Ich hab ne Meise! Bild 01, Loggia

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1 Ich hab ne Meise! Eine Meisengeschichte von Jürgen Schneider im Juli 2013 Eigentlich wollte ich mit meinen künstlichen Sonnenblumenstrauß, der in der bekannten großen braunen Vase steckt, auf meiner Loggia, mit einer Hand voll getrocknetem Gras als Nisthilfe, Amseln anlocken. Aber die sind lieber in die Straßenhecke neben der Bushaltestelle gezogen. In einem Allround-Markt habe ich dann einen schick bemalten Nistkasten mit einem Bird- Club -Aufkleber erworben und in den Blumenstrauß hineingedrückt. Die Kamera auf dem WC-Fensterbrett, die ich schon bei meinen Amselgeschichten benutzte, machte ein schönes Bild auf meinen neuen Fernsehapparat. Bild 01, Loggia Na gut, ich habe mit Sonnenblumenkernen, Haferflocken und Rosinen etwas nachgeholfen. Wer da alles speisen kam! Es hat mir großen Spaß gemacht, den Spatzen, Grünfinken, Staren, einem Taubenpaar und einem Kohlmeisenpaar beim Futtern zuzuschauen. Am 06. Juni bemerke ich wie eine Kohlmeise getrocknetes Gras, Mose, Tierhaare und Federn in den Spasskasten, mit einem 3-Zentimeter- Loch und einer Dachklappe, transportiert. 9 kam der Bird Club. Wie bei den Amseln ist es die Henne, die ganz alleine das Nest aufbaut, jeden Tag ein Ei hineinlegt und mit dem letzten Ei, mit dem Brüten anfängt. Wie bei den Amseln auch füttert der Hahn während der Brutzeit seine Frau. Wenn sie dann geschlüpft sind, hat er dann Großeinsatz und dabei steht er seinen Mann, den Meisenmann nenne ich ab jetzt Leo. Mal sehen, ob das bei meinen Mietern auch so funktioniert? Ich habe sozusagen vom Nestbau nur ein paar Ausbesserungsarbeiten mitbekommen. Aber jetzt wird mit aller Kraft beobachtet und notiert.

2 Am 7. Juni, erkenne ich, dass nur aller Stunden der Nistkasten aufgesucht wird. Im Netz habe ich gelesen, dass der Nestbau bis zu 10 Tage dauern kann. Und ich dachte, sie haben es sich bei mir anders überlegt. Nein, sie kommen doch noch! Wenn die Meisenfrau, die ich ab jetzt Liesel nenne, gesehen wird, so hat sie meist eine weiße Daunenfeder im Schnabel. Meine ausgelegten Wollstücke werden auch von den Spatzen abtransportiert. Die bauen z. Z. hinter der Dachrinne ihr Nest. Am nächsten Tag erfolgten nur vier Anflüge. Dafür hat sich ein Sperling die Gegend um den Bird Club genau angesehen. Jedenfalls turnte er ganz schön lange zwischen den künstlichen Sonnenblumen herum. Dieser Besuch hatte aber keine Auswirkung auf die Meisen. Meine Besucher sind freudig erstaunt, wenn sie im Fernseher einen Piepmatz in 3-facher Größe erblicken. Dass ich das noch erleben darf! Der Nestbau ist fast abgeschlossen und ich habe den größten Teil verpasst. Ich habe sozusagen vom Nestbau nur ein paar Ausbesserungsarbeiten mitbekommen. 10. Juni: Heute wird das erste Ei gelegt und die Aufenthaltszeiten im Nistkasten werden immer länger. Etliche Spatzen kommen und schlagen sich den Schnabel voller Haferflocken für die eigenen Kinder. Sie zeigen aber kein Interesse für das Meisenhaus. Die Meisen werden irgendwie ignoriert. 11. Juni: 2. Ei Ab heute wird zurückgeschossen. Das Fensterbrett und der Bird Club sind in Meisenhand. Spatzen werden vertrieben. Dazu werden die Flügel ausgefahren um größer zu erscheinen. Manchmal ist das wirkungsvoll. 12. Juni: 3. Ei Und das geht so: Uhr fliegt die Meisenfrau, in den Club, legt in 20 Minuten das 3. Ei. Geschafft für heute! 13. Juni: Heute wird schon früh, Uhr das 4. Ei gelegt. Dann braucht sie Uhr eine längere Sitzung von 25 Minuten für das 5. Ei.

3 14. Juni: Das 6.Ei wird wieder nachmittags gelegt und sofort danach beginnt Liesel mit der Brüterei. Ich bereue jetzt schon, dass ich keine Nistkastenkamera eingebaut habe. Aber wer konnte erahnen, dass es sich so entwickelt. Die Brütezeit läuft täglich etwa so ab: Liesel brütet Tag und Nacht und legt alle 2 3 Stunden eine Pinkelpause ein, wo sie auch einen kleinen Imbiss einnimmt. Leo bringt ihr auch ab und zu einen fetten Wurm oder eine Raupe. Der Anflug und der Abflug aus dem Club dauert nicht mal eine Sekunde so dass ich kaum erkennen kann, ob es sich um Liesel oder Leo handelt. Unterscheiden kann ich beide nur so: Liesel fliegt auf direktem Flugweg in den Nistkasten. Leo hingegen setzt vorher am Fensterbrett ab, meldet sich mit einem Pfiff an und setzt nach Genehmigung von innen seinen Flug in den Kasten, fort. Bild 02, Leo 17. Juni pünktlich Uhr nach der Nachtruhe legt Liesel die erste Tagespause ein und kommt nach 3 Minuten angeschwirrt und brütet weiter. Nachmittags mit über 30 C im Schatten, man bedenke, dass dann stundenlang auch 50 C in der Sonne auf den Nistkasten einwirken, die Sonne sozusagen mit brütet, gönnt sich Liesel auch längere Pausen. Ein Tag, wie der andere vergeht und ich kann mehrere Tage überspringen. 27. Juni: Heute, 13 Tage nach dem 1. Ei schlüpfen sie schon. Eine ziemlich kurze Brütezeit, die ich nur durch die tagelange enorme Sonneneinwirkung erklären kann. Liesel und Leo bringen jetzt in kurzen Abständen kleine Insekten und schaffen die leeren Eierschalen fort. Liesel hat jetzt mehrere Aufgaben. Sie brütet die restlichen Eier aus und wärmt dabei die schon Geschlüpften und füttert sie auch. Leo wird jetzt Essenschlepper Nummer Eins Uhr: Leo hat eine Fliege gefangen und will sie zu den Kleinen schaffen. Liesel sitzt auf dem Schornstein und will auch füttern. Leo bringt die Fliege hinein und Liesel hinterher. Für 5 Sekunden ist der Bird Club

4 ausgebucht. 15 Minuten später übergibt Leo seiner Liesel schon auf dem Fensterbrett seinen Schnabelinhalt. Das geht so besser. Jedes Mal wenn sich Liesel und Leo treffen, nimmt Liesel eine Stellung ein, wie ich sie bei bettelnden jungen Sperlingen gesehen habe. Es wird dann mit beiden etwas gespreizten Flügeln gezittert. Vielleicht bettelt sie ja den Leo an, schneller zu füttern. Ich werde dazu Experten befragen Uhr wird eine Eierschale ausgeflogen. Ich denke, dass jetzt das dritte Küken geschlüpft ist. 28. Juni, 3. Geburtstag Beide Eltern-Meisen füttern fleißig. Bin gespannt, ob ich noch eine Eientsorgung am Fernseher erleben kann. Heute wird im Schnitt aller 4 Minuten das Nest zum Füttern angeflogen. Es wird aber auch mal eine Fünfzehn gemacht. Liesel wärmt ihr Jungvolk und Leo zwitschert sich einen. Danach leitet Liesel die nächste Futterattacke ein. Es geht dann 10 Minutenlang zügig im 2-Minuten- Rhythmus weiter bis die nächste Warmhaltezeit beginnt. Die dauert dann auch wieder 10 bis 15 Minuten. Wenn Liesel im Haus ist übergibt Leo ihr die Beute am Einflugsloch und wenn nicht, füttert er selbst. 30. Juni, 5. Geburtstag Es wird aller 3 Minuten gefüttert und die Portionen werden immer größer. Die weißen Kotpillen, die anfangs noch geschluckt wurden, werden ab heute ausgeflogen. 1. Juli, 6.Geburtstag Meine Haferflocken werden mit verfüttert. Meist als Dessert nach dem Fleischgang. Blütenpollen und Birnenstückchen werden ebenso angenommen. 2. Juli, 7. Geburtstag Durch die Blütenpollen, die fleißig mit gefüttert werden, werden bestimmt gesunde Meisenküken erzeugt. Futterzyklus heute, aller 3 Minuten. 6. Juli, 11. Geburtstag: Die Fütterung, Uhr im 2-Minutentakt. Das liegt aber auch an den bereitgelegten Haferflocken und Blütenpollen und den ausgestreuten Sonnenblumenkernen auf der Wiese. Die Meisenküken sind jetzt schon so groß, dass die Schnäbel vor dem Einflugsloch betteln und werden jetzt von dort auch öfters gefüttert. Ein

5 Elternteil taucht dann in den Kasten und fliegt den Kot nach außen. Das nenne ich Nesthygiene. Bild 03, Küken betteln 7. Juli, 12. Geburtstag Ich stehe heute mal früh auf und stelle fest, dass Uhr schon fleißig gefüttert wird. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Alle zwei Minuten das ist bisheriger Rekord. Das Arscherl säubern vom Einflugsloch aus, sehe ich heute das erste Mal. Nicht immer bekommen die Langhälse am Loch zuerst was zu futtern. Ganz gezielt wird auch die 2. Reihe bedient. Ein System, damit Alle zur gleichen Zeit flügge werden. Die Annahme der Blütenpollen und Haferflocken ist auch schon selbstverständlich geworden. Nachmittags wird dann der 3- Minuten-Takt eingelegt. Leo kommt mit riesigen grünen Raupen mit denen er ganz schön Mühe hat. Die Kleinen wachsen schnell aber Liesel und Leo nehmen ab. 9. Juli, 13. Geburtstag Uhr: Leo bringt wieder eine große Motte, die er erst nach dem 3. Anlauf an den Mann bringt. Eine Stunde später gelingen mir dann ein paar Fotos. Bild 04, Bird Club

6 18.00 Uhr, 50 C in der Sonne, die Balkonpflanzen lassen die Blätter hängen. Es wird langsamer gefüttert. Die Schale mit Wasser wird noch ignoriert. 10. Juli, 14. Geburtstag Uhr: 15 Minuten im Minutentakt. Dann lässt man 5 Minuten sacken. Die nächsten 10 Minuten dann im 2-Minute-Rhythmus weiter. 11. Juli, 15. Geburtstag Unüberhörbar betteln die Küken am Loch. 12. Juli, 16. Geburtstag Die Amseln haben nach 14 Tagen das Nest verlassen. Ich kann gar nicht genug davon sehen wie die liebevollen Meiseneltern ihre Kleinen, die jetzt schon so groß sind wie sie selbst, mit immer größeren Maden und Raupen füttern. Und wenn sie dann immer noch betteln, und das tun sie natürlich, werden Haferflocken und Blütenpollen nachgereicht. 13. Juli, 17. Geburtstag Flügelschlagen im Kasten und ab und zu schaut einer raus. Ich sehe einen voll entwickelten Meisenkopf. Ich will unbedingt den Abflug filmen und stelle stundenweise eine 2. Kamera auf das Fensterbrett. 14. Juli, 18. Geburtstag Bild, 05, Blick in die neue Welt 2. Kameraprobe. Flattern im Kasten und ab und zu schaut einer raus. Leo fliegt den Abflug vor und die Fensterplatzmeise schaut zu. Der Fensterplatz wird jetzt vorrangig befüttert. Beide Eltern locken. 15. Juli, 19. Geburtstag

7 Habe schon 10 Stunden Füttern und gelegentliches Ausgucken gefilmt aber keiner will ausfliegen. 16. Juli, 20. Geburtstag- Flugtag Uhr, bestes Flugwetter. Es wird mit viel Haferflocken gefüttert, also kleine Häppchen. Alle sollen auf den Punkt das Haus verlassen und das will ich Filmen. Im Kasten flattert es gewaltig. Es wird gedrängelt, weil jeder mal rausschauen will Uhr: Leo bringt eine große Bild 06, Fütterflug Schneider-Mücke an das Loch aber zeigt sie nur. Die Lockung funktioniert. Die Kleinen zwängen sich weit aus dem Fenster, lassen dann aber den Nächsten gucken. Scheinbar muss erst der Befehl zum Absprung kommen. Nochmals Haferflockenpillen gegen die Flugangst. Mit einer Einschlafmade wird eine Ruhepause eingeleitet. Die dauert etwa 5 Minuten. Dann geht alles ziemlich schnell. Leo kommt ans Fensterbrett, fliegt in Richtung Kastanienbaum und lässt dabei ein unheimlich schrilles c-a, c-a, erklingen. Der Befehl zum Absprung! Und jetzt kann ich in wenigen Minuten erleben, wie 6 kleine Meisen den Flug in die Freiheit schaffen. Bei der Auswertung des Absprungfilmes sehe ich, was für ein Gedränge im Kasten geherrscht hatte. Jeder wollte vor dem Absprung einen Blick in die Neue Welt. Und wenn einer die Traute, sofort zu springen, nicht hatte, setzte schon der Nächste seine kleinen Zehen in das Sprungloch. Und ab ging es in die Freiheit, nach etlichen Lockrufen und Ermunterungen natürlich erst. Die Erste die dann nun endlich sprang, flog direkt in den Kastanienbaum.

8 Die Zweite wartet noch zögerlich, fliegt dann doch und hat den gleichen Kurs. Die Dritte landete nach einer Rangelei am Flugloch, im Balkon und wurde später durch Liesel in die Kastanie geleitet. Die Vierte landete ebenfalls auf dem Balkonboden, startete vorher aber erst nach zweimaliger Aufforderung. Die Fünfte traut sich auch erst nach Aufforderung. Die Sechste Fliegt wieder direkt, ohne Komplikationen. Danach fliegt Liesel in den Kasten und kommt mit AA wieder raus. Der Bird-Club wird so zu sagen, besenrein übergeben. Ich begleite anschließend mit der Kamera, die Vierte von der Gartenstuhllehne bis zur Kastanie. Fazit: - Die Meisenfrau baut in mehreren Tagen zu den verschiedensten Tageszeiten das Nest im Nistkasten ganz allein. Sie verwendet dazu Moose, Federn, Tierhaare und feine Gräser, aus denen sie ein feines Polster anfertigt. Bild 07, Das Nest -Legt dort jeden Tag ein Ei hinein und fängt nach dem 6. Ei an zu brüten. -Nach 12 bis 14 Tagen Brütezeit schlüpfen die Küken. -Während des Brütens füttert der Meisenmann seine Henne, die sich in den Pausen auch selbst kümmert. -Die Zeit nach dem Schlüpfen ist der Meiserich der Aktivere. -Gefüttert wird anfangs mit kleinen Happen ( Mücken, Maden, Fliege, Wespen und Würmern), die dann immer größer werden. -Nach 20 Tagen (ca, 3 Fütterungen/Minute) sind die Küken so entwickelt, dass sie nach mehreren Lockrufen, alle in wenigen Minuten, den Nistkasten verlassen.

9 10 Tage danach wird noch im Kastanienbaum um Futter gebettelt, aber in doppelter Lautstärke. -Ende-

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