Fachlehrerin/ Fachlehrer

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1 Fachlehrerin/ Fachlehrer k ein Buch mit sieben Siegeln Grundwissen zu den verschiedenen Fachlehrerarten in Baden-Württemberg Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg

2 Grundwissen zu den verschiedenen Fachlehrerarten in Baden-Württemberg Herausgeber Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg Silcherstr Stuttgart Tel (07 11) Fax (07 11) (Bestelladresse) Redaktion Margit Stolz-Vahle Gestaltung 2und3d-design, Bretten Druck: GO Druck, Media, Verlag, Kirchheim unter Teck Auflage: 2000 Stuttgart, August

3 Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, sieben verschiedene Fachlehrerarten gibt es in Baden-Württemberg und diese Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen zeichnen sich besonders durch zwei statusrechtliche Merkmale aus: 1.sie sind die Lehrergruppe mit dem höchsten Deputat 2.sie sind die Lehrergruppe mit der geringsten Besoldung bzw. Vergütung An den Schulen in Baden-Württemberg arbeiten: Ein-Fach-Lehrer/innen Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer Fachlehrer/innen an Sonderschulen und Schulkindergärten Technische Lehrer/innen an Sonderschulen Fachlehrer/innen an vorschulischen Einrichtungen (Grundschulförderklassen) Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Privatschulen Technische Lehrer/innen an Beruflichen Schulen (siehe extra Broschüre!) Die GEW tritt seit Jahren für die Gleichheit von Theorie und Praxis ein. Leider wird dies von der Landesregierung nicht so gesehen. Deshalb fordert die GEW Fachgruppe Fachlehrer/innen: Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen erhalten das Deputat der Schulart, an der sie unterrichten. Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen sollen nach A 10, A 11, A 12 besoldet bzw. entsprechend nach BAT IVb, IVa, III vergütet werden. Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen können sich in der Schulart, in der sie eingesetzt sind, auf Funktionsstellen (Schulleitung, stellv. Schulleitung) bewerben. Die Ausbildung der Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen an den Pädagogischen Fachseminaren muss eingestellt und in die allgemeine Lehrer/innenausbildung integriert werden. Diese Broschüre soll dazu dienen, die Gemeinsamkeiten und die Besonderheiten der verschiedenen Fachlehrerarten darzustellen und spezielle Dinge, die es nur bei Fachlehrer/innen bzw. Technischen Lehrer/innen gibt, aufzuzeigen. Rainer Dahlem Landesvorsitzender GEW-Baden-Württemberg Margit Stolz-Vahle Vorsitzende Landesfachgruppe Fachlehrer/innen GEW-Baden-Württemberg An der Erstellung der Broschüre haben dankenswerter Weise mitgearbeitet: Heike Biegert, Frieder Dangel, Mathias Dewald, Dieter Dietrich, Gertrud Miller, Christine Langner, Hans Rausch, Reinhard Retzlaff, Helmut Rueff, Cornelie Scheuble, Gabriele Schink-Stolz, Erwin Wutzke. 3

4 i Inhalt 1. Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen in Baden-Württemberg 1.1 Ein-Fach-Lehrer/innen 1.2 Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer 1.3 Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen 1. Fachlehrer/innen an vorschulischen Einrichtungen 1.5 Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Privatschulen 1.6 Technische Lehrer/innen an Beruflichen Schulen 1.7 Deputatsentwicklung 2. Ausbildung der Fachlehrer/in für musisch-technische Fächer 2.1 Warum wurde die Ausbildung eingerichtet? 2.2 Historischer Abriss 2.3 An welchen Ausbildungsstätten werden musisch-technische Fachlehrer/innen ausgebildet? 2. Welche Fächerkombinationen unterrichten musisch-technische Fachlehrer/innen? 2.5 Ausbildungsinhalte früher und heute 2.6 Prüfungsinhalte und -abläufe 2.7 Abschlussqualifikationen 3. Ausbildung der Fachlehrer/in und Technischen Lehrer/in an Sonderschulen 3.1 Entstehung der Schulen für Menschen mit geistiger Behinderung 3.2 Historischer Abriss 3.3 An welchen Ausbildungsstätten werden Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen ausgebildet? 3. Status während des Vorbereitungsdienstes (angestellt oder verbeamtet)? 3.5 Ausbildungs- und Prüfungsinhalte 3.6 Abschlussqualifikationen 3.7 Welche Fächer unterrichten Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen?. Arbeitsfeld Schulkindergarten.1 Sind Schulkindergärten eigenständige Einrichtungen?.2 Welches Personal ist am Schulkindergarten beschäftigt?.3 Welche räumliche Unterbringung ist gegeben?. Welche Arbeitsfelder gibt es am Schulkindergarten?.5 Wer leitet den Schulkindergarten? 5. Arbeitsfeld Grundschulförderklasse 5.1 Welches Personal ist an der Grundschulförderklasse beschäftigt und welche Ausbildung haben diese Beschäftigten? 5.2 Welche Arbeitsfelder gibt es in der Grundschulförderklasse? 5.3 Sind Grundschulförderklassen eigenständige Einrichtungen und wer leitet sie? 6. Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen im Angestelltenverhältnis 6.1 Warum gibt es angestellte und verbeamtete Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen? 6.2 Unterschied ERFÜLLER und NICHTERFÜLLER 6.3 Anerkennung sonderpädagogischer Zusatzausbildung bei der Eingruppierung von Nichterfüllern 6. Unterschied Angestellte - Beamte in der Praxis 6.. Unterschied Angestellte - Beamte in der Praxis

5 7. Einstellungsverfahren 7.1 Welche Formulare müssen ausgefüllt werden? 7.2 Was müssen alle Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen bei der Einstellung berücksichtigen? 7.3 Besonderheiten beim Einstellungsverfahren der Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen an Sonderschulen 7. Besonderheiten beim Einstellungsverfahren der musisch-technischen Fachlehrer/innen 7.5 Einstellung in den Privatschuldienst 7.6 Sonderverfahren bei der Lehrereinstellung 7.7 Keine Einstellung - was dann? 8. Beförderungen der Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen 8.1 Was regelt die Landeslaufbahnverordnung und das Landesbesoldungsgesetz? 8.2 Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Stellen und Haushalt? 8.3 Was ist ein Beförderungsprogramm? 8. Beurteilungsverfahren für die Regelbeförderung 8.5 Wie bewerbe ich mich auf eine Funktionsstelle (Fachoberlehrer/in als Fachbetreuer/in) 8.6 Höhergruppierung bei angestellten Fachlehrer/innen 8.7 Wie wird der Beförderungsjahrgang berechnet? 8.8 Wie sind Personalräte bei der Beförderung / Höhergruppierung zu beteiligen? 9. Weiterqualifizierungsmöglichkeiten 9.1 Studienmöglichkeiten 9.2 Lehrbeauftragte an den Fachseminaren 9.3 Schulleitungsaufgaben 9. Leitungsfunktion an Schulkindergärten 10. Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Privatschulen 10.1 Beförderungen im Privatschulbereich 10.2 Probezeitbeurteilung 10.3 Mitarbeitervertretung und gewerkschaftliche Vertretung 11. Was ich immer schon wissen wollte? 11.1 Begriffe, die Angestellte und Beamte kennen sollten 11.2 Was muss beim Wechsel vom Angestellten- ins Beamtenverhältnis berücksichtigt werden? 11.3 Warum ist das Ende der Probezeit bei Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen von ganz entscheidender Bedeutung? 11. Wie können sich Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen in ein anderes Bundesland versetzen lassen? 11.5 Warum erhalten Technische Lehrer/innen als Eingangsamt A 10 / BAT IVb 11.6 Achtung Versorgungslücke! Anhang Adressverzeichnis Abkürzungsverzeichnis

6 1 Kapitel 1: Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg In Baden-Württemberg arbeiten Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen im Beamtenverhältnis oder als angestellte Lehrkräfte in folgenden Bereichen: Ein-Fach-Lehrer/innen für Sport/Gymnastik, Musik und Steno-Masch (Informatik) an allgemein bildenden und Beruflichen Schulen Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer an allgemein bildenden und Beruflichen Schulen Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Schulen für Geistig- und Körperbehinderte (mit und ohne Vorbereitungsdienst in Reutlingen oder Karlsruhe) Fachlehrer/innen an Schulkindergärten (mit und ohne Vorbereitungsdienst in Reutlingen oder Karlsruhe) Fachlehrer/innen an Grundschulförderklassen Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Heimsonderschulen (mit und ohne Vorbereitungsdienst in Reutlingen oder Karlsruhe) Technische Lehrer/innen an Beruflichen Schulen Anzahl der Fachlehrer/innen / Technischen Lehrer/innen im Angestellten- und Beamtenverhältnis Schulart Fachlehrer/innen Beamte Fachlehrer/innen Angest. Techn. Lehrer/innen Beamte Techn. Lehrer/innen Angest. A11+AZ A11 A10 A9 BAT IVa, IVb, Vb A12 A11 A10 BAT IVa, IVb, GH SoS HSoS RS Gym BS Gesamt * 289 ** Stand: Staatshaushaltsplan 2006; * inkl. Grundschulförderklassen; ** inkl. Schulkindergärten Einige Gruppen sollen im Folgenden näher erläutert werden: 1.1 Ein-Fach-Lehrer/innen Ein-Fach-Lehrer/innen für (Gymnastik) Sport werden an staatlich anerkannten Berufsfachschulen wie Kiedaisch oder Glucker in einer 2 1/2-jährigen fachbezogenen Ausbildung auf ihre Unterrichtstätigkeit und den Einsatz in allen Schularten ausgebildet. Die ersten Lehrkräfte dieser Art sind Anfang der 70er Jahre als Sport und Gymnastiklehrkräfte an baden-württembergische Schulen gekommen. Ein-Fach-Lehrkräfte arbeiten grundsätzlich nur im Angestelltenverhältnis, da sie über keine Laufbahnprüfung verfügen. Einige Ein-Fach-Lehrkräfte haben ab 1982 noch eine Zusatzausbildung in Hauswirtschaft/Textilem Werken absolviert, die in Form von Lehrgängen an den Fachseminaren in Kirchheim, Schwäbisch Gmünd und Karlsruhe angeboten wurden. Diese Zusatzausbildung wurde auf intensiven Druck des GEW Fachgruppenausschusses Fachlehrer/innen installiert. Nach dieser Weiterqualifizierung erfolgte bedauerlicherweise keine Überleitung in die allgemeine Laufbahn der m.t.fachlehrer/innen, sondern lediglich ein weiterer Bewährungsaufstieg im Rahmen der Vergütungsrichtlinien. Deputat Vergütung 28 Stunden Eingangsamt BAT Vc Höhergruppierung nach BAT Vb nach 1/2 Jahr Tätigkeit in der Schule Höhergruppierung nach BAT IVb nur nach 1 jähriger Zusatzausbildung in einem zweiten Fach 6

7 1 1.2 Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer an Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Sonderschulen (i.d.r. Förderschulen), Beruflichen Schulen und in der Mittelstufe der Gymnasien Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer werden an Pädagogischen Fachseminaren in einer zweijährigen fachbezogenen Ausbildung auf ihre Unterrichtstätigkeit und den Einsatz an den oben genannten Schularten vorbereitet. Baden-Württemberg leistet sich damit als einziges Bundesland noch den Anachronismus der Fachlehrer/innenausbildung und somit drei unterschiedliche Lehrerausbildungen (Fachseminare, Pädagogische Hochschulen, Universitäten). Mit der Einführung von Wirtschaftslehre/Informatik als Bestandteil der Fachlehrer/innenausbildung wurde der Fächerkanon auf folgende Fächer erweitert: Wirtschaftslehre/Informatik, Sport, Musik, Technik, Bildende Kunst, Hauswirtschaft/Textiles Werken. Im Zuge der Einführung der neuen Bildungspläne zum Schuljahr 200/2005 ist der Einsatz der musischtechnischer Fachlehrer/innen im Rahmen der Fächerverbünde bei Drucklegung dieser Broschüre noch nicht geklärt. Das Ministerium beabsichtigt qualifizierte Fortbildungsmaßnahmen anzubieten. Aktuell unterrichten musisch-technische Fachlehrer/innen mit Ausbildung in 2 bzw. 3 Fächern an den badenwürttembergischen Schulen mit folgenden Rahmenbedingungen: Deputat Besoldung/ Vergütung 28 Stunden Eingangsamt A 9 / BAT Vb Beförderungsamt A 10 / BAT IVb Beförderungsamt A 11 / BAT IVa Funktionsstelle Fachbetreuer/in A 11+Amtszulage / BAT IVa 1.3 Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen Die Dienstbezeichnung Fachlehrer/in führt an den Schulen für Geistig- und Körperbehinderte und entsprechenden Abteilungen anderer Sonderschultypen immer wieder zu Missverständnissen, da diese Kolleginnen und Kollegen keinen reinen Fachunterricht erteilen, sondern die Schülerinnen und Schüler in allen Bereichen der Bildungspläne unterrichten. Sie sind überwiegend als Klassenlehrer/in eingesetzt und erteilen ganzheitlichen Unterricht. An Schulen für Geistigbehinderte und entsprechenden Abteilungen anderer Sonderschultypen werden staatlich anerkannte Erzieher/innen bzw. Meister/innen oder Techniker/innen nur dann auf Dauer eingestellt, wenn sie die Ausbildung und Prüfung für die Laufbahn der Fachlehrer/in bzw. der Technischen Lehrer/in an Sonderschulen nachweisen können. Die Beschäftigung erfolgt in der Regel im Beamtenverhältnis. Nachrangig können bei der Einstellung auch staatlich anerkannte Erzieher/innen mit einer anderen mindestens einjährigen anerkannten sonderpädagogischen Zusatzausbildung (z.b. staatlich anerkannte Heilpädagogen) berücksichtigt werden. Die Beschäftigung erfolgt in diesem Fall im Angestelltenverhältnis. An Schulen für Körperbehinderte werden für den Unterrichtsbereich Bewegungsförderung grundsätzlich Fachlehrer/innen mit Schwerpunkt Körperbehindertenpädagogik eingestellt. Diese Fachlehrer/innen K sind von der Grundausbildung her Physiotherapeut/innen oder Ergotherapeut/innen. Sofern keine ausgebildeten Bewerber/innen zur Verfügung stehen, können Physiotherapeut/innen und Ergo-und Arbeitstherapeut/innen vorübergehend im Angestelltenverhältnis beschäftigt werden. Der Arbeitsvertrag enthält eine auflösende Bedingung, wonach das Arbeitsverhältnis endet, wenn die Lehrkraft zu dem festgelegten Termin den Vorbereitungsdienst für die Laufbahn des Fachlehrers an Schulen für Körperbehinderte nicht antritt. Die Schule für Körperbehinderte setzt sich aus verschiedenen Abteilungen zusammen, von der Abteilung Mehrfachbehinderte bis zu Realschule und Gymnasium. Die Fachlehrer/innen arbeiten an den Schulen für Körperbehinderte oft nicht nur mit Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung. Sie werden auch in der Gruppe der allgemein bildenden Schüler/innen eingesetzt. Die Fachlehrer/innen mit Schwerpunkt Geistigbehindertenpädagogik werden lediglich bei diesem Klientel eingesetzt. Technische Lehrer/innen an Schulen für Geistig- und Körperbehinderte werden, obwohl sie für alle Schulstufen ausgebildet sind, in der Regel schwerpunktmäßig in der Werkstufe eingesetzt. 7

8 1 Deputat Besoldung/ Vergütung Fachlehrer/innen: 31 Unterrichtsstunden Eingangsamt A 9 / BAT Vb 1. Beförderungsamt A 10 / BAT IVb 2. Beförderungsamt A 11 / BAT IVa Funktionsstelle: Stufenleiter/in A 11+Amtszulage/BAT IVa Techn. Lehrer/innen: 31 Unterrichtsstunden Eingangsamt A 10 / BAT IVb 1. Beförderungsamt A 11 / BAT IVa Funktionsstelle: Stufenleiter/in A 12 / BAT III 1. Fachlehrer/innen an vorschulischen Einrichtungen (Schulkindergärten, Grundschulförderklassen) An den öffentlichen und privaten Schulkindergärten für behinderte Kinder arbeiten Fachlehrer/innen im Angestellten- und Beamtenverhältnis. Ausbildung und Aufgabenfelder entsprechen denen der Fachlehrer/innen an der Schule für Geistigbehinderte und den entsprechenden Abteilungen anderer Sonderschultypen. Die Funktionsstelle Fachbetreuer/in gibt es rein formal an Schulkindergärten nicht. Lediglich über den Weg der Abordnung können Kolleg/innen diese Funktionsstelle auch an den Schulkindergärten ausüben. Hier empfiehlt sich dringend eine Beratung durch die GEW-Personalräte. Deputat sowie Besoldung und Vergütung ist wie bei den Fachlehrer/innen (1.3) geregelt. In Grundschulförderklassen arbeiten Fachlehrer/innen im Angestellten- und Beamtenverhältnis. Diese Fachlehrer/innen können unterschiedlich ausgebildet sein und zwar als Sozialpädagog/innen, Erzieher/innen und Fachlehrer/innen für vorschulische Einrichtungen. Deputat Besoldung/ Vergütung Fachlehrer/innen an Grundschulförderklassen: 28 Unterrichtsstunden Grundberuf Sozialpädagog/innen (BAT IVb); Grundberuf Erzieher/innen (BAT Vc, Vb) Grundberuf Fachlehrer/innen für den Vorschulbereich (A 10, A 11) 1.5 Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Privatschulen In der Regel orientieren sich die privaten Sonderschulen in Besoldung und Deputat an den Rahmenbedingungen der öffentlichen Schulen. Bei Unklarheiten, z.b. beim Abschluss eines Arbeitsvertrages sollten sich GEW- Mitglieder vor Unterschrift bei den zuständigen GEW-Bezirksgeschäftsstellen beraten lassen. Infos zur Beförderung von Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen an privaten Schule siehe Kapitel Technische Lehrer/innen an Beruflichen Schulen Für diese Lehrergruppe gibt es innerhalb der GEW Baden-Württemberg einen eigenen Arbeitskreis und separates Informationsmaterial. Kontaktadresse: Deputat Besoldung/ Vergütung Reinhold Schröder Ziegelhüttengasse St. Johann-Würtingen Tel (07122) 9080 Fax (07122) Technische Lehrer/innen an beruflichen Schulen: 27 Std. kaufmännische und hauswirtschaftliche Fachrichtung; 28 Std. gewerbliche und landwirtschaftliche Fachrichtung Eingangsamt A 10 / BAT IVb 1. Beförderungsamt A 11 / BAT IVa Funktionsstelle: Fachbetreuer/in A 12 / BAT III 1.7 Deputatsentwicklung Nur durch die kontinuierliche Arbeit und die ständigen Forderungen der GEW konnte erreicht werden, dass das Deputat der Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen sukzessive gesenkt wurde. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Entwicklung: 8 FL'innen und TL'innen im Sonderschulbereich bis Unterrichtsstunden (in Einzelfällen) Unterrichtsstunden Unterrichtsstunden Unterrichtsstunden Unterrichtsstunden musisch-technische FL'innen 29 Unterrichtsstunden 28 Unterrichtsstunden

9 Kapitel 2: Ausbildung der Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer Warum wurde die Ausbildung eingerichtet? Als eine dringend notwendige Maßnahme gegen den Lehrermangel der 60er Jahre, insbesondere in den musisch-technischen Fächern, wurde die Fachlehrerausbildung erstmals im Schuljahr 1963/6 eingeführt. Neben den bestehenden Lehrerausbildungen an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten wurde die Ausbildung für musisch-technische Fachlehrer/innen ins Leben gerufen (nähere Informationen siehe Strukturmodell für die Lehrerbildung und Lehrerweiterbildung vom 27. Juli Landtagsbeilage 321). Vorgesehen war diese Ausbildung zunächst für die Dauer von fünf Jahren. Bedingungen für die Zulassung waren neben der Mittleren Reife, eine qualifizierte Berufsausbildung sowie eine mindestens einjährige Bewährung in der Berufs- und Arbeitswelt. 2.2 Historischer Abriss Im Jahre 1963 startete in Stuttgart der sogenannte 1. Goldene Plan" zur Ausbildung von Sportlehrer/innen für Schule und Verein. Diese Lehrkräfte arbeiteten mit 2/3 ihres Deputats an der Schule und mit 1/3 Deputat in einem Sportverein. In einjährigen Lehrgängen an den Sport- und Jugendleiterschulen des Landes wurden Lehrer/innen für das Fach Leibesübungen ausgebildet, die in allen Schularten begehrte Lehrkräfte wurden. Sie wurden in die Vergütungsgruppe BAT Vc mit Aufstieg nach BAT Vb eingruppiert. Parallel zu der o.g. Ausbildung wurde in den Jahren 1963/6 die etwas breiter gefächerte zweijährige Ausbildung der Fachlehrer/innen für zwei musisch-technische Fächer, aus dem Fächerkanon Werken, Musik, Textiles Werken, Kunsterziehung und Sport, auf den Weg gebracht. Bis zum Jahr 1968 vollzog sich diese Fachlehrerausbildung in Form von Lehrgängen (Vollzeitausbildung mit Ferien, wie an den Schulen) an Staatlichen Instituten. Die Übernahme in den Schuldienst erfolgte im Angestelltenverhältnis (BAT Vc mit Aufstieg nach BAT Vb). Ab 1968 wurde die Fachlehrerausbildung institutionalisiert und das Pädagogische Fachinstitut (PFI) und das Pädagogische Fachseminar (PFS) etabliert. Aufnahmebedingung für das Pädagogische Fachinstitut (PFI) war ein erfolgreicher Realschulabschluss und das Bestehen einer Eignungsprüfung. Die erfolgreich abgeschlossene PFI-Ausbildung gestattete den Übertritt in die Ausbildung am PFS. An das Pädagogische Fachseminar (PFS) gelangte, wer einen Realschulabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem ausbildungsgünstigen Beruf, mindestens 1 Jahr Berufsbewährung und das Bestehen der Eignungsprüfung nachweisen konnte. Die Ausbildung erfolgte ebenfalls in Vollzeitausbildung in Form eines zweijährigen Vorbereitungsdienstes und im Status eines Beamten auf Widerruf. Das erfolgreiche Bestehen der 1. Laufbahnprüfung nach dem 1. Ausbildungsjahr und der 2. Laufbahnprüfung zum Ende des Vorbereitungsdienstes führte zur Befähigung für die Laufbahn des Fachlehrers für musischtechnische Fächer". Die Übernahme in den Schuldienst erfolgte ab 1970 im Beamtenverhältnis in die Besoldungsgruppe A 9 mit vorgesehener Regelbeförderung nach A 10. Die vorher ausgebildeten Fachlehrer/innen wurden als sogenannte andere Bewerber (gemäß LVO) und einem Überprüfungsverfahren den Neuen gleichgestellt. Voraussetzung war allerdings das Ableisten einer Zusatzausbildung, für die nur eine begrenzte Anzahl von Kursen angeboten wurden. Bis 1977 wurden Fachlehrer/innen laut Erlass des Kultusministeriums nur entsprechend ihrem tatsächlichen Bedarf ausgebildet. Absolvent/innen der Pädagogischen Fachseminare (Schwäbisch Gmünd, Kirchheim und Karlsruhe) unterlagen ab 1977 den gleichen Einstellungsbedingungen wie die Bewerber/innen für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen (Zwangsteilzeitbeschäftigung und hohe Abweisungsquoten). Nach der Übernahme in ein volles Beamtenverhältnis richtete sich die Besoldung analog dem LBesG nach A 9 / A 10 / A 11 / A 11+Amtszulage und den dazu gehörenden Mindestwartezeiten für die Beförderung. Diese Rahmenbedingungen wurden wesentlich von der Fachgruppe Fachlehrer, der GEW Baden-Württemberg und dem Landesbezirk des DGB Baden-Württemberg beeinflusst. Es gelang, den vorgesehenen Regierungs- 9

10 2 entwurf (verschlechterte Fortschreibung der bisherigen Laufbahn- und Besoldungsbestimmungen) zu verbessern. Vorgesehen waren lediglich die Laufbahnen A 9, A 10 und A 11. Die Stufe A 11+Amtszulage wurde an Stelle der GEW Forderung nach A 12 im Kompromiss vereinbart. 2.3 An welchen Ausbildungsstätten werden musisch-technische Fachlehrer/innen ausgebildet? Von den verschiedenen Ausbildungsstätten sind bis 2005 folgende Fachseminare als Ausbildungsstandorte erhalten geblieben: Karlsruhe, Schwäbisch Gmünd und Kirchheim/Teck. Adresse Ausbildungsplätze pro Jahr Kirchheim Pädagogisches Fachseminar Alleenstr Kirchheim/Teck Tel (07021) Fax (07021) Karlsruhe Pädagogisches Fachseminar Griesbachstr Karlsruhe Tel (0721) Schwäb. Gmünd Pädagogisches Fachseminar Oberbettringer Str Schwäbisch Gmünd Tel (07171) Fax (07171) Welche Fächerkombinationen unterrichten musisch-technische Fachlehrer/innen? Von konnten an den Fachseminaren für musisch-technische Fächer aus folgenden Fächerkombinationen 2 Fächer gewählt werden: Sport (SP) - Technik (TE) - Bildende Kunst (BK) - Musik (MU) ausschließlich für männliche Bewerber, Sport (SP) - Textiles Werken (TW) -Bildende Kunst (BK) -Musik (MU) ausschließlich für weibliche Bewerberinnen. Später kam Hauswirtschaft/Textiles Werken (HTW) dazu, da bei Textilem Werken (TW) eigentlich nur der Einsatz an Grundschulen möglich war. Mit der Einführung von Wirtschaftslehre/Informatik (Wi/Inf) als Bestandteil der Fachlehrer/innen-Ausbildung wurde der Fächerkanon 1997 von zwei auf drei Fächern angehoben und war bis 200 in folgenden Kombinationen an den einzelnen Seminaren wählbar: Kirchheim SP - Hausw. - TW SP - TE - Wi/Inf SP - BK - TW SP - MU - TW SP - TE - BK BK - TE - Wi/Inf MU - TE - Wi/Inf Kirchheim SP - HTW - BK SP - HTW - MU SP - HTW - Wi/Inf SP - TE - Wi/Inf SP - TE - BK SP - TE - MU HTW - MU - BK BK - TE - Wi/Inf MU - TE - Wi/Inf (ab 2003) Karlsruhe SP - Hausw. - TW SP - BK - TW SP - MU - TW SP - TE - Wi/Inf Karlsruhe SP - HTW - Wi/Inf SP - HTW - BK SP - TE - Wi/Inf SP - TE - BK SP - TE - MU HTW - MU - BK Schwäbisch Gmünd SP - TE - Wi/Inf SP - BK - Wi/Inf Schwäbisch Gmünd SP - HTW - BK SP - HTW - Wi/Inf SP - TE - BK SP - TE - Wi/Inf 10

11 2005 wurden die Fächerkombinationen erneut überarbeitet und stellen sich derzeit wie folgt dar: 2 SP - HTW - Wi/Inf SP - TE - Wi/Inf SP - BK - HTW SP - TE - BK SP - HTW - MU SP - TE - MU TE - BK - Wi/Inf TE - MU - Wi/Inf HTW - MU - BK Die oben genannten Fächerkombinationen sind nicht in allen Ausbildungsstätten wählbar. Genauere Infos gibt es auf den Internetseiten der Fachseminare. 2.5 Ausbildungsinhalte früher und heute Die Ausbildung zum Fachlehrer bzw. zur Fachlehrerin für musisch-technische Fächer sollte dazu befähigen, erfolgreich und verantwortlich den Erziehungs- und Bildungsauftrag an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie an der Unter- und Mittelstufe der Gymnasien und der Beruflichen Schule wahrzunehmen. Sie vermittelte hierfür die erforderlichen pädagogischen, fachlichen, fachpraktischen und didaktischen Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten. Gemäß der aktuellen Ausbildungs- und Prüfungsordnung und den Grundlagen für die Ausbildung und Prüfung von Fachlehrerinnen und Fachlehrer vom Januar 2005 sollen die neuen Absolvent/innen der Fachseminare lediglich an Grund-, Haupt- und Werkrealschulen eingesetzt werden. Die Realität bei der jährlichen Lehrereinstellung stellt sich jedoch anders dar. Immer noch werden, auf Grund des Bedarfs, auch Fachlehrer/innen an den Realschulen eingestellt. 2.6 Prüfungsinhalte und -abläufe Die Laufbahnprüfung für musisch-technische Fachlehrer/innen wird z. T. schon während der Ausbildung abgehalten. Die Prüfung ist in vier Teile gegliedert: 1. Eine schriftliche Prüfung in Pädagogik und dem jeweils dritten Fach der gewählten Fächerverbindung. 2. Die mündliche Prüfung bezieht sich auf päd. Psychologie, Fachtheorie, Didaktik und Methodik, Schulund Beamtenrecht. 3. Die fachpraktische Prüfung erfolgt in den jeweils gewählten Fächern: Technik, Hauswirtschaft, Sport, Musik, Bildende Kunst.. In jedem der Ausbildungsfächer ist eine Prüfungslehrprobe abzulegen. Ausführliche Informationen enthält die aktuelle Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APrOFL), die über die Fachseminare erhältlich ist. 2.7 Abschlussqualifikationen Mit Bestehen der Prüfung wird die Befähigung für die Laufbahn des Fachlehrers für musisch-technische Fächer und die Lehrbefähigung in den Ausbildungsfächern erworben. Fachlehrer/innen für musisch-technische Fächer erwerben keine Lehrbefähigung für eine Schulart, wie es bei den wissenschaftlich ausgebildeten Kolleg/innen der Fall ist, sondern sind dafür ausgebildet, ihre gelernten Fächer zu unterrichten. Dies ist entscheidend für den Einsatz der Fachlehrer/innen im Rahmen der Fächerverbünde nach den Bildungsplänen. Wer die Prüfung bestanden hat, ist berechtigt die Berufsbezeichnung Staatlich geprüfte/r Fachlehrer/in für musisch-technische Fächer zu führen und erwirbt gleichzeitig die fachgebundene Hochschulreife, die zum Studium des Lehramts an Grund- und Hauptschulen an einer Pädagogischen Hochschule berechtigt (siehe dazu auch Kapitel 9). 11

12 3 Kapitel 3: Ausbildung der Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen an Sonderschulen 3.1 Entstehung der Schulen für Menschen mit geistiger Behinderung. Zwischen 1933 und 195 hat das NS-Regime durch sehr viele Maßnahmen und Programme dafür gesorgt, dass lebensunwertes Leben, das der Volksgesundheit nicht förderlich zu sein schien, aus dem täglichen Leben und dem Bewusstsein der Bevölkerung eliminiert wurde. Einige Einrichtungen, vor allem in kirchlicher Trägerschaft, aber auch viele Einzelpersonen, konnten dieser Entwicklung unter großer Gefahr ein kleines Gegengewicht setzen. Viele dieser kirchlichen Einrichtungen nahmen nach Kriegsende ihre Arbeit unter der Maßgabe der Barmherzigkeit wieder auf bzw. setzten sie fort. Mit dem Abflauen der ersten Wirtschaftswundereuphorie zu Beginn der Sechziger Jahre wurde auch in der breiten Öffentlichkeit das Problem der Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung akut. Es gab Menschen mit geistiger Behinderung, und es sollte etwas zu ihrer Förderung und zur Entlastung ihrer Familien getan werden. Es bildeten sich Elterninitiativen, die wiederum Verbände und Vereine gründeten. Aus diesen gingen später größere Vereinigungen hervor, wie z.b. die Bundesvereinigung Lebenshilfe. Der Staat sah damals auf diesem Gebiet noch keinen Handlungsbedarf, so dass die oben genannten Privatinitiativen eigene Einrichtungen bildeten, ähnlich einem Kinderhort. Hieraus entstanden auf einem langen Weg zunächst staatlich anerkannte Privatschulen, dann staatliche Schulen. Bald erkannte auch der Staat, dass hier etwas geregelt werden müsse, weil zusätzlich zu den freiwillig, meist nebenberuflich stundenweise tätigen Hilfsschullehrern auch andere Personen, meist Kindergärtnerinnen, mit der Bildung und Erziehung der bildungsschwachen Kinder befasst waren und die Ansprüche an die Einrichtungen gewachsen waren. Die Sonderschule für Bildungsschwache wurde am 5. Mai 196 in das bestehende baden-württembergische Schulsystem eingegliedert und für die nicht akademisch vorgebildeten Lehrkräfte wurde der Begriff Erzieherin mit überwiegender Lehrtätigkeit (ErzmüL) kreiert. Das Deputat dieser Lehrkräfte wurde auf 3 Unterrichtsstunden festgelegt, mit der Begründung, dass nicht nur Unterricht, sondern auch viele Tätigkeiten im Bereich der Betreuung, zu leisten seien. Laufbahnen mussten für diese neue Lehrergruppe geschaffen werden, um sie in das bestehende Gefüge einordnen zu können, außerdem war offensichtlich, dass viele ErzmüL mit der neuen Aufgabe nicht so ganz vertraut waren. Es wurde eine Fortbildungsmöglichkeit eingerichtet. 3.2 Historischer Abriss Von 1966 bis 1970 wurden sechswöchige Lehrgänge in Stetten/Remstal abgehalten. Ab 1970 gab es in den Räumen der Pädagogischen Hochschule Reutlingen halbjährige Lehrgänge zur sonderpädagogischen Fortbildung von Erzieher/innen und Meistern. Die heutigen Technischen Lehrer/innen an Sonderschulen durften hier das Licht der laufbahnrelevanten Welt erblicken. Für den Bereich der Schulen für geistig- und körperbehinderte Kinder und Jugendliche wurde 197 als Ausbildungsstätte für staatlich anerkannte Erzieher/innen, Techniker und Meister das Fachseminar für Sonderpädagogik in Reutlingen errichtet. Dort erwarb man zunächst über einen halbjährigen Vorbereitungsdienst die Befähigung für die Laufbahn des Fachlehrers bzw. des Technischen Lehrers an Schulen für Geistigbehinderte". Das Fachseminar war räumlich der Pädagogischen Hochschule angegliedert wurde der Vorbereitungsdienst auf 1 Jahr erweitert. Eine der Zulassungsvoraussetzungen war zu dieser Zeit eine vorherige Tätigkeit an einer Sonderschule für Bildungsschwache von mindestens 12 Monaten. Nachdem sich auch an Schulen für Körperbehinderte ein deutlicher Bedarf an Fortbildung der Fachkräfte für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche zeigte, wurde 1977 die Zugangsvoraussetzung auf Physiotherapeuten/innen und Ergotherapeuten/innen ausgedehnt. 12

13 Die gestiegenen Anforderungen bezüglich der Ausbildungsinhalte führte dazu, dass ab 1980 der Vorbereitungsdienst auf 11/2 Jahre ausgedehnt wurde. Die Entwicklung der praxisorientierten Inhalte ging dabei immer weiter. Unter anderem kann seit 1986 auch die kirchliche Lehrerlaubnis zum Religionsunterricht (ev., kath.) im Rahmen der Ausbildung erworben werden, und ab 1989 wurde die Ausbildung der Fachlehrer/innen an Schulen für Körperbehinderte neu strukturiert, um den besonderen Anforderungen auf diesem Gebiet gerecht zu werden wurde das Fachseminar von der Pädagogischen Hochschule Reutlingen ausgegliedert und musste in einer ehemaligen Strickwarenfabrik unter schwierigeren Voraussetzungen seine Ausbildung weiterführen (keine Bibliothek, keine Cafeteria, keine Mensa, etc.). Die Ausbildung der Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen an Sonderschulen wurde 1995 neu strukturiert. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch die Abteilung Sonderpädagogik am Pädagogischen Fachseminar in Karlsruhe aus der Taufe gehoben. Ab diesem Zeitpunkt entfiel als Zulassungskriterium die bisher notwendige vorherige Tätigkeit im Sonderschulbereich und sogenannten Außenbewerber/innen konnten sich für diesen Ausbildungsgang bewerben. 3.3 An welchen Ausbildungsstätten werden Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen ausgebildet? Die Seminarausbildung findet am Fachseminar für Sonderpädagogik in Reutlingen und am Pädagogischen Fachseminar Abteilung Sonderschulen in Karlsruhe statt. Dezentrale Standorte, u.a. Heilbronn und Stegen kamen dazu. Kontaktadressen Fachseminar Reutlingen Sondelfinger Str Reutlingen Tel (07121) Fax (07121) Pädagogisches Fachseminar Abt. Sonderpädagogik Griesbachstrasse Karlsruhe Tel (0721) Fax (0721) Jedes Jahr beginnt am 1. Februar an den Fachseminaren für Sonderpädagogik in Reutlingen und Karlsruhe ein neuer Vorbereitungsdienst. Voraussetzungen für eine Bewerbung: Realschulabschluss, Fachschulreife oder ein gleichwertiger Bildungsstand und Prüfung als staatlich anerkannte/r Erzieherin /Erzieher oder Befähigung als Physiotherapeut/in, Ergotherapeut/in oder Meisterprüfung, gleichwertige Prüfung oder Befähigung als Arbeitserzieher/in und gesundheitliche Eignung Für den Vorbereitungsdienst an den Fachseminaren für Sonderpädagogik in Reutlingen oder Karlsruhe können sich die o.g. Bewerbergruppen melden, die aus verschiedenen Arbeitsverhältnissen kommen: 1. mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag oder einem sogenannten Reutlinger Vertrag (Vertrag mit Verpflichtung zum Besuch des Fachseminars) an einer Schule /einem Schulkindergarten für Geistig- oder Körperbehinderte 2. mit einem befristeten Arbeitsvertrag an einer Schule /einem Schulkindergarten für Geistig- oder Körperbehinderte 3. aus dem Privatschuldienst. Personen, die bisher auf dem freien Arbeitsmarkt beschäftigt waren und die o.g. Zugangsvoraussetzungen erfüllen 13

14 3 Aus einer großen Anzahl von Bewerbungen (für den Vorbereitungsdienst 2006 lagen 70 Bewerbungen vor) werden ca Ausbildungsteilnehmer/innen ausgewählt. Sowohl bei der Festlegung der Quoten für die einzelnen Bewerbergruppen, als auch bei der Auswahl der Bewerber/innen ist der Hauptpersonalrat für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen beim Kultusministerium beteiligt. Betroffene Kolleg/innen können den Hauptpersonalrat um Unterstützung bitten. Für die Zulassung zum Vorbereitungsdienst ist eine Zulassungsziffer bzw. eine Messzahl von entscheidender Bedeutung. Bei der Bewerbergruppe 1 und 3 berechnet sich die Messzahl (je höher umso besser) wie folgt: Lebensalter Tätigkeitsdauer x 3 Zahl der erfolglosen Bewerbungen (je 3 Punkte) Bei der Bewerbergruppe 2 und berechnet sich die Zulassungsziffer (je niedriger umso besser) wie folgt: Abschlussnote der vorherigen Ausbildung mal 100 Abzug von 50-Bonuspunkten bei einer mindestens 6 monatigen Tätigkeit an einer Sonderschule oder einem Schulkindergarten oder Abzug von 75-Bonuspunkten, bei einer Tätigkeit von mehr als 2 Jahren in den vergangenen 5 Jahren an Sonderschulen oder Schulkindergärten und Abzug von 25-Bonuspunkten für jede von der Behörde abgelehnte Bewerbung, die ununterbrochen und form- und fristgerecht gestellt wurde 3. Status während des Vorbereitungsdienstes (angestellt oder verbeamtet)? Die Lehreranwärter/innen haben die Möglichkeit den Vorbereitungsdienst als Beamter/Beamtin auf Widerruf oder in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis, d.h im Angestelltenverhältnis zu absolvieren. Folgende Aspekte müssen bei der Entscheidung berücksichtigt werden: Die Wahl besteht auch, wenn bei Eintritt in die Ausbildung schon klar ist, dass der/die Bewerber/in nach dem Vorbereitungsdienst z.b. auf Grund des Alters nicht mehr verbeamtet werden kann! Das Bruttoeinkommen ist für beide Varianten gleich. Im Beamtenverhältnis entstehen Abgaben durch die individuelle Steuer und die Krankenversicherung. Bei Angestellten werden neben der individuellen Steuer sämtliche Sozialversicherungsleistungen abgezogen (Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung, Krankenversicherung). Somit liegt das Beamteneinkommen netto wesentlich höher (bis ca. 100 ) und muss mit der Belastung durch die private Krankenversicherung (oder freiwillige Weiterversicherung bei der gesetzlichen Krankenversicherung ) gegen gerechnet werden. Eine Verbeamtung nach dem Vorbereitungsdienst ist auch möglich, wenn dieser im Angestelltenverhältnis absolviert wurde, sofern das 5 Lebensjahr noch nicht vollendet ist. Wer nach dem Vorbereitungsdienst im Beamtenverhältnis anschließend im Schuldienst nicht verbeamtet wird, wird bei der Deutschen Rentenversicherung nachversichert. Lediglich die Zusatzversorgung entfällt für diese Zeit. Bezüglich einer gesetzlichen bzw. privaten Krankenversicherung während des Vorbereitungsdienstes muss eine individuelle Abwägung vorgenommen werden (Ausbildungstarif entfällt nach dem 35. Lebensjahr, Anzahl der Kinder, Familienversicherung über den Mann/die Frau bei den Kindern). Hier muss sinnvollerweise ein Versicherungsmakler zu Rate gezogen werden. Wird der Vorbereitungsdienst im Beamtenverhältnis absolviert, kann auch eine freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse in Betracht gezogen werden (nach Kosten erkundigen). Bezüglich der Arbeitslosenversicherung ist folgendes zu beachten: Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht nach derzeitiger Rechtslage (2006), wenn innerhalb einer Rahmenfrist von 2 Monaten vor der Arbeitslosigkeit 360 Tage beitragspflichtige Zeiten nachgewiesen werden können. Wer seinen Vorbereitungsdienst im Angestelltenverhältnis absolviert, unterliegt weiterhin der Versicherungspflicht. Wer ins Beamtenverhältnis wechselt und nach dem Vorbereitungsdienst arbeitslos wird, hat keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Unbedingt vorher diese Regelung beim Arbeitsamt abklären. 1

15 Insgesamt muss also eine individuelle Beurteilung vorgenommen werden, wobei das Ergebnis in der Regel davon abhängt, ob das Mehr an Nettoeinkommen als Beamtin das Mehr an Kosten für die private Krankenversicherung ausgleicht und wie die Chance der Arbeitslosigkeit nach dem Vorbereitungsdienst eingestuft wird. 3 Eine individuelle Beratung bei den GEW Bezirksgeschäftsstellen ist in jedem Fall empfehlenswert! 3.5 Ausbildungs- und Prüfungsinhalte In der Vergangenheit, wie auch heute, werden die Ausbildungsinhalte an den Fachseminaren für Sonderpädagogik ständig den aktuellen Erfordernissen angepasst. Zwischen den Ausbildungsinhalten und den zeitlichen Anteilen der Ausbildungsgänge G und K bestehen einige Unterschiede, die hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden können. Über die Homepage der Fachseminare können detaillierte Informationen angefordert werden. 3.6 Abschlussqualifikation Mit dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung wird die Befähigung zu selbständiger Unterrichts- und Erziehungsarbeit als Staatlich geprüfte/r Fachlehrer/in an Schulen für Geistigbehinderte Staatlich geprüfte/r Technische/r Lehrer/in an Schulen für Geistigbehinderte Staatlich geprüfte/r Fachlehrer/in an Schulen für Körperbehinderte erworben. Nun erfolgt der Run um eine feste Anstellung in den Schuldienst (siehe dazu Kap. 7). 3.7 Welche Fächer unterrichten Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen? An Schulen für Geistigbehinderte gibt es, genau genommen, nach dem zur Drucklegung dieser Schrift immer noch gültigen Bildungsplan der Schule für Geistigbehinderte vom lediglich drei Fächer : Gesamtunterricht, Religion und Sport. Selbstverständlich wird der Bereich Gesamtunterricht in der Praxis sinnvoll untergliedert: in Sachunterricht, Unterricht in den Kulturtechniken, Unterricht in den musischen Bereichen, usw. Die Fachlehrer/innen decken grundsätzlich alle Bereiche ab. Technische Lehrer/innen werden vorzugsweise in der Werkstufe eingesetzt, obwohl sie auch für die anderen Schulstufen ausgebildet wurden. Die Zuordnung der einzelnen Lehrkraft zu den verschiedenen Bildungsplanbereichen und der Einsatz vor Ort erfolgt konkret an der jeweiligen Schule. Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen an Sonderschulen sind in der Regel als Klassenlehrer/in eingesetzt. An den Schulen für Körperbehinderte setzen Fachlehrer/innen K ihre Vorbildung als Physiotherapeut/in oder Ergotherapeut/in ein. Sie erteilen vielfach Einzelunterricht, sind aber auch in den anderen Bereichen, in denen körperbehinderte Schüler/innen mit gleichzeitiger geistiger Behinderung beschult werden, eingesetzt. 15

16 Kapitel : Arbeitsfeld Schulkindergarten In Baden-Württemberg gibt es öffentliche und private Schulkindergärten für blinde Kinder gehörlose Kinder geistigbehinderte Kinder körperbehinderte Kinder besonders förderungsbedürftige Kinder schwerhörige Kinder sehbehinderte Kinder sprachbehinderte Kinder verhaltensgestörte Kinder In den Schulkindergärten werden Kinder gefördert, die förderungsbedürftig sind im Sinne des jeweiligen Schulkindergartens. Festgestellt wird dies durch die untere Schulaufsichtsbehörde aufgrund eines sonderpädagogischen Gutachtens. Das Gutachten wird von der Sonderschullehrer/in des aufnehmenden Schulkindergartens erstellt. In der Regel ist eine amtsärztliche Untersuchung zu veranlassen. Körperbehinderte Kinder können nach dem vollendeten 2. Lebensjahr, die übrigen behinderten Kinder nach dem vollendeten 3. Lebensjahr aufgenommen werden. Das Recht auf einen Kindergartenplatz gilt für die Schulkindergärten nicht. Schulkindergärten sind Ganztageseinrichtungen. Die Anwesenheitsdauer der Kinder in Schulkindergärten wird auf eine Mindestverweildauer von 25 Vollstunden festgeschrieben. Eine höhere Verweildauer ist anzustreben..1 Sind Schulkindergärten eigenständige Einrichtungen? Schulkindergärten sind eigenständige Einrichtungen. In der Regel sind sie einer Sonderschule desselben Typs zugeordnet. Die Leitung des Schulkindergartens nimmt ihre Aufgaben in Zusammenarbeit und in Abstimmung mit der Leitung der Sonderschule wahr. Hierzu gehören insbesondere die Mitwirkung bei der Aufnahme der Kinder und die Organisation der Schülerbeförderung, die Organisation des Betriebs des Schulkindergartens und die Festlegung der Betreuungszeit, die Regelung der Vertretung von Erziehungskräften im Verhinderungsfall und die Ausgestaltung des Schulkindergartens (Verwaltungsvorschrift vom ). Die folgenden Tabelle verdeutlicht:.2 Welches Personal ist am Schulkindergarten beschäftigt?.3 Welche räumliche Unterbringung ist gegeben?. Welche Arbeitsfelder gibt es am Schulkindergarten? Die Angaben zu diesen Themen sind der VwV Schulkindergärten vom entnommen. Bezüglich der räumlichen Gestaltung der Schulkindergärten, haben die Regierungspräsidien teilweise überarbeitete Raumpläne. Bei Bedarf ist es sinnvoll beim zuständigen Regierungspräsidium nachzufragen. Bzgl. des Personals ist es sinnvoll auch den aktuellen Einstellungserlass zu beachten. 16

17 Schulkindergarten für... Personal Räumliche Unterbringung Aufgabe und Arbeit blinde bzw. sehbehinderte Kinder 1 Deputat pro Gruppe für eine Erziehungskraft. 5 Lehrerwochenstunden Sonderschullehrer/in Gruppenraum, 1 größerer Raum, 1 kleinerer Raum für Leiter und das übrige Personal, Garderobenraum, Teeküche, Sanitäre Einrichtungen, Gymnastikraum, Spielrasen Vorbereitung auf die Schule für Blinde bzw. Sehbehinderte oder die Grundschule. Förderung durch Methoden der Blinden-und Sehbehindertenpädagogik. gehörlose bzw. schwerhörige Kinder 1 Deputat pro Gruppe für eine Erziehungskraft 8 Lehrerwochenstunden Sonderschullehrer/in Siehe Schulkindergarten für blinde Kinder plus 1 Raum für Einzelförderung Vorbereitung auf die Schule für Gehörlose bzw. Schwerhörige oder die Grundschule. Erstsprachanbildung. geistigbehinderte Kinder 1 Deputat pro Gruppe für ein/e Fachlehrer/in wenn möglich eine Hilfskraft pro Gruppe 5 Lehrerwochenstunden Sonderschullehrer/in Siehe Schulkindergarten für blinde Kinder plus 1 Testraum, der zugleich Sprachtherapieraum ist Vorbereitung auf die Schule für Geistigbehinderte. Erziehungsbemühungen d. Eltern unterstützen. Förderung in allen Persönlichkeitsbereichen. Raum geben zur persönlichen Gestaltung und Geborgenheit. körperbehinderte Kinder 1,5 Deputate pro Gruppe Fachlehrer/innen 1 Hilfskraft pro Gruppe 2,12 Wochenstunden Physiotherapie je Kind 2 Lehrerwochenstd. Kinderarzt 5 Lehrerwochenstd. Sonderschullehrer/in Siehe Schulkindergarten für blinde Kinder plus 1 Raum für Physiotherapeutik und Sprachtherapie. Es gibt häufig Platzprobleme durch die Vielzahl der Hilfsmittel. Vorbereitung auf die Schule für Körperbehinderte oder die Grundschule. Förderung der Bewegungsfähigkeit und Funktionsschulung. Erweiterung der Selbständigkeit, Aufbau von Denkstrukturen, Entwicklung der Sinne, des Sprachvermögens. Erweiterung der Möglichkeit zur Eingliederung in eine Gruppe. besonders förderungsbedürftige Kinder 1 Deputat pro Gruppe für eine Erziehungskraft 5 Lehrerwochenstunden Sonderschullehrer/in Siehe Schulkindergarten für blinde Kinder plus 1 Testraum, der zugleich Sprachtherapieraum ist Förderung in allen Bereichen. Beratung der Eltern bei der Erziehung. Nach Bedarf sprachheilpädagogische Maßnahmen und Bewegungsförderung. Nach 6 Wochen Beobachtung individueller Förderplan. sprachbehinderte Kinder 1 Deputat pro Gruppe für eine Erziehungskraft 8 Lehrerwochenstunden Sonderschullehrer/in Siehe Schulkindergarten für blinde Kinder plus 1 Sprachtherapieraum Vorbereitung auf die Schule für Sprachbehinderte oder die Grundschule. Förderung durch Methoden der Sprachheilpädagogik. verhaltensgestörte Kinder 1 Deputat pro Gruppe für eine Erziehungskraft 5 Lehrerwochenstunden Sonderschullehrer/in Siehe Schulkindergarten für blinde Kinder plus 1 Testraum, der zugleich Therapieraum ist Beratung der Eltern bei der Erziehung. Durch die Förderung einer drohenden späteren Verhaltensstörung vorzubeugen oder eine vorhandene Verhaltensstörung abzubauen. Nach 6 Wochen Beobachtung individueller Förderplan. Förderung in der Gruppe. Im letzten Kindergartenjahr Besuch der Grundschulförderklasse..5 Wer leitet den Schulkindergarten? Die Leitung ist eine fachlich vorgebildete Erziehungskraft, deren Ausbildung vom Kultusministerium als ausreichend anerkannt ist. Mittlerweile gibt es Sozialpädagog/innen, Heilpädagog/innen, Erzieher/innen und Fachlehrer/innen in der Leitungsfunktion eines Schulkindergartens. Die Aufgaben der Leitung sind sehr vielfältig. Die Leitung soll sich bei wöchentlichen Besprechungen nach den Fortschritten und Betreuungsschwierigkeiten erkundigen und Anregungen für förderliche Einwirkungen geben und die Förderung der Erziehungskräfte überwachen (VwV vom ). Die Leitung eines Schulkindergartens ist keine Funktionsstelle. In der Leitung tätig sind i.d.r. Sozialpädagogen/innen und Fachlehrer/innen mit Vorbereitungsdienst. Sozialpädagogen/innen können nur als Leitung eingestellt werden, nicht aber als reguläre Beschäftigte. Zu beachten ist, dass eine Teilzeitbeschäftigung in Leitungsfunktion unterhalb einer 3/ Stelle nicht möglich ist. 17

18 Aufgaben im Bereich Verwaltung und Leitung : Aufnahmeverfahren in den Schulkindergarten Zuweisung der Kinder zu den Gruppen Elternberatung, Elternbeirat, Elternrundbriefe, Merkblätter für die Eltern des Schulkindergartens Stundenplan, Vertretungsplan, Pausenaufsichtsplan, Raumbelegungsplan Schulstatistik Führung der Kinderakten Personalplanung Personalführung Anregung, Förderung und Weiterentwicklung pädagogischer Konzeptionen Fortbildung Koordination und Leitung der Dienstbesprechungen Merkblätter die Kinder des Schulkindergartens betreffend Kontakte zu anderen Kindergärten, zu außerschulischen Fachkräften, zu Behörden, zum Förderverein, zu Lehrund Lernmittelherstellern, zu Hilfsmittelherstellern, zu Kliniken und Reha-Einrichtungen Einstellung von Zivildienstleistenden und Praktikanten Planung und Verwaltung der Lehr- und Lernmittel Kontakte zum Schulträger Schülertransport Mitwirkung bei der Planung und Durchführung von Instandsetzungsmaßnahmen Zusammenarbeit mit dem Örtlichen Personalrat beim Landratsamt bzw. bei der Stadt weitere Verwaltungsaufgaben durch die Verwaltungsreform, z.b. Festsetzung der Mutterschutzfristen Erstellen dienstlicher Beurteilung Und das Aufgabengebiet erweitert sich immer mehr, z. B. im Bereich Arbeitsschutz. Nach der VwV vom übernimmt die Leitung des Schulkindergartens auch die Leitung einer Kindergruppe. Anrechnungen für die Leitung eines Schulkindergartens mit ein bis zwei Gruppen mit drei bis fünf Gruppen mit sechs bis zehn Gruppen mit mehr als zehn Gruppen Wochenstunden 8 Wochenstunden 12 Wochenstunden 16 Wochenstunden Auf Nachfrage hat das Kultusministerium in einem Schreiben vom (Az: /18) mitgeteilt: Die Besetzung von Leitungsstellen an Schulkindergärten erfolgt grundsätzlich im Rahmen der allgemeinen Lehrereinstellung. Es ist künftig vorgesehen, etwa die Hälfte der Leitungsstellen im Rahmen der allgemeinen Lehrereinstellung standortscharf vorrangig für Fachlehrer/innen auszuschreiben. Auf diese Stellen können sich auch Sozialpädagog/innen und Erziehungskräfte mit anderer sonderpädagogischer Zusatzausbildung bewerben; auch entsprechende Lehrkräfte, die sich bereits im Schuldienst des Landes befinden. Auch die Leiter/innen von Schulkindergärten erstellen für ihre Mitarbeiter/innen einstufige dienstliche Beurteilungen. Die Regelungen der Verwaltungsvorschrift "Beratungsgespräch und dienstliche Beurteilung der Lehrkräfte an öffentlichen Schulen" sind entsprechend anzuwenden. 18

19 Kapitel 5: Arbeitsfeld Grundschulförderklasse Welches Personal ist an der Grundschulförderklasse beschäftigt und welche Ausbildung haben diese Beschäftigten? Die Landesregierung erweiterte 1971 das Spektrum der Fachlehrer/innen auf den Bereich Lehrer für vorschulische Einrichtungen". Nach fünf Jahren wurde dieser Vorbereitungsdienst allerdings wieder eingestellt. Somit arbeiten in Grundschulförderklassen Fachlehrer/innen im Angestelltenverhältnis und beamtete Fachlehrer/innen. Die Fachlehrer/innen können unterschiedlich ausgebildet sein. Sozialpädagog/innen (BAT IVb) Erzieher/innen (BAT Vc, Vb) Fachlehrer/innen für den Vorschulbereich im Beamtenstatus (A 10, A 11) 5.2 Welche Arbeitsfelder gibt es in der Grundschulförderklasse? Die Grundschulförderklasse hat die Aufgabe, schulpflichtige, aber vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder zur Grundschulfähigkeit zu führen. Durch gezielte Förderung und freies Spiel sollen diese Kinder in ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Entwicklung so gefördert werden, dass eine Aufnahme in die Grundschule möglich wird. Hierbei kommt dem sozialen Lernen innerhalb der Gruppe besondere Bedeutung zu. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Sprachförderung. Es gehört jedoch nicht zu den Aufgaben der Grundschulförderklasse die Lerninhalte des Anfangsunterricht der Grundschule vorwegzunehmen (Verwaltungsvorschrift vom ). Kinder, die einer sonderpädagogischen Förderung bedürfen, werden nicht in die Grundschulförderklasse aufgenommen. Die Grundschulförderklassen gibt es in Baden-Württemberg seit Sie wurden in den Siebziger- und Achtzigerjahren eingerichtet. Derzeit gibt es landesweit cirka 20 dieser Einrichtungen. Seit 1995 dürfen keine neuen Grundschulförderklassen mehr eingerichtet werden. Das Kultusministerium arbeitet an diversen Modellen, die die Arbeit der Grundschulförderklassen möglicherweise umgestalten wird. Grundschulförderklassen, die in den B-Modellen von Schulanfang auf neuen Wegen arbeiten Es gibt zwei Arten von B-Modellen: B1: ist eine Verzahnung von Grundschulförderklassen und ersten Klassen, d.h. Grundschulförderklassen und erste Klassen arbeiten eng zusammen. Kinder aus Grundschulförderklassen nehmen stundenweise am Unterrichtsgeschehen der ersten Klassen teil. Kinder der ersten Klasse wechseln stundenweise in die Grundschulförderklasse. B2: ist eine vorgezogene Grundschulförderklasse, d. h. Kindergartenkinder, bei denen Entwicklungsdefizite erkennbar sind, kommen im letzten Halbjahr vor der Einschulung, d. h. am 1. Februar in die vorgezogene Grundschulförderklasse. Sie werden dort gefördert, um eine Rückstellung zu vermeiden, damit sie dann regulär eingeschult werden können. Die Fachlehrerin der vorgezogenen Grundschulförderklasse gibt allen Kindern der ersten Klasse, die Förderbedarf haben, stundenweise Hilfestellung während der Unterrichtssequenzen und auch in speziell gebildeten Kleingruppen. So entsteht eine enge Teamarbeit zwischen der Klassenlehrerin der ersten Klasse und der Fachlehrerin der Grundschulförderklasse. Die auf fünf Jahre angesetzte Modellphase von Schulanfang auf neuen Wegen ist inzwischen abgelaufen. Die Arbeit in den Modellen läuft vorerst weiter. Sie gelten aber nicht mehr als Modelle. Neue Überlegungen des Kultusministeriums zum schulreifen Kind werden die Arbeit in den Grundschulförderklassen beeinflussen. 5.3 Sind Grundschulförderklassen eigenständige Einrichtungen und wer leitet sie? Ursprünglich hießen die Grundschulförderklassen Schulkindergärten und waren eigenständige Einrichtungen. Ein/e Sozialpädagoge/in oder ein/e beamtete/r Fachlehrer/in hatte die Leitung der Einrichtung. 1991/92 wurden die Schulkindergärten in Grundschulförderklassen umbenannt. Damit änderte sich auch die Struktur und Organisation. Die heutige Grundschulförderklasse ist in die Grundschule eingegliedert und wird von der/dem jeweiligen Schulleiter/in geleitet und verwaltet. Die Selbstständigkeit des/r Fachlehrer/in erstreckt sich auf den pädagogischen Bereich. Pro Gruppe besuchen ca Kinder, im Alter von 5-7 Jahren die Grundschulförderklasse. Die Förder- und Betreuungszeit beträgt Wochenstunden. Der Besuch der Grundschulförderklasse ist freiwillig. Es besteht kein Anspruch darauf. Es gibt keine flächendeckende Versorgung. 19

20 6 Kapitel 6: Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen als Angestellte Die Informationen zu den angestellten Fachlehrer/innen beziehen sich auf die derzeit gültige Rechtslage. Bei Drucklegung dieser Broschüre war gerade der TV-L für die Angestellten auf Länderebene abgeschlossen worden. Bezüglich der Eingruppierung stehen noch wesentliche Änderungen aus. Detaillierte Infos zum Angestelltenrecht finden sich in diversen GEW-Broschüren und im GEW-Jahrbuch, z.b. zu Altersteilzeit, zu Rente, zur Zusatzversorgung, zu Teilzeit und Beurlaubung etc. Hier werden nur einige wenige Punkte aus dem Angestelltenrecht thematisiert, die Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen speziell betreffen. 6.1 Warum gibt es angestellte und verbeamtete Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen? Lehrkräfte im öffentlichen Schuldienst werden in der Regel im Beamtenverhältnis beschäftigt. Bei Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen haben wir es jedoch vielfach mit Personen zu tun, die als Angestellte im Schuldienst beginnen, z.b. mit befristeten oder auch unbefristeten Arbeitsverträgen und nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes eine Wechseloption in das Beamtenverhältnis haben. Welches der beiden Systeme (Beamten- oder Angestelltenstatus) möglich und sinnvoll ist, hängt von formalen und persönlichen Voraussetzungen ab. Formale Voraussetzungen für die Übernahme in das Beamtenverhältnis: bestandene Laufbahnprüfung am Fachseminar noch keine 5 Jahre alt im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit oder der eines EU-Mitgliedslandes die Gesundheitsprüfung bestanden Individuelle Voraussetzungen, die mit bedacht werden sollten: Alter und Geschlecht: Fachlehrer/innen und Technische Lehrer/innen absolvieren oftmals im fortgeschrittenen Lebensalter die Ausbildung am Fachseminar. Sie haben dann bereits teilweise lange Vorzeiten als Angestellte hinter sich. Ein Wechsel ins Beamtenverhältnis muss deshalb intensiv geprüft werden. familiäre Situation, Kinder Beschäftigungsumfang jetzt und künftig persönliche Perspektive Eine generelle Regel gibt es nicht! In dieser Frage bieten die GEW Bezirksgeschäftsstellen kompetente Beratung für GEW-Mitglieder an (Adressen siehe im Anhang). 6.2 Unterschied ERFÜLLER und NICHTERFÜLLER Nach den noch gültigen Eingruppierungsrichtlinien für angestellte Lehrkräfte in Baden-Württemberg sind bei angestellten Fachlehrer/innen und Technischen Lehrer/innen zwei Fallgruppen zu unterscheiden: Nichterfüller (siehe Richtlinien des Finanzministeriums über die Eingruppierung der angestellten Lehrkräfte Ziffer 3.1 bis 3.5 und 3.7) Erfüller (siehe Richtlinien des Finanzministeriums über die Eingruppierung der angestellten Lehrkräfte Ziffer 2.1 ) 20 sind grundsätzlich Kolleginnen und Kollegen, die keine Laufbahnprüfung abgelegt haben, z.b. keinen Vorbereitungsdienst an einem Fachseminar absolviert haben. Die Ziffer der Eingruppierung ist im Arbeitsvertrag zu finden und diese Ziffer legt fest, nach welcher Zeit eine Höhergruppierung erfolgt. sind Kolleg/innen, die eine Laufbahnprüfung abgelegt haben und aus formalen oder persönlichen Gründen (s.o.) im Angestelltenverhältnis beschäftigt sind. Sie haben einen Bewährungsaufstieg, der sich am Beförderungsprogramm für die verbeamteten Kolleg- /innen orientiert (s. Kapitel 8) FL: BAT Vb - IVb - IVa - Funktionsstelle BAT IVa TL: BAT IVb - IVa - Funktionsstelle BAT III

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