Internet-Zahlungssysteme aus Sicht der Händler. Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1

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1 Prof. Dr. Karl-Heinz Ketterer Sektion: Geld und Währung Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung Universität Karlsruhe (TH) Internet-Zahlungssysteme aus Sicht der Händler Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1 Juli 2002 Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1 1

2 Die Umfrage IZH1 wurde am Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung der Universität Karlsruhe (TH) - Sektion Geld und Währung, Prof. Dr. K.-H. Ketterer, vom 02. Juli 2001 bis zum 19. November 2001 mit Hilfe eines Online-Fragebogens durchgeführt. Im Mittelpunkt dieser Umfrage steht die Bewertung unterschiedlicher Internet-Zahlungssysteme aus Sicht des Handels. Die Fragen wurden ausschließlich an Online-Händler gerichtet und beschäftigten sich mit den von ihnen eingesetzten Zahlungsverfahren und ihren Erfahrungen mit diesen. Am Ende des Fragebogens bestand die Möglichkeit, einen Kommentar zur Umfragethematik abzugeben. Die Auswertung der Umfrage ist abgeschlossen. Die Resultate der Befragung sind auf dieser Internetseite in Kurzfassung zusammengestellt. Hier werden die Internet-Zahlungssysteme aus Händlersicht beleuchtet und ein Meinungsquerschnitt der Online-Händler zur Verfügung gestellt. 450 teilnehmende Händler bei der Umfrage IZH1 Mehr als 450 Teilnehmer haben den Fragebogen aufgerufen. Davon gingen 323 vollständig ausgefüllte Fragebögen in die Auswertung ein. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit lag bei 10:20 Minuten. Nochmals vielen Dank an alle, die die Umfrage unterstützt und an ihr teilgenommen haben! Angaben zu den Unternehmen - Wer hat an der Umfrage teilgenommen? Knapp 75% der Teilnehmer vertreiben physische Güter; 57,1% bieten ausschließlich physische Güter an, 26,3% bieten ausschließlich digitale Güter an, die restlichen 16,6% bieten beide Kategorien an. Am häufigsten genannt wurden bei den physischen Gütern Geschenke (15,2%), Waren aus dem Telekommunikationsbereich (10,3%), Computer (9,9%), Spiele (8,7%) und Bücher (8,4%). Software wird von 14,4% angeboten. Unter Sonstiges mit 31,2% sind hauptsächlich digitale Güter (Informationen, MP3, Dienstleistungen, Computerspiele, Inserate, Datenbanken, Downloads von Software) vertreten. Der Anteil des Internetumsatzes am Gesamtumsatz liegt bei knapp einem Viertel der antwortenden Unternehmen unter 10 Prozent. Bei knapp einem Fünftel der Unternehmen liegt dieser Anteil zwischen 10% und 30%, bei einem weiteren Fünftel sogar über 30%. Einen reinen Onlinehandel betreiben 38,3% der Befragten. Auf die Frage nach dem Marktgebiet, das die Händler abdecken, ergibt sich folgendes Bild: Immerhin 17,4% der befragten Händler sind weltweit tätig, 21,1% liefert Güter noch nach ganz Europa, 28,7% der Online-Shops bedienen bevorzugt den deutschsprachigen Raum und 31,7% der Händler gibt an, sich hauptsächlich auf Deutschland zu konzentrieren. Zur Unternehmensgröße der befragten Händler: 30,8% der Unternehmen beschäftigen 2 bis 5 Mitarbeiter, weitere 39,7% haben bis zu 50 Mitarbeiter. 9,6% stellen ein 1-Mann-Unternehmen dar, 20% geben eine Mitarbeiterzahl von über 50 an. Mehr als ein Drittel der Unternehmen wurde in den Jahren nach 1998 gegründet: 1999: 14,7%, 2000: 20,9%, 2001: 3,5%. Ein weiteres Drittel nannte die Jahre 1990 bis 1998 als Gründungsjahr. Die übrigen Unternehmen bestanden bereits vor Der durchschnittliche monatliche Online-Umsatz lag bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer bei über EUR. Hierbei wurden durchschnittlich Umsätze in Höhe von bis zu 50 EUR pro Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1 2

3 Transaktion erzielt. Die Unternehmen haben durchweg positive Erwartungen für das laufende Jahr Über 50% rechnen mit Steigerungsraten von über 10%. Ein Anteil von 21,4% der Unternehmen hält sogar Umsatzsteigerungen von über 50% für möglich. Zahlungssysteme im Internet: Angebot und Nachfrage Welche Zahlungssysteme bieten die befragten Händler in ihren Online-Shops an: klassische Zahlungsarten werden von den Online-Händlern bevorzugt eingebunden. An der Spitze steht die Nachnahme (57,3%), gefolgt von der Kreditkarte/SSL (44,9%), der Rechnung (44,3%), der Vorauskasse (42,7%) und der Lastschrift (41,2%). Neuere Zahlungsmethoden werden den Kunden daneben aber ebenso zur Verfügung gestellt: Paybox (24,5%), Net900 (21,4%), FIRSTGATE click&buy (10,8%). Das beliebteste Bezahlverfahren aus Kundensicht bei physischen Gütern, so berichten die Händler, bleibt die Rechnung. Es folgen die Nachnahme, die Lastschrift sowie die Kreditkarte/SSL. Unverschlüsselt gelangt die Kreditkarte erstaunlich häufig zum Einsatz, wohingegen das SET-Verfahren kaum genutzt wird. Auch die Vorauskasse, laut Aussage der Befragten, wird vergleichsweise selten verwendet. Bei digitalen Gütern geben die Kunden der befragten Unternehmen Net900 und FIRSTGATE click&buy den Vorzug vor anderen Bezahlmethoden. Zahlungssysteme wie Paybox, Paysafecard und iclear werden bisher nicht so häufig in Anspruch genommen. Diese Zahlungssysteme werden nach Angaben der Händler von bis zu 20% der Kunden genutzt. Erfahrungen mit Zahlungssystemen Die Bewertung der verschiedenen Zahlungssysteme aus Händlersicht nach Schulnoten (1 sehr gut - 6 ungenügend) ist in Abbildung 1 ersichtlich (Mehrfachnennungen möglich). Die Frage nach der Benotung eines speziellen Zahlungssystems wurde nur den Händlern vorgelegt, die das jeweilige Verfahren auch verwenden. Daher ist in der dritten Spalte der Abbildung 1 die Anzahl der in die Bewertung eingehenden Antworten aufgeführt. Abbildung 1: Bewertung verschiedener Zahlungssysteme aus Händlersicht Zahlungssystem Anzahl der in die Bewertung Durchschnittsnote eingehenden Antworten Net 900 1,5 66 iclear 1,8 21 Sonstige 1,9 35 Paybox 2,0 71 Paysafecard 2,0 18 Vorauskasse (Scheck, Überweisung) 2,1 116 Kreditkarte SET 2,2 13 Kreditkarte SSL 2,2 120 Nachnahme 2,2 161 FIRSTGATE click&buy 2,7 20 Lastschrift 3,1 115 Kreditkarte unverschlüsselt 3,3 27 Rechnung 3,3 128 Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1 3

4 Die Zahlen geben Durchschnittsnoten an. Die Rechnung ist somit das von den Online-Händlern am schlechtesten bewertete Verfahren. Das Problem der Warenrücksendungen bei den einzelnen Bezahlverfahren wird von den befragten Unternehmen in der Regel unkritisch beurteilt. Es werden zumeist wenige bis keine Rücksendungen verzeichnet. Eine Ausnahme bildet hier jedoch die Zahlung per "Kreditkarte unverschlüsselt", bei der viele Rücksendungen beklagt werden. Die Umfrage wurde allerdings in 2001 abgeschlossen, die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Kreditkarten konnten nicht berücksichtigt werden. Die häufigsten negativen Erfahrungen sind nicht bezahlte Rechnungen, ungedeckte Konten und falsche Kontonummern. Seltener sind Annahmeverweigerung von Nachnahmesendungen, falsche Kreditkartennummern, Betrug mit fremden Kreditkartennummern, Scherzbestellungen und falsche Kontonummern eines Inkassosystems. Das Thema Betrugsfälle und Zahlungsausfälle ist erwartungsgemäß heikel. Viele Befragte wollten oder konnten hierzu keine Angaben machen. Die Anzahl der Betrugs- und Zahlungsausfälle wurde von ca. einem Drittel der Befragten bei fast allen Bezahlverfahren als niedrig eingestuft (< 1%). Einige Verfahren bringen jedoch vergleichsweise häufiger Ausfallquoten von bis zu 10% mit sich, so z.b. die Lastschrift und die Rechnung. Höhere Ausfallquoten hat nur die Kreditkarte unverschlüsselt. Die Zahlungsverfahren Nachnahme sowie Kreditkarte SSL liefern ähnlich gute Ergebnisse, wobei die Nachnahme vor der Kreditkarte SSL liegt. Die Verfahren Kreditkarte SET, Vorauskasse, Paybox und iclear schneiden noch besser ab. Hier sind sowohl die Nichtangaben (keine Angabe oder nicht bekannt) als auch die Ausfallquoten niedrig. Zur Frage nach der Zahlungsausfallsquote in % vom Gesamtumsatz machten wieder viele Teilnehmer keine Angaben oder sie waren ihnen nicht bekannt. Die überwiegende Mehrheit gibt an, Zahlungsausfallsquoten von maximal bis zu 5% zu haben. Im Mittelfeld (Ausfallquoten 5-10%) befindet sich nur etwa ein Zehntel der Unternehmen. Nur einige wenige haben höhere Ausfälle. Einführung neuer Zahlungsverfahren Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53%) plant die Hinzunahme eines oder mehrerer Zahlungsverfahren im nächsten halben Jahr, die übrigen 47% verneinen dies. Auf die Frage, welche Verfahren neu hinzukommen sollen, ergibt sich die in Abbildung 2 ersichtliche Rangfolge. Abbildung 2: Geplante Integration eines neuen Zahlungsverfahrens im Shop Paybox 40,0% Kreditkarte SSL 38,8% Lastschrift 25,9% Online-Überweisung im eshop 20,1% IClear 19,2% Kreditkarte SET 15,2% Paysafecard 14,1% Vorauskasse (Scheck, Überweisung) 13,7% Rechnung 10,8% FIRSTGATE click&buy 6,3% Net 900 5,0% Nachnahme 3,8% Kreditkarte unverschlüsselt 3,2% Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1 4

5 Die hohe Prozentzahl bei der Kreditkarte SSL lässt sich dadurch erklären, dass Händler, die bisher keine Kreditkarte (weder unverschlüsselt noch SET) als Zahlungsmittel angeboten haben, nun die Hinzunahme von SSL planen. Anforderungen an ein Zahlungsverkehrsprodukt aus Händlersicht Aus Händlersicht ist die Minimierung der Zahlungsausfälle die wichtigste Anforderung an ein Zahlungsverkehrsprodukt (85,8% halten dies für sehr wichtig). Außerdem werden die Sicherheit des Systems gegen Angriffe (76,5%), die breite Akzeptanz des Systems (76,5%) sowie die Hochverfügbarkeit (70,5%) als sehr wichtig angesehen. Weiterhin stellen die Höhe der Transaktionskosten (60,7%) und die Verbesserung der Kundenbindung (62,5%) bedeutende Aspekte dar. Weitere bedeutende Anforderungen der befragten Händler an ein Zahlungssystem sind: ein geringerer Installationsaufwand (46,5%), die Schnelligkeit des Bezahlvorgangs (49,8%), die Skalierbarkeit (42,1%), der Bekanntheitsgrad des Systembetreibers (43,2%) sowie die Zahl der gleichzeitig bedienbaren Kunden (43,3%). Diese werden jedoch als nicht so fundamental betrachtet wie die oben genannten. Als eher weniger wichtig stufen die Teilnehmer die Frage nach einer europäischen oder sogar internationalen Lösung (37,5% bzw. 27,4%) ein. Ergebnisse der Online-Umfrage IZH1 5

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