Grundlagen der Volkswirtschaftslehre Übungsblatt 10

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1 Grundlagen der Volkswirtschaftslehre Übungsblatt 10 Robert Poppe Universität Mannheim 19. November 2010

2 Überblick 1 Asymmetrische Information Verborgene Aktion Moralisches Risiko Verborgene Information Adverse Selektion 2 Verhaltenswissenschaftliche Ökonomik Ultimatum-Spiel Vertrauensspiel Wie experimentelle Spiele die ökonomische Theorie beeinflussen

3 Asymmetrische Information

4 Akteure: Prinzipale und Agenten Häufig wird der Agent für den Prinzipal tätig, z.b. Arbeitnehmer Arbeitgeber Aber wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist Informiertheit Prinzipal: Uninformierter Akteur Agent: Informierter Akteur Beispiele: Käufer Verkäufer, Versicherungsnehmer Versicherer

5 Moralisches Risiko Moralisches Risiko: der Agent strengt sich nicht an Nach Vertragsabschluss Klassisches Beispiel Beschäftigungsverhältnis: Arbeitnehmer strengt sich nicht an Beispiel Diebstahlversicherung: Fahrradbesitzer entscheidet weniger sorgsam, wo er sein Fahrrad abstellt Lösung: Anreizkontrakte (mit Ergebniskomponente), Effizienzlöhne

6 Adverse Selektion Adverse Selektion: die guten Risiken (oder Qualitäten) scheiden aus dem Markt aus Vor Vertragsabschluss Standardbeispiel Gebrauchtwagenmarkt: Verkäufer kennen Mängel der Autos, nicht aber die Käufer Beispiel Arbeitsmarkt: Arbeitskräfte wissen über ihre Leistungsfähigkeit besser Bescheid als die Unternehmungen, die sie einstellen wollen Beispiel Versicherungsmarkt: die Nachfrager von Krankenoder Lebensversicherungen kennen ihren Gesundheitszustand besser als die Versicherungsunternehmen Lösung: Signalisierung, Screening, oder Tests

7 Antwort des Marktes auf adverse Selektion: Signaling Informierter Akteur (Agent) wird aktiv, um private Informationen zu enthüllen Bereits kennen gelernt: Werbung und Diplome Was macht eine Aktion zu einem wirksamen Signal? Signal muss für Anbieter der höheren Qualität weniger kosten; andernfalls Anreiz für jeden gleich, das Signal einzusetzen, und das Signal würde nichts Relevantes aufdecken

8 Antwort des Marktes auf adverse Selektion: Screening Uninformierter Akteur (Prinzipal) wird aktiv, um informierten Akteur zur Herausgabe von Informationen zu veranlassen Beispiel 1: Überprüfung eines Gebrauchtwagens vor Kauf durch einen Automechaniker Beispiel 2: Autoversicherung gibt Versicherungsnehmern die Wahl Vertrag mit hoher Selbstbeteiligung und niedriger Prämie (sichere Fahrer) Vertrag mit niedriger Selbstbeteiligung und hoher Prämie (riskante Fahrer)

9 Antwort des Marktes auf adverse Selektion: Tests Dritter wird aktiv, um Informationen über das Gut bereitszustellen Beispiel: Stiftung Warentest

10 Beispiel 1 zur adversen Selektion: Arbeitsmarkt Arbeitskräfte wissen über ihre Leistungsfähigkeit besser Bescheid als die Unternehmungen, die sie einstellen wollen Unternehmen bieten niedrigen Lohn an talentierte Arbeitsräfte suchen weiter Unternehmen bieten überdurchschnittlichen Lohn an locken bessere Mischung von Arbeitskräften an

11 Beispiel 2 zur adversen Selektion: Versicherungsmarkt Nachfrager von Kranken- oder Lebensversicherungen kennen ihren Gesundheitszustand besser als die Versicherungsunternehmen Leute mit größeren versteckten Gesundheitsproblemen tendieren eher dazu, Lebens- oder Krankenversicherungen abzuschließen Folglich spiegelt der Preis der Versicherung die Kosten einer überdurchschnittlich krankheitsgefährdeten Person wider Leute von durchschnittlicher Gesundheit könnten durch den hohen Preis abgeschreckt werden

12 Aufgabe 1: Asymmetrische Information

13 Aufgabe 2: Adverse Selektion auf dem Gebrauchtwagenmarkt

14 Aufgabe 2: Adverse Selektion auf dem Gebrauchtwagenmarkt Wenn die Käufer die Qualität beobachten können, werden alle Autos gehandelt, da die Zahlungsbereitschaften über den Mindestpreisen liegen Wenn die Käufer die Qualität nicht beobachten können, sind sie maximal bereit den erwarteten Wert zu zahlen : EW = 0, , = 1800 Zum Preis von 1800 e werden aber nur schlechte Autos angeboten, die guten Autos scheiden aus dem Markt aus Lösung des Problems durch Garantie (Signalisierung) oder Überprüfung des Autos durch Mechanikers des Käufers (Screening)

15 Verhaltenswissenschaftliche Ökonomik

16 Verhaltenswissenschaftliche Ökonomik Überprüfung der Annahmen in der Volkswirtschaftslehre Menschen verhalten sich nicht immer rational, aber möglicherweise ist z.b. die Annahme der Einkommensmaximierung eine gute Annahme Aufbau psychologisch realistischerer Modelle, um bessere Vorhersagen zu treffen Wichtiges Forschungsgebiet: Soziale Präferenzen Menschen sind nicht nur eigennützig Menschen zeigen Sinn für Altruismus, Fairness, Reziprozität Reziprozität kann sehr wichtig sein in Prinzipal-Agenten Beziehungen (Effizienzlöhne)

17 Aufgabe 3: Ultimatum-Spiel

18 Beschreibung des Spiels Zwei Spieler, Spieler A und Spieler B, können eine bestimmte Geldsumme gewinnen, beispielsweise 100 e Spieler A entscheidet, wie der Geldbetrag von 100 e auf beide Spieler aufgeteilt werden soll Spieler B hat anschließend lediglich die Möglichkeit, dem Vorschlag von A zuzustimmen oder aber ihn abzulehnen Stimmt B dem Vorschlag von A zu, so erhalten beide Spieler genau den Geldbetrag, den Spieler A vorgeschlagen hat Lehnt B dagegen den Vorschlag von A ab, so bekommen beide Spieler nichts

19 Vorhersage des Spielergebnisses durch ökonomische Theorie Nach dem Prinzip der Einkommensmaximierung würde Spieler A eine Aufteilung in [99,99 e; 0,01 e] vorschlagen Spieler B sollte Vorschlag akzeptieren, da er durch 0,01 e besser gestellt ist Spieler A hat wiederum keinerlei Veranlassung, eine andere Aufteilung vorzuschlagen er weiß, dass Spieler B mit seinem Vorschlag einverstanden sein wird

20 Resultate von Experimenten Experimente mit realen Personen: andere Ergebnisse Die meisten Personen in der Rolle des Spielers B lehnten sehr niedrige Beträge ab Im Bewusstsein dieses Verhaltens haben Personen in der Rolle des Spielers A einen wesentlich höheren Betrag angeboten Im Durchschnitt: Betrag von 30 e bis 40 e für Spieler B, der anschließend auch akzeptiert wurde

21 Erkärung für dieses Verhalten Sinn für Gerechtigkeit Aufteilung [99,99 e; 0,01 e] wird als ungerecht empfunden Ablehnung, obwohl zum Nachteil Aufteilung [70 e; 30 e] immer noch ungerecht Ungerechtigkeit wird nicht mehr also so stark empfunden, als dass Leute ihr Eigeninteresse aufgeben

22 Vertrauens- oder Investitionsspiel

23 Vorhersage des Spielergebnisses durch ökonomische Theorie Spieler B sendet nichts zurück, egal wieviel Spieler A sendet Spieler A sieht dies voraus und sendet nichts

24 Was passiert in Experimenten? Spieler A investiert oft, besonders häufig die Hälfte oder Alles B sendet häufig etwas zurück, aber nicht immer Im Durchschnitt: für Spieler A lohnt sich Investition nicht, d.h. Spieler B sendet weniger zurück als A gesendet hat Im Durchschnitt: für Spieler A lohnt es sich Alles zu investieren Erheblich mehr Austausch, wenn wiederholt interagiert wird

25 Wie beeinflussen experimentelle Ergebnisse die ökonomische Theorie? Erweiterung des Modells, z.b. Nutzenfunktion enthält Fairness Verhalten kann dann weiterhin mit Nutzenmaximierung erklärt werden

26 Aufgabe 4: Vertrauens- oder Investitionsspiel

27 Aufgabe 4: Vertrauens- oder Investitionsspiel Perfekter Altruist, da Nutzenfunktion das Gesamteinkommen beinhaltet Investiert immer den gesamten Betrag, unabhängig davon, was A erwartet, wieviel B zurückschickt Nicht-egoistisches Verhalten als rationale Nutzenmaximierung

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