Hamburg. Metropole des Wissens. wissenschaft.hamburg.de. Spitzenforschung Technologietransfer Perspektivwechsel. Wie aus Ideen neue Produkte werden

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1 Spitzenforschung Technologietransfer Perspektivwechsel Woran kluge Köpfe an Elbe und Alster arbeiten Wie aus Ideen neue Produkte werden Warum der Blick über den Tellerrand lohnt wissenschaft.hamburg.de

2 Inhalt Editorial Expedition 2 Editorial Wie der Nachwuchswissenschaftler des Jahres Wissenschaft in erlebt 3 Expedition Prof. Dr. Hort über seinen berühmtesten Promovenden: Astronaut Dr. A. Gerst 4 Projekte Woran Studenten und Wissenschaftler arbeiten Gemeinsam handeln Ist ein guter Ort für Wissenschaftler? Aber klar doch, findet der Informatiker Prof. Dr. Walid Maalej, Nachwuchswissenschaftler des Jahres Beeindruckende Farben, faszinierende Fotos: Über sein Blog kann jeder an den Erlebnissen von Alexander Gerst teilhaben. Vulkanologe im All 6 Spitze Kluge Köpfe erklären ihre Arbeit 10 Überblick Die Wissensmetropole auf einen Blick 12 Studieren ohne Abitur Warum Berufstätige eine Bereicherung für die Hochschulen sind 13 Kooperationen im Ostseeraum Der Wissensaustausch in der Region nutzt allen 14 Wissens- und Technologietransfer Forschungs- und Innovationszentren helfen Gründern auf die Beine 16 Persönlich ist attraktiv für kluge Köpfe, weil Infrastruktur Moderne Gebäude für wegweisende Wissenschaft Impressum 19 Perspektivwechsel Treffen Künstler auf Wissenschaftler, entstehen neue Sichtweisen Als ich vor zwei Jahren eine Stelle als Juniorprofessur am Fachbereich Informatik der Universität angeboten bekam, war das wie ein Sechser im Lotto. Ich hatte an der Technischen Universität München promoviert und wollte an einer renommierten Hochschule forschen und lehren. Doch diese Stellen sind extrem rar und extrem begehrt. Dass ich meinen Traumberuf in einer Traumstadt ausüben kann, ist ein großes Glück. Walid Maalej (34), aufgewachsen in Tunesien, ist Juniorprofessor für Informatik an der Universität und Leiter des Arbeitsbereiches Mobile Services und Software Engineering. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Etwa als Nachwuchswissenschaftler des Jahres 2014 vom Deutschen Hochschulverband, mit Preisen der Association for Computing Machinery und von Microsoft Research. Am besten an gefällt mir die Vielfalt. Die Stadt vereint in einer sehr schönen Art Backstein, Jugendstil und Moderne. Wenn ich keine Lust auf Eppendorf habe, gehe ich in das Schanzenviertel. Vor allem aber: Die Stadt hilft mir in ihrer Vielfalt bei meiner Arbeit. Ich beschäftige mich mit angewandter Softwaretechnik, mit der Entwicklung und Verwendung von Softwaresystemen. Dabei kooperieren wir auch mit Firmen und Behörden. Mit diesen führen wir Studien durch und entwickeln für sie z.b. Apps, um unsere Forschungsergebnisse zu testen und dann womöglich auf den Markt zu bringen. Dass wir Zugang zu den unterschiedlichsten Unternehmen und Branchen haben, ist extrem wichtig für unsere Forschung. Alleine ist man immer begrenzt. Aber gemeinsam mit guten, motivierten Studierenden kann man wirklich etwas bewegen. Und hier in habe ich hervorragende Studierende gefunden. Ebenso schätze ich die Kollegialität an meinem Fachbereich und den offenen Austausch untereinander. Sogar die oft kritisierte Verwaltung ist serviceorientiert und hilft mir immer schnell und effizient, Lösungen zu finden. Informatik ist eine einzigartige und, wie ich finde, coole Wissenschaft. Sie ist eine Wissenschaft für die Menschen und nicht für Computer. Anders als viele denken, hat sie wenig mit Programmierung, aber sehr viel mit Problemlösung, Design und Anwendungen im Alltag zu tun. Es geht unter anderem darum, sich Konzepte für die verschiedensten Bereiche zu überlegen: für Menschen in Altersheimen, in Büros und in Schulen. Ein vielversprechendes Thema derzeit ist das Crowdsourcing, die Demokratisierung von Softwareentwicklung und damit der Gesellschaft. Alles gut also? Nein. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre dies die bessere Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses! Es gibt zu wenig Stellen, Verträge sind befristet, vielfach fehlt die Planungssicherheit, viele kluge Köpfe gehen der Wissenschaft verloren. Aber das geht nicht nur etwas an. Fotos Titel: Peter Garten (1), Jost Backhaus (1), Seite 2/3: Peter Garten (1), Desy (1), fotolia (2), M. Hort (2), ESA (2) Prof. Dr. Matthias Hort (53) leitet das Institut für Geophysik an der Universität. Astronaut Dr. Alexander Gerst (38) hat von 2004 bis 2009 am Institut gearbeitet und promoviert. Über die Eruptionsdynamik des antarktischen Vulkans Mount Erebus hat Astronaut Alexander Gerst an der Universität promoviert. Ein Gespräch mit seinem Doktorvater, dem Geophysiker Prof. Dr. Matthias Hort. Herr Hort, wann haben Sie zuletzt in den nächtlichen Himmel geschaut? Hort: Im Urlaub im Norwegen, aber nicht, um die Raumstation ISS zu verfolgen. Ich schaue regelmäßig in sein Blog seine Fotos sind wunderschön. Es kann nicht jeder sagen, er habe einen Astronauten promoviert. Stolz? Hort: Klar freue ich mich. Dass er sich für mich als seinen Doktorvater entschieden hat, macht mich auch ein wenig stolz. Vielleicht hat mitgespielt, wie wir in forschen. Er konnte sehr selbstständig arbeiten, in entlegenen Regionen am Vulkan, für einen längeren Zeitraum auf engem Raum mit Kollegen ein bisschen wie im All. Doch dass er wurde, was er ist, ist allein sein Verdienst. Wie haben Sie Alexander Gerst erlebt? Hort: Als jemanden mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, als einen unheimlich guten Organisator und ausgezeichneten Wissenschaftler, sehr akribisch. Wenn er eine Expedition plante, war sie bis zur letzten Schraube überlegt. Die Vulkanologie beschäftigt ihn auch im All. Hort: Ja, wir haben ein kleines Projekt zusammen. Dabei geht es darum, mit Fotoaufnahmen aus dem Weltraum zu bestimmen, wie hoch Wolken in die Atmosphäre aufsteigen. Diese Kenntnis ist extrem wichtig, um sagen zu können, wie schnell nach einem Vulkanausbruch Asche verweht. Alexander Gerst sagt, seine Famllie wäre am liebsten mitgeflogen. Sie auch? Hort: Einmal die Erde aus der Perspektive zu sehen, aus der er sie sieht, und Schwerelosigkeit zu erfahren das würde mich schon sehr reizen. Aber es dürften nicht sechs Monate sein! 2 _ 3

3 Projekte Projekte Labor der Luftfahrt Ausbildung unter echten Bedingungen in der Kabine (o.) und an einem Rumpfsegment Es ist als Hochschuleinrichtung weltweit einmalig und beherbergt alle Elemente einer modernen Flugzeugkabine von ausgestatteten Rumpfsegmenten verschiedener Flugzeugtypen über Prüfstände für Klimatisierung, Lebensmittelkühlung, Wasser und Abwasser bis hin zur Sauerstoffversorgung im Notfall. Mit 2,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde das Labor für Kabine und Kabinensysteme (KKS-Labor) im Rahmen des Spitzenclusterwettbewerbs gefördert. In ihm werden die angehenden Ingenieure der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ausgebildet, es wird aber auch an neuen Materialien geforscht für ein umweltfreundlicheres, zuverlässigeres und komfortableres Fliegen. Das KKS-Labor ist Teil des Centre of Aviation Training, eines Schulungs- und Laborzentrums, das gemeinsam mit Airbus, Lufthansa Technical Training und der Gewerbeschule für Fertigungs- und Flugzeugtechnik betrieben wird. DESY-Forschung macht Solarzellen besser Anders als herkömmliche Solarzellen sind sie biegsam, durchsichtig, hauchdünn und preiswert. Auf Fenster von Autos oder Wohnungen geklebt, liefern sie Strom: Solarfolien, die aus organischen Solarzellen bestehen, sind eine Technik der Zukunft. Am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY arbeiten Wissenschaftler mithilfe von Petra III daran, ihre Eigenschaften zu verbessern. Petra III ist ein Ringbeschleuniger, der ein hochbrillantes Röntgenlicht erzeugt, mit dem der Produktionsprozess der Solarzellen bis in den Nanobereich überwacht werden kann. Das ist mit keiner anderen Methode möglich, sagt DESY-Wissenschaftler Stephan Roth. Die Forscher haben insbesondere die Kontakte zu den elektrisch leitfähigen Kunststoffen, aus denen die Solarzellen bestehen, im Blick. Wir erwarten, ihre Effizienz weiter verbessern zu können, so Stephan Roth. Forschen für mehr Energieeffizienz: Dr. Adeline Buffet und Dr. Stephan Roth Ob Trompete, Gitarre oder Geige: Zu musizieren fördert die frühkindliche Entwicklung. Beim Jeki (Jedem Kind ein Instrument) lernen Kinder die Instrumente kennen und erhalten Unterricht an dem gewählten Instrument. 62 Grundschulen nehmen an dem Projekt teil, dessen Curriculum von der Hochschule für Musik und Theater entwickelt wurde. Technik fürs Alter Jedem Kind ein Instrument Ist der Herd beim Verlassen der Wohnung noch an,ertönt ein Alarm. Der Sensorboden im Parkett erkennt, ob jemand gestürzt ist und alarmiert Hilfe. Ein beleuchtetes Schlüsselbrett an der Tür erinnert daran, den Schlüssel nicht zu vergessen. Welche technischen Hilfsmittel sind sinnvoll, um älteren Menschen das Leben in ihrer Wohnung zu erleichtern, sodass sie möglichst lange und selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können? Das ist Gegenstand des Projekts Vernetztes Wohnen im Quartier, das vom Fachbereich Informatik der Universität wissenschaftlich begleitet wird. Auch soll ausprobiert werden, ob sich Nachbarn mithilfe von Apps so zusammenbringen lassen, dass eine Gemeinschaft entsteht. Zudem sollen bestimmte Dienstleistungen wie Lieferungen vom Supermarkt integriert werden. Die Küste im Klimawandel Wie nehmen die Menschen Klimaänderungen in ihrem direkten Lebensumfeld wahr? Mit welchen individuellen und kollektiven Handlungen begegnen sie dem Klimawandel und was treibt sie an? Wie werden Entwicklungen im Küstenschutz und der erneuerbaren Energien bewertet? Zu diesen Fragen forscht die Doktorandin Diana Süsser am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und am KlimaCampus. An jeden der 120 Haushalte in Reußenköge, einer Gemeinde in Nordfriesland, hat sie einen Fragebogen verteilt und mit 15 Bewohnern Interviews geführt. Die Wahrnehmungen und Meinungen der Menschen vor Ort sind von enormer Bedeutung für ein nachhaltiges Küstenmanagement und die Entwicklung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsstrategien, so Diana Süsser. Ihre Leidenschaft für die Küste hat die 25-Jährige während ihres Studiums in Oldenburg entdeckt. Ende 2015 wird sie ihre Arbeit im Rahmen der Initiative Regionale Klimaänderungen (REKLIM) abschließen. Fotos: VWiQ/GWHH/Michael Zapf (1), DESY/Heiner Müller-Elsner (1), Peter Garten (1), HCAT (2), Jan Rädel (1), HSBA (1), Anke Dieterle (1) Trinkwasser für Malambo Außerhalb der Wintermonate fällt kaum ein Tropfen Regen. Gießt es doch einmal, speichert der Boden das kostbare Nass nicht. In der Trockenzeit muss gelagertes Wasser mit wertvollem Feuerholz abgekocht werden. In Malambo, in der Steppe Tansanias, hat Jan Rädel, Student der Verfahrenstechnik der Technischen Universität -Harburg, ein Trinkwasserprojekt an einer Grundschule initiiert. Über Regenrinnen am Dach der Schule wird das Wasser in unterirdischen Tanks gesammelt, eine Filteranlage reinigt es. Betrieben wird die Anlage mit Solarenergie. 500 Schulkinder und Lehrer können nun ein ganzes Jahr mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Als innovatives studentisches Projekt wurde die Initiative mit dem Karl H. Ditze-Preis ausgezeichnet. Jan Rädel (3.v.r.) mit seinem Team Dates im 10-Minuten-Takt Wer passt zu mir? Darum geht es beim Wirtschafts-Speed-Dating der School of Business Administration (HSBA). Angehende Studierende treffen auf Vertreter aus Unternehmen, bei denen sie ein duales Studium an der HSBA absolvieren können. In 10-minütigen Gesprächen soll ein erster Eindruck gewonnnen werden. Nächster Termin: 26. November _ 5

4 Spitze Spitze Carlos Jahn Professor für Maritime Logistik Kluge Köpfe Sie sind Koryphäen ihres Fachs. Womit aber beschäftigen sie sich genau? Acht kurze Porträts. Die Fläche des Hafens ist begrenzt, die Ladungsmengen steigen: Wie schafft man es, auf einem nicht beliebig ausdehnbaren Raum den Güterumschlag zu steigern ohne dass mehr Lärm, Feinstaub oder CO 2 entstehen? Die nachhaltige Hafenentwicklung ist eines der Forschungsschwerpunkte von Carlos Jahn, Leiter des Instituts für Maritime Logistik an der Technischen Universität - Harburg. Impulse für Innovationen setzen will der ehemalige Marineoffizier auch bei der Verkehrsanbindung des Hafens an das Hinterland oder bei der Entwicklung neuartiger Schiffskonzepte wie der autonomen, unbemannten Wasserfahrzeuge. Auf See kennt er sich aus. Der promovierte Ingenieur und diplomierte Kaufmann begann seine Karriere als Matrose und erwarb ein nautisches Patent zum Führen von Frachtschiffen. cgi.tu-harburg.de/~mlswww Götz Neuneck Professor für Friedensforschung Es waren der Nato-Doppelbeschluss und die Überrüstung in Europa, weswegen er Ende der 1970er Jahre politisch aktiv wurde. Die großen Fragen nach Krieg, Frieden und Technologie, nach der nuklearen Gefahr, nach den Chancen der Abrüstung bewegen ihn auch heute noch als stellvertretender Leiter des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH). Der Physiker und Mathematiker ist einer der ganz wenigen, die sowohl die Technik von Nuklearwaffen, Raketen, Weltraumwaffen oder Drohnen verstehen, als auch deren politische Folgen analysieren. Beides gehört zusammen, sagt Neuneck, der auch mit seiner Arbeitsgruppe Konzepte und Vorschläge zur Rüstungskontrolle entwickelt. Sein Wissen ist nicht nur bei Studenten und Medien gefragt, sondern auch in der Diplomatie und der internationalen Fachgemeinde. So hat er bereits die Bundesregierung beraten und nimmt an internationalen Abrüstungsverhandlungen teil. ifsh.de Anita Engels Professorin für Soziologie, Klimaforscherin Sich im Rahmen des KlimaCampus schnell und unkompliziert austauschen zu können, mit Kollegen aus anderen Fachbereichen, mit Meteorologen, Ozeanografen oder Wirtschaftswissenschaftlern das ist für sie eine Win-win-Situation. Anita Engels, Ko-Sprecherin des Exzellenzclusters Integrated Climate System Analysis and Prediction, untersucht den Beitrag von Unternehmen in Europa und China an dem industriellen Ausstoß des Treibhausgases CO 2. Wir betreiben soziologische Grundlagenforschung und versuchen zu verstehen, wie Unternehmen ticken, wie sie Entscheidungen treffen, sagt sie. Verstehen, was ist, warum Akteure handeln, wie sie handeln, darum geht es ihr auch in einem anderen Arbeitsbereich, der Geschlechterforschung. Für ihr Projekt Frauen in der Spitzenforschung erhielt Anita Engels 2013 den Frauenförderpreis der Universität. wiso.uni-hamburg.de Fotos: Peter Garten (4) fotolia (1) Klaus Pantel Professor der Medizin, Krebsforscher Aktiv sein, das Schicksal nicht einfach hinnehmen, sondern helfen, die Not von Patienten zu lindern das ist für Klaus Pantel Antrieb für seine Forschung. Der Direktor des Instituts für Tumorbiologie am Universitätsklinikum -Eppendorf und sein Team arbeiten an einer Art Frühwarnsystem zur Krebserkennung. Mithilfe eines einfachen Bluttests sollen die im Blut zirkulierenden Tumorzellen so früh wie möglich identifiziert und analysiert werden, was wiederum eine frühzeitigere und zielgenauere Therapie ermöglicht. Jeder Tumor ist anders. Diese Variabilität bekommt man nur in den Griff, wenn man die Eigenschaften der Tumorzellen kennt. Dann lassen sie sich auch erfolgreicher bekämpfen, sagt Pantel. In Klinischen Studien wurde das Verfahren bereits erfolgreich erprobt. uke.de/institute/tumorbiologie 6 _ 7

5 Spitze Spitze Brigitte Röder Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie Es sind die sehr, sehr guten Forschungsmöglichkeiten und das ausgezeichnete Forschungsumfeld, die sie an binden. Gegenstand der Neugier der vielfach ausgezeichneten Leibniz-Preisträgerin 2014 ist das Gehirn, dessen altersabhängige Veränderbarkeit sie gemeinsam mit ihrem Team untersucht. Mich fesselt, wie die komplexen Verbindungsmuster im Gehirn im Zusammenspiel mit der Umwelt entstehen, die zu extrem effizienten Wahrnehmungsleistungen, hohen kognitiven Fähigkeiten und vielfältigem Erleben führen. Auch wenn das menschliche Gehirn sich über die gesamte Lebensspanne verändern kann und Menschen dadurch ein ganzes Leben lang lernen, können bestimmte Fähigkeiten vollständig nur in der frühen Entwicklung erworben werden, in den sogenannten sensiblen Phasen. Diese Erkenntnis ist für bildungspolitische Entscheidungen von hoher Bedeutung. psy.uni-hamburg.de Michael Friedrich Professor für Sinologie, Manuskriptforscher In seinem Lieblingsgrab sind sie aus Seide, doch das ist eine Seltenheit, die meisten bestehen aus Bambus oder Holz. Sie stammen aus dem 5. bis 1. Jahrhundert v. Chr., aus der weitgehend unbekannten Gründungsphase des chinesischen Kaiserreiches, und sie lagen den Gräbern von Adligen bei. Mithilfe von Manuskripten zu rekonstruieren, was damals geschah, ist unheimlich spannend, sagt Michael Friedrich. Handschriften waren bis zum Buchdruck der gängigste Weg, Informationen festzuhalten. Im weltweit einzigartigen Sonderforschungsbereich Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa, dessen Sprecher Friedrich ist, erforschen Wissenschaftler ihre Vielfalt von der Herstellung, Aufbewahrung oder Weitergabe der Manuskripte bis hin zur Entschlüsselung ihrer ganz eigenen Magie. aai.uni-hamburg.de Katajun Amirpur Professorin für Islamische Studien/Islamische Theologie Nein, ein Zufall ist es gewiss nicht, dass die gebürtige Kölnerin an der Akademie der Weltreligionen unterrichtet. Unter dem Dach dieser bundesweit einmaligen Einrichtung forschen und lehren Wissen schaftler gemeinsam über Christentum, Islam, Buddhismus oder Judentum, der interreligiöse Dialog ist ein zentrales Thema. Der begleitet Katajun Amirpur von Kindesbeinen an, sie stammt aus einem christlichmuslimischen Elternhaus. Wir leben in einer religiös diversen Gesellschaft. Wie man jemand mit einer anderen Religion gegenübertritt, ist für mich ein wahnsinnig wichtiges Thema, sagt die stellvertretende Leiterin der Akademie. Auch in ihrer Forschung an islamischen Quellentexten geht es letztlich um den Dialog, um Offenheit, Akzeptanz und Toleranz gegenüber religiös Andersdenkenden und gegenüber Frauen. awr.uni-hamburg.de Fotos: Peter Garten (3) Martin Magunia (1) fotolia (1) Andrea Cavalleri Professor für Physik, Grundlagenforscher Die Wissenschaft des vergangenen Jahrhunderts hat sich auf die Beobachtung der Natur und auf die Erklärung ihres Verhaltens fokussiert. Unsere Arbeit zielt auf die Kontrolle der Zukunft der Materie und insbesondere die Beeinflussbarkeit ihrer Eigenschaften mit Licht, sagt Andrea Cavalleri. Der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie nutzt Laserlicht zur Erforschung sogenannter komplexer Festkörper wie etwa Supraleiter. Wie ein Lichtstrahl, der ohne Verluste durch ein Glas scheint, können sie Strom bei Temperaturen unter minus 150 Grad Celsius widerstandslos leiten. Cavalleri, der bereits in den USA und in Oxford forschte, will ihnen diese Fähigkeit mithilfe von Laserlicht auch bei Zimmertemperatur beibringen. Das, sagt er, ist besonders faszinierend. Denn wir optimieren nicht nur die Funktionalität komplexer Materialien, sondern bestimmen und überwachen auch ihr Verhalten. mpsd.mpg.de/forschung/cmdd 8 _ 9

6 Überblick Überblick Copyright 2014 Carlsen Verlag GmbH, Illustration: Sebastian Coenen Text: Freie Hansestadt. Behörde für Wissenschaft und Forschung ISBN Copyright 2014 Carlsen Verlag GmbH, / Illustration: Sebastian Coenen / Text: Freie und Hansestadt. Behörde für Wissenschaft und Forschung / / ISBN Copyright 2014 Carlsen Verlag GmbH, / Illustration: Sebastian Coenen / Text: Freie und Hansestadt. Behörde für Wissenschaft und Forschung / / ISBN _ 11 Hochschulen und Forschungsinstitute Stand 9/ Universität 2 Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky 3 Hochschule für Angewandte Wissenschaften 4 Technische Universität -Harburg 5 HafenCity Universität 6 Hochschule für Musik und Theater 7 Hochschule für bildende Künste 8 Universitätsklinikum -Eppendorf 9 Akademie der Polizei 10 Akademie der Wissenschaften in 11 Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin www. bnitm.de 12 Berufsakademie / Elbcampus www. ba-hamburg.de 13 Brand Academy Hochschule für Design und Kommunikation 14 Bucerius Law School Hochschule für Rechtswissenschaft 15 Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie 16 Bundesanstalt für Wasserbau 17 Center for Free-Electron Laser Science CFEL 18 Center for Hybrid Nanostructures CHYN 19 Centre for Structural Systems Biology CSSB 20 Centrum für Angewandte Nanotechnologie 21 Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY 22 Deutsches Klimarechenzentrum www. dkrz.de 23 Deutsches Zentrum für Luft-und Raumfahrt Standort 24 Deutsches Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung 25 EBC Hochschule 26 Europäische Fernhochschule 27 European Molecular Biology Laboratory 28 European XFEL www. xfel.eu/de 29 Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie 30 Forschungsstelle für Zeitgeschichte in 31 Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen 32 Fraunhofer IME ScreeningPort 33 Fraunhofer Anwendungszentrum Leistungselektronik für Regenerative Energiesysteme fraunhofer.de 34 GIGA German Institute of Global and Area Studies/Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien www. giga-hamburg.de 35 Media School 36 School of Business Administration 37 er Fern-Hochschule www. hamburger-fh.de 38 er Institut für Sozialforschung 39 isches WeltWirtschaftsInstitut 40 Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität 41 Heinrich-Pette-Institut Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie 42 Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung de 43 Helmut-Schmidt-Universität Universität der Bundeswehr 44 ische Schiffbau-Versuchsanstalt 45 Institut für die Geschichte der deutschen Juden de 46 Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität 47 KlimaCampus 48 Kühne Logistics University Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung 49 Kunst- und Mediencampus 50 Laser Zentrum Nord 51 Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht 52 Max-Planck- Institut für Meteorologie 53 Max-Planck- Institut für Struktur und Dynamik der Materie de 54 Medical School de 55 Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht 56 Northern Business School 57 Technologiezentrum Energie-Campus mit CC4E Das Competence Center für erneuerbare Energien und Energieeffizienz 58 Thünen-Institut für Fischereiökologie www. ti.bund.de/de/startseite/institute/fi.html 59 Thünen-Institut für Holzforschung 60 Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie 61 Thünen-Institut für Seefischerei 62 TuTech Innovation 63 UNESCO Institute for Lifelong Learning 64 ZBW Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft 65 Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung Die Wissensmetropole wird auch durch eine Vielzahl von privaten Hochschulen bereichert, die in anderen Bundesländern nach Maßgabe der dortigen Rechtslage zugelassen sind und die in eine Niederlassung haben. Weitere Informationen unter: wissenschaft.hamburg.de

7 Studieren ohne Abitur Kooperationen im Ostseeraum Quereinsteiger willkommen Gemeinsam stärker 12 _13 Wer studieren will, braucht nicht unbedingt Abitur, es geht auch ohne. Studenten mit Berufsabschlüssen bereichern die Hochschulen und studieren oft zielgerichteter. Thomas Rewel kam aus. dem Job zum Studium. an die Uni und blieb dort.. Was will ich noch erreichen? Thomas Rewel war kurz vor dem 30. Lebensjahr, als er sich mit dieser Frage beschäftigte. Er hatte bei der Bundeswehr gedient, eine Ausbildung zum Verlagskaufmann absolviert und als Junior Consultant in einer Werbeagentur gearbeitet und doch fehlte ihm etwas. Ich wollte mich weiterqualifizieren und hatte schon länger ein Studium im Hinterkopf, erzählt Rewel. Der Mecklenburger bewarb sich erfolgreich am Fachbereich Sozialökonomie der Universität. Dort hat man die Möglichkeit, auch ohne allgemeine Hochschulreife mit einer Aufnahmeprüfung ein Studium zu beginnen, sagt Rewel, der seine Schulkarriere vorzeitig nach der 11. Klasse beendet hatte. Die Wege an die Universität sind vielfältiger geworden, und mit ihnen die Bildungsbiografien der Studienanfänger. Etwa die Hälfte eines Jahrganges strebt nach dem Abitur an die Hochschulen und trifft dort auf internationale Studierende, junge Eltern, Senioren oder eben Quereinsteiger wie Rewel. Rund drei Prozent der Studienanfänger an der Universität haben kein Abitur. fördert die Durchlässigkeit der Bereiche der Einstieg für Berufstätige ist leichter, als man denkt. Jeder kann an einer der staatlichen er Hochschulen und an den meisten privaten Hochschulen bei entsprechenden Qualifikationsnachweisen studieren. Es genügt ein Meisterbrief, ein Abschluss als Fachwirt oder ein Fachabitur. Wer seine Ausbildung beendet und drei Jahre im Beruf gearbeitet hat, wird ebenfalls zum Studium zugelassen muss aber eine Eingangsprüfung für den gewählten Studiengang bestehen. Thomas Rewel hat diese ebenso erfolgreich absolviert wie sein selbstfinanziertes Studium, denn mit 30 Jahren besteht kein Bafög-Anspruch mehr. Er schloss seinen Bachelor in der Regelstudienzeit von sechs Semestern mit einer Note von 1,66 ab. Mein Ziel war, mein Studium in möglichst kurzer Zeit mit möglichst guten Noten zu beenden, sagt er. Viele Studenten mit Berufserfahrung sind meist motivierter als ihre jüngeren Kommilitonen. Sie haben sich bewusst für das Studium entschieden, ihre Abbrecherquote ist geringer, sie bringen ihre Berufserfahrung mit ins Studium ein, das macht sich auch im Studienalltag bemerkbar. Quereinsteiger hinterfragen mehr, hat Rewel beobachtet. Der mittlerweile 36-Jährige ist auf den Wissenschaftsgeschmack gekommen. Er hat nicht nur einen Masterstudiengang nachgeschoben, inzwischen lehrt und forscht er selbst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Betriebswirtschaftslehre der Helmut-Schmidt-Universität. Fotos: Peter Garten (1), IBA GmbH / Bernadette Grimmenstein (1), Martin Kunze (1) HCU (2) fotolia (2) Im kaum einer anderen Region ist mehr Wissen versammelt als im Ostseeraum. will den Austausch der Hochschulen und Forschungseinrichtungen intensivieren zum gegenseitigen Nutzen. Wir ziehen eine Menge Know-how aus der Zusammenarbeit sowohl in der Lehre als auch in der Forschung, sagt Dr. Wolfgang Willkomm. Der Architektur-Professor der Hafen- City Universität (HCU) koordiniert den Austausch mit der Aalto University in Helsinki, er ist Liaison-Professor. Regelmäßig kommen Studenten und Wissenschaftler der beiden Hochschulen zusammen, vor allem die Fertigkeiten der Finnen im Holzbau haben es den ern angetan. Kollegen von Willkomm haben Kontakte zu anderen Universitäten aus dem Ostseeraum aufgebaut, nach Kopenhagen, Göteburg, Danzig, Stockholm oder St. Petersburg. Menschen kooperieren miteinander, nicht Institutionen. Sie müssen einen Zugang zu dem Land haben, die Partnerschaft mit Leben füllen. Das funktioniert durch die Liaison-Professuren sehr gut, erläutert Dr. Walter Pelka, Präsident der HCU, das Konzept. Es ist Teil der Greater Baltic -Strategie der HCU. Für die kleine, auf die fachübergreifende Zusammenarbeit von Architekten, Bauingenieuren und Stadtplanern ausgerichtete HCU sei der Erfahrungsaustausch besonders wichtig, meint Pelka. Unsere Partner ticken ähnlich wie wir. Sie sind für uns Sparringspartner, an denen wir uns messen können. Wie die HCU arbeiten viele er Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit Institutionen aus dem Ostseeraum zusammen, allein 218 institutionalisierte ERAS- MUS-Partnerschaften existieren. Das Gebiet gilt als eine der wettbewerbsstärksten Wissensregionen der Welt, mit einer Ort das Dialoges: Der Woodcube der Internationalen Bauausstellung Holz als Baustoff und Quelle der Inspiration: Studenten und Wissenschaftler diskutieren gemeinsam Projekte. weit entwickelten Wissens-Infrastruktur. Nicht zuletzt durch die geplante Fehmarnbelt-Querung wird die Region weiter zusammenwachsen. Schon heute stammen mehr als 1100 Studierende und etwa 900 Wissenschaftler an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Hansestadt aus dem Ostseeraum. Um die Kooperationen auszubauen, hat die Stadt eine eigene Förderrichtlinie geschaffen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass im internationalen Wettbewerb um Fördermittel, exzellente Studenten und Wissenschaftler nur bestehen kann, wer international ausgerichtet ist und den Austausch fördert. Kussfest dank Petra Meistens haben es die Forscher mit Hightech- Werkstoffen zu tun. Diesmal nahmen sie mithilfe von Petra III, einer der besten Röntgenlichtquellen der Welt, einen Alltagsgegenstand unter die Lupe: Lippenstifte, in diesem Fall aus Lettland. Ausgangspunkt des Projektes war Science Link, ein vom DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron) gemanagtes EU-Projekt. Es ermöglicht Unternehmen aus dem Ostseeraum, Werkzeuge der Grundlagenforschung wie Petra zu nutzen. Der Hersteller wollte wissen, ob seine Lippenstifte verschmieren, wenn sie aus frostiger Kälte in tropische Hitze verfrachtet werden. Das beruhigende Resultat: Sie überstehen den Temperaturschock unbeschadet.

8 Wissens- und Technologietransfer Wissens- und Technologietransfer Gründerzeiten Erneuerbare Energien in vielen Facetten Gemeinsam mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein attraktives Umfeld für Start-ups und junge, innovative Unternehmen zu entwickeln, sie zu fördern das ist der Grundgedanke der Technologiezentren. Im Süden s entsteht der InnovationCampus Green Technologies (ICGT) der Technischen Universität -Harburg (TUHH) und der Technologietransfergesellschaft TuTech Innovation. Wir schaffen unter einem Dach ein Modell für das Zusammenwirken von ingenieurwissenschaftlicher Forschung, einen Gründergeist für neue Unternehmen und für die Entwicklung von Anwendungen direkt aus der Forschung, sagt Prof. Dr. Jürgen Grabe, Vizepräsident Forschung der TUHH. campus Bahrenfeld, auf dem das DESY zu Hause ist, ist in den vergangenen Jahrzehnten eine weltweit einmalige, sich dynamisch weiterentwickelnde Forschungsinfrastruktur nicht nur für Physiker entstanden. Wir wollen dieses Potenzial nutzen und junge Wissenschaftler von der Idee bis zur Gründung begleiten, sagt Katja Kroschewski, Leitung Technologietransfer des DESY. Der Bauantrag für das gut 4000 Quadratmeter große Gebäude mit Labor- und Büroflächen ist gestellt. Nicht nur DESY- Mitarbeitern, sondern allen Gründungswilligen des Campus wird der Inkubator zur Verfügung stehen. Auch junge Gründer aus kleinen, forschungsintensiven Hightech-Unternehmen aus dem Umfeld sind willkommen. Wirtschaft trifft Wissenschaft Wie können Erkenntnisse der Wissenschaft in alltagstaugliche Anwendungen überführt werden? Gleich an mehreren Stellen fördert den Bau von Forschungs- und Innovationszentren als Keimzellen neuer Unternehmen. Ein Campus für die Windkraft Für Anfang kommenden Jahres ist der Einzug geplant, auf den freut sich Prof. Dr. Werner Beba schon jetzt: Wir können unsere Aktivitäten bündeln, wir haben ganz neue technische Möglichkeiten, wir werden gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen und Unternehmen an einem wichtigen Zukunftsthema arbeiten das ist großartig, sagt der Leiter des Energie-Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW ). Wie können Windräder effizienter und umweltfreundlicher betrieben werden? Wie müssen Stromnetze beschaffen sein, damit sie den natürlichen Schwankungen der erneu- Wächst im Osten s: der Energie-Campus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften erbaren Energie standhalten? Das sind einige der Fragen, denen die Wissenschaftler im Energie-Campus im er Stadtteil Bergedorf nachgehen werden. Neben einem Forschungs- und Ausbildungslabor für Windenergie und intelligente Stromnetze ( smart grids ) entsteht in der Nähe auch ein Windpark, an dem die Studenten praxisorientiert ausgebildet werden können. Der Energie-Campus soll sich im Lauf der Zeit vergrößern, weitere Gebäude für Forscher sollen entstehen. Er wird eine Sogwirkung für die Ansiedlung von Forschungsabteilungen von Unternehmen, für Unternehmensgründer oder für junge Firmen entwickeln, ist sich Professor Beba sicher. Fotos: ICGT: ICGT (3) Energie-Campus. Bildmontage Jan-Simon Hußmann (2) DESY (1) Erneuerbare Energien etwa aus Biomasse, die Energiegewinnung aus dem Meer durch die Nutzung von Wind, Strömung und Wellen, eine ressourcenschonende Produktion oder Green Logistics sind einige der Themenschwerpunkte des ICGT, mit dessen Bau im kommenden Jahr begonnen werden soll. Den Nutzern werden auf 3300 Quadratmetern nicht nur Büros, Labore, Forschungshallen und Besprechungsräume zur Verfügung gestellt, sondern sie profitieren auch von der wissenschaftlichen Begleitung durch Institute der TUHH. Coaching bei betriebswirtschaftlichen Fragen, Beratung bei der Beantragung von Fördermitteln oder Unterstützung bei der Anmeldung von Patenten sind Teil des Angebots. Platz für junge Unternehmer Eine dritte Brutstätte für Jungunternehmer entsteht im Westen s der Inkubator des DESY, des Deutschen Elektronen-Synchrotron. Auf dem Gelände des Forschungs- Ist im Westen s geplant: der Inkubator des DESY auf dem Forschungscampus Bahrenfeld Entsteht im Süden s: der Innovations Campus Green Technologies der TUHH Ohne neue Flächen kommt eine andere Maßnahme zur Förderung - und Technologietransfers aus: das Exzellenzkolleg der TUHH. Es besteht aus fünf Juniorprofessuren, die gemeinsam mit Unternehmen wie Siemens Energy, NXP Semiconductors oder Port Authority geschaffen werden, die ersten wissenschaftlichen Nachwuchskräfte arbeiten bereits. Die Stellen sind auf sechs Jahre angelegt, die Wissenschafter bleiben frei in Forschung und Lehre, die Arbeitsfelder werden gemeinsam definiert. Zukunftsfragen zu lösen geht nur noch gemeinsam. Gefordert ist die Einbeziehung beider Perspektiven Wissenschaft und Wirtschaft brauchen einen partnerschaftlichen Austausch, so Professor Dr. Jürgen Grabe, der Entwickler des Exzellenzkollegs. Noch einen weiteren Schritt geht die Stadt, um den praktischen Nutzen von Forschung zu stärken: Sie überführt einzelne Einrichtungen in die anwendungsorientierte Fraunhofer-Gesellschaft. Dazu zählen der Medikamentenentwickler European ScreeningPort, das Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen sowie der Aufbau eines Fraunhofer-Anwendungszentrums Leistungselektronik für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Anwandte Wissenschaften. Es entsteht in Bergedorf, in unmittelbarer Nähe des Energie-Campus. 14 _15

9 Persönlich... ein kluger Kopf plant und an die Zukunft denkt. Wer zum Beispiel ein Studium an der HAW aufnimmt, weiß, dass er hier gleich zwei wichtige Kernbereiche seiner beruflichen Zukunft abdeckt: ein freies und offenes Studium, das auch kritische Fragen zulässt an einer mit der Wirtschaft bestens vernetzten Hochschule, die optimal auf einen Einstieg ins Berufsleben vorbereitet. Quer denken und geradlinig handeln für kluge Köpfe an der HAW kein Widerspruch. Persönlich ist attraktiv für kluge Köpfe, weil sie hier auf ein vielfältiges und offenes Wissenschaftsklima treffen. Die Gesundheitsforschung und die Gesundheitswirtschaft wiederum brauchen die Kreativität und das Innovationspotential der klugen Köpfe. Das gilt insbesondere auch für das Universitätsklinikum als Einrichtung der universitären Spitzenmedizin mit enger Verzahnung von Forschung, Krankenversorgung und Lehre.... mit der HafenCity Universität eine einzigartige Hochschule für Baukunst und nentwicklung hat, an der junge Menschen interdisziplinär die Gestaltung ihrer urbanen Umwelt in Studium und Forschung erfassen und begreifen können. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten bringen sie in den sich entwickelnden Praxisfeldern der eigenen Stadt, wie der HafenCity und der Neuen Mitte Altona um nur zwei Beispiele zu nennen ein.... es hier viel zu tun gibt gerade für Künstler und Wissenschaftler. In reicht es nicht, einen klugen Kopf zu haben, man muss auch unternehmerisch sein. Die Ziele sind verlockend: Eine Musikstadt aufbauen, eine Wissenschaftsmetropole entwickeln, wer wäre nicht gerne dabei? Der Wind bläst einem hier zwar oft ins Gesicht, aber er ist auch sehr frisch und wenn er zum Aufwind wird, entstehen in Wunder. 16 _ Wissenschaft auch Praxis braucht. Die... ihnen die Technische Universität -Harburg alles bietet, was sie suchen: ein offenes, dynamisches, herausforderndes, gestaltbares und internationales Umfeld in Lehre und Forschung. Sie erwartet Exzellenz und die Möglichkeit, technologische Innovationen zu entwickeln und so einen nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Da ist die TUHH wie : ein Tor zu Welt. Fotos: Hochschule für Angewandte Wissenschaften (1) Lina P. A. Nguyen (1) Pressebild.de / Bertold Fabricius (1) HCU (1) UKE (1) Otto GmbH & Co KG (1) Siemens AG (1) Handelskammer / Maack (1) Torsten Kollmer (1) neben Berlin und München zu den drei führenden Wissenschaftsmetropolen Deutschlands gehört. In enger Verbindung mit allen wesentlichen Instanzen der Gesellschaft, darunter auch der Wirtschaft, leisten die er Hochschulen ihren Beitrag zur Bewältigung der aktuellen und künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen in Forschung und Lehre. Dabei nimmt die Universität als größte Hochschule Nordeuropas mit ihrem breiten Fächerspektrum einen besonderen Platz ein. Angefangen bei der Klimaforschung über die Entwicklung von Bekämpfungsmethoden gefährlicher Seuchen, ein religionswissenschaftliches Dialogangebot in der Akademie der Weltreligionen, die Erforschung der Materien und ihrer Entstehung, über die Kognitionspsychologie, die Managementforschung bis hin zur Rettung von bedeutsamen Manuskripten überall in der Welt und vielen anderen Gebieten, steht die Universität als intellektuelle und ebenso wirtschaftlich bedeutsame Kraft in der Mitte des gesellschaftlichen Geschehens. er Wirtschaft steht für Innovationskraft und nachhaltiges Wachstum. Sie braucht den Wissens- und Technologie-Transfer und schafft dafür optimale Bedingungen.... die Hansestadt nicht nur eine bekannte Handels- und Dienstleistungsmetropole, sondern auch ein global bedeutender Technologie- und Industriestandort ist. Ob in der Grundstoffindustrie, im Flugzeugbau oder bei den Erneuerbaren Energien: Innovationen sichern s Zukunft. Innovationen, die kluge Köpfe schaffen.... es viele attraktive Arbeitgeber gibt und hier ein gründerfreundliches Umfeld existiert. In unserer Stadt gibt es einen einzigartigen Branchenmix aus innovativen Unternehmen, der vom Kleinbetrieb bis zum Großkonzern reicht. Etliche,Hidden Champions kommen aus.

10 Infrastruktur Perspektivwechsel Platz da! Wissenschaft braucht moderne Infrastruktur ob durch den Bau einer neuen Kinderklinik oder eines naturwissenschaftlichen Campus der Universität. Neues wagen Künstler treffen auf Klimaforscher. Eine fruchtbare Begegnung für beide Seiten. Werke von Katja Lell (links) und Hagen Schümann (rechts) Abkürzungen, nichts als Abkürzungen. Sie lauten CFEL oder ZOQ, CCD oder CSSB, jede steht für ein wissenschaftliches Institut, und es werden immer mehr. Davon zeugen die zahlreichen Baustellen auf dem 55 Hektar großen Gelände im Westen der Stadt, dem Forschungscampus Bahrenfeld. Hier ist eine Lawine in Gang gesetzt worden, sagt Christian Scherf, Kaufmännischer Direktor des Helmholtz-Zentrum DESY, neben der Universität einer der wichtigsten Akteure auf dem Campus. Unsere Großgeräte wie Petra III oder FLASH sind Weltspitze. Sie schaffen eine Forschungsinfrastruktur, die auch andere Nutzer überzeugt, sich hier anzusiedeln. Dazu zählt etwa das Center for Free-Electron Laser (CFEL), das DESY gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität betreibt. Neu hinzukommen werden das Zentrum für Optische Quantentechnologien (ZOQ), das Center for Chemical Dynamics (CCD) und der Neubau des Centre for Structural Systems Biology (CSSB) an dem, einmalig in Norddeutschland, Biologen, Chemiker, Mediziner und Physiker gemeinsam an Krankheitserregern forschen. Jüngste Errungenschaft ist die Ansiedlung des MPSD, des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik, und des CHYN, des Center for Hybrid Nanostructures, das sich mit der Analytik von biologischen Materialien und Systemen Im CHYN stehen mehr als Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. beschäftigt. Physiker aus aller Welt fiebern zudem dem Jahr 2017 entgegen. Dann soll das größte in Bau befindliche Großforschungsinfrastrukturprojekt für Experimente zur Verfügung stehen der europäische Freie-Elektronen-Laser XFEL. Impressum Freie und Hansestadt Behörde für Wissenschaft und Forschung er Straße V.i.S.d.P. Dr. Alexander von Vogel Fax: Redaktion Rainer Busch Gestaltung Susanne Tietgens Druck Klingenberg & Rompel, Mehr Platz, modernere Gebäude und Hörsäle, eine neue Bibliothek und Mensa darauf können sich auch Studierende und Lehrende am Universitätscampus an der Bundesstraße freuen. Erster Schritt ist die Errichtung eines Quadratmeter großen Neubaus am Geomatikum, in dem die Künftige Heimat für Geowissenschaftler und Klimaforscher: der Neubau am Geomatikum Geowissenschaften und die Klimaforschung untergebracht werden. Dies soll die interdisziplinäre Arbeitsweise am Exzellenzcluster Integrated Climate System Analysis and Prediction (CliSAP) der Universität unterstützen. Fester Bestandteil der Planungen ist der Neubau der Kinderklinik im Universitätsklinikum Eppendorf. In der neuen Heimat für die universitäre Kindermedizin werden schwer kranke Kinder versorgt werden, die etwa an Krebs- oder Herzerkrankungen leiden. Ausgestattet mit hochkomplexer Medizintechnik wie einem Hybrid-OP, der einen Operationssaal mit bildgebenden Systemen kombiniert, verfügt die Klinik über 138 Betten, darunter 20 für die Intensivmedizin. Fotos: BWM (3) UHH/CEN (1), Ute Kreis (1) Hagen Schümann (1) Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung / BAM (1) Ins Gespräch kommen, Fragen stellen, sich hinterfragen und womöglich gegenseitig inspirieren: Können Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fächern gemeinsam Probleme lösen? Gelingt die Zusammenarbeit oder reden sie aneinander vorbei? Sieben Studierende der Hochschule für bildende Künste (HFBK) und Wissenschaftler des Exzellenzclusters Integrated Climate System Analysis and Prediction (CliSAP) der Universität haben das ausprobiert. Im Rahmen des CliSAP-Projektes Understanding Science in Action ließen sie sich aufeinander ein. Fünf Monate lang begleiteten sieben HFBK-Studenten als Visiting Artist Researchers jeweils eine CliSAP-Arbeitsgruppe und nahmen an deren normalem Arbeitsalltag teil. Um den Forschungsaufenthalt hatten sie sich beworben, zur Jury zählten Vertreter der beteiligten Institutionen wie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Die Klimaforschung soll nicht nur eine Herausforderung für die Künstler sein, sondern die Kunst auch für uns Klimaforscher, so Prof. Dr. Hans von Storch, Institutsleiter am beteiligten Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Ansätze sei für beide Seiten anregend auch Künstler forschen, nicht wissenschaftlich, sondern künstlerisch, betonte Prof. Dr. Friedrich von Borries von der HFBK, einer der Initiatoren. Davon kann sich nun jeder selbst ein Bild machen. Vom 9. bis zum 16.Oktober präsentieren Reto Buser, Jessica Leinen, Katja Lell, Alice Peragine, Philip Prinz, Laura Reichwald und Hagen Schümann ihre künstlerischen Forschungsergebnisse in der Galerie der HFBK. Die Chemie der Kunstgeschichte Naturwissenschaftler, die an einer geisteswissenschaftlichen Fakultät lehren, sind eine Seltenheit. Oliver Hahn, seit dem 1. Mai Professor für Naturwissenschaftliche Materialanalyse am Sonderforschungsbereich 950 Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa der Universität, zählt zu dieser raren Spezies. Er schätze die interdisziplinäre Zusammenarbeit, so Hahn. Der studierte Die Künstler folgen in dem Projekt einer erkenntnisleitenden Praxis, die der Kunst seit jeher immanent ist und die eine ganz eigenständige Form generiert. Die Ergebnisse zeigen, wie bereichernd die Zusammenarbeit für beide Seiten sein kann. Prof. Martin Köttering, Präsident der HFBK Die Künstlergruppe mit Wissenschaftlern vom CliSAP Chemiker hat in Physikalischer Chemie mit den Nebenfächern Kunstgeschichte und Anorganische Chemie promoviert. An der Bundesanstalt für Materialforschung leitet er den Fachbereich Kunstund Kulturgüteranalyse und hat unter anderem Fragmente der Qumran-Rollen sowie Zeichnungen des Jungen Albrecht Dürer untersucht. 18 _19

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