Abhängigkeiten und Suchterkrankungen

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1 Ausbildung zum/r Psycholog. Berater/in und Psychotherapeutische/r Heilpraktiker/in Abhängigkeiten und Suchterkrankungen Begleitskript zum Seminar

2 Inhalt Allgemeine Vorbemerkungen zu den Skripten Inhalt 1. Suchterkrankung Allgemeines 1.1 Definitionen 1.2 Epidemiologie der Suchterkrankungen 1.3 Ätiologie und Ursachen für die Suchtentstehung 1.4 Phasen der Motivation nach Prochaska und DiClementi 1.5 weitere Abhängigkeiten und Suchtstrukturen 2. Alkoholismus 2.1 Zahlen und Fakten 2.2 Begriffsbestimmungen 2.3 Diagnosekriterien laut ICD-10 und Diagnostikinventare 2.4 Psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch Alkohol 2.5 Spätfolgen des Alkoholismus: 2.6 Typologisierung der Alkoholismusformen nach Jellinek 2.7 Phasen der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit nach Jellinek 2.8 Therapie des Alkoholismus Ambulante oder stationäre Therapie der Alkoholabhängigkeit? 2.9 Alkoholismus und soziales Umfeld 3. Drogenabhängigkeit 3.1 Arten von Drogen 3.2 Therapie, Verlauf, Prognose 3.3 Allgemeine Behandlungsprinzipien 3.4 Forschung mit LSD u. a. psychodelischen Substanzen 4. Medikamentenabhängigkeit 4.1 Allgemeines 4.2 Diagnostik 4.3 Ursachen 4.4 Therapie der Medikamentenabhängigkeit 5. Nikotinabhängigkeit Rauchen 6. Coffeinismus 7. Andere Suchtformen 7.1 Kaufsucht 7.2 Internet- oder Onlinesucht 7.3 Spielsucht 8. Fragen zur Selbstüberprüfung 9. Lösungen zu den Selbstüberprüfungsfragen 10. Literaturliste Impressum

3 1. Suchterkrankung Allgemeines 1.1 Definitionen Gebrauch: Gebrauch ist der kontrollierte Konsum von Suchtmitteln im Rahmen der gesellschaftlich tolerierten Grenzen. Missbrauch: Missbrauch besteht, wenn körperliche und psychische Schäden durch den Gebrauch von übermäßigen und nicht zweckentsprechenden Mengen von Substanzen entstehen. Missbrauch ist eine Vorstufe von Abhängigkeit. Abhängigkeit: Abhängigkeit (Sucht) bezeichnet das zwanghafte Bedürfnis und das Angewiesensein auf eine bestimmte Substanz, wobei zwischen psychischer und körperlicher Abhängigkeit unterschieden wird. Laut ICD-10 spricht man von Abhängigkeit wenn bestimmte Diagnosekriterien innerhalb eines Jahres erfüllt sind, wobei vor allem Kriterien, wie das Auftreten von Entzugserscheinungen, Toleranzentwicklung und Kontrollverlust entscheidend sind. Psychische Abhängigkeit besteht aus: Kontrollverlust weiterem Konsum trotz schädigender Wirkung einem Suchtgedächtnis unwiderstehlichem Verlangen nach der Substanz (Craving) Mangel an alternativen Bewältigungsstrategien Körperliche Abhängigkeit: Toleranzentwicklung Körperliche Entzugserscheinungen bei absetzen der Substanz(z.B. Entzugssyndrom, Besserung bei Substanzkonsum) Entzugserscheinungen werden vermieden bzw. gelindert durch den Konsum der Substanz

4 Formen der Abhängigkeit: Man unterscheidet stoffgebundene (wie Alkoholabhängigkeit oder Abhängigkeit durch Psychogene Drogen) und nicht-stoffgebundene Abhängigkeiten (wie Spielsucht oder Kaufsucht). Bei der stoffgebundenen Abhängigkeit sind die gängigste Drogen: Alkohol (Alkoholabhängigkeit mit etwa 1,7 Mio. Betroffenen) Psychopharmaka (Barbiturate, Opiate, Diazepam, Valium, Ritalin etc.) Psychogene Drogen: Heroin, Methadon, Kokain, Cannabis/Marihuana, Halluzinogene (z.b. LSD), Amphetamine (z.b. Speed), organische Lösungsmittel (Schnüffelsucht) und moderne Designerdrogen (z.b. Ecstasy). Abhängigkeitssyndrom: Ein Abhängigkeitssyndrom ist laut ICD-10 gekennzeichnet durch den starken Wunsch, die Substanz zu konsumieren, die Entwicklung einer verminderten Kontrollfähigkeit, Entzugssymptomatiken und der Gebrauch der Droge um die Entzugssymptomatik zu lindern, Toleranzausbildung, eingeengte Verhaltensmuster, Vernachlässigung eigener Interessen und der eigenen Person, soziale Auffälligkeiten und der Konsum der Substanz trotz schädigender Folgen. Unterscheidung Missbrauch und Abhängigkeit Missbrauch Abhängigkeit Gegenüber dem soziokulturellen Normen Suchtmittelkonsum von selbst nicht erhöhten Konsum aufgeben können Konsum zu unpassenden Gelegenheiten (z.b. Straßenverkehr, ) Nach Suchtmittelkonsum ein unzähmbares Verlangen nach mehr verspüren Sichtbare Veränderungen der psychischen und physischen Funktionen Bei seelischen Spannungen nach dem Suchtmittel verlangen Täglicher Konsum Heimlich und allein konsumieren (alleiniges Trinken) Gezielter Konsum zum Abbau von Durch gewohnheitsmäßigem Konsum Spannungen, Ängsten und Frustration Veränderung von körperlichen Organen und dem Körper selbst Schädigung seiner Umwelt, sich selbst und sozialen Beziehungen durch den Konsum Toleranzentwicklung: Toleranzentwicklung ist die Gewöhnung des Körpers an die Droge. Das heißt, es werden höhere Dosen benötigt, um die ursprünglich bei niedrigen Dosen erreichte Wirkung zu erzielen. Bei Absetzen der Droge kommt es zu Entzugserscheinungen, die zu weiterem Substanzgebrauch zwingen.

5 Suchtpotential Das Suchtpotential beschreibt die Fähigkeit einer Substanz eine Abhängigkeit bei einem Menschen hervorzurufen, bemessen an der Höhe der Zahl der Abhängigen und der Dauer der Abhängigkeitsentwicklung. Polytoxikomanie Dies beschreibt den multiplen Substanzmissbrauch. Personen konsumieren verschiedene Suchtmittel aus verschiedenen Kategorien in einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Der Substanzgebrauch ist dabei wahllos.

6 2. Alkoholismus Kein anderes Verhaltensmuster bringt so viele medizinische, soziale und rechtliche Probleme mit sich, wie der Konsum von Alkohol. Im Verlauf einer Alkoholikerkarriere kommt es zunächst weniger zu gesundheitlichen Schädigungen, sondern eher zu negativen sozialen Auswirkungen. Diese betreffen sowohl den Konsumenten selbst (z.b. Arbeitsplatz - oder Führerscheinverlust) wie auch das soziale Umfeld (Familie und Freunde). 2.1 Zahlen und Fakten Vier Mio. Menschen gelten in Deutschland als alkoholgefährdet; 3 Mio. als alkoholabhängig davon sind Kinder und Jugendliche. 5-7 Mio. Menschen sind als Angehörige vom Alkoholismus mit betroffen. Daher spricht man beim Alkoholismus auch oft von einer Familienkrankheit. Alkoholismus ist neben der Nikotinabhängigkeit die am meisten verbreitete Sucht, weit vor der Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit werden jährlich ein- oder mehrmals in Kliniken entgiftet. Nur erhalten jährlich fachkundige therapeutische Hilfe Menschen sterben jährlich an den schädlichen Folgen des Alkohols. Die volkswirtschaftlichen Schäden von Alkoholismus sind extrem hoch: Todesfälle, Krankheit, Unfälle, Kriminalität, verminderte Erwerbstätigkeit und Bekämpfung des Alkoholismus produzieren Kosten in Milliardenhöhe. Das Thema Alkoholabhängigkeit wird in unserer Gesellschaft oft tabuisiert und vor allem bagatellisiert. Ebenso wird der Alkoholkonsum gefördert und verlangt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol liegt pro Jahr bei ca. 11 Litern, das entspricht 227 l Bier oder 30 l Korn. Männer trinken etwa doppelt so viel wie Frauen. Damit gehört Deutschland im Alkoholkonsum mit zu den größten Alkoholverbrauchern weltweit. Jährlich werden durch Alkoholsteuern in Deutschland ca. 4 Mrd. Euro eingenommen. Andererseits wird jährlich der wirtschaftliche Schaden durch Alkohol auf über 20 Mrd. Euro geschätzt. Andere Schätzungen (z.b. der WHO) liegen noch wesentlich höher. Durch den Alkoholkonsum von Müttern während der Schwangerschaft wird ca. jedes 250. Kind geschädigt, v.a. Alkoholbedingte Embryopathien. Jährlich sterben an den Folgen von starkem Alkoholkonsum Menschen. Allein an Leberzirrhose sind es ca Alkoholunfälle mit Personenschäden machen ca. 18% der Unfälle aus. Bei Alkoholunfällen sterben jährlich ca Menschen. Ca. 80% aller verübten Straftaten werden unter Alkoholeinfluss begangen. 1/4 aller Gewaltdelikte geschieht unter Alkoholeinfluss (93% davon von Männern).

7 2.2 Begriffsbestimmungen Alkoholmissbrauch ist ein Alkoholkonsum, der zu körperlichen und/oder psychischen Schäden führt. Formen der Alkoholabhängigkeit: körperliche Abhängigkeit in Form von Toleranzerhöhung und Entzugssymptomen psychische Abhängigkeit, äußert sich in Kontrollverlust, Zentrierung des Denkens auf Alkohol und dessen Beschaffung. Alkoholismus im Sinne einer Alkoholabhängigkeit wird sowohl von ärztlicher, als auch von juristischer Seite als Krankheit anerkannt. Beachte: Die moderne Suchtmedizin unterscheidet nicht mehr zwischen seelischer und körperlicher Abhängigkeit. Sie führt unterdessen die jeweiligen Symptome auf ihre unterschiedlichen neurobiologischen Grundlagen zurück. So treten Toleranzentwicklung und Entzugssymptomatik aufgrund neuroadaptiver Vorgänge (in der Regel in inhibitorischen Botenstoffsystemen des Gehirns) auf, welche bei plötzlichem Wegfall des Substanzkonsums zur Exzitationen und damit zu beobachtbaren körperlichen Entzugssymptomen wie Krampfanfällen oder vegetativen Erscheinungen führen können. Demgegenüber gelten Symptome, die von manchen Autoren früher als psychische Abhängigkeit eingestuft wurden, als Störungen im Bereich motivationaler Systeme, insbesondere der Funktion dopaminergen Neurotransmitter. Wirkungen des Alkohols: Alkohol hat eher eine individuelle Wirkung, hauptsächlich wirkt er sich jedoch euphorisierend, erheiternd, anregend aus. Alkohol lockert und enthemmend. Nach dem Konsum von größeren Mengen Alkohol werden Denkprozesse, Sprache und Wahrnehmung beeinträchtigt. Weiter können Aufmerksamkeitsstörungen, Koordinationsstörungen und Gedächtnisverlust auftreten. Manche Menschen werden unter Alkoholeinfluss rührselig oder gar depressiv, andere aggressiv. Größere Mengen führen zu Affektlabilität. Einerseits finden wir aggressive Redseligkeit, überzogene Selbstüberzeugung, Prahlerei, Geltungsdrang und Handgreiflichkeit und andererseits kommt es zum Weltschmerz, Entwicklung von Rührseligkeit und Depressionen bis hin zum Verstummen.

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