Ein Kind in Pflege nehmen

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1 Ein Kind in Pflege nehmen Zur Einführung Früher hießen Pflegekinder Verdingkinder. Nicht wie ein Mensch, sondern wie eine Sache ein Ding eben wurden sie öffentlich feilgeboten und demjenigen zugeschlagen, der am wenigsten für sie verlangte. Die Zeiten änderten, und nach und nach verbreitete sich die Erkenntnis, daß Kinder eigene Persönlichkeiten sind, daß sie Bedürfnisse und Rechte haben und daß es zu den Aufgaben der Erwachsenen gehört, diese Rechte zu schützen. Aus diesem Gedanken heraus wurden Bestimmungen zur Regelung der Pflegeverhältnisse erlassen: Wer das Kind anderer Eltern betreut, benötigt eine Bewilligung; handelt es sich lediglich um Tagesbetreuung, besteht eine Meldepflicht. Tagesplätze und Pflegeplätze stehen unter der Aufsicht einer öffentlichen Jugendhilfestelle. Diese Aufsicht dient dem Schutz des Kindes; sie soll seine Rechte gewährleisten und sein Wohlergehen sicherstellen. Mit der Aufsicht verbunden ist die Beratung und Begleitung der Pflegefamilie. Regelmäßige Besuche legen die Grundlage für ein offenes, auf gegenseitigem Verständnis beruhendes Verhältnis zwischen den und der Jugendhilfestelle, damit sie dann, wenn Probleme auftauchen, unkompliziert und schnell Lösungen suchen können. Pflegekinder haben Eltern. Sie kommen aus einer Familie, mit der sie verbunden sind, auch wenn sie nicht mehr oder nur noch zeitweise dort leben. Es gehört deshalb zu den Aufgaben der Jugendhilfestelle, den Kontakt zwischen Herkunfts- und Pflegefamilie zu klären und zu unterhalten. Nur wenn beide, die angestammte und die neue Familie, mit der aktuellen Situation zufrieden sind, ist auch das Wohl des Pflegekindes gewährleistet. Und im besten Falle kann es dann vielleicht sogar gelingen, daß es für das Pflegekind ein Gewinn ist, in zwei Familien groß zu werden. Amt für Jugend und Berufsberatung Jugend- und Familienhilfe Dörflistrasse 120, Postfach 8090 Zürich Telefon Fax

2 Was Sie sich fragen sollten, wenn Sie ein Kind in Pflege nehmen möchten Motivation Familiensituation Zeit Stabilität und Flexibilität Lebenshaltung Konfliktfähigkeit Offenheit Toleranz Weshalb möchten wir ein Pflegekind aufnehmen? Sind alle Mitglieder unserer Familie mit der Aufnahme eines Pflegekindes einverstanden? Haben wir genügend Zeit, uns ausreichend um das Pflegekind zu kümmern? Sind wir gesund und belastbar? Können wir uns leicht auf neue Situationen einstellen? Haben wir eine positive Lebenseinstellung? Sind wir bereit und in der Lage, Konflikte miteinander zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen? Sind wir anderen Menschen und anderen Meinungen gegenüber aufgeschlossen? Können wir andere Kulturen, andere Sitten und Gewohnheiten akzeptieren? Wie Sie sich für ein Kind einsetzen können Kinder tagsüber betreuen Kinder wochenweise betreuen Kinder dauernd betreuen Als Tagesfamilie betreuen Sie eines oder mehrere Kinder tagsüber an bestimmten Tagen oder während der ganzen Woche. Betreuen Sie Kinder mindestens zweieinhalb Tage pro Woche, besteht eine Meldepflicht. Die Tagesbetreuung von verwandten Kindern ist nicht meldepflichtig. 1) Als Wochenpflegefamilie übernehmen Sie die volle Betreuung eines oder mehrerer Kinder während der Arbeitstage der Eltern. Das Kind übernachtet auch bei Ihnen., die ein Kind - auch ein verwandtes -in Wochenpflege nehmen, brauchen dazu eine Bewilligung der Vormundschaftsbehörde. 1) Als Dauerpflegefamilie lebt das Kind dauernd in Ihrer Familie und nicht mehr bei den Eltern. Es geht diese aber in der Regel gelegentlich besuchen., die ein Kind - auch ein verwandtes -in Dauerpflege nehmen, brauchen dafür eine Bewilligung der Vormundschaftsbehörde. 1) 2/6

3 Kinder gelegentlich betreuen 2) Kinder in Notsituationen aufnehmen 2) Jugendlichen eine Wohnmöglichkeit anbieten 2) Als Kontaktfamilie betreuen Sie Kinder, die in einem Heim leben, an Wochenenden oder während der Ferien. Als SOS-Familie nehmen Sie Kinder in Notsituationen in zeitlich begrenztem Rahmen auf. Sie bieten eine Wohnmöglichkeit für Jugendliche an und begleiten diese bis zum Abschluß der Ausbildung. 1) Die gesetzlichen Bestimmungen sind festgelegt in der eidgenössischen und in der kantonalen Pflegekinder- Verordnung. Siehe gesetzliche Bestimmungen. 2) Im Unterschied zu den ersten drei Betreuungsformen handelt es sich hier nicht um Tages- oder Pflegeplätze im engeren Sinn. Nützliche Informationen Was? AHV Arbeitsbestätigung Aufsicht Beratung/Begleitung Tages- und werden von der Schweizerischen Versicherungsanstalt als selbständig oder unselbständig Erwerbstätige akzeptiert. Das Merkblatt gibt Auskunft. Arbeitsbestätigung Merkblatt für, Tagesmütter und Fachstellen zur Besteuerung und AHV-Beitragspflicht Pflegegeld Nach Abschluß ihrer Tätigkeit erhalten Tages- und vom Jugendsekretariat auf Verlangen eine schriftliche Arbeitsbestätigung. Die kantonale Pflegekinder-Verordnung schreibt vor, daß Tages- und Pflegeverhältnisse durch das Jugendsekretariat beaufsichtigt werden. Die Aufsicht überprüft, ob die von der Verordnung vorgeschriebenen Voraussetzungen zur Aufnahme und Betreuung eines Tages- oder Pflegekindes erfüllt sind. Es finden jährlich mindestens zwei Besuche statt. Aufsicht und Beratung werden in der Regel durch dieselbe Instanz ausgeübt. gesetzliche Bestimmungen Beratung/Begleitung Tageseltern Tageseltern, die einem Tageselternverein angeschlossen sind, werden durch diesen beraten und begleitet. Für die übrigen Tageseltern gilt das Nachstehende. 3/6

4 Was? Einführungskurse Fachzeitschrift Fortbildung und Tageseltern haben einen gesetzlich verankerten Anspruch auf qualifizierte Beratung und Begleitung. Dafür zuständig sind die Jugendsekretariate. Eine vom Jugendsekretariat eingesetzte Betreuerin besucht die Tagesund regelmäßig und steht ihnen für Auskünfte, Beratung und Begleitung zur Verfügung. Die Betreuerin wird ihrerseits durch eine Sozialarbeiterin oder einen Sozialarbeiter des Jugendsekretariates in ihrer Aufgabe unterstützt. In schwierigen Situationen und in Konfliktfällen stehen diese der Betreuerin bei oder übernehmen die Betreuung selber. Im weiteren steht den die Kontaktstelle für als unabhängige Beratungsstelle zur Verfügung. Interessenvertretung Tageseltern Tageseltern, die einem Tageselternverein angehören, werden durch diesen auf ihre Aufgabe vorbereitet. Für die anderen Tageseltern gilt das Nachstehende. Einführungs- und Vorbereitungskurse bieten an die Kontaktstelle für einzelne Jugendsekretariate Netz, Zeitschrift für das Pflegekinderwesen Freiwillige, meist kostenlose Kursangebote für Tages- und Angebote für Tageseltern Tagesfamilien Schweiz Angebote für Fachstelle Pflegekinderwesen Kontaktstelle für -Vereinigung einzelne Jugendsekretariate Einzelne Angebote für stehen auch den Tageseltern offen. Auskünfte bei den Veranstaltern. Über allgemeine, nicht auf Pflegeverhältnisse zugeschnittene Elternbildungsangebote geben die lokalen Elternbildungsveranstalter und die Jugendsekretariate Auskunft. Einführung Gesprächsgruppen Supervision 4/6

5 Was? Gesetzliche Bestimmungen Gesprächsgruppen Haftpflichtversicherung Interessenvertretung Maßgebend sind einzelne Artikel des Zivilgesetzbuches die eidgenössische Verordnung über die Aufnahme von Pflegekindern vom 19. Oktober 1977 die kantonale Verordnung über die Pflegekinderfürsorge vom 11. September 1969 Möglichkeit, sich in einer Gruppe regelmäßig mit anderen Tages- und zu treffen. Die Gruppen stehen unter fachlicher Leitung. Gesprächsgruppen bieten an einzelne Jugendsekretariate -Vereinigung Tagesfamilien Schweiz Einführung Fortbildung Supervision Tageseltern, die einem Tageselternverein angeschlossen sind, sind durch diesen versichert. Versicherte Risiken siehe nächsten Abschnitt. Tages- und, die unter der Aufsicht des Jugendsekretariates stehen, sind automatisch und prämienfrei durch die kollektive Haftpflichtversicherung versichert. Diese umfaßt: Größere Schäden die das Tages- oder Pflegekind am Eigentum der Tages- oder anrichtet; Schäden, welche die Tages- oder am Eigentum oder an der Person des Tages- oder Pflegekindes anrichten; Schäden am Eigentum Dritter, sofern dafür nicht eine andere Versicherung aufzukommen hat. Über Einzelheiten wissen die Jugendsekretariate Bescheid, bei denen auch ein Merkblatt bezogen werden kann. Tageseltern In verschiedenen Gemeinden bestehen Tageselternvereine. Auskünfte bei der Tagesfamilien Schweiz oder im Jugendsekretariat. können sich der vereinigung des Kantons Zürich anschließen. 5/6

6 Was? Pflegegeld Pflegevertrag Steuerfragen Supervision Tages- und haben gemäß Art. 294 des Zivilgesetzbuches 'Anspruch auf ein angemessenes Pflegegeld'. Im Einzelfall wird das Pflegegeld von Eltern, Tages- bzw. und dem Jugendsekretariat gemeinsam festgelegt. Als Vorlage dienen die kantonalen Pflegegeldrichtlinien für Dauer- und Wochenpflegeplätze resp. die Empfehlungen zur Berechnung des Pflegegeldes bei Tagesbetreuung. Das Pflegegeld wird im Pflegevertrag festgehalten. Tages- und haben ihre Einkünfte zu versteuern. AHV Pflegevertrag Steuerfragen Eltern und Tageseltern bzw. Eltern und schließen miteinander einen Pflegevertrag ab. Dieser regelt alle wesentlichen Belange des Tages- oder des Pflegeverhältnisses, z.b. Pflegegeld, Betreuung im Krankheitsfall, Ferien, besondere erzieherische Abmachungen, Kündigungsfrist. Der Pflegevertrag ist detaillierter und umfangreicher als der Vertrag für Tagesbetreuung. Die Jugendsekretariate sind bei der Abfassung des Vertrags behilflich. Es bestehen Formulare bzw. Musterverträge. Pflegegeld Die aus der Betreuung eines Tages- oder Pflegekindes entstehenden Einkünfte müssen versteuert, d.h. in der Steuererklärung angegeben werden. Über Einzelheiten wissen die Jugendsekretariate Bescheid, bei denen auch das Merkblatt für, Tagesmütter und Fachstellen zur Besteuerung und AHV-Beitragspflicht bezogen werden kann. AHV Pflegegeld Unter Supervision wird eine zeitlich beschränkte, fachliche Beratung der Tages- bzw. verstanden. Die Kontaktstelle für vermittelt interessierten Supervisorinnen und Supervisoren und leistet auf Gesuch hin Beiträge an die Kosten. Einführungskurs Fortbildung Gesprächsgruppen Februar /6

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