Der Arbeitnehmer führt kein Fahrtenbuch. Der geldwerte Vorteil wird daher pauschal im Rahmen der 1 %-Regelung ermittelt.

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1 Die Auflösung Das war der Sachverhalt: Ein Arbeitnehmer darf den ihm überlassenen Firmenwagen auch auf einer privaten Urlaubsreise verwenden. Der Arbeitgeber hat sich großzügigerweise bereit erklärt, sämtliche Kosten, die in Zusammenhang mit der Urlaubsreise anfallen, zu übernehmen. Das gilt auch für Urlaubsreisen, die ins Ausland führen. Der Arbeitnehmer führt kein Fahrtenbuch. Der geldwerte Vorteil wird daher pauschal im Rahmen der 1 %-Regelung ermittelt. Der Arbeitgeber übernimmt folgende Kosten, die der Arbeitnehmer mit seiner Firmenkreditkarte bezahlt hat: Kraftstoffkosten im Inland Kraftstoffkosten im Ausland Straßenbenutzungsgebühren in Österreich und Italien Fährüberfahrt nach Sizilien Parkgebühren Kosten für eine Auslandsstraßenkarte Werkstattkosten für eine Kühlerreparatur Reparaturkosten für einen Wildschaden Es ist die Frage zu klären, ob die Kosten, die in Zusammenhang mit der privaten Urlaubsreise stehen, in voller Höhe teilweise oder gar nicht vom Arbeitgeber übernommen und steuerfrei erstattet werden dürfen? Und des Rätsels Lösung: Richtig ist Lösungsvorschlag Nr. 4! 1

2 Lösungsvorschlag 1: Weil der geldwerte Vorteil pauschal im Rahmen der 1 %-Regelung ermittelt wird, sind sämtliche Kosten, die mit der Benutzung des KFZ in Zusammenhang stehen, abgegolten. Das gilt auch für die Kosten in Zusammenhang mit der privaten Urlaubsreise. Ein zusätzlicher lohnsteuerpflichtiger geldwerter Vorteil ist nicht zu erfassen. Erläuterung von Diplom-Finanzwirt Volker Hartmann: Durch die pauschale 1 %- Regelung sind nur die Kosten abgegolten, die unmittelbar mit der Haltung eines KFZ zusammenhängen. Kosten, die nicht unmittelbar mit der Haltung eines KFZ zusammenhängen, sind entsprechend durch die 1 %-Regelung nicht abgegolten. Daher ist ein zusätzlicher geldwerter Vorteil zu erfassen, soweit diese Kosten nicht an den Arbeitnehmer weiterbelastet werden. Die Erfassung eines geldwerten Vorteil entfällt, wenn der Arbeitgeber die Kosten an den Arbeitnehmer weiterbelastet. Dieser zusätzliche geldwerte Vorteil ist dem steuerpflichtigen Arbeitslohn des Arbeitnehmers hinzuzurechnen und sowohl der Lohnversteuerung als auch der Verbeitragung zur Sozialversicherung zu unterwerfen. Soweit hierbei die monatliche Sachbezugsfreigrenze in Höhe von 44 Euro nicht überschritten wird, ergibt sich faktisch keine steuerliche Auswirkung. 2

3 Lösungsvorschlag 2: Weil es sich um einen Arbeitgeber mit Sitz im Inland handelt und der Arbeitnehmer seine Bezüge in voller Höhe im Inland versteuert, sind nur diejenigen Kosten durch die pauschale 1 %-Regelung abgegolten, die im Inland angefallen sind. Für Kosten, die im Ausland angefallen sind, ist ein separater, zusätzlicher geldwerter Vorteil zu erfassen. Eine Pauschalversteuerung nach 37 b EStG ist möglich, soweit es sich bei den Kostenübernahmen um Sachzuwendungen und nicht um reinen Auslagenersatz in bar handelt. Erläuterung von Diplom-Finanzwirt Volker Hartmann: Es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob es sich um Kosten handelt, die im Inland angefallen sind oder um Kosten, die im Ausland angefallen sind. Entscheidendes Kriterium ist vielmehr, ob es sich um Kosten handelt, die unmittelbar mit der Haltung eines KFZ zusammenhängen oder nicht (siehe Erläuterungen zu Lösungsvorschlag Nr. 1). Zu den Voraussetzungen für die Pauschalversteuerung nach 37b EStG siehe die Erläuterungen zu Lösungsvorschlag Nr. 4. 3

4 Lösungsvorschlag 3: Weil es sich um Kosten für eine private Urlaubsreise handelt, liegen keine Zuwendungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers vor. Daher ist ein entsprechender geldwerter Vorteil zu erfassen, soweit der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber die übernommenen Aufwendungen nicht zurückerstattet. Erläuterung von Diplom-Finanzwirt Volker Hartmann: Es ist zwar zutreffend, dass es sich bei der Kostenübernahme für eine private Urlaubsreise durch den Arbeitgeber nicht um eine Zuwendung im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers handelt. Es handelt sich zweifelsfrei um einen geldwerten Vorteil und entsprechend um lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn. Dieser geldwerte Vorteil wird durch die 1 %-Regelung abgegolten, soweit es sich um Kosten handelt, die unmittelbar mit der Haltung eines Fahrzeugs in Zusammenhang stehen. Hinsichtlich der Kosten, die nicht unmittelbar mit der Haltung eines KFZ zusammenhängen, ist ein zusätzlicher geldwerter Vorteil zu erfassen. Siehe auch Erläuterungen zu Lösungsvorschlag Nr. 4. 4

5 Lösungsvorschlag 4: Es ist zu differenzieren, ob es sich um Kosten handelt, die unmittelbar mit dem Betrieb des KFZ in Zusammenhang stehen oder um Kosten, die nur mittelbar mit dem Betrieb des KFZ in Zusammenhang stehen. Hinsichtlich der Kosten, die nicht unmittelbar mit dem Betrieb des KFZ in Zusammenhang stehen, ist ein zusätzlicher separater geldwerter Vorteil zu erfassen. Erläuterung von Diplom-Finanzwirt Volker Hartmann: Aufwendungen, die unmittelbar mit der Haltung eines Fahrzeugs in Zusammenhang stehen: Wie Sie bereits den Kommentierungen zu den Lösungsvorschlägen 1 bis 3 entnehmen konnten, sind nur Aufwendungen, die unmittelbar mit der Haltung eines Fahrzeugs in Zusammenhang stehen, durch die pauschale 1 %-Regelung abgegolten. Hierbei handelt es sich grundsätzlich um folgende Aufwendungen: Anschaffungskosten (in Höhe der anteiligen Abschreibung AfA), Kosten für Leasingraten, Kraftstoff, Öl, KFZ-Versicherung, KFZ-Steuer, Verschleißreparaturen. Zu den Aufwendungen, die nicht unmittelbar mit der Haltung eines Fahrzeugs in Zusammenhang stehen, zählen insbesondere: Parkgebühren Straßenbenutzungsgebühren (Maut) Aufwendungen für Fährüberfahrten Unfallkosten 5

6 Daher ist entsprechend ein separater zusätzlicher geldwerter Vorteil für die vom Arbeitgeber übernommenen Kosten, die nicht unmittelbar mit der Haltung eines KFZ in Zusammenhang stehen, zu erfassen. Abgeltung durch die 1%-Regelung Kraftstoffkosten im Inland Ja Kraftstoffkosten im Ausland Ja Straßennutzungsgebühren in Österreich und Italien Fährüberfahrt nach Sizilien Parkgebühren Kosten für Straßenkarte Werkstattkosten Kühlerreparatur Ja Verschleißreparatur Reparaturkosten Wildschaden Unfallkosten Dieser zusätzliche geldwerte Vorteil ist dem steuerpflichtigen Arbeitslohn des Arbeitnehmers hinzuzurechnen und sowohl der Lohnversteuerung als auch der Verbeitragung zur Sozialversicherung zu unterwerfen. Soweit hierbei die monatliche Sachbezugsfreigrenze in Höhe von 44 Euro nicht überschritten wird, ergibt sich faktisch keine steuerliche Auswirkung. Wenn es sich bei der Kostenübernahme um Sachbezüge handelt, kann eine Pauschalversteuerung nach 37b EStG durchgeführt werden. Diese Voraussetzungen liegen vor, wenn der Arbeitnehmer die Kosten z.b. mit einer Firmenkreditkarte begleicht und die Kosten unmittelbar einem Konto des Arbeitgebers belastet werden. Keine Sachbezüge liegen hingegen vor, wenn der Arbeitnehmer die Kosten zunächst in bar verauslagt und der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer diese Aufwendungen erstattet. Weil es sich um (steuerpflichtigen) Auslagenersatz handelt, liegen die Voraussetzungen für die Pauschalversteuerung nach 37b EStG nicht vor. [vh] Volker Hartmann, Diplom Finanzwirt (FH), Hamburg 6

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