OESTERREICHISCHE NATIONALBANK EUROSYSTEM. HANDBUCH DER OeNB ZU GELD UND GELDPOLITIK. Kapitel 2: Geldpolitik DIDAKTIK

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1 OESTERREICHISCHE NATIONALBANK EUROSYSTEM HANDBUCH DER OeNB ZU GELD UND GELDPOLITIK Kapitel 2: Geldpolitik DIDAKTIK

2 Wiederholungsfragen: 1. Was versteht man unter Preisstabilität? 2. Warum ist Preisstabilität wichtig? 3. Was ist die magische Zahl für Preisstabilität in der Europäischen Währungsunion? 4. Warum ist Deflation nur ein scheinbar verlockendes Ziel? 5. Was ist die Grundlage für die Ermittlung der Inflationsrate? 2

3 Wiederholungsfragen: 6. Was versteht man unter dem Eurosystem? 7. Was versteht man unter dem Prinzip 1 Mitglied 1 Stimme im EZB-Rat? 8. Was sind Offenmarktgeschäfte? 9. Welche beiden anderen geldpolitischen Instrumente werden hauptsächlich angewandt? 10. Welche wirtschaftspolitischen Säulen neben der Geldpolitik sollen für Stabilität im Euroraum sorgen? 2

4 Weitere didaktische Anregungen: 1. Warum wird der Inflationsrate in einer Volkswirtschaft hohe Bedeutung beigemessen? Recherchieren Sie in der Gruppe Presseartikel zum Thema Inflationsrate: Worauf hat die Inflationsrate Einfluss (z.b. Lohnverhandlungen)? Wie wird die jeweilige Inflationsrate von verschiedenen Interessengruppen (z.b. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter) in die jeweilige Argumentation eingebaut? 2. Diskutieren Sie in der Klasse: EZB und nationale Zentralbanken sind weisungsfrei und unabhängig. Warum ist das wichtig? Welche Einzelinteressen könnten unterschiedliche Gruppen in Bezug auf die Geldpolitik verfolgen? Stellen Sie Ihre Recherche-Ergebnisse Ihren Mitschülern und Mitschülerinnen in einer Power Point Präsentation vor. 3. Gruppenarbeit: Stabiles Geld braucht solide Staatsfinanzen. Recherchieren Sie im Internet: Wie hoch sind Bund, Länder und Gemeinden in Österreich verschuldet? Wie haben sich die Schuldenstände in den letzten fünf Jahren in Österreich entwickelt? Wie hat sich die jährliche Neuverschuldung entwickelt? Welche Vorgaben gelten in der Europäischen Währungsunion in Bezug auf die Defizitquote und die Staatsverschuldung? Diskutieren Sie in der Klasse folgendes Statement: Lieber Schulden als Arbeitslose Was ist damit gemeint? Welche Folgen sind mit dieser Prioritätensetzung kurzfristig und langfristig verbunden? Wofür soll ein Staat Schulden machen? In welchem Zusammenhang stehen Staatsverschuldung, Geldpolitik und Strukturpolitik? 2

5 Lösungsvorschläge: 1. Preisstabilität ist dann gegeben, wenn der jährliche Anstieg der Verbraucherpreise mittelfristig und im Durchschnitt des Euroraums unter, aber nahe 2 % liegt. 2. Preisstabilität (d.h. niedrige Inflationsraten) hilft, die Kaufkraft der Bevölkerung zu sichern. Als Kaufkraft bezeichnet man jene Menge an Waren und Dienstleistungen, die mit dem zur Verfügung stehenden Einkommen erworben werden kann. Preisstabilität nützt den Konsumenten, den Arbeitnehmern und der Wirtschaft. Sie ist Basis für nachhaltiges Wachstum, da Unternehmen und private Haushalte ihre Zukunft besser planen können. Preisstabilität begünstigt daher langfristig Investitionen, Wachstum und Beschäftigung. Webtipp: https://www.oenb.at/geldpolitik/ziele-der-geldpolitik/warum-preisstabilitaet.html 3. Preisstabilität ist laut Definition des EZB-Rates dann gegeben, wenn der jährliche Anstieg des HVPI für den Euroraum unter, aber nahe bei 2 % liegt. 4. Bei der Deflation sinkt das allgemeine Preisniveau über einen längeren Zeitraum. Deflation mag verlockend klingen, kann jedoch sehr negative Auswirkungen haben: Weil viele Produkte in der Zukunft billiger als heute sein werden, werden Käufe aufgeschoben, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bricht ein. Für Unternehmen bedeuten rückläufige Preise sinkende Profitaussichten, was sich negativ auf ihre Investitionslust auswirkt. Beide Entwicklungen dämpfen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Die Unternehmen können auf Grund der geringeren Nachfrage in weiterer Folge ihre Ware und Dienstleistungen nicht mehr verkaufen und reagieren mit weiteren Preis senkungen und im Notfall mit Entlassungen von Arbeitskräften. Dies führ zu einem weiteren Preisverfall und zu einer Abwärtsspirale im Konjunkturzyklus. Aufgrund steigender Arbeitslosigkeit verfügen die privaten Haushalte wiederum über weniger Einkommen und können daher weniger konsumieren. Die Deflationsspirale drhet sich weiter. Zudem steigt der Realwert der Schulden, d.h., die Schuldenlast wiegt zunehmend schwerer, was zu einer Schulden-Deflations-Spirale führen kann. 5. Grundlage für die Ermittlung der Inflationsrate in Österreich ist ein repräsentativer Warenkorb, aus dem der Verbraucherpreisindex ermittelt wird. Dieser Warenkorb gibt an, um wie viel Prozent sich die Preise in einem Monat oder einem Jahr verändern, also steigen oder sinken. Er besteht aus rund 800 Gütern und Dienstleistungen, deren Preise monatlich beobachtet und mit den jeweiligen Ausgabenanteilen der Haushalte gewichtet werden. Wegen der besseren Vergleichbarkeit wird für die Geldpolitik des Eurosystems der HVPI verwendet. Der HVPI dient der Vergleichbarkeit der nationalen Verbraucherpreise auf internationaler Ebene. Er misst die Inflationsrate in allen EU-Mitgliedsstaaten nach harmonisierten Methoden und Warenkorbabgrenzungen. Für die Geldpolitik des Eurosystems ist der HVPI der maßgebliche Inflationsfaktor. 6. Das Eurosystem besteht aus der EZB und den nationalen Zentralbanken jener 19 EU-Mitgliedstaaten, die den Euro als gemeinsame Währung eingeführt haben. 3

6 Lösungsvorschläge: 7. Unter dem Prinzip 1 Mitglied 1 Stimme im EZB-Rat versteht man, dass die Stimme des OeNB-Gouverneurs im EZB-Rat genauso viel wiegt wie jene des Gouverneurs jeder anderen Zentralbank im Eurosystem. 8. Bei Offenmarktgeschäften bietet die Zentralbank den Geschäftsbanken bestimmte festverzinsliche Wertpapiere (Offenmarktpapiere) zum Kauf an oder kauft selbst Wertpapiere von den Geschäftsbanken. Kaufen die Geschäftsbanken die Wertpapiere, steht ihnen das angelegte Geld nicht mehr für die Kreditvergabe zur Verfügung, d.h. die Geldschöpfung sinkt. Verkaufen die Geschäftsbanken Wertpapiere, erhalten sie dafür Geld, das sie für Kredite verwenden können. Aus Sicht der Geschäftsbanken entspricht dies einem Wertpapierpensionsgeschäft: Wertpapiere werden von den Geschäftsbanken bei der Zentralbank für eine kurze Zeitspanne in Pension gegeben. Die Geschäftsbank erhält im Gegenzug liquide Mittel in Form von Zentralbankgeld. Im Eurosystem sind laufende Offenmarktgeschäfte das wichtigste Instrument zur Steuerung der Liquiditätsversorgung. Der dabei angewendete Leitzinssatz signalisiert den geldpolitischen Kurs, beeinflusst in weiterer Folge die Kundenzinssätze der Banken und der Wertpapiermärkte und gibt damit auch gesamtwirtschaftliche Impulse. Wertpapiergeschäfte, die auf Initiative der Zentralbank zustande kommen und auf dem offenen (d. h. anonymen ) Markt durchgeführt werden. Sie werden eingesetzt, um Zinssätze und Liquidität auf dem Geldmarkt zu steuern und Signale bezüglich des geldpolitischen Kurses (Geldpolitik) zu geben. 9. Neben den Offenmarktgeschäften werden auch das Instrument der ständigen Fazilitäten Geschäftsbanken haben kontinuierlich die Möglichkeit kurzfristig über Nacht Liquidität bei der Zentralbank zu erhalten (Spitzenrefinanzierungsfazilität) oder anzulegen (Einlagefazilität) und die Mindestreservepflicht angewandt. Bei der Mindestreservepflicht muss jedes Kreditinstitut einen bestimmten Prozentsatz seiner Kundeneinlagen auf einem Einlagenkonto einer Zentralbank (in Österreich bei der OeNB) halten. 10. Neben der Geldpolitik ist es wichtig, dass die Budgetpolitik (durch wirkungsvolle EU-Budgetregeln, den Stabilitäts- und Wachstumspakt und nachhaltige Entwicklung der öffentlichen Finanzen) und die Strukturpolitik (durch Förderung des Wachstums und der Flexibilität der Wirtschaft mittels Struktur-, Qualifikations- und Wettbewerbspolitik), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen schaffen, die die Stabilität des Euro unterstützen und sichern. Weitere didaktische Anregungen: 1. Individuelle SchülerInnenlösung 2. Individuelle SchülerInnenlösung 2. Individuelle SchülerInnenlösung Webtipp: Medieninhaber und Herausgeber: Oesterreichische Nationalbank, 1090 Wien. Konzept und didaktische Beratung: Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule. Stand: August

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