Infomed, ein Projekt für den elektronischen Austausch von medizinischen Daten im Wallis

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1 Infomed, ein Projekt für den elektronischen Austausch von medizinischen Daten im Wallis Dr. Alex Gnaegi, Cédric Michelet Postanschrift: Dr. Alex Gnaegi, Projektleiter Infomed und Chefarzt der medizinischen und administrativen Informatikabteilung, Spital Wallis, Zentralinstitut der Walliser Spitäler, Av. Grand-Champsec 86, 1950 Sitten, Tel , Fax Zusammenfassung Im Rahmen der Einführung eines Walliser Gesundheitsinformationssystems ist es vorgesehen, eine Plattform für den elektronischen Austausch von medizinischen Daten gemäss ehealth Schweiz zu implementieren. Das Projekt Infomed ermöglicht allen Walliser Ärzten, mit dem Einverständnis des Patienten, auf ein geteiltes Patientendossier zuzugreifen, in dem sich die zur Behandlung des Patienten nützlichen Dokumente befinden. Walliser Gesundheitsinformationssystem Der Kanton Wallis möchte über ein Gesundheitsinformationssystem zur Unterstützung bei der Definition und Umsetzung einer Gesundheitspolitik verfügen. Ein solches Informationssystem muss genaue Informationen über den Gesundheitszustand der Bevölkerung und die Aktivitäten der verschiedenen Organisationen liefern (Ärzte, Spitäler, usw.), die den Gesundheitsapparat im Wallis bilden. Ausserdem muss das Gesundheitsinformationssystem dem Patienten dienen, indem es den Informationsaustausch zwischen den Partnern im Gesundheitswesen fördert. Die Umsetzung dieses Gesundheitsinformationssystems wurde in drei Phasen zerlegt 1 : Die Erste betraf die Spitäler (Infoval-Projekt) mit der Implementierung eines einheitlichen elektronischen Patientendossiers für das ganze Spital Wallis seit dem Jahr Die zweite Etappe bezieht sich auf den medizinisch-sozialen Bereich (Alters- und Pflegeheime APH sowie sozialmedizinische Zentren SMZ) und sieht die baldige Implementierung eines einheitlichen elektronischen Pflegedossiers für diese Institutionen vor. Die letzte Etappe schliesslich, Infomed-Projekt genannt, beschäftigt sich mit der ambulanten Versorgung unter Einbindung der Hausärzte mit eigener Praxis und anderen Gesundheitsfachpersonen. Die Verantwortung für das Infomed-Projekt, in vollem Umfang vom Kanton Wallis finanziert, obliegt einem Pilotkomitee, präsidiert vom Dienstchef der Dienststelle für Gesundheitswesen. Zu diesem Komitee gehören auch ein Vertreter des Walliser Ärzteverbandes, einer des Walliser Apotheker Vereins, ein unabhängiger Experte und ein Vertreter des Walliser Gesundheitsobservatoriums. Es geht darum, den Ärzten und anderen Gesundheitsfachleuten die Möglichkeit zu bieten, die zur optimalen Behandlung des Patienten nötigen medizinischen Informationen zu konsultieren. Der Zugriff auf diese Daten muss unabhängig von räumlichen und zeitlichen Einschränkungen möglich sein. Ansätze zur Bedarfsanalyse Da nicht klar war, welche Daten ausgetauscht werden sollen und welche genauen Erwartungen die Partner haben, wurde im Frühjahr 2010 unter den Mitgliedern des Walliser Ärzteverbandes eine Umfrage durchgeführt, der einige Interviews vorangingen. Auf diese Weise konnten 139 Antworten auf den Fragebogen erhalten werden (Beteiligung von 25,7 %). Das Projekt wurde im Allgemeinen gut aufgenommen, 81 % der Befragten wünschten sich einen elektronischen Austausch von medizinischen Daten zwischen Leistungserbringern und 76 % wären bereit, 1

2 mitzumachen. Bei den Daten, die ausgetauscht werden sollen, handelt es sich im Wesentlichen um Fakten betreffend Medikamente, Allergien, Austrittsberichte nach Spitalaufenthalten und Konsiliarberichte, Untersuchungsberichte, siehe Abbildung 1. Welche Daten wären in Bezug auf Ihre Aktivität auszutauschen? Austrittsmedikamente Kurzaustrittsbericht Austrittsbericht Allergien Konsiliarbericht Untersuchungsberichte (Röntgen-, Patho- Zusammenfassung der Krankengeschichte Laborresultate Spital-Eintrittsmeldung Problemliste Röntgenbilder Aufnahmegesuch Konsilium-Anfrage Operationsprotokoll Verlegungsbericht (z.b. Intensivstation) Aufenthaltsmedikamente Verlaufsnotizen Plegedokumentation 0% 25% 50% 75% 100% Prioritär Sekundär Nicht erwünscht Abbildung 1: Priorisierung der elektronisch auszutauschenden Daten Strategie der Umsetzung Der Austausch medizinischer Daten und Dokumente läuft über eine elektronische Plattform. Diese Plattform hält die Grundsätze und Empfehlungen von der ehealth Strategie des Bundes ein 2. Unter Plattform versteht man ein Anwendungsprogramm, das fähig ist, Dokumente und Daten, die von anderen Anwendungen stammen, zu integrieren und diese Informationen für berechtigte Personen oder Anwendungsprogramme als geteiltes Patientendossier verfügbar zu machen. Das geteilte Patientendossier ersetzt nicht das elektronische Patientendossier der Spitäler und praktizierenden Ärzte, sondern fasst gewisse Informationen zusammen, welche für die Behandlung des Patienten nützlich sind. Ein Schema illustriert die Architektur der Plattform, siehe Abbildung 2. 2

3 Abbildung 2: Allgemeine Architektur der Infomed-Plattform Das Projekt ist in 6 Phasen unterteilt, vorgängig findet eine Testphase mit Pilot-Ärzten statt. 1. Dokumente des Spital Wallis an Hausärzte senden, Modus definierter Empfänger 2. Dokumente der Ärzte senden, Modus definierter Empfänger 3. Geteiltes Patientendossier eröffnen 4. Einbezug der Apotheker 5. Einbezug der Alters- und Pflegeheime und der sozial-medizinischen Zentren 6. Zugriff der Patienten auf ihr Dossier In der ersten Phase werden den praktizierenden Ärzten die Daten des Spital Wallis angeboten, die bereits dank elektronischem Patientendossier des Infoval-Projekts zur Verfügung stehen. Für Arztpraxen, die bereits mit einem elektronischen Patientendossier arbeiten, werden die Daten im Format HL7 CDA-CH bereitgestellt und können in ihr elektronisches Patientendossier importiert werden. Für die anderen praktizierenden Ärzte, deren Dossiers nicht elektronisch erfasst sind, wird ein sicheres Internetportal angeboten, über das sie die Patientendossiers mit einem einfachen Internetnavigator einsehen können. Die Authentifizierung im Portal erfolgt mit der neuen FMH-Health Professional Card. Nur die Empfänger der Dokumente können darauf zugreifen. In der zweiten Phase werden die praktizierenden Ärzte der Primärversorgung, Spezialisten sowie die anderen Spitalorganisationen (Privat- oder Rehakliniken), radiologische Institute und medizinische Laboratorien aufgefordert, das Portal mit ihren Daten zu füttern. Die dritte Phase entspricht der Eröffnung eines geteilten Patientendossiers, auf welches der Arzt zugreifen kann, ohne der definierte Empfänger zu sein. Eine ausdrückliche Einwilligung des Patienten für die Eröffnung des Dossiers sowie eine Zugriffsbewilligung zum Dossier für den vom Patienten bestimmten Arzt sind deshalb nötig. In der vierten und fünften Phase werden andere Gesundheitsfachleute, Apotheker, gefolgt von Spitex, Einrichtungen für Langzeitaufenthalte und Physiotherapeuten eingebunden. Die sechste und letzte Phase betrifft schliesslich die Patienten und gibt ihnen die Möglichkeit, über das Internetportal auf ihr Dossier zuzugreifen und die Zugriffsrechte intelligent zu verwalten. Welche Standards? Damit es den Partnern erspart bleibt weitere Applikationsprogramme zu entwickeln, um sich mit den verschiedenen Austauschplattformen zu vernetzen, die in der Schweiz geplant sind, basiert das Infomed-Projekt auf anerkannten Standards. So muss ein elektronisches Patientendossier mit der Infomed-Plattform sowie mit den anderen Plattformen kompatibel sein und somit die Investitionen schützen. Eine wichtige Komponente ist die Einhaltung der IHE-Initiative (Integrating the Healthcare Enterprise). 3

4 Ausserdem pflegt das Projektteam regelmässige Kontakte mit dem ehealth Koordinationsorgan des Bundes und auch mit anderen Kantonen, die an ähnlichen Projekten arbeiten. Auf diese Weise werden möglichst viele Erfahrungen ausgetauscht und Synergien geknüpft. Akteure und Projektteam Das Infomed-Projekt zielt darauf ab, alle Leistungserbringer der Akutversorgung im Wallis zu vereinen und so eine Gemeinschaft zu bilden, wie sie in den Standards und der Architektur von ehealth definiert wird. Diese Gemeinschaft müsste ebenfalls zertifiziert werden, so könnten letztendlich Daten mit anderen Kantonen ausgetauscht werden. Die Abbildung 3 fasst deshalb die verschiedenen Infomed-Akteure zusammen, während in Tabelle 1 alle Institutionen im Zusammenhang mit Infomed aufgelistet sind. Mit der Umsetzung dieses Projekts ist ein Team der medizinischen und administrativen Informatikabteilung (SIMA) des Spital Wallis im Zentralinstitut in Sitten beauftragt. Die Server des Infomed-Projekts werden ebenfalls in der Informatikabteilung gehostet und gewartet. Patienten Rechte verwalten Apotheker Ärzte Geteiltes Patienten Dossier Laboratorien Privat- und Rehakliniken SMZ Physio. / Chiro. APH Abbildung 3: Akteure des geteilten Patientendossiers Versicherungen Tabelle 1: Gesundheits-Anstalten und Institutionen im Zusammenhang mit dem Infomed-Projekt Spital Wallis mit 10 Standorten 500 Arztpraxen Mehrere Privat- und Rehakliniken Spital Chablais 43 Sozial-medizinische Zentren (SMZ) und 19 Alters- und Pflegeheime (APH) 113 Apotheken Mehrere physiotherapeutische Praxen, medizinische Laboratorien, Pathologie- Institute und Institute für bildgebende Verfahren in der Medizin 4

5 Vertraulichkeit und Sicherheit Medizinische Dokumente des Patienten sind persönliche und sensible Daten. Daher sollten sie nach den Grundsätzen der IT-Sicherheit behandelt werden: Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität. Information und Transparenz helfen, das Vertrauen der Gesundheitsfachleute und der Patienten zu gewinnen. Nur Gesundheitsfachleute und Patienten, aber auf keinen Fall Mitarbeiter der Krankenkassen, werden auf die persönlichen Daten von Infomed zugreifen können. Für den Zugriff auf die Plattform braucht es eine sogenannte starke Authentifizierung. Der Zugriff der Ärzte und Apotheker wird mit den bereits existierenden Karten für Gesundheitsfachleute kontrolliert, die bereits X509 zertifiziert sind. Die Eröffnung eines geteilten Patientendossiers bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Patienten, wie es in der kantonalen Verordnung über Infomed vorgesehen ist. Nach der Eröffnung des Dossiers kann der Patient auswählen, welche Gesundheitsfachleute berechtigt sind oder im Gegenteil, nicht berechtigt sind, sein Dossier zu konsultieren. Zeitplan Nach einer öffentlichen Ausschreibung wurde im Frühling 2013 die Informatikplattform (IdéoSanté) installiert. Die Testphase mit Pilot-Ärzten fand im Sommer 2013 statt. Der erste elektronische Austausch von medizinischen Dokumenten zwischen dem Spital Wallis und praktizierenden Ärzten ist für Herbst 2013 vorgesehen. Der Zugriff der Patienten auf ihr eigenes Dossier wird erst gegen 2014 möglich sein. Sitten, den 9. Oktober 2013 / V3 1 Gnaegi A, Wieser P, Dupuis G. La stratégie ehealth en Valais. Bulletin des médecins suisses 2010 août;91(33): Office fédéral de la santé publique. Stratégie Cybersanté (ehealth) Suisse. 27 juin

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