Einführung 2: Fokus und Topik

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1 Johannes Dölling WiSe 212/13 Präsupposition, Fokus, Topik Einführung 2: Fokus und Topik 1 Allgemeines Der Common Ground, d.h. das gemeinsame Wissen, über das die Kommunikationspartner insbesondere auch in Gestalt von Präsuppositionen verfügen, bildet die Basis für einen möglichst optimalen Transfer der zu übermittelnden Information. Die Art und Weise, in der Information sprachlich gegliedert wird, um den Intentionen des Sprechers und dem Wissensstand des Adressaten gerecht zu werden, wird seit Michael Halliday (1967) als Informationsstruktur bezeichnet. Der Begriff der Informationsstruktur bezieht sich also vor allem darauf, wie Information vom Sprecher vermittelt wird, um möglichst gut vom Adressaten verstanden zu werden. Betroffen sind dabei alle Ebenen der sprachlichen Strukturierung von der prosodischen Konturierung über die syntaktische Anordnung bis hin zum Aufbau von ganzen Texten. Zwei zentrale Dimensionen der polaren Gliederung von Information werden durch die Ausdrucksspaare Fokus Hintergrund Topik Kommentar erfasst. Allgemein bezeichnet man mit Fokus die Hervorhebung eines Teilausdrucks einer Äußerung, um die Aufmerksamkeit auf diesen zu lenken. Der Restausdruck der Äußerung wird Hintergrund genannt. Der Ausdruck Topik steht für den Gegenstand eines Redebeitrags; der Ausdruck Kommentar wird entsprechend für die über den Gegenstand getroffene Aussage gebraucht. Andere komplementäre Ausdruckspaare, die innerhalb der verschiedenen Forschungstraditionen häufig an Stelle von Fokus und Hintergrund verwendet werden, sind: Psychologisches Subjekt psychologisches Prädikat (von Gabelentz 1867, Paul 188) Thema Rhema (Ammann 1928) Topik Fokus (Prager Schule der funktionalen Satzperspektive: Mathesius, Firbas, Sgall) Neues Gegebenes (Halliday 1967) Fokus Präsupposition (Chomsky 1971, Jackendoff 1972) 2 Fokus Bereits von Hermann Paul (188) stammt die Beobachtung, dass ein und derselbe Satz als Antwort auf ganz unterschiedliche Fragen benutzt werden kann, wenn man ihn jeweils mit einer anderen Akzentuierung versieht. (1) Paul ist gestern nach Berlin gefahren. (2) (a) A: Wer ist gestern nach Berlin gefahren? B: [PAUL] F ist gestern nach Berlin gefahren. (b) A: Wann ist Paul nach Berlin gefahren? B: Paul ist [GEStern] F nach Berlin gefahren. (c) A: Wohin ist Paul gestern gefahren? B: Paul ist gestern [nach BerLIN] F gefahren. (d) A: Wie ist Paul gestern nach Berlin gereist? B: Paul ist gestern nach Berlin [gefahren] F. Die mit F indizierte syntaktische Konstituente, die mit dem Fragewort in der jeweils vorangehenden Frage korrespondiert und in der die Silbe mit dem Satzakzent vorkommt, stellt den Fokus dar. Die restlichen Konstituenten bilden den Hintergrund der Äußerung. Das Wort, das die akzenttragende Silbe enthält, heißt Fokusexponent. Neben intonatorischen Mitteln werden auch syntaktische Möglichkeiten wie z.b. ein Spaltsatz oder auch eine Satzinitialstellung genutzt, um Fokus zu markieren. (3) (a) Es ist Paul, der gestern nach Berlin gefahren ist. (b) Gestern ist Paul nach Berlin gefahren. Fokusmarkierungen durch Akzentuierung können ohne Kontext ambig sein. Die betreffende Äußerung hat dann ein bestimmtes Fokuspotential, das durch Einordnung in einen Kontext disambiguiert werden kann. (4) Paul ist gestern nach BerLIN gefahren. (5) (a) Paul ist gestern nach [BerLIN] F gefahren. (b) Paul ist gestern [nach BerLIN gefahren] F. (c) Paul ist [gestern nach BerLIN gefahren] F. (d) [Paul ist gestern nach BerLIN gefahren] F. Wenn kein enger Fokus vorliegt, d.h. wenn der Fokus nicht auf die einfache Konstituente beschränkt ist, die den Satzakzent trägt, wird von Fokusprojektion gesprochen. (6) A: Was hat Paul gestern gemacht? B: Paul ist gestern [nach BerLIN gefahren] F. 1 2

2 Wenn der gesamte Satz fokussiert wird, liegt maximaler Fokus vor. (7) A: Was ist geschehen? B: [Paul ist gestern nach BerLIN gefahren] F. Sätze können mehrfache Foki haben, so bei Antworten auf Fragen mit mehreren Fragewörtern. (8) A: Wer ist gestern wohin gefahren? B: [Paul] F ist gestern [nach BerLIN] F gefahren. Das Fokuspotential eines Satzes ändert sich nicht nur dann, wenn der Satzakzent auf eine andere Konstituente gelegt wird vgl. (2a) (2d), sondern auch bei einer Veränderung der Abfolge der Konstituenten. Die folgende Satz erlaubt nur einen Fokus auf Berlin: (9) Nach [BerLIN] F ist Paul gestern gefahren. Folgende Annahmen zum Zusammenwirken von Grammatik und Pragmatik bei der Determination des Fokus können getroffen werden: In der Syntax wird ein Fokusmerkmal an eine bestimmte Konstituente vergeben. Dieses Merkmal kann bei der Fokusprojektion an weitere Konstituenten weitergereicht werden, wobei bestimmte syntaktische Beschränkungen gelten. Das Fokusmerkmal ist der Auslöser für die Akzentzuweisung an eine Silbe in der phonologischen Komponente. In der Pragmatik werden die so markierten Sätze in Abhängigkeit vom Kontext einer bestimmten Fokusinterpretation unterzogen. Die Details der Fokusdetermination zu klären, ist Gegenstand von intensiver linguistischer Forschung. 3 Weitere Fokusphänomene Fokus tritt nicht nur bei der Herstellung von Frage-Antwort-Korrespondenzen auf, sondern dient auch dazu, die Kontrastivität von Äußerungen auszudrücken. Dialogischer Kontrast: Korrektur Der Fokus markiert jenen Teil einer Äußerung, durch den sich die Äußerung vom korrigierten Original unterscheidet. (1) A: Paul ist gestern nach Berlin gefahren. B: Nein, Paul ist gestern nach [DRESden] F gefahren. Monologischer Kontrast: Fokussierende Negation Der Fokus markiert jenen Teil einer Äußerung, der von der Negation deshalb auch häufig Konstituentennegation genannt speziell betroffen ist. (11) (a) Nicht [PAUL] F ist gestern nach Berlin gefahren (sondern [KARL] F ). (b) Paul ist nicht [GEStern] F nach Berlin gefahren (sondern [HEUte] F). (c) Paul ist gestern nicht nach [BerLIN] F gefahren (sondern nach [PaRIS] F). (d) Paul ist gestern nicht nach Berlin [gefahren] F (sondern [geflogen] F ). (e) Nicht [PAUL] F ist gestern nach [BerLIN] F gefahren (sondern [KARL] F nach [PAris] F ). Andere fokussensitive Partikeln, d.h. Partikeln, mit denen ein Fokus assoziiert ist, sind Wörter wie nur, auch oder sogar. Sie werden auch Fokusoperatoren (oder Gradpartikeln) genannt. (12) (a) Paul ist gestern nur nach [BerLIN] F gefahren. (b) Paul ist auch [GEStern] F nach Berlin gefahren. (c) Sogar [PAUL] F ist nur [GEStern] F nach Berlin gefahren. Die unterschiedlichen Funktionen von Fokus können in Kombination miteinander auftreten. (13) Paul ist gestern nicht [nur] F nach [BerLIN] F gefahren (sondern [auch] F nach [PaRIS] F). (14) A: Paul ist sogar [GEStern] F nach Berlin gefahren. B: Paul ist [NUR] F [gestern] F nach Berlin gefahren. (15) A: Wann ist Paul nach Berlin gefahren? B: Paul ist [GEStern und heute] F nach Berlin gefahren. C: Nein, Paul ist nur [GEStern] F nach Berlin gefahren. D: Weder [GEStern] F noch [HEUte] F ist Paul nach Berlin gefahren. 4 Die Bedeutung des Fokus 4.1 Fokus als neue Information? Die traditionelle Sichtweise ist, dass der Fokus die (relativ zum Kontext) neue Information, der Hintergrund die (relativ zum Kontext) alte (gegebene) Information identifiziert. Frage-Antwort-Paare scheinen dieses Verständnis der Fokus-Hintergrund-Gliederung zu rechtfertigen: (16) A: Wer ist heute nach Paris geflogen? B: [ANna] F ist heute nach Paris geflogen die alte Information: >Jemand ist heute nach Paris geflogen.< die neue Information: >Es ist Anna, die nach Paris geflogen ist.< 3 4

3 Der Fokus stellt aber nicht immer eine neue Information dar: 5 Fokussierende Negation (17) A: Anna ist heute nach London geflogen. B: Nein, Anna ist heute nicht nach [LONdon] F geflogen. Exklusive Fokusoperatoren (nur, bloß, lediglich) (18) A: Anna ist heute nach Paris und nach London geflogen. B: Nein, Anna ist heute nur nach [PaRIS] F geflogen. 5.2 Fokus als Anzeige von Alternativen In der Nachfolge insbesondere von Mats Rooth (1985, 1992) wird Fokus so verstanden, dass mit ihm jeweils eine Auswahl aus einer (relativ zum Kontext) gegebenen Menge von Alternativen angezeigt wird. (19) (a) [ANna] F ist heute nach Paris geflogen. ALT = {Anna, Paul, Karl, Clara} (b) Anna ist heute nach [PaRIS] F geflogen. (c) Anna ist heute nach Paris [geflogen] F. (d) Anna ist heute [nach PaRIS geflogen] F. Durch die Fokussierung wird die Aufmerksamkeit auf gerade dieses Mitglied im Kontrast zu den nicht-ausgewählten Mitgliedern der Alternativenmenge gelenkt. Diese allgemeinere Sichtweise schließt nicht aus, dass Fokus häufig neue Information markiert. 6 Fokus und Wahrheitsbedingungen Meistens wie z.b. bei Frage-Antwort-Korrespondenzen, Korrekturen, Fokussierungen mit auch und sogar hat der Fokus lediglich Einfluss auf die Angemessenheit von Äußerungen. (2) A: Wann ist Carla nach London geflogen? B: #Carla ist vorgestern nach [PaRIS] F geflogen. Die Wahrheitsbedingungen von Sätzen bleiben dann bei variierendem Fokus unverändert. (21) (a) Auch [CARla] F ist gestern nach Leipzig gefahren. >Carla ist gestern nach Leipzig gefahren.< (b) Carla ist gestern auch nach [LEIPzig] F gefahren. Manchmal beeinflusst der Fokus aber auch die Wahrheitsbedingungen und strukturiert damit Information nicht bloß, sondern verändert sie auch. Exklusive Fokusoperatoren (22) (a) Nur [CARla] F ist gestern nach Leipzig gefahren. >Niemand anders als Carla ist gestern nach Leipzig gefahren.< (b) Carla ist nur [GEStern] F nach Leipzig gefahren. (c) Carla ist gestern nur nach [LEIPzig] F gefahren. Fokkussierende Negation (23) (a) Nicht [CARla] F ist gestern nach Leipzig gefahren. >Jemand anders als Carla ist gestern nach Leipzig gefahren.< (b) Carla ist nicht [GEStern] F nach Leipzig gefahren. (c) Carla ist gestern nicht nach [LEIPzig] F gefahren. Koordinationskonstruktionen (24) (a) Hans gab [ANna] F ein Buch und [MaRIa] F. >Hans gab Anna ein Buch, und er gab Maria ein Buch.< (b) [HANS] F gab Anna ein Buch und [MaRIa] F. Vergleichskonstruktionen (25) (a) Hans bewundert [ANna] F mehr als [MaRIa] F. (b) [HANS] F bewundert Anna mehr als [MaRIa] F 7 Fokus und Präsuppositionen 7.1 Fokus als Auslöser einer Existenzpräsupposition Fokus ist (typischerweise) mit einer Präsupposition verbunden (Chomsky 1971). Sie bezieht sich auf die Existenz von etwas, das die durch den Hintergrund dargestellte Eigenschaft hat. (26) Carla ist [GEStern] F nach Leipzig gefahren. >> >Carla ist irgendwann nach Leipzig gefahren.< 6

4 Präsuppositionstest (26 ) (a) Carla ist nicht [GEStern] F nach Leipzig gefahren. (b) Carla ist vielleicht [GEStern] F nach Leipzig gefahren. (c) Ist Carla [GEStern] F nach Leipzig gefahren? (d) Wenn Carla [GEStern] F nach Leipzig gefahren ist, dann hat sie Paul besucht. Präsuppositionsprinzip? (Bart Geurts & Rob van der Sandt 24) α F >> x[... x...], wobei x für den Fokus α eingesetzt worden ist. Nicht immer wird aber eine Existenzpräsupposition ausgelöst. (27) Carla ist [NIE] F nach Leipzig gefahren. >/> >Carla ist irgendwann nach Leipzig gefahren.< Es handelt sich eher um die generelle Eigenschaft von Fokus, die Existenz einer Alternativenmenge anzuzeigen. 7.2 Präsuppositionen von Fokusoperatoren Von fokussensitiven Partikeln werden speziellere Präsuppositionen ausgelöst. Exklusive Partikeln (nur, bloß, lediglich) (28) (a) Nur [FRITZ] F kommt. x ' '( ) (b) Nicht nur [FRITZ] F kommt. x ' '( ) >> kommen '( Fritz ') Additive Partikeln (auch, ebenfalls) (29) (a) Auch [FRITZ] F kommt. kommen '( Fritz ') (b) Es ist nicht so, dass auch [FRITZ] F kommt. kommen '( Fritz ') >> x ' '( ) Die Verhältnisse bei einer fokussierenden Negation sind dagegen nicht völlig klar (Jacobs 1982). (3) (a) Nicht [FRITZ] F kommt. kommen '( Fritz ')?? +> x ' '( )? x ' ( ) kommen x (b) Es ist nicht so, dass nicht [FRITZ] F kommt. kommen '( Fritz ') >/> x ' '( ) 8 Semantische Analyse von Fokus Gegenwärtig gibt es vor allem zwei konkurrierende semantische Herangehensweisen: Structured-meaning -Theorie Die Structured-meaning -Theorie für Fokus wurde von Joachim Jacobs (1983) und Arnim von Stechow (199) begründet und u.a. von Manfred Krifka (1992, 21, 26) weiterentwickelt. Die Annahme ist, dass die Bedeutung eines Ausdrucks als ein Paar α, β repräsentiert werden kann, wobei α die Bedeutung des Hintergrunds und β die Bedeutung des Fokus ist. (31) [FRITZ] F kommt. (31 ) Ableitung der semantischen Repräsentation von (31): kommen = λ x [ kommen '( x) ] (= α ) [ FRITZ ] = F λ y [ y], Fritz ' (= β ) kommt = kommen ( [ FRITZ ] F ) = λx [ kommen '( x) ]( λ y [ y], Fritz ' ) = λ y [ kommen '( y) ], Fritz ' (= α, β ) ( ) Alternativensemantik Die Alternativensemantik für Fokus stammt von Mats Rooth (1985, 1992) und wurde von Arnim von Stechow (199) weiter ausformuliert und mit der Structured-meaning -Theorie verglichen. In diesem Modell werden jedem Ausdruck α zwei Bedeutungen sein gewöhnlicher semantischer Wert α und sein fokussemantischer Wert α f zugewiesen. Falls α im Fokus steht, identifiziert der fokussemantische Wert von α eine Menge von Alternativen zum gewöhnlichen Wert von α : α f = ALT( α ). Ansonsten gilt: α = { α }. (31 ) Ableitung der semantischen Repräsentation von (31): f kommen = λ x [ kommen '( x) ]; kommen = { λ x [ kommen '( x) f ]} = Fritz ' ; [ FRITZ ] = F { Fritz ', Paul ', Carla ',...} kommt = kommen '( Fritz '); [ FRITZ ] kommt = F { kommen '( Fritz '), kommen '( Paul '), kommen '( Carla '),...} f f 7 8

5 9 Topik Die Auffassungen zum Begriff des Topiks und entsprechend zu dem des Kommentars sind äußerst vielgestaltig. Georg von Gabelentz (1867) und Hermann Paul (189) gelten als jene Forscher, die sich erstmalig systematischer zu dieser sprachlichen Gliederung geäußert haben. Von ihnen stammt die Unterscheidung in psychologisches Subjekt ( Gegenstand der Rede ) und psychologisches Prädikat ( das, was über den Gegenstand gesagt wird ). Als Begründer der klassischen Theorie von Topik und Kommentar gelten Charles Hockett (1958) und vor allem Tanya Reinhart (1982). Seit Reinhart wird zwischen Satztopik und Diskurstopik unterschieden. Das Satztopik ist das, worüber mit einem Satz etwas ausgesagt wird, d.h. der Satzgegenstand; der Kommentar ist das, was vom Topik ausgesagt wird, d.h. die Satzaussage. Mit Diskurstopik wird dasjenige bezeichnet, wovon der betreffende Diskurs (oder Text) handelt. (32) (a) Peter ist ein fleißiger und gewissenhafter Student. (b) Seine Studienleistungen sind aber trotzdem nur mittelmäßig. Topik des Satzes (32a): Topik des Diskurses (32): Peter Peters Qualitäten als Student 1 Weitere Phänomene der Topikalität Daniel Büring (1999) nimmt an, dass Sätze explizite oder implizite Fragen beantworten. Ein kontrastives Topik deutet dabei an, dass die Frage nicht komplett beantwortet ist: (35) A: Was trugen die Popstars? B: Die /weiblichen Popmusiker trugen \Kaftane. Das kontrastive Topik wird durch steigenden Akzent gekennzeichnet. Zusammen mit dem Akzent auf dem Kommentar entsteht eine Hutkontur. Eng mit Satztopik verwandt und oft nicht klar davon abgegrenzt, ist die Rahmensetzung. (36) (a) Gesundheitlich geht es Anita gut. (b) In ihrer Phantasie war Maria die Siegerin. Mit dem Adverb gesundheitlich wird für die Aussage >Anita geht es gut.< ein Rahmen gesetzt, innerhalb dessen sie gelten soll (William Chafe, 1976). Mit einer Rahmensetzung werden also die Wahrheitsbedingungen des betreffenden Satzes beeinflusst. Nach Joachim Jacobs (21) gibt es keinen einheitlichen Topikbegriff. Vielmehr werden unter der Bezeichnung Topik recht unterschiedliche Phänomene zusammengefasst, zwischen denen ein Netzwerk von Familienähnlichkeiten besteht. Das Satztopik wird häufig mit jener Konstituente ausgedrückt, die das grammatische Subjekt des Satzes ist. (33) (a) [Peter] T besuchte mit Maria eine Ausstellung. (b) [Maria] T besuchte mit Peter eine Ausstellung. Die Sätze unterscheiden sich nur in Bezug auf ihr Topik, nicht aber in Bezug auf ihre Wahrheitsbedingungen. Das Satztopik kann aber auch vom grammatischen Subjekt verschieden sein. Es wird dann mit anderen von Sprache zu Sprache unterschiedlichen morpho-syntaktischen Mitteln, z.b. durch spezielle syntaktische Konstruktionen oder satzeinleitende Position (in Sprachen mit freier Wortstellung wie dem Deutschen) ausgedrückt. (34) (a) Was [diesen Kuchen] T anbelangt, so wurde er von Maria gebacken. (b) [Diesen Kuchen] T backte Maria. 9 1

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