Implementierung und Analyse von Progress-Tracking innerhalb eines Web-Based-Training-Systems

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1 Implementierung und Analyse von Progress-Tracking innerhalb eines Web-Based-Training-Systems Diplomarbeit in Telematik Christian Stadlmann November 1999 Begutachter: o.univ.-prof.dr.phil.dr.h.c. Hermann Maurer Betreuer: Univ.Ass.Dipl.Ing. Thomas Dietinger TU-GRAZ Technische Universität Graz Österreich / Austria IICM Institut für Informationsverarbeitung und Computergestützte neue Medien

2 Kurzfassung Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten von Progress-Tracking innerhalb eines Web-Based-Training-Systems und einer Implementierung in GENTLE-WBT, ein Trainings-System auf der Basis von Hyperwave Information Server (HWIS). Dabei geht es um Mechanismen, die Daten über das Verhalten von Benutzern innerhalb der jeweiligen Kursumgebung erfassen, diese in geeignete Datenstrukturen umformen, um das Abspeichern dieser Daten, deren Analyse und eine anschließende geeignete Visualisierung der gewonnenen Informationen. Beleuchtet werden Möglichkeiten einer Realisierung mittels herkömmlicher Web-Statistic-Tools und bereits existierende Mechanismen in anderen WBT-Systemen. Im Speziellen werden die Einsatzmöglichkeiten und Ziele von Progress-Tracking diskutiert, und auf die sich dadurch ergebenden rechtlichen und sozialen Probleme eingegangen. Schließlich wird noch die konkrete Umsetzung in GENTLE-WBT und die programmtechnische Realisierung beschrieben.

3 Abstract This dissertation explores the potential of Progress-Tracking in Web Based Training (WBT) systems, and in particular, Progress-Tracking implemented in GENTLE-WBT, a training system based on Hyperwave Information Server (HWIS). This work is about mechanisms that record data about the behavior of users within a course environment, saving the data in a suitable data structure, and finally after analyzing the data, presenting the results in an appropriate manner. It examines how Progress-Tracking can be implemented with traditional Web statistic tools and existing mechanisms in other WBT-Systems. The usage and goals of Progress-Tracking and the resulting legal and social problems are discussed in detail. Finally, the real-world implementation of Progress-Tracking in GENTLE- WBT and its programming are discussed.

4 Ich versichere hiermit, diese Arbeit selbstständig verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und mich auch sonst keiner unerlaubten Hilfsmittel bedient zu haben.

5 Danksagung Ich möchte mich bei meinem Betreuer dieser Arbeit Univ.Ass.Dipl.Ing. Thomas Dietinger, sowie bei allen anderen Mitarbeitern am IICM, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind, als auch bei Mag. Anton Stadlmann bedanken. Mein Dank gilt aber auch meinen Eltern, die mir mein Studium überhaupt erst ermöglicht haben.

6 1. Einleitung WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave WBT-Systeme Web-Based-Training (WBT) Anforderungen an ein WBT-System Kursmaterial Navigation Kommunikation und Kooperation Tests und Prüfungen Administration Progress-Tracking GENTLE-WBT Die Entstehung Allgemeines Das System Systemstart Studierzimmer Kursraum Communication und Collaboration Hyperwave Allgemeines Konzept von Hyperwave Proxy Client-Server Architektur Datenmodell Links in Hyperwave Suchmöglichkeiten in Hyperwave Benutzerverwaltung und Zugriffsrechte Meta-Informationen / Attribute Mehrsprachigkeit / Multilingualität Kosten eines Dokuments Wavemaster Hyperwave Publishing Wizard Web-Statistic-Tools Allgemeines Common-Logfile-Format Richtigkeit der Daten Inhaltsbezogene Informationen Mirroring Caching 39

7 Firewalls & kommerzielle Online-Services Sessions Nutzungsmöglichkeiten für ein Progress-Tracking Beispiele für Web-Statistic-Tools Analog PWebStats WWWStat Schlussfolgerungen Möglichkeiten von Progress-Tracking Einsatzmöglichkeiten und betroffene Anwendungsbereiche Benutzer und Studenten der Kursumgebung Vortragende/Lehrer eines Kurses Kursautoren Administratoren des WBT-Systems Entwickler des WBT-Systems Erfassen von Daten Systemanmeldung Systemeinstieg Navigation durch die Kursumgebung Aufruf und Verwendung von Modulen/Werkzeugen Kursanmeldung Aufruf einer Kursseite Beendigung eines Kurses Systemausstieg Abmeldung vom System Informationen und Schlussfolgerungen für die Anwendungsgruppen Informationen über die Benutzer/Studenten Allgemeine Benutzerdaten Informationen über den Lernstatus Informationen über die Kursunterlagen / den Kurs Informationen über das WBT-System Schlussfolgerungen für die Einbindung eines Progress-Tracking- Systems Rechtliche und soziale Aspekte Datenschutzgesetz Kontrollmaßnahmen in Betrieben Einführung Begriff der Kontrollmaßnahmen 84

8 Wann wird die Menschenwürde berührt Konkretisierung der Menschenwürde in Hinblick auf Kontrollmaßnahmen Beispiele für Kontrollmaßnahmen Die der Zustimmungspflicht unterliegenden Kontrollmaßnahmen Maßnahmen gegen unzulässige Kontrolleinrichtungen Kontrollmaßnahmen in universitären Einrichtungen Prüfungstermine ( 53) Durchführung von Prüfungen ( 57) Rechtsschutz bei Prüfungen ( 60) Schlussfolgerungen für ein Progress-Tracking Datenschutz Einsatz in Betrieben Einsatz in universitären Bereichen WBT-Systeme und Progress-Tracking Pathware Attain von Macromedia Kurzbeschreibung Progress-Tracking Asymetrix Librarian Kurzbeschreibung Progress-Tracking Top Class von WBT-Systems Kurzbeschreibung Progress-Tracking Implementierung von Progress-Tracking in GENTLE Gewinnen der Information Informationen für die Benutzer / Studenten Betrachtete Seiten eines Kurses Welche Kurse wurden in welchem Ausmaß betrachtet Vergleich mit dem Durschnitts-User im jeweiligen Kurs Informationen für Lehrer/Vortragende Allgemeine Informationen über den Kurs Informationen über die meist-gesehenen Objekte Informationen über die Benutzer Informationen für Kursautoren Informationen für Administratoren Informationen für die Entwickler Erfassen der Daten Die Progress-Tracking User-Files 112

9 Die Daten für den Progress-Tracking-Report Programmtechnische Realisierung Erfassen der Daten Progress-Tracking-Bar Progress-Tracking-Report Ausblick Profiling Anpassen des User-Interface Bildung von Lerngruppen Anpassen der Kursinhalte Prüfungen innerhalb des WBT-Systems Einbindung externer Datenbanken Datenspeicherung in einer SQL-Datenbank Referenzen 123

10 1. Einleitung 1. EINLEITUNG Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten von Progress-Tracking innerhalb eines Web-Based-Training (WBT)-Systems und dessen Implementierung innerhalb des WBT- Systems GENTLE auf der Basis von Hyperwave. Für den Begriff Progress-Tracking gibt es in der Literatur kein eindeutiges deutsches Synonym, etwas freier könnte man es mit dem Erfolg auf der Spur übersetzen. Gemeint sind damit in dieser Arbeit alle Mechanismen, die Daten und Informationen über das Verhalten von Benutzern innerhalb der jeweiligen Kursumgebung erfassen, diese in geeignete Datenstrukturen umformen, das Abspeichern dieser Daten, deren Analyse und anschließende geeignete Visualisierung, damit der Informationsinhalt für die jeweilige Zielgruppe anschaulich und logisch-verständlich dargebracht werden kann. Die gewonnen Ergebnisse können dann für die Benutzer des Lernsystems, für die Autoren der jeweiligen Kurse, für die Administratoren der WBT-Systeme, als auch für die Entwickler der Systeme selbst wichtige Informationen liefern, die Auswirkungen sowohl für die aktuelle Benutzung, die Betreuung des jeweiligen Kurses, als auch für die zukünftige Benutzung des Systems haben können. Wesentlich bei der Beschaffung der für die Analysen benötigten Daten soll sein, dass alle Informationen automatisch und ohne zusätzlichen Aufwand für den Benutzer geschehen. Um einen Überblick über alle von dieser Arbeit tangierten Themenbereiche zu geben, folgt anschließend ein kurzer Überblick über die einzelnen Kapitel. [ Kapitel 2.] In diesem Kapitel soll eine allgemeine Einführung in WBT-Systeme, deren Anwendungsmöglichkeiten, ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Lernsystemen, und ihre Zukunftsaussichten dargestellt werden. Ferner soll im Speziellen auf das WBT-System GENTLE-WBT, für das ich mich bei der Implementierung entschieden habe, eingegangen werden, und auch kurz Hyperwave, auf dessen Basis GENTLE-WBT aufbaut, beschrieben werden. [ Kapitel 3.] Dieses Kapitel geht näher auf die Möglichkeiten von Database-Logging und Web-Statistic-Tools hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten für ein Progress-Tracking ein. [ Kapitel 4.] Hier werden die Einsatzmöglichkeiten von Progress-Tracking beschrieben, welche Informationen für welche Zielgruppe von Interesse sind, welche Schlüsse sich aus den Daten analysieren lassen, und welche Probleme es beim Erfassen der nötigen Informationen hinsichtlich ihrer allgemeinen Gültigkeit gibt. [ Kapitel 5.] Dieses Kapitel beleuchtet Datenschutz-rechtliche und soziale Aspekte von Logging und im Speziellen von Progress-Tracking. Es soll vor allem diskutiert werden, welche Daten in welchem Umfang rechtlich erfasst werden dürfen, und welche Maßnahmen zu treffen sind, damit ein 10

11 1. Einleitung Progress-Tracking-System zu schützende Informationen anonym erfassen und weiter verwenden kann. [ Kapitel 6.] Hier sollen aktuelle, sich am Markt befindliche WBT-Systeme in Hinblick auf Progress-Tracking untersucht und miteinander verglichen werden. [ Kapitel 7.] In diesem Teil wird konkret auf die Implementierung von Progress-Tracking in GENTLE-WBT eingegangen, im Einzelnen welche Daten wo innerhalb der Kursumgebung erfasst werden, welche Informationen man aus diesen Daten gewinnen kann, welche Nutzungsmöglichkeiten sich aus diesen Informationen ergeben und schließlich Möglichkeiten, um diese für die einzelnen Zielgruppen intuitiv und übersichtlich darzustellen. [ Kapitel 8.] In diesem Kapitel soll auf die Programm-technische Realisierung des Progress-Tracking innerhalb von GENTLE-WBT, hier vor allem auf die gewählten Datenstrukturen und Mechanismen zum Erfassen der nötigen Daten und deren grafische Visualisierung, eingegangen werden. [ Kapitel 9.] Themen und Möglichkeiten für zukünftige Arbeiten im Bereich Progress-Tracking. [ Kapitel 10.] Auflistung aller Referenzen, die für diese Arbeit verwendet wurden und auf weiterführende Literatur verweisen. 11

12 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave In diesem Kapitel sollen Anwendungsmöglichkeiten von WBT-Systemen dargestellt werden, um in den weiteren Kapiteln dann auf die Einsatzmöglichkeiten von Progress-Tracking in solchen Systemen eingehen zu können. Im Speziellen soll hier GENTLE-WBT vorgestellt werden, das für eine Implementierung eines Progress-Tracking-Systems ausgewählt wurde. Schließlich sollen auch noch die wichtigsten Konzepte und Methoden von Hyperwave (Hyperwave Information Server - HWIS) erläutert werden, auf dem GENTLE-WBT basiert WBT-Systeme In diesem Abschnitt wird eine allgemeine Einführung in die Anwendungsmöglichkeiten von WBT-Systemen gegeben. Insbesondere wird auf deren Vorteile gegenüber herkömmlichen Lernsystemen eingegangen, und auf den großen Nutzen von Progress-Tracking in Zusammenhang mit solchen Systemen hingewiesen Web-Based-Training (WBT) Das World-Wide-Web wird in zunehmenden Maße für Fortbildungsmöglichkeiten genutzt, wobei der Weg vom reinen Präsentationsmedium hin zu einer Verwendung als interaktives, virtuelles Klassenzimmer geht. Web-Based-Training stellt einen moderner Ansatz von Distance-Learning dar. Es wird dabei auf den Methoden des Computer-Based-Trainings (CBT) aufgebaut, die durch zusätzliche Einsatzmöglichkeiten des World-Wide-Webs (WWW), vom Internet und von Intranets ergänzt wird (WBT verwendet TCP/IP und HTTP Protokolle, hingegen wird beim Internet-Based- Training IBT zwar auch TCP/IP nicht notwendigerweise aber HTTP verwendet [Kilby99] ). Durch die Einbindung von Netzwerktechnologien und die Verwendung von Kommunikationsmöglichkeiten wie Chat, , Videoconferencing oder Diskussionsforen ist es möglich, ein Zusammenarbeiten von Studenten untereinander oder mit Tutoren / Trainern zu realisieren, ohne dass diese an einem Ort zusammenkommen müssen (oder sich jemals tatsächlich gegenüber stehen). Durch die Anbindung an das WWW ist es möglich, Inhalte immer aktuell und von überall zugänglich zu machen. WBT ist Multi-Media-Learning [Holzinger99], das zusätzliche Möglichkeiten der Kommunikation, eines Kurs-Authoring und einer Benutzer-Verwaltung vereint, und das alles unabhängig von der eigentlichen Computerplattform. Mittels WBT kann die Möglichkeit eines Trainings überall in der Welt zu jeder Zeit angeboten und realisiert werden. Je ausgereifter Computer-Netze und umso größer die zur Verfügung stehenden Bandbreiten werden, desto effizienter lassen sich Multi-Media-Technologien wie 3-D Virtual Reality, Animationen, Interaktionen, Chat und Conferencing, Real-Time-Audio und Video für parallel geführte Training-Sessions einsetzen. WBT-Systeme sind Computersysteme, die alle Technologien und Werkzeuge vereinen, die für die Realisierung solch virtueller Trainingseinheiten notwendig sind. Sie stellen den Administratoren Tools zur Benutzer- und Kursverwaltung zur Verfügung. Sie ermöglichen es Trainern/Vortragenden auf einfache Weise Kurse zu erstellen und zu warten, und stellen 12

13 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave Methoden bereit, den Lernerfolg der Kurs-Benutzer zu überwachen. Den Studenten/Benutzern selbst werden Möglichkeiten geboten, die bereitgestellten Kurse durchzulesen und durch deren Inhalte zu navigieren (online oder offline), Inhalte auszudrucken, Notizen (private oder öffentliche) anzubringen, auf Hintergrund-Bibliotheken zuzugreifen und sich während dem Lernen mit anderen Studenten im Kurs mittels Kommunikation gegenseitig zu unterstützen [Harrison99], [Maurer96b], [Schwarzer98] Anforderungen an ein WBT-System Ein WBT-System sollte alle Funktionen und Werkzeuge, die die Anwendungsgruppen dieses Systems bei der Erledigung ihrer Aufgaben benötigen, zur Verfügung stellen. Diese Anwender sind im Einzelnen: Studenten / Benutzer (Trainees) Trainer / Vortragende Kursautoren Administratoren Alle diese Anwender haben unterschiedliche Aufgaben im bzw. Interessen am jeweiligen WBT- System: Studenten werden einen Großteil ihrer Zeit im System vor allem die Kursunterlagen verwenden. Sie benötigen daher Möglichkeiten, sich in diesen Unterlagen zu recht zu finden, Navigationshilfen um nicht im Hyperspace verloren zu gehen und Möglichkeiten, ihren Lernerfolg zu überwachen [ Kapitel 4. Progress-Tracking ]. Um aber auch die Nachteile eines herkömmlichen CBT-Systems auszumerzen, benötigen die Trainees Comunication- und Collaborationtools, um mit den anderen Kursteilnehmern und dem Trainer selbst Verbindung zu halten, wie auch eine Hintergrundbibliothek, die ständig aktuell gehalten wird. Trainer wollen ständig über den Lernerfolg ihrer Studenten Bescheid wissen und benötigen Informationen über die Auslastung ihres Kurses. Aber auch technische Möglichkeiten, virtuelle Sprechstunden im WBT-System abzuhalten und vor allem die Durchführung von Tests und Prüfungen stellen große Anforderungen an das jeweilige System. Kursautoren benötigen Werkzeuge, Kursunterlagen zu erstellen, das Material zu strukturieren, verschiedenen Inhalte miteinander zu verknüpfen und auf externe Quellen zu verweisen (bzw. sollen diese vielleicht sogar automatisch ergänzt werden). Administratoren sind für die Verwaltung des Systems verantwortlich. Sie verwalten Daten der Benutzer, stellen Kurse ins System und vergeben Zugriffsrechte. Dazu benötigen sie Tools um das System und die Benutzerdaten zu konfigurieren, und um sich Informationen über die Auslastung des Systems erstellen zu lassen (da es ihnen meist auch obliegt, das jeweilige Computernetz zu warten, ist es für sie von Interesse, welche Folgen sich durch den Einsatz des WBT-Systems auf das Netz ergeben). Aus diesen Aufgaben ergeben sich daher folgende Anforderungen an ein gut implementiertes WBT-System: 13

14 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave Kursmaterial Es muss Möglichkeiten geben, das Kursmaterial (alle Dokumente eines Kurses) - ähnlich dem herkömmlichen Aufbau eines Buches (Kapitel, Unterkapitel und Abschnitte) - zu strukturieren. Auch muss es Möglichkeiten geben, Querverweise zwischen diesen einzelnen Dokumenten/Abschnitten einzubauen oder auf andere Kursunterlagen oder themenbezogene Dokumente in der Bibliothek zu verlinken. Dynamisch erstellte Inhaltsangaben werden ebenso benötigt, wie Methoden um fehlende Seiten, auf die verwiesen wird, zu erkennen und darauf zu reagieren. Hier sind vor allem die Systeme von Vorteil, die auf Servern aufbauen, die hierarchische Strukturen und Link-Konsistenz realisieren [ 2.3. Hyperwave Information Server ]. Es muss aber auch Möglichkeiten geben, das Kursmaterial auf die Benutzer dynamisch abzustimmen. Je nach Vorkenntnissen oder Interessengebieten können dadurch bestimmte Bereiche für bestimmte Gruppen von Usern sichtbar oder nicht sichtbar werden (oder verschieden intensiv diskutiert werden) [Moser98] Navigation Eine effiziente Navigation ist für ein WBT-System unabkömmlich. Studenten müssen jederzeit einen Überblick über die Kursunterlagen haben, wo befinden sie sich derzeit, wohin können sie als nächstes gehen, welche Kapitel haben sie schon abgeschlossen, wo sind noch Tests zu bestehen. Dazu zählt eine dynamisch erstellte Inhaltsangabe, in der man einen Überblick über den gesamten Kurs bekommt und direkt auf spezielle Dokumente springen kann ebenso, wie Buttons mit denen man eine Seite vor oder zurück blättern kann. Auch Möglichkeiten, schnell auf ein anderes Kapitel zu springen oder Navigation durch eine effektive Suchfunktion, in der man sowohl nach Inhalten als auch nach Dokument-Attributen suchen kann, gehören zu einem gut ausgestatteten WBT-System. Wichtig ist es, dass der Benutzer nicht in den Kursunterlagen verloren geht (einer der großen Nachteile herkömmlicher Web-Server), sondern jederzeit über seine aktuelle Position im Kurs Bescheid weiß Kommunikation und Kooperation Einer der Gründe, warum sich CBT-System nie so richtig durchsetzen konnten, war wohl die fehlende Möglichkeit, mit anderen Studenten Informationen auszutauschen, Fragen zu stellen, oder Sprechstunden zu besuchen. All dies kann durch ein WBT-System effektiv realisiert werden, was den großen Vorteil gegenüber herkömmlichen nur-offline Varianten ausmacht. Benutzer brauchen sowohl asynchrone als auch synchrone Tools [Persché97]: Asynchrone Tools (die Teilnehmenden müssen nicht zugleich online sein) wie Messaging oder Diskussions-Foren können für allgemeinere Fragen und Diskussionen zum jeweiligen Kurs oder zu anderen Themen verwendet werden. Synchrone Tools (alle Kommunikationspartner sind zugleich online verbunden) wie Chat oder Videoconferencing können ähnlich einem Telefon eingesetzt werden, um flexibler in Real-Time zu diskutieren oder Fragen zu stellen (eine Möglichkeit ist beispielsweise eine 14

15 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave virtuelle Sprechstunde als Chat realisiert, bei der mehrere Personen zugleich dem Vortragenden Fragen stellen können). Mit Hilfe von Collaboration- und Cooperationtools wie Whiteboarding, Document-Sharing oder Shared-Workspaces können ganze Gruppen von Studenten zugleich auf das selbe Dokument zugreifen, um dieses gemeinsam zu erstellen oder zu editieren. Dadurch können Gruppenarbeiten in hohem Maße unterstützt werden [Stadlmann99] Tests und Prüfungen WBT-Systeme sollten Kursautoren bzw. Vortragende bei der Erstellung eigener Testseiten unterstützen. Solche Tests enthalten üblicherweise diverse zusätzliche Steuer- und Formularelemente, mit deren Hilfe Fragen gestellt und beantwortet werden können. Die Korrektur der Tests kann entweder automatisch durch das System oder den Trainer selbst vorgenommen werden. Automatisch korrigierte Tests können dem Trainee beispielsweise helfen, sein derzeitiges Wissen zu überprüfen. Mit Hilfe von synchronen Kommunikationswerkzeugen sind auch online-prüfungen realisierbar, und auch eine Art Überwachung der Mitarbeit ist mittels Progress-Tracking [ Kapitel 4.] denkbar Administration Ein gutes WBT-System wird eine Reihe von Tools zur Verfügung stellen, mit deren Hilfe es den Administratoren auf einfache Art und Weise möglich ist, Kurse ins System zu stellen und zu deklarieren, Benutzer im System zu verwalten, Gruppen oder Teams zu bilden und das gesamte System zu konfigurieren. Dazu gehören auch allgemeine Einstellungen, die das WBT-System an die jeweilig verwendeten Rechner der Firma/Schule/Universität anpassen Progress-Tracking Ein Progress-Tracking-System [ Kapitel 4.] erfasst sämtliche Tätigkeiten der Benutzer im System und erstellt aus diesen erfassten Daten umfassende Informationen und Analysen für alle Anwendergruppen: Trainees bekommen Informationen über ihren Lernerfolg, über etwaige Tests und einen besseren Überblick über die Kursunterlagen. Trainer können den Lernerfolg ihres Kurses überwachen, um so auf langsamere oder besonders schnelle Studenten besser eingehen zu können. Kursautoren bekommen Informationen darüber, wie ihre Unterlagen bei der Hörerschaft ankommen, welche Kapitel besonderes Interesse hervorrufen und welche Abschnitte nicht gerne bearbeitet werden. Administratoren bekommen Daten über die Gesamtheit aller Benutzer im System, um Rückschlüsse auf die Auslastung der einzelnen Kurse und des ganzen System zu erhalten. 15

16 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave 2.2. GENTLE-WBT In diesem Abschnitt wird nun das Web-Based-Training-System GENTLE-WBT näher beschrieben, für das eine Implementierung von Progress-Tracking durchgeführt wurde [ Kapitel 7. Implementierung von Progress-Tracking in GENTLE-WBT ] Die Entstehung Das Institut für Informationsverarbeitung und computergestützte neue Medien (IICM) an der Technischen Universität Graz, an dem GENTLE-WBT in Kooperation mit Hyperwave Information Managment GmbH mit Sitz in München entwickelt wird, kann auf eine lange und erfolgreiche Geschichte im Einsatz mit computergestützten Lernhilfen verweisen. Unter der Führung von Hermann Maurer spielte das Institut (damals IIG - Institut für Information Processing ) eine wesentliche Rolle bei der Einführung von Videotex Systemen in Österreich und Teilen Europas (6 Millionen User in Frankreich), die als erste Hypertext-Systeme und somit als Vorläufer für das heutige Web gesehen werden können. Zu dieser Zeit wurde am Institut auch der erste Netzwerk-Computer ( MUPID ) entwickelt, der seine Software über das Netz geladen hat (ähnlich dem heutigen Java). Später entstanden dann erste Aktivitäten und Entwicklungen im Bereich Computer-Aided- Instruction (CAI) namens COSTOC. Daraufhin wurde HM-Card in Kooperation mit der Polytechnischen Universität in Leningrad (St. Petersburg) entwickelt. HM-Card ist ein Hypermedia Authoring-System, mit dessen Hilfe Präsentationen erstellt und dann in anderen Hypermedia-Systemen integriert werden können. Mitte der 90er Jahre begann dann die Entwicklung eines WBT-Systems, das erstmals alle Anwendergruppen unterstützen sollte. Seit Herbst 1997 wird ein Prototyp von GENTLE-WBT (damals noch Hyperwave Training Space HTS ) an der Technischen Universität Graz für eine Vielzahl von Vorlesungen mit Erfolg eingesetzt. Im November 1999 erreicht das Produkt schließlich nach jahrelanger Entwicklung und zahlreichen praxisnahen Tests die Produktionsreife und es erscheint GENTLE-WBT Version 1.0 [GENTLE99] Allgemeines Mit Hilfe von GENTLE-WBT ( GEneral Networked Training and Learning Environment ) ist es möglich, alle Vorteile von Distance-Education und die Stärken von herkömmlichen Klassenzimmern zu vereinen [Dietinger97], [Dietinger98]. GENTLE ist eines der wenigen WBT-Systeme, das Authoring, Collaboration and Management in hohem Maße unterstützt [Fenn99], wobei bei der Entwicklung die großen Erfahrungswerten im Einsatz eines solchen Systems in einem universitären Bereich, aber auch in großen Firmen sehr vorteilhaft waren. Es werden in GENTLE-WBT alle Anwendergruppen eines WBT-Systems [ 4.1.] bei ihren Tätigkeiten im System unterstützt. 16

17 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave Nachfolgend eine Übersicht über die Funktionalitäten für die einzelnen Anwendungsbereiche: Studenten/Benutzer übersichtliche und einfach zu bedienende Tools ausgefeilte Communication und Collaboration-Module erstellen privater und öffentlicher Notizen Bibliothek, Glossar einfache Navigation (Blättern, Inhaltsverzeichnis, Suche) Progress-Tracking (Überwachen des eigenen Lernerfolgs) animierte Tests Verwaltung persönlicher Daten Lehrer/Trainer und Kursautoren anlegen und verwalten von Kursen Überwachung des Lernerfolgs der Studenten, Auslastung einzelner Kurse etc. Möglichkeit von virtuellen Sprechstunden einbinden von Foren aktives Mitarbeiten der Studenten durch Annotationen erstellen und verwalten von Teams Administratoren verwalten der User im System (User, Teams, Kurse) Konfiguration von Systemkomponenten Statistische Evaluierung Eine weitere Stärke ist die große Bandbreite an unterstützten Systemen/Plattformen, die für ein Web-basierendes System heutzutage unerlässlich ist. Server-Plattformen / Technologien Windows NT 4.0 COMPAQ UNIX HP-UX IBM AIX 4.3 Linux 2.0x SGI IRIX 6.3 SNI Reliant UNIX 5.43 SUN Solaris Client-Plattformen Web browser - Netscape 4.x oder Internet Explorer 4.x (oder später) werden empfohlen. Java und JavaScript sollten enabled sein. System-Architektur Das System basiert auf Hyperwave 4.1 (und höher), wobei Hyperwave 5.0 empfohlen wird. Client-seitig wird ein Java und JavaScript fähiger Browser benötigt (sowohl für Trainer als auch Studenten). Das System kann auch in bereits bestehende Hyperwave-Server eingebunden werden. 17

18 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave [Abb ] GENTLE-WBT Architektur Das System Wie bereits erwähnt basiert GENTLE-WBT auf Hyperwave [ 2.3.], wodurch sich zahlreiche mächtige Funktionalitäten ergeben. Kursstrukturen können einfach und übersichtlich erstellt und modifiziert werden. Die Suchfunktion kann sowohl auf einzelne Kurse (natürlich auch auf Kapitel, etc) als auch auf den gesamten Server angewendet werden, wobei nach indizierten Inhalten ebenso wie nach Eigenschaften bestimmter Dokumente gesucht werden kann (z.b. Erstelldatum). Eine weitere Möglichkeit, die sich durch die Anbindung an Hyperwave ergibt, ist ein Document- Pricing, wodurch bestimmte Kurse mit einer Art Kostenverrechnung versehen werden können [ 2.3]. Aber auch die Realisierung von Mehrsprachigkeit (sowohl die Kursinhalte als auch die Systemoberfläche werden angepasst) basiert auf den erweiterten Möglichkeiten eines Second- Generation-Servers, wie Hyperwave einer ist Systemstart Steigt man in das System ein, gelangt man in das Hauptmenü, in dem man sich einerseits registrieren kann (je nach Account hat man dann in der späteren Verwendung Zugriff auf verschiedene Features, die eben nur für Studenten, Trainer oder Administratoren verfügbar sind). Sobald man sich registriert hat, kann man das Studierzimmer [ ] betreten, das so etwas wie den zentralen Ausgangspunkt zu allen Modulen und Tools in GENTLE-WBT darstellt. Man kann sich hier aber auch einen Überblick über GENTLE verschaffen, oder sich alle am System verfügbaren Kurse auflisten lassen. 18

19 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave [Abb ] GENTLE-WBT Systemeinstieg Studierzimmer Vom Studierzimmer aus gelangt man zu allen großen Modulen/Räumen innerhalb von GENTLE- WBT. Man kann hier Kurse auswählen, an verschiedenen Diskussionsforen teilnehmen und mit anderen Benutzern in Verbindung treten. Im Hauptfenster werden alle Kurse aufgelistet, für die man sich bereits angemeldet hat, die einem vorgeschlagen werden, und die man bereits abgeschlossen hat. Am rechten Rand der angemeldeten Kurse wird ein Progress-Indikator für jeden Kurs angezeigt, der Aufschluss über den Lernerfolg in diesem Kurs gibt [ Kapitel 7.]. Im linken Frame befinden sich die Buttons, mit deren Hilfe man die einzelnen Räume des GENTLE-WBT betreten kann: Alle Kurse Man gelangt in eine übersichtliche Darstellung aller am System zur Verfügung stehender Kurse, und kann sich allgemeine Informationen über diese Kurse anzeigen lassen (Vortragender, erforderliche Vorkenntnisse, etc.) Diskussionen Hier besteht die Möglichkeit, an allgemeinen, an kursspezifischen und an teamspezifischen Diskussionen teilzunehmen, oder aber auch selbst derartige Diskussionen neu zu erstellen. Natürlich kann man sich auch von Diskussionen wieder abmelden. Persönlicher Bereich Darin werden eigene Diskussionsbeiträge, persönliche Notizen und geführte Chats abgespeichert. Diese kann man sich wieder anzeigen lassen, oder kann sie auch löschen. 19

20 2. WBT-Systeme, GENTLE-WBT und Hyperwave Persönliche Daten Von jedem Benutzer im System wird eine Visitenkarte mit persönlichen Daten und einem Bild erzeugt. Diese ist von jedem Benutzer im System abrufbar, wodurch man sich stets ein Bild von seinem Gegenüber beim Chatten oder im Messaging-System machen kann. [Abb ] GENTLE-WBT Studierzimmer Nachrichten Hier kann man ähnlich wie mit seinem gewohnten -Client erhaltene Nachrichten lesen, darauf antworten, sie löschen oder neue Nachrichten verfassen. Durch ein blinkende Symbol im Button selbst wird man sofort verständigt, wenn man eine neue Nachricht bekommen hat. Cafe Hier kann man sich an verschiedenen online Gesprächen (Chats) beteiligen, wobei die angezeigten Chats davon abhängig sind, welche Rechte man im System hat. Diese Gespräche können nur synchron geführt werden, dass heißt es müssen alle Gesprächsteilnehmer gerade online sein. Das Chatten selbst funktioniert dann ähnlich dem Telefonieren, nur wird die Sprache durch Schrift ersetzt, wobei auch hier mehrere Personen zugleich miteinander chatten können. Ebenfalls besteht die Möglichkeit für Trainer oder Administratoren, virtuelle Sprechstunden abzuhalten. Diese sind dann für bestimmte Kurse an bestimmten Tagen und zu fest definierten Uhrzeiten (analog zu echten Sprechstunden) geöffnet, und können von Studenten besucht werden, um Fragen an den Vortragenden zu stellen. 20

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