WEG. Wildecker Energiegenossenschaft. Geschäftsplan

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1 Wildecker Energiegenossenschaft WEG Geschäftsplan 2011 Wir sind davon überzeugt, dass Energie in Bürgerhand gehört. Deshalb gründen wir die Wildecker Energiegenossenschaft WEG mit dem Ziel, Energieerzeugungsanlagen in Wildeck zu errichten und die dadurch erzielte Wertschöpfung den Bürgerinnen und Bürgern aus der Region zukommen zu lassen. Wildecker Energiegenossenschaft c/o Martina Selzer Schulstr. 43, Wildeck 06678/919169

2 Inhaltsverzeichnis 1. Idee/Vision Projektstruktur... 3 a. Genossenschaftliches Modell... 3 b. Kooperationspartner der WEG... 4 c. Aufgaben der Genossenschaft Produkt... 5 a. Finanzierungsmodell... 5 b. Anlagenkalkulation Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Projektzeitplan Hintergründe und Technik Finanzplan Erläuterungen zum Finanzplan

3 1. Idee/Vision Erneuerbare Energien zählen zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts und sind für die gesellschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre ausschlaggebend. Die Gründungsinitiative Wildecker Energiegenossenschaft (WEG) hat das Ziel, durch Betreiben von Photovoltaik- und anderen Energieerzeugungsanlagen in Wildeck die wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaftsmitglieder und der gesamten Gemeinde voranzubringen. Angenehmer Nebeneffekt ist die Tatsache, dass dies eine sichere, ökologische und lokale Möglichkeit der Geldanlage darstellt. Durch die Einlage von 250 Euro oder einem vielfachen Betrag davon können Anteile an der Genossenschaft gekauft werden, die mit dem gesammelten Geld Photovoltaikanlagen auf geeigneten Dächern in Wildeck baut. Die erste Anlage soll noch 2011 auf einem Wildecker Dach errichtet werden. Weitere Energieerzeugungsanlagen sollen folgen. 2. Projektstruktur a. Genossenschaftliches Modell Eine Genossenschaft, um Energieerzeugungsanlagen zu betreiben, hat vielfältige Vorteile gegenüber anderen Wirtschaftsformen wie beispielsweise einer GmbH oder einer AG. Mit einer genossenschaftlichen Organisationsform wird allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, geben, sich an der Anlage zu beteiligen. Jeder aus der Region kann durch den Kauf eines Anteils für 250 Euro Mitglied werden, gemeinsam wird der Investitionsaufwand gestemmt. Sobald Gewinne erwirtschaftet werden, wird eine Dividende auf die Anteile ausgezahlt. Die demokratische Idee wirkt sich im Stimmrecht aus: Jedes Genossenschaftsmitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Anzahl der Anteile, die erworben wurden. Abbildung 1: Projektstruktur Für die erste Anlage werden zunächst Genossenschaftsmitglieder geworben und ein Vertrag mit dem Eigentümer eines geeigneten Daches abgeschlossen. Basierend auf den Daten des 3

4 Daches, den daraus resultierenden Kosten der Anlage, der geschätzten Menge des produzierten Stroms und der gesetzlichen Einspeisevergütung wurde der Finanzplan für die ersten Jahre der Genossenschaft erstellt (siehe 7.). Sobald die Genossenschaft genug Mitglieder hat und eine Bank zur Kofinanzierung gefunden wurde, kann ein Projektierer die Anlage planen und bauen. Es wird davon ausgegangen, dass sich viele weitere Haus- und Grundstückseigentümer finden, die ein Dach oder eine geeignete Fläche an die Genossenschaft vermieten und gleichzeitig selbst Mitglied in der Genossenschaft werden. b. Kooperationspartner der WEG Dacheigentümer Geeignete Dächer und Flächen für Photovoltaik existieren in Wildeck genügend und auch die Rahmenbedingungen für andere Energieerzeugungsanlagen wie beispielsweise Windkraftanlagen oder Wärmeerzeugungsanlagen sind günstig. Viele Gebäude sind im Besitz älterer Menschen, die keinen Mehrwert in einer solchen Investition sehen, sich aber über einen Mehrertrag durch die Vermietung einer Dachfläche freuen würden. Vorgespräche mit Dacheigentümern, die zur Vermietung bereit wären, laufen bereits. Im nächsten Schritt können größere Projekte wie Freiflächenanlagen auf den zahlreichen Konversionsflächen an der Eisenbahn oder entlang der Autobahn (Flächen bis zum Abstand von 110 m) errichtet werden, auf welchen ebenfalls Anspruch auf Einspeisevergütung besteht. Die Planung größerer Anlagen (Solarparks) soll in Abstimmung mit den Interessen der ortsansässigen Landwirte erfolgen, die auf den Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzflächen, insbesondere Ackerflächen, angewiesen sind. Es sind vorrangig solche Flächen zu beplanen, die eine Doppelnutzung zulassen (z. B. Weide). Projektierer Für die Planung und den Bau werden Angebote von verschiedenen Projektierern eingeholt. Der Vorstand der Genossenschaft entscheidet dann, welcher Projektierer den Auftrag erhält, die Anlage zu bauen. Ausschlaggebend für den Zuschlag sind nicht nur finanzielle Kriterien, sondern auch Gewährleistungen, Service und Erfahrung. Bank Unterstützung von einem Bankinstitut wird in zweierlei Hinsicht benötigt: Für den Fall, dass nicht die gesamte Investition über Genossenschaftsanteile gedeckt werden kann, wird die restliche Finanzierung über ein Bankinstitut abgedeckt. Weiterhin kann eine genossenschaftlich organisierte Bank durch ihre Strukturen Unterstützung bei der Mitgliederverwaltung und Organisation der Genossenschaft bieten und darüber hinaus selbst Mitglied der WEG werden. Genossenschaftsverband Die Genossenschaftsverbände prüfen Genossenschaften bei der Gründung und überprüfen sie regelmäßig nach den Vorgaben des Genossenschaftsgesetzes. Ein unabhängiger Berater begleitet die Gründung der Wildecker Energiegenossenschaft. 4

5 c. Aufgaben der Genossenschaft Die Genossenschaft kümmert sich um: Gründung der Genossenschaft Verhandlung mit den Dacheigentümern Organisation von Informationsveranstaltungen Erstellung einer Informationsplattform zur Darstellung der Erträge und weiterer Erfolge Verkauf der Genossenschaftsanteile Auswahl des geeigneten Projektierers Ausschüttung der Renditen Einwerbung von weiteren Mitteln (Förderprogramme o. ä.) Laufende Geschäftsführungstätigkeiten 3. Produkt a. Finanzierungsmodell Das eigentliche Produkt ist der Anteil an der Genossenschaft, der für 250 Euro erworben werden kann. Sobald über den Verkauf des produzierten Stroms Gewinne erwirtschaftet werden, erhalten die Mitglieder eine anteilige Dividende darauf. Genossenschaftsanteile können verkauft oder mit einer Kündigungsfrist von 2 Jahren gekündigt werden. Nach der Abgabe aller Anteile ist auch die Mitgliedschaft in der Genossenschaft erloschen. Darüber hinaus können Genossenschaftsmitglieder der Genossenschaft ein Nachrangdarlehen gewähren, das mit 4 % auf 20 Jahre verzinst wird. Der Kapitalrückfluss erfolgt ab dem 11. Jahr. b. Anlagenkalkulation 2011: Projekt 1: landw. Gebäude Anlagengröße: 99,345 kwp Anlagenart: Aufgeständerte/dachparallele PV-Anlage Netto-Kosten: ,46 Einspeisevergütung: 0,2776 /kwh (gewichtet, siehe Tabelle und Erläuterung unter 6.) Garantierte Mindestleistung: 800 kwh/kwp Konservative Leistungsprognose: 850 kwh/kwp Jahreserlös (bei Mindestleistung): 22062,53 Angestrebter EK-Anteil: 20 % 42474,50 5

6 Projekt 2: 4 Carports Anlagengröße: 16,92 kwp Anlagenart: Neubau Carport Netto-Kosten: 51465,48 zzgl. Fundamente Einspeisevergütung: 0,2874 /kwh Garantierte Mindestleistung: 800 kwh/kwp Konservative Leistungsprognose: 850 kwh/kwp Jahreserlös aus Einspeisevergütung (bei Mindestleistung): 3890,25 Jahreserlös aus Carportvermietung: 800 Angestrebter EK-Anteil: 20 % 10293,70 Durch den erforderlichen Carport-Bau trägt sich dieses Projekt nicht allein. Die entstehenden vier PKW-Stellplätze können jedoch vermietet werden, wodurch ein zusätzlicher jährlicher Ertrag von ca. 800 Euro entsteht. Interessenten sind vorhanden, die eine monatl. Miete von 20 bis 25 Euro zahlen würden. Für diese zwei Projekte liegen bereits Angebote vor. Der Jahreserlös kann sich auch erhöhen, wenn ein bestimmter Anteil des erzeugten Stroms direkt verbraucht wird (z. B. vom Inhaber des Dachs). Die Vergütungsstruktur für den eigenverbrauchten Strom ist etwas anders, ergibt aber zusammen mit den Einnahmen aus dem Stromverkauf höhere Erträge. 4. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Vorrangig soll Bürgerinnen und Bürgern aus Wildeck und Umgebung die Möglichkeit gegeben werden, von der Energiewende vor Ort zu profitieren und bereits mit kleinen Beträgen einen Anteil zu kaufen. Bisher gibt es in Wildeck keine Genossenschaft. Die Gemeinde Wildeck hat per Gemeindevertreterbeschluss den Auftrag bekommen, die Gründung einer Genossenschaft vorzubereiten. Diesem Auftrag könnte sie nachkommen, indem sie die vorhandene Initiative unterstützt und überwacht. Davon profitieren sowohl die WEG als auch die Gemeinde. Bürgerinnen und Bürger können am besten durch gezielte Pressearbeit in der HNA und Anzeigenblättern erreicht werden sowie über persönliche Weitergabe von Informationen. 5. Projektzeitplan Inhalt Geplante Deadline Späteste Deadline Dachdaten erhalten Erste Informationsveranstaltung zur Gründung der Genossenschaft Gründungsversammlung mit Wahl des Vorstands und Aufsichtsrates Werbung für die Mitgliedschaft Laufend 6

7 Vertragsunterzeichnungen: Pachtvertrag, Gestattungsvertrag, Darlehensverträge etc. Auftragsvergabe an den Projektierer (max. 8 Wochen Bau/Lieferzeit) Ggf. Kofinanzierung durch eine Partnerbank Netzanschluss und Einweihungsfeier Hintergründe und Technik Mit Hilfe des photoelektrischen Effektes wird Solarenergie in elektrische Energie umgewandelt. Solarmodule bestehen üblicherweise aus mehreren Solarzellen, in denen die Umwandlung stattfindet. Diese können je nach Gegebenheiten als Aufdach- oder Freilandanlage installiert werden. In beiden Fällen ist eine Unterkonstruktion zur Sicherung und Ausrichtung der Module notwendig. Insbesondere für Aufdachanlagen unterscheidet sich diese für Flach- und Schrägdächer. Über die Verkabelung erreicht der elektrische Strom den Wechselrichter, welcher für die Umwandlung von Gleich- (DC) in Wechselstrom (AC) und die Trennung von AC/DC wichtig ist. Vom Wechselrichter aus wird die erzeugte elektrische Energie über einen Zähler in das öffentliche Netz eingespeist und für 20 Jahre abgesichert nach dem Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) vergütet. Hier gelten folgende Vergütungssätze (in ct/kwh, abhängig von Größe und Art): Anlagentyp Aufdachanlagen Cent/kWh Cent/kWh <30 kwp 28,74 24, kwp 27,33 23, kwp 25,86 21,98 >1000 kwp 21,56 18,33 Freiflächenanlagen Freifläche 21,11 17,94 Konversionsfläche 22,07 18,76 (Die jeweils ersten 30, 100 oder 1000 kwp werden nach dem jeweiligen höheren Satz vergütet, alles was über den Grenzwert hinaus geht, wird nach dem geringeren Satz vergütet.) 7. Finanzplan Für den vorliegenden Finanzplan wurde von einem Anfangsprojekt wie unter 3.b. erläutert ausgegangen (siehe auch separater Finanzplan mit den Folgejahren 4 bis 10). Weitere Projekte sind noch nicht berücksichtigt. Aufgrund des starken Interesses in der Bevölkerung 7

8 ist es jedoch wahrscheinlich, dass in den Folgejahren weitere Investitionen in mindestens der gleichen Höhe und ähnlicher Performance vorgenommen werden können. 1 GRUNDDATEN Mitgliederzugang Mitglieder insgesamt Durchschnitts-Umsatz pro Mitglied Umsatz Mitgliedergeschäft Umsatz Nichtmitgliedergeschäft Umsatz gesamt Einzahlung auf Gesch.anteil pro Mitglied Einzahlungen auf Gesch.anteile gesamt Eintrittsgeld pro Mitglied Eintrittsgelder gesamt ERTRÄGE UND AUFWENDUNGEN 13 Erträge 14 Umsätze Zinsen und ähnliche Erträge Sonstige Erträge Gesamt Erträge Aufwendungen 19 Materialaufwand/Warenbezug Aufwand für Dienstleistungen, Honorare Löhne und Gehälter, incl. Soz.Abgaben Abschreibungen Mietaufwand Mietnebenkosten Büroaufwand Werbung Versicherung, Gebühren, Beiträge Rechtsformkosten (u.a. Prüfung) Zinsaufwand Steuern Sonstige Aufwendungen Gesamt Aufwendungen Saldo Aufwendungen/Erträge ZAHLUNGSFÄHIGKEITSRECHNUNG 35 Saldo Aufwendungen/Erträge

9 36 zusätzlicher Liquiditätsbedarf 37 Investitionsausgaben Kredittilgung Summe Liquiditätsquellen 41 Abschreibung Einzahlungen auf Geschäftsanteile Einzahlungen Eintrittsgelder Kredite Zuschüsse Summe Liquiditätsüber-/unterdeckung ÜBERSCHULDUNGSRECHNUNG 49 Saldo Aufwendungen/Erträge Einzahlungen auf Geschäftsanteile Einzahlungen Eintrittsgelder Nettovermögen/Überschuldung Vorjahr Nettovermögen/Überschuldung Erläuterungen zum Finanzplan Zeile 1: Es wird mit ca. 50 Mitgliedern in der Startphase und einem ebenso hohen Zuwachs an Mitgliedern im zweiten Jahr gerechnet, anschließend kommen schätzungsweise 25 Mitglieder jährlich hinzu. Zeile 6: Der Umsatz Nicht-Mitgliedergeschäft resultiert aus der Einspeisevergütung für den erzeugten Solarstrom. Es wurde konservativ mit einem Mindestertrag von 800 kwh/kwp gerechnet, wie ihn der Hersteller/Anbieter auch garantiert. Ortsüblich sind 900 bis 950 kwh/kwp. Es wurde mit einer Degradation (Leistungsabfall) von 1 % jährlich gerechnet. Die Einspeisevergütung wird bei dieser Größenordnung gewichtet (30 kwp à 28,74 Ct. und 70 kwp à 27,33 Ct. = 100 kwp à 27,76 kwp). Zeile 8: Da zusätzlich zu den Genossenschaftsanteilen den Mitgliedern die Möglichkeit geboten wird, Nachrangdarlehen zu gewähren, für die ein etwas höherer Zinssatz geboten wird, geht man pro Mitglied nur von einem Geschäftsanteil i. H. v. 250 aus. Zeile 20: Steuerberatung und Buchführung, im ersten Jahr Genossenschaftsberatung, ab dem 3. Jahr Anlagenwartung. 9

10 Zeile 21: Die Geschäftsführung wird, bis entsprechende Erträge erwirtschaftet werden, ehrenamtlich geleistet. Zeile 22: Im ersten Jahr keine Abschreibung (Inbetriebnahme Dezember); Investitionskosten werden zu 90 % im Gründungsjahr, zu 10 % im Folgejahr fällig Zeile 23: Dachmiete Zeile 27: Wartung und Allgefahren- sowie Betreiberhaftpflichtversicherung sind beim ausgewählten Anbieter im Jahr der Inbetriebnahme und dem Folgejahr inklusive und kosten ab dem 3. Betriebsjahr ca Zeile 29: Es wird von einem Zinssatz von 4 % auf die Nachrangdarlehen und von dem aktuellen kfw-zinssatz von 2,73 % für das Bankdarlehen ausgegangen (Laufzeit 10 Jahre, Zinsbindung 10 Jahre lt. Angebot der beteiligten Genossenschaftsbank bei 20 % EK in Form von Geschäftsanteilen und Nachrangdarlehen der Mitglieder sowie Sicherungsübereignung der Anlage, Wert 30 % des Invests = 50 % Absicherung, daher Preisklasse A - Siehe auch Anm. Zeile 44). Die Umsatzsteuer muss für einige Wochen zwischenfinanziert werden, ca. 300 Euro wurden hierfür in 2011 angesetzt. Zeile 37: Die Anfangsinvestition ergibt sich aus einem vorliegenden Angebot und beträgt Euro netto für die Installation der PV-Anlage einschl. Material und alle erforderlichen Arbeiten sowie zusätzlich anfallende Zahlungen für die außenliegende Trennstelle des EVU und Einmesskosten in Höhe von ca Euro. Zeile 38: Sobald konkrete Zahlen zur Darlehensausgestaltung vorliegen, kann eine Annuitätenrechnung zugrundegelegt werden. Zeile 44: Die Kredite setzen sich zusammen aus Euro Nachrangdarlehen der Genossenschaftsmitglieder und Euro Bankdarlehen. Die Zinsen wurden mit 4 % auf die Nachrangdarlehen und 2,73 % auf das Bankdarlehen berechnet (kfw-konditionen, siehe auch Zeile 29). Zeile 45: Die Beratungs- und Gründungskosten der Genossenschaft werden laut mündlicher Zusage bis 2000 Euro von einer hiesigen Genossenschaftsbank übernommen, die auf diesem Wege die Genossenschaft fördern möchte. 10

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