Kinder psychisch kranker Eltern: Psychosoziale Belastungssituationen und Resilienzfaktoren. Prof. Dr. Janine Trunk Emden,

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1 Kinder psychisch kranker Eltern: Psychosoziale Belastungssituationen und Resilienzfaktoren Prof. Dr. Janine Trunk Emden,

2 Einführung: Kinder psychisch kranker Eltern Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt. (Albet Einstein; gefunden unter: zitate-online.de) 2

3 Einführung: Kinder psychisch kranker Eltern Ca. 1,5 Mio. Kinder leben in Deutschland mit mindestens einem psychisch krankem Elternteil. Ca. 3 Mio. Kinder erleben innerhalb eines Jahres eine akute psychische Störung eines Elternteiles. Jede/r 5. Psychiatriepatient/in steht in der Erziehungsverantwortung für ein minderjähriges Kind (zsfd. s. Kölch, 2010). Welche Konsequenzen hat das Aufwachsen mit psychisch kranken Eltern für die kindliche Entwicklung? 3

4 Depressionen 18,6 Mio. Menschen in der EU leiden innerhalb eines Jahres (Ein-Jahres- Prävalenz) an einer klinisch bedeutsamen Depression (Wittchen & Jacobi, 2005). Zwei Drittel der Betroffenen bleiben unbehandelt. 11% der Hausarztpatient/inn/en in Deutschland erfüllen die Kriterien einer Depression ( Depression 2000 ; Wittchen & Pittrow, 2002). Depressionen sind häufiger bei Frauen im Vergleich zu Männern. bei allein- oder getrennt lebenden, geschiedenen und verwitweten Personen. bei einem geringen sozioökonomischen Status. in Städten. bei einer Vielzahl vorangehender belastender psychosozialer Lebensereignisse. 4

5 Depressionen Stimmungseinengung Antriebshemmung eingeschränktes Denkvermögen und Konzentrationsstörungen Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle Schlafstörungen Energieverlust und Müdigkeit Gewichtsveränderungen psychomotorische Veränderungen Suizidgedanken und -versuche (vgl. APA, 1994; WHO, 2014) 5

6 Konsequenzen für die kindliche Entwicklung Kennzeichen des Erziehungsverhaltens: Kindliche Bedürfnisse bleiben unbefriedigt inkonsistenter Erziehungsstil vernachlässigender Erziehungsstil häufige Kritik und Abwertung kindlicher Bedürfnisse wenig positive und häufig negative Rückmeldung Ungünstige kognitive und handlungsleitende Denkmuster (z.b. ich bin nicht liebenswert. ) Ungünstige Schlussfolgerungen (z.b. mich mag sowieso niemand! ) Stress (u.a. Ausschüttung von Stresshormonen in Regionen des Gehirns, die für Stimmungsregulation verantwortlich sind) Ungünstige Stressbewältigung/ Coping offen ausgetragene Konflikte zwischen den Eltern Schwierigkeiten in der sozialen Beziehungsgestaltung Verantwortungsübernahme der Kinder (Parentifizierung), hohe Aufmerksamkeit auf depressionsrelevante (störungsrelevante) Umweltreize (vgl. Trunk, 2013b; S. 11) 6

7 Konsequenzen für die kindliche Entwicklung Erschwerte Bedingungen der Alltagsgestaltung (Partieller) Verlust des Sicherheitsempfindens Schuldgefühle, für die elterliche Erkrankung verantwortlich zu sein Desorientierung und Verängstigung aufgrund der nicht nachvollziehbaren Situation Tabuisierung und Isolation Betreuungsdefizit Abwertungserlebnisse Loyalitätskonflikte innerhalb und außerhalb der Familie Parentifizierung (vgl. Mattejat & Remschmidt, 2008; Schneider, 2009; Trunk, 2013a) 7

8 Konsequenzen für die kindliche Entwicklung Robustes, aktives und kontaktfreudiges Temperament Emotionale Einfühlungs- und Ausdrucksfähigkeit Konstruktives Problemlöseverhalten Positives Selbstwertgefühl und internale Kontrollüberzeugungen Alters- und entwicklungsorientierte Aufklärung über die elterliche Erkrankung Emotional sichere Bindung an die Bezugspersonen Positives Erziehungs- und Familienklima mit festen Verhaltensregeln Gute Paarbeziehung der Eltern (Affektive) Präsenz des nicht-erkrankten Elternteiles Soziale Unterstützung und Integration in ein Netzwerk (vgl. Lenz, 2005; Schneider, 2009; Trunk, 2013a; Griepenstroh, Heitmann & Hermeling, 2012) 8

9 Die andere Seite der Medaille Psychische Störungen von Eltern unterscheiden sich substantiell von kinderlosen Erwachsenen auf den Dimensionen: (vgl. Schneider, 2009; Trunk, 2013a; Deneke, Thyen & Schlack, 2009) 9

10 Fazit und Implikationen Spezifizierung intergenerationaler Transmissionsmechanismen und störungsspezifischer Effekte einer elterlichen psychischen Erkrankung auf die kindliche Entwicklung Rolle und Funktion erkrankter Elternteile Genaue Erfassung des kindlichen Entwicklungsstatus Betrachtung von Resilienz- und Vulnerabilitätsfaktoren für eine gelingende Entwicklung (vgl. Trunk, 2013a) 10

11 Fazit und Implikationen für die Praxis Kein flächendeckendes Versorgungsangebot mit spezifischen Angeboten für Familien mit psychisch erkrankten Eltern(-teilen) Mangelnde empirische Überprüfung umgesetzter Angebote Empfehlungen kaum möglich (vgl. Trunk, 2013a) 11

12 Literatur American Psychiatric Association (1994). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (4th ed.). Washington, D.C.: Autoren. [deutsch: Saß, H., Wittchen, H.-U. & Zaudig, M. (1996). Diagnostisches und Statisches Manual Psychischer Störungen (DSM-IV). Göttingen: Hogrefe]. Deneke, C., Thyen, U. & Schlack, H.G. (2009). Kinder in besonderen Familiensituationen. In H.G. Schlack, U. Thyen & R. Kries, von (Hrsg.), Sozialpädiatrie. Gesundheitswissenschaft und pädiatrischer Alltag (S ). Heidelberg: Springer. Griepenstroh, J., Heitmann, D. & Hermeling, S. (2012). Kinder psychisch kranker Eltern: Lebenssituation und Entwicklungsrisiken. In U. Bauer, A. Reinisch & M. Schmuhl, M. (Hrsg.), Prävention für Familien mit psychisch erkrankten Eltern (S ). Wiesbaden: Springer Verlag für Sozialwissenschaften. Kölch, M. (2009). Versorgung von Kindern aus Sicht ihrer psychisch kranken Eltern. Expertise im Rahmen des 13. Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung. Verfügbar unter: [ ]. Lenz, A. (2005). Kinder psychisch kranker Eltern. Göttingen: Hogrefe. 12

13 Literatur Mattejat, F. & Remschmidt, H. (2008). Kinder psychisch kranker Eltern. Deutsches Ärzteblatt, 105 (23), Schneider, S. (2009). Kinder psychisch kranker Eltern. In S. Schneider & J. Margraf (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Band 3: Störungen im Kindes- und Jugendalter (S ). Heidelberg: Springer. Trunk, J. (2011). Parentale Depression als kontextuelles Entwicklungsrisiko. Die kognitiven Inhibitionsleistungen von Kindern. Hamburg: Dr. Kovac. Trunk, J. (2013a). Kinder psychisch kranker Eltern. Stand der Forschung und Implikationen für Empirie und Praxis. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 8 (3), Trunk, J. (2013b). Risikofaktor Depression? Effekte mütterlicher Depressionen auf die frühkindliche Entwicklung. Zeitschrift für Jugendschutz und Erziehung, 11 (3), Trunk, J. (2014). Auswirkungen einer elterlichen Depression auf die kindliche Entwicklung: Implikationen für den pädagogischen Alltag. Katholische Bildung,

14 Literatur Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2014). Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision-German Modification, Version Verfügbar unter: Wittchen, H.U. & Jacobi, F. (2005). Size and burden of mental disorders in Europe: A critical review and reappraisal of 27 studies. European Neuropsychopharmacology, 15, Wittchen, H.U. & Pittrow, D. (2002). Prevalence, recognition and management of depression in primary care: the Depression 2000 study. Human Psychopharmacology, 17, Bildquellen: Titel- Abschlussfolie von links nach rechts: 1.) https://www.jugendhilfeportal.de/typo3temp/pics/b26dfcd2b2.jpg 2.) t_a_fad_by_whiter ab.jpg 3.) jpg 4.) 14

15 Kontakt Prof. Dr. Janine Trunk Klinische Psychologin Hochschule Döpfer Berlin-Kölnische Allee Köln 15

16 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit 16

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