11. Forum Medizin und Ethik. Stress Burnout Depression: Eine lebenslange Herausforderung. Mittwoch, 25. November 2013

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1 11. Forum Medizin und Ethik Stress Burnout Depression: Eine lebenslange Herausforderung Mittwoch, 25. November 213 DGS Dr. med. h.c. Hugo Kurz begrüsst die Besucherinnen und Besucher im grossen Hörsaal des Anatomischen Instituts zum 11. Forum Medizin und Ethik. In seinem brillanten Begrüssungsreferat mit seinen Gedanken zum Umgang mit den Mitmenschen stimmt er die Besucher auf das heutige Thema Stress Burnout Depression ein. Er betont, wie wichtig eine möglichst harmonische Beziehung zwischen uns und unserer Umgebung ist, um Stress oder gar Burnout oder Depressionen zu vermeiden. Gerade die Odd Fellows sind eine gute Basis, um dieses Ziel erreichen zu können. Hugo Kurz übergibt das Wort an Frau Prof. Dr. med. Edith Holsboer-Trachsler Leiterin des Zentrums für Affektive-, Stress- und Schlafstörungen (ZASS), Chefärztin Stv. Erwachsenen-Psychiatrische Klinik, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel. Präsidentin Verein Stress Management _Bericht-11-Forum-Medizin-und-Ethik.docx Seite 1 von 5

2 Ist Stress schädlich? Unsere heutige Gesellschaft wird oft geprägt mit grossem Erfolgsdruck. In der Geschäftswelt sind Leistung und Ergebnis wichtig und werden auch gefordert; häufig bis an die psychischen und physischen Grenzen. Im Privatleben können verschiedene Krisensituationen diesen Druck intensivieren, was zu schwerwiegenden Veränderungen in Geist und Körper führen kann. Tritt eine Stress-Situation auf, werden Adrenalin, Noradrenalin und Glukokortikoide ausgestossen, welche den Menschen aufmerksamer, wacher machen und zu raschen Reaktionen befähigen. Nach Bewältigung dieser Situation, werden die Substanzen wieder abgebaut und der Körper erholt sich. An und für sich eine gesunde Reaktion. Erst wenn die Kadenz der Stress-Situationen hoch oder permanent vorhanden ist, dann entsteht ein gefährlicher Zustand. Chronische Stresseffekte normal krankhaft deutlich krankhaft Was sind die Auslöser von Stress? Stress wird durch sogenannte Stressoren ausgelöst und diese können vielfältig sein: Alltagsbelastungen, physikalisch-sensorische Umwelt wie - und Termindruck, Lärm, Monotonie. Über- oder Unterforderungen. Psychosoziale Stressoren: o Niedrige Selbstachtung, soziale Isolation o Mangelnde Kontrolle über Arbeits- und Privatleben o Zwischenmenschliche Konflikte, familiäre / persönliche Krisen o Psychische Störungen _Bericht-11-Forum-Medizin-und-Ethik.docx Seite 2 von 5

3 Sozioökonomische Stressoren: tiefes Bildungsniveau, niedriges Einkommen, Armut. Chronische Spannungen und Belastungen: o Dauerhafte und wiederkehrende kleine Alltagsprobleme o Dauerhafte Arbeitsüberlastung o Mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bzw. Privatleben o Chronische Krankheiten Biografische Übergänge mit Krisenpotenzial wie Ein- und Ausstieg in Beruf, Ruhestand Eine Umfrage bei schweizerischen Erwerbstätigen ergab folgende Belastungs- Faktoren: Unterbrechungen (48%), hohes Arbeitstempo (43%), Termindruck (4%), Umstrukturierung/Neuorganisation (35%), Effort/Reward Imbalance (31%), in der Freizeit arbeiten (18%), organisatorische Probleme (16%), unklare Anweisungen (13%), täglich über 1 Stunden arbeiten (12%), Emotionale Dissonanz und Konflikt mit Wertevorstellungen (12%), Arbeitsplatzunsicherheit (8%). Die Krankheitswirkung der Stressoren hängt einerseits von der Intensität und Dauer ab, anderseits von der subjektiven Bewertung; wichtig, bewältigbar, vorhersehbar und kontrollierbar ab. Chronischer Stress: Was sind die Folgekrankheiten? Burnout Depression Angststörungen Schlafstörungen Missbrauch von Alkohol, Tabak und Beruhigungsmitteln Definition von Burnout: Erschöpfung nach langfristiger emotionaler Überbelastung am Arbeitsplatz und Verlust der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns. Frau Holsboer zeigt den Ablauf von Stress zu Burnout und Depression auf: 1. Erste Warnzeichen: Gesteigerter Einsatz für Ziele, Zunahme der Überstunden, Erschöpfung oder vegetative Überreaktion. 2. Reduziertes Engagement: Reduzierte soziale Interaktion, negative Einstellung zur Arbeit, Konzentration auf den eigenen Nutzen. 3. Emotionale Reaktionen: Insuffizienzgefühl, Pessimismus, Leere, Hoffnungslosigkeit, Energiemangel, Gefühl von Hilflosigkeit, Schuldzuschreibung an andere bzw. das System _Bericht-11-Forum-Medizin-und-Ethik.docx Seite 3 von 5

4 4. Abnahme von kognitiven Fähigkeiten, Motivation, Kreativität und Differenzierungsfähigkeit. 5. Abflachen des emotionalen und sozialen Lebens und kognitiver Interessen. 6. Psychosomatische Reaktionen: Spannung, Schmerzen, Schlafstörungen, keine Erholung in der Freizeit mehr möglich, veränderte Essgewohnheiten, Substanzverbrauch. 7. Depression und Verzweiflung: Gefühl von Sinnlosigkeit, negative Lebenseinstellung. Eine Untersuchung in der Schweiz und Deutschland über Burnout-Häufigkeit bei Ärzten, Lehrern und Pflegekräften zeigt erschreckende Daten auf. So leiden bei den Ärzten 15-3% an Burnout, bei den Lehrern bis zu 35% und beim Pflegepersonal 4-6% (vor allem auf den Intensiv-, Krebs- und Aids-Stationen) an Burnout. Frau Holsboer weist darauf hin, dass der Übergang von Burnout zu Depression nicht gross ist. Sobald Depressionen auftreten besteht eine grosse Suizid-Gefahr. 4% der Betroffenen begehen einen Suizid-Versuch und 15% sind auch erfolgreich, obwohl fast die Hälfte vorher einen Arzt aufgesucht hat. Depressionen sind die häufigste Ursache von Suiziden. Was kann gegen Stress und seine Folgeerkrankungen unternommen werden? Frau Holsboer zeigt, welche Faktoren und Eigenschaften vor Stress und seinen Folgen schützen. Wenn diese fehlen, so ist abzuklären, wie sie erworben werden können. Der Einzelne braucht: Gute Bewältigungsfähigkeiten (Priorisierung, Affektregulation, Abgrenzungsfähigkeit, realistische Einschätzung der Ressourcen). Allgemeine Widerstandsfähigkeit und innere Autonomie. Ein stabiles Selbst (positives Selbstbild, Selbstwertgefühl, Kontrollüberzeugungen) Soziale Kompetenz und Problemlösungsfähigkeiten Flexibilität Ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, ausreichende Entspannung Verstehbarkeit und Sinnhaftigkeit der Lebenserfahrungen Aber auch in der Umwelt sollen Schutzfaktoren vorhanden sein: Soziale Unterstützung und Integration Tragfähige zwischenmenschliche Beziehungen _Bericht-11-Forum-Medizin-und-Ethik.docx Seite 4 von 5

5 Identifikationspersonen und positive Rollenmodelle Psychisch gesundes Umfeld Sinnstiftende Arbeits- und Tätigkeitsfelder Handlungsspielräume in allen Lebensphasen und Lebensfeldern Sozialer Frieden, Solidarität, Chancengleichheit Stabile Gesellschaft mit gutem Bildungs- und Gesundheitssystem Was soll der Arbeitgeber zur Burnout-Prophylaxe tun? Die Arbeitsmenge muss angemessen sein (Workload) Die Mitarbeiter sollen Gestaltungsmöglichkeiten und Spielraum haben Die Mitarbeiter erhalten finanzielle und soziale Anerkennung Das Arbeitsklima muss gut sein und Kollegialität herrschen Fairness: Gerechtigkeit und keine Intrigen Die Führung soll ethische Werte vermitteln Was tun, wenn man in diesem Teufelskreis steckt? Frau Holsboer betont, dass man möglichst früh professionelle Hilfe suchen muss, denn sonst kann es tödlich enden. Beispiel: Carsten Schloter, Swisscom- Chef, der unter massiven Schlafstörungen litt und sich am 23. Juli das Leben nahm. Unter externer Hilfe können die Stressoren identifiziert und deren Einfluss verringert oder eliminiert werden. Das Leben muss geändert und vor allem positive Einflüsse herbei geführt werden. Das soziale Umfeld kann gestärkt werden, auch z.b. mit der Mitgliedschaft bei den Odd Fellows. Es wurde klar, dass nicht nur Manager unter Stress leiden, sondern alle, vom Kind bis zum Greis, können betroffen sein. Unser Jahresthema 213 Ehrfurcht vor dem Leben kann auch zum Thema Stress Burnout Depression Denkanstösse vermitteln. Lob aussprechen, sagt Frau Holsboer, ist doch so einfach und hilft gewaltig. Wir alle können etwas tun gegen die negativen Folgen von Stress! Peter Walthard L19 Verantwortung übernehmen! für uns für unsere Umwelt für unsere Mitarbeiter und Mitmenschen _Bericht-11-Forum-Medizin-und-Ethik.docx Seite 5 von 5

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