Letzte Ausfahrt: Angkor Hospital Das Krankenhaus*

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1 Aus anderen Ländern Letzte Ausfahrt: Angkor Hospital Das Krankenhaus* Siem Reap ist für seine wunderschöne, jahrhundertealte Tempelanlage Angkor Wat weltberühmt. Doch kaum einer weiß, dass sich in der kleinen Stadt nahe dem Tonle Sap See ein Krankenhaus befindet, das für viele Kinder Kambodschas die letzte Hoffnung ist. Ricarda Schuller hat das für Kambodscha einmalige Projekt Angkor Hospital besucht. I n dem orangenfarben gefliesten Raum mit den sonnengelb gestrichenen Wänden sitzen, auf hölzernen Bänken, junge Frauen mit ihren Kindern. Sitzen dort, halten die kleinen Jungen und Mädchen in ihren Armen, tätscheln ihnen liebevoll die Stirn. Die Kinder haben alle etwas gemeinsam: Sie sind krank, und dass ihre Mütter mit ihnen deshalb hier sind, ist keineswegs selbstverständlich. Einige Kambodschaner leiden jahrelang an einer Krankheit, bevor sie sich endlich entschließen, ins Krankenhaus zu gehen, sagt Sinketh Arun und fügt hinzu: Und auch bei 14 ihren Kindern versuchen sie bis zuletzt, sie mit traditioneller Naturmedizin zu heilen. Die 33-Jährige arbeitet seit nunmehr sieben Jahren im Angkor Hospital for Children. Zunächst als Krankenschwester, seit einem Jahr macht sie die Pressearbeit für das Krankenhaus, das für Kambodscha so einmalig ist. Vor neun Jahren öffnete das Angkor Hospital for Children, das durch die Organisation Friends Without a Border gesponsert wird, seine Pforten und behandelte seitdem etwa fünfhunderttausend Kinder. Fünfhundert-

2 tausend Kinder, die ohne das Krankenhaus in Siem Reap womöglich niemals behandelt worden wären. Denn die Behandlung ist kostenlos, erfolgt lediglich gegen eine kleine Spende von 500 bis 1000 Riel, was umgerechnet nicht einmal ein Ringgit ist. Doch mehr könnten sich die meisten Familien auch nicht leisten, denn viele sind einfache Bauern und leben am Existenzminimum. Ärzte sind für sie Luxus. Dass so wenige Menschen in Kambodscha zum Arzt gehen, liegt zum einen daran, dass man Ärzten im Allgemeinen nicht traut, und zum anderen, dass die Menschen Angst vor den möglichen Kosten haben, die mit einem Arztbesuch verbunden sein könnten, erzählt Sinketh Arun. Das Kinderkrankenhaus in Siem Reap zieht wegen der geringen Kosten Familien aus dem ganzen Land an, etwa die Hälfte der Patienten stammt nicht aus der Provinz Siem Reap und nimmt eine lange Reise auf sich, um behandelt zu werden. Auch heute haben die Ärzte des Kinderkrankenhauses einigen Kindern helfen können. Die schwarze Digitalanzeige blinkt und zeigt die Zahl 390, denn so viele Kinder wurden bis jetzt behandelt. Durchschnittlich warten sie etwa drei Stunden darauf. Dabei sieht bei weitem nicht jedes Kind den Arzt, denn das wäre nicht machbar. Staatlich geprüfte Krankenpfleger schauen sich die Kinder vorher genau an und entscheiden, welches Kind tatsächlich einen Arzt sehen sollte und welches Kind lediglich Medikamente mitbekommt, erzählt Sinketh Arun. Und dennoch: Die sechs Ärzte, mit denen das Kinderkrankenhaus ständig besetzt ist, haben jeweils vierzig bis fünfzig Patienten am Tag. Eine Anzahl, die für die meist jungen Ärzte schwer zu bewältigen ist. Sar Peng An ist so ein junger Arzt. Der 26- Jährige arbeitet erst seit einem Jahr im Angkor Hospital for Children. Er stammt selbst aus einer armen Familie, konnte sich sein Medizinstudium in Vietnam nur durch ein Stipendium leisten. Nun spornt gerade sein sozialer Hintergrund ihn an. Es macht mich Kleine Patientin* Lehrgarten der Kinder 15

3 Im Foyer warten die Kinder durchschnittlich drei Stunden glücklich, diesen armen Familien zu helfen, auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist, erzählt er und fügt hinzu: Zudem kann ich hier viel über Kinderkrankheiten lernen. Heilen und Lernen das sind im Angkor Hospital for Children die zwei Seiten einer Medaille. Denn das Kinderkrankenhaus ist zugleich ein Lernzentrum für die Eltern der Kinder, aber auch für die Ärzte. Neben der medizinischen Versorgung ist es unser Ziel, Ärzte und Krankenpfleger hier im Krankenhaus fortzubilden. Die Ärzte arbeiten hier nicht nur, sondern werden auch unterrichtet oder geben selbst Unterricht. Denn gerade Ärzte, die frisch von der Universität kommen, haben oftmals nicht genug praktische Erfahrung, speziell was Operationen angeht, erzählt Sinketh Arun. Und auch die Mütter lernen im Angkor Hospital for Children. Zum Beispiel, welche Nährstoffe und Lebensmittel ihre Kinder brauchen, um gesund zu bleiben. Hinter dem gelben Hauptgebäude, in dem die Kinder von den Ärzten untersucht werden, liegt ein kleiner Garten mit Gemüsebeeten. Grüne Schilder verraten die Namen der angepflanzten Sorten. Das ist unser Lehrgarten für die Eltern, erzählt Sinketh Arun. Viele Eltern ernähren ihre Kinder nämlich falsch und die Folgen bekommen wir zu spüren. Neben Dengue-Fieber und Lungenentzündung zählten Mangelernährung und ihre Folgen zu den häufigsten Erkrankungen, die die Ärzte im Angkor Hospital for Children behandeln müssten. Denn oft fehlen den Kindern wichtige Proteine oder sie nehmen viel zu wenig Vitamine zu sich. Etwa dreißig Prozent unserer Patienten leiden daran, so Sinketh Arun. Falsche Ernährung führt dazu, dass die Kinder nicht zur Schule gehen können und eine Belastung für die Familie sind. Indem wir uns der Kinder annehmen und sie gesund machen, helfen wir auch den Eltern, erzählt sie und lächelt. Es ist nun fünf Uhr am Nachmittag und die schwarze Digitalschrift ruft den 400-sten kleinen Patienten für heute auf. Noch zwei Stunden werden die Ärzte im Angkor Hospital for Children für die Kinder aus ganz Kambodscha da sein. Für heute. 16

4 Helfen Sie direkt bei Ihrem nächsten Besuch in Siem Reap Das Kinderkrankenhaus in Kambodscha benötigt neben Geld auch Sachspenden, die in haushaltsüblichen Mengen von Touristen mitgebracht werden können: Spielzeug für Kinder von 2-6 Jahren (keine Stofftiere!) Blei- und Buntstifte, Wachsmalkreiden, Malbücher Einweghandschuhe Lesebrillen Handseifen Verbandsmaterial Zahnbürsten Paracetamol (für Kinder) Multivitaminpräparate (für Kinder) Kleidung für Kinder und Erwachsene Auf der Webseite des Krankenhauses gibt es eine im Januar 2008 aktualisierte ausführliche Wunschliste: Adoptieren Sie einen Physiotherapeuten Angkors Kinder e.v. unterstützt das Kinderkrankenhaus von Siem Reap Der Diplom-Sportwissenschaftler Alex Strecker arbeitete im April 2002 einen Monat lang auf freiwilliger Basis mit dem Krankenhausteam zusammen. Seit diesem ersten Kontakt war es ihm ein großes Anliegen, dort eine Physiotherapie-Abteilung einzurichten. Die Arbeit als Krankengymnast vor Ort machte überdeutlich, wie dringend notwendig physiotherapeutische Interventionen dort gebraucht wurden. Die vier Wochen waren geprägt davon, die bettlägerigen Kinder systematisch zu bewegen, damit sie keine Folgeschäden davontrugen, und zusätzlich die Pflegekräfte darin zu schulen. In dem Wissen, dass Physiotherapie aber noch weit mehr bedeutet als Mobilisation, war das Projekt im Anschluss an diesen Besuch in Kambodscha geboren zunächst gedanklich. Der Verein 17

5 Deutsche Physiotherapeutin lernt Personal an Physiotherapeutin aus Deutschland* Angkors Kinder wurde 2003 gegründet, Axel Strecker ist erster Vorsitzender. Angkors Kinder e.v. macht sich zur Aufgabe, mit seinen Freunden und Förderern das Kinderkrankenhaus Angkor Hospital for Children sowohl mit finanzieller Hilfe, als auch mit Sachleistungen zu unterstützen. Sämtliche Verwaltungs- und Organisationskosten werden gemeinsam vom Vorstand getragen. Somit kommt jeder Cent, den Sie spenden, direkt im Krankenhaus an! Regelmäßig werden ausgebildete Physiotherapeuten nach Siem Reap geschickt, nicht nur um vor Ort Kinder zu behandeln, sondern auch, um das dortige Personal anzulernen und weiterzubilden. Der Verein Angkors Kinder e.v. bittet Sie, einen Physiotherapeuten zu adoptieren, das heißt: Sie kommen bei dieser lebenswichtigen Arbeit für Kost und Logis des Therapeuten vor Ort auf. Sie können mit Ihrer Spende einen Physiotherapeuten für einen gewissen Zeitraum adoptieren: Für einen Tag: Für eine Woche: 15 EUR 115 EUR Für einen Monat: 450 EUR Weitere Informationen unter: Angkors Kinder Spendenkonto: Konto: Sparkasse Hanauerland Kehl BLZ * mit freundlicher Genehmigung von Angkors Kinder e.v. 18

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