organisationssichere Betriebsführung von Schwimmbädern

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1 Die organisationssichere Betriebsführung von Schwimmbädern BDS - Bundesverband Deutscher Schwimmmeister e. V. Vortrag in Köln 29. Oktober 2015

2 Inhalt dieses Vortrages Wie sind Führungsinstrumente - Beispiel Betriebshandbücher - aufzubauen und insbesondere einzusetzen, damit sie Auswirkungen auf den Betriebsablauf haben und somit das Ziel Organisationssicherheit erreichbar wird. 2

3 Ziel: Organisationssicherheit gewährleisten Was erreicht ein Unternehmen durch eine sichere Organisation? Einhaltung der relevanten Vorschriften, Normen usw. Wahrnehmung der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht Risikominimierung Vermeidung von zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen. 3

4 Einsatz von Führungsinstrumenten Um das Ziel Organisationssicherheit zu erreichen, sind Führungsinstrumente einzusetzen. z. B.: - Risikoanalysen - Mitarbeiterentwicklung (Schulungen, Unterweisungen) - Betriebshandbücher (BHB). Führungsinstrumente sind so aufzubauen und einzusetzen, dass sie Auswirkungen auf das Verhalten der Mitarbeiter haben. 4

5 Erstellung und Umsetzung von Betriebshandbüchern Hierzu ist es wichtig, dass Führungsinstrumente (hier: Betriebshandbücher) - nicht nur erstellt - und laufend aktualisiert - sondern auch im Unternehmen umgesetzt werden! Die Akzeptanz der Mitarbeiter, das Betriebshandbuch anzuwenden, ist ebenso wichtig, wie die gesetzeskonforme Erstellung des Betriebshandbuches. 5

6 Aufbau von Betriebshandbüchern Ein wesentlicher Bestandteil eines Betriebshandbuchs sind die einzelnen Anweisungen. Arten von Anweisungen: Verfahrensanweisungen (u. a. DIN EN , DIN EN ISO 9001:2015) Betriebsanweisungen (Vorschriften der DGUV, GefStoffV) Arbeitsanweisungen (u. a. DIN EN ISO 9001:2015) Dienstanweisungen (im öffentlichen Dienst, R und A 52 DGfdB). 6

7 Anweisungen (1) Was will man mit einer Anweisung erreichen: ordnungsgemäße und zielgerichtete Umsetzung der delegierten Aufgaben Umsetzung der festgelegten Maßnahmen (Risikoanalyse) effektive Zusammenarbeit der Mitarbeiter/ Abteilungen. Folgen bzw. Nebeneffekte: Grundlage für interne Schulungen, Unterweisungen Nachweis der ordnungsgemäßen Handlung gegenüber Behörden (Polizei, ermittelnde Behörden, Gericht etc.). 7

8 Anweisungen (2) Wie sollte eine Anweisung aufgebaut sein bzw. was sollte eine Anweisung enthalten: Klare Vorgaben für die Mitarbeiter / keine Missverständnisse Anweisungscharakter / kein Informationscharakter Wiedererkennungsmerkmale / Systematischer Aufbau klare Festlegung der Verantwortung - Sicherstellung - Durchführung - Mitwirkung. 8

9 Gesetzliche Vorgaben Wann sind Anweisungen zu erstellen (1): Direkte Forderungen nach Anweisungen: Abschnitt 5.3 DGUV R (BGR/ GUV-R 108) besagt: Der Unternehmer hat für Tätigkeiten, die zu einer besonderen Gefährdung führen können, Betriebsanweisungen in verständlicher Form und Sprache zu erstellen. 12 (2) BetrSichV besagt: Bevor Beschäftigte Arbeitsmittel erstmalig verwenden, hat der Arbeitgeber ihnen eine schriftliche Betriebsanweisung für die Verwendung eines Arbeitsmittels zur Verfügung zu stellen. 9

10 Gesetzliche Vorgaben Wann sind Anweisungen zu erstellen (2): Direkte Forderungen nach Anweisungen: Abschnitt DGUV R (BGR 117-1) besagt: Der Erlaubnisschein kann durch eine Betriebsanweisung ersetzt werden, wenn immer gleichartige Arbeitsbedingungen bestehen und gleichartige wirksame Schutzmaßnahmen festgelegt sind. Abschnitt der DIN EN besagt: Wenn auf Grund der Risikoanalyse und bewertung Verfahrensanweisungen erforderlich sind, müssen sie in schriftlicher Form verfasst werden. 10

11 Gesetzliche Vorgaben Wann sind Anweisungen zu erstellen (3): Direkte Forderungen nach Anweisungen: Abschnitt 4.2 DGUV R DGfdB besagt: Voraussetzung für die Organisation der Verkehrssicherungspflicht ist eine Aufbau- und Ablauforganisation, einschließlich einer entsprechenden Dokumentation. Die o. g. Ergänzung (siehe rote Schrift) ist seit April 2015 gültig (neue Ausgabe der Richtlinie DGfdB). 11

12 Gesetzliche Vorgaben Wann sind Anweisungen zu erstellen (4): Indirekte Forderungen nach Anweisungen: 4 NiSG Die Benutzung von Anlagen nach 3 zur Bestrahlung der Haut mit künstlicher ultravioletter Strahlung in Sonnenstudios oder sonst öffentlich zugänglichen Räumen darf Minderjährigen nicht gestattet werden. Abschnitt 9 R DGfdB: Die Durchführung der vorstehenden betrieblichen Maßnahmen (Sichtkontrolle, Funktionstest) ist zu dokumentieren. 12

13 Gesetzliche Vorgaben Wann sind Anweisungen zu erstellen (5): Fazit: Anweisungen sind grundsätzlich zu erstellen, um Organisationssicherheit herzustellen und der Forderung nach Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. 13

14 Gesetzliche Vorgaben Wie muss eine Anweisung aufgebaut sein (1): Abschnitt 5.3 DGUV R (BGR/ GUV-R 108): in verständlicher Form und Sprache zu erstellen. Dabei sind alle einschlägigen Vorschriften, Bestimmungen sowie Betriebsanleitungen, Sicherheitsdatenblätter zu beachten. 12 (2) BetrSichV: Die Betriebsanweisung muss in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache abgefasst sein und den Beschäftigten an geeigneter Stelle zur Verfügung stehen. 14

15 Aufbau einer Anweisung (1) nach DIN EN nach BMC Zweck Anwendungsbereich Begriffe Zuordnung von Funktionen und Verantwortung Beschreibung des Vorgangs Kontrollierte Verteilung Aufzeichnung und Überprüfung Zweck Geltungsbereich (Begriffe) Zuständigkeit Vorgehensweise Organisatorische Maßnahmen Durchführung Dokumentation Mitgeltende Unterlagen 15

16 Aufbau einer Anweisung (2) Empfehlungen: Begriffe zentral zusammenfassen (nicht pro Anweisung) Die Vorgehensweise bzgl. der Verteilung sollte für kleinere Bäder einmal für sämtliche Dokumente festgelegt werden (nicht pro Anweisung) Der Abschnitt Beschreibung des Vorgangs sollte für sämtliche Anweisungen unterteilt werden, in - Organisatorische Maßnahmen - Durchführung - Dokumentation. 16

17 Aufbau einer Anweisung (3) Der Punkt Aufzeichnung und Überprüfung beruht auf Kap der DIN EN Es sind Audits / Wirksamkeitskontrollen zur Überwachung des Betriebsablaufs und zur Bewertung der Ergebnisse durchzuführen - An Hand der Bewertungen sind Maßnahmen zur Anpassung und Verbesserung der Organisation zu ergreifen. 17

18 Auszug: Aufbau einer Anweisung (4) 3 Zuständigkeit Tätigkeit Sicherstellen, dass die HBO eingehalten wird Erteilung eines vorläufigen Hausverbotes (Tages- oder Wochenendverbot) Entscheidung, ob dauerhaftes Hausverbot erteilt wird Zuständigkeit alle Mitarbeiter Ltd. Schwimmmeister, Schichtführer Abteilungsleiter Bäder in Abstimmung mit der Geschäftsführung 18

19 Verteilung des Betriebshandbuchs Wie hat die Verteilung von Anweisungen zu erfolgen: In Vorschriften sehr oft anzutreffen (u. a. DGUV R ): Die Betriebsanweisungen sind an geeigneter Stelle auszuhängen oder auszulegen. Abschnitt der DIN EN : Die Verfahrensanweisungen sind zu verteilen und das Personal ist zu schulen. 19

20 Verteilung durch das System Doc-Link Dokumente / Anweisungen vom Internetserver auf jedem Bildschirm mit Internetzugang abrufbar Auffinden der Dokumente über Suchbegriffe möglich Jeder Mitarbeiter kann, gezielt und schnell auf die Dokumente / Anweisungen zugreifen. 20

21 Laufende Aktualisierung Um Organisationssicherheit dauerhaft zu erhalten, ist eine laufende Aktualisierung einzuführen Die laufende Aktualisierung ist ein wichtiger Bestandteil der Organisation Es sind betriebsspezifische Änderungen und Änderungen in der Gesetzgebung zu berücksichtigen. 21

22 Umsetzung der Betriebshandbücher Um Organisationssicherheit zu erreichen und zu erhalten, muss das Betriebshandbuch im Unternehmen leben Die Umsetzung ist somit neben der laufenden Aktualisierung ein wichtiger Bestandteil der Organisation Die Umsetzung des Betriebshandbuches im Unternehmen ist nicht von heute auf morgen hergestellt; hierfür benötigt man einen längeren Zeitraum (1 bis 2 Jahre); anschließend ist die Umsetzung ein laufender Prozess. 22

23 Einzelne Schritte der Umsetzung (1) Mitarbeiter (Betriebsleiter, Ltd. Schwimmmeister) bereits bei der Erstellung des BHB mit einbinden Zweck und Ziel des BHB eindeutig darstellen, sodass das gängige Vorurteil (die Verantwortung wird an uns weitergegeben) beseitigt wird Vor in Kraft Setzung eine Einführung des BHB durchführen Anweisungen ggf. zusätzlich handlich bzw. als Auszug zur Verfügung stellen 23

24 Einzelne Schritte der Umsetzung (2) Das BHB bzw. einzelne Anweisungen immer wieder in Unterweisungen, in Dienstgesprächen einbeziehen Regelmäßige Wirksamkeitskontrollen (Audits) durchführen Im Rahmen der laufenden Aktualisierungen auch die betriebsspezifischen Veränderungen und gewonnene Erkenntnisse berücksichtigen. 24

25 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dagmar Meyer-Clasen Dipl.-Ingenieurin

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