Nicht alles auf einmal!

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1 Nicht alles auf einmal! Anregungen für den Einarbeitungsprozess Fachtagung Neues PflegeWISSEN nutzen Claudia Munz / Anna Maurus, Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung, München Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung - GAB München Februar 2014 Lindwurmstr. 41/ München Tel. 089 /

2 Einarbeitung ist ein PROZESS Gängige Modelle unterscheiden die 4 Phasen 1. Eingewöhnungsphase (Adaptions-, Orientierungsphase) 2. Profilierungsphase (Zugehörigkeit entwickeln, Arbeiten unter Begleitung, Anerkennung erwerben) 3. Qualifikationsphase (Eigenständiges Arbeiten, Sicherheit bekommen) 4. Reifephase ( Angekommen-Sein, Spezialisierung) (>> vgl. Pflege-Wiki) Schwerpunkt liegt auf dem WAS Seite 2

3 Einarbeitung ist ein LERN-Prozess Lernen kann nur die Person selbst niemand kann gelernt werden D.h.: ICH arbeite mich ein Pflege ist eine situative Gestaltungsaufgabe Daher erfordert Einarbeitung die integrierende Berücksichtigung objektivierender (fachliche Standards) UND subjektivierender (individuelle Wahrnehmungen und Vorgehensweisen) Aspekte Seite 3

4 Unterstützung des eigenständigen Lernens durch Lernfördernde Begleitung (Paten-, Mentorenmodell) Zugang zu allen relevanten Informationen Selbstlern-Materialien Lern- und entwicklungsfreundliches Klima Möglichkeiten der Erfahrungsauswertung und kollegialen Beratung Schwerpunkt liegt auf dem WIE Seite 4

5 Prinzipien für eine gelingende Einarbeitung Neue Mitarbeiter/innen erkunden möglichst viele Informationen, Regeln usw. eigenständig. Dafür werden ihnen alle relevanten Unterlagen zur Verfügung gestellt Begründung: Sage es mir, und ich werde es vergessen. Lass es mich selbst tun, und ich werde es können. Motto: Vom Überblick zum Detail, nicht alles auf einmal Neue Mitarbeiter/innen bekommen eine oder zwei feste Ansprechpersonen (Paten, Mentorinnen), die für ihre Fragen offen sind und sie bei der eigenständigen Erkundung unterstützen In der ersten Zeit der Einarbeitung bekommen die Neuen Freiräume zum Lernen (Lernzeit). Sie machen sich Notizen, was sie mit ihren Pat/innen besprechen möchten Seite 5

6 Da Einarbeitung auch eine (berufs-)biografische Zäsur darstellt, wird bewusst berücksichtigt, in welcher biographischen Phase sich die Einzuarbeitenden befinden (z.b.: Ältere erfahrene Kraft, junge Berufsanfänger/innen) und wie sie mit den neuen Anforderungen zurechtkommen Die individuelle Anschlussfähigkeit des neu zu Lernenden ist umso höher, je besser es mit konkreten Erfahrungen verknüpft werden kann Dabei gilt: Nicht nur den eigenen Erfahrungsschatz aus der Vergangenheit nutzen, sondern Aktiv neue Erfahrungsgelegenheiten erschließen und dafür alle Sinne nutzen, dialogisch-explorativ vorgehen Neue Mitarbeiter/innen und ihre Pat/innen beobachten den Kompetenzstand und die Kompetenzentwicklung der Neuen (wertschätzende Selbst- und Fremdbeobachtung & Austausch darüber) So weit wie möglich sollten organisationale Ziele mit Entwicklungszielen der Einzuarbeitenden verknüpft werden Seite 6

7 Beispiel 1: AiQUA Arbeitsintegrierte Qualifizierung für Pflege- Hilfskräfte / Verknüpfung von Theorie und Praxis durch konkrete Arbeitsaufgaben Pflegen Sie einen Menschen mit einer Ernährungsstörung, z.b. Die praktische Bearbeitung folgt den Schritten des Pflegeprozesses A. Informieren Sie sich B. Hospitation bei Erfahrenen / Vertrauten (z.b. Führungskraft oder Pat/in) C. Nachgespräch D. Eigene Pflegeplanung durchführen E. Pflege unter Hospitation durchführen Eigenständiges Erarbeiten der Schlüsselbegriffe und Berücksichtigung bei der praktischen Arbeit 20 % der Arbeitszeit = Lernzeit; Unterstützung durch Lerngruppe und Lernbausteine Seite 7

8 Beispiel 2: Einarbeitungsheft & Patenmodell Für neue Mitarbeiter/innen in einem firmeneigenen Callcenter Enthält Selbstlern-Aufgaben Gegliedert nach: Erkundungen am 1. Tag Erkundungen in der 1. Woche Erkundungen in der 2. Woche (ff.) Seite 8

9 Beispiel aus: Das sollten Sie am 1. Tag erkunden Motto: Wo bin ich hier gelandet? Informationen über das Unternehmen / den Einsatzbereich Informationen über den Kreis der Anrufer/innen Arbeitszeit-, Arbeitsmittel - u.ä. Regelungen Was finde ich wo? Was ist hier besonders wichtig? Was sollte ich beachten / besser nicht tun? Was darf auf keinen Fall passieren? TIPP: Lieber fragen als sagen! Trauen Sie sich zu fragen - es gibt keine dummen Fragen! Fragen sind KEINE Zeichen von Inkompetenz! Seite 9

10 Beispiel aus: Das sollten Sie in der 1. Woche herausfinden Umgang mit Anrufer/innen Die Lernenden werden aufgefordert, sich Notizen zu machen: Meine Wahrnehmung des Anrufers I, II, III So gehen meine Kolleg/innen mit den Anrufenden um So würde ich es machen (Beschreibung und Begründung) Diese schwierigen Situationen habe ich erlebt:.. Darüber will ich mit meiner Patin / meinem Paten sprechen: Fachliche Fragen Fragen des Umgangs mit den Anrufenden TIPP: Gehen Sie aktiv auf Ihre Kolleg/innen zu Fragen Sie und lassen Sie sich Erfahrungsgeschichten erzählen Seite 10

11 Patenmodell Gegliedert nach Anmerkungen zur Begleitung der Lernenden Zusammenstellung der Aufgaben der Patenschaft Seite 11

12 Hinweise zum Vorgehen Ihre Rolle besteht in der Begleitung des Einarbeitungsprozesses der Neuen, bei der Sie sich als Ansprechpartnerin und Lernbegleiterin der Neuen verstehen dafür ausreichend Zeit bekommen und sich nehmen nach dem Grundsatz vorgehen: die Neue soll möglichst viel selbstständig lernen der Neuen Hinweise geben, wie sie beim Selbstlernen vorgehen könnte die Erfahrungen der Neuen gemeinsam mit ihr auswerten einerseits Hilfestellung geben, andererseits die Neue zum Ausprobieren ermutigen ein Vertrauensverhältnis zur Neuen aufbauen, damit sie weniger Hemmungen hat, nachzufragen. Seite 12

13 Aufgaben der Patin/nnen Führung durch das Gebäude ( wo finde ich was? ) Unterstützung der sozialen Einbindung der Neuen, z. B. durch gemeinsame Pausen Ersten Überblick über wesentliche Arbeitsgegenstände und Abläufe geben Die eigenständige Erarbeitung von Zuständigkeiten, Ansprechpartnern usw. unterstützen Hilfestellung, wenn etwas nicht klappt Die Neue fragen, welche Unterstützung sie sich wünscht Exemplarische Geschichten aus Ihrer eigenen Erfahrung erzählen Als Mittler/in zwischen Neuer und Vorgesetzten fungieren Seite 13

14 6 Goldene Regeln für die Patinnen 1. Ermutigen statt belehren: bestärken Sie die Neue, nicht abzuwarten, bis ihr jemand etwas sagt, sondern sich selbst schlau zu machen 2. Erleichtern Sie ihr den Zugang zu den Kolleg/innen und informieren Sie diese über die Art, wie in der Einarbeitung gelernt wird 3. Ermuntern Sie die Neue zum Fragen. Fragen sind KEIN Zeichen von Inkompetenz! 4. Fordern Sie von der Neuen die Erfüllung der Fragen in ihrem Einsteiger-Heft ein 5. Machen Sie sich selbst Notizen zu dem, was Ihnen auffällt, und besprechen Sie das mit der Neuen 6. Werten Sie gemeinsam mit der Neuen ihre Erfahrungen aus und: LOBEN SIE SIE!! Seite 14

15 Beispiel 3: Eigenständige Einarbeitung mit Schwerpunkt Kooperation und Kommunikation Für neue Mitarbeiter/innen in einem Chemie-Konzern Zusammenfassung durch die Neuen: Persönliche Entwicklung als iterativer Prozess Start in Unternehmen: BASF-Grundregeln (Verhaltensregeln) Selbstorganisation/Mein Arbeitsplatz Seite 15

16 Außen Umfeld-Analyse Außen Außen Ziele Eigene (s) Rollenverständnis Seite 16

17 Beispiel 4: Handlungsleitlinie Einarbeitung Praxis in der GAB München, entwickelt von einer Gruppe erfahrener Neuer 1. Sinn der Einarbeitung Orientierung bekommen sich mit relevanten Ansätzen und Arbeitsweisen der GAB vertraut machen Soziale Einbindung, rasch ankommen Seite 17

18 2. Werte und Prinzipien bei der Einarbeitung Jede/r Kolleg/in nimmt sich Zeit für Fragen der Neuen Alle MA kennen die neuen Mitarbeiter/innen Die Neuen dürfen Fehler machen und unbekümmert Fragen stellen Die Neuen steuern ihre Einarbeitung selbst Jede/r Kolleg/in macht das GAB-Leitbild erlebbar Seite 18

19 3. Durchführungshinweise Mentor/in Begrüßungspaket (Brief der ehemaligen Neuen, Einarbeitungstagebuch, Buch Lernprozessbegleitung ) Einarbeitungsordner (Organigramm, Adressliste, Literaturliste, Basistexte, QM der GAB Einarbeitung durch Heimat -Geschäftsfeld Information / Versorgung mit technischer Ausstattung und organisatorischen Abläufen Vorstellung in der Mitarbeiterrunde Hospitation bei Projektveranstaltungen, Workshops u.ä. Seite 19

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