Sondernewsletter Januar 2014: Lebensmitteltransporte: Global kontra regional

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1 Kostenloses Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II Diese Arbeitsblätter sind ein kostenloser Service für die Oberstufe und erscheinen diese Woche im Rahmen eines Sondernewsletters. Sie beleuchten wie gewohnt ein aktuelles Thema aus der ZEIT, ergänzt durch passende Arbeitsanregungen zur praktischen Umsetzung im Unterricht. In Zusammenarbeit mit: Sondernewsletter Januar 2014: Lebensmitteltransporte: Global kontra regional Von Scampi auf Weltreise und Locavoren auf Nahrungssuche: Mit der massiven Ausweitung des Welthandels im Zuge der Globalisierung stiegen Energieverbrauch und CO 2 -Emissionen durch internationale Warentransporte. Sind also unsere Scampi, Kiwis und Co. Klimakiller? Selbst Experten fällt es schwer, die Ökobilanz einzelner Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette zu berechnen. Eine mögliche Alternative wäre regionales Essen doch das ist auch nicht immer öko. In dieser Unterrichtseinheit erschließen Ihre Schüler am Beispiel von Lebensmitteltransporten wirtschaftliche Zusammenhänge der Globalisierung, identifizieren verschiedene Interessengruppen in diesem Prozess, reflektieren ihre eigenen Handlungsmuster als Konsumenten und recherchieren, wie Verbraucher an Informationen zur Herkunft ihrer Nahrungsmittel gelangen können. Inhalt: 2 Einleitung: Thema und Lernziele 3 Arbeitsblatt 1: Video: Scampi auf Weltreise die Reise des Kaisergranats 7 Arbeitsblatt 2: Die regionale Alternative Text 1: Im Winter gibt s nur Kraut und Rüben Text 2: Ist regional das neue Bio? 11 Internetseiten zum Thema

2 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 2 Einleitung: Thema und Lernziele Was hat den größeren ökologischen Fußabdruck: das Steak vom freilaufenden argentinischen Rind oder das Fleisch regionaler Tiere aus Stallhaltung, die mit Importsoja gefüttert wurden? Sind Scampi, die zum Pulen per Hand über den halben Erdball verschifft werden, klimafreundlicher als Scampi, die vor Ort maschinell geschält werden? Diese Fragen sind selbst für Experten schwer zu beantworten. Dennoch möchten immer mehr Verbraucher über die Ökobilanz ihrer Nahrungsmittel Bescheid wissen, um entsprechend einzukaufen. Die Lebensmittelindustrie hingegen sucht nach möglichst kostensparenden Produktionsmethoden. Und die Globalisierung bietet hierfür völlig neue Wege. Die Kosten für den See- und Lufttransport sind nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie seit 1930 um 65 beziehungsweise 88 Prozent gesunken. Damit rechnet sich eine weltweite Verschiffung von Zwischenprodukten für die Weiterverarbeitung in Niedriglohnländern. Was weitreichende ökologische Folgen hat: Der rasant wachsende Warentransport im Zuge der Globalisierung führt zu einem steigenden Energieverbrauch und somit auch zu erhöhten CO 2 -Emissionen. Umweltschützer raten daher, sich möglichst regional und saisonal zu ernähren. Doch unter welchen Voraussetzungen ist dies tatsächlich ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz und zu einer nachhaltigen Lebensweise? Und ist dies für Großstadtbewohner überhaupt machbar? Arbeitsblatt 1 enthält Arbeitsaufträge zum schulmediathek.tv -Videoclip»Scampi auf Weltreise«. Die Schüler analysieren verschiedene Aspekte der Lebensmitteltransporte und ordnen diese in einen größeren Zusammenhang der Umwelt- und Globalisierungsthematik ein. In einem Rechercheprojekt ermitteln sie, welche Informationen sie über Herkunft und Transportwege von Nahrungsmitteln erschließen können, und beurteilen Transparenz und Verbraucherfreundlichkeit der Kennzeichnung. In Arbeitsblatt 2 folgen die Schüler dem Selbstversuch einer ZEIT-Redakteurin, die sich in Berlin für einige Wochen nach dem Vorbild der»locavoren«nur von Produkten aus der Region ernährte. Ein weiterer Text informiert über Studien zur Klimafreundlichkeit von regionalen und importierten Lebensmitteln. Die Schüler reflektieren ihr eigenes Ernährungsverhalten und erschließen in einem Streitgespräch Argumente und Perspektiven unterschiedlicher Interessengruppen. Links zum Film Sie finden den Clip»Scampi auf Weltreise«auf schulmediathek.tv. Für die Aufführung im Unterricht nutzen Sie bitte die Version auf: Falls Sie die Sprechertexte und weitere Infos zum Clip brauchen oder Ihre Schüler den Clip zu Hause ansehen lassen möchten, können Sie auch diese Version nutzen:

3 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 3 Arbeitsblatt 1 Scampi auf Weltreise die Reise des Kaisergranats Für die einen Irrsinn, für die anderen Klimaschutz: In den Gewässern vor Stornoway in Nordschottland wird nach Kaisergranat gefischt, und bis vor wenigen Jahren wurde dessen Schale maschinell in Schottland entfernt. Doch heute wird der Fang in Laster geladen und verschifft, um eine Reise von Kilometern anzutreten. Quelle: Espresso Education, Beobachtungsbogen zum Film»Scampi auf Weltreise«1. Welche Stationen hat die Reise des Kaisergranats vom Fang bis zum fertigen Produkt? 2. Mit welcher Begründung lässt die Fischfabrik die Scampi nicht mehr maschinell, sondern per Hand schälen? 3. Worin besteht der Unterschied zwischen maschinell und händisch geschälten Scampi? 4. Welche Personen kommen im Video zu Wort? 5. Es wurden wissenschaftliche Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit des Scampi-Transportes durchgeführt. Wer hat diese erstellt? Wer hat sie ausgewertet? Was wurde untersucht?

4 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 4 6. Mit welchen Argumenten verteidigt die Fischfabrik die Verschiffung der Scampi nach Thailand? 7. Welche Argumente gegen diese Lebensmitteltransporte werden im Film aufgeführt? 8. Welche Informationen erhalten Sie in diesem Film über die Fischfabrik? 9. Welches Produkt stellt die Fischfabrik aus den Scampi her? 10. Welches Fazit zieht der Reporter am Ende des Films zur Weltreise der Scampi? 11. Welche finanziellen Aspekte (Transport- und Produktionskosten, Verkaufspreise, Löhne etc.) werden im Zusammenhang mit der Weltreise der Scampi thematisiert? Notieren Sie hier weitere Fragen und Anmerkungen zum Film:

5 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 5 Aufgaben 1. Informationen aus audiovisuellen Medien entnehmen Schauen Sie sich das Video mehrmals an, und beantworten Sie die Fragen des Beobachtungsbogens. Notieren Sie auch, wenn sich eine Frage nicht oder nicht eindeutig beantworten lässt. 2. Inhalte und Aussagen erfassen Fassen Sie die Kernaussage des Films in ein bis zwei Sätzen zusammen. 3. Unterschiedliche Interessenlagen identifizieren Entwerfen Sie eine Tabelle, die unterschiedliche Interessengruppen hinsichtlich Lebensmitteln und Lebensmittelproduktion benennt. Halten Sie dabei fest, welche Ansprüche, Vorstellungen und Ziele diese Gruppen haben. Zeigen Sie auf, wo Sie Konfliktpotenzial erkennen. 4. Inhalte für eine Dokumentation konzipieren Sie stehen als Journalistenteam vor der Aufgabe, aus dem rund vierminütigen Videoclip zur Weltreise der Scampi eine längere Fernsehdokumentation herzustellen. Legen Sie fest, welche zusätzlichen Inhalte Sie hierfür heranziehen würden, damit die Zuschauer möglichst umfassend über die Thematik informiert werden und sich ein differenziertes Urteil bilden können. a. Welche Personen könnten hierfür interviewt werden, um die Problematik aus verschiedenen Perspektiven zu spiegeln? b. Welche Art von Studien könnten in diesem Zusammenhang wichtig sein? c. Welche Fragestellungen oder Fakten sollten den Zuschauern in der Dokumentation präsentiert werden? 5. Eine Medienanalyse durchführen Untersuchen Sie den Videoclip auf seine Neutralität bzw. die Ausgewogenheit der Informationsvermittlung. Begründen Sie Ihre Einschätzung anhand von Beispielen. 6. Empirische Informationsgewinnung, Rechercheprojekt Für Verbraucher ist die Herkunft vieler Lebensmittel nicht ohne Weiteres ersichtlich. Suchen Sie sich zunächst ein Nahrungsmittel Ihrer Wahl aus dem Supermarkt aus. Es sollte der Einfachheit halber nur aus wenigen oder einer Komponente bestehen. Ermitteln Sie innerhalb von 30 Minuten, woher das Lebensmittel stammt oder welchen Transportweg Zwischenprodukte oder weitere Inhaltsstoffe zurückgelegt haben. Protokollieren Sie Ihre Rechercheschritte. Nutzen Sie hierfür die Angaben auf der Verpackung und in den Verbraucherinformationsportalen. Notieren Sie, ab welchem Punkt Sie nicht mehr weiterkommen. Fassen Sie zusammen, was Sie herausbekommen konnten, und beurteilen Sie die Transparenz und Zugänglichkeit der Informationen für Verbraucher. Vergleichen Sie Ihre Gruppenergebnisse im Plenum, und erstellen Sie eine Liste mit den nützlichsten Informationsangeboten im Internet zu diesem Thema.

6 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 6 7. Übergeordnete politische und wirtschaftliche Zusammenhänge erschließen a. Setzen Sie die unten stehenden Hintergrundinformationen in Verbindung mit der»weltreise der Scampi«. b. Erläutern Sie den Zusammenhang zwischen Lebensmitteltransporten, Globalisierung, Niedriglohnländern und Umwelt- bzw. Klimaschutz. c. Erschließen Sie, welche Rolle die Transportwege für eine nachhaltige Lebensweise spielen. Transportkosten im Zeitalter der Globalisierung Seit 1930 sind die Kosten für den See- und Lufttransport um 65 bzw. 88 Prozent gesunken. So kostet etwa der Transport eines Standardcontainers mit mehr als 20 Tonnen Fracht von Asien nach Europa nicht mehr als ein Flug in der Economyclass für einen Flugpassagier auf derselben Strecke. Der Transport einer Tonne Eisenerz von Australien nach Europa kostet durchschnittlich etwa 12 US-Dollar. Und bei einem Transport von Asien nach Europa liegt der Anteil der Seefrachtkosten bei einem Fernseher bei etwa 1,4 Prozent, bei einem Kilo Kaffee sogar nur bei einem Prozent. [ ] Der prozentuale Anteil der Warenexporte und -importe am weltweiten BIP stieg von 19,7 Prozent im Jahr 1970 auf [ ] 48,3 Prozent im Jahr Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Zahlen und Fakten: Globalisierung Lizenz: Internationale Lohnkosten Viele Krabben, die Fischer in der Nordsee fangen, machen eine Reise um die halbe Welt, bevor sie in deutschen Supermärkten landen. [ ] Der Grund ist einfach: Es geht ums Geld. Eine Pulerin in Marokko verdient im Durchschnitt sechs Euro pro Tag. So billig arbeitet nicht einmal eine Maschine in Deutschland [ ], die Kosten pro Kilo liegen um drei bis vier Euro höher als bei der Variante des Pulenlassens in Marokko. Quelle: Ulrike Benz,»Sind die falsch gepult? Der Krabben-Irrsinn«, Feelgreen, ,

7 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 7 Arbeitsblatt 2 Die regionale Alternative Text 1: Im Winter gibt s nur Kraut und Rüben Essen nur aus der Region: Das heißt Bauernkontakt und Klimaschutz. Aber ist es alltagstauglich? 5 Was wir essen, ist meist weit gereist: Ananas und Fisch werden aus Afrika eingeflogen, Fleisch aus Argentinien, Bohnen aus Ägypten. Der Transport-Wahnsinn gilt auch für vermeintlich heimische Lebensmittel: Nordseekrabben werden zum Pulen erst nach Marokko gebracht, bevor sie wieder hier in den Kühlregalen liegen. Es ist absurd. Vielleicht geht es auch anders. Ich möchte versuchen, mich in Berlin einige Wochen lang ausschließlich von dem zu ernähren, was in der Nähe gewachsen ist und erzeugt wurde. In den USA gibt es bereits eine breite Bewegung, die regionale Ernährung propagiert: Locavoren essen nur Lebensmittel aus einem Umkreis von 100 Meilen. Durch die kurzen Transportwege soll vor allem das Klima geschont werden. Auch 65 Prozent der Deutschen bevorzugen angeblich beim Einkaufen meist oder immer regionale Produkte, so die Stiftung Warentest. Mal sehen Woche: Pfefferminze aus Berlin Aus Kühlschrank und Speisekammer räume ich alles, was nicht aus meiner unmittelbaren Umgebung stammt. Auf Kaffee muss man in Berlin verzichten. Auf Wein und Schokolade. Auf Pfeffer und Olivenöl, auf Ananas und Bananen. Auf Nudeln, Couscous und Reis. Einige Kartoffeln bleiben übrig, sie stammen zufällig aus Brandenburg Beim Gemüsehändler:»Woher kommen die Zwiebeln und Tomaten?Hm... aus Hamburg? Vom Großmarkt halt!haben Sie irgendetwas, das aus der Region kommt? Aus Berlin, wenigstens aus Brandenburg?Ich glaube, die Pfefferminze da drüben.«auch in Supermärkten werde ich kaum fündig: Ob etwa ein Rewe-Markt regionale Produkte führt, hängt vom Engagement jedes einzelnen Filialleiters ab [ ]. Einzelne Produkte entdecke ich doch, Spreewälder Honigsenf bei Kaiser s zum Beispiel, mit schwarz-rot-goldenem Etikett. Aber woher kommen Senfsaat, Branntweinessig, Honig, Zucker und Salz? [ ] Im Biosupermarkt ist es leichter: Hier gibt es mehr lokales Obst, Gemüse und tierische Produkte, vor allem aus Brandenburg, wie mir ein Mitarbeiter versichert. [ ] 30 Tierische Produkte vor allem Fleisch, das ich nicht esse sind am leichtesten lokal zu bekommen. Ich verzehre viel mehr Milch, Joghurt und Käse als sonst. Ganz wohl ist mir nicht dabei: Für Milchprodukte muss man Kühe halten. Die Kühe stehen in Ställen, werden gefüttert, produzieren Methan, kalben, damit sie Milch geben. All das erhöht den Klimaeffekt dieser Lebensmittel erheblich.

8 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional Woche: Die Kiste kommt [ ]»Wissen Sie, woher in diesem Restaurant das Essen kommt?«wird zur Frage, die ich häufig stelle. In der Regel fragen die Bedienungen so lange in der Küche nach, bis sie etwas Regionales gefunden haben, das ich trinken und essen kann. [ ] 40 Eine Freundin empfiehlt mir, eine Biokiste zu bestellen. [ ] Ich bestelle eine regionale märkische Kiste (für 14,63 Euro), die wenige Tage später mit Zucchini, Kohlrabi, Cherry-Tomaten, Salat, Äpfeln, Zwetschgen, Bohnen und Mangold zu mir nach Hause gebracht wird. [ ] Drei Mal die Woche werden diese Lebensmittel von den Höfen nach Berlin-Tempelhof gefahren, wo sie in Kisten gepackt und dann in 47 Touren auf die Kunden in Berlin verteilt werden. Wie viele Kilometer da insgesamt zusammenkommen, konnte man mir nicht sagen, mir sind es aber zu viele und 4. Woche: Bauernmarkt Also radle ich bald jeden Donnerstag acht Kilometer weit zum Brandenburger Bauernmarkt an den Wittenbergplatz.»Alles selbst gebacken, mit Getreide aus Brandenburg«, sagt die Bäckerin und reicht mir noch ein Glas selbst eingemachter Rhabarbermarmelade. Thomas, der Fischhändler, ruft mir zu:»forelle aus eigener Zucht! Heute Morgen gefangen! [ ]«Viele der nicht biologisch angebauten Lebensmittel vom Markt sind günstiger als im Supermarkt. Ich kaufe so viel wie möglich ein. Auf dem Nachhauseweg zerquetschen Salat und Beeren. Es wäre viel einfacher, mit einem Auto zum Markt oder direkt zu einem Hof zu fahren. Damit würde ich aber die Klimabilanz meiner Ernährung kaputt machen: Ob man mit dem Auto zum Einkaufen fährt, ist entscheidend für die CO₂-Bilanz der Ernährung. [ ] 55 Mir schmeckt das regionale Essen besser. Ob das an der Frische liegt, von der Locavoren immer schwärmen, weiß ich nicht. Der Grund kann auch sein, dass ich mich nun permanent damit auseinandersetze, was ich verzehre. Ich weiß Tage im Voraus, was es zum Abendessen gibt Woche: Warmer Honig Essen zu organisieren wird zur logistischen Großleistung. Ich denke ständig darüber nach, wo ich Nahrung bekomme. Über mein Bild von Berlin legt sich eine neue, unsichtbare Karte, eine Karte, die Orte mit regionalen Lebensmitteln verzeichnet. Auf dieser Karte ist zum Beispiel ein Gemeinschaftsgarten auf dem Moritzplatz, wo ich aus mit Erde gefüllten Plastiksäcken, in denen hier gepflanzt wird, mit einem kleinen Messer Salbei und Pfefferminze ernte. Von hier nimmt mich die Imkerin Erika Mayr mit zu ihren Bienenstöcken auf dem Dach eines Künstlerhauses. [ ] Ein paar Stockwerke tiefer kurbeln wir die in die Schleuder eingehängten Waben, bis der Honig schwer nach unten durch ein Sieb fließt. Er ist noch warm, als ich ihn mit nach Hause nehme Woche: Die Kooperative Ich möchte täglich mehr darüber wissen, wie meine Nahrung angebaut und hergestellt wurde, und suche eine Lebensmittelkooperative, die an Supermärkten und Lebensmittelindustrie vorbei die Ernte direkt vom Bauern bezieht. Der Löwengarten wirtschaftet 70 Kilometer außerhalb von Berlin in der Märkischen Heide

9 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 9 75 mit Demeter-Zertifizierung. Die Kunden sind 140 Berliner, die sich verpflichtet haben, 40 Euro monatlich Ernteanteil zu bezahlen und drei Tage jährlich auf dem Hof zu leben und zu arbeiten. Dafür beliefern Simon Junge und seine fünf Lehrlinge einmal pro Woche sieben Gemeinschaftsdepots in Berlin. Pro Jahr werden dabei insgesamt Kilometer verfahren. Zum Vergleich: Eine Banane, die bei uns im Obstregal liegt, ist allein schon im Schnitt Kilometer gereist. Als ich in einem der Depots gleich bei mir um die Ecke ankomme, wuchtet Simon Junge gerade Kisten mit Zucchini, Gurken, Blumenkohl, Mangold, Basilikum, Tomaten, Schnittlauch, Petersilie, Brokkoli und Zwiebeln in den Keller. Man kann sich das Essen nicht aussuchen. Im Winter gibt es keine Tomaten. Sondern nur Kraut und Rüben. Wenn überhaupt. [ ] Woche: Ende der Testphase Als ich das erste Mal wieder einen Supermarkt betrete, bin ich überfordert von den vielen Hinweisschildern. Lieber möchte ich auch in Zukunft überwiegend Regionales einkaufen. Zumindest Obst und Gemüse, das ich zu Hause verzehre, sollen aus der Umgebung kommen. Ich mag den Gedanken, mich auf das beschränken zu müssen, was in meiner Umgebung gerade wächst. Und demnächst, in der Winterzeit, esse ich halt Kraut und Rüben. Anne Kunze, DIE ZEIT Nr. 44/2011, Text 2: Ist regional das neue Bio? [ ] Nicht immer sind Lebensmittel»aus der Region«klimafreundlicher als importierte Ware, zeigen mehrere Studien von Elmar Schlich, Prozesstechniker an der Uni Gießen. Äpfel aus der Region zum Beispiel müssen das ganze Jahr über in Kühlhäusern und unter sauerstoffarmer Atmosphäre gelagert werden, damit sie frisch bleiben. [ ] Wenn sie bis zum Frühsommer des nächsten Jahres gelagert werden, verbrauchen deutsche Äpfel ähnlich viel Energie wie der Schiffstransport frischer Äpfel von der Südhalbkugel. [ ] Das Fleisch von Rindern, die in Argentinien frei herumgelaufen sind, hat einen geringeren ökologischen Fußabdruck als jenes von Rindern, die hierzulande auf einem kleinen Hof im Stall gehalten und womöglich noch mit Kraftfutter aus brasilianischen Sojabohnen gefüttert wurden. Erst ab einer Betriebsgröße von 400 Mastplätzen gleicht sich die Klimabilanz wieder aus. [ ] Als Faustregel gilt: Große Höfe produzieren immer energieeffizienter, egal, wo. 15 Entscheidend, aber oft außer Acht gelassen, ist auch das Verhalten des Verbrauchers. Zu 20 bis 40 Prozent beeinflusst dieser die Bilanz im Schnitt selbst, wie Jenny Teufel vom Öko-Institut herausgefunden hat. Wenn man etwa nur zum Einkaufen fährt, um einen Kasten Bier zu erstehen, ist man sogar für 63 Prozent von dessen Treibhausgasemission verantwortlich. Für alle Produkte gelten die Fragen: Was wird gekauft? Geht es per Auto, Rad oder zu Fuß ins Geschäft? Wie werden die Lebensmittel aufbewahrt? Auch ist eine energieeffiziente Zubereitung (Deckel auf den Topf!) wichtig und, natürlich, dass so wenig wie möglich ungenutzt verdirbt. 20 Das Fazit: Regional ist nicht das neue Bio, vielmehr wollen beide überlegt genutzt werden. Anne Kunze, DIE ZEIT Nr. 13/2012, (Auszug)

10 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 10 Aufgaben 1. Eigene Handlungsmuster reflektieren a. Angenommen, Sie würden sich von heute an ausschließlich regional ernähren. Überlegen Sie, worauf Sie konkret verzichten müssten, beziehen Sie aber auch ein, was Sie hierdurch gewinnen könnten. Erörtern Sie, ob eine regionale Ernährung für Sie infrage käme. b. Errechnen Sie Ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck auf Versuchen Sie, in einem weiteren Durchlauf auf 1,8 Hektar zu kommen. Diskutieren Sie, mit welchen Strategien dies möglich ist. 2. Informationen aus dem Text interpretieren a. Fassen Sie in einer Tabelle zusammen, welche Möglichkeiten die Autorin im Artikel»Im Winter gibt s nur Kraut und Rüben«nutzt, um regionale Lebensmittel zu erhalten, und listen Sie Vorund Nachteile dieser Vertriebswege auf. b. Projekt: Recherchieren Sie nach Anbietern von regionalen Lebensmitteln in Ihrem Umfeld, und schätzen Sie ein, wie leicht bzw. schwer es ist, sich ausschließlich regional zu ernähren. 3. Wissen kreativ umsetzen Entwerfen Sie in Gruppenarbeit eine regionale und saisonale Speisekarte für ein Restaurant. 4. Fragen zu einem Sachverhalt entwickeln a. Fassen Sie zusammen, welche Faktoren bei der Beurteilung des ökologischen Fußabdrucks von Lebensmitteln eine Rolle spielen. b. Formulieren Sie im Plenum eine Liste mit Fragen an Experten und Politiker, um die nötigen Informationen zu erhalten, damit Sie selbst sachgerechte Entscheidungen zu Ihrem Lebensmittelkonsum treffen können. 5. Internetrecherche und Präsentation Informieren Sie sich in Gruppenarbeit über folgende Internetportale zum Thema»Nachhaltiger Lebensmittelkonsum«. Stellen Sie anschließend die Plattform bzw. Initiative im Plenum vor. Slow Food Deutschland, Utopia, Klima sucht Schutz, > Konsumcheck Lebensmittel aid, Lebensmittel, 6. Positionen von Interessengruppen in einem Streitgespräch vertreten Führen Sie eine Podiumsdiskussion zu folgendem Thema:»Regional, saisonal oder international: Wie soll man sich nachhaltig ernähren?«fiktive Diskussionsteilnehmer wären z. B.: ein Geschäftsführer einer Fischverarbeitungsfabrik, ein»locavore«, ein Ökobauer aus Deutschland, ein Rinderzüchter aus Brasilien,»Otto Normalverbraucher«, ein Selbstversorger (z. B. Hühnerhaltung im Garten,»Urban Gardening«), ein Vertreter einer Klimaschutzorganisation, ein Verkäufer auf einem Wochenmarkt, ein Beschäftigter eines Betriebes, in dem Krabben gepult werden.

11 »ZEIT für die Schule«-Arbeitsblätter Lebensmitteltransporte: Global kontra regional 11 Internetseiten zum Thema: Lebensmitteltransporte: Global kontra regional ZEIT für die Schule: Ökonomisches Handeln ZEIT ONLINE: Der Pizza-Code Footprint Deutschland: Passt dein Fuß auf diese Erde? für mich. für dich. fürs klima: Die lange Reise bis zum Kochtopf kochtopf.htm Berlinale: Canned Dreams Trailer: Quarks & Co: Der Apfel aus Neuseeland Das kostenlose ZEIT-Angebot für Schulen Die aktualisierten Unterrichtsmaterialien»Medienkunde«und»Abitur, und was dann?«können Sie kostenfrei bestellen. Lesen Sie auch drei Wochen lang kostenlos DIE ZEIT im Klassensatz! Alle Informationen unter IMPRESSUM Projektleitung: Annika Theuerkauff, Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Projektassistenz: Anneke Krooß, Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, Didaktisches Konzept und Arbeitsaufträge: Susanne Patzelt, Wissen beflügelt

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