Zufriedenheitsforschung

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1 Zufriedenheitsforschung Seminarvortrag im Rahmen des Seminars: Statistische Herausforderungen sozialwissenschaftlicher Studien (Vorbereitungsmaterial) Joachim Copony Betreuerin: Andrea Wiencierz Institut für Statistik LMU München

2 Gliederung 1. Entwicklung der Zufriedenheitsforschung 2. Subjektives Wohlbefinden 2.1 Multipe-item Ansätze 2.2.Validität 2.3 Reliabilität 2.4 Einflussvariablen Persöhnliche Faktoren Demographische Faktoren Ökonomische Faktoren 3. Canadian Index of Wellbeing 3.1Konstruktion des CIW 3.2Validität des CIW 3.3Vorteile eines zusammengesetzten Indizes 3.4Nachteile eines zusammengesetzten Indizes 4. Fazit 2

3 1. Entwicklung der Zufriedenheitsforschung Fragen zur Zufriedenheit in Gallup-Umfragen ab 1948 in den USA In den General-Social-Surveys ab 1972 Fragen zur Lebenszufriedenheit im Kernfragebogen Seit 1983 Monatlicher Gallup Well-being index In Deutschland seit 1978 Wohlfahrtsumfrage 3

4 1. Entwicklung der Zufriedenheitsforschung Multidimnsionale Fragebögen mit objektiven (z.b. Gesundheit) und subjektiven (z.b. Aktivität) Objekten in den 1950er Jahren Differenzierung zwischen subjektiver Zufriedenheit und objektiver Lebensqualität in den 1960er Jahren Zusammengesetzte Indizes, meist Summen von positiven Eigenschaften Starke Korrelationen der Elemente 4

5 1. Entwicklung der Zufriedenheitsforschung Theoretische Diskussionen über den nur kleinen Zusammenhang von objektiven und subjektiven Merkmalen Trennung von Zufriedenheit mit dem Leben als Ganzes in Teilzufriedenheiten von Arbeit, Ehe, Wohnung etc. um 1970 Satisfaction with live scale (Diener, 1985) Happy Planet Index (2006) 5

6 2. Subjektives Wohlbefinden (SWB) Fragen nach dem Subjektiven Wohlbefinden des Probanden Single-item Umfragen: Eurobarometer Umfragen: Nimmt man alle Dinge zusammen, würden Sie sagen, Sie sind...: sehr zufrieden, ziemlich zufrieden, nicht sehr glücklich oder überhaupt nicht zufrieden? World Value Survey: (skala 1 bis 10) Alles in allem, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben als Ganzes in diesen Tagen? 6

7 2.1 Multiple-item Ansätze Positive and negative affect schedule (PANAS): Fragebogen zu 20 Gefühlen und Empfindungen Skala. 1-5 Satifaction with life scale (SWLS): 5 Fragen zum subjektiven Wohlbefinden Skala 1-7 7

8 2.2 Validität Single-item Umfragen Bedenken: Keine Meinung Anteile von keine Antwort und weiß nicht unter 1% - Einschätzung Aufgrund der Meinung anderer Niederlande: Bildung gilt als Voraussetztung für Zufriedenheit Hochgebildete sind weniger zufrieden als Ungebildete - Überschätzung Vergleich von Ergebnissen aus Einzelfragen und Klinischen Studien mit Tiefeninterviews und Persönlichkeitstests Keine signifikanten Unterschiede 8

9 2.2 Validität Reihenfolge der Fragen beeinflusst das Ergebnis Individuelle Stimmung während der Messung Eid & Diener: In einer normalen Testsituation überschatten die stabilen Komponenten der Lebenszufriedenheit den Einfluss der gegenwärtigen Stimmung. 9

10 2.3 Reliabilität Test-retest Korrelation: Bei den meisten Einzelfragen etwa 0.4 Steigt auf 0.6 bei der gleichen Frage während eines Interviews Hier: geringer als bei gängigen microökonomischen Variablen Abhängigkeit von: Skala Zeit zwischen den Fragen Multi-Item Fragebögen haben eine höhere Reliabilität 10

11 2.4 Einflussvariablen Analyse der Einflussvariablen auf Individueller Ebene Nationaler Ebene Internationaler Ebene 11

12 2.4.1 Persönliche Faktoren Persönlichkeitsmerkmale Extrovertiertheit vs. Neurotizismus Extrovertierheit korreliert mit.71 mit positiv beeinflussenden latenten Merkmalen Neurotizismus und negativ beeinflussende Merkmale bilden einen nicht zu unterscheidenden Faktor Ähnliche Ergebnisse bei Optimisten und Pessimisten 12

13 2.4.1 Persönliche Faktoren Verhaltensgenetische Studien über Erblichkeit: Eineiige Zwillinge haben eine geringere Differenz der Zufriedenheit als zweieiige Zwillinge Gene könne für 55% der Positiven und 40% der negativen Emotionen verantwortlich gemacht werden Das Familiäre Umfeld kann für 22% der Positiven Emotionen aber nur für 2% der Negativen Emotionen verantwortlich gemacht werden 13

14 2.4.1 Persönliche Faktoren Gesundheit: Wichtigkeit der Gesundheit bei Umfragen an erster Stelle aber: Subjektive Gesundheit korreliert stark mit SWB, objektive Gesundheit hingegen nicht. Chronisch Kranke sind glücklicher, wenn die Verletzung/Erkrankung später im Leben erfolgte. 14

15 2.4.2 Demographische Faktoren Alter: U-Form: SWB ist höher bei jungen Menschen, sinkt dann im mittleren Alter und steigt im höheren Alter wieder an Geschlecht: Frauen sind haben ein höheren SWB als Männer Familienstand: Partnerschaft hat einen signifikanten Einfluss auf SWB Verheiratete haben eine um 0.4 höhere Zufriedenheit auf einer Skala von 1-10 Bildung: Keine Signifikanz bei kontrolliertem Einkommen, teilweise sogar negativer Einfluss (Niederlande) 15

16 2.4.3 Ökonomische Faktoren Makroökonomische Faktoren: BIP pro Kopf: Auf Internationaler Ebene starke Korrelation zwischen BIP pro Kopf und Zufriedenheit Unterschiedliche Interpretationen von Einkommen und Einkommenswachstum Easterlin Paradox: Wenn grundlegende Bedürfnisse gestillt sind, führt mehr Reichtum nicht zu mehr Glück. Inflation: Erhöhung der Inflation um 1% senkt den Wert der subjetiven Zufriedenheit auf einer Skala von 1-4 um

17 2.4.3 Ökonomische Faktoren Arbeitslosenrate: Erhöhung der Arbeitslosenrate um 1% senkt den Wert subjektiven Zufriedenheit auf einer Skala von 1-4 um 0.3 Doppelte Auswirkung von Arbeitslosigkeit: Direkt auf Individueller Ebene Indirekt auf Nationaler Ebene durch erhöhte Jobunsicherheit Aber: Erhöhung der Arbeitslosen Rate um 1% wird durch Senkung der Inflationsrate um 1.7% ausgeglichen 17

18 2.4.3 Ökonomische Faktoren Keine Korrelation zwischen BIP-Wachstums pro Kopf und SWB 18

19 2.4.3 Ökonomische Faktoren Einkommen: Verdoppelung des Einkommens in der unteren Hälfte erhöht SWB um 0.05 (auf einer Skala von 1-4) Verdoppelung des Einkommens in der oberen Hälfte erhöht SWB um 0.03(auf einer Skala von 1-4) Korrelation zwischen Einkommen und SWB:

20 2.5 Zusammenfassung Großer Einfluss durch Persönlichkeit, Familienstand und Subjektiver Gesundheit Verhältnismässig geringer Einfluss von Einkommen auf individueller Ebene, aber starker Einfluss auf Nationaler ebene. Allgemein geringe Validität wegen subjektiven Daten 20

21 3. Canadian Index of Wellbeing (CIW) Zusammengesetzter Index Soll die Entwicklung der Zufriedenheit in Kanada messen Daten aus subjektiven Fragen wie: Fühlen sie sich sicher, wenn sie alleine nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause gehen? und empirische Daten wie BIP pro Kopf oder Lebenserwartung 21

22 3.1 Konstruktion des CIW 6 Leitindikatoren: Lebensstandard Gemeinschaftsvitalität Freizeit und Kultur Gesunde Bevölkerung Demokratisches Engagement Zeitnutzung 22

23 3.1 Konstruktion des CIW Jeweils 8 Merkmale pro Leitindikator Alle Indikatoren gleich gewichtet Ausgangswert ist der von 1994 prozentuale Veränderung wird untersucht Positive und Negative Indikatoren Negative Indikatoren: Erhöhung des Wertes verringert Wohlbefinden -> Negative Indikatoren gehen mit 1/Wert in den Index ein 23

24 3.2 Validität des CIW Inhaltsvalidität: Indikatoren fließen in den Index ein, von denen die Forscher überzeugt sind, dass sie das Wohlbefinden beeinflussen Probleme: alle Indikatoren werden gleich stark gewichtet Wurden alle relevanten Indikatoren in den CIW einbezogen? teilweise extreme Ausreißer bei einzelnen Variablen 24

25 3.2 Validität des CIW 25

26 3.2 Validität des CIW Kriteriumsvalidität: Messgegenstand ist Wohlbefinden Valide Messungen zu Wohlbefinden nicht vorhanden SWB nur ein Teil von Wohlbefinden, somit kein valides Kriterium 26

27 3.2 Validität des CIW Konstruktvalidität: Michalos (1991) überprüft ein paar Dutzend hoch korrelierte theoretische Konstrukte, die die Konstruktvalidität von mehreren Standardmessungen von Glücklichsein und Lebenszufriedenheit zeigte. Aber Konfundierungseffekt Mehrere unabhängige Variablen beeinflussen Wohlbefinden 27

28 3.3 Vorteile eines Zusammengesetzten Indizes Schlichtheit erleichtert Überlegungen über praktischen Wert des Indizes Möglichkeit zur Vereinfachung komplexer, multidimensionaler Phänomene und Messungen Vereinfachte Darstellung allgemeiner Tendenzen im Zeitverlauf und visuell 28

29 3.3 Vorteile eines Zusammengesetzten Indizes Konstruktion so gewählt, dass gewünschte Einflüsse beachtet werden und unerwünschte ungeachtet bleiben Flexibilität bei der Gewichtung der Indikatoren Möglichkeit zur Erstellung weitläufigerer Indizes, was zu einer größeren Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen führt. Erstellung interdisziplinärer erklärender Theorien 29

30 3.4 Nachteile eines Zusammengesetzten Indizes Zu starke Vereinfachung komplexer Themen Willkürliche Auswahl von Variablen und Gewichtungen Grob vereinfachte Botschaften geben irreführende Richtungen vor, was zu schlechten politischen Entscheidungen führen kann Politisch oder vom Auftraggeber motivierte verzerrende Auswahl an Variablen etc. 30

31 3.4 Nachteile eines Zusammengesetzten Indizes Unwichtige Variablen werden beachtet, Wichtige ausgeschlossen Doppelzählungen durch abhängige Variablen Besondere Probleme werden verborgen, weil sie trotz signifikanter Änderung keine Änderung des Indizes bewirken. Schwankungen und Ungleichheiten von Variablen bleiben verborgen 31

32 3.4 Nachteile eines Zusammengesetzten Indizes BIP pro Kopf nicht schlechter als andere zusammengesetzte Indizes Jeder akzeptierte zusammengesetzte Index wird zu Gruppendenken führen wie BIP Genauigkeit und Vergleichbarkeit der Daten anfechtbar 32

33 4.Fazit Alternative Messungen des Wohlstandes/Wohlbefinden zu BIP pro Kopf Unterschiedliche Ergebnisse je nach Messart Zusammengesetzte Indizes mit Vorsicht zu Genießen, wie BIP SWB schwer zu interpretieren und durch ökonomische Änderungen nur schwer zu beeinflussen 33

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