Kurzzusammenfassung zu Derivate

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1 Kurzzusammenfassung zu Derivate In dieser Zusammenfassung wird der Einsatz und die Funktion von : - Devisentermingeschäften - Call- und Put-Optionen (american styled) erläutert. 1. Devisentermingeschäft Bei Devisenkassageschäften liegt der Termin der Geschäftserfüllung, die Valuta, aus historischen Gründen auch Lieferung genannt, bei zwei Tagen. Devisentermingeschäfte von bis zu einem Jahr gelten als normal, eine längere Valuta ist möglich, aber eher unüblich. Der Kurs eines Devisentermingeschäftes ist fix mit dem Devisenkassageschäft verbunden und ergibt sich aus den unterschiedlichen Zinssätzen der beiden gehandelten Währungen. Devisentermingeschäfte enthalten somit in keiner Weise mehr Information über die zukünftige Kursentwicklung als der Kassakurs. Die Differenz zwischen dem Termin- und dem Kassakurs wird als Report (Aufschlag) oder Deport (Abschlag) im Vergleich zum aktuellen Kurs bezeichnet. Ein Devisentermingeschäft wird auch als Solo- oder Outrightgeschäft bezeichnet und dient der Kurssicherung von Zahlungsforderungen und der Abwälzung des Kursrisikos auf den Kontrahenten (oft eine Bank). Vor allem jedoch bieten sie eine feste Kalkulationsbasis. Der Kontrahent verpflichtet sich: 1. zu dem vereinbarten Kurs abzurechnen 2. den Währungsbetrag an dem vereinbarten Termin entgegenzunehmen 3. das Aushändigen einer schriftlichen Bestätigung über das Geschäft Der Kunde verpflichtet sich: 1. den vereinbarten Fremdwährungs-Gegenwert anzunehmen 2. der Bank den Währungsbetrag zum vereinbarten Termin zur Verfügung zu stellen. Beispiel 1: Verkauf von EUR gegen CHF Eine Schweizer Unternehmung stellt eine Maschine her und verkauft diese an einen Kunden in Deutschland. In der Offerte ist vereinbart, dass die Maschine in 8 Monaten nach der Unterzeichnung der Offerte geliefert wird. Die Zahlung der Maschine erfolgt 30 Tage später und ist durch ein unwiderrufliches Akkreditiv gesichert. In der Offerte ist ein Verkaufspreis von TEUR 1'000 festgelegt. Die Maschine wird in der Schweiz hergestellt.

2 Es ist nun der Schweizer Unternehmung freigestellt, diesen Betrag über TEUR 1'000 abzusichern. Wenn das Treasury der Schweizer Unternehmung davon ausgeht, dass sich der EUR gegenüber dem CHF verteuert wird keine Absicherung vorgenommen. Wenn die Entwicklung des EUR aber unsicher ist, wird ein Devisentermingeschäft abgeschlossen. (Alternative Möglichkeit ist der Kauf einer Put-Option [siehe unten]). Der aktuelle Kasse-Wechselkurs beträgt 1.25 Für das Devisentermingeschäft auf 9 Monate ist ein Wechselkurs von 1.27 (Geld) und 1.23 (Brief) gestellt. Die Schweizer Unternehmung verkauft nun TEUR 1'000 zum Kurs von 1.23 auf 9 Monate. Damit muss die Schweizer Unternehmung nach 9 Monaten TEUR 1'000 an den Käufer liefern. Sie geht damit eine Short-Position ein, weil sie nicht im Besitz dieser TEUR 1'000 ist. Der Ausgleich der Short-Position erfolgt durch die Bezahlung der Rechnung des Deutschen Kunden, weil dieser die TEUR 1'000 durch Begleichung der Rechnung liefert. Ergebnis: Wenn der Wechselkurs nach 9 Monaten höher ist als 1.23 entgeht der Schweizer Unternehmung ein Währungsgewinn. Wenn sich der EUR gegenüber dem CHF verbilligt, entsteht kein Währungsverlust, da der Wechselkurs zu 1.23 abgesichert ist. Logischerweise sichert sich die Schweizer Unternehmung damit die in die Offerte eingeflossene Kalkulationsbasis ab. Beispiel 2: Kauf von EUR gegen CHF Eine Schweizer Unternehmung importiert eine Maschine von einem Hersteller in Deutschland. In der Offerte ist vereinbart, dass die Maschine in 8 Monaten nach der Unterzeichnung der Offerte geliefert wird. Die Zahlung der Maschine erfolgt 30 Tage später und ist durch ein unwiderrufliches Akkreditiv gesichert. In der Offerte ist ein Verkaufspreis von TEUR 1'000 festgelegt. Die Maschine wird in Deutschland hergestellt. Es ist nun der Schweizer Unternehmung freigestellt, diesen Betrag über TEUR 1'000 abzusichern. Wenn das Treasury der Schweizer Unternehmung davon ausgeht, dass sich der EUR gegenüber dem CHF verbilligt wird keine Absicherung vorgenommen. Wenn die Entwicklung des EUR aber unsicher ist, wird ein Devisentermingeschäft abgeschlossen. (Alternative Möglichkeit ist der Kauf einer Call-Option [siehe unten]). Der aktuelle Kasse-Wechselkurs beträgt 1.25 Für das Devisentermingeschäft auf 9 Monate ist ein Wechselkurs von 1.27 (Geld) und 1.23 (Brief) gestellt. Die Schweizer Unternehmung kauft nun TEUR 1'000 zum Kurs von 1.27 auf 9 Monate. Damit muss die Schweizer Unternehmung nach 9 Monaten TEUR 1'000 an den Käufer liefern. Sie geht damit eine Long-Position ein, weil sie diese TEUR 1'000 in 9 Monaten geliefert bekommt. Der Ausgleich der Long-Position erfolgt durch die Bezahlung der Rechnung an den Deutschen Lieferanten. Der Schweizer Importeur kann die TEUR 1'000 zur Bezahlung der Rechnung einsetzen. Ergebnis: Wenn der Wechselkurs nach 9 Monaten tiefer als 1.27 notiert, entgeht der Schweizer Unternehmung ein Währungsgewinn. Wenn sich der EUR gegenüber

3 dem CHF verteuert, entsteht kein Währungsverlust, da der Wechselkurs zu 1.27 abgesichert ist. Damit sichert sich die Schweizer Unternehmung auf ihrem Import, den Wechselkurs zum Datum der Vertragsabschlusses. 2. Call-Option und Put-Option 2.1. Call-Option (Kaufoption) Eine Kaufoption (auch Vanilla Call, Call-Option) ist eine Option, welche dem Käufer das Recht einräumt, ihn aber nicht verpflichtet, ein bestimmtes Gut (Basiswert oder Underlying) zu einem im Voraus vereinbarten Preis (Ausübungspreis, Strike-Preis) in einer im Voraus vereinbarten Menge zu kaufen. Kann der Käufer sein Recht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt ausüben, spricht man von einer europäischen Option. Steht ihm für die Ausübung ein bestimmter Zeitraum zur Verfügung, spricht man von einer amerikanischen Option. Der Käufer wird sein Recht im Normalfall nur dann ausüben, wenn der Preis des Basiswertes über dem Ausübungspreis liegt. Der Verkäufer der Call-Option (Short Call) ist zur Lieferung des Basiswertes verpflichtet, für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option. Wenn der Verkäufer im Besitz des Basiswertes ist spricht man auch von einem Stillhaltergeschäft. In der Praxis wird der Basiswert bei Ausübung der Option vielmals nicht geliefert. Der Verkäufer der Call-Option bezahlt dem Käufer einfach die Differenz zwischen dem Preis, den der Basiswert zum ausgemachten Zeitpunkt hat, und dem Ausübungspreis diese Praxis wird als Barausgleich bezeichnet. Ob bei Ausübung ein Barausgleich stattfindet oder ob der Basiswert geliefert wird, ist bei den amerikanischen Optionen frei (bei Indexoptionen findet ausschliesslich Barausgleich statt). Bei europäischen Optionen wird Lieferung oder Barausgleich bei Vertragsabschluss festgelegt. Grundsätzlich können solche Geschäfte zwischen zwei beliebigen Parteien abgeschlossen werden, ohne jeden eigenen persönlichen Bezug zum Basiswert.

4 Beispiel: Nestlé-Aktie (NESN) 1 Call = 100 Aktien Wir treffen am XX1 folgende Situation an: Aktienkurs von NESN = CHF in-the-money Call strike = CHF 58.00, Verfall XX1 Preis CHF 3 00 at-the-money Call strike = CHF 60-00, Verfall XX1 Preis CHF 1.50 out-of-the-money Call strike = CHF 62.00, Verfall XX1 Preis CHF 0.75 Informationen: Sowohl die at-the-money wie auch die out-of-the money Option hat nur einen Zeitwert. Die in-the-money Option hat einen inneren Wert von CHF 2.00 plus einen Zeitwert von CHF Mit einem Einsatz von CHF kann man 10 out-of-the-money Calls erwerben und bewegt damit insgesamt einen Basiswert von CHF 62'000 (10 x 100 x 62.00). Spekulation à la hausse Der Käufer geht davon aus, dass der Kurs der NESN-Aktie ansteigt. Er kauft 10 out-of-the-money Calls, strike Die Aktie steigt an und notiert am XX1 auf CHF 65.00, der Call notiert zu CHF 3.25 (CHF 3.00 innerer Wert und CHF 0.25 Zeitwert). Wenn sich der Käufer entschliesst zu verkaufen erzielt er einen Kursgewinn von CHF 2.50 bzw. von 333% pro Call, insgesamt: CHF 2' [10 x 100 x 2.50]). Der Aktionär erzielt einen Kursgewinn von CHF 5.00 ( ) bzw. 8.33% pro Aktie. Somit ist die Hebelwirkung des derivativen Instruments erklärt. WICHTIG: Wenn der Aktienkurs nicht über CHF ansteigt verliert der Käufer der Call Option seinen ganzen Einsatz (der Renditehebel einhaltet also auch ein entsprechendes Risiko). Der Stillhalter: Ein Aktionär ist im Besitz von 1'000 Aktien NESN. Er findet, dass der Kurs in den letzten Monaten schön angestiegen ist und daher in den nächsten Monaten eher korrigieren wird. Anstelle eines Verkaufs seines Bestandes entschliesst er sich seine Aktien virtuell durch den Verkauf einer gedeckten Call-Option (short call covered) zu verkaufen. Er verkauft den in-the-money-call mit strike CHF zu CHF Er liegt mit seiner Einschätzung richtig. Der Kurs der NESN-Aktie korrigiert auf CHF Er hat nun auf seinem Bestand einen Kursverlust von insgesamt CHF 5' ( x 1'000) erlitten, aber aus dem Stillhaltergeschäft einen Gewinn von CHF 3' (10 x 100 x 3.00) erzielt. Und somit den Buchverlust durch einen effektiv realisierten Hedge-Gewinn um mehr als die Hälfte reduziert. Wenn die NESN-Aktie am Jahresende wieder bei CHF notiert, hat er auf Jahressicht keinen Buchgewinn erzielt, durch das Stillhaltergeschäft aber einen Gewinn von 5% (Ausgangslage Aktienkurs NESN von CHF 60.00) erzielt Put-Option (Verkaufsoption) Eine Verkaufsoption (auch Put-Option oder Vanilla Put) ist eine Option, die dem Käufer das Recht einräumt, ihn aber nicht verpflichtet, innerhalb eines bestimmten Zeitraums (amerikanische Optionen) oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Optionen) eine festgelegte Menge eines bestimmten Basiswertes zu einem im Voraus festgelegten Preis (Ausübungspreis) zu verkaufen. Aufgrund dieser Konstruktion steigt der Kurs einer Put-Option tendenziell an, wenn der Kurs des Basiswertes fällt; umgekehrt fällt in der Regel der Kurs der Put-Option, wenn der Kurs des Basiswertes steigt.

5 Der Verkäufer der Put-Option ist zur Abnahme des Basiswertes verpflichtet. Für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option. Der Käufer einer Put-Option wird sein Recht nur dann ausüben, wenn der Preis des Basiswertes unter dem Ausübungspreis liegt. In der Praxis allerdings wird der Basiswert bei Ausübung der Option nicht notwendigerweise geliefert. Der Verkäufer der Put-Option kann dem Käufer einfach die Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem Preis, den der Basiswert zum ausgemachten Zeitpunkt hat - diese Praxis wird als Barausgleich bezeichnet. Ob bei Ausübung ein Barausgleich stattfindet oder ob der Basiswert geliefert wird, ist bei den amerikanischen Optionen frei (bei Indexoptionen findet ausschliesslich Barausgleich statt). Bei europäischen Optionen wird Lieferung oder Barausgleich bei Vertragsabschluss festgelegt. Der Optionspreis eines Puts (Long) entspricht der Versicherungsprämie eines Investors. Ein vorzeitiges Ausüben der Option ist meist aufgrund des restlichen Zeitwertes nicht von Vorteil. Beim Ausüben würde man nur den inneren Wert erhalten, beim Verkauf den inneren Wert plus den Zeitwert. In der Praxis kann ein Ausüben trotzdem sinnvoll sein, wenn für die Option entweder am Markt kein Preis angeboten wird, oder wenn die Geld- Brief-Spanne zu groß ist. Der maximale Gewinn, den der Käufer einer Put-Option erzielen kann, ist im Gegensatz zu einem Call nicht unendlich, sondern auf den Ausübungswert abzüglich der von ihm entrichteten Optionsprämie beschränkt (und zwar dann, wenn der Basiswert den Wert null hat). Der maximale Verlust des Verkäufers ist spiegelbildlich der Ausübungswert abzüglich der erhaltenen Prämie. Sein maximal möglicher Gewinn ist die Prämie. Solche Geschäfte können grundsätzlich zwischen zwei beliebigen Parteien abgeschlossen werden, ohne jeden eigenen persönlichen Bezug zum Basiswert.

6 Beispiel: Nestlé-Aktie (NESN) 1 put = 100 Aktien Wir treffen am XX1 folgende Situation an: Aktienkurs von NESN = CHF in-the-money Put strike = CHF 62.00, Verfall XX1 Preis CHF 3 00 at-the-money Put strike = CHF 60-00, Verfall XX1 Preis CHF 1.50 out-of-the-money Put strike = CHF 58.00, Verfall XX1 Preis CHF 0.75 Informationen: Sowohl die at-the-money wie auch die out-of-the money Option hat nur einen Zeitwert. Die in-the-money Option hat einen inneren Wert von CHF 2.00 plus einen Zeitwert von CHF Mit einem Einsatz von CHF kann man 10 out-of-the-money Puts erwerben und bewegt damit insgesamt einen Basiswert von CHF 58'000 (10 x 100 x 58.00). Spekulation à la baisse Der Käufer geht davon aus, dass der Kurs der NESN-Aktie fällt. Er kauft 10 out-of-the-money Puts, strike Die Aktie fällt und notiert am XX1 auf CHF 55.00, der Put notiert zu CHF 3.25 (CHF 3.00 innerer Wert und CHF 0.25 Zeitwert). Wenn sich der Käufer entschliesst zu verkaufen erzielt er einen Kursgewinn von CHF 2.50 bzw. von 333% pro put, insgesamt: CHF 2' [10 x 100 x 2.50]). Der Aktionär erzielt einen Kursverlust von CHF 5.00 ( ) bzw. 8.33% pro Aktie. Somit ist die Hebelwirkung des derivativen Instruments erklärt. WICHTIG: Wenn der Aktienkurs nicht unter CHF fällt verliert der Käufer der Put Option seinen ganzen Einsatz (der Renditehebel einhaltet also auch ein entsprechendes Risiko). Es wird aber auch sehr schön sichtbar, dass mit einem relative kleinen Einsatz ein Versicherungsschutz bei sinkenden Kursen gekauft werden kann. Indirekter Kauf der Aktien durch Verkauf von Put Optionen. Anstelle eines direkten Kaufes der Aktien kann man den Einstandspreis auf einem Aktienengagement festlegen, indem man einihge Put Optionen verkauft (Initial Margin notwendig = Barmittel zur Übernahme notwendig) Ein Investor möchte gerne 1'000 NESN-Aktien in seinem Depot haben, dafür aber maximal CHF pro Aktie bezahlen. Er verkauft den at-the-money Put, strike CHF zu CHF Er erhält dafür CHF 1' (10 x 100 x 1.50) und ist verpflichtet die Aktien zu übernehmen, wenn der Kurs unter CHF liegt. Wenn der Kurs über CHF notiert verfällt der Put wertlos. Damit verbleibt beim Investor ein Kursgewinn von CHF 1' Annahme: Der Kurs von NESN notiert am Verfallstag bei CHF Nun werden die 1'000 Aktein zu CHF 60.00, insgesamt CHF 60' angedient. Der effektive Einstandspreis beträgt nun aber nicht CHF pro Aktie sondern CHF 58.50, weil die Optionsprämie von CHF 1.50 ja beim Verkäufer der Put-Option bleibt. WICHTIG: Spekulation auf sinkende Kurse durch Verkauf von Calls (short calls naked) ist sehr gefährlich. Theoretisch kann eine Aktie ja auf einen unendlichen Wert ansteigen, was in diesem Falle ein unbegrenztes Verlustrisiko beinhaltet. Also Absicherungen nur mit klar begrenztem Verlustrisiko durch Kauf von Puts vornehmen (Maximales Verlustrisiko ist der Kaufpreis der Puts). SCHLUSSBEMERKUNG Geschäfte mit Call- und Put-Optionen sollten nur speziell geschulte Fachkräfte vornehmen. Optionsgeschäfte verlangen eine tägliche Verfolgung der Märkte.

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