da fängt er nicht gleich an, klug daher zu reden, sondern er dankt und lobt Gott für das, was ihm geschenkt worden ist. Pfr2: Kirchenvorsteher, die dankbar sein können das wär doch auch gut. Nicht welche, die immer nur machen und tun und nie richtig zufrieden sind, sondern dankbar für das, was ist. Pfr1: Weißt du was, ich glaub den nehmen wir. Wir machen Zacharias zum Paten für unsere neuen Kirchenvorsteher. Das ist ein gutes Stück Evangelium. Pfr2: So machen wir es. Und ich hoffe, da bleiben keine Wünsche offen. Pfr1: Und wenn doch?

6 1. Advent (V) 2012 (Einführung des neuen Kirchenvorstands) Seite 5 Pfr2: Na, dann machen wir es wie er. Wir schweigen und vertrauen darauf, was Gott mit uns vorhat. Pfr1: Also los. Die Zeit läuft uns davon. Amen.

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