EU-Industriestrom- und -erdgaspreisvergleich, 1. Halbjahr Hohe deutsche Industriestrompreise belasten Wettbewerbsfähigkeit 4

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1 Inhalt Seite EU-Industriestrom- und -erdgaspreisvergleich, 1. Halbjahr Hohe deutsche Industriestrompreise belasten Wettbewerbsfähigkeit 4 VIK-Sprechtag: Energie- und Stromsteuern Neue Anforderungen für Industrie und Gewerbe 8 Grenzpreis zur Ermittlung der Konzessionsabgabepflicht im Jahr EU-Industriestrom- und -erdgaspreisvergleich, 1. Halbjahr 2012 Die aktuellen Eurostat-Daten zu den Erdgas- und Strompreisen für die Industrie in den EU-Mitgliedstaaten liegen vor. Sie zeigen die Preissituation im 1. Halbjahr Die Gegenüberstellung der Energiepreise zeigt weiterhin eine schwierige Wettbewerbsposition Deutschlands innerhalb der EU. Der EU-Industriestrom- und -erdgaspreisvergleich des VIK stellt aus den Daten von Eurostat die Strom- und Gaspreise von jeweils vier typischen industriellen Verbrauchergruppen charakterisiert durch einen Korridor jährlicher Verbrauchsmengen in den EU- Mitgliedstaaten, den Beitrittskandidaten Türkei und Kroatien sowie Norwegen gegenüber. Die genannten Preise enthalten neben den direkten Preisen für die Energie sowie für den Transport (Netzentgelte) auch alle sonstigen Steuern und Abgaben mit Ausnahme der gesetzlichen Mehrwertsteuer. Der Vergleich spiegelt die durchschnittliche Preisentwicklung in Europa wider, allerdings ist durch die sehr grobe Einteilung in die vier Verbrauchsgruppen ein Vergleich mit unternehmensindividuellen Strom- und Erdgaspreisen nur eingeschränkt möglich. EU-Industriestrompreisvergleich Aus den von Eurostat in den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten ermittelten Werten zeigt der VIK-Preisvergleich die durchschnittlichen Strompreise für industrielle Verbraucher aus vier industriellen Verbrauchergruppen, die sich nach ihrer jährlichen Verbrauchsmenge unterscheiden (vgl. Tabelle 1). Dabei werden Jahresverbräuche im Bereich 2-20 GWh (Gruppe ID), GWh (IE), GWh (IF) und oberhalb von 150 GWh (IG) erfasst. Es wird deutlich, dass die Strompreisschere in der EU weiterhin weit auseinanderklafft. Je nach Abnahmefall sind die Preise in den teuersten Ländern drei- bis viermal so hoch wie in den günstigsten. Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 1 von 9

2 Abbildung 1 zeigt das Preisranking für die Gruppe IF. Bei diesem Abnahmefall ist die Preisspreizung zwischen dem günstigsten (Norwegen) und dem teuersten Land (Zypern) mit über 400 % am größten, der Preisunterschied beträgt über 15 ct/kwh. Selbst ohne Berücksichtigung des Ausreißers Zypern ist der nächsthöchste Preis (Italien) immer noch mehr als doppelt so hoch wie der günstigste. Deutschland weist den fünfthöchsten Preis auf und liegt damit weiterhin in der Spitzengruppe. Tab. 1: Ergebnisse EU-Industriestrompreisvergleich, Stand: 1. Halbjahr 2012 Quelle: Eurostat Abb. 1: Ergebnisse EU-Industriestrompreisvergleich, Verbrauchsgruppe, IF, Stand: 1. Halbjahr 2012 Quelle: Eurostat, VIK Allerdings hat sich die Preissituation gegenüber dem vorangegangenen Preisvergleich (Preisstand vom 2. Halbjahr 2011, Deutschland lag damals an dritter Stelle) im Vergleich zu Tschechien und der Slowakei verbessert. Der Vergleich mit der Preissituation im 2. Halbjahr 2011 (siehe VIK-Mitteilungen 4/2012) zeigt ein uneinheitliches Bild. Zwar ist das durchschnittliche Preisniveau der Gruppe IF um 3,6 % (um 0,29 ct/kwh auf 7,95 ct/kwh) gestiegen, während noch im vorhergehenden Halbjahresvergleich (2. Halbjahr 2011 gegenüber 1. Halbjahr 2011) eine Preissenkung zu verzeichnen war. Allerdings reicht die Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 2 von 9

3 Spanne der nationalen Werte von einer prozentualen Preissenkung um 10,3 % (-0,57 ct/kwh) in Norwegen bis zu einer Preissteigerung um fast 19 % (1,01 ct/kwh) in Kroatien. Den stärksten absoluten Preisanstieg hatte Zypern mit 1,89 ct/kwh zu verzeichnen, während für Deutschland mit -0,69 ct/kwh die größte absolute Preissenkung ermittelt wurde. Auch in anderen Abnahmefällen klaffen die Preisveränderungen weit auseinander. Von einem einheitlichen Marktgeschehen innerhalb der EU kann vor diesem Hintergrund weiterhin nicht ausgegangen werden. EU-Industrieerdgaspreisvergleich Die VIK-Auswertung der Daten von Eurostat zu den Industrieerdgaspreisen umfasst die vier Verbrauchergruppen I3 (2,8 bis 28 GWh), I4 (28 bis 280 GWh), I5 (280 bis GWh) und I6 (mehr als GWh). Die folgenden Preise wurden ermittelt (vgl. Tab. 2). ) Dabei ergibt sich je nach Abnahmefall auch hier eine deutliche Preisspreizung (2-3fach). Tab. 2: Ergebnisse EU-Industrieerdgaspreisvergleich, Stand: 2. Halbjahr 2011 Quelle: Eurostat Abb. 2: Ergebnisse EU-Industrieerdgaspreisvergleich, Verbrauchsgruppe, I5, Stand: 2. Halbjahr 2011 Quelle: Eurostat, VIK Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 3 von 9

4 Abbildung 2 zeigt die Preissituation für die Gruppe I5. Die deutschen Erdgaspreise liegen weiterhin im oberen Drittel. Deutschland nimmt dabei den siebtteuersten Platz ein, gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr (fünfthöchste Preise) liegt der deutsche Preis jetzt unter dem estnischen und österreichischen. Die Preisentwicklung seit dem 2. Halbjahr 2011 zeigt weiterhin einen klaren Trend zur Preissteigerung, die im Durchschnitt 0,27 ct/kwh bzw. 9,8 % beträgt. Lediglich Schweden bildet mit einer leichten Preissenkung (-0,4 %) eine Ausnahme. Deutschland weist mit 0,07 ct/kwh (2,1 %) im europäischen Vergleich einen unterdurchschnittlichen Preisanstieg auf. Der längerfristige Preistrend seit dem 2. Halbjahr 2007 zeigt, dass auch im Erdgasbereich trotz eines seit 2009 sinkenden Trends weiterhin eine starke Preisspreizung besteht (vgl. Abbildung 7). Fazit Auch dieser EU-Energiepreisvergleich zeigt, dass die deutschen Strom- und Erdgaspreise im EU-Vergleich weiterhin in der Spitzengruppe liegen. Aufgrund der erheblichen Preisspreizungen kann immer noch nicht von einem einheitlichen Energiebinnenmarkt gesprochen werden. Weiterhin befinden sich deutsche Industrieunternehmen gegenüber der europäischen Konkurrenz im Hinblick auf ihre Energiepreissituation in einer kritischen Wettbewerbssituation.. Hohe deutsche Industriestrompreise belasten Wettbewerbsfähigkeit Nach wie vor kommt es regelmäßig, unter Missachtung verschiedener Strommarktfakten, zu der falschen Schlussfolgerung und Berichterstattung, das gegenwärtige Preisniveau des Industriestromes in Deutschland könnte die Wettbewerbssituation deutscher Unternehmen stärken. Aus Sicht des VIK, eine falsche und für die weitere Umsetzung der Energiewende schädliche Einschätzung der tatsächlichen Situation.. Von sinkenden Industriestrompreisen ist zu lesen, als Grundlage für diese Einschätzung wird die Entwicklung am Stromspotmarkt herangezogen. Dabei sollte jedem sachkundigen Marktbeobachter klar sein: die Terminmarktpreise und nicht die kurzfristigen Spotmarktpreise sind für die Unternehmen relevant. Vergleiche dieser Märkte unterstreichen die jeweils sehr unterschiedliche Strompreisentwicklung. Zudem machen sie die geringe Bedeutung des Spotmarktes im Stromeinkauf anhand der Handelsmengen deutlich. Am Terminmarkt wird eine etwa 14-mal größere Menge gehandelt als am Spotmarkt. Die beiden Märkte reagieren Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 4 von 9

5 zudem sehr unterschiedlich auf die Einflüsse der Erneuerbaren: die am Spotmarkt tatsächlich auftretenden kurzfristigen Preissenkungen, begründet durch ein partielles Überangebot an Strom aus erneuerbaren Energien (bei viel Sonne und Wind), führen am Terminmarkt dem Markt, der die Zukunftserwartungen widerspiegelt eher zu Preissteigerungserwartungen, da die finanziellen Spielräume für zusätzlich nötige Kraftwerke so immer enger werden und mit einer Knappheit an Erzeugungskapazität oder Zusatzkosten für gegensteuernde Kapazitätsmechanismen gerechnet werden muss. Begründungen für eine angeblich positive Preisentwicklung, werden auch auf Grundlage der Strompreisentwicklungen in den Jahren 2008 bis 2012 gefunden. Ein Zeitraum, der am Ende der überhitzen Hochkonjunktur der Weltwirtschaft ansetzt und der die mit einem Strompreisabsturz verbundenen anschließende Krisensituation umfasst. Ein Vergleich anderer, besser vergleichbarer Zeitpunkte, zeigt auch ein anderes Bild: Seit 2002 hat sich der deutsche Industriestrompreis im Mittel um 4 Prozent jährlich erhöht, was z.b. anhand des monatlich ermittelten VIK-Strompreisindexes, der seit dem Start im Jahr 2002 um 49 Prozentpunkte gestiegen ist, nachzuvollziehen ist. Bild 1: Vergleich des Terminmarkthandels an der französischen und deutschen Strombörse Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 5 von 9

6 Immer wieder gerne als Beleg für die günstige Ausgangslage in Deutschland wird auch die falsche Botschaft, in Frankreich seien die Strompreise für die Unternehmen höher als in Deutschland, herangezogen. Die dafür als Beleg verwendeten Börsenpreise sind für die Industrie allerdings ohne Relevanz. Die Unternehmen kaufen Strom dort nach staatlich festgelegten Tarifen. So ist auch die Aktivität an der Strombörse für Frankreich sehr gering: Bild 1 zeigt das Verhältnis der an der deutschen und französischen Strombörse gehandelten Strommengen und macht deutlich: in Frankreich werden lediglich Restmengen (4 Prozent des deutschen Handelsvolumens) über diesen Weg gehandelt. Es gilt viel mehr, die im Binnenmarkt eng miteinander verbundenen Strommärkte der EU auch gemeinsam zu betrachten. Die Preise sind vielfach miteinander verwoben und unterscheiden sich in ihrer Höhe beim Industriekunden eher durch unterschiedliche Transportkosten und staatliche Zuschläge. Preissenkende Tendenzen von erneuerbaren Energien auf dem deutschen Stromspotmarkt, die vom deutschen Verbraucher teuer über die EEG-Umlage finanziert werden, lassen also eins zu eins auch im Ausland die Strompreise sinken. Dort allerdings ohne Zusatzkosten für die Verbraucher. Bild 2: Vergleich des Terminmarkthandels an der französischen und deutschen Strombörse Weiterhin besteht sogar noch verschiedentlich die Annahme, ein hoher Strombedarf führe zu niedrigen Preisen, als eine Art Mengenrabatt. Das geht an den Realitäten des Stromeinkaufs allerdings vollkommen vorbei. Ein hoher Stromverbrauch gibt dem Kunden keinen Vorteil. Er Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 6 von 9

7 stellt ihn sogar eher vor Probleme: das Risiko für den Anbieter steigt. Der Kreis der Anbieter, die dies zu tragen gewillt sind, wird sehr eng. Bestimmende Faktoren für den Strompreis sind Einkaufszeitpunkt, Lastprofil und, werden die Netzentgelte noch berücksichtigt, die Netzanschlussebenen. Die in Deutschland produzierenden Unternehmen müssen sich im Alltag gegenüber Wettbewerbern durchaus auch Standorte der gleichen Konzerne im Ausland behaupten. Für Produkte aus energieintensiven Prozessen ist das bei den bestehenden Strompreisunterschieden, in Teilen der USA kostet z.b. Strom nur die Hälfte dessen, was hier zu bezahlen ist, sehr schwierig (Bild 2: Weltstrompreiskarte). Da liefert selbst der in den deutschen Unternehmen weit entwickelte Energieeffizienzstandard häufig keinen ausreichenden Ausgleich mehr. Daher sollte unsere energieeffiziente Industrie auf dem etwas steinigen Weg der Energiewende, wo immer möglich, unterstützt werden, damit sie weiter in Deutschland eine Perspektive habt und Investitionen nicht weiter zurückgefahren werden (Bild 3 Bild 3: Desinvestition bei energieintensiven Unternehmen). Bild 3: Desinvestition bei energieintensiven Unternehmen Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 7 von 9

8 Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 8 von 9

9 Grenzpreis zur Ermittlung der Konzessionsabgabepflicht im Jahr 2013 Das Statistische Bundesamt hat einen vorläufigen Wert für den Grenzpreis Strom zur Ermittlung der Konzessionsabgabepflicht nach der Konzessionsabgabeverordnung (KAV) für das Jahr 2013 veröffentlicht. Er liegt bei 11,57 Ct/kWh. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreswert von 10,66 Ct/kWh einen Anstieg um 0,91 Ct/kWh bzw. 8,5 Prozent. Der Grenzpreis Strom spiegelt die Durchschnittserlöse der Energieversorgungsunternehmen aus Verträgen mit Sondervertragskunden im jeweils vorletzten Jahr wider. Für den Grenzpreis 2013 ist also die Erlössituation im Jahr 2011 relevant. Durch den Vergleich des Grenzpreises Strom mit dem individuellen durchschnittlichen Strompreis eines Verbrauchers ergibt sich eine Entscheidung über die Konzessionsabgabepflicht des Versorgers/ Netzbetreibers gegenüber der betroffenen Gemeinde für die Strommenge, die an den betreffenden Kunden geliefert wird. Keine Konzessionsabgabepflicht besteht, wenn der betreffende Sondervertragskunde einen durchschnittlichen Strompreis hat, der niedriger liegt als der statistisch ermittelte Grenzpreis. Im Fall der Konzessionsabgabepflicht beträgt die Konzessionsabgabe auf Strom, der an Sondervertragskunden geliefert wird, 0,11 Ct/kWh. In der Regel belastet der Netzbetreiber diesen Kostenbestandteil an den Verbraucher weiter. Redaktion: Informationen zum VIK finden Sie auch unter Seite 9 von 9

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