Ausarbeitung zum Fachseminar Wintersemester 2009/10 Referent: Prof. Dr. Linn. Voce over IP (VoIP)

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1 Ausarbeitung zum Fachseminar Wintersemester 2009/10 Referent: Prof. Dr. Linn Voce over IP (VoIP) Mehrnoosh Shariati Hochschule Rhein-Main Fachbereich: Design Informatik - Medien Studiengang: Allgemeine Informatik 1

2 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung Was ist VoIP? Vom Telefon zum Intelligenten Netz Vom analogen Telefonnetz zum ISDN Vom ISDN zum Intelligenten Netz Internet Telefonie Geschichte und Entwicklung Erster Versuch Beschreibung des (SIP) in RFC SIP-Erweiterung Verwendete Protokolle SIP - Session Initiation Protokoll Header und Body Format einer SIP-Nachricht RTP - Real-Time Transport Protokoll RTCP - RealTime Control Protokoll Sicherheitsaspekte Vorteile von VoIP Kosten senken durch VoIP Mehrwerte Neue Anwendungen Kostenersparung auf Grund nur einer Infrastruktur Weltweite erreichbar unter einer Telefonnummer Nachteile von VoIP Nicht immer billig Probleme bei Notrufnummern und Sonderrufnummern Sicherheitsprobleme Die Zukunft von VoIP VoIP - IP-TV - Technologie der Zukunft Quellen Internet literatur

3 1. Einleitung Seit der Erfindung des Telefons sind fast 150 Jahre vergangen und dieses Gerät ist in zwischen zum wichtigsten Kommunikationsmittel geworden. Da die Sprachkommunikation für die Menschen eine sehr große Bedeutung hat, kann man sich heute ein Leben ohne Telefon kaum vorstellen. Im Zeitalter des Internet wurden Konzepte entwickelt, um die menschlische Sprache auch über diese weltweite Kommunikationsplattform zu übermitteln. Im Internet verwendet man das Internet Protokoll indem die Daten in Form von sog. IP-Paketen übermittelt werden. Bei der Übermittlung der Sprache in Form von IP-Paketen spricht man von voice over IP. Diese Ausarbeitung hat das Ziel die Grundzüge der Telefonie durch Internet zu vermitteln.ausserdem wird eine Übersicht über die Technik von VoIP sowie seine Funktion geben und mögliche Probleme und ihre Lösungen ansprechen. 1.1 Was ist VoIP? Internet-Telefonie oder Voice over IP (kurz VoIP) genannt, ist das Telefonieren über Computernetzwerke, welche nach Internet-Standards aufgebaut sind. Dabei werden für Telefonie typische Informationen, d. h. Sprache und Steuerinformationen beispielsweise für den Verbindungsaufbau, über ein auch für Datenübertragung nutzbares Netz übertragen. Bei den Gesprächsteilnehmern können sowohl Computer, auf IP-Telefonie spezialisierte Telefonendgeräte, als auch über spezielle Adapter angeschlossene klassische Telefone die Verbindung herstellen Vom Telefon bis zum Intelligenten Netz Die Geschichte des Telefons begann bereits vor fast 150 Jahren. Im Laufe der Zeit wurde es um verschiedene Zusatzfunktionen erweitert, aber grundlegende Konzepte des Telefons selbst haben sich nicht geändert. Die Art und Weise wie die Sprache übermittelt wird jedoch schon. Das Telefonnetz hat sich stark verändert es wurde digitalisiert. Dies hat in Europa zur Entstehung von ISDN (Integrated Services Digital Network) geführt. Das Digitale Telefonnetz, speziell das ISDN, wurde laufend um intelligente Funktionen erweitert, so dass man heute von Intelligent Network (intelligenten Netz) spricht Vom analogen Telefonnetz zum ISDN Die menschliche Sprache, die durch ein Mikrofon aufgezeichnet wird, stellt ein analoges Sprachsignal mit den Frequenzen von ca. 300 bis 3400Hz her. Eine Telefonverbindung muss vor dem Telefongespräch aufgebaut und danach abgebaut werden. Hierfür müssen entsprechende Steuerungsangaben (Ziel-Rufnummer) an die Vermittlungsstellen, als Knoten im Telefonnetz, übermittelt werden. Die Übermittlung der Steuerung wird als Signalisierung bezeichnet. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Sprachkommunikation war die Digitalisierung der Übertragungswege zwischen den Vermittlungsstellen und die Digitalisierung der 1 3

4 Vermittlungsstellen im analogen Telefonnetz. Dadurch ist ein digitales Telefonnetz entstanden, in dem die Sprache in digitaler Form als Bitstrom mit 64 kbit/s übermittelt wird. Das ISDN (Integrated Service Digital Network) stellt ein universales digitales Netz dar. Daher können neben Telefonen auch andere Einrichtungen wie z.b. Faxgeräte bzw. Datenendeinrichtungen angeschlossen werden Vom ISDN zum Intelligenten Netz Das ISDN mit seiner Bitrate von 64 kbit/s stellt einen bedeutsamen Sprung gegenüber dem analogen Telefonnetz dar. Es ist jedoch nur ein reines Übermittlungsnetz. Um intelligente Dienste im ISDN bzw. im öffentlichen digitalen Telefonnetz (PSTN) zu erbringen, können spezialisierte Server an die Vermittlungsstellen angeschlossen werden. Das Intelligente Netz (IN) ist kein eigenes physikalisches Netz, sondern ein dienstorientiertes zentrales System, das auf ein vorhandenes Telefonnetz (zum Beispiel ISDN) aufsetzt. Ein IN erweitert ein Telefonnetz um intelligente Netzkomponenten und zusätzliche Leistungsmerkmale. Im Vordergrund stehen dabei Mehrwertdienste für Festnetztelefonie, Mobilfunk und Telefax. Es ist nicht erforderlich dass IN-Betreiber gleichzeitig Netzbetreiber sein müssen, sie können ihr Angebot über vorhandene Netze realisieren 2. Nummern, die über einen IN-Dienst führen, werden in speziellen Vermittlungsstellen, die mit einer als Service Switching Point bezeichneten Funktion ausgerüstet sind, eingetragen. Wird eine solche Nummer angerufen, spricht die Vermittlungsstelle über das INAP-Protokoll (ein Protokoll aus der Familie des Signalling System 7) den Service Control Point eines IN-Systems an. In diesem können dann die Daten des Anrufs mit verschiedenen Parametern (wie zum Beispiel Ursprung des Anrufs, Uhrzeit, Wochentag) verknüpft und flexibel gestaltet werde. Ebenso können auch weitere beeinflussbare Dienste angeboten werden. 1.3 Internet Telefonie Telefonieren über das Internet bedeutet, dass die Sprache in Echtzeit über das Internet in IP- Paketen übermittelt wird. Das Protokoll TCP, das man als Transportprotokoll für die Datenkommunikation nutzt und bei den Quittungen verwendet wird, um eventuell eine wiederholte Übermittlung von fehlerhaft empfangenen bzw. verloren gegangenen Daten zu veranlassen, kann bei VoIP nicht eingesetzt werden. Stattdessen wird das Protokoll RTP (Realtime-Transport-Protokoll) eingesetzt. Jedes IP-Telefon muss somit das RTP unterstützen.wie bei der Sprachkommunikation über ein analoges bzw. digitales Telefonnetz muss auch eine Telefonverbindung vor dem Telefongespräch aufgebaut werden. Da es sich beim Internet um ein Netz mit Paketvermittlung handelt, wird eine Telefonverbindung durch eine Verknüpfung von entsprechenden Speicherplätzen in den beiden IP-Telefonen logisch nachgebildet. Zwischen diesen Speicherplätzen wird die Sprache in einer digitalen Form nach dem Protokoll RTP ausgetauscht. Eine derartige Nachbildung einer physikalischen Telefonverbindung zwischen den IP-Telefonen wird RTP-Session genannt. Eine Telefonverbindung über das Internet stellt somit eine RTP-Session dar. Um eine RTP-Session auf- und abzubauen, ist ebenso wie im PSTN/ISDN, ein Signalisierungsprotokoll nötig. Hierfür kann man das Protokoll SIP verwenden. 2 4

5 Sobald eine RTP-Session zwischen zwei IP-Telefonen besteht, kann die digitalisierte Sprache in IP-Paketen über diese Session übermittelt werden. Bei jedem IP-Telefon erfolgt die Umwandlung der analogen Sprachsignale in eine digtale Form. Man bezeichnet dies als Digitalisierung der Sprache. Hierbei werden auch komplexe Verfahren zur Sprachcodierung verwendet. 2 Geschichte und Entwicklung Ab Mitte der 80er Jahre hatte man den ersten Versuch unternommen mit der ISDN Sprache, Daten, Videos und Texte zu übertragen. Dieser Ansatz kam aus der Sprachkommunikation und basierte auf einer Leitungsvermittlung und 64 kbit/s-kanälen. Das konnte jedoch nicht richtig funktionieren. Mit dem Internet-Boom durch den WWW-Dienst, Anfang der 90er Jahre wuchs dann auch der Wunsch, von der Datenkommunikation her Integrationsansätze zu finden. Sie erreichte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre ihren Höhepunkt, schaffte aber nie den Durchbruch ins LAN bzw. zum Endgerät. 2.1 Erster Versuch Im Februar 1995 fand die erste Vorstellung einer Telefonie über das Internet Protocol (IP) durch die israelische Firma VocalTec mit ihrer Software "Internet Phone", damals von PC-zu-PC im Halduplex-Betrieb,statt. Es fehlte an einheitlichen technischen Standards, so dass nur mit jeweils der gleichen Software telefoniert werden konnte und die Gesprächsqualität schlecht war. Dies lag daran, dass die Kapazitäten im Internet noch nicht so hoch waren wie heute und die Übertragungszeit sich damit enorm verzögerte 3. IP unterstützt nämlich keinen Quality of Service. So gingen noch einige Sprachinformationen verloren und es klang eher nach "Sprach-Fetzen". Vor allem aber fehlte es an breiteren Datenleitungen, denn über eine schmalbandige Modemoder ISDN-Anbindung konnte man nicht wirklich gut telefonieren. 2.3 Beschreibung des Session Initiation Protokoll (SIP) in RFC 2543 Im Bereich der Standardisierung im Jahr 1999 schaltete sich nun auch die Internet Engineering Task Force (IETF) mit der Entwicklung des Session Initiation Protokoll (SIP, RFC 2543) ein. Damit war für die reine Signalisierung von Voice over IP eine Konkurrenz zu H.323 von der ITU-T geschaffen worden. Fortan analysierten und diskutierten die Berater, welches Protokoll wohl den Siegeszug antreten würde bzw. geeigneter sei, wenngleich auch bisherige Produkte ausschließlich auf H.323 basierten

6 SIP-Erweiterung Das von der IETF favorisierte Session Initiation Protocol (SIP) ging mit dem RFC 3261 in die Version 2 und erfreute sich fortan wachsender Beliebtheit. Schon zwei Jahre später setzen alle VoIP-Anbieter im deutschen Markt bei Ihren Diensten auf SIP. Im gleichen Jahr deligierte RIPE den ENUM-Zweig "9.4.e164.arpa" an die Denic eg, welche sogleich die Vorbereitungen für einen Feldtest startete, an dem sich mehrere Unternehmen beteiligen erschien die Software Skype 5. Skype verwendete ein eigenes, nicht offengelegtes Protokoll basierend auf der Peer-to- Peer-Technik. In den USA bereits recht erfolgreich, stellten für Deutschland die Jahre 2004 und 2005 den Durchbruch in Sachen Voice over IP dar. Die Hardware wurde immer ausgeklügelter, immer mehr Anbieter kämpften um den Zukunftsmarkt und die Preise sprachen für sich. Bereits für ein paar Cent telefoniert man heute in die ganze Welt, netzintern bzw. mit Gesprächspartnern des eigenen VoIP-Anbieters sogar kostenlos. Ende 2004 schätzte die Regulierungsbehörde die Zahl der Teilnehmer in Deutschland auf und spekulierte über eine Verdoppelung im Jahr Der Privatkundenmarkt wurde also erschlossen

7 3. Verwendete Protokolle Der Auf- und Abbau von Anrufen (Rufsteuerung) erfolgt über ein von der Sprachkommunikation getrenntes Protokoll. Auch die Aushandlung und der Austausch von Parametern für die Sprachübertragung geschehen über andere Protokolle als die der Rufsteuerung. 3.1 SIP - Session Initiation Protokoll Das Session Initiation Protocol (SIP) ist ein Netzprotokoll zum Aufbau, zur Steuerung und zum Abbau einer Kommunikationssitzung zwischen zwei oder mehr Teilnehmern. Das Protokoll wird u. a. im RFC 3261 spezifiziert. In der IP-Telefonie ist das SIP ein häufig verwendtes Protokoll 7. Die Teilnehmer besitzen bei SIP eine SIP-Adresse (ähnlich einer -Adresse) im Uniform- Resource-Identifier-Format (URI-Format), wie zum Beispiel SIP-Endgeräte müssen sich einmalig während der Startphase bei einem SIP-Registrar-Server registrieren. Zum Aufbau einer Verbindung schickt das Endgerät des Anrufers eine Nachricht an diesen Server, der dem DNS unter dem Domainnamen beispiel-server.de bekannt ist. Dieser Verbindungswunsch wird durch den Server an das Endgerät des Angerufenen weitergeleitet. Sofern diese Nachricht dort verarbeitet werden kann, schickt das Endgerät eine entsprechende Nachricht zurück an den Server, der diese an den Anrufer weiterleitet. Zu diesem Zeitpunkt klingelt das Endgerät des Angerufenen, der Anrufer hört ein Freizeichen. Eine direkte Kommunikation zwischen den beiden Endgeräten hat bis jetzt noch nicht stattgefunden. Im Rahmen dieses Austauschs zum Aufbau einer Session werden zwischen den Endgeräten alle relevanten Informationen über Eigenschaften und Fähigkeiten ausgetauscht. Für das eigentliche Telefongespräch ist der Server nicht mehr notwendig, die Endgeräte senden sich ihre Daten direkt zu, d. h., der Datenaustausch im Rahmen des Gespräches läuft am Server vorbei. Für die Übertragung dieser Daten in Echtzeit wird üblicherweise das Real-Time Transport Protokoll (RTP) eingesetzt. Zur Beendigung des Gesprächs sendet eines der Endgeräte eine SIP- Nachricht an den Server, der diese an den anderen Teilnehmer weitergibt. Beide Endgeräte beenden dann die Verbindung. 7 7

8 Verbindungsaufbau bei einer Direkt-Verbindung Der UAC leitet den Verbindungswunsch durch ein INVITE ein. Der UAS bestätigt dem UAC den Verbindungswunsch mit einem "Trying". Mit "Ringing" wird dem UAC bestätigt, dass dem Angerufenen der Verbindungswunsch signalisiert wird. Ist der Gesprächspartner belegt, dann schickt der UAS dem UAC ein "Busy here". Nimmt der gewünschte Gesprächspartner den Verbindungswunsch an, dann schickt der UAS dem UAC ein "OK". In diesem Response werden auch die SDP-Verbindungsparameter mitgeschickt. Der UAC bestätigt dem UAS den Verbindungsaufbau und die Verbindungsparameter mit einem "ACK". Das Gespräch ist aufgebaut. Wenn einer der beiden Teilnehmer das Gespräch beendet, schickt der User Agent ein "BYE" und bekommt dies von der Gegenseite mit einem "OK" bestätigt

9 3.2.1 Header und Body Format einer SIP-Nachricht SIP ist ein Protokoll, welches dem http Protokoll ähnelt. Es handelt sich hierbei auch um ein Client-Server Protokoll, welches als Signalisierungsprotokoll für mutlimediale Sitzungen eingesetzt wird. Beispiel für SIP-Header: INVITE sip: SIP/2.0 Via: SIP/2.0/UDP :5060;branch=z9hG4bK-d87543-b b837a903-1-d87543-;rport Max-Forwards: 70 Contact: To: From: Call-ID: ODAyM2UxNmMxZjU5M2RjOWNiMDYxOWZlNTk2NDNhZjI. CSeq: 1 INVITE Allow: INVITE, ACK, CANCEL, OPTIONS, BYE, REFER, NOTIFY, MESSAGE, SUBSCRIBE, INFO Content-Type: application/sdp User-Agent: X-Lite release 1011s stamp Content-Length: 406 Beschreibung der Header-Felder: Request: Mittels INVITE wird die Verbindungsanfrage an den Server gestellt (beinhaltet SIP- Senderadresse) Via: Hiermit wird die IP-Adresse, die Portnummer und das Transportprotokoll für die Rückantwort des Requests hinterlegt From: SIP-Adresse des Senders To: SIP-Adresse des Empfängers Contact: Definiert die SIP-Adresse des Empfängers für eine direkte Kommunikation Call-ID: Definiert eine Zufallszeichenkette als eindeutige Nummer für das Gespräch CSeq: Definiert Sequenznummer Content-Length: Definiert Länge der Nutzdaten (in Byte) Content-Type: Definiert Format der Nutzdaten User Agent: User Agent Name des Senders Neben dem Header besteht eine SIP-Nachricht natürlich auch noch aus den Nutzdaten, welche als Body bezeichnet werden. Im Body werden neben den eigentlichen Multimediadaten auch Sachen wie die Samplerate der Audiodaten oder weitere verbindungsspezifische Eigenheiten abgehandelt. 9

10 Beschreibung der Body -Felder: Der Message Body kann als eine Art Nutzlast einer SIP-Nachricht interpretiert werden. In diesem Nachrichtenteil werden die Besonderheiten der RTP-Session näher beschrieben, um u.a. die Kompatibilität zwischen den IP-Telefonen zu überprüfen. *********session beschreibung v=0 Protokollversion o=- 7 2 IN IP (Eigentümer/Ersteller und Sitzungsidentifizierer) s=counterpath X-Lite 3.0 Sitzungsname *********Time Beschreibung t=0 0 Zeit während der die Sitzung aktiv ist m=audio 5062 RTP/AVP Medienname und Transportadresse **********Medien Bescreibung a=alt:1 1 : TPPTfpHB 19k3V2Qz Keine oder mehrere Zeilen mit Medienattributen a=fmtp: a=rtpmap:107 BV32/16000 a=rtpmap:119 BV32-FEC/16000 a=rtpmap:100 SPEEX/16000 a=rtpmap:106 SPEEX-FEC/16000 a=rtpmap:105 SPEEX-FEC/8000 a=rtpmap:98 ilbc/8000 a=rtpmap:101 telephone-event/8000 a=sendrecv 10

11 3.2 RTP - Real -Time Transport Protokoll Das Real-Time Transport Protocol (RTP) ist ein Protokoll zur kontinuierlichen Übertragung von audiovisuellen Daten (Streams) über IP-basierte Netzwerke. Es dient dazu, Multimediadatenströme (Audio, Video, Text, etc.) über Netzwerke zu transportieren, d.h. die Daten zu kodieren, zu paketieren und zu versenden 9. RTP ist ein Paket-basiertes Protokoll und wird normalerweise über UDP betrieben. RTP kann sowohl für Unicast-Verbindungen als auch für Multicast-Kommunikation im Internet eingesetzt werden. Das RealTime Control Protocol arbeitet mit RTP zusammen und dient der Aushandlung und Einhaltung von Quality-of-Service-Parametern (QoS). RTP verwendet zur Übertragung in der Regel das User Datagram Protocol (UDP). UDP kommt zum Einsatz, da es ein minimales, verbindungsloses Netzwerkprotokoll ist, das nicht auf Zuverlässigkeit ausgelegt wurde, wie beispielsweise das Transmission Control Protocol (TCP). Dies bedeutet, dass der Empfang der Sprachpakete nicht bestätigt wird, also keine Übertragungsgarantie besteht. Der Vorteil von UDP ist aber dessen geringere Latenzzeit gegenüber der von TCP, da nicht auf eine Bestätigung gewartet und fehlerhafte Pakete nicht neu gesendet werden müssen und sich somit der Datenfluss nicht zusätzlich verzögert. Eine komplett fehlerfreie Übertragung ist aufgrund der Redundanz gesprochener Sprache (und der Fähigkeit der verwendeten Codecs, Fehler zu korrigieren) nicht nötig. Für ein flüssiges Gespräch ist eine geringe Laufzeit viel wichtiger. 3.3 RTCP - RealTime Control Protocol Das RealTime Control Protocol (RTCP) dient der Aushandlung und Einhaltung von Quality of Service (QoS) Parametern durch den periodischen Austausch von Steuernachrichten zwischen Sender und Empfänger 10. Dazu erfolgt eine 1. Rückmeldung der bisher erbrachten Dienstqualität, wodurch eine Anpassung der Übertragungsrate erfolgen kann 2. Identifikation aller Sitzungsteilnehmer, wodurch semantisch zusammenhängende aber getrennt gesendete Medienströme synchronisiert werden können 3. Steuerung der für RTCP-Pakete verwendeten Bandbreite, damit der Austausch von RTCP-Nachrichten nicht die Übertragung behindert, was bei vielen Sitzungsteilnehmern passieren könnte. Das RealTime Control Protocol wird zusammen mit dem Real-Time Streaming Protocol, das für die Steuerung der Übertragung zuständig ist und dem Real-Time Transport Protocol verwendet, das die eigentliche Übertragung übernimmt

12 4. Sicherheitsaspekte Die Absicherung von VoIP-Netzen und Teilnehmern ist kein einfaches Unterfangen, da sowohl interne als auch externe Bedrohungen existieren können (z.bsp. das Abhören von Gesprächen ist technisch gesehen relativ leicht machbar). Klassische Maßnahmen, wie Authentifizierung und Verschlüsslung alleine sind nicht ausreichend. Der Schutz von VoIP Netzwerken beginnt zunächst mit grundsätzlichen Maßnahmen und Standardnetzwerksicherheit zur Absischerung von Datennetzen. Existierende datenzentrierte Sicherheitstechnologien können als Basis und verstärkend eingesetz werden. Dann müssen jedoch die Datenpakete abgesichert werden. Es besteht die Möglichkeit, die Übertragung mit Secure Real-Time Transport Protocol(SRTP) zu verschlüsseln, das wird jedoch von den Anwendern nur selten genutzt, da die meisten VoIP- Anbieter es nicht unterstützen. Ein weiterer Grund ist sicherlich auch die Unkenntnis über diese Möglichkeit, außerdem kann eine Verschlüsselung auch die Sprachqualität beeinträchtigen, weshalb sich häufig Anwender zu Gunsten der Sprachqualität gegen die höhere Sicherheit entscheiden 11. Das oftmals eingesetzte Session Initiation Protocol (SIP) kann ebenso nicht in allen in der Praxis anzutreffenden Formen als hinreichend sicher betrachtet werden. Es verfügt zwar über Sicherheitsmechanismen (beispielsweise Call-IDs auf der Basis von Hashes), bietet jedoch Angriffsmöglichkeiten für Denial-of-Service-Attacken. 5. Vorteile von VoIP Der Umstieg auf eine neue Technik ist zunächst einmal meist mit Kosten verbunden, die durch die neue Technik anschließend wieder eingespielt werden müssen oder die durch einen erweiterten Funktionsumfang und Komfort gerechtfertigt sein sollten. Jede neue Technologie wird in der heutigen Zeit nur dann wirklich Interesse finden und ins Spiel gebracht werden wenn sie in der Lage ist zu Kosteneinsparungen zu führen. Das ist grundsätzlich mit VoIP auch möglich, bedarf aber Untersuchungen im Einzelfall. 5.1 Kosten senken durch Voice over IP Privatanwender können z.b. mit Software wie Skype untereinander kostenlos am PC mit Headset telefonieren. Auf beiden Seiten wird Skype installiert und schon geht es (sogar weltweit!) los. Bei Unternehmen wird das schon etwas schwieriger. Es müssten viele Datennetze in Unternehmen erst "Voice ready" werden. Denn die neue Technik erfordert viel Beratung und dies verursacht natürlich Kosten

13 5.2.Mehrwerte Mehrwertdienste (value added services) in der Telekommunikation sind nach allgemeinem Verständnis solche Angebote (Dienstleistungen, Informations- und Unterhaltungsinhalte, Nachrichtenaufzeichnung und -verteilung etc.), für welche neben den Preisen für die Übertragung (nach Zeit oder Datenmenge) ein Zuschlag berechnet wird (z.b. pro Minute, pro Gespräch oder variabel je nach Nutzung) 12. Ein Mehrwert ist ein weiterer wichtiger Vorteil bei VoIP. Denn wenn von Fall zu Fall keine großen Einsparungen erzielt werden können, muss ein Mehrwert der neuen Technik bzw. neuen Lösung vorhanden sein. Meist wird dieses Argument unterschätzt, weil nicht jeder Mehrwert monetär bewertet werden kann 13. Zum Beispiel lässt sich nun durch den Kauf von Skype durch ebay bei Auktionen im Portal direkt über einen Button der Anbieter einer Ware anrufen. So etwas stellt für ebay-auktionen durchaus einen Mehrwert dar. Aber wie viel Geld ist dieser wert? 5.3 Neue Anwendungen Jede Technologie bringt auch neue Anwendungsmöglichkeiten mit sich. Dies ist auch bei VoIP der Fall. So basieren heute ca. 40% der Call Center auf IP-Technologie oder auf Homepages, also Internetseiten, können "Call me" Buttons installiert werden, um z.b. direkt den Support anzurufen. Ein anderes Beispiel ist das "Click-to-Dial"-Feature 14. Ein Klick auf einen Webseiten- Link kann beispielsweise eine direkte Telefonverbindung zum Kundensupport eines Unternehmens herstellen. 15 Auch können Unternehmen nun ihre Standorte mit den TK-Anlagen übers Internet vernetzten. Eine weltweite Kommunikation ist möglich. Weitere Anwendungen sind selbstverständlich denkbar. 5.4 Kostenersparung auf Grund nur einer Infrastruktur Da die VoIP-Technik auf der Netzwerkstruktur des Unternehmens aufsetzt, ist nur noch eine Infrastruktur für zwei Dienste notwendig. Bisher mussten in Unternehmen zwei Netzwerke installiert und gepflegt werden. Eine Telefonanlage mit sternförmiger Verkabelung zu den Telefonen und ein separates Datennetzwerk. Für beide Welten gab es in den Unternehmen sogar eigenes Fachpersonal mit spezifischem Know How in zwei Abteilungen. Das spart vor allem Administrations- und Infrastruktur-Kosten, weil keine doppelte Verkabelung nötig ist und VoIP- Anlagen meist leichter als klassische Telefonanlagen via Web-Interface administriert werden können

14 5.5 Weltweit erreichbar unter einer Telefonnummer VoIP für Privatanwender ist nicht mehr ortsgebunden. Der VoIP-Nutzer kann weltweit, wo ein Zugang zum World Wide Web (www) vorhanden ist, unter einer Telefonnummer erreichbar sein. Der VoIP-Nutzer muss lediglich sein VoIP-Telefon an das Internet anschliessen oder die VoIP- Software auf einem Computer starten. Dieser kann dann über eine einzige VoIP-Rufnummer jemanden anrufen oder angerufen werden - egal, wo er sich gerade auf der Welt befindet. Alle Telefonate werden aufgrund des IP-Protokolls an das eindeutig identifizierbare VoIP-Telefon des Nutzers weitergeleitet. 6. Nachteile von VoIP Voice over IP (VoIP) bringt eine Reihe von Vorteilen, es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Um dies aufzuzeigen werden im folgenden einige Nachteile dieser Technik aufgelistet. 6.1 Nicht immer billig Bei den Vorteilen wurde von Kosteneinsparungen gesprochen. Das ist die allgemeine Marketingaussage. Als Kunde, zum Beispiel von 1&1, haben Sie als Privatanwender zwar derzeit nur 1 Cent/Minute, also billiger als im Festnetz, die Gespräche ins Mobilfunknetz sind mit 23,9 Cent/Minute aber recht teuer. Hier liefern schon Call-by-Call Nummern im Festnetz Tarife von etwa 19 Cent/Minute. Man spart also nicht pauschal mit VoIP 16. Im Unternehmen ist das auch nicht immer so. Je größer das Unternehmen, desto höher ist auch der Beratungsbedarf. 6.2 Probleme bei Notrufnummern und Sonderrufnummern Die VoIP Anbieter können durch die neue Technik auch nicht alles leisten, was heute mit dem Festnetz möglich ist. So ist zum Beispiel das Absetzen von Notrufen über 110 oder 112 ein Problem. VoIP hat nämlich keinen geografischen Bezug und so kann man den Ort, an dem VoIP genutzt wird, gar nicht lokalisieren und damit der lokalen Leitstelle übergeben. Als Kompromiss leiten die VoIP Anbieter Notrufe immer an den Wohnort durch. Befinde ich mich aber auf Geschäftsreise und telefoniere mit dem Laptop in Hamburg, würde ein Notruf am Wohnort in Köln landen. Könnte ich kaum noch sprechen, hat der Notrufer schlechte Karten. Auch die Polizei als Sicherheitsbehörde muss per Gesetz Gespräche ggf. abhören können. Dies ist bei der VoIP-Technik ebenfalls nicht so einfach. Man hat aber hier schon Lösungen gefunden, auf welche hier jedoch aus Platzgründen nicht näher eingegangen wird

15 6.3 Sicherheitsprobleme Die im Vergleich zum Festnetz junge VoIP-Technik ist bei näherer Betrachtung eine ganz normale Netzwerkanwendung - mit sehr ähnlichen Schwachpunkten wie beispielsweise www und -Anwendungen. Dies ist also kein spezielles Problem der Telefondienste im Netzwerk, sondern ein erneuter Anlass, sich mit dem Thema Netzwerksicherheit im Allgemeinen auseinander zu setzen. Bei VoIP können alle bisherigen Probleme wieder auftauchen, die bereits aus dem Internet bekannt sind, wie beispielsweise Spam, Vieren usw.. Da Internet-Telefonie so kostengünstig ist, ist VoIP besonders anfällig für die unerwünschte Werbung per Telefon. In Zukunft könnte die Hauptgefahr vor allem von vollautomatisierten Anrufen ausgehen, die von Sprachcomputern gesteuert werden. 7. Die Zukunft von VoIP VoIP bietet Mobilität, Transparenz, Komfort, keine Kostenfallen und Gespräche zum Nulltarif. Sowohl innerhalb Deutschlands als auch im Ausland liegt VoIP bei den Kosten vor den traditionellen Netzen. Selbst die Bereitstellung der Notruffunktion 110 und 112 haben mehrere VoIP Anbieter bereits integriert und somit sind auch diese Grundfunktionen mit dem Festnetz gleichgezogen 18. Die Zukunft von VoIP scheint sehr gut zu sein. Es wird fast in allen Unternehmen eingesetzt und verfügt über eine sehr gute Sicherheit und Sprachqualität. Die Telefonie über PSTN wird durch IP Netze ersetzt. 7.1 VoIP - IP-TV - Technologie der Zukunft Mit Internet Protocol Television (IPTV) wird im allgemeinen der Übertragungsweg Internet für Fernsehprogramme und Filme bezeichnet im Gegensatz zu klassischem Rundfunk, Kabel oder Satellit 19. Die Anbieter des IP-TV können ihren Kunden so ein noch breiteres Spektrum des Angebotes DSL oder ADSL anbieten. Die Kunden können nicht mehr nur im Internet surfen mit einer schnellen Geschwindigkeit und hoher Datenübertragungsrate, sondern sie können gleichzeitig über diesen Anschluss über den Router telefonieren, faxen und nun auch fernsehen. Besonders vorteilhaft für die Kunden des IP-TV ist es, dass sie nicht mehr an ein Kabelnetz angebunden sein oder über Satellitenschüssel die Funksignale eines Satelliten einfangen müssen. Alles geht ganz leicht über die Internetleitung

16 8. Quellen 8.1 Internet: Literatur: Prof.Dr.-Ing Anatol Badach,(2004). Voice over IP. München: Carl Hanser Verlag Alexander Thor,(2005). Internet-Telefonie. München: Carl Hanser Verlag Evren Eren, Kai-Oliver Detken,(2007). VoIP SECURITY. München: Carl Hanser Verlag 16

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