Prozeß- und Organisationsmanagement in der Ausbildung

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1 Informationen für die Berufsbildungspraxis aus Modellversuchen Bundesministerium für Bildung und Forschung Prozeß- und Organisationsmanagement in der Ausbildung 1

2 1 Hintergründe für das Entstehen des Wirtschaftsmodellversuchs Die Umgestaltung von Unternehmensstrukturen mit der Zielsetzung einer Produktivitäts- und Innovationssteigerung, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist weiterhin vordringliche Aufgabe in der bundesrepublikanischen Wirtschaft. Begleitet wurden die Restrukurierungsprozesse bisher von Schlagworten wie Lean Management, Business Reengineering, Total Qualitiy Management. Aktuell wird von der Notwendigkeit des Geschäftsprozeßmanagements gesprochen. Gemeinsam ist allen mit diesen Schlagworten umrissenen Konzepten, daß die neuen Organisationsformen aus einem prozeßorientierten Geschäftsverständnis heraus gefunden werden müssen. Damit soll das Problem angegangen werden, daß eine funktionsorientierte Ablauforganisation oft von hierarchischen Strukturen überlagert wird, daß in Abteilungen sich Egoismen herausbilden und diese kontraproduktiv für eine Gesamtoptimierung sind. Von den Mitarbeitern wird daher auch ein Denken und Handeln, orientiert an Prozessen und nicht an begrenzten Arbeitsschritten und Teilleistungen, gefordert. Prozeßorientierung heißt auch im Sinne des Gesamtprozesses verantwortlich zu handeln und den dafür notwendigen Handlungsspielraum in der Organisationsstruktur zu bekommen. In der Qualifizierung der Mitarbeiter wird entsprechend mehr Wert gelegt auf vernetztes Denken, auf die Förderung von funktionsübergreifender Zusammenarbeit, auf die Förderung sozialer Verhaltensweisen (z.b. Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktbearbeitung, Verantwo r- tungsübernahme im Team) und die Unterstützung von Einstellungen, die der Motor für ständige Verbesserungen und visionäres Denken sind. Auch in der Erstausbildung finden solche Qualifikationsziele zunehmend Eingang. So heißt es in den Ausbildungsberufen der IT-Berufe, daß die Ausbildung prozeßorientiert zu erfolgen habe. Vor allem Fachabteilungen, die sich in einem Restrukturierungsprozeß befinden, erwarten von den Auszubildenden bei ihren Betriebseinsätzen, daß diese sich an der konkreten Leistungserstellung im Sinne einer Geschäftsprozeßorientierung beteiligen. Produktivitäts- und Innovationssteigerung ist die dringliche Aufgabe der Wirtschaft Geschäftsprozeßmanagement fordert neue Organisationsformen Denken und Handeln orientiert an Prozessen Neue Berufe und Fachabteilungen fordern Geschäftsprozeßorientierung! Seite 2

3 1 D. h. von ihnen wird ein Mitdenken bezogen auf den größeren Zusammenhang und ein Eingehen auf interne und externe Kundenbedürfnisse erwartet. Diese Erwartungen sind von den Ausbildungsverantwortlichen in der Zielsetzung aufzugreifen. Es sind vor allem didaktische Wege und Methoden der Umsetzung in der täglichen Ausbildungspraxis zu finden. Nun hat bereits eine weitgehende Abkehr von der engen fachsystematischen Ausrichtung der Lehr- und Lernprozesse mit dem Einsatz von handlungstheoretisch fundierten Konzepten stattgefunden. Das Arbeiten mit Projekten, mit Leittexten oder das Einrichten von Lerninseln in der betrieblichen Ausbildung sind nicht mehr selten anzutreffen. Statt Wissensaneignung und Trainieren von bestimmten Teilfertigkeiten sind ganzheitliche Handlungen (in Form von Lernaufgaben) in den Mittelpunkt des Ausbildungsprozesses der ersten Lehrjahre getreten. Selbstverständlich waren bei der Vermittlung und Aneignung dieses Handlungswissens und der Handlungsfertigkeiten schon Prozeßvorstellungen vorhanden. Denn Handeln heißt in vielen Bereichen nichts anderes, als Prozesse auslösen und zu steuern. Aus diesem Prozeßwissen heraus haben Auszubildende auch praktische Schemata erworben und diese auf ihr angestrebtes Ziel (Bearbeiten des Projektes, der Lern- oder Arbeitsaufgabe) hin geordnet. Was aber bisher bei diesen Lernkonzepten fehlt, ist die Einordnung der einzelnen, in sich ganzheitlich organisierten Handlungen, in den handlungssteuernden, umfassenden Geschäftsprozeß in der Arbeitszukunft. Damit bleiben wichtige Dimensionen betrieblichen Handelns wie Qualität, Kosteneffizienz, Termintreue und Kundenzufriedenheit in der Ausbildung ausgespart. Für Auszubildende besteht damit tendenziell das Problem einer nur teilweisen Sinngebung ihrer Lern- und Arbeitstätigkeit bezogen auf die Anforderungen beruflicher Handlungsfähigkeit. Episodisches Wissen und Erleben der Ausbildungsabschnitte als nicht zusammenhängendes Vielerlei kann die Konsequenz sein. Es fehlen Schemata, welche das Wahrnehmen und Verhalten auf das Ziel optimale Steuerung der Geschäftsprozesse ordnen und sinnvoll machen. Bereits zu Beginn der Ausbildung und während der gesamten Ausbildungszeit muß deshalb eine für die jeweilige Lernphase adäquate Vorstellung bei den Auszubildenden entwickelt werden, was Handeln in Prozessen bedeutet. Ganzheitliche Handlungen stehen im Mittelpunkt des Ausbildungsprozesses Wichtige Dimensionen betrieblichen Handelns, wie Qualität, Kosteneffizienz, Termintreue und Kundenzufriedenheit blieben bislang ausgespart Handeln in Prozessen - durchgängiges Prinzip in der Ausbildung Seite 3

4 Ziele des Wirtschaftsmodellversuchs 1 Gesamtziel des Modellversuchs ist es, für alle Phasen der Ausbildung am Lernort Betrieb konkrete Ausbildungskonzepte zu entwickeln, die Grundlage für ein prozeßkonformes Verhalten der zukünftigen Mitarbeiter legen. Damit stehen u.a. Ausbildungsziele im Mittelpunkt wie: vernetztes Denken im Zusammenhang der Prozeßlandschaft Förderungen von Fähigkeiten zur Steuerung von fachlichen und sozialen Abläufen in Prozessen Fähigkeit zur funktions- und berufsübergreifenden Zusammenarbeit Förderung der Ergebnisorientierung und Selbstverantwortung Förderung von Einstellungen, die Motor und Voraussetzung für die Bereitschaft zur kontinuierlichen Verbesserung sind und visionäres Denken einschließen Unterstützung der Fähigkeit zu Teamarbeit, d.h. in diesem Modellversuch besondere Unterstützung bei konstruktiver Konfliktbearbeitung und bei der Gestaltung effektiver Feedbacks. Dazu werden Auszubildende der elektrotechnischen (inklusive der IT-Berufe und den neuen Berufen der Veranstaltungstechnik und des Mechatronikers/ Mechatronikerin), der kaufmännischen und der Metallberufe in Ausbildungs- und Arbeitsprojekten zusammenarbeiten, die die oben genannten Ziele verfolgen und eine Entwicklung der Qualifikationen im Sinne einer Lernenden Organisation fördern. Neben der Konzipierung von konkreten Lern- und Arbeitsprojekten steht auch die Evaluierung und die Überprüfung eines Transfers auf verschiedene Betriebstypen im Arbeitsprogramm des Modellversuchs. Zusätzlich soll der Lernort Berufsschule vor allem bei den Ausbildungsprojekten des ersten und zweiten Ausbildungsabschnittes bezüglich eines möglichen Transfers einbezogen werden. Seite 4

5 Struktur des Modellversuchs 1 Der Modellversuch ist in vier Module gegliedert. Es werden handhabbare Anleitungen in Modulen entwickelt und erprobt, die einen zielgemäßen Einsatz sowohl in der Ausbildungsabteilung als auch in Fachabteilungen unterschiedlicher Betriebstypen ermöglichen. Modul A Einführung in das Prozeßmanagement Entwicklung von Vorschlägen... zur didaktischen Struktur einer Einführung. für eine handlungsorientierte Umsetzung. zum Methoden und Medieneinsatz. zur Integration von Qualitätsmanagementelementen. Modul B Selbstqualifizierungs-Konzept für das Ausbildungspersonal Hilfestellung zur... Verständigung über die konkrete Bedeutung von Prozeßorientierung sowie die daraus resultierenden Anforderungen an den einzelnen Mitarbeiter. Organisation von Teamentwicklung und Teamarbeit. Organisation von Selbstqualifikationsmaßnahmen. Umsetzung von Selbstqualifikationsmaßnahmen in Kleinund Mittelunternehmen. Umsetzung von Telematik- und kooperativen Lernformen in Netzwerken. Seite 5

6 1 Modul C Prozeßmanagement in einer umfassenden Lern- und Arbeitsaufgabe Entwicklung von Lern- und Lehrprozessen... in offener Gestaltung sowohl kostengünstig als auch bildungsrelevant. zur Schulung von Qualitätsmanagement nach EFQM- Modell. zur Förderung von Kundenorientierung, sowie Kostenund Umweltschutzdenken. angepaßt an die Bedingungen von Klein- und Mittelunternehmen. Modul D Prozeßmanagement in der betrieblichen Praxis Entwicklung von Konzepten zur... Darstellung und Analyse eines realen Arbeitsprozesses in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern der Abteilung. Identifikation und Beseitigung von Barrieren im Prozeßablauf. Integration von Schulungsbau-steinen in die alltägliche Ausbildungspraxis. Beseitigung von Barrieren Kulturelle Barrieren Umsetzung der Schulungsbausteine in Klein und Mittelunternehmen. Prozeßbarrieren Sachbarrieren Seite 6

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