Pressestatement. Peter Driessen Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages. anlässlich

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1 Pressestatement Peter Driessen Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages anlässlich der BIHK-Pressekonferenz IHK-Fachkräftemonitor Bayern am 3. März 2015, 10:30 Uhr, Großer Konferenzraum, IHK für München und Oberbayern, Balanstraße 55-59, München

2 Sehr geehrte Damen und Herren, in diesem Jahr werden der bayerischen Wirtschaft über alle Berufsgruppen hinweg insgesamt Fachkräfte fehlen: davon beruflich Qualifizierte und Akademiker. Aktuell herrscht vor allem in den technischen Berufen Mangel. Gesucht sind insbesondere Mechatroniker und Automatisierungstechniker, Spezialisten aus Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsberufen sowie Maschinenbauer und Elektrotechniker. Im akademischen Bereich fehlen insbesondere Elektroingenieure. Frauen sind in den technischen Berufsgruppen deutlich unterrepräsentiert. In den nächsten Jahren steigt in allen Branchen das Durchschnittsalter der Belegschaft spürbar an, am meisten im Einzelhandel. Bis zum Jahr 2030 wird die Fachkräftelücke auf Personen steigen. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Datenaktualisierung 2015 des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. Das Online-Instrument IHK-Fachkräftemonitor Bayern, das die bayerischen IHKs 2011 gemeinsam mit dem Wirtschafts- Seite 2 von 10

3 forschungsinstitut WifOR GmbH entwickelt haben, zeigt, wie sich die Fachkräftesituation im Freistaat aktuell darstellt und wie sie bis zum Jahr 2030 fortschreiten könnte. Das Instrument wird jährlich aktualisiert und weiterentwickelt. Bevor ich detaillierter auf die neuesten Zahlen eingehe, lassen Sie mich kurz etwas zur aktuellen Situation auf dem bayerischen Arbeitsmarkt sagen war ein Rekordjahr. Nie zuvor gab es im Freistaat so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Unternehmen haben im Vergleich zum Jahr 2013 rund Personen mehr eingestellt. Dies gelang, weil die Betriebe zum einen mehr ältere Arbeitnehmer beschäftigen, mehr Frauen erwerbstätig sind und sich zum anderen auch die Zuwanderung auf dem Fachkräftemarkt bemerkbar macht. Dennoch bleiben auch im Jahr 2015 viele Stellen in den bayerischen Unternehmen unbesetzt. Vier von zehn Unternehmen sagen schon heute, dass der Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden 12 Monaten darstellt. Die demografische Entwicklung erhöht dieses Risiko zusätzlich. Seite 3 von 10

4 Wie sieht nun die aktuelle Fachkräftesituation im Freistaat aus? Die nach wie vor starke Konjunktur in Bayern erzeugt eine hohe Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften, die auch im Jahr 2015 in vielen Berufsgruppen nicht gedeckt werden kann. Für dieses Jahr erwarten wir insgesamt einen bayernweiten Mangel von Fachkräften über alle Berufsgruppen hinweg. Dabei sind es vor allem Fachkräfte mit einer beruflichen Ausbildung (85 %), die von den Unternehmen gesucht werden. Lediglich 15 % fallen in den akademischen Bereich. Die Masse an Fachkräften fehlt also nach wie vor bei den beruflich Qualifizierten. Auffällig dabei ist, dass der Mangel fast ausschließlich im technischen Bereich vorherrscht. Hier fehlen beruflich Ausgebildete. Betrachtet man alle kaufmännischen Berufsgruppen zusammen, so weist der IHK-Fachkräftemonitor Bayern hier sogar einen leichten Überschuss aus. Der Grund dafür ist ein massives Überangebot bei den Verkaufsberufen. Das ist vor allem auf den digitalen Wandel weg vom stationären Handel hin zum E-Commerce zurückzuführen: Wo früher Einzelhandelskaufleute gesucht wurden, um Kunden zu beraten, werden heute Programmierer und Web-Designer gesucht, um Online-Shops zu entwickeln. Seite 4 von 10

5 Der Mangel bei den Akademikern ist maßgeblich begründet durch fehlende Elektroingenieure. Mit Personen stellt diese Gruppe 40 % des gesamten Akademikermangels in Bayern dar. In welchen anderen Berufsgruppen ist der Mangel ebenfalls besonders ausgeprägt? Im IHK-Fachkräftemonitor Bayern weisen wir jedes Jahr die Top-Ten-Engpassberufsgruppen aus. Interessant ist hier die Betrachtung des relativen Mangels. Er sagt aus, wieviel Prozent der Stellen nicht besetzt werden können. Heuer stehen unter den ersten zehn Engpassberufsgruppen acht technische. Insbesondere fehlen: Mechatroniker und Automatisierungstechniker, bei denen 16 % der Meisterstellen unbesetzt bleiben, Entwickler und Konstrukteure, bei denen 15 % der Meisterstellen unbesetzt bleiben, und Fahrzeug- und Elektrotechniker, bei denen 14 % der Meisterstellen unbesetzt bleiben. Was ist neu am Instrument? Auch mit der Datenaktualisierung 2015 haben wir den Fachkräftemonitor erweitert. Seit diesem Jahr können das Durch- Seite 5 von 10

6 schnittsalter und das Geschlecht der bayerischen Fachkräfte in den einzelnen Berufsgruppen dargestellt werden. Es war zu erwarten, dass Frauen in den technischen Berufsgruppen unterrepräsentiert sind. Mit den Zahlen, die wir bei unseren Berechnungen erhalten haben, haben wir in dieser Dimension jedoch nicht gerechnet. Schaut man auf die TOP-Mangelberufsgruppen aus dem technischen Bereich, ergibt sich folgendes Bild: in der Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrttechnik liegt der Frauenanteil bei 4 %, in der Mechatronik und Automatisierungstechnik bei 5,9 %, bei den Elektroingenieuren liegt ihr Anteil bei 6,7 % und in der Energietechnik bei 6,9 %. Anders sieht es bei den Berufsgruppen aus, in denen derzeit wenig oder kein Fachkräftemangel besteht: im Bereich Rechnungswesen, Controlling, Steuerberatung liegt der Frauenanteil bei 70 %, in den Verkaufsberufen bei 72,1 %, in den Rechts- und Verwaltungsberufen bei 74,6 % und in den Gesundheits- und Wellnessberufen bei 82,6 %. Seite 6 von 10

7 Um dem Mangel in den technischen Berufsgruppen zu begegnen, muss die Devise noch deutlicher lauten: mehr Frauen in diese Berufe bringen. Neben einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es insbesondere notwendig, Mädchen bereits im Vorschulalter für Technik zu begeistern. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft haben dazu in den vergangenen Jahren diverse Initiativen gestartet. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass man die Effizienz und Methode der bisherigen Angebote überprüfen muss und noch eine Menge Arbeit vor uns liegt. Ein weiterer Faktor, der die Unternehmen vor immer größere Herausforderungen stellt, ist die Alterung der Belegschaft. Laut IHK-Fachkräftemonitor Bayern steigt das Durchschnittsalter in allen Wirtschaftszweigen von derzeit 43,1 auf voraussichtlich 47 Jahre im Jahr Dabei muss vor allem der Einzelhandel eine überdurchschnittlich starke Alterung managen: Dort steigt das Durchschnittsalter von heute 42 auf 48 Jahre bis zum Jahr 2030 an. Was sind die politischen Konsequenzen daraus? In Freistaat gab es in den vergangenen Jahren einen immensen Beschäftigungsaufbau und eine Erhöhung des Fachkräfteangebots. Fakt ist aber auch: Bayern leidet nach wie vor unter einem Fachkräftemangel, der sich demografiebedingt noch verschärfen wird. Seite 7 von 10

8 Um diesen Mangel zu lindern, ist es zwingend erforderlich alle Fachkräftepotenziale zu aktivieren und die richtigen Rahmenbedingungen durch die Politik zu schaffen. Insbesondere brauchen wir bessere Anreize für ältere Arbeitnehmer, bis oder sogar über das gesetzliche Renteneintrittsalter zu arbeiten. Die Rente mit 63 ist hier ganz klar kontraproduktiv. Wir brauchen zudem endlich eine flächendeckende und bedarfsgerechte Kinderbetreuung, damit Frauen mit Familienaufgaben eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder ausweiten können. Langfristig wird allein die Aktivierung der heimischen Fachkräftepotenziale nicht ausreichen, um die Lücke schließen zu können: Wir brauchen auch die Zuwanderung von Fachkräften! Die aktuelle Situation spielt uns dabei durchaus in die Karten. Jetzt geht es darum, sie sinnvoll zu nutzen. Im Jahr 2013 zogen Personen aus dem Ausland nach Bayern, gleichzeitig wanderten ab. Der Zuwanderungssaldo mit liegt damit deutlich über dem der letzten Jahre. Die hohe Zuwanderung von Fachkräften aus der EU stellt eine Momentaufnahme dar, die den wirtschaftlichen Seite 8 von 10

9 Krisen in südeuropäischen Staaten sowie der EU- Osterweiterung geschuldet ist. Was Bayern braucht, ist jedoch eine dauerhafte Zuwanderung. Um diese zu fördern, fordern wir: 1. Die Einführung eines Deutschen Zuwanderungssys tems Die Steuerung von Zuwanderung aus Nicht-EU- Ländern sollte über ein nach objektiven Kriterien gestaltetes und transparentes Deutsches Zuwanderungssystem erfolgen, das Kriterien wie Qualifikation, Berufserfahrung, Alter, Sprachkenntnisse und Erfordernisse auf dem Ar beitsmarkt erfasst und den Zuwandernden ein dauerhaftes Bleiberecht gibt. 2. Willkommenskultur muss gestärkt und die Integration gefördert werden Politisch wie gesellschaftlich muss klar ausgedrückt werden, dass ausländische Fachkräfte und nicht nur Hochqualifizierte in Bayern willkommen sind. Regionale Welcome Center sind wichtige Anlaufstellen für die Neuankömmlinge und fördern die Integration vor Ort und in den Betrieben. Ein bayernweiter Aufbau ist daher dringend erforderlich. Deutschkurse müssen im Inund Ausland ausgebaut werden. Gleichzeitig muss im Ausland stärker für den Arbeits- und Studienort Bayern Seite 9 von 10

10 geworben werden. Die hohe Zahl der Abwanderer muss durch geeignete Maßnahmen reduziert werden. 3. Die Potentiale von Flüchtlingen müssen für den Arbeitsmarkt besser nutzbar gemacht werden. Die Neuregelung im Asylrecht ermöglicht Asylbewerbern und geduldeten Ausländern einen raschen Zugang zum Arbeitsmarkt. Damit sie auch in den Unternehmen richtig eingesetzt werden können, bedarf es einer zügigen Feststellung der Qualifikationen und eine frühzeitige Sprachförderung. Flüchtlinge, die für den Arbeitsmarkt relevante Qualifikationen haben oder eine entsprechende Ausbildung aufnehmen wollen und einen entsprechenden Arbeitsplatz vorweisen können, sollten einen leichteren Zugang zu einem befristeten Aufenthaltstitel erhalten. Die bayerischen Industrie- und Handelskammern haben das Thema Fachkräftesicherung ganz oben auf ihrer Agenda stehen. Wir weisen dabei nicht nur auf die Gefahren des Fachkräftemangels hin, sondern stehen vielmehr auch den Unternehmen und der Politik beratend zur Seite. Die Zahlen des IHK-Fachkräftemonitors Bayern belegen, dass wir eine gute Diagnostik haben. Was wir brauchen, sind konkrete und zeitnahe Umsetzungsschritte auf allen Ebenen. Seite 10 von 10

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