Wirtschaftliche Aspekte zur Saisonalität

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1 Wirtschaftliche Aspekte zur Saisonalität Dr. Bernhard Harrer Vorstand dwif e.v. Sonnenstr München Tel.: 089 / Alle Bestandteile dieses Dokuments sind urheberrechtlich geschützt dwif e.v., München Dieses Dokument ist Teil der Präsentation und ohne die mündliche Erläuterung unvollständig. Ø Auslastung der angebotenen Betten nach Bundesländern 2008 Berlin Bremen Saarland Mecklenburg- Nordrhein-Westfalen Sachsen Baden-Württemberg Hessen Schleswig-Holstein Bayern Niedersachsen Thüringen Brandenburg Rheinland-Pfalz Sachsen-Anhalt 36,1% 35,2% 33,7% 33,1% 39,4% 38,1% 37,9% 36,5% 36,4% 41,7% 39,8% 38,6% 36,8% 44,8% 53,8% 50,8% Ø Deutschland insgesamt 38,0 % 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% Fazit 1: Schleswig-Holstein liegt bei der Ganzjahresauslastung vor Bayern und knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.); Fachserie 6, Reihe 7.1, Wiesbaden Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

2 Ø Auslastung der angebotenen Betten nach Monaten: Schleswig-Holstein im Vergleich 70% 60% Mecklenburg - Mecklenburg - Berlin 50% 40% 30% 20% Mecklenburg Mecklenburg Hessen Mecklenburg Rheinland- Pfalz Rheinland- Pfalz Nordrhein- Westfalen Hessen Sachsen- Anhalt Brandenburg Mecklenburg Mecklenburg 10% Januar Februar März April Fazit 2: Bei diesem Saisonverlauf steht eine temporäre Betriebschließung grundsätzlich zur Diskussion. Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.); Fachserie 6, Reihe 7.1, Wiesbaden Mai Juni Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Juli August September Oktober November Dezember Schleswig-Holstein Deutschland Minimum (ohne Schleswig-Holstein) Maximum Umsätze im Gastgewerbe pro Unternehmen in Schleswig-Holstein Branche Hotellerie Sonstiges Beherbergungsgewerbe Speisegeprägte Gastronomie Getränkegeprägte Gastronomie Kantinen und Caterer Gastgewerbe insgesamt Quelle: Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel Steuerpflichtige Unternehmen Steuerbarer Umsatz pro Unternehmen Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

3 Der Cash-Flow Aus dem Cash-Flow müssen folgende Zahlungsverpflichtungen erfüllt werden: Laufender Lebensunterhalt der Inhaberfamilie 1) ; einschließl. private Versicherungen, Altersvorsorge etc. Vom Einkommen abhängige Steuern Rückzahlung von Fremdkapital (Tilgung) Ersatzinvestitionen (z. B. Firmenwagen, Maschinen, Geschäftsausstattung usw.) Neuinvestitionen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit 1) Nicht bei Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, usw.) Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Cash-Flow-Rate in den Hotels 2007 Median in % des Umsatzes 20,0 15,0 10,0 14,6 -Tourismusbarometer 13,1 11,1 10,0 10,0 16,0 12,5 14,4 7,6 5,0 0,0 Mecklenburg- Brandenburg Sachsen- Anhalt Thüringen Sachsen Schleswig- Holstein Niedersachsen Saarland Rheinland- Pfalz Quelle: EBIL-Daten von Kunden der Sparkassen 2007, Sonderauswertung des dwif. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

4 Schwierigkeiten im Gastgewerbe Geringes betriebswirtschaftliches Know How Marketingprobleme Sonstige Faktoren Investitionsstau geringes Eigenkapital Managementschwierigkeiten kaum Zielgruppenorientierung fehlende Kreativität unflexible Öffnungszeiten geringe Vertriebsaktivitäten Nachwuchsprobleme/Betriebsübergabe wenig Kooperation meist nur Standardprodukte (Ø) kleinbetriebliche Strukturen Unzureichende Ertrags- und Innenfinanzierungskraft Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Fallbeispiel 1: 3 Sterne-Hotel im Pitztal Gletscherskigebiet: 35 Zimmer 90 Sitzplätze Hauptsaison Nebensaison November bis März April bis Oktober 76,7 % 42,80 Bettenauslastung Ø Logisertrag pro Gast 36,4 % 32,80 Zentrale Frage: Lohnt es sich, den Betrieb in der NS zu öffnen? Quelle: Hotel Sonnblick in Tirol Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

5 Fallbeispiel 1: Möglichkeiten zur Steuerung der Aufwendungen Reduzierung der Personalkosten (z.b. Partnerbetriebe zum saisonalen Personalaustausch, Pool mit Aushilfskräften, Arbeitslosengeld). Verringerung des Warenaufwandes durch günstigeren Wareneinsatz oder Einkaufsgenossenschaften. Energieberater kann Einsparungspotenziale erkennen und Fördermöglichkeiten für alternative Energie prüfen. Im Bereich Betriebs- und Verwaltungsaufwand kann Printwerbung reduziert und Online-Werbung verstärkt werden (attraktive Homepage unverzichtbar). Zahlungsvereinbarungen können Saisonverlauf angepasst werden (z.b. anlagebedingte Aufwendungen wie Miete, Pacht, Leasing, Zinsen, Wareneinkauf auf Ziel). Ziel: Liquiditätssicherung während Nebensaison Quelle: Hotel Sonnblick in Tirol Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Fallbeispiel 1: Betriebsergebnis in Hauptund Nebensaison Hauptsaison Nebensaison - Betriebsertrag Betriebsertrag Gewinn Anlagebedingter Aufwand Betriebsbedingter Aufwand Verlust Betriebschließung im Juni und teilweise Mai Quelle: Hotel Sonnblick in Tirol Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

6 Entscheidungsfindung aus betriebswirtschaftlicher Sicht fixe Kosten anlagebedingte Aufwendungen (z. B. Miete/Pacht, Abschreibung, Fremdkapitalzinsen, Instandhaltung) Kleinerer Teil der betriebsbedingten Aufwendungen (anteilig z. B. Steuern, Gebühren, Beiträge, Versicherungen) variable Kosten Größerer Teil der betriebsbedingten Aufwendungen, anteilig z.b. - Personalkosten - Warenaufwand (Speisen, Getränke, Handelswaren) - Betriebs- und Verwaltungsaufwand (anteilig z.b. Energie, Marketing, Porto, Telekommunikation, Abfall, Wasserversorgung) Fazit 3: Betriebsöffnung, wenn Betriebsertrag größer als variable Kosten. Rücklagen müssen ggf. fixe Kosten während temporärer Betriebsschließung decken. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Verteilung der Übernachtungen nach Betriebstypen in Schleswig-Holstein insgesamt 21,1 Mio. ÜN in gewerblichen Betrieben - Jugendherbergen/ Hütten 4,3% Erholungs-/ Ferien-/ Schulungsheime und Boardinghäuser 10,0% Gasthöfe/Pensionen 2,9% Ferienwohnungen/ -häuser/-zentren 34,1% Vorsorge- und Reha-Kliniken 15,9% Hotels/Hotels Garnis 32,8% Fazit 4: Nachfragespitzen im Sommer werden durch flexible Familienbetriebe und Ferienwohnungsvermieter ausgeglichen. Quelle: Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein, Kiel Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

7 Abhängigkeit der saisonalen Flexibilität von der Betriebsstruktur Familienbetriebe ohne Fremd personal können Betriebe am flexibelsten agieren (z. B. möglicher Zuerwerb, geringe Kosten) Inhaber dominierte Betriebe Betriebe stehen möglicherweise am Scheideweg: - Mit investiven und innovativen Maßnahmen zum Ganzjahresbetrieb - Mit geringerem Qualitätsniveau als Saison betrieb behaupten (mit Zuerwerbsmöglichkeiten) Management über mehrere Hierarchiestufen Ab etwa 50 Zimmer (20 Beschäftigten) mit entsprechender Zusatzausstattung ist Saisonbetrieb schwierig zu realisieren Fazit 5: Je mehr Investitionen desto notwendiger ist ganzjährige Öffnung. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Das Gewicht der Tagestouristen in Schleswig-Holstein Tagesreisen Übernachtungen gewerblich (ohne Camping, Privatvermieter, VFR 1) etc.) 131,0 Mio. 21,1 Mio. 1) VFR = Verwandten-/ Bekanntenbesucher mit Übernachtung Relation: 6,2 Tagesreisen je Übernachtung (Hrsg.); Tagesreisen der Deutschen, München 2007 und Statistisches Landesamt Schleswig-Holstein. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

8 Saisonale Verteilung der Besucherzahlen nach Wetterstationstypen (Schleswig-Holstein 2008) 25,0 - Angaben in % - -Tourismusbarometer 20,0 15,0 10,0 5,0 0,0 Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sept Okt Nov Dez Erlebnisbäder/Thermen Museen Naturinfozentren Schlösser Zoos/Tierparks 2009, Daten Sparkassen-Tourismusbarometer Schleswig-Holstein. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Kritische Aspekte bei Saisonbetrieben Qualität des Personalbestandes gefährdet Eingeschränkte Marktpräsenz führt zu Wettbewerbsnachteilen gegenüber Konkurrenz (Marktanteilsverluste) Investitionsstau durch geringere Betriebserträge möglich (Fixkostenbelastung nach Investitionen zu hoch) Kaum umfangreiche Zusatzangebote im Betrieb und daher eher am unteren Ende der Preisskala angesiedelt (geringere Ausstattungsqualität führt zu niedrigeren Fixkostenbelastung) Saisonale Schließung ist bei kleineren Betrieben mit geringer Personalintensität einfacher zu realisieren (z.b. Ferienwohnungen, Pensionen, Gasthöfe) Fazit 6: Kostenstrukturen und innerbetriebliche Abläufe müssen für Saisonbetrieb geeignet sein. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

9 Fallbeispiel 2: Romantikhotel an der Ostsee in Schleswig-Holstein Investitionsvolumen in 4-Sterne Hotel > 2 Mio. 26 Zimmer, Gastronomie (80 Plätze innen, 40 Plätze außen) neuer Wellness-/Saunabereich mit (300 qm) Beautyprogrammen vor dem Umbau Monate < 0,8 Mio. < 60 % 3,2 Mitarbeiter Zimmer Öffnungszeit Umsatzerlöse (netto) Zimmerauslastung Aufenthaltsdauer in Tagen nach dem Umbau Monate > 1,6 Mio. > 80 % 2,3 Quelle: Romantikhotel an der Ostsee in Schleswig-Holstein Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Fallbeispiel 2: Saisonverlauf der Umsatzerlöse Umsatzerlöse nach Monaten Jan 08 Feb 08 Mrz 08 Apr 08 Mai 08 Jun 08 Jul 08 Aug 08 Sep 08 Okt 08 Nov 08 Dez 08 Quelle: Romantikhotel an der Ostsee in Schleswig-Holstein Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

10 Orientierungswerte für Hotel mit gehobener Ausstattung in einem Ferienort Kapazität: rund 100 Betten, gut 50 Zimmer 260 Sitzplätze (davon 2/3 innen) Auslastung Zimmerkapazität > 65% Belegungshäufigkeit der Sitzplätze > 1,0 Personalproduktivität: etwa 0,40 Vollbeschäftigte pro Zimmer Betriebsertrag pro Vollbeschäftigtem etwa Betriebserfolg: Umsatzrendite > Cash-Flow > (bei Eigentümerbetrieben) Fazit 7: Bei anspruchsvoller Betriebsführung kann in größeren Betrieben i.d.r. ganzjährig ausreichend Nachfrage generiert werden. (Hrsg.); Hotelbetriebsvergleich, München 2007 Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am Herausforderungen an einen Ganzjahresbetrieb kreative neue Angebote Konsequente Zielgruppenorientierung professionelle Betriebsführung konstantes Controlling Kooperation mit Leistungsträgern gezielte Marktforschung Produkt- und Servicequalität permanent verbessern Individuelle Konzepte Angemessene Preispolitik Mitarbeitermotivation/-qualifikation Fazit 8: Mit Innovationen und Investitionen zur Verbesserung der Auslastung und des Betriebserfolges. Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

11 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viel Erfolg bei der Bewältigung Ihrer bevorstehenden Aufgaben! Dr. Bernhard Harrer dwif e.v. Sonnenstraße München Tel.: 089/ Tourismustag Schleswig-Holstein in Damp am

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