Bericht: Vortragsveranstaltung "Erdgas ein Wegbereiter für Wasserstoff?"

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1 Bericht: Vortragsveranstaltung "Erdgas ein Wegbereiter für Wasserstoff?" Die VDE-Informationsveranstaltung "Erdgas ein Wegbereiter für Wasserstoff?" fand am Donnerstag, 24. Februar 2005 bei der EWF statt. Das Thema beinhaltete einen ganzen Themenkomplex, der von der Energieversorgung allgemein über alternative Kraftstoffe und Antriebssysteme zur Erhaltung der Mobilität durch das Automobil führte. In seiner Begrüßung erläuterte Reinhard Frister, Geschäftsführer der EWF, wie die EWF sich für den Einsatz des umweltschonenden Erdgases als Kraftstoff engagiert: Mehr als dreißig Prozent der EWF-PKW und -Nutzfahrzeuge fahren mit Erdgas. Die EWF unterstützt die Anschaffung eines Erdgasautos oder die Umrüstung auf Erdgasbetrieb mit bis zu Euro. Und es bestünde bei weiter wachsendem Interesse die Möglichkeit, dass zusätzlich zu den beiden Tankstellen in Korbach und Bad Wildungen eine dritte Erdgastankstelle in der Nähe von Diemelstadt errichtet werden könnte. Der Referent, Dr.-Ing. Franz-Martin Dübel, leitet das Institut für die Marktentwicklung alternativer Kraftstoffe (IMAK) in Pulheim. Von seiner Erfahrung aus 25 Jahren in der Entwicklung alternativer Antriebe profitierten die mehr als 50 Besucher des Vortrags: Fahrschulleiter, Vertreter von Autohäusern, Betreiber von Fahrzeugflotten, Mitglieder des Verbandes der Deutschen Elektrotechnik (VDE) und Privatleute erhielten einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand von Fahrzeugen, Antriebstechniken und Kraftstoffen. Erdöl ist begrenzt Ausgehend von der Erkenntnis, dass Erdöl als gewohnte Energie- und Rohstoffbasis für Kraftstoffe, Kunststoffe und vieles mehr, schon bald nicht mehr ausreichen wird, um den wachsenden Energiebedarf zu decken, dränge die Zeit, schon jetzt neue Energie- und Kraftstoffe zu erschließen. Vor allem in China und Indien kämen 2,4 Milliarden Verbraucher hinzu und die Weltölreserven nehmen schneller ab als neue Quellen erschlossen werden: Während der letzten 20 Jahre wurde kein Ölfeld in der Größenordnung der Ölvorkommen in der Nordsee mehr entdeckt und bereits im Jahr 2001 wurde die maximale Ölförderung in der Nordsee erreicht. Seither sei die Ölförderung in der Nordsee rückläufig. Im Jahr 2006 werde die weltweite Ölförderung ihren Spitzenwert erreichen und anschließend sinken, wo-

2 bei ab dem Jahr 2007 die Öllieferungen in einem höheren Maß von den teilweise politisch instabilen OPEC-Ländern abhängen werden. Dr. Dübel stellte die erschließbaren Mengen und die Eignung der alternativen Kraftstoffe Äthanol, Biodiesel, Flüssiggas, Erdgas, elektrischer Strom und Wasserstoff dar. Die Anwendung in alternativen Antriebssystemen vom Verbrennungsmotor bis zur Brennstoffzelle wurde intensiv diskutiert. Die Wirkung auf Schadstoffemissionen, großtechnische Verfügbarkeit und insbesondere die nachhaltige Wirtschaftlichkeit wurden ebenfalls beleuchtet. Suche nach alternativen Kraftstoffen und Antrieben So führte er aus, dass mit Äthanol theoretisch weltweit zwar ca. 36 Prozent des derzeitigen Kraftstoffbedarf abgedeckt werden könnten, dieser aber durchweg aus Nahrungsmitteln gewonnen werden müsste. Für Deutsachland gelten deutlich geringere Werte und daneben seien Monokulturen und die Konkurrenz zum Flächenbedarf des Biodiesels gegeben. Biodiesel (Rapsmethylester - RME) weise eine schwache Bilanz im Verhältnis Energieeinsatz (Anbau und Erzeugung) und gewonnene Energiemenge einerseits (80 Prozent Aufwand) auf und andererseits sei die Erzeugung so teuer; dass Biodiesel heute und in Zukunft nur durch Subventionierung wettbewerbsfähig angeboten werden könne bei einer maximalen Bedarfsdeckung von ca. fünf Prozent des deutschen Kraftstoffbedarfs aus eigenem Anbau. Die Verwendung sieht Dr. Dübel daher eher als Beimischung zum Dieselkraftstoff. Flüssiggas, auch Autogas genannt, ist ein Gemisch aus Propan und Butan. Die Verfügbarkeit dieser Gase sei zum großen Teil abhängig von der Erdölraffination und auf längere Sicht mengenmäßig begrenzt. Flüssiggas bringe wegen moderater Klopffestigkeit auch nicht die Entwicklungspotentiale für die motorische Anwendung wie Erdgas mit sich. Darüber hinaus besitzt Flüssiggas ein geringeres CO 2 -Minderungspotential als Erdgas. Bivalente Systeme ermöglichen den Betrieb mit Benzin oder Flüssiggas, wobei der Energieinhalt eines Liters Flüssiggas 20 Prozent unter dem des Benzins liege. Flüssiggas wird in Tanks mit einem Berstdruck von 40 bar gespeichert. Die Umbaukosten eines Benzinfahrzeugs betragen ca Euro. Die Mineralölsteuerreduzierung für Flüssiggas endet am Elektrischer Strom ist zwar ein sauberer Energieträger auf höchstem Niveau, der Einsatz als Energiequelle im Fahrzeug scheitert aber nach wie vor am Speicherproblem und den Kosten für die Batteriesysteme. Die Borderzeugung des elektrischen Stroms über Brennstoffzellen aus Wasserstoff ist zwar prinzipiell einfach und hocheffizient allerdings ist die Technik des Gesamtsystems sehr komplex und befindet sich im Vorentwicklungsstadium. Für die nächsten zehn Jahre prognostiziert Dr. Dübel, dass die Brennstoffzelle als Stromerzeugungsaggregat im Fahrzeug keine Bedeutung erlangen wird. Die Kosten pro Kilowatt-

3 stunde elektrisch lägen beim zehnfachen der Herstellkosten eines modernen Dieselaggregates. Leisten kann sich also der Bürger bis auf weiteres solche exklusiven Antriebe nicht. Eher sieht er den konventionellen Ottomotor für die Wasserstoffverwendung geeignet, wobei die Herstellung von Wasserstoff nur über alternative Primärenergieträger sinnvoll sei und daher der Kraftstoff für viele Bürger bis auf weiteres zu teuer sei. Am Beispiel des Focus C-Max mit Wasserstoff-Motor erläuterte Dr. Dübel, dass vor allem bezahlbare Lösungen mit befriedigenden Reichweiten entwickelt werden müssten: Mit drei Tanks mit insgesamt 119 Litern Volumen und einem Tankdruck von 350 bar könnten 2,75 Kilogramm Wasserstoff getankt werden, was 9,7 Litern Benzin entspricht. Die fehlende Wasserstoffversorgungsinfrastruktur und deren Kosten wären weitere Ausschlusskriterien. In Erdgas als methanhaltigem Kraftstoff sah er den aussichtsreichsten Kraftstoff für die Verwendung im Automobil. Die gesamten derzeit bekannten Reserven und Ressourcen seien für ca. 160 Jahre ausreichend. Reichweitenprobleme sind schon heute bei guten Unterflurlösungen der Gastanks gelöst (Reichweiten von 400 Kilometern) und es besteht noch ein gutes Potential, durch Strukturtanks oder Druckerhöhung die Tankkapazität erheblich zu erhöhen. Aus seiner reichen Erfahrung in der Fahrzeugentwicklung erläuterte Dr. Dübel die derzeitige Weiterentwicklung: Neue Strukturtanks werden den zur Verfügung stehenden Raum um bis zu 40 Prozent besser nutzen und eine Verbesserung der Reichweiten zum Beispiel beim Opel Zafira von derzeit rund 360 Kilometer auf 500 Kilometer im Erdgasbetrieb ermöglichen. Die motorische Eignung ist durch die hohe Klopffestigkeit des Methans hervorragend und die etwas geringere Motorleistung (weil einfach Benzinmotoren umgebaut wurden), wären mit Aufladetechniken zu kompensieren. Mineralölsteuer bis Ende 2020 reduziert Darüber hinaus würden bei der Verbrennung von Erdgas nur wenig Klimagase freigesetzt und krebserregende Partikelemissionen seien ohnehin ausgeschlossen. Dies sei auch die Begründung, weshalb die von der Regierung eingeführte Mineralölsteuerreduzierung in der europäischen Union bis zum Jahr 2020 festgeschrieben wurde. Erdgas wird als Kraftstoff daher dauerhaft deutlich preiswerter als Benzin und Diesel sein. Darüber hinaus ist der Aufbau des Tankstellennetzes für Erdgas in Deutschland in vollem Gange und mit über 550 Tankstellen verfügt Deutschland über mehr Tankstellen als das Erdgasland Italien und monatlich kommen zehn bis 15 weitere hinzu. Bereits im Jahr 2007 solle es Erdgastankstellen in Deutschland geben.

4 Für 10 Euro 310 Kilometer fahren Die Mehrkosten bei der Anschaffung bis Euro im Vergleich zu Benzinfahrzeugen werden durch Förderprogramme (bei EWF bis zu Euro für Neufahrzeug oder umgerüstetes Fahrzeug) und günstige Treibstoffkosten ausgeglichen: Dr. Dübel verglich die Verbrauchskosten am Beispiel der Reichweiten: Für zehn Euro könne der Fahrer eines Opel Astra Caravan mit Benzin 130 Kilometer fahren, mit Diesel 178 km, mit Autogas 206 km und mit Erdgas H schaffe er mehr als doppelt soviel wie mit Benzin, nämlich 310 Kilometer. Den derzeitigen Kostenvorteil von Erdgas illustriert auch das obige Bild Angebot an Serienfahrzeugen mit Erdgasantrieb wächst Zum Abschluss gab er einen Ausblick, welche Hersteller von Citroen, Fiat, Ford, Honda, Mercedes über Opel und Volvo bis VW in naher Zukunft weitere interessante Serienfahrzeuge (Pkw und Nutzfahrzeuge) auf den Markt bringen werden. Es folgte ein reger Erfahrungsaustausch unter denen, die den Umstieg auf s Erdgasauto bereits vollzogen haben. Jürgen Horstmann ich bin ein begeisterter Erdgas-Fahrer fährt jährlich Kilometer. Er fährt seit Dezember 2003 einen erdgasbetriebenen Opel Astra und tankt an der Erdgastankstelle in Bad Wildungen. Rolf Seipp fährt erst seit einem halben Jahr einen Fiat Multipla Blue power und tankt an der Erdgastankstelle in Korbach. Der Großraumwagen sei für seine sechsköpfige Familie ideal. Wer s nicht macht, ist selber schuld! fasst Rolf Seipp die Erfahrungen mit seinem Erdgasauto zusammen.

5 Jährliche Ersparnis, Amortisationszeit und CO 2 -Minderung berechnen Erdgas ist im Zuge abnehmender Erdölverfügbarkeit und steigender Energiepreise unter den Gesichtspunkten der Umweltfreundlichkeit, der Mengenverfügbarkeit und insbesondere der Wirtschaftlichkeit besonders geeignet, Benzin und Diesel als Treibstoff abzulösen und dabei für den Verbraucher auch auf Dauer bezahlbar zu bleiben. Deshalb ist auch Dr. Dübel konsequenter Weise im Erdgasfahrzeug deutschlandweit unterwegs. Wer sein Benzin- oder Dieselfahrzeug mit einem Erdgasfahrzeug vergleichen will anhand der jährlichen gefahrenen Kilometer und der aktuellen Benzin-, Diesel- und Erdgaspreise (ein Kilogramm Erdgas kostet derzeit 76,9 Cent und entspricht 1,5 Litern Benzin), findet unter jetzt den Erdgasauto-Kalkulator, mit dem die jährliche Ersparnis, die Amortisationszeit und die CO 2 -Minderung ermittelt wird. Für weitere Fragen steht Energieberater Frank Schmittmann, Energie Waldeck- Frankenberg, zur Verfügung (Tel / ). Heike Bayerköhler Energie Waldeck-Frankenberg GmbH Dr. Franz-Martin Dübel vor den Zuhörern des Vortrags

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