Stammzellentransplantation als mögliche Heilungsmethode für Leukämie

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1 Stammzellentransplantation als mögliche Heilungsmethode für Leukämie Facharbeit im Fach : Biologie Name : Hamda Datum :

2 - 3 - Inhaltsverzeichnis 1. Vorwort Seite 3 2. Einleitung Seite 3 3. Was ist Leukämie? Seite Unterschiede innerhalb der Leukämie Seite Entstehung und Ursachen der Leukämie Seite Symptome und Diagnose der Leukämie Seite 5 4. Stammzellentransplantation als mögliche Heilungsmethode Seite Voraussetzung für die Transplantation Seite Ablauf der Transplantation Seite Ergebnis der Transplantation Seite 7 5. Interview Seite 8 6. Auswertung Seite Symptome und Diagnose Seite Therapie Seite Transplantation Seite Schlusswort Seite Anmerkungsverzeichnis Seite Literaturverzeichnis Seite Selbstständigkeitserklärung Seite 14

3 Vorwort Wer hat nicht schon einmal in irgendeiner TV-Reportage Kinder gesehen, die abgesehen von der Blässe im Gesicht und dem haarlosen Kopf, scheinbar gesund in einer Art Krankenhaus leben? Man erfährt, dass sie krank sind, dass ihre Krankheit Leukämie heißt und dass sie behandelt werden, aber kann einem diese Reportage auch wirklich klar machen, was diese Kinder durchmachen müssen? Die Blässe ist bedingt durch den Mangel an roten Blutkörperchen, der Haarausfall durch die Chemotherapie und der Ort an dem sie leben ist eine Kinderklinik mit einer Leukämie-Station. Sie wissen, dass sie krank sind und sie wissen auch was passiert, wenn sie nicht schnell gesund werden. Jedes Jahr erkranken etwa 4000 Menschen allein in Deutschland an Leukämie. 500 bis 600 von den Betroffenen sind unter 15 Jahre alt. Die Heilungschancen stehen gut, wenn man an einer harmlosen Form der Leukämie erkrankt ist. Anders sieht es jedoch bei der Mehrzahl der Leukämieformen aus, bei denen als einzige Heilungsmethode nur noch eine Stammzellentransplantation in Frage kommt. Aber selbst diese Behandlung kann nicht jeder für sich beanspruchen, denn die Zahl der Spender ist gering. Ich habe mich für dieses Facharbeitsthema entschieden, weil es mich interessiert, womit Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, alles konfrontiert werden. Ein weiterer Grund ist, dass ich kürzlich von einem Fall hörte, in dem ein Junge bereits mit 2 Jahren an Leukämie erkrankte, aber dank einer Stammzellenspende diese Krankheit bekämpfen konnte. Ich habe die Eltern des Jungen interviewt und kann behaupten, dass sie mit ihrer Geschichte bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. 2. Einleitung Zu Anfang werde ich erklären was Leukämie ist und welche Grundformen der Leukämie es gibt. Danach werde ich die Stammzellentransplantation erklären. Zum Schluss bringe ich ein Interview an und werde es auswerten bzw. es in Beziehung zu meinen Erklärungen über Leukämie und Stammzellentransplantation setzen.

4 Was ist Leukämie Leukämie ist eine Form von Krebs, auch Blutkrebs genannt. Diese Krebsart ist gekennzeichnet durch eine unkontrollierte Vermehrung weißer funktionsgeschädigter Blutkörperchen (Blasten -> Leukozyten), die im Knochenmark ihren Anfang findet. Durch diese Vermehrung werden gesunde Knochenmarkzellen und gesunde Blutzellen wie die sauerstofftransportierenden, roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und die für die Blutgerinnung verantwortlichen Blutplättchen (Thrombozyten) im Blutkreislauf verdrängt. Es entsteht ein Mangel aller funktionstüchtigen Blutzellen und hat u.a. folgende Symptome zur Folge: Blutarmut, erhöhte Infektionsanfälligkeit und Blutungen Unterschiede innerhalb der Leukämie Es ist zwischen der akuten und der chronischen Leukämie zu unterscheiden. Der Unterschied liegt dabei im Verlauf der Krankheit. Während sich die Krankheit bei der akuten Leukämie wesentlich schneller ausbreitet und der Erkrankte dementsprechend schneller einen lebensbedrohlichen Zustand erreichen kann, schreitet die Krankheit bei der chronischen Leukämie langsamer voran und zeigt meißt Jahre später erst die Symptome der Krankheit. Weiter kann man zwischen der lymphatischen und der myeloischen Leukämie unterscheiden. Hierbei liegt der Unterschied im Ursprung der Krankheit. Man spricht von der lymphatischen Leukämie, wenn die bösartigen Zellen von den Lymphozyten (Untergruppe der Leukozyten) abstammen. Stammen die bösartigen Zellen von den Granulozyten (Untergruppe der Leukozyten) ab, so spricht man von der myeloischen Leukämie. Diese Unterschiede haben wesentliche Auswirkungen auf die Symptome, den Verlauf und die Behandlung der Leukämie. Es gibt also vier wichtige Kombinationen der Krankheit: o Akute myeloische Leukämie (AML) - Die AML kommt besonders häufig in einem höheren Lebensalter vor und kann unbehandelt schon nach einigen Wochen zum Tode führen. o Akute lymphatische Leukämie (ALL) - Die ALL kommt besonders häufig im Kindesalter vor und ist mittlerweile in den meißten Fällen heilbar.

5 - 5 - o Chronische myeloische Leukämie (CML) - Die CML tritt relativ häufig in einem höheren Lebensalter auf und kann nur durch eine Knochenmarktransplantation geheilt werden. o Chronische lymphatische Leukämie (CLL) - Die CLL kommt ebenfalls oft in einem höheren Lebensalter vor, ist aber die harmloseste Art der Leukämie und bedarf in vielen Fällen keiner Behandlung Entstehung und Ursachen der Leukämie Es gibt mehrere Faktoren, die diese Art von Krebs auslösen können, aber es lässt sich bei Erkrankten oft nur erraten, was der jeweilige auslösende Faktor war. Folgende Faktoren sind mögliche Auslöser: o Behandlung mit ionisierender Bestrahlung (Strahlenbelastung) o Chemische Produkte: z.b. Benzole und Mittel, die bei der Ungezieferbekämpfung verwendet werden o Zytostatika (Zellgifte): Medikamente, die die Krebsausbreitung im Körper eindämmen soll o AIDS im fortgeschrittenen Stadium (Immunschwäche) o Genetische Defekte Weitere Faktoren, die das Entstehen der Leukämie begünstigen, sind entweder noch ungeklärt oder unbekannt Symptome und Diagnose der Leukämie Erst durch bestimmte Symptome, die ein Leukämie-Erkrankter aufweist, wird man auf die Krankheit aufmerksam. Folgende Symptome sind sehr häufig zu beobachten: o Petechien (kleine punktförmige Blutungen) o Nasenbluten, Fieber, Blässe, Müdigkeit o Blaue Flecken o Stark vergrößerte Milz und Leber Nur allein die Symptome sind nicht hinreichend genug um auf eine Leukämie- Erkrankung schließen zu können. Es ist die Untersuchung des Blutes (Blutbild) von Nöten um die vorliegende Krankheit genauestens diagnostizieren zu können. Das Blut wird unter einem Mikroskop untersucht und die Anzahl der verschiedenen Blutzellen

6 - 6 - wird bestimmt. Im Differentialblutbild werden die Anteile der verschiedenen Arten und die Reifungsstadien der weißen und roten Blutkörperchen festgestellt. Soweit das Blutbild normal ist bzw. die Anzahl der verschiedenen Blutkörperchen (Leukozyten, Erythrozyten, Thrombozyten) von der Norm nicht abweicht, kann man eine Leukämie- Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Ist die Anzahl jedoch höher oder niedriger als der Normwert, so müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Es folgt eine Knochenmarkbiopsie, mit der die Diagnose gesichert werden kann. Bei einer Knochenmarkbiopsie wird 5-10ml Knochenmark durch eine Punktion aus dem Beckenknochen oder dem Brustbein entnommen. Findet man in dieser Knochenmark-Probe eine hohe Anzahl an Blasten (unreife Leukozyten), so kann man von einer Leukämie-Erkrankung sprechen. 4. Stammzellentransplantation als mögliche Heilungsmethode Die Stammzellentransplantation ist eines dieser Behandlungsformen, dessen Entwicklung noch kein Ende gefunden hat und wahrscheinlich auch keines finden wird, sofern keine effizienteren Heilungsmethoden für Leukämie und andere Blutkrankheiten entwickelt werden können. Man unterscheidet zwischen der Knochenmark-Transplantation und der Blutstammzellen-Transplantation, welche sich aber in der Funktion nicht unterscheiden. Sie unterscheiden sich allein in der Stammzellen-Gewinnung. Bei der Knochenmark- Transplantation werden die Stammzellen aus dem, mittels Punktionen dem Spender entnommenen, Knochenmark gewonnen. Bei der Blutstammzellen-Transplantation werden die Stammzellen aus dem peripheren Blut des Spenders gewonnen. Alternativ-Behandlungen liegen in der Chemotherapie (das Einsetzen von Zellgiften Zytostatika zur Eindämmung der Krebsausbreitung) und der Strahlentherapie (Schädigung der Zellen durch Bestrahlung). Jedoch lösen beide Behandlungen erhebliche Nebenwirkungen auf den Körper aus Voraussetzung für die Transplantation Die wichtigste Voraussetzung für die Transplantation ist die Übereinstimmung der HLA-Gewebemerkmale (HLA = Humane Leukozyten-Antigene) zwischen Patient und Spender. Diese kann durch eine HLA-Typisierung festgestellt werden. Darüber hinaus

7 - 7 - muss der Patient durch eine Chemotherapie den Zustand einer Remission ( Vorübergehende oder dauerhafte Rückbildung von Krankheitszeichen ¹) erreicht haben, in der der Großteil der erkrankten Zellen entfernt worden ist Ablauf der Transplantation Sind die Voraussetzungen für die Transplantation erfüllt, so wird der Patient eine Woche vor dem Transplantationstermin in ein Knochenmark-Transplantationszentrum eingewiesen. In dieser Woche wird eine Konditionierung (Hochdosisthearpie) durchgenommen. Diese besteht entweder aus einer Verbindung aus Bestrahlung und Chemotherapie oder aus einer alleinigen hochdosierten Chemotherapie. Erst nach dieser Konditionierung erreicht der Patient die Phase der Aplasie ( Zustand eines funktionsunfähigen Knochenmarks, das keine Blutzellen produzieren kann ²) und ist bereit für die Transplantation. Das Transplantat bzw. die Stammzellen werden dem Patienten, ähnlich wie die Bluttransfusion, intravenös injiziert. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Patient in einem höchst kritischen Zustand, denn seine neuen Stammzellen brauchen einige Zeit bis sie in der Lage sind genügend Blutzellen zu produzieren. Während dieser Zeit der Regeneration, die einige Wochen dauert, muss er in einer sogenannten Isoliereinheit (keimfreier Raum) bleiben, da sein Immunsystem völlig zerstört ist und das Infektionsrisiko vermindert werden muss Ergebnis der Transplantation Nicht immer kann man von einer gelungenen Transplantation sprechen, denn sehr oft kommt es zu einer Abstoßungsreaktion zwischen Spenderzellen und dem Körper des Patienten. Die transplantierten Zellen können den neuen Körper als fremd erkennen und ihn bzw. seine Organe angreifen. Man nennt diese Reaktion graft versus host disease (GvHD). Sie kann durch eine immunsuppressive Therapie, die die GvHD unterdrückt, behandelt werden, welche aber damit auch die Zeit der erhöhten Infektionsgefahr verlängert. Auch ist die Transplantation nicht frei von Spät- und Langzeitschäden. Sterilität ist ein Langzeitschaden, der sehr häufig vorkommt. Als Spätschaden findet man meißt einen Grauen Star (Linsentrübung) vor, der mittlerweile aber operativ behoben werden kann. Selten kommt es auch zu Rezidiv-Fällen, in denen es zu einem Rückfall bzw. zu einem Widerauftreten der Krankheit kommt. Das Risiko zu einem Rezidiv ist vor allem dann

8 - 8 - gegeben, wenn zum Zeitpunkt der Transplantation keine komplette Remission erreicht worden war. 5. Interview Ein Interview mit den Eltern von Tim, der 1997 mit 2 Jahren an Leukämie erkrankte: Wann und wie wurde die Krankheit festgestellt?! Der Tim war damals gerade 2 Jahre alt geworden. Das war als wir 1997 im Italien-Urlaub waren. Er war zu der Zeit sehr blass, hatte keinen Appetit und eine Nacht lang ganz hohes Fieber. Da habe ich schon gedacht, dass irgendetwas nicht stimmt. Als wir dann einmal im Meer waren und den Tim aus dem Wasser holten, hatte er dort, wo wir zugepackt hatten, einen riesen großen blauen Fleck. Wir haben erst einmal auf eine Gerinnungsstörung getippt und sind sofort nach Hause gefahren. Gleich nachdem wir zu Hause waren, sind wir zum Kinderarzt. Als er eine vergrößerte Milz und Leber feststellte, sind wir sofort ins Krankenhaus und kurz danach von dort in die Uniklinik Gießen. Was waren die Symptome?! Blässe, Fieber, Appetitlosigkeit und Petechien. An welcher Form der Leukämie war Ihr Sohn erkrankt?! An der Akuten Lymphatischen Leukämie. Es wurde festgestellt, dass Tim zu dem Zeitpunkt etwa Leukozyten pro Mikroliter Blut besaß. Der Normalwert für einen Jungen seiner Altersklasse liegt zwischen 4000 bis Leukozyten. Welche Behandlungen wurden vorgenommen?! Nachdem Tim in die Uniklinik eingewiesen wurde, wurde ihm Cortison verabreicht um die Krankheit einzudämmen. Gleich am 2. Tag begann die eigentliche Chemotherapie. Es wurde an ihm eine Knochenmark- und Lumbal- Punktion vorgenommen, um neben dem Knochenmark auch das Hirnwasser zu untersuchen. Er wurde mit 99% krebsbefallener Zellen in die mittlere Risikogruppe eingeteilt. 8 Monate lang blieb er auf der Station. Danach fing man mit der Erhaltungstherapie an. Sie scheiterte aber als 7 Monate später ein Rezidiv vorkam. Es war dann klar, dass nur noch eine Transplantation in Frage käme. Es gab ja keine andere Alternative. Dafür wurde dann eine starke Chemo eingeleitet, denn er musste in die Remission kommen, d.h. die Krebszellen

9 - 9 - sollten im Körper weniger als 5% ausmachen. Danach wurde er in das KMT- Zentrum in Berlin verlegt. Dort sollte dann die Transplantation stattfinden. Wie lange mussten Sie auf einen Spender warten?! Wir stellten gleich nach dem Rezidiv eine Anfrage für eine Spende. Wir brauchten zum Glück nicht lange warten. Es wurde ein Spender in Belgien für Tim gefunden. Wie war die körperliche und geistige Verfassung Ihres Sohnes während der Therapie?! Es war eine sehr anstrengende Zeit. Tim bekam eine durchgehende medikamentöse Behandlung. Es wurde ein Venenkatheter in seinen Körper eingepflanzt um die Verabreichung der Zytostatika zu vereinfachen. Neben dieser starken Chemotherapie, wurden auch 6 Ganzkörperbestrahlungen und 3 Schädel- und Hodenbestrahlungen vorgenommen. Das war das Schlimmste. Er musste während der Bestrahlung ganz still liegen bleiben, denn diese wurden an ihm ohne Narkose durchgeführt. Wir waren die ganze Zeit über bei ihm. Wir wohnten in einer Art Wohngemeinschaft in der Nähe der Klinik für Eltern, deren Kinder sich auch in der Klinik befanden, und waren ständig bzw. immer beim Tim. Da wir immer bei ihm waren, war es nicht so schlimm für Tim. Im März 1999, also kurz nach der Einweisung in die Klinik wurde ihm das Transplantat verabreicht. Das war der Tag Null. Ist der Krebs ganz geheilt oder besteht das Risiko für einen Rückfall?! Mittlerweile ist der Krebs ganz geheilt. Das Risiko zu einem Rezidiv bestand zwar, aber Tim hatte keinen. Wie lange dauerte der Heilungsprozess?! Der Tim wurde bereits nach etwa 100 Tagen aus der Klinik entlassen. Es dauert aber danach immer noch etwa ein Jahr bis man ganz gesund ist. Worauf muss in dieser Zeit geachtet werden?! Auf die Ernährung, auf ein möglichst keimfreies Umfeld und solche Dinge, denn er hatte in der Zeit noch ein sehr geschwächtes Immunsystem. Gab es irgendwelche Nachwirkungen?! Wegen den Bestrahlungen ist der Tim jetzt steril, also er kann später keine Kinder bekommen. Er hatte 2001 drei Massenhirnblutungen als Nachwirkung der Transplantation. Und seit 2 Jahren hat er Diabetes. Man kann aber nicht

10 nachweisen, dass dies eine Nachwirkung der Transplantation ist. Wir gehen aber davon aus. Haben Sie Kontakt zum Spender?! Nein, denn das Gesetz in Belgien lässt das nicht zu. 6. Auswertung 6.1. Symptome und Diagnose Tim war an der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) erkrankt. Wie bereits erwähnt, kommt diese Form der Leukämie besonders häufig im Kindesalter vor. Auch erwähnenswert ist die Studie, dass es mehr männliche als weibliche ALL-Erkrankte gibt. Noch vor 30 Jahren hätten die Heilungschancen für Tim sehr schlecht gestanden, doch mittlerweile ist die ALL, wie man es am Beispiel von Tim sehen kann, in den meißten Fällen heilbar. Die Ursache für die Leukämie ist unbekannt. Was mich überrascht hat, ist, dass nahezu alle Symptome auf Tim zutrafen. So hatte er Petechien, Fieber, Blässe, blaue Flecken und stark vergrößerte Milz und Leber. Ist die Leukämie also allein schon an den Symptomen erkennbar? In der Regel schon, aber es gibt auch Fälle, in denen die Betroffenen die eben benannten Symptome aufzeigen, jedoch an einer ganz anderen Krankheit leiden. So ist also eine Blutuntersuchung (Blutbild und Differentialblutbild) unabdingbar. Die Blutuntersuchung ergab beim Tim, dass er mehr als Leukozyten (pro Mikroliter Blut) zuviel besaß. Dieser Wert entspricht etwa dem 20-fachen des Normalwertes und hätte sich immer weiter erhöht, wenn man nicht sofort eine zellwachstumshemmende Behandlung an ihm vorgenommen hätte. Mit der darauffolgenden Knochenmarkbiopsie wurde festgestellt, dass die Zellen zu 99% mit Krebs befallen waren. Damit rutschte Tim in die mittlere Risikogruppe Therapie Nachdem er in die Uniklinik Gießen eingewiesen wurde, begann man mit seiner Therapie, die vorerst aus einer Chemotherapie und anschließender Erhaltungstherapie bestand. Die Erhaltungstherapie dauert in der Regel ein bis zwei Jahre und besteht aus einer gering dosierten, medikamentösen Behandlung, die für einen stabilen Remissions- Zustand sorgen soll. Doch bereits nach 7 Monaten scheiterte diese aufgrund eines Rückfalls, sodass sich Tims Eltern und Ärzte auf eine mögliche

11 Stammzellentransplantation einstellten. Die Heilungschancen für Tim standen bei einer Transplantation auf jeden Fall wesentlich besser als bei einem Erkrankten höheren Alters Transplantation Die bereits von mir erwähnten Voraussetzungen für eine Transplantation wurden erfüllt, indem sich Tim einer starken Chemotherapie unterzog, die zu einer kompletten Remission führte, und zwischenzeitlich auch ein geeigneter Spender mit übereinstimmenden HLA-Gewebemerkmalen gefunden wurde. Im Berliner KMT- Zentrum fand die Konditionierung statt, die in Tims Fall aus Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung, bei der die Eltern darauf aufmerksam gemacht wurden, dass diese Bestrahlungen beim Tim zur Sterilität führen können, bestand. Tim erreichte am Ende dieser Konditionierung die Aplasie-Phase. Da diese Phase einen Ausfall des blutbildenden Systems bedeutet, musste auch sofort die Transplantation durchgeführt werden. Tim wurden die Stammzellen des Spenders injiziert. Während der Aplasie- Phase musste Tim die gesamte Zeit in einer Isoliereinheit bleiben. Das Überraschende in Tims Fall war, dass es in Tims Körper zu keiner Abstoßungsreaktion (GvHD) kam, obwohl dies gerade die häufigste Komplikation bei einer Transplantation ist. Auch dass kein Rezidiv vorkam war eine große Erleichterung. Nach etwa 100 Tagen wurde Tim mit einem guten Leukozyten-Wert entlassen und konnte erstmals nach sehr langer Zeit wieder nach Hause. Später hatte er noch 3 Massenhirnblutungen, die überhaupt nicht vorhersehbar waren und als Nachwirkungen von der Transplantation gelten. Seit 2 Jahren hat Tim Diabetes. Die Ursache ist unbekannt, doch die Eltern vermuten, dass Tims Erkrankung dabei eine wesentliche Rolle gespielt hat Schlusswort Wenn man Tim jetzt sieht, so würde man nie darauf kommen, dass dieser Junge mal an so etwas Lebensgefährlichen wie der Leukämie erkrankt war. Er strahlt Lebensfreude aus und ist ein außergewöhnlich kontaktfreudiger Junge. Wie wertvoll das Leben ist, erkennen viele erst ganz spät, beim Tim jedoch habe ich das Gefühl, dass er es schon längst erkannt hat.

12 Anmerkungsverzeichnis ¹ index&kop=listletter&letter=r ( ) ² index&kop=listletter&letter=a ( )

13 Literaturverzeichnis o Krebs-Lexikon, Markus Higi BLV Verlagsgesellschaft mbh, ISBN: o ( ) o ( ) o ( ) o ( ) o ( )

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